… und du fliegst raus.

Sicher gibt es diejenigen, die jeden Tag ausschlafen können. Sie haben es sich so arrangieren können, haben einen ständigen Geldfluss organisiert. Ihr Einkommen ist gesichert. Wie sie das geschafft haben, ist erst mal egal. – Und dann diejenigen, die jeden Tag aufspringen müssen, um dafür zu sorgen, dass Geld auf ihr Konto kommt. Wer keinen »Arbeitgeber« hat, der bezahlt, der die eigene Arbeit bezahlt, muss sonstwie Geld organisieren. Beim Staat betteln, damit sie Geld herausrücken, über deren Stöckchen springen, sinnlose Lehrgänge besuchen und Jobs annehmen, die niemand haben will. – Wehe, du rührst dich nicht, bleibst einfach im Bett liegen. Dann versiegen die Zahlungen auf dein Konto, der Vermieter hat keine Geldeingänge mehr, der Stromversorger meckert, die Heizung bleibt kalt, der Kühlschrank ist leer und du trägst die Kleidung, die du einmal vor über 10 Jahren gekauft hattest.

In den 90er Jahren kamen die »Tauschringe« in Mode. Vereinigungen, deren Teilnehmer mit einer selbstgeschaffenen Währung, nennen wir sie »Holo«, in Tauschgeschäfte treten. Wie bei einem Flohmarkt, können Produkten gegen diese Währung »gekauft«, und gegenseitige Dienstleistungen mit dieser Währung bezahlt werden. Die Idee schien genial, in Zeiten zunehmender Single-Haushalte, um sich so gegenseitig zu helfen und sich auch kennenzulernen. Denn die Tauschringe sollten nicht bloß den Wirtschaftskreislauf abbilden, sie funktionieren eigentlich nur, wenn persönliche Beziehungen unter den Tauschring-Teilnehmern zustande kommen. – Der anonyme Tauschhandel der »Realwirtschaft« sollte eben nicht kopiert werden. – Auch wenn heute viele Personen von den Tauschringen profitieren, denn wer die Regeln verstanden hatte, kann sich gut in diesen Netzwerken einrichten, so ist doch eine gewisse Stagnation bei den Mitgliederzahlen festzustellen. – Woran liegt es?

Einmal sind es die strikten Regeln, die eher die Stimmung bei den Teilnehmern eintrüben. Tauschen gegen Euros ist verboten, beziehungsweise »nicht erwünscht«. – Dann werden säumige Teilnehmer, also solche, die ihre Jahresbeiträge nicht bezahlen, gemäß eines Regelautomatismus aus der Vereinigung »entfernt«. – Sicher ist dagegen ein Einspruch möglich. Aber das ist nicht der Punkt.

Wir leben in Gesellschaften, in Gemeinschaften, aus denen wir »automatisch« rausfliegen, wenn wir uns nicht entsprechend verhalten. Das ist es. – Wir sollen vorgegebene Regeln, von Menschen ausgedachte Regeln befolgen, sonst ist »Schluss mit Lustig«.

Was ist, wenn wir die Kraft dazu nicht haben, wenn uns das zu viel ist? Egal. Der Nächste bitte.

Die Idee des Tauschrings ist es, selbst »Angebote« zu machen, in einer eigenen Angebotszeitschrift und gleichzeitig auch bekannt geben, was nachgefragt wird. So würden »Angebot und Nachfrage« den Markt im Tauschring bestimmen, und mit den vorhandenen oder bereits verdienten »Holos« lassen sich die Tauschhandlungen abwickeln.

In der Praxis lässt sich aber kein Gleichgewicht herstellen, zwischen Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, und Angeboten. Zumindest geht es vielen Personen so. – Im Ergebnis führt das dazu, dass jemand zwar viele Nachfragen nach seinen Dienstleistungen hat, aber die Person kann mit seinem in der Folge vorhandenen »Geldreichtum« nicht viel anfangen, weil keine passenden Angebote vorhanden sind, für die das Geld wieder eingetauscht werden könnte. – Das Tauschen ist dann eine einseitige Angelegenheit.

Hauptproblem des Tauschrings ist, dass keine »regelmäßig« nachgefragten Produkte und Dienstleistungen vorhanden sind, die zu einem Geldkreislauf führen. Alles, was wir den ganzen Monat über brauchen, und dann wieder im Folgemonat, wären die Produkte und Dienstleistungen, die im Tauschring »im Angebot« sein müssen. Aber dies ist nur zum Teil der Fall.

Da diejenigen, deren Leistungen zwar stark nachgefragt werden, selbst nichts, oder nicht viel finden, an Angeboten, die sie nachfragen wollen, kann dies bei diesen Personen zu einer »Einschränkung ihres Angebotes« führen, da für sie die Motivation fehlt, ihre Angebote im vollen Umfang aufrecht zu erhalten.

In der Realwirtschaft gibt es genau diese Situation bei den Fachärzten und Hausärzten. – Früher konnten sie beliebig viel dazuverdienen. Was dazu führte, dass sie gerne jeden Patienten behandelten, der sich meldete. Heute führt die »Budgetierung« dazu, dass sie ihre Behandlungsangebote einschränken und zurückhalten. Das ist für den Patienten daran zu erkennen, dass er keinen Behandlungstermin »jetzt« bekommt, obwohl dringend eine Behandlung von Nöten wäre, sondern erst in ein, zwei Monaten, wenn womöglich die Erkrankung schon wieder vorbei ist, oder sich die Sache noch verschlimmert hat.

Und die an sich wichtige Grundlage für die Tauschgeschäfte im Tauschring, nämlich das »persönliche Kennenlernen« wird von immer weniger Menschen noch aktiv genutzt. Dazu ist es notwendig, sich zu den »Stammtischen«, Café-Treffen, etc. regelmäßig einzufinden, damit sich die Tauschring-Teilnehmer kennenlernen können, um ein gewisses Vertrauen aufzubauen, für das Tauschen. – Es kommt durchaus vor, dass Personen in den Tauschring eintreten und dann meinen, »geschäftsmäßig« sich irgendwelche Angebote des Tauschrings einfach nehmen zu können. So geht es dann auch nicht.

