Archiv für den Monat Juli 2012

Wert und Moral

Wer eine Antwort auf diese Frage sucht, der soll das Gespräch mit dem gekrönten Friedensforscher einfach weiterlesen, vor allem seine Aussagen zum Utøya-Massaker. Breivik betrachtet der Forscher zwar als europäisch-westlichen Neofaschisten und Rassisten, aber „verrückt war Breivik nicht, jedenfalls nicht verrückter als die norwegische Regierung. (…) Die norwegische Regierung versucht, den Afghanen ihr Konzept von Demokratie mit Gewalt aufzuzwingen und Breivik wollte uns Norwegern seine Weltsicht aufzwingen“.

Mit dieser Logik gibt es auch keinen Unterschied mehr zwischen einer Grundschullehrerin und Josef Goebbels: Beide versuchen eine bestimmte Weltanschauung zu vermitteln. Dass die Erstere ihre Schülerinnen und Schüler auf das freie Leben in einer demokratischen Gesellschaft vorbereitet während der Letztere sich für eine rassistische und diktatorische gesellschaftliche Ordnung einsetzte, spielt nach diesem Denkmuster keine Rolle.

Galtung scheint sich auf den Zwangsaspekt zu konzentrieren, den wiederum Yardeni ignoriert. Warum? Yardeni meidet den Diskurs über die Werte, während Galtung mit der Form der Auseinandersetzung beschäftigt ist und sagt, »egal was die alle wollen, in der Welt, sie wollen es mit Zwang erreichen.«

Es geht um Werte und nicht um »Moral«, wie es Yardeni im Text unten schreibt. Diese Diskussion wäre durchaus interessant, zu schauen, was für Werte wir gemeinsam haben und welche uns voneinander trennen.

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/in_goebbels_spuren_johan_galtung/

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Beschneidung – Diskussionsbeiträge

Bei der Zirkumzision wird die überlappende Haut entfernt, die früher, als der Mensch noch unbekleidet herumlief, vor Dornen schützte, heute aber überflüssig geworden ist.

Einige Erkrankungen erfordern eine Beschneidung im Erwachsenenalter. Von dieser Vielzahl von Fällen wird keine Beeinträchtigung der erotischen und sexuellen Funktionen berichtet. Das ist die praktische Erfahrung aus dem urologischen Alltag. Physiologisch ist die Behauptung, dass Penetrationsfähigkeit und sexuelle Erregung leiden, nicht zu erklären.

Der Münchner Urologe Albrecht Schilling äußert sich in der Süddeutschen Zeitung zu einem Beitrag von Wolfgang Schmidbauer.

Er behauptet, dass die Vorhaut bei Männern »überflüssig« sei. Interessant zu hören von einem Arzt. Ärzte, die doch für jeden Handgriff den sie machen, bezahlt werden. Und so jemand stellt fest, was am Körper des Menschen überflüssig ist und von Ärzten entfernt werden sollte.
Ist solches Denken nicht schon vom Ansatz her menschenrechtsverletzend, eingreifend in die Selbstbestimmung eines anderen Menschen?

Die Psychoanalyse birgt allerdings die Gefahr, dass dem Patienten ein Zusammenhang vom Therapeuten nahegelegt wird. Im Umkehrschluss müsste die Kastrationsangst bei Juden, Muslimen und Amerikanern besonders häufig auftreten! Die Verbreitung solch unwissenschaftlich erhobener Befunde in einem Massenmedium ist fahrlässig!

Da sind doch die Gefahren unerlaubten medizinischen Handelns viel größer. Wer erlaubt den Medizinern, an den Genitalien eines Kleinkindes herumzuschneiden? Doch nicht das Kind. Trotzdem tun es manche Ärzte. Das ist wirklich grob fahrlässig.

Religiös tradiertes Wissen wie zum Beispiel beschränkter Fleischkonsum wird heute in der Onkologie und Prävention als richtungsweisend erkannt.

Einer über 5ooo Jahre alten, schon bei den alten Ägyptern praktizierten Maßnahme und den dahinterstehenden Erfahrungen sollte man mehr Respekt erweisen, als dies Herr Schmidbauer mit seinem einseitig blutrünstigen Artikel zeigt.

Schilling versucht den meiner Meinung nach guten Beitrag von Schmidbauer dadurch zu entwerten, dass er religiöse Überlegungen und Handlungsempfehlungen als wertvoll für die Menschen darstellt. Etwa wertvolle Gesundheitsempfehlungen. Während Schmidbauer darauf hinweist, dass religiöse Bräuche von den Anwendern unzureichend legitimiert werden, zum Beispiel mit Hygiene-Argumenten, die die negativen Aspekte der Handlungen gar nicht ausgleichen können.

