Amok in Seattle und anderswo

Übersicht über Vorfälle mit legal gekauften »weapons«, Jagd- und Sportschützenwaffen:

http://www.sportmordwaffen.de/Sportwaffen-Opferkarte.pdf

Weitere Vorkommnisse:

Ein bewaffneter Mann drang in einen Schwulenclub ein und schoss wild um sich. 20 Menschen wurden getötet, unter ihnen der Schütze.

Vorbereitete Handlung

Der Mann habe einen Waffenschein besessen und gedroht, im Falle seiner Einweisung die Situation eskalieren zu lassen, erklärten die Ermittler.

Bei einem Schusswechsel mit der Polizei stirbt der Rentner.

Gelegenheit macht Mörder?!

Kurz nach Mitternacht wurde die Jägerin, die Lang- und Kurzwaffen besitzt, durch Spezialeinsatzkräfte in ihrer Wohnung festgenommen. Bei der anschließenden Durchsuchung der darüber liegenden Wohnung fanden die Beamten dann die beiden Leichen.

Jägerin soll Nachbarn erschossen haben – Zwei Tote

Die Bedingungen sind günstig für solche Vorfälle. – Leider. – Aber wenn wir Menschen die Gesetze ändern, wird es keine Waffen mehr zu kaufen geben.

When police found his body, he was surrounded by three semi-automatic handguns and nearly 400 rounds of ammunition, which had all been purchased legally.

dailymail–Virgin-killer-planned-murder-stepmother-six-year-old-brother-feared-hed-grow-popular-girls-meticulously-planned-rampage

Winnenden. 5 Jahre danach. Die Forderung der Hinterbliebenen und Mütter war: Großkaliberwaffen sollten für Privatpersonen verboten werden und Sportschützen sollten nicht mehr ihre Munition zu Hause lagern dürfen. – Beides wurde nicht durchgesetzt.

Die Waffenlobby sind nur 2% der ganzen Bevölkerung, aber sie können scheinbar ihre Vorstellungen in der Politik durchsetzen.

Audio-Archiv »Winnenden«

Der zerbrochene Ring – Reportage von Svenja Pelzel

Wieder ein Sportschützenmord? — Schützenvereine – Warum wird diesem Alibizugang zu scharfen Waffen nicht endlich ein Riegel vorgeschoben. Auch hierüber wäre eine Volksabstimmung nötig. — Was als »Sport« daherkommt, dient der Bewaffnung gewaltbereiter Bevölkerungskreise.

Und von seinem geladenen Revolver, den er als langjähriger Sportschütze trotz der strengen Vorschriften aus dem Blick verloren haben will, war die Rede.

tagesspiegel–angeblich-waren-sie-noch-ein-paar-sportschuetze-bestreitet-mord-an-ex-freundin

Der mutmaßliche Wilderer hat in Niederösterreich drei Polizisten und einen Sanitäter erschossen ….. Der 55-jährige ist Mitglied eines Schützenvereins …

Alois H. besitzt Langfeuerwaffen

Nach Medienberichten gilt der Täter als Waffennarr, der auch Handgranaten besitzen soll.

salzburg–wilderer-alois-h-nach-blutbad-verschanzt-polizei-stuermt-hof

kurier–wilderer-erschiesst-vier-menschen-drei-polizisten-und-ein-sanitaeter-tot

Waffenbesitzer tötet 2 Kinder, eine schwangere Frau, einen Mann, eine Frau und verletzt ein 6-jähriges Mädchen schwer.

The gunman who killed five family members, including a pregnant woman and two small children, in downstate Manchester was armed with a hunting rifle with a scope, a carbine rifle, a 20-gauge pump-action shotgun and an 18-inch machete, according to the state police.

chicagotribune–manchester-illlinois-shootings

„Legaler“ Waffenbesitz ist eine Gefahr für andere Menschen.

Der Mann habe mit seiner Waffe, die er legal besessen habe, in dem Dorf Velika Ivanca rund 50 Kilometer südlich von Belgrad sechs Männer und sechs Frauen sowie einen zweijährigen Jungen erschossen.

tagesspiegel–serbe-erschiesst-13-menschen-polizei-raetselt-weiter-ueber-motiv

Ja, die Sportschützen. Hauptsache sie können ihrem Hobby nachgehen. Da muss die Gesamtbevölkerung schon mal ein bisschen flexibel sein, gell.😦

Die Ermittler fanden aber unter anderem heraus, dass auf den 34-Jährigen mehrere Waffen zugelassen waren. Nachbarn berichteten, dass der 34-Jährige Sportschütze gewesen sei.

mz–tangermuende-hintergrund-der-toedlichen-schiesserei-unklar

Nach ersten Informationen der Polizei hatte der Mann eine Waffenbesitzkarte. Ob diese auf die Tatwaffe ausgestellt war, konnten die Ermittler zunächst ebenfalls nicht sagen.

tagesspiegel–familiendrama-freundin-des-taeters-stirbt-nach-toedlichen-schuessen

colorado-usa-polizei-14-tote-und-50-verletzte-nach-schiesserei-in-kino

Wie viele Tote muss es noch geben, damit endlich die Gesetze geändert werden?

Geiselnehmer-hortete-weitere-Waffen-im-Keller

Die Motive für die Taten lagen zunächst noch im Dunkeln. Der Bruder des Schützen sagte allerdings der Zeitung „Seattle Times“, dass der 40-Jährige geistig gestört gewesen sei. „Es überrascht mich nicht, dass so etwas passiert ist. Man konnte es kommen sehen. Es kommt einfach nichts Gutes heraus, wenn jemand soviel Zorn in sich hat“, sagte der Bruder.

Ja, geistig gestört. Aber Waffen kaufen konnte er.😦

seattle-raubueberfall-und-amoklauf-sechs-menschen-sterben

Und weiter geht es:

tagesspiegel–der-horror-von-newtown-mitmenschen-beschreiben-den-taeter-als-einzelgaenger

Ich will ja nicht gerade sagen, dass die Amerikaner wahnsinnig sind. Aber mit ihrem Waffentick sind sie schon mittlerweile eine weltweite Gefahr. Der Waffenkram gehört nicht nur in die Schränke gesperrt, es sollte eine neue Philosophie des Umgangs mit Gewalt eingeführt werden. Der Waffenwahn kommt auch durch die »Weltpolizei-Funktion« die die Amerikaner haben. Man sollte den Menschen dort helfen, in dem wir die Aufgabe auf unser aller Schultern nehmen.

Die Welt gestalten

»Der Hof«, ein Zusammenschluss von Menschen mit anthroposophischem Bezug, hat seine neue Broschüre herausgebracht, in der als Schwerpunktthema die »Emphatie« angesprochen wird.

Emphatie, etwas, das »im Menschen« sich abspielt, betrifft die eigenen Gefühle, das eigene Denken, also die Instrumentarien, mit denen wir die Welt untersuchen und einschätzen.

Wenn man so will, ist das eine »buddhistische« Weltsicht, bei der es darum geht, mein Inneres so zu gestalten, dass es eine Ordnung in mir findet, die ich bejahen kann.

Die mehr »zarathustrische« Weltsicht ist eine ganz andere. Sie will nicht »im Inneren« ordnen, sondern »das Außen« gestalten und formen. Der Zarathustra fragt, was ist an der Außenwelt nicht in Ordnung, wie kann ich so auf sie wirken, dass sie ins Lot gerät und »angemessen« ist.

In der Vorbetrachtung zum Programm des »Hofs« wird also die Emphatie besprochen und dabei gerät auch die Wirklichkeit ins Blickfeld. – Die Wirklichkeit tritt zum Beispiel auf, durch das »Flüchtlingsthema«. Die Bundesregierung plant, die Flüchtlinge zu »integrieren«. Die Integration besteht als Modell aus demselben, was die politischen Verwalter schon gegen die Arbeitslosen anwenden, das »Hartz4-Konzept«: Fördern und Fordern.

»Fordern« ist der Zwang, arbeiten gehen zu müssen. Die deutsche Zwangsarbeit besteht durch die Hartz4-Sanktionen, die die Menschen dazu zwingen, einen Billiglohn-Job anzunehmen, wenn denn sonst kein gut bezahlter, mit guten Rahmenbedingungen ausgestatteter Arbeitsplatz auffindbar ist.

In genau diesen Billiglohn-Sektor wird aber auch die Mehrzahl der anerkannten Flüchtlinge hineingedrängt, da nicht jeder von diesen »Arzt« oder Ingenieur ist, oder Nischenarbeiten übernimmt, die sonst nicht von der vorhandenen Bevölkerung erledigt werden.

In diesem Kontext steht in der Hof-Broschüre:

Ein verbreitetes Missverständnis ist, zur Empathie gehöre es, alles gelten zu lassen, was der andere sagt, ohne es zu bewerten. „Empathiefähigkeit bedeutet nicht, mit dem anderen inhaltlich einer Meinung zu sein”, sagt Jäckel. Im empathischen Gespräch sollte die Sichtweise des anderen klarer werden, aber deshalb muss man sie noch lange nicht teilen.

Ein Beispiel: Fremdenfeindliche Menschen haben Angst, dass Ausländer ihnen eine andere Kultur aufzwingen oder ihnen ihren Job wegnehmen wollen. Empathie bedeutet, solche Ängste wahrzunehmen — aber man muss nicht verschweigen, dass man sie für irrationale, archaische und destruktive Ängste hält.

Hier könnte jetzt die Frage sein, ist die Angst vor einer Zunahme der Arbeitsplatz-Konkurrenz unberechtigt, wenn mehr Menschen in einer Gesellschaft um Billiglohn-Jobs wettstreiten? – Ist diese Angst irrational, archaisch oder »destruktiv«?

Irrational ist die Angst nicht. – Denn tatsächlich wird der Konkurrenz-Druck am Arbeitsmarkt größer. Die vielen Arbeitslosen werden von den Agenturen für Arbeit und Jobcenter überwiegend in den Billiglohn-Bereich vermittelt. – Durch die Zunahmen an Flüchtlingen, müssen noch mehr Menschen in diesen Bereich »gedrückt« werden. – Die Gefahr ist da, dass die arbeitsabhängigen Menschen von skrupellosen, neo-liberalen Unternehmern »ausgebeutet« werden, weil sie sich nicht gegen diese »unlauteren« Jobangebote wehren können.