Obwohl also in dem »reichen Deutschland« die Bedingungen günstig sind, für die Tauschringe, nämlich viel Armut, viele prekäre Lebensverhältnisse, die es sinnvoll erscheinen lassen, dass sich die Menschen direkt gegenseitig helfen, so scheint doch die Konzeption der Tauschringe an einen gewissen Endpunkt gekommen zu sein.

Kann der Tauschring-Gedanke noch weiterentwickelt werden?

Tauschringe sind ein bisschen wie »Vereine« organisiert. – Aber die Tauschringe sollten sich einen modernen Touch geben:

• Mitgliederversammlungen sollten »online« abgewickelt werden. Das heißt, Abstimmungen per Email möglich machen, Kommunikation mehr über das Internet und Soziale Netzwerke abwickeln.

• Kosten reduzieren, statt neue aufzubauen! Alle Gebühren, Beiträge »freiwillig« machen und nicht die Teilnehmerschaft im Tauschring an Beitragszahlungen koppeln. Wer nichts freiwillig zahlt, demjenigen eventuell den Service des Tauschrings einschränken.

• Tauschen auch gegen Euros ermöglichen, und nicht nur gegen die hauseigene Währung.

• Mitarbeit in der Tauschring-Verwaltung und Tauschring-Organisation nicht gegen Bezahlung durchführen, sondern ausschließlich »ehrenamtlich« beziehungsweise ohne Bezahlung. Weder in der Hauswährung, noch in Euros. Denn über genau diese »Geldforderungen« der Mitarbeiter, wird der »Zwang« für Beiträge und Abgaben erst geschaffen.

Ein interessanter Aspekt in den Tauschringen, ist die »Geldmengen-Steuerung«. Sie ist ähnlich zu denken, wie in der Realwirtschaft und bei der Zentralbank. Aber zuerst wären die anderen Punkte dran.

Wer überlebt

Wir müssen besser sein als die anderen, höher, schneller, weiter war das Motto. Doch Spezialisierung ist nur eine Form der Problembewältigung in der Natur.

http://foehrkommunikation.blogspot.de/2017/04/es-gibt-zwei-grundhaltungen-in.html

Aber was war das für ein »Problem«? – Das der Eine leben will, egal, ob die anderen auch geeignete Lebensumstände haben? Oder war es das Problem, dass alle Menschen leben wollen und in den Köpfen vieler ist das nicht vorgesehen, weil sie nur an sich denken?

Wo früher Kontrolle herrschte, baue ich jetzt Vertrauensverhältnisse auf. .. Der Sinn der Arbeit wird für die vielen Wissensarbeiter wichtiger, als das reine Geld verdienen.

Aber wie kann so eine Gesellschaft proklamiert werden, ohne die Rahmenbedingungen? Dasjenige, das Frau Föhr kritisiert (Kontrolle, zentrale starre klare vorgaben-orientierte Hierarchie, in einer Misstrauens-Umgebung) ist doch immer noch da, in Form einer dermaßen gestalteten politischen Macht und Gesetzeslage, Jobcenter und Arbeitsagenturen.

Alle, die heute die Erfahrung der Arbeitslosigkeit durchmachen, werden der »Heile-Welt-Beschreibung« der Autorin misstrauen. Auch wenn sie jetzt in einen Job vermittelt wurden, oder noch nie die staatlichen Arbeitsbehörden von innen gesehen haben. Die Drohungen des Staates gegen die »Arbeitstiere« liegen in der Luft. Jeder spürt, was ihm blüht, wenn er keinen Job hat.

Es kann nicht auf der einen Seite einen unterdrückerischen Staat geben, der seine Bürger mit Gesetzen zu bestimmten Verhalten zwingen will, und im Gegensatz dazu, eine »Pseudo-Freiheit« in Unternehmen, die von Unternehmensberatern mit den Mitarbeitern antrainiert wird: so tun, als ob wir gute Lebensverhältnisse hätten.

Die zwei Grundhaltungen, die ein Unternehmen haben kann, resultieren nach meiner Ansicht aus einer alten Denke (Angst und Mangel) und aus einer neuen Denke (Vertrauen und Fülle).

Oder ist es hartnäckiges Ignorieren der Realität.

Wo ist heute in dieser Gesellschaft »Fülle«? – Ich sehe überall Menschen an den Mülltonnen, um darin zu wühlen nach Verwertbarem, Flaschensammler, ständig neue Essens-Tafeln für Bedürftige, ständig weitere Bettler, die vor den Banken und Supermärkten sitzen, für ein paar Cent. – Die Zahl der Armuts-Gefährdeten steigt von Jahr zu Jahr, vermelden die Nachrichten. Aber wir sollen uns »der neuen Denke« zuwenden? – Das ist wohl kaum vorstellbar.

»Gemeinwesen mit souveränen Staatsbürgern« im Gegensatz zur Arbeitsgesellschaft

Sascha Liebermann schreibt in einem Beitrag [1], dass wir unterscheiden müssen, zwischen der »Arbeitsgesellschaft« und dem Gemeinwesen mit seinen Staatsbürgern als »Souverän«.

In der Arbeitsgesellschaft ist der Einzelne ersetzbar. Im Räderwerk der Auftragserfüllung, sollen die die effizientesten Kräfte zum Einsatz kommen. Wenn der konkrete einzelne Mensch das nicht ist, dann ein anderer oder gar eine Maschine. – Allein daran ist zu erkennen, dass der Einzelmensch nicht im »Arbeitsleben« seine Erfüllung findet, wenn er dort nach Optimierungsgesichtspunkten angeschaut wird und notfalls ausgetauscht gehört.

