Kostenlose soziale und emotionale Infrastruktur

Schon vor längerer Zeit las ich von Vorfällen in italienischen Stadien, dass ein Fußballspieler afrikanischer Abstammung durch Affengeheul verärgert und beleidigt wurde und jetzt las ich das derselbe Fußballspieler mit Bananen beworfen wurde (und er in einem Interview drohte, diese Person, die so was mache, würde er umbringen).

Mario Balotelli kannte ich überhaupt nicht und über Nacht wurde er wahrscheinlich nicht nur mir zum ersten Mal bekannt. Mit seinen beiden Toren hat er Deutschland aus der EM 2012 herausgeschossen. Balotelli ist ein Meter neunzig groß und athletisch. Und offenbar ein guter Fußballtechniker.

Mario Balotelli – ein ghanaisch-italienischer Fußballspieler

Balotelli ist ghanaischer Abstammung, ein Migrantenkind, 1990 geboren und von seinen Eltern drei Jahre später zur Pflege freigegeben. Nach dem Spiel gegen Deutschland freute er sich mit seiner „zweiten“ Mutter über seine Leistung.

http://www.bild.de/sport/fussball-em-2012-polen-ukraine/mario-balotelli/bad-boy-feiert-mit-seiner-mutter-silvia-24918432.bild.html

Neben ihm hatte seine Pflegemutter noch drei Kinder. Sie und ihr Mann haben ihn offensichtlich gut behandelt und die italienische Küche hat ihn stark gemacht. Aber er wurde bereits in jungen Jahren von migrantenfeindlichen Menschen attackiert und das ist ihm nicht gut bekommen. Denn er wirkt trotz seiner grandiosen fußballerischen Erfolge sehr ernst für sein Alter. Es ist zu hoffen, dass man ihm nicht unwiederbringlich seine Seele verletzt hat.

Unabhängig von dieser persönlichen Geschichte, ist es doch beeindruckend, wie wir Menschen so wohl Gutes als auch Schlechtes einander antun können, und all dies, eigenständig und unabhängig von gewachsenen Banden und Beziehungen.

Dagegen die andere Situation: was es oftmals für einen Kampf zwischen den Erzeugern von „Menschenprodukten“ gibt, wer welche Rechte an diesem Kind habe und wie es jeweils zu beeinflussen sei. Diese »Produkthersteller-Kriege« werden dann vor Gericht weiter ausgefochten, und wenn die Ergebnisse nicht den Vorstellungen einer Seite entsprechen, kann es passieren, dass diese sogar zu »Mord und Totschlag« bereit sind, nur um ihr Zuständigkeitsrecht durchzusetzen.

Am Beispiel von Balotelli sehen wir, dass es völlig egal ist, wer sich um wen kümmert, sorgt, wer wen bemuttert, bevatert. Hauptsache es wird überhaupt gemacht, und dies richtig, so dass die Umsorgten und Bemutterten dies später auch bestätigen können. – Letztlich ist es auch egal, w a n n dies gemacht wird. Hauptsache zu Lebzeiten. 🙂
Denn beim Menschen findet alle Entwicklung statt, wenn die Rahmenbedingungen vorhanden sind. Damit ist nicht das Alter gemeint (eine unveränderliche Größe), sondern die sozialen und Beziehungsumstände müssen so sein, dass Entwicklung weitergeht (von da ab, wo sie aus verschiedenen Gründen nicht weitergehen konnte). Der Mensch vervollständigt und vervollkommnet seine Persönlichkeit automatisch und von selbst, wenn ihm dazu die äußeren Bedingungen die Möglichkeit bieten.

So ist die Idee einer »kostenlosen Infrastruktur« nicht nur eine der technischen und materiellen Möglichkeiten, bezogen auf eine Umgebung, die uns die Dinge des täglichen Lebens gibt (Nahrung, Kleidung, Wohnen, Energie), sondern auch auf die psychisch-geistigen Bereiche bezogen brauchen wir Menschen eine wohlwollende, zugewandte Umwelt an »Seelen«, die in unseren ersten 20 Lebensjahren aufmerksam für uns da ist und den jungen Menschen hilft »in die Welt zu kommen«. Der „Bedarf“ nach dieser Infrastruktur ist aber unabhängig vom Lebensalter und hat viel mehr mit der Lebensgeschichte eines jeden Menschen (und den daraus resultierenden Notwendigkeiten) zu tun.

In unseren Gesellschaften sind viele, die gerne anderen helfen möchten und ihre Aufmerksamkeit geben würden, gleichzeitig gibt es Vernachlässigte und Misshandelte unter uns, die doch auf der Welt sind, um in guter Weise willkommen geheißen zu werden. Anzustreben ist es, dass es leichter wird, einander zu finden, damit geistige und seelische Fähigkeiten-TrägerInnen und die Zuwendungsbedürftigen ihre Energien austauschen können.

Bisher zu »kostenloser oder sehr preiswerter Infrastruktur« erschienen:
https://sites.google.com/site/bleisatz/

http://existenzsicherung-themenliste.blogspot.de/2011/12/uberlegungen-zur-weiterentwicklung-des.html (Hier Punkt 3: bGE und reale Existenzsicherung)

https://sites.google.com/site/loseblaetter/diskurs-kostenlose-infrastruktur-werres

Siehe auch:
Heidemarie Schwermer, In Fülle sein ohne Geld

Advertisements