»Archaisch« ist diese Angst auch nicht.

Als »destruktiv« könnte die Angst allerdings dann zu recht eingeschätzt werden, wenn sie dazu dient, das Existenzrecht der Flüchtlinge insgesamt in Frage zu stellen. – Die Flüchtlinge haben, wie alle Menschen, ein Recht zu existieren.

Deshalb müssen wir überlegen, wie wir für alle Menschen menschenwürdige Verhältnisse schaffen können. – Das ist der »zarathustrische« Anteil an unserer Weltgestaltung. Wir haben »von innen heraus« uns nach Gesetzmäßigkeiten umzuschauen, was angemessen und menschenwürdig ist, zum Beispiel in Form von »Emphatie«, und wir haben »im Außen« nach diesen Ordnungsstrukturen zu schauen und diese herzustellen, dass die Welt eine wohlgestaltete ist. – Das haben wir als Menschen zu leisten.

Der deutsche Staat war mit seinem bismarckschen Sozialsystem vor über hundert Jahren, ein Vorbild in der Welt. Heute haben wir durch die Politik der GRÜNEN und der Schröder/SPD einen unfassbaren Scherbenhaufen und politisch-gestalterischen Stillstand, der für die Bewohner zur großen Gefahr wird.

Die deutsche Hartz4-Zwangsarbeit ist in direkter Nachfolge zur Nazi-Zwangsarbeit zu sehen. Sie ist in keinster Weise irgendwie »besser« oder sonstwie hinnehmbar. – Das penetrante Unwissen deutscher Politiker über unser Geldsystem, die Geldschöpfung, das Vollgeld, ist gesellschaftsschädigend. Sodass die Politiker persönlich schadensersatzpflichtig sein sollten, für ihre Unwissenheit und den desaströsen Folgen, die daraus für uns alle sich ableiten lassen. – Die Ablehnung des Bedingungslosen Grundeinkommens durch die Politik schadet auch den Flüchtlingen, und nicht nur der vorhandenen Bevölkerung.

Das Bedingungslose Grundeinkommen (bGE) ist ein viel besseres, den Menschenrechten und der Menschenwürde dienliches Konzept, um mit der Einkommenslosigkeit der Leute umzugehen, als sie alle zur Arbeit zu zwingen.

»Destruktiv« wäre somit nicht nur die Furcht vor den Flüchtlingen, dass sie uns die wenigen noch verblieben (schlecht bezahlten mit schlechten Rahmenbedingungen ausgestatteten) Arbeitsplätze wegnehmen, es wäre auch destruktiv, die Regierungen mit ihrer katastrophalen Politik weitermachen zu lassen.

Wir Bürgerinnen und Bürger müssen zusätzlich zur »Emphatie« auch zu einem »Handeln«, zu einem »Aktiv-sein« gelangen. – Es ist die Aufgabe der Menschen, ihre Gesellschaften zu gestalten. Und wenn wir sehen, dass die vom Bürger-Souverän beauftragten politischen Verwalter die Gesellschaften in den existentiellen Abgrund wirtschaften, dann müssen wir aufstehen und uns gegen diese Verhältnisse wenden und bessere schaffen. – Das ist der Zarathustra in uns.

Soziale Netzwerke – politische Arbeit – Medien

Fritz Lloyd Wetzel ist auch bei Facebook. „Ich hätte dort gern mehr Politisches und weniger Urlaubsbilder“, sagt er. Genau das ist die Strategie des Unternehmens. Mit neuen Angeboten für klassische Medien will Facebook diese Entwicklung verstärken, zum Beispiel mit Instant Articles, einer Möglichkeit, Medienbeiträge direkt bei Facebook zu veröffentlichen und nicht nur zu verlinken.

Ein neues Lesen – 29.04.2016 – Markus Hesselmann

Interessant an dem ganzen Beitrag ist der Hinweis auf die zunehmende Bedeutung der Sozialen Netzwerke.

Im krassen Gegensatz dazu ist das Verhalten vieler »Normalbürger« zu sehen, die sich vom Internet fernhalten, mit teils leicht zu hinterfragenden Behauptungen über den »Datenschutz«.

Natürlich ist das Internet »Öffentlichkeit«. – Wer dort aktiv ist, gibt »Daten« preis, statt sie zu »schützen«. Wer irgendetwas, oder sich selbst geheimhalten will, wählt diesen »Öffentlichen Raum« erst gar nicht aus, oder mag sich zurückziehen in die »Foren«, mit ihren überwiegend anonymen Teilnehmern.

Das Internet ist somit ideal für Menschen, die sich den Interessen der Allgemeinheit verpflichtet fühlen. – Die »Allgemeinheit« hat das natürliche Verhalten an sich, ihre Anliegen öffentlich zu machen. Während diejenigen, die zum Schaden der Allgemeinheit sich verhalten (Korruption, Steuerhinterziehung, Bestechung, Lobby-Interessen), sich gerne im Verborgenen bewegen.

Das Internet bedeutet, den »physischen öffentlichen Raum« durch einen virtuellen zu ergänzen, und in vielen Einzelfällen sogar abzulösen. – Zentraler Bestandteil des Internet ist der Umstand, »sichtbar« zu sein. Wer sich im Internet bewegen will, ohne sichtbar zu sein, »schwingt nicht mit«, mit der Wahrheit, die in dieser neuen Welt enthalten ist.

Im »virtuellen öffentlichen Raum« erledigen wir unsere Geschäfte nicht mehr »zu Fuß«. Wir können unsere Angelegenheiten schneller umsetzen, als noch vor Jahren. Wir können mittels des Internet schneller und einfacher mit anderen Menschen bei bestimmten Arbeiten »kooperieren«.

Gerade »politische Arbeit«, also gesellschaftliche Gestaltung, wird mittels des Internet und der vorhandenen Software enorm vereinfacht. – Das Problem hierbei ist heutzutage nicht mehr die fehlende Software, sondern das Fehlen der Menschen, die einsehen, welches Potential im Internet liegt, um gesellschaftspolitisch zu gestalten.

Nicht nur Medienfirmen, auch freie Journalisten können mitmachen und sich unter dem Facebook-Dach unter Umgehung von Redaktionen selbst zur Marke entwickeln. Aus dem post-industriellen wird ein neu-industrieller Journalismus, mit Facebook als multinationalem Medienkonzern.

Was der Autor nicht erwähnt, ist der Umstand, dass alle »Bezahlmedien« Eigentümer im Hintergrund haben. – Welche Interessen verfolgen diese? – Wenn er selbst für eine Zeitung arbeitet, hat er einen Chef, und den Eigentümer vor sich, der ihn bezahlt und ganz bestimmte, »tendenziöse« Artikel will. – Das muss er ja noch nicht mal direkt gesagt bekommen. Lob und Tadel bringen ihn in eine bestimmte Richtung, oder er wird entlassen. – Insofern wirkt die Kritik an den großen Internet-Medienkonzernen scheinheilig.

Die einzige Nachricht, die wirklich wertvoll ist, ist die des unabhängigen Schreibers, Bloggers, wenn sie denn seine persönliche Meinung, seine persönliche Erfahrung wiedergibt. – Alles andere sind »beauftragte« Texte.

Exklusive journalistische Expertise darf auch darauf hoffen, sich digital besser als Bezahlinhalt verkaufen oder hochpreisiger bewerben zu lassen.

Was soll »exklusive journalistische Expertise« sein, wenn die Bürger Nachrichten und Informationen nach ganz anderen Kriterien beurteilen, als der »Journalist«?

Für die Bürger ist es wichtig, zu sehen, ob sich eine Nachrichte der »Lügenpresse« zuordnen lässt. »Lügen« bedeutet, aktiv wissentlich die Unwahrheit sagen. – Selbst wenn wir annehmen, dass viele Reporter und Medienmitarbeiter »keine Ahnung« haben, was sie da eigentlich für Nachrichten verbreiten, also nicht aktiv »lügen«, so können wir doch davon ausgehen, dass in vielen Medienanstalten, die Unwahrheit gesagt und verbreitet wird. – Also haben wir »Unwahrheitsmedien«.

2% der Bevölkerung hat Aktien. Dennoch werden jeden Tag auf allen Kanälen die Aktienkurse verbreitet. So, als ob das für alle wichtig wäre, darüber Bescheid zu wissen. Oder geht es eher darum, Propaganda zu machen, für ein Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell, dass gegenüber der Bevölkerung durchgedrückt werden soll? – Jeden Tage bekommen wir erzählt, dass wir »Wirtschaftswachstum« brauchen und »Investitionen«, um »mehr Arbeitsplätze« zu schaffen, damit die Leute ein Einkommen haben.

Ist das die Wahrheit?

Oder ist es nicht vielmehr so, dass wir ein Bedingungsloses Grundeinkommen brauchen, damit jeder »unabhängig von den Wechselfällen in der Wirtschaft«, ein sicheres Einkommen hat?

Wer sagt die Wahrheit, wer lügt, oder sagt zumindest die »Unwahrheit«?

Warum sollten die Leute etwas »bezahlen« wollen, das »inhaltlich« den Ansprüchen nicht genügt, die die Bürgerinnen und Bürger haben?

Der nicht unberechtigte Verdacht steht im Raum, dass ein Großteil der Printmedien und die öffentlich-rechtlichen Medien sowieso, im Windschatten der Regierenden ihre Nachrichten verbreiten und den Staatsverwaltern mit ihren Beiträgen »zuarbeiten«, also »gegen die Bevölkerung« ihre Texte schreiben. – Warum sollten die Bürger auf die Idee kommen, so etwas auch noch zu bezahlen.

Ich selbst, fern solcher Prominenz, mache eine ähnliche Erfahrung, wenn ich auf einer meiner Social-Media-Seiten mal wieder richtigstelle, dass ein Lob für einen besonders gelungenen, von mir empfohlenen Beitrag nicht mir gebührt („Toller Text von Markus Hesselmann, danke!“), sondern dem Kollegen, der ihn tatsächlich geschrieben hat. Und stelle fest, dass ich für einige Freunde und Follower inzwischen als eine Art Medium wahrgenommen werde, auf dessen Auswahlkriterien man vertrauen kann, eine neue Art beruflicher Genugtuung.