Die Sicherheit seiner Person, die Unverletzbarkeit seiner Würde erfährt der Mensch nur in seiner Position als Souverän. Da ist er »unantastbar«. Als geachteter Teil eines Gemeinwesens ist er mit seinen Eigenarten »beständig anwesend«. So nehmen wir uns gegenseitig wahr und versuchen nicht, uns gegenseitig in subjektiven Vorstellungen »anzupassen«.

Diese Betrachtung der großen Gesellschaft, gilt es herunterzubrechen auf die kleinen Lebensumstände und Zusammenkünfte.

Wenn wir als souveräne Staatsbürger zusammenarbeiten, dann tun wir das nicht als »Organisation«, als »Arbeitsteam«, sondern als selbstbestimmte Einzelwesen, die jede Facette ihrer Subjektivität einbringt, in eine Vernetzung und Kooperation. – Wenn wir als Staatsbürger zusammenarbeiten, bilden wir deshalb keine »Arbeitsgesellschaft«, sind wir nicht im Kleinen, was wir im Großen auch nicht sein wollen.

Als Staatsbürger wirken wir zusammen, um ein Grundeinkommen zu erreichen, indem wir nicht zusammen »arbeiten«, sondern uns gegenseitig anerkennen. Als Erstes. Dann bringen wir die Dinge auf den Weg, in dem sich jeder so einbringt, wie wir das möchten und von uns aus beabsichtigen. Und es wird sich ergeben, dass diejenigen, die besondere Fähigkeiten in einer bestimmten Richtung haben, in diese strömen werden und sich dort die Fähigsten einfinden.

Und dies geschieht so, dass alle, die in eine Richtung wirken wollen, dies einfach tun. Und wir alle sehen die unterschiedlichen Ergebnisse und wir werden diejenigen unterstützen, die wir vor anderen vorziehen.

Wohingegen das schlechtere Verfahren wäre, in einer Organisation, Arbeitsorganisation festzulegen, wer für bestimmte Aufgaben zuständig ist, und gar Leute in diese Bereiche »gewählt« werden und wir womöglich Ergebnisse haben, mit denen niemand wirklich zufrieden ist, weil es die »Souveränität des Einzelnen« verletzt.

Deshalb ist das Zusammenwirken der Staatsbürger nicht in Form der Arbeitsorganisationen, Unternehmen, Initiativen möglich. – Weil es die Kompetenz des »eigenwilligen« Subjektes in Frage stellt, welches aber der »Souverän« ist.

[1]
Sascha Liebermann – Demokratische Konsequenz; in Philip Kovce: Soziale Zukunft – Das Bedingungslose Grundeinkommen – Die Debatte

Wir, du und ich

Das Kind wächst in ein »Wir« hinein, bevor es ein »Ich« entwickelt.

Das »Wir« wird von den Bezugspersonen und weiteren Mitgliedern in der Lebensgemeinschaft gebildet. Zum Beispiel »Vater und Mutter« und Geschwister. Idealerweise haben Vater und Mutter bereits ein »Ich« entwickelt. An diesen »Ichen« kann sich das aufwachsende Kind orientieren.

In Kindheit, Jugend und jungem Erwachsenenalter entwickelt der Mensch sein »Ich«. – Dieser Prozess ist zeitlich nicht begrenzt.

Wer sein »Ich« nicht entwickelt, bleibt bei dem »Wir« stecken.

Typisch für diktatorisch-orientierte Gesellschaften ist es, dass Eigensinn, Subjektivität und Individualität bekämpft werden, weil sie angeblich das »Wir« in der Gesellschaft gefährden. Jede Form von Individualisierung wird als unerwünscht dargestellt, als ungeeignet für das dem Nationalbewusstsein typische »Wir«. – Die Ich-Entwicklung ist in einer Diktatur unerwünscht.

Da aber der Mensch sein »Ich« entwickeln will, verbirgt er dieses, wenn es bedroht wird. – Denn auch in einer Diktatur sind es wieder »Iche«, die sich mitteilen wollen und die die Geschicke der ganzen Nation lenken. Nur äußern sich die subjektiven Sichtweisen dann fortwährend eingekleidet in einem »Wir wollen das, wir sollten das, wir müssen das und jenes tun«. Und »Du solltest das, du müsstest das und jenes machen«. – Solche Sätze werden von denjenigen eingesetzt, die ihr »Ich« nicht offen zeigen wollen und können. Statt von sich zu reden, von dem, was sie selbst wollen, denken und machen würden, reden sie unentwegt auf andere ein, dass diese »dies und jenes« machen und tun sollten und das »wir« besser uns so und so verhalten sollten und so weiter. – Solche Leute reden nicht von sich, sondern immerzu von anderen, was diese wieder falsch gemacht haben und besser machen könnten, was diese nicht leisten können und wie »wir« voran kämen, wenn wir uns bloß richtig verhalten würden und wer alles bekämpft gehört, weil er sich nicht richtig verhält.

Personen, die ihr »Ich« hingegen weitestgehend entwickelt haben, können sich irgendwann wieder für ein »Wir« entscheiden. Nur entscheiden sie aus einem relativ reifen »Ich« heraus, wieder ein »Wir« zu schaffen, zum Beispiel mittels einer Partnerschaft.

Zwei Umstände begünstigen diesen Prozess der Neu-Schaffung eines »Wir«:

• Das »Ich« muss sich zeigen. – Es muss für andere sichtbar sein. Es muss seine Fähigkeiten, Fertigkeiten, Möglichkeiten, Interessen, es muss seine »Schönheit« zeigen, es muss sich für andere attraktiv machen. Es muss für andere attraktiv sein.

• Das »Ich« muss aus der großen Zahl anderer Iche ein Ich »auswählen«. – Es muss aus freien Stücken, freiwillig sich mit einem anderen Ich zusammentun. – Aus dem dann folgenden gemeinsamen »Tun« kann dann auf ein »Wir« geschlossen werden und die beteiligten Personen äußern sich dann auch entsprechend.

