I am watching you!


Ich kam erstmals mit Esowatch in Berührung, als ich zu einer Person Informationen suchte, die ich fragwürdig fand. Esowatch benutzt ein Wiki, was gleich mal seriös aussieht, so wie bei Wikipedia eben, der akzeptierten Informationsquelle. »Markenzeichen« von Esowatch ist ein böse dreinblickendes Tierauge.
Und ja, die Informationen, die ich auf Esowatch über die betreffende Person erhielt, entsprachen meinen Vermutungen, waren gut mit Daten unterfüttert, alles bestens eben.

Dann habe ich das eine und das andere Mal in anderen Zusammenhängen wieder bei Esowatch nachgeschaut und ich hatte mich schon fast an diese Seite gewöhnt, ja bis, bis ich über die Leute, die ich selbst gut finde, ebenfalls Einträge bei Esowatch fand und ich dann doch dachte, ich schaue, wer hinter der Seite steckt und habe dazu einfach Wikipedia angesurft.

Das Ergebnis ist ernüchternd. Die Esowatch-Seite wird anonym betrieben. Das kann man bei denen dann auch unter »Impressum« nachlesen, wo die Betreiber gleich keck sich mit denjenigen anlegen, die was dagegen haben könnten, dass sie anonym handeln. Die Internetseite ist in Hongkong registriert und den Namen des Anwalts der Betreiber samt Telefonnummer bekommt der Leser auch gleich serviert:

Linh Wang, 3617 Tower 1, Lippo Centre Hong Kong Queensway 89, Tel +852.367.89941, Fax +852.367.89941

Lustig, oder?

Jetzt kann man doch mal überlegen was diese Leute machen. Sie reden, schreiben über andere Menschen, über deren Verhalten, wo sie wohnen, mit wem sie verkehren, welche Interessen sie haben, wo sie Geld herbekommen, wie die Familienverhältnisse sind, an was sie glauben oder nicht glauben, wer sie unterstützt, was diese publizieren, wer deren Arbeitgeber sind. Und sie werden von verschiedenen Stellen »gelobt«, für ihre seriöse Recherche. – Das heißt, sie ziehen andere Leute (gegen deren Willen) nackt aus, und wenn es die Untersuchung erfordert, kriechen sie denen bis in den After. Natürlich alles notwendig wegen der journalistischen Investigation. 😉

Warum bleibt da ein fader Beigeschmack bei all diesen ehrenwerten Handlungen? Ich war doch selbst zufrieden mit deren Recherche-Ergebnisse. Was will ich mehr.

Einmal ist es der krasse Gegensatz der auf gleicher Ebene stattfindenden Vorgänge. Da wird von den Betreibern den anderen Menschen in der Nase rumgepopelt, (alles nur der journalistischen Absicht zuliebe), aber sie selbst zieren sich wie ein scheues Kätzchen auch nur einen Deut ihrer Identität preisgeben zu wollen.
Und zum Anderen, man stelle sich mal vor, die vertun sich. Klar, unbeabsichtigt. Und irgendwann, vielleicht, mal absichtlich. Vielleicht nur einmal. Niemand merkt es. Niemand merkt es? Na dann erst recht.

Die Sache ist nicht o.k. Das ist es. Es geht nicht darum, dass sie gute Arbeit machen. Darum geht es erst, nachdem sie zeigen, dass sie grundsätzliche Regeln befolgen. Und das tun sie nicht. Wer das mit Wikileaks vergleichen will, ich würde es nicht.

Ich denke, der Staat kann solche Vorgänge nicht zulassen. Hier wird ganz massiv das Persönlichkeitsrecht anderer Menschen tangiert. Womöglich verletzt. Und die, die das tun, wollen dabei anonym bleiben. Hähh, geht‘s noch? – Auf die Dauer wird es nicht ausbleiben, dass von Staatswegen gegen diese Leute ermittelt wird. Das ist ein Muss.

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