Das ist ähnlich der paternalistischen Einstellung, die auch die Bundesregierung hat, wenn sie uns alle »integrieren« und »fördern« will. – Auch in der Medienauswahl sollen wir an die Hand genommen werden, um zu den »Qualitätsprodukten« hingeleitet zu werden. – Das passt nun wirklich nicht mehr in die heutige Zeit der »selbständigen Menschen«.😀

Die Gesellschaft, der Staat – mein Verein

Mein »Verein« hat 150 Mitglieder. Alle zwei Monate gibt es eine Mitgliederversammlung. In der Mitgliederversammlung werden alle Entscheidungen getroffen, die für alle Mitglieder gültig und von Belang sind. – Wenn ich an der Mitgliederversammlung nicht teilnehme, kann ich nicht »mitbestimmen«. Dies ist ungerecht. Deshalb habe ich vorgeschlagen, dass auch von zuhause aus, per Email »abgestimmt« werden kann. – Dies wurde von denjenigen abgelehnt, die immer zu den Mitgliederversammlungen erscheinen. Es sind momentan drei, vier Leute.

Die Gesellschaft aber, unser Staat, ist nichts anderes, wie mein kleiner Verein, nur halt »in ganz groß«. Die Gesellschaft ist meine Gesellschaft. Ich kann in ihr mitbestimmen, wie sie gestaltet wird und wie ihre Grund-Gesetze aussehen. – Alles steht immer zur Disposition, alles wird immer von den Menschen, von allen aktiven Menschen in der Gesellschaft gestaltet.

Wenn wir der Meinung sind, das in unserem »Verein« großes Unrecht geschieht, wie zum Beispiel das »Hartz4«, dann dürfen wir das nicht hinnehmen und müssen eine angemessene Neu-Gestaltung der Gesellschaft einfordern.

Aber wie schaffen wir das?

In meinem kleinen Verein hatte ich angemahnt, mehr Demokratie zu ermöglichen, durch die Möglichkeit der Abstimmungen per Email, aber diejenigen, die immer zu den Mitgliederversammlungen kommen, haben dagegen gestimmt. – Bei den Mitgliedern im Verein sind zwar einige, die mein Ansinnen unterstützen, aber wir haben uns nicht aufgerafft, uns so zu organisieren, dass wir hätten bei einer Mitgliederversammlung unser Anliegen »durchdrücken« können. – Ich selbst habe vielleicht auch gezögert, weil es einem »Putsch« gegen diejenigen gleichkäme, die seit vielen Jahren als »Funktionäre« die Geschicke des Vereins lenken. – Ich hätte ihre Macht brechen müssen, aber dann hätte auch die Verantwortung bei uns »Putschisten« gelegen, für die Geschicke des Vereins, und so viel Verantwortung wollte ich dann doch nicht im Verein übernehmen.

Vergleiche ich das jetzt mit dem »großen Verein«, der Gesellschaft, dann sieht das aber anders aus. Hier will ich sehr wohl »Verantwortung« übernehmen, weil ich mich in meinen elementaren Grundrechten verletzt sehe, durch Hartz4 und weil ich mich allein durch diese politischen Machenschaften, die diese Gesetze ermöglicht haben, in meiner Existenz bedroht sehe, sodass ich »ganz klar« dann auch für die ganze Gesellschaft Verantwortung übernehme, in dem Sinne, dass diese Gesetze wieder abgeschafft werden müssen und bessere Lösungen gewählt werden, um mit »Arbeitslosigkeit«, um mit Rationalisierung und gesellschaftlicher Veränderung fertig zu werden.

Es ist ganz klar: die politischen Verwalter haben versagt. Ihnen muss das Wirkungsrecht entzogen werden. Sie haben als unsere »Geschäftsführung« den Verein an die Wand gefahren und für uns alle schwere Schäden verursacht. Diese Geschäftsführung kann nicht mehr geduldet werden. – Wir brauchen andere Geschäftführungen, andere politische Verwalter und wir müssen die Grund-Gesetze so ändern, dass wir als Souverän, als Bürger viel mehr direkte Entscheidungsmöglichkeiten erhalten, als das heute noch der Fall ist. Stichwort: Direkte Demokratie. Mindestens in dem Umfange, wie es in der Schweiz heute üblich ist.

Das ist eine von Grund auf neu gestaltete Gesellschaft. Was in die Richtung geht, wie ich sie gerade bei Ralph Boes sehe, bei seiner »Erneuerung der BRD« Arbeit.

Wenn wir uns aber dessen bewusst sind, was das bedeutet, dann sehen wir, es betrifft die Grundfesten der Gesellschaft. Und es gibt Auskunft darüber, wie wir die heutigen Verhältnisse sehen, wie wir die heutigen Verwalter, Politiker und ihr Umfeld in der Wissenschaft, in der Kultur, in den (öffentlich-rechtlichen) Medien, Zeitungen einzuschätzen haben. – Davon sind wir ja dann getrennt und das wollen wir so nicht mehr fortsetzen.

Wer sind »wir«, die Veränderung wollen?

Auf der Homepage von Inge Hannemann las ich schon vor geraumer Zeit, dass sie eine »Demonstration gegen Hartz4« absagte, weil »rechte Gruppierungen sich dieser Veranstaltung anschließen könnten«. – Ist das nicht schrecklich. Eine ganz wichtige Veranstaltung platzen zu lassen, weil jemand teilnehmen könnte, dessen Anwesenheit nicht erwünscht ist?

Interessierte Kreise könnten diese Logik dann aber »umdrehen« und Veranstaltungen dadurch verhindern, dass sie immer anonym, in den Netzwerken, andeuten, vielleicht tauchen »Rechte« auf der Veranstaltung auf. – Damit könnte jegliche wichtige Arbeit blockiert werden. Deshalb kann man sich auf so etwas eigentlich gar nicht einlassen.

Dasjenige, was richtig ist, klug ist, den Menschenrechten gemäß ist, muss sich immer öffentlich zeigen, egal wer sonst noch den Öffentlichen Raum bevölkert. Der Öffentliche Raum hat es nun mal an sich, dass er »öffentlich« ist. – Alle Bürgerinnen und Bürger einer Gemeinschaft, einer Gesellschaft können ihn nutzen.

Und die Entwicklung in Richtung politischer Extreme geschieht in dem Maße immer stärker, je weniger die Menschen glauben, durch »Diskussion«, Aufklärungsarbeit, gemeinsames Gespräch die Verhältnisse ändern zu können. – Radikalität und Gewalttätigkeit stehen nicht am Anfang von gesellschaftlichen Entwicklungen und Verhältnissen, sondern tauchen dann auf, wenn immer weniger Hoffnung besteht, dass über den normalen, friedlichen Weg etwas erreicht werden kann.

Auch wird heute von den »Systembewahrern« nicht selten suggeriert, es ginge nicht um »sinnvolle Veränderungen«, sondern um die Frage, wer diese Veränderungen will. Wenn es auch »Rechte« sind, die bestimmte Veränderungen wollen, dann sollten wir uns von diesen Veränderungs-Wünschen fern halten, so die Botschaft. – Aber ist das nicht lächerlich?

Wenn die Rechten für mehr Direkte Demokratie und für die Abschaffung von Hartz4 eintreten würden, dann käme ich nicht auf die Idee aufzuhören, mich ebenfalls für diese Ziele einzusetzen. Und es würde genügen, bei einer Demo, wenn ein Teilnehmer für alle, ein Plakat hochhielte »MENSCHENRECHTE und RECHTE schließen sich gegenseitig aus« und wenn wir als Organisator der Veranstaltung die Polizei einspannen, die Leute von unserer Demo fernzuhalten. – Aber so läuft das ja eigentlich auch in der Praxis. – Eine Distanzierung von Leuten, die wir für gefährlich in der Gesellschaft halten, ist also möglich, ohne die eigene Arbeit aufgeben zu müssen.


Und jetzt noch einmal zu meiner Frage, »Wer sind denn diejenigen in der Gesellschaft, die eine Neu-Organisation unseres Gemeinwesens wollen?« – Das ist so einfach nicht zu bestimmen.

Sind alle Grundeinkommens-Aktivisten für eine Neugestaltung der Gesellschaft? – In einer Versammlung zum Stichwort »Grundeinkommen« tauchen alle möglichen Personen auf. Grundeinkommens-Gegner, solche, die sich »nur informieren« wollen, aber auch Leute, die sich »Grundeinkommens-Befürworter« nennen, aber wenn nachgeforscht wird, was damit gemeint ist, taucht dann möglicherweise wieder ein Grundeinkommens-Gegner auf. – Die Situation ist undurchsichtig. In dem Dunstkreis »Grundeinkommen« bewegen sich viele Gestalten. – Wie lässt sich da Orientierung herstellen?

Einmal über Vertrauen. Personen, die wir kennen, denen wir die Haltung, Einstellung abnehmen. Aber auch da können sich Veränderungen ergeben. Jemand, der jahrelang für eine Sache sich eingesetzt hat, erklärt, zu einer anderen Meinung gelangt zu sein, und verändert schlagartig das eigene Verhalten. – Davor sind wir auch im Privaten nicht gefeit.

Wir können eigentlich nur dadurch deutlich machen, in welche Richtung wir gehen wollen, indem wir das tagtäglich von neuem aufzeigen, in unserem Verhalten, in unseren öffentlichen Verlautbarungen.

Es sind eigentlich ganz einfache Verhaltensweisen: Wir geben öffentlich bekannt, dass wir mit der »Geschäftsführung unseres Vereins« nicht mehr einverstanden sind. Dass wir die Arbeit für »sehr schlecht« halten, und kein gutes Haar an der »Vereinsführung« lassen wollen, und das eine »Neugestaltung der Vereinsregeln« dringend nötig ist. – Das heißt, wir lehnen das Agieren der Geschäftsführung vollständig ab und mehr noch, wir halten dessen Verhalten für »vereinsschädigend« und gefährlich, weil es jedes einzelnes Mitglied in seiner Existenz bedroht.