Dieses »Wir« ist freiwillig zustande gekommen.

Ganz anders das »Wir« aus der Kindheit. Dieses »Wir« kam nicht freiwillig zustande. Das erklärt auch, warum in dem Wir der Kindheit etwas »Zwanghaftes« drinsteckt. Und sind die Eltern unreif geblieben, dann ist es dem Kind auch nicht möglich, an ihnen ein reifes, selbständiges, eigenwilliges »Ich« zu erkennen, und es wächst ohne »Ich-Unterstützung« auf.

Wann ist etwas »reif«?

Ist jemand reif für einen öffentlichen Auftritt, wenn er nur 5 Akkorde auf der Gitarre spielen kann? Darüber kann kein »Wir« eine Auskunft geben, sondern nur derjenige selbst erstmal, der mit diesem Vermögen auftreten will, und natürlich wir alle, als Einzelpersonen, indem wir zu den Auftritten dieser Person eilen, weil wir das so toll finden, wie dieser Mensch Gitarre spielt. Oder indem wir als Einzelpersonen den Kopf schütteln, über so viel Unerfahrenheit, und diese Darbietungen meiden.

Ob eine Person, ein »Ich«, zu irgendetwas »reif« ist, bestimmt also in erster Linie diese Person selbst. Wer sich selbst reif dafür hält, zu heiraten in einem bestimmten Alter, kann das tun, und er wird sehen, was dabei herauskommt. – Andere Menschen haben sich nicht einzumischen in die Frage, ob jemand zu irgendetwas »reif« ist. »Wir« können nicht entscheiden, ob jemand zu etwas »reif« ist.

Die Reife drückt sich aus! – Und wir nehmen es dann wahr.

Sondersituationen sind dann gegeben, wenn wir »ausdrücklich« jemanden prüfen wollen, ob er »reif« ist. Zum Beispiel in Prüfungen. Aber hier in diesem Beitrag will ich ausschließlich die »Reife« ansprechen, die wir in freier Entscheidung zur Kenntnis nehmen, und nicht solche, die sich aus Spezialfällen ergibt.

Das »Du« wiederum kann »unreif« gehandhabt werden, indem es in das »Du« (in die andere Person) das eigene »Ich« projiziert, das sich nicht zeigen darf und deshalb im anderen auftauchen soll. – Wer selbst ein reifes Ich hat, wird das »Du« vorsichtig handhaben und den Respekt für die andere Person ausdrücken und die Würde der anderen Person anerkennen.

So haben wir das kindliche »Wir« und das erwachsene »Wir«.

Das kindliche »Wir« wird wahrgenommen aus einem schwachen, kaum entwickelten »Ich«. Bleibt das »Ich« wenig entwickelt auch in zunehmenden Alter der Person, ersetzt das »Wir« das »Ich« weitestgehend. Solche Zustände sind typisch für totalitäre und diktatorische Gemeinschaftsbildungen. – Dort herrscht das kindliche »Wir«.

Das erwachsene »Wir« hingegen, ergibt sich aus selbständigen »Ichen«. Die »Iche« produzieren sich (Inhalte) nach außen, in die Welt, damit die Inhalte, aber auch sie als Person sichtbar werden. – Sie zeigen sich. – Dies entspricht dem Bedürfnis des »Ich«. Die anderen »Iche« wiederum, wählen aus den vorhandene »Ichen« diejenigen aus, mit denen sie sich verbinden wollen. Daraus kann ein neues »Wir« entstehen. Die Formen des »Wir« aus erwachsenen »Ichen« sind vielfältig. Das können Partnerschaften sein, aber auch Freundschaften, Arbeitsgruppen, Interessengemeinschaften etc.

Irrtümer des Parteienwesens

Wir »sollen« zusammenarbeiten?

Organisationen sind nach bestimmten Vorstellungen aufgebaut. Das Miteinanderwirken der in ihnen involvierten Personen »soll« nach bestimmten Mustern erfolgen. Es wird eine Theorie entwickelt und die Realität soll sich ihr fügen. Geht das?

Menschen sollen zusammenarbeiten. Dazu werden sie gewählt. In einen Vorstand werden Leute gewählt. Auf die Zusammensetzung des Vorstandes haben die Personen, die zusammenarbeiten »müssen« aber keinen Einfluss. Das Ergebnis einer Vorstandswahl ist Glücksache.

Aber sind das gute Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit?

Und sollte sich nicht besser so eine Zusammenarbeit ergeben, dass Menschen »probieren« zusammenzuarbeiten, zum Beispiel in einem kleinen Projekt, bei einer kleinen Aktion, bei einer Einzel-Kampagne? Nach solchen Erfahrungen kann überlegt werden, ob die gemeinsamen Aktivitäten ausgebaut werden, weil zum Beispiel das »Teamwork« gut funktioniert hat.

Und wäre es nicht besser, uns erst mal umfangreich zu präsentieren (zum Beispiel online), damit andere sich »ein Bild« von uns machen können, ob sie überhaupt Interesse haben, an gemeinsamer Arbeit?

»Jeder kann in eine Partei eintreten.« Wirklich?

Auch die, die schlechte Absichten gegenüber einer Organisation haben, können in diese eintreten? Ist das nicht absurd?

Unter diesen Umständen kann jede Institution zerstört werden. Von innen.

Zusammenarbeit muss sich vertrauensvoll entwickeln. Ob funktionierende Teams vergrößert werden, darf nicht einer seelenlosen Organisationsregel überlassen werden. Dass dürfen allein die in einem Team befindlichen Personen entscheiden.

Nach welchen Regeln, in welchen Formen wir Menschen »am produktivsten« und effizientesten zusammen arbeiten können, sollten wir überprüfen, darüber nachdenken, dies gemeinsam besprechen und entsprechende Wege gehen, statt uns in vorkonzeptionierte Schachteln stecken zu lassen.

Inhalte, Gesprächskultur und Absprachen

Bei den Inhalten, die zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Thema »Bedingungsloses Grundeinkommen« produziert werden (Texte, Videos, Podcasts, etc.), geht es nicht nur um die »Qualität« der Produktionen, sondern auch darum, dass es öffentlich wird, wie viele Menschen sich für ein Grundeinkommen engagieren.

Die Anzahl der Menschen, die sich für ein bGE aussprechen und die Qualität von Einzelbeiträgen zum Grundeinkommen, sind beides wesentliche Faktoren bei der Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens.

Alle, die ein Grundeinkommen befürworten, sollten mit ihren Beiträgen in der Öffentlichkeit »sichtbar sein«. Das ist ganz wesentlich, für die Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens. – So, wie heute jeden Tag die Merkelstaat-Anhänger und Hartz4-Gesetze-Befürworter ununterbrochen »Werbung« machen, für ihre Gesellschafts-Vorstellungen, so müssen die Menschen, die sich für einen anderen Staat aussprechen, ihre Sicht der Dinge öffentlich bemerkbar machen. Dauernd, jeden Tag.

Das ist notwendig, damit in der Öffentlichkeit sichtbar ist, wie die Menschen denken.

Bei der »Gesprächskultur« wiederum, geht es darum, eine Form zu finden, die allen Menschen und ihrer Unterschiedlichkeit gerecht wird. Als Grundlage dient die Vorstellung, dass wir Menschen nicht einer Meinung sind. Und das es eher die Ausnahme ist, wenn wir in dieselbe Richtung denken.

Wenn das so ist, dann müssen Gespräche dies berücksichtigen. – Abhängig von der Größe der Gruppe, sollten alle Gesprächsteilnehmer »gleich viel« Zeit erhalten, um sich mitteilen zu können. Keine Äußerung sollte bewertet werden, unterbrochen werden, kritisiert werden. Niemand sollte in Aussagen angegriffen und beschuldigt werden. Stattdessen sollte jeder »von sich« und den eigenen Eindrücken sprechen, von der Wahrnehmung der eigenen Lebenswelt. Und dies den anderen mitteilen.

Wenn es um Entscheidungen geht, steht am Schluss dieses Gesprächs, oder am Schluss von mehreren Gesprächsrunden die Abstimmung. So sehr sich Einzelne auch echauffieren konnten, während der Gespräche, Tatsache ist doch auch, dass bei den Abstimmungen jeder Mensch eben »nur eine Stimme« hat, um die Richtung zu beeinflussen, in die die Gemeinschaft geht.

Gab es mehrere Handlungsmöglichkeiten abzustimmen, so wird sich zeigen, welches Angebot »eine Mehrheit« an Stimmen erhält. Das ist Demokratie. Direkte Demokratie.

Das bedeutet nicht, dass diejenigen, die mit ihren Ansichten nicht die Mehrheit erzielten, auf weiteres Engagement für ihre Anliegen verzichten müssen, wenn sie davon überzeugt sind, dass ihre Ansichten eine Umsetzung verdienen.

Wie ergibt sich Macht? Macht ergibt sich!

Aber Macht gezielt erlangen zu wollen, zum Beispiel durch manipulierte Wahlen, indem mit Absicht Leute in Institutionen geschickt werden, um dort Mehrheiten zu erreichen, um diese Institutionen »umzupolen«, muss verhindert und unterbunden werden, zum Beispiel dadurch, dass wir solche Strukturen in Institutionen, dass wir solche Organisationen nicht unterstützen.

Entwicklungen ergeben sich. Und sie können gezielt angestrebt werden. Aber »Macht« sollte nicht gezielt angestrebt werden. Macht ist sinnlos und wertlos.

Sollte gemeinsames Handeln »gewählt« werden?

Organisationen sind wie ein Gerüst. Sie sollen einer gemeinschaftlichen Interessenvertretung dienen. Organisation funktionieren nach bestimmten Regeln. Es ist eigentlich ganz einfach, Organisationen auszutricksen.

Angenommen die Organisation ist angetreten, um die Farbe »Rot« zu bewerben. Anhänger der Farbe »Grün« passt das nicht und sie sorgen dafür, dass viele anonyme Grüne bei den Roten eintreten. Dann schauen sie, dass sie »Schlüsselpositionen« in der roten Organisation ergattern. In dem sie »eigene Leute« bei Abstimmungen lancieren und zum »Wahlsieg« verhelfen. – Anschließend sorgen sie dafür, dass die Öffentlichkeitsarbeit für die Farbe »Rot« unprofessionell, stümperhaft und wenig erfolgreich verläuft. – All das ist möglich zu erreichen, in »Institutionen und Organisationen«.

Statt sich also zu einem »Marsch durch die Institutionen« aufzumachen, der womöglich in einen Irrgarten oder eine Sackgasse mündet und unsere Lebenskräfte verplempert, und statt uns durch »Wahlen« auseinander dividieren zu lassen, sollten wir lieber gezielt Ausschau halten, nach den Menschen, mit denen wir uns vorstellen könnten, eine Bürgerbewegung aufzubauen oder Projekte und Kampagnen durchzuführen. – Das wäre jetzt in Angriff zu nehmen.

Mit den Leuten Kontakt aufnehmen, sich persönlich absprechen und wenn möglich, nach und nach den Kreis der vertrauenswürdigen Personen vergrößern und bei dieser Form der Zusammenarbeit, weitestgehend auf »Wahlen« zu verzichten.

Rant zur bGE-Partei

Letztes Wochenende trafen sich die Parteimitglieder der Partei Bündnis Grundeinkommen zu einem Bundesparteitag. Dabei wählten sie ihren »Vorstand«. – Ich muss sagen, dass ich außerordentlich verärgert bin, über die dort getroffenen Entscheidungen.