Das ist ja eine Aussage, die von jedem von uns öffentlich gemacht werden muss. – Wir müssen sagen, dass wir die Regierungsmitglieder ablehnen und nicht mehr wollen.

Von wem werden wir bei diesem Unterfangen Unterstützung erhalten?

Gibt es Menschen in der Wissenschaft, die die heutigen Verhältnisse ablehnen und »mit uns« eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft anstreben? – Die Wissenschaft hängt am Geldtropf der Regierung. Werden die Staatsbediensteten sich gegen den Staat stellen?

Wie sieht es im Kulturbereich aus? Musiker, Schriftsteller, »freischaffende Künstler«, wollen die einen anderen Staat. Ohne Hartz4, aber mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen? – Wie sieht das in Deutschland aus? – Auch Kunst und Kultur hängen am Geldtropf des Staates, werden »gefördert« oder subventioniert, oder eben halt nicht, wenn sie sich störrisch verhalten.

Wer in Wissenschaft und Kultur stellt sich öffentlich gegen Hartz4 und bekennt sich öffentlich zu einem Grundeinkommen? – Und sind dann das auch die Menschen, die einen grundsätzlichen Neu-Anfang in der Gesellschaft wollen?

Womöglich sind die Vertreter an den Hochschulen an einer Hand abzuzählen, die sich für ein Bedingungsloses Grundeinkommen einsetzen. Und sind die meisten anderen mehr mit ihren »Besoldungsgruppen« und Einstufungen beschäftigt, wenn sie an ihre »wissenschaftliche Arbeit« denken? – Setzt sich die Wissenschaft für die »Armen« in der Gesellschaft ein? Haben die Juristen festgestellt, dass die Hartz4-Gesetze »Unrecht« sind und sofort abgeschafft gehören. Haben die Akademiker aus den anderen Wissenschaftsbereichen, die Juristen auf das große Unrecht in den Hartz4-Gesetze hingewiesen?

Die Wissenschaft als eigenständiger Bereich in unserem »Verein«, scheint ihre Arbeit nicht im Interesse der Vereinsmitglieder zu machen. Denn sonst müsste sie die menschenunwürdigen Zustände »aus der Sicht der Wissenschaft« anprangern.

Und welcher Künstler setzt sich schon Jahren gegen Hartz4 ein? Welche Sänger, Musiker, Maler, Schriftsteller, Schauspieler prangern schon seit Jahren Hartz4 an und setzen sich gleichzeitig für ein Bedingungsloses Grundeinkommen ein?

Was ist mit den Berufstätigen, von denen doch viele in Berufsverbänden organisiert sind: Sozialarbeiter, Therapeuten, Psychologinnen, Ärzte, Pfleger, Lehrer. – Setzen sie sich als Einzelpersonen oder über ihre Berufsverbände gegen Hartz4 ein, und für ein Bedingungsloses Grundeinkommen? Sind diese Menschen »öffentlich« sichtbar in ihrem Protest gegen diese Regierung, gegen diese Politik, gegen Hartz4 und für ein Grundeinkommen?

Alle Berufstätigen in den Sozialbereichen, im Gesundheitsbereich, im Bildungssytem, im Pflegebereich, die »hautnah« das Elend mitbekommen, dass durch die unsäglichen Hartz4-Gesetze verursacht wird, müssten doch aufschreien, spätestens heute, nach 10 Jahren Hartz4, über die Unmenschlichkeit, die mit dieser Gesellschaftsgestaltung einhergeht. – Alle diese Leute müssten sagen, diese Politik, diese Regierungen wollen wir nicht, die das zu verantworten haben.

Und was ist mit der »Wirtschaft«? – Der Hartz4-Zwangsarbeiterstaat ist die ideale Grundlage dafür, Menschen durch die Wirtschaft auszubeuten. Neo-liberales Handeln war nie so leicht, wie unter den Hartz4-Gesetzen. – Weil sich der Bürger nicht gegen diese Zumutungen wehren kann, wenn er arbeitslos ist, und ein Geld braucht, zum Überleben.

Die Wirtschaft ist der große Profiteur der Hartz4-Gesetze. Noch nie war es so leicht andere Menschen in der Arbeitswelt auszunutzen und schlechtzustellen. – Wer aus der Wirtschaft unterstützt jetzt ein Bedingungsloses Grundeinkommen, welcher Unternehmer will eine »andere Gesellschaft«, mit mehr Direkte Demokratie und ohne Zwangsarbeit? – Können wir die auch an einer Hand nur abzählen?

Als weitere Gruppe wären noch die Medien zu erwähnen. Wer Radio hört, kann jeden Tag zum Beispiel »Wirtschaftsnachrichten« hören. Dort wird tatsächlich »jeden Tag« davon erzählt, dass wir Wirtschaftswachstum brauchen, Investitionen und Arbeitsplätze. – Ist das jetzt die »Lügenpresse«? – Soweit muss man nicht gehen. Aber man kann durchaus sagen, diese tagtägliche Propaganda ist die Unwahrheit.

Und sie ist ja nicht nur in den durch »Rundfunkbeitrag« staatlich subventionierten Medien, Radio und Fernsehen, sondern auch in vielen Zeitungen wahrnehmbar. – In diesen »alten Medien« weht noch der Geist der Vergangenheit. Sie wollen nichts wissen, von Gerechtigkeit, Menschenrechte, Menschenwürde und der Verletzung dieser Rechte durch Hartz4. Sie wollen nichts wissen von übertriebenem Ressourcenverbrauch und Umweltzerstörung durch die Arbeitsideologie der Zwangsarbeit in Deutschland. Sie wollen an ihrer Parole »Einkommen nur durch Arbeit« auf ewig festhalten. Sie erkennen nicht, dass die Neu-Investitionen nicht für sinnvolle Dinge verwendet werden, sondern sinnlos in Projekte gesteckt werden, deren einziger Sinn ist: »Arbeit schaffen«.

Aber das ist halt nicht mehr die Wahrheit und Wirklichkeit der heutigen Zeit. Und deshalb sind die etablierten Medien, wie die etablierten Parteien auch, Teil einer untergehenden Welt.


So ist es also gar nicht so einfach, herauszufinden, wer denn wirklich eine neue, bessere Gesellschaft haben will. – Und es scheint, als ob es nur ganz wenige sind, die das wollen. Und sicherlich habe ich jetzt gerade Menschen nicht erwähnt: die Armen, die 13 Millionen Menschen in Deutschland, die weniger als 900 Euro zum Leben im Monat haben. – Aber können die gegen den Rest des »Vereins«, die 67 Millionen Menschen etwas ausrichten. Oder müssen sie ihr Schicksal resignierend hinnehmen oder noch besser, »im System« mitmachen und im Wettbewerb mit den anderen um bessere Positionen, besser bezahlte Arbeit, konkurrieren? – Jeder gegen jeden.

Und wäre es nicht wichtig, dass wir uns gemeinsam organisieren?

Diejenigen, die Veränderung wollen, sollten sich verbünden und gemeinsam für Veränderungen agieren. – Aber das ist leichter gesagt, als getan. – Nehmen wir eine der letzten Kampagnen: Alice Schwarzer im Einsatz gegen Prostitution und Freier. Und in einem öffentlich verbreiteten Aufruf bekennen sich »Personen des öffentlichen Lebens« zu den Aussagen und Forderungen von Alice Schwarzer. – Ja, so sieht eine Kampagne aus. – Und vielleicht findet sich eine Ministerin, die die Anliegen aufgreift und bei der nächsten Gesetzesänderung versucht, dem gerecht zu werden.

Da haben wir dann Folgendes: Einmal Leute, die klar und deutlich formulieren, worum es geht und was geschehen muss. Und dann haben wir jene, die diesen Aussagen und Forderungen zustimmen und das öffentlich tun. Und das Ganze wird dann in der Form der »Kampagne« über ein, oder mehrere Medien in die Öffentlichkeit gebracht. – Setzt sich Alice Schwarzer für das Bedingungslose Grundeinkommen ein und äußert sie sich gegen Hartz4?

Es gibt also Leute, die sich inhaltlich in eine Thematik einarbeiten und Positionen formulieren und Forderungen erheben, und es gibt Leute, die vielleicht ohne sich inhaltlich tief in eine Thematik einzuarbeiten, die Positionen und Forderungen beurteilen und sich dazu zustimmend verhalten. – Und zum Schluss muss der öffentliche Auftritt organisiert werden. Zum Beispiel in Form einer »Kampagne«. – Es muss sich eine Kerngruppe bilden, die inhaltlich arbeitet und Positionen formuliert.

Haben wir diese Kerngruppe schon?

Diese muss nach außen hin Unterstützer haben, solche, die vielleicht nicht so tief in die Materie einsteigen, die aber als »Multiplikatoren« die Gedanken in der Gesellschaft verbreiten, bei Kunst- und Kulturveranstaltungen zum Beispiel.

Um nochmal bei dem Beispiel der Alice-Schwarzer-Kampagne zu bleiben, es geht um »ein Thema«. – Bei dem Thema, über das ich hier schreibe, geht es auch um ein Thema: Hartz4/Grundeinkommen. Hartz4/Grundeinkommen ist ein Thema, weil »Hartz4« die schlechte Lösung für Probleme in der Gesellschaft darstellt, und »Grundeinkommen« die eindeutig bessere Lösung für die gleichen Probleme darstellt.

Es hat keinen Sinn, neue Organisationen zu gründen und die Arbeitsweise der »Parteien« zu kopieren. – Parteien wollen für alle Probleme in den Gesellschaften zuständig sein, weil sie »anstelle« des Bürgers entscheiden. Das soll aber in Gesellschaften mit Direkter Demokratie nicht mehr der Fall sein. In Gesellschaften mit Direkter Demokratie entscheiden Thema für Thema, die Bürgerinnen und Bürger selbst. Tagesordnungspunkt für Tagesordnungspunkt. TOP für TOP. – Und wir müssen uns so verhalten, dass wir die Grundeinkommens-Gesellschaft mit Direkter Demokratie vorwegnehmen und heute bereits vorleben.