Ronald Trzoska, der diese Partei mitgegründet hat und sich zur Wahl für den Vorstand gestellt hatte, wurde nicht in den Vorstand gewählt. Baukje Dobberstein, eine Ärztin aus Hannover, die sich auf ihrem Blog schon längere Zeit fundiert zum Grundeinkommen äußert, und sich ebenfalls für den Vorstand bewarb, ist ebenfalls nicht in den Vorstand gewählt worden. Dafür zwei Personen, die in der Vergangenheit in keinster Weise öffentlich zum Grundeinkommen in Erscheinung getreten sind. Aber Susanne Wiest wurde gewählt, und Verena Nedden, die ich von den Piraten kenne. Sie hat dort ihre »Rechnungen« zum Grundeinkommen bekannt gemacht.

Eine Organisation lebt durch ihre Mitglieder. Sie ist ohne diese nicht zu denken. Unterstützung kann demnach nur das Personal einer Institution erhalten, von Menschen außerhalb dieser Gruppierung.

Von den jetzt getroffenen Entscheidungen der Parteimitglieder bin ich ganz und gar nicht überzeugt. – Jemanden, dessen Herzblut mit der Gründung der Organisation verknüpft ist, nicht in den Vorstand zu bringen, obwohl er ausdrücklich Interesse bekundete, ist schon reichlich daneben. Und aus meiner Sicht unverzeihlich. – Von Weitsicht und Klugheit der Parteileute ist da wenig zu spüren.

Das dämpft meine Begeisterung für diese Gruppierung merklich. Ganz zu schweigen von meiner Bereitschaft, mich für sie zu engagieren. – Das war vorher noch anders.

Na gut. Es wird weitere und vielleicht interessantere Projekte zum Grundeinkommen geben. 😐

https://www.youtube.com/watch?v=Bgo8Ow5DZtk
https://baukje23.blogspot.de/
https://twitter.com/bgepartei/status/846061503191109634
http://grundeinkommenimbundestag.blogspot.de/
http://www.buendnis-grundeinkommen.de/

Arbeitswille und bGE

Immer wieder gibt es den Fall, dass Personen behaupten, Rudolf Steiners Philosophie würde nicht hinweisen auf eine Grundeinkommens-Gesellschaft. Und eigentlich immer sind es Leute aus anthroposophischen Institutionen, die dies behaupten. – Aber ist das so?

Nehmen wir den Text »ARBEITSFÄHIGKEIT, ARBEITSWILLE UND DREIGLIEDRIGER SOZIALER ORGANISMUS«.

http://anthroposophie.byu.edu/aufsaetze/s106.pdf

Gleich zu Anfang stellt Steiner die Frage nach dem Arbeitsantrieb. Und er konstatiert, dass es nicht genügt, einfach den »Egoismus« der Gewinnstrebenden in Frage zu stellen und wie es der »Sozialist« tut, das Gemeinschaftsleben und gemeinsame Wirtschaften als »Muss« für alle darzustellen. – Dadurch wird der Mensch »in seinem Wesen« nicht erreicht und angesprochen.

Der Appell an die »Leistungspflicht« für die Gemeinschaft, stößt auf taube Ohren.

Warum?

Dieses Prozedere übergeht den »individuellen Menschen«. Der Mensch will in seiner »Würde« angesprochen werden und nicht an seinen »niederen Instinkten«. Und er will auch nicht bessererwisserisch belehrt werden, wie und warum er seine Arbeit zu verrichten hat.

Die Dreigliederung besagt, dass das Wirtschaftsleben sich um seinen Bereich kümmert, die Produktion und Dienstleistung. Während das Rechtsleben den Rahmen schafft, in dem das Individuum seine Rechte gegenüber den Mitmenschen und den Wirtschaftsvertretern zur Geltung bringt. Im Geistesleben wiederum ist die Quelle zu sehen, für die Arbeitsmotivation. Ein »freies, auf sich selbst gestelltes Geistesleben« ermöglicht es den Individuen ihre persönliche Beziehung zum Gemeinwesen und den Mitmenschen zu entwicklen, indem das Subjektive, das Eigene geachtet und anerkannt wird. Was Grundlage ist dafür, dass der in seinen Indivualrechten »würdig« behandelte und anerkannte Mensch erkennt, welchen Wert diese Gemeinschaft für ihn hat, und er sie erhalten will, auch um seiner selbst willen. – Damit aber, erkennt er die Individualrechte der anderen genauso an, wie diese seine anerkennen. Dieses Bewusstsein stiftet Gemeinschaft.

Und wie das freie Geistesleben die Antriebe zur Ausbildung der individuellen Fähigkeiten erzeugen wird, so wird das demokratisch orientierte Rechtsstaatsleben dem Arbeitswillen die notwendigen Impulse geben. In den wirklichen Beziehungen, die sich herstellen werden zwischen den in einem sozialen Organismus vereinigten Menschen, wenn jeder Mündige gegenüber jedem Mündigen seine Rechte regeln wird, kann es liegen, dass der Wille sich entzündet, «für die Gemeinschaft» zu arbeiten. Man sollte daran denken, dass durch solche Beziehungen ein wahres Gemeinsamkeitsgefühl erst entstehen und aus diesem Gefühl der Arbeitswille erwachsen kann. Denn in der Wirklichkeit wird ein solcher Rechtsstaat die Folge haben, dass ein jeder Mensch lebendig, mit vollem Bewusstsein, in dem gemeinsamen Arbeitsfelde darinnen steht. Er wird wissen, wofür er arbeitet; und er wird arbeiten wollen innerhalb der Arbeitsgemeinschaft, in die er sich durch seinen Willen eingegliedert weiß.

S.52

Aber nichts anderes ist eine Grundeinkommens-Gesellschaft.