Deshalb vermische ich nicht mein Engagement für das Bedingungslose Grundeinkommen und meinen Widerstand gegen Hartz4 mit anderen Themen. – Wenn ich eine Hompage betreibe, zum Thema Grundeinkommen, dann habe ich nicht auf derselben Hompage auch noch die Meinung zum Nah-Ost-Konflikt, zum Herrn Putin, zu den Imperialisten, oder zum Islam mit da drauf. – Das passt nicht und das bringt Projekte zum Scheitern, weil wir nie die Menschen zu allen Themen unter einen Hut bekommen. – Deshalb ist es unsinnig das Grundeinkommens-Thema zu »erweitern«, auf alle weltpolitischen Probleme und dann so zu agieren, wie es Parteien machen.

Den Parteien geht es letztlich immer nur um den »Selbsterhalt«. Und alle Einzelthemen der Gesellschaft sind dabei nachrangig. – So aber können wir heute nicht mehr politisch arbeiten. Und wenn wir es doch tun, schrecken wir die Menschen nur ab.

Was aber funktioniert, und deshalb empfehlenswert ist, bezieht sich auf das Einzelthema. Denn über dieses können wir versuchen, Übereinstimmung zu erzielen. – Sicherlich führen die Einzelthemen auch in andere Bereiche hinein, aber eine Ausgangsorientierung sollte klar formuliert sein und gibt dadurch einen guten Rahmen für Zustimmung oder Ablehnung eines Anliegens: Hartz4 ist Unrecht, weil es die Menschenrechte tangiert und verletzt. Diese Gesetze müssen zurückgenommen und ersetzt werden, durch menschenwürdigere Regelungen bezüglich des Erhalts der Existenzsicherung. Zum Beispiel das »Bedingungslose Grundeinkommen«. – Da muss ich jetzt nicht zusätzlich noch den Ukraine-Konflikt mitdiskutieren, weil das das Thema wieder völlig auseinanderreißt und einmal gewonnene Übereinstimmungen wieder gefährdet.


Wenn wir also eine »Kerngruppe« haben, die sich in das Thema einarbeitet, dann sollte sie sich am Thema entlang arbeiten und die Mitmenschen »im Verein« im Auge behalten, und daran denken, dass die Ausarbeitungen als »ein Tagesordnungspunkt« auftauchen werden, in der »Mitgliederversammlung«, und zur Abstimmung ansteht, durch die Bevölkerung. – Da können dann nicht noch alle übrigen Themen auch noch reingepackt werden, weil »irgendwie alles miteinander zusammenhängt«. – Das wäre vom praktischen Ablauf einfach unsinnig.

Gibt es diese Kerngruppe? – Wenn nicht, dann sollten wir sie jetzt schaffen.

Zusammenfassung

Wenn sich die Gesellschaft ändern muss, und die heutigen Verhältnisse und politischen Entscheidungen »nicht mehr tragbar« sind, dann müssen wir Bürgerinnen und Bürger dies öffentlich bekunden und gegen diese Politik antreten und Veränderungen einfordern und einleiten.

Ein Bündnis mitdenkender Personen, formuliert eine neue Gesellschaft, mit neuen »Grund-Gesetzen«, die das Hartz4-Unrecht beenden und das Bedingungslose Grundeinkommen einführen. – Viele Menschen in der Gesellschaft, bekennen sich für dieses Anliegen öffentlich, in vielen Veranstaltungen, Kampagnen, Aktionen, Demonstrationen und weiteren Aktivitäten.

Unser Streben hält so lange an, bis wir unser Ziel erreicht haben. – Und dies wird uns eine Lehre sein, nicht mehr davon abzulassen, und immer aufmerksam mitwirkend unseren »Verein« zu gestalten. – Denn tun wir das nicht, gerät er zum »Monster«.

Objektiv und Subjektiv

Im Objektiven treffen sich alle Menschen. – Das Subjektive ist das »Individuelle«. Dasjenige, was nur der Einzelne für sich so sieht, empfindet, wünscht, mag, nicht mag.

Wie wir die Hypotenuse berechnen, das können wir alle gemeinsam verstehen, und uns darinnen begegnen.

Das Objektive ist »das Richtige«. Wie finden wir es?

Wenn wir über eine Situation reden, dann bringen die Menschen unterschiedlichste Kräfte mit ein, vielleicht fuchteln die einen mit den Armen, die anderen fangen an, lauter zu reden, es wird gebettelt und gebeten, und dann vielleicht auch gedroht. – Welchen Weg sollen wir gehen?

Das Objektive und Richtige wird nicht selten von »Führern«, Anführern, Fachleuten und Sachverständigen vertreten. – In der Gesprächssituation setzt sich eine Meinung durch. Diese wird von einem, zwei Leuten vertreten. – Wir ordnen uns unter und folgen den Anführern.

Aber haben wir nicht so oft erlebt, dass die Anführer uns ins Unglück »geführt« haben? Denken wir nur an den »Führer«. – Ist das »objektiv Richtige« durch die Entscheidung Einzelner gegeben?


Wahr ist, dass wir Menschen uns im Objektiven begegnen, weil wir dann das Gleiche sehen, erleben, wahrnehmen, begreifen, erkennen. – Nicht wahr ist, dass einzelne Menschen mit ihrem Wissen, dieses »Objektive« verkörpern. – Zumindest können sie es nicht vollständig abbilden.

Alles, was der einzelne Mensch sagt, kann »wahr und richtig« sein. Und dennoch bildet es nie die ganze Wahrheit ab. Was aber ist die »ganze Wahrheit«?

Da kommen wir wieder zurück auf das »Subjektive«. In allem Subjektiven steckt Wahrheit. Deswegen ist der Umstand, dass in der Gruppe die Mehrheit zum Schweigen gebracht wird, damit ein paar wenige oder gar nur einer seine »Teilwahrheit« für alle gültig erklärt, kein vorteilhafter Weg.

Wenn für die Menschheit das »objektiv Richtige« gesucht wird, dann geht das nur über »die Summe aller Einzelmeinungen«, dann geht das nur über die Addition alles Subjektiven.

Deshalb müssen Gruppengespräche anders verlaufen: Alle sind mit ihren Beiträgen gleichwertig. Zwar kann der Einzelne mit seinen Beiträgen relativ zu allen anderen, einer Wahrheit näher sein, was aber »für alle« wahr ist, ergibt sich nur aus der Addition aller subjektiven Beiträge.

Auch wenn dabei die Beteiligten sich unterschiedlich viel Mühe geben, »objektiv« zu sein, ist die »objektive Wahrheit« für die Menschheit, nur insoweit erkennbar, wie derjenige sich Mühe gab, der am wenigsten nah an das Objektive heran kam. – Aber in der Summe bringt dieses Verfahren die Menschen näher an die Wahrheit, als das »Führerprinzip«.

Richtig oder falsch – am Beispiel der gemeinsamen Gespräche

»Richtig oder falsch« ist ein Dogma, dass wir in den Gesellschaften nicht dulden sollten. – Ein Teil der Bevölkerung versucht damit, die eigene Dominanz und Vorherrschaft in den Gemeinschaften zu legitimieren. – Zu Unrecht.

Wer Rudolf Steiner liest, kann diesen nicht als »Lehrer« sehen, denn, wie soll er den Schüler korrigieren, wenn er gar nicht mehr da ist. Wer die Werke liest, liest sie »in Freiheit«. – Es ist aber nicht untypisch für uns Deutsche, dass wir gleich versuchen, die Dinge klar zu rücken und »richtige oder falsche« Interpretationen zu benennen, und so eine Unterscheidung zu treffen. – Aber woher nehmen wir die Berechtigung dafür?

In Streitgesprächen versucht der Sieger immer seine Position mit »unwiderlegbaren« Argumenten zu unterfüttern, um sie dadurch »unangreifbar« zu machen. Unwiderlegbar ist aus Sicht vieler »die Wissenschaft«. Es sei denn, eine Position sei durch eine andere glaubwürdig in Frage gestellt.

So entsteht, ohne das wir es wollen oder geplant haben, in »harmlosen« Gesprächen automatisch eine »Beweislast« für alle Teilnehmer. Wer seine eigene Position nicht glaubwürdig machen kann, gerät schnell ins Hintertreffen und muss sich gefallen lassen, dass Äußerungen anderer Teilnehmer als »gewichtiger« in Raume erscheinen. – Diese »unsichtbaren« Regulative sind es, die die Gemeinschaften gestalten und führen.

Die »gewichtigeren« Argumente nehmen zusehens mehr Zeit und Raum in Anspruch, obwohl doch eigentlich alle Teilnehmer gleich viel Zeit und Raum beanspruchen sollten. – So entstehen, obwohl der Lehrer doch tot ist, wieder neue Lehrer, die belehren, ohne das sie ausdrücklich für diese Rolle benannt wurden, einfach durch die Abläufe in den Gesprächen.

Was da in den Urzellen der Gemeinschaften passiert, wird dann als »Blaupause« genommen, für die bedeutsameren Versammlungen und Entscheidungsgremien.

Ist es denn nicht richtig, alles genau zu klären und immer den richtigen Weg zu gehen?

Wer soll das bestimmen? – Handelt es sich um eine allgemeine Betrachtung der Welt, des Lebens und des eigenen Umfelds, dann sind alle Einschätzungen subjektiv und als solche »gültig« und zu akzeptieren. Und dennoch erleben wir jeden Tag von neuem den Versuch, von manchen Leuten, alles, was ihnen nicht in den Kram passt, als »problematisch und bedenklich« einzustufen, um andere gesellschaftliche Strömungen unter Druck zu setzen und in ihrer Entwicklung zu hemmen.

Hätten wir wirklich »freie« Gesprächskreise, würden wir einander zuhören und vielleicht haben wir Verständnisfragen oder wir übergehen die Äußerungen anderer, wenn sie uns nicht ansprechen. – Das sind freie Gespräche, in denen sich jeder entwickeln kann.

In den »Richtig oder falsch« Gruppen hingegen, geht es mehr um Positionen, Rollen, Hierarchien, Macht und Unterwerfung. – Wer unter diesem Aspekt einmal aufmerksam in Gruppengespräche hineinhört, kann dies einwandfrei feststellen. – Regelrecht »verseucht« sind in dieser Hinsicht die politischen Gesprächskreise. – Zu jeder Sekunde wird da mit harten Bandagen um die Vormachtstellung und die Eingrenzung »nicht erwünschter« Meinungen gekämpft.

Wenn wir Direkte Demokratie wollen, dann sind die »Falsch-oder-richtig« Politiker ein Problem, weil sie es nicht hinnehmen wollen, dass wir alle gleichwertig, gleichrangig mit unseren Meinungen und Sichtweisen nebeneinander in den Gemeinschaften und Gesprächen dastehen. – Die Parlamentarische Demokratie baut ja gerade darauf auf, dass wir »nicht fähig und in der Lage« sind, Problemstellungen und Aufgaben angemessen zu beurteilen, so die Meinung deren Verfechter. – Deshalb sollen wir unsere Stimme, die wir auch zum Entscheiden von Sachverhalten haben, abgeben, oder besser »aufgeben«, zugunsten von sogenannten »Fachleuten und Sachverständigen«, die dann unsere Stimme »richtig, statt falsch« für die Lösung der Probleme einsetzen.

Genau diesen Leuten müssen wir aber sagen, dass wir ihre Sichtweise nicht mehr akzeptieren und eine »Gleichheit der Meinungen, Urteile und Entscheidungen« in Betracht ziehen, sodass dann wieder jeder Bürger, Individuum, jeder Souverän im Staate, eine Stimme für die Bürgerentscheide und Volksabstimmungen hat.

Aber noch einmal, wäre es nicht doch von Nutzen für alle in den Gemeinschaften, wenn der Sachverstand und das umfängliche Wissen von einzelnen Personen zur Geltung kommt?

Es geht darum, dass kein Zwang besteht, so zu verfahren. – In freier Entscheidung mag sich ja so eine Entwicklung ergeben. – Aber gerade in der heutigen Zeit, in der wir doch alle erleben, wie unfähig diese angeblich »Wissenden« eigentlich sind, oder, dass jene entscheiden dürfen, die offensichtlich »nicht wissen«, sollten wir wieder dahin gelangen, mehr instinktiv und intuitiv zu entscheiden und zu urteilen.

Die letzten 20 Jahre in Europa, aber auch in Deutschland zeigen uns, wie auf der Entscheidungsebene nur alles schlimmer wird, statt besser. – Deshalb sind jetzt »Bürgergesellschaften« sinnvoll und den Parteienstaat geben wir auf.

Die Bürgerinnen und Bürger werden ihren guten Willen und ihre Bereitschaft einbringen, dem Menschenwesen gemäß unser Zusammenleben zu gestalten.

Probleme politischer Arbeit (2)

Ein Schiff ist unterwegs. – Einige Techniker sagen, dass eine bestimmte Maschine im Schiff veraltet ist und erneuert gehört. Diese neue Maschine könnte viel mehr Leistung erbringen und sie wäre dann auf dem neuesten Stand der Wissenschaft. Sie werben dafür, dass diese Maschine durch jene ersetzt wird, die sie sich überlegt haben. Überall erzählen sie von ihrer »Erfindung«, ihrem neuen Konzept. – Sie sind halt »Maschinisten« und wollen ihren Job »noch besser« machen. – Tagein, tagaus erzählen diese Menschen von ihrer Maschine und kein Monat vergeht, dass nicht eine »Veranstaltung« zu diesem Thema stattfindet, organisiert von den Maschinisten, damit endlich die neue Maschine gebaut werden kann.

Was dabei auffällt, ist eine gewisse »Betriebsblindheit« dieser Techniker. – Sie beschäftigen sich nicht damit, wohin das Schiff überhaupt fährt. Oder brauchen wir überhaupt ein Schiff. Könnten wir uns auch anders fortbewegen? Ist diese Maschine im Schiff überhaupt notwendig, oder kann auf sie ganz verzichtet werden.

Die Techniker mit ihrer Maschine haben keinen Blick für »das große Ganze«. Sie sind ganz erfüllt mit ihrer Detailarbeit. – Aber geht das überhaupt, sich nur auf Teilaspekte des menschlichen Lebens zu konzentrieren. Ja klar, nur muss »vorher« entschieden sein, dass diese Maschine gebaut und installiert wird. – Wer aber entscheidet das.


Wer »politisch« arbeitet, arbeitet für die Allgemeinheit. – Ausgangspunkt für eine solche Betrachtung müsste sein, »in welcher Welt will ich leben?«, wie soll sie aussehen. – »Ich« ist dabei ein Teil der Allgemeinheit. Ein untergeordneter Teil der Allgemeinheit. Wenn es der Allgemeinheit gut geht, geht es mir auch gut. Natürlich gibt es Sonderansprüche. Diese müssen aber einzeln geltend gemacht werden und bedürfen der Zustimmung durch die anderen. – Dennoch ist es richtig zu sagen, »in welcher Welt will ICH leben«. Nur ist es meine individuelle Entscheidung, was ich für mich als angemessen ansehe. Sehe ich mich so, dass ich als Teil der Gemeinschaft ebenfalls einen gewissen Anspruch habe, auf die Dinge dieser Welt, oder sehe ich mich als Lobbyist, der »mehr« bekommen muss, als viele andere oder verleugne ich die »Allgemeinheit« gänzlich und lehne jegliche »Egalität« ab und bin »Raubtier« unter Menschen.

Es geht also erstmal nicht darum, ob diese Maschine eingebaut wird, sondern darum, wie soll »das große Ganze« aussehen. Die Maschine im Schiff kommt relativ zum Schluss.


Wenn ich mir jetzt wieder die Geldreformer anschaue, dann müssen die sich fragen, »in welcher Gesellschaft will ich leben«. – Dass wir bei dieser Betrachtung »automatisch« dazu kommen, dass wir das Geldsystem brauchen, ist nicht sicher. Oder das Geldsystem würde vielleicht nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Oder die Möglichkeiten der »Blockchain« eröffnen ganz andere Chancen, und das bisherige Geldsystem zu verbessern ist uninteressant.

Können die Geldreformer weiterhin nur auf ihr Spezialgebiet schauen?

Wer politisch arbeitet, braucht im Grunde zwei Perspektiven. – Einmal den Blick auf ein Spezialgebiet, das einen vielleicht besonders interessiert. – Aber ohne den zweiten Blick auf »das große Ganze« geht gar nichts. – Denn das Spezialgebiet ist diesem immer untergeordnet. – Wer nur detailversessen politisch arbeitet, ist nicht sachlich.

Dann ist aber die aktuelle politische Arbeit vieler Menschen unzureichend und wird den tatsächlichen Umständen nicht gerecht.

Probleme politischer Arbeit (1)

Nehmen wir eine Gruppe an, die sich für eine Geldreform einsetzt, und sie macht eine Powerpoint Präsentation, bei der sie Grundlegendes ihrer Arbeit darstellt.

Die ersten beiden Folien beziehen sich auf die Gesellschaft und wie das Geldsystem in sie integriert ist. Und die Frage, »was ist Geld?« wird mit einer möglichen Antwort abgetan, nämlich, Geld ist, was man mit diesem macht. – So wurden diese beiden Folien in 10 bis 20 Sekunden vorgestellt. Das war es.

Mit anderen Worten, die Gruppe ist hauptsächlich mit der Umsetzung ihrer Vorstellung eines neuen Geldsystems beschäftigt. Die Grundlagen für dieses neue System, werden kurz gestreift, wenn überhaupt. – Aber ist das nicht das Aller-, Allerwichtigste?

Wenn wir an bestimmten Einstellungen unseres Gemeinwesens herumschrauben, dann doch nur, wenn »das Ganze« von uns bejaht, verstanden, akzeptiert und als richtigen Weg erkannt wird.


Ich weise jetzt auf einen Umstand hin, für den ich an anderer Stelle dieses Blogs eine genau entgegengesetzte Meinung vertreten habe. – Ich hatte gesagt, dass in Initiativen und Organisation sich die Menschen für »ein Thema« engagieren sollten, weil dies die Gefahr von Inkompatibilitäten bei Einstellungen und Urteilen unter den Menschen verhindern könnte. Wenn wir zu vielen Themen unterschiedlicher Meinung sind, können wir nicht zusammenarbeiten. Deshalb sollten wir ein Thema heraussuchen, dieses zum Ziel führen und uns dann, womöglich in anderen Konstellationen für weitere Themen einsetzen.

Nun nehme ich diese Geldreform-Gruppe und weise auf einen entgegengesetzten Umstand hin.

Das kam so. – Die Gruppe hatte am Ende ihrer Ausführungen gefragt, wie geht es weiter, welche Aktionen machen wir als nächstes, welche Projekte nehmen wir in Angriff, um unsere Ziele zu verwirklichen. Mit wem wollen wir uns vernetzen und Kooperationen eingehen.

Über diese Frage und Betrachtung wird deutlich, dass das Geldthema mit vielen anderen Themen korreliert. Und plötzlich ist wieder »das Ganze« der Gemeinschaft im Blick und es ist zu erkennen, dass das Geldsystem Einfluss hat auf die Lebensqualität, indem es Armut und Reichtum beeinflusst, die Verschuldung steuert und auf den Ressourcenverbrauch massiv einwirkt, indem Wachstumszwänge entstehen oder eben nicht.

So könnte eigentlich auch von den Geldsystem-Reformern die Frage gestellt werden, »in welcher Welt will ich leben?«, wie muss sie aussehen, zusätzlich zu einem modernen und transparenten Geldsystem.

Im Grunde müssten diese Aktivisten den ersten Teil ihrer Powerpoint Präsentation, den sie in 10 Sekunden abgearbeitet hatten, zu etwas ganz Großem ausbauen, zu etwas, was einen ganzen Arbeitstag ausfüllt. – Sie müssten erkennen, dass die Stellschrauben zwar richtig einzustellen sind, aber eigentlich etwas Größeres gemeint ist.

Das, was die Geldreformer nicht diskutierten, und sehr schnell eigentlich zu einer Vernetzung der verschiedenen Ansätze führen kann, möchte ich hier kurz erwähnen.

Was ist Geld? Diese Frage ließe sich mit dem Publikum gemeinsam diskutieren. Aber vielleicht machen sie es nicht, weil sie befürchten, ihnen könnte der Boden unter den Füßen entzogen werden. – Das Geld ist ein »untergeordneter« Aspekt des wirtschaftlichen Zusammenlebens der Menschen. Produkte und Leistungen sind das Wichtigste. Geld vermittelt den Austausch.