In ihr sind sich die Menschen bewußt, dass der wirtschaftliche Erfolg die Grundlage für die Existenzsicherung ist, die das »Bedingungslose Grundeinkommen« ausmacht. Weder werden die Menschen arbeiten, weil die Jobcenter-Mitarbeiter das so wollen, in Arbeitslagern, in »Beschäftigungsgesellschaften«, noch wird es die »Gewinngier« sein, die angeblich heute und in früheren Jahren, die Leute in den kapitalistischen Gesellschaften angetrieben hat, »stundenlang« täglich zu arbeiten. – Vielmehr ist es das Bewusstsein, dass das Wirtschaften ein gemeinschaftlicher Prozess ist, ein »Für-einander-Leisten«, welches die Produkte und Dienstleistungen erbringt, die wir alle für unsere Existenzsicherung brauchen. Wir arbeiten das, was nötig, ist und mehr nicht. Oder wir arbeiten mehr, weil wir individuell das so wollen.

Die heutige Hartz4-Zwangsarbeit ist eigentlich »sozialistisch«. Und damit »diktatorisch«. Sie gibt einer kleinen Clique von Leuten, »Politikern«, Politkadern, das Recht, andere Personen im Land zu einer Arbeit zu zwingen. Willkürlich gegen die »Würde des Menschen« zu agieren.

Noch sind wir Bürgerinnen und Bürger wie betäubt, und können es kaum fassen, dass uns dies passiert. – Unsere Aufgabe ist es nun, einen »Bürgerwillen« zustande zu bringen, der die gesellschaftliche Ordnung wieder in »menschengemäße« Bahnen lenkt. – Angetrieben dazu, werden wir durch die empörenden Aktionen der »Sklaventreiber« in den Regierungen.

Loyalität und Gemeinschaft

In den Texten von Sascha Liebermann erscheint immer wieder das Bild des »Bürgers«, der der Souverän im Land ist, und der seinen Bürgerstatus »leistungslos« inne hat und ausfüllen kann. – Gegründet ist dieses Recht aus seiner Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft. Ist diese bestätigt, dann erwächst ihm daraus eine »Würde«, die nicht relativiert, also an Bedingungen geknüpft werden kann.

.. nur wenn der Einzelne von sich aus bereit ist, unsere politische Ordnung zu tragen und Verantwortung zu übernehmen, kann ein demokratisches Gemeinwesen überhaupt bestehen. Wie wir also selbstverständlich auf diese Bereitschaft setzten, genauso selbstverständlich ist er Bürger, ohne irgendeine Pflicht zur Leistung erfüllen zu müssen. Er ist es leistungslos und zweckfrei, einfach Bürger um des Bürgerseins willen. An diesem Selbstverständnis unserer politischen Ordnung wird deutlich, worauf wir schon lange setzen, ohne ernsthaft daran zweifeln zu können: Ohne die Loyalität der Bürger, ihre Bereitschaft, sich an das Gemeinwesen zu binden, funktionierte in unserem Land gar nichts.

S.104 [1]

»Loyalität« halte ich für ein zu schwaches Bindemittel. – Zwar sagt Liebermann, diese Haltung sei in uns Menschen begründet, und durch unsere Sozialisation zustande gekommen, aber ich vermute, dass es sich dabei mehr um einen Wunsch des Autors handelt, als das dies bei den meisten Menschen tatsächlich sich so ereignet hat. – Und gegenüber was sollen wir »loyal« sein? Gegenüber Staat und Nation? Diese Begriffe sind entwertet. Wer sie noch verwendet, wird konservativ, traditionell oder noch schlimmer genannt. – Und selbst wenn wir es »Gemeinwesen«, Gemeinschaft nennen, dann wären wir einer anonymen Masse gegenüber loyal. Warum sollten wir das tun?

Heute, aus dem Stand heraus, würde ich meinen, können wir nicht mehr loyal sein. Weil zu viel Negatives sich in unseren Beziehungen abgespielt hat, zu viele Verletzungen gegenseitig sich zugefügt wurden, als das so ohne Weiteres es möglich wäre, füreinander einzustehen. – Heute arbeiten und leben wir »nebeneinander her«, ohne uns noch recht wahrzunehmen, immer beschäftigt mit dem »eigenen Kram«. – Der Umgang miteinander wird immer rauer, ruppiger, jeder ist sich selbst der nächste. Armut und Elend wird schulterzuckend zur Kenntnis genommen. Es ist halt so. Und wir gehen weiter unseres Weges und versuchen uns wegzuducken, damit »das Unglück dieser Zeit«, uns nicht allzu heftig trifft.

Was ich mir hingegen vorstellen könnte, ist, dass wir Bürgerinnen und Bürger einen »Zusammenhalt« untereinander für wichtig erachten, aus Einsicht heraus, und diesen »neu« begründen und uns erarbeiten. – Und die schlechte Entwicklung, die dieses Land hinter sich hat, zurücklassen und von Neuem beginnen, mit einer Vision von Bürgergesellschaft, die die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens vorwegnimmt. Und darauf aufbauend gründen wir diese Gemeinschaft, mit dem Wissen, das wir uns bereits über die Beschäftigung mit dem bGE erarbeitet haben. – Und dann würde ich jenes, was sich da entwickelt nicht »Loyalität« nennen, sondern einen Zweckverband von Individuen, der sachlich in Betracht zieht, dass ein Zusammenwirken, Zusammenarbeiten, Kooperieren sinnvoll ist, um ein Gemeinwesen für alle Menschen so zu gestalten, dass deren Würde geachtet und erhalten bleibt.

Gelingt uns das, wird sich daraus in der Folge Vertrauen bilden, welches unser Zusammen-Tun weiter stärken wird.

[1]
Götz W. Werner ; Ein Grund für die Zukunft: das Grundeinkommen – Interviews und Reaktionen

Gegenseitigkeit und Gemeinschaft

Hier geht es erst einmal ums Prinzip: das bedingungslose Grundeinkommen verletzt das Prinzip der Reziprozität.

https://skeptischeoekonomie.wordpress.com/2017/02/16/nun-sag-wie-hast-dus-mit-dem-bedingungslosen-grundeinkommen/

Was meint der Autor damit? Hat das etwas mit der Realität zu tun? Eher nicht.