Das Geld ist in das Gesellschaftssystem integriert. – Wie aber sieht das Gesellschaftssystem aus, heute, und welches wollen wir, welches ist angemessen?

Wollen wir weiterhin die Parlamentarische Demokratie, inklusive »Pateiendiktatur«, und dominiert sein, durch ein politisches Regime, das gut und gerne auch ohne die Mitwirkung der Bürger auskommt, es sei denn, der Staat kann diese »zwingen« etwas zu tun?

Wollen wir eine Direkte Demokratie. Welche Wirtschaft ist die angemessene in der heutigen Zeit. Welche Wirtschaft haben wir heute. Werden die Bürger auf Anweisung des Staates versklavt, an irgendwelche Arbeitgeber verschachert und zur Jobcenter-Zwangsarbeit genötigt. Entspricht das unseren Vorstellungen von einem guten Staat? Was denken die Geldreformer zu diesen Umständen?

Welchen politischen Orientierungen hängen die Geldreformer an. – Sind sie Parteigänger, bei der CDU, den Liberalen. Befürworten sie die Hartz4-Sanktionen, finden sie Zwangsarbeit gut? Was halten sie von einem Bedingungslosen Grundeinkommen (bGE).

All das bleibt im Dunkeln. – Es ist nicht klar, welche politischen Ansichten haben die Protagonisten der Geldreform. – Kann es sein, dass sie so lange keinen Erfolg mit ihrer Arbeit haben, solange sie nicht auch ihre übrigen Einstellungen, Haltungen, Urteile zu den gesellschaftlichen Umständen kundtun?

Möglicherweise gibt es also Themen, die sich tatsächlich relativ isoliert von den übrigen gesellschaftlichen Zuständen abarbeiten lassen. Ich nenne hier den Rundfunkbeitrag. Möglicherweise ist es bei diesem Thema nicht nötig, den Umstand in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang stellen zu müssen, und dennoch können die Menschen für eine Abschaffung dieses offensichtlichen Unrechts gemeinsam eintreten.

Beim Geldsystem scheint es mir anders zu sein. – Deutlich wird dies, wenn über »Verbündete« nachgedacht wird, die sich auch für das Thema »Geld« interessieren könnten.

Amnesty International müsste sich eigentlich für das Thema »Geldsystem« interessieren, weil mit einem guten Geldsystem vieles an Ungerechtigkeiten beendet werden könnte. Dramatische Überschuldung von Privat- und Länderhaushalten, Einkommensungerechtigkeiten. Diese Dinge lassen sich alle über die Menschenrechts-Artikel genauer spezifizieren. Wenn Amnesty nicht selbst darauf kommt, können andere Initiativen sie darauf stoßen.

Greenpeace – warum setzt sich »Greenpeace« nicht für eine Geldreform ein? Auch diese Gruppierung und ihre Vertreter sollten schon einmal von der Vollgeld-Idee gehört haben. – Unser jetziges Geldsystem führt zu einer überzogenen Verwertung unserer Natur, weil »um jeden Preis« Wirtschaftswachstum erzeugt werden muss, um Schulden zu begleichen. – Schulden aber, sind logischer Bestandteil unseres heutigen Geldsystems.

Und natürlich sollten alle Grundeinkommens-Befürworter sich für einen Geldsystem-Wechsel interessieren. Zwar kann in einer Grundeinkommens-Gesellschaft das Grundeinkommen auch »ohne Geld« an die Bürger verteilt werden, aber das heutige Geldsystem sollte so schnell wie möglich ersetzt werden, da es große Schäden unter den Menschen bewirkt.

Fazit:

Politische Arbeit muss Thema für Thema angeschaut werden, wie sie sich letztlich am sinnvollsten gestalten lässt. – Die Geldsystem-Reformer tun sich keinen Gefallen, wenn sie sich zu sehr von anderen Fragestellungen in der Gesellschaft isolieren. – Sie kommen zwar auch zu diesen anderen Themen, wenn sie nach Bündnispartnern Ausschau halten. Dann müssten sie erkennen, das »ihr Thema« ganz viel mit anderen Themen der Gesellschaft zu tun hat.

Besser wäre es aber, wenn sie gleich erkennen würden, die Geldsystem-Reform lässt sich am ehesten denken, wenn sie eingebettet in einen Gesamtzusammenhang dargestellt wird. – Aber dieser könnte vielleicht ganz schnell zu der Erkenntnis führen, dass eine Geldsystem-Reform gar nicht so dringend ist und andere Schritte viel effizienter und schneller wirkend, gesellschaftlich viel größere Bedeutung hätten. – Dies könnte natürlich das Selbstverständnis manches Geldreformers erschüttern, aber andererseits zu einer stringenteren Nutzung der eigenen Ressourcen führen.

Dann aber käme in den Blick: Für alle Menschen muss eine lebenswerte Welt geschaffen werden, und wir wirken dabei mit, dies zu erreichen. – Kaum ein Einzelthema rechtfertigt eine »Käseglocke«.

Ökonomie betrachten

Über die »Ökonomie« lässt sich Norbert Häring aus, aber zur Mitte seines Textes vermisse ich einen Hinweis darauf, was Wirtschaft überhaupt soll.

http://norberthaering.de/de/27-german/news/466-menschenfeindliche-oekonomik#weiterlesen

Ist sie nicht dazu da, uns mit den Gütern und Dienstleistungen zu versorgen, die wir Menschen brauchen?

Auf der Erde sind wir Menschen mit unserem Körper. – Ohne unseren Körper können wir Menschen hier auf der Erde gar nichts. Und unser Körper braucht bestimmte Dinge, damit er leben kann, damit er auf der Erde eine Zeit lang existieren kann. Denn zeitlos kann unser Körper auf der Erde eben nicht existieren. Aber er kann relativ lange, und über die Zeit, immer länger existieren.

Wir könnten auch sagen, es ist eine Nebensächlichkeit, was wir da brauchen, an Gütern und Dienstleistungen. Es ist eigentlich eine Kleinigkeit, die wir da brauchen. Aber unsere Körper brauchen nun mal diese Dinge.

Und dafür ist die Wirtschaft, die Ökonomie da, diese Dinge zu produzieren, sie bereitzustellen, damit wir sie uns nehmen können, damit sie unser Körper bekommt.


Aber alles, worüber die Ökonomen heute, worüber die Wirtschaftsjournalisten heute schreiben und reden, ist gar nicht nahe genug an dieser Erkenntnis.

Häring schreibt über »Egoismus, Konkurrenzdenken und Aggressivität« im Menschen und dem Menschenbild der klassischen Ökonomie (als Wissenschaft), das besagt, dass »… die Ungleichwertigkeit von erfolgreichen und weniger erfolgreichen Menschen … integraler Bestandteil des aufgebauten Theoriegebäudes der Ökonomen« sei.

Seine Analyse und Beschreibung ist richtig, wobei er sehr viel Text verwendet, um die typischen Vertreter der Ellenbogengesellschaft zu beschreiben.

Er weist auf die »Chancen von kollektivem Handeln« hin und wie wichtig der Gleichheitsgedanke ist und wir nicht umhinkommen, diesen weiter im Auge zu behalten.


Ökonomie lässt sich vollständig aus der Sicht des menschlichen Körpers begreifen und verständlich machen. – Wenn jemand in der Nahrungsproduktion arbeitet, dann kann dieser abends eine Portion der Ware kostenlos mit nach Hause nehmen, wer in einem Imbiss arbeitet, kann von den Produkten, die er feilbietet, selbst etwas nehmen und essen, ohne dafür zu zahlen und in der Lebensmittelkette können abends die Mitarbeiter von der Ware, die sonst weggeworfen wird, einen Teil mit nach Hause nehmen, was noch gut und verwendbar ist.

Der größte Teil der Arbeit = Ware, die wir im Laufe des Tages herstellen und fertig für den Weitertransport machen, geht aber an andere Menschen, die wiederum die Produkte für ihren Körper brauchen.

So ist alles ein Geben und Nehmen. Ich produziere etwas, was ich auch selber brauche (das muss nicht immer der Fall sein) und du produzierst etwas, was ich brauche und was ich von dir bekomme. – Von all dem, was produziert wird, brauchen wir immer wieder etwas, vielleicht nicht immer dasselbe, aber im Laufe unseres Lebens immer wieder mal das Eine oder Andere.

Vielleicht sehen sie in meiner Erzählung, dass da die Worte »Lohn, Gehalt, Einkommen« fehlen. Auch die Worte »Geld, Bezahlen, kaufen«, sind nicht nötig. – Es geht nur darum, die Güter herzustellen, die Dienste anzubieten, und weiter, dass die Menschen sich die Dinge nehmen, die sie brauchen. – Somit kommt die ganze Wirtschaft ohne »Verkaufen, kaufen, Geld« aus.

Wenn ich einen Haarschnitt brauche, gehe ich zu einer Person, die diese Aufgabe erledigt. – Niemand müsste nachprüfen, ob das Ansinnen des Menschen »berechtigt« ist. Es ist zu sehen, am Kopf desjenigen. Ähnliches gilt für Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie. – Was ein Mensch braucht, können wir alle mitdenken und müssen uns nicht belehren lassen, von Kontrolleuren. – Nimmt sich ein Mensch zu viel, wenn er eine 5-Zimmer-Wohnung hat? – An was soll dies gemessen werden. – Und wenn der Maßstab berechtigt wäre, finden wir Wege, um eine Lösung herbeizuführen.

Wenn wir Abertausende von Flüchtlingen haben, dann ist dies eine Wanderbewegung und die Frage ist nur, haben wir genügend Nahrung, Kleidung, Wohnraum und Energie. Und in unserer Überflussgesellschaft haben wir alles. – Hinzu kommt noch, dass immer wieder gesagt wird, der »Westen« sei mit Schuld an dem Elend in der Welt. – Wenn auch dies in dieser pauschalen Art oft nicht im Einzelnen zu klären ist, so sollten wir die berechtigten Interessen aller Menschen auf ein würdevolles Leben ernst nehmen und entsprechende Bedingungen herstellen, die dies ermöglichen.

Immer häufiger zeigt es sich, dass ein Bedingungsloses Grundeinkommen (bGE) der richtige Weg in eine bessere Welt darstellt. – Die Situation der Flüchtlinge macht deutlich, dass wir gute Lösungen brauchen und das bGE ist eine sehr gute Lösung in einer globalisierten Welt.

Norbert Häring schreibt: »Wem gemäß den Vorgaben des Grundgesetzes unabhängig vom eigenen Arbeitseinsatz ein menschenwürdiges Minimum an Einkünften garantiert ist, der muss seine Arbeitskraft nicht zu den vorherrschenden, vielleicht zum Überleben gar nicht ausreichenden Löhnen anbieten.«

Und dieses »Nicht-anbieten-müssen« ist der Verzicht auf die Hartz4-Zwangsarbeit, ist die Einhaltung der Menschenrechte in diesem Land, was aber heute nicht der Fall ist und wogegen sich Ralph Boes wendet, mit seinem »Sanktionshungern«. – Der heutige Staat in Deutschland ist totalitär, selbst wenn viele Menschen das nicht empfinden. Er ist mit seinen Gesetzen totalitär und wenn wir die Menschenrechte ernst nehmen, müssen wir Bürger uns gegen diesen Unrechtsstaat wenden und für menschenwürdige Verhältnisse eintreten.


Kristin Eberhard befindet in ihrem Artikel, dass wir Menschen schauen müssen, in welche Richtung sich die Gesellschaften bewegen, und ob das den Vorstellungen der Allgemeinheit entspricht.

https://medium.com/basic-income/can-we-create-a-world-that-works-for-all-if-the-elites-in-charge-don-t-want-us-to-5eed5994c6be

Sie meint, es könnten heute die falschen Leute »am Ruder« sein und uns nicht in eine Welt der »Gleichheit« führen, sondern ihren eigenen egoistischen Interessen nur folgen, während sie uns im Ungewissen belassen. – Die »falschen Leute am Ruder« sind heute die Politiker oder die Eliten, die uns weißmachen wollen, was richtig ist, während sie in Wirklichkeit nur ihren eigenen Vorteil im Blick haben.

What are the rest of us rowers — those of us who believe that a world that works for all is not only possible, but the only acceptable destination for humanity — to do? We must take the tiller back from those who are leading us astray.

Was bedeutet es, wenn die Eliten »kein Problem« damit haben, dass ein Großteil der Bevölkerung Vollzeit arbeitet und dennoch arm ist. Es bedeutet, dass wir uns nicht auf diese Leute verlassen können und selbst dafür sorgen müssen, dass die Gesellschaften menschenwürdiger werden.

Kristin Eberhard:

In a world with few jobs for humans, a minimum wage will not keep all Americans out of poverty. A basic income will.

Der Einsatz für Bedingungsloses Grundeinkommen (bGE) ist unerlässlich, um wieder weltweit für menschenwürdige Verhältnisse zu sorgen. – Es wird möglich mit unserer Beteiligung. – Es ist unser aller Aufgabe und jede einzelne Person und ihr Engagement zählt.

Gegenwart als Fortsetzung der Vergangenheit – oder »Wo ist das Neue.«

Der Autor schreibt über die DDR-Jahre in den 60ern. – Die beginnende Bespitzelung, die Feststellung, dass manche Bürger nicht zu dem Staat passen, der da existiert. Die Frage nach einer angemessenen und richtigen Beteiligung in der Gesellschaft steht da zur Debatte.

Das ganze Szenario wirkt bedrückend. Die Unterwerfung gemäß einer Staatsideologie, einer Vorstellung von Gesellschaft, die von interessierten (mächtigen?) Kreisen den anderen Menschen nahe gelegt wird. Bestimmte Organe im Staatsapparat haben die Aufgabe für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Menschen, die die Gesellschaft in ihren Grundfesten bedrohen, werden ihrerseits bedroht und zur Not »kaltgestellt«. – Menschen, die mit ihren Äußerungen, Verlautbarungen, Handlungen die Mitbürger in Unruhe versetzen, werden in ihrem Fortkommen behindert, auspioniert, ausgebootet.

Und in welcher Gesellschaft leben wir heute. – Ist es denn jetzt anders?

Wenn wir öffentliche Diskussionen veranstalten, geraten die Menschen aneinander. Wir können die Meinung der jeweils anderen nicht ertragen und werden unruhig, laut, zuweilen auch aggressiv. – Und sind es Überlegungen und Ansichten, die wir überhaupt nicht hören, aushalten und akzeptieren können, dann kann es sein, wir greifen zur Gewalt.

Haben wir häufiger solche öffentlichen Diskussionen, in denen Aufruhr entsteht, wird die Staatsgewalt einschreiten und diese Diskussionen verbieten. – Meinungsfreiheit hin oder her.

Oder nehmen wir Beispiele aus dem Ausland, aber keine aus dem Osten, weil da die Zustände von damals, die hier als Ausgangspunkt der Betrachtung dienten, fortbestehen. – Länder, die sich selbst mit Demokratie und Freiheit identifizieren, können mit der düsteren DDR-Zeit verglichen werden. USA. – Wer nicht die Ideologie des Staates vertritt, sollte wenigstens schweigen. – Wer sich aktiv für eine Gesellschaft einsetzt, die nicht von den Offiziellen gutgeheißen wird, der wird bedroht und verfolgt, zum Schweigen gebracht oder abgedrängt. – Und selbst wer in der einzigen Demokratie des Nahen Ostens lebt, wird von Spitzeln umgeben sein, wenn sein Verhalten für Unruhe in der Bevölkerung sorgt und die Person vom Staatsapparat als »gefährlich« eingestuft wird.

Mit anderen Worten, die DDR hat damals etwas getan, was in allen Staaten auf irgendeine Weise bis heute überall auf der Welt geschieht.

Aber natürlich gibt es Unterschiede zwischen all diesen Staaten. – Und trotz dieser von mir herausgearbeiteten Gemeinsamkeiten bis in die heutige Zeit, sind diese Staaten für die Menschen unterschiedlich attraktiv oder bedrohlich. – Es fängt schon damit an, dass die Bürger der DDR eingesperrt waren. Wer fliehen wollte, wurde erschossen. Das macht dieses Land bis zum Gehtnichtmehr unattraktiv. – Und vielleicht bietet ein Land wie die USA so viele Möglichkeiten sich selbst zu verwirklichen, dass die Idee, den Staat zu bedrohen und zu bekämpfen, nur für die Wenigsten in Frage kommt.

Der Staat, das sind die Verwalter. – Schnell mischen sich unter die Verwalter Besserwisser und Kontrolleure. – Und ursprünglich waren die Verwalter vom Souverän, dem Bürger beauftragt und dann verkehrt sich die Situation und die Bürger sind von den Verwaltern unterjocht, indem diese »Staatsbediensteten« ihren Auftrag missbrauchen, um die Auftraggeber zu unterwerfen.

Was bringt die Zukunft. – Im Zuge der technischen Entwicklung (Rationalisieren, Automatisieren, Computerisieren und Algorithmisieren) werden Gestaltungsaufgaben immer häufiger den Verwaltern entzogen, sodass die Bürger entsprechende Tätigkeiten selbst übernehmen. – Wenn wir bedenken, dass heute ein Großteil der Arbeit von Verwaltern in der Kontrolle der Bürger besteht und diese Kontrolle überflüssig wird, ist absehbar, wohin die Reise geht.

Das Verschwinden der Apparatschiks ist die Folge einer natürlichen Entwicklung.

In der Kirche ist ein Bild zu sehen, auf dem »oben im Himmel« jemand ist und »unten auf der Erde« sind die Menschen. Aber der im Himmel sieht aus wie ein Mensch. – Materiell auf der Erde sein, ist ein Zustand. In ihn sind wir hineingeraten, es ist eine Aufgabe. Aus ihm heraus kommen wir wieder. – Nicht-materiell sein, ist unsere Ewigkeit. – Aus Fleisch und Blut sind wir eine Zeitlang.

Die Kirche hat bis auf die Touristen keine Besucher. – Wie auch das »Haus der Begegnung« menschenleer ist. – Bei den Arbeiter-Samaritern hingegen, ist die Bude propenvoll. Die Parteikultur macht den Mangel in der Gesellschaft wett.

Gegenwarts-Literatur. Welche Autoren kommen da spontan in den Sinn. – In der Bücherei gibt es keine solche Kategorie. Es gibt »Persönliche Erfahrungen«, Romane der Zeitgeschichte. Ich finde »Houellebecq«, Gauck-Biographie. – Ich suche Pirinçci, Akif. Den gibt es aber nicht in der Bücherei. – Sein Buch »Deutschland von Sinnen« kostet bei Amazon 15 Euro als eBook. – Das ist mir zu teuer. Für 10 Euro hätte ich es gekauft. – Unter dem Buch steht, dass dieser Preis vom Verlag festgelegt wurde. Der Autor war nicht selbst in der Lage zu sagen, welchen Preis sein Buch haben soll? – Warum 15 Euro, wenn alles an Kosten rund um das Drucken eines Buches wegfällt.

Wenn das Buch in der Bücherei gewesen wäre, hätte ich es mir ausgeliehen. Aber so fehlt mir ein Beispiel für Gegenwarts-Literatur in Deutschland. – Sicher, es werden jedes Jahr Dutzende von Büchern veröffentlicht. Es dürfte doch nicht so schwer sein, ein Buch aus dieser Kategorie zu besorgen. Dennoch. Es soll nicht irgendeinen Roman sein, in dem die Welt ganz, ganz persönlich dargestellt wird, sondern ein Werk, in dem Bezug genommen wird, auf die heutigen Verhältnisse. – Und ja, es stimmt. Ganz entscheidend ist für mich, wie ein solcher Autor zu Hartz4 steht, zum Bedingungslosen Grundeinkommen und zu den Menschenrechten. – Pirincci beschreibt ja mehr das, was schlecht ist, an unseren Gesellschaften. Aber ich hätte einmal hineingeschaut, in welcher Weise dies Gegenwarts-Literatur ist.

Himmel