Sascha Liebermann beschreibt ein solches Denken als »Leistungs- und Bilanzprinzip«. Es werden die Vorgehensweisen in der Güterproduktion, in einem Unternehmen, mit denjenigen gleichgesetzt, die im zwischenmenschlichen Bereich, im Privatleben stattfinden. – Ist ein solches Verfahren aber berechtigt?

Sascha Liebermann spricht davon, dass wir Menschen »bedingungslos« anerkannt sind, in der Familie wie auch im »Gemeinwesen«.

Bürger ist man qua Status und nicht qua Leistung. Ein Gemeinwesen ist auf Loyalität angewiesen. Ist diese Loyalität fragil, gefährdet sie sein Fortbestehen. In einer politischen Vergemeinschaftung von Bürgern sind also alle von allen abhängig, es kann nicht bilanziert werden. ….
Das Zugehörigkeitsprinzip würde unterminiert, stellt man ihm ein Leistungs- oder Bilanzprinzip, bestimmte Dinge tun zu müssen, um den Status zu behalten, an die Seite. Es ist also genau dieses Aufrechnen dem nicht angemessen, was ein Gemeinwesen auszeichnet.

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Wenn wir aber einen Moment innehalten, und überlegen, wie ist es in den eigenen Familienbeziehungen geregelt, in den etwas größeren Gemeinschaften (Wohngemeinschaft, Lebensgemeinschaft, Verein, Gruppe), dann ist es schon so, dass eine gewisse »Reziprozität« vorhanden ist. Aber sie muss ständig neu austariert werden. Die Regeln dafür, sind von allen Teilnehmern mitgestaltbar. Es findet darüber ein permanenter Austausch statt. – Wer den Abwasch nicht macht, obwohl er dran ist, kriegt halt Ärger. Aber er kann auch ausziehen, oder die anderen ziehen aus.

Und Sascha Liebermann hat recht, wenn er anmerkt, dass wir in einem Gemeinwesen »bedingungslos« anerkannt sein müssen. Dabei stellt er den Bürger so in die Gemeinschaft, dass dieser eine »unverrückbare« Anerkennung erfährt. Nicht die Frage ist relevant, ob er irgendwelche »Aufgaben« erfüllt hat, um dazuzugehören, seine Zugehörigkeit zur Gemeinschaft ist vielmehr über seinen Status im Verbund der Menschen erklärt. – Es ist sein Bürgerstatus, der ihn zugehörig macht.

Ein Abwehrrecht der Gemeinschaft gegenüber dem Einzelnen gibt es nicht, es sei denn, er gefährdet den gesamten Verband. Andererseits gibt es auch in Gemeinschaften so etwas wie eine »Aufgabenverteilung«. – Aber an ihr wirken wir alle mit. Man könnte sagen, das ist die allgemeine politische Arbeit, das Organisieren der Gemeinschaft. Das, was die Politiker jeden Tag machen, und bei dem wir Bürger dringendst mitwirken müssen, weil so vieles schlecht von dieser Berufsgruppe erledigt wird.

»Reziprozität« muss also nicht gefordert, sondern möglich sein. Und weil direkt-demokratische Elemente in Deutschland so gut wie keine Rolle spielen, wird die Mitwirkung des »Souveräns« eher erschwert.

Die Aussage, dass in einer Grundeinkommens-Gesellschaft die Reziprozität fehlen würde, ist also erstmal nur eine Behauptung. Und sie scheint vielmehr ein Vorwand zu sein, um das Grundeinkommen sich vom Leib zu halten, weil mit ihm »mehr Menschen« bei der Aufgabengestaltung und -bewältigung mitwirken könnten. – Womöglich haben jene, die heute das Sagen haben, Angst, ihnen würde in einer Grundeinkommens-Gesellschaft die Zuständigkeit streitig gemacht.

Die wahrscheinlich grundlegendste pragmatische Frage, die das Grundeinkommen betrifft, ist: lässt es sich überhaupt finanzieren? An dieser hängt eine Unzahl an Unterfragen, und auch wenn manchmal so getan wird, als ob sie einfach zu beantworten wäre, ist dies mitnichten der Fall. Der natürliche Ausgangspunkt der Überlegungen, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen finanzierbar ist, ist ein Blick auf die staatlichen Sozialausgaben, denn üblicherweise wird unterstellt, dass das Grundeinkommen alle oder fast alle Sozialleistungen ersetzen würde.

Der Autor startet die »Finanzierungsdiskussion« an der falschen Stelle. – Es ist eben nicht der »natürlichste Ausgangspunkt«, auf die staatlichen Sozialausgaben zu schauen. – Viel »natürlicher« wäre es, erst einmal zu überlegen, was »Grundeinkommen« eigentlich bedeutet.

Auch wenn wir ständig über Geld reden, so ist doch mit »Grundeinkommen« in Wirklichkeit gemeint alles, was wir für die Existenzsicherung praktischerweise brauchen: Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie. »Geld« können wir nicht essen und dient nur als momentanes »Zugriffsrecht« auf diese Waren. (Außerdem ist es in beliebiger Menge »billig« produzierbar.) – Das Zugriffsrecht auf die Güter die wir brauchen (die Wertschöpfung), können wir aber jederzeit auch anders organisieren.

Dass das Grundeinkommen »fast alle Sozialleistungen« ersetzt, stimmt nicht. – Es ersetzt einzig die heutigen Existenzsicherungszahlungen und passt sie in menschenwürdiger Höhe an. – Und es gibt viel mehr Sozialleistungen, als nur die Existenzsicherung. – Diese bleiben erhalten, bei Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens.

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Sascha Liebermann ; Aus dem Geist der Demokratie: Bedingungsloses Grundeinkommen