Schilling verlangt »Respekt« von Schmidbauer, ein Wort, dass ja von Religiösen aller Art (z.B. Islamisten) verwendet wird, um Kritiker mittelalterlicher Denkungsweisen einzuschüchtern.

Insgesamt ist der Beitrag von Schmidbauer sehr empfehlenswert, weil er die psychologische Komponente des Beschneidungs-Vorgänge in zutreffender Weise beleuchtet.

http://www.sueddeutsche.de/e5538h/717535/Rose-ohne-Dorn.html

http://www.sueddeutsche.de/wissen/nach-dem-koelner-urteil-beschneidung-ist-nicht-harmlos-1.1401049

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Jetzt kommt mir in den Sinn, dass die Porno-Industrie (auch Gewalt-I.?), die in der amerikanischen Kultur so eine große Rolle spielt (und die Welt mit ihren Produkten überschwemmt), vielleicht auch mit der Beschneidung zu tun hat. Denn bisher dachte ich die beschnittenen Penisse seien ein Produkt freier Entscheidung ihrer Träger. Man kam gar nicht auf die Idee, dass das ein gewaltsamer Akt, begangen an kleinen Kindern, gewesen sein könnte.

So wird dann in traumatischer Wiederholung immerzu bewiesen (und gezeigt!), dass er doch noch funktioniert, trotz dieser Tat und Gewaltanwendung.

Nachdenken über Juden

Der Antisemitismus ist aber mehr als ein moralisches, er ist auch ein intellektuelles Problem. Ein Denken, das vom Judenhass angefressen wurde, ist von innen her faul. Solange die Aufklärer, Fortschrittsfreunde und Gottesleugner sich also weigern, ihre eigene judenfeindliche Tradition in Augenschein zu nehmen, solange sie dieses Erbe wie bewusstlos immer weiter tragen, stimmt mit ihnen etwas ganz Grundsätzliches nicht. Sie sind dann zumindest in dieser Hinsicht nicht besser als fundamentalistische Muslime oder die reaktionären Katholiken von der »Piusbruderschaft«.

Solange die Aufklärer sich über ihren eigenen Antisemitismus nicht aufklären lassen wollen, sind sie als Gesprächspartner in der öffentlichen Debatte kaum ernst zu nehmen.

Hannes Steins Beitrag in der Welt ist eine Sammlung von Überlegungen, die nicht zwingend wirklich logisch verknüpft sind.

Das »Nachdenken« über Juden ist wahrlich eine intellektuelle Aufgabe! Richtig ist, dass es einer Masse von Menschen nicht schwerfällt, auch ohne »in der Tradition« von irgendwas zu stehen, Antipathien aufgrund von Eindrücken und Erfahrungen zu entwickeln. Stein hätte untersuchen können, wie das möglich ist. Und wahr ist, wer einmal »die Fährte aufgenommen hat«, tut sich womöglich schwer, ein unbefangenes und freundliches »Denken über Juden« zu leisten.

Eine »judenfeindliche Tradition«, was für ein Unfug. Denken tun Menschen immer alleine. Und ihr Denken müssen diese Personen auch immer für sich überprüfen. Da braucht man nicht und steht man nicht »in einer Tradition«, sondern »trial and error« entscheiden die Hirnvorgänge. Und das hat auch nichts mit einem »Erbe« zu tun, wie Stein es hier zusammentüftelt.

Und im letzten Absatz dann noch dies: Stein stellt fest, dass von ihm Titulierte sich »aufklären lassen wollen« sollen. Die wirklich Wissenden sind er und seinesgleichen. Und wer sich nicht in diese (untergeordneten) Rollen fügt, habe erst gar nichts in der »öffentlichen Debatte« verloren.

Wenn das nicht Zensur- und Manipulationsversuche sind, dann weiß ich nicht.

Man kann aber Steins Beitrag dafür nehmen, wie schwer es ist, öffentlich und unbefangen ein Denken über Juden zu leisten. Überall lauert der Antisemitismus-Verdacht. Die Crux ist, dass dies dazu führen kann, dass wieder in sogenannten Geheimzirkeln die Leute über die Dinge sprechen, über die zu sprechen in der Öffentlichkeit verboten ist. Und wem nutzt das? Wem nutzt die Verhinderung von Diskussion und Gespräch? Ich glaube nicht, dass es den Juden und den Nicht-Juden nützt. Ziel allen Gesprächs, Nachdenkens und Auseinandersetzung kann doch nur sein, ein friedliches Zusammenleben aller Menschen zu erleichtern und zu ermöglichen. – Mit diesem Ziel im Blick, lässt sich jede Diskussion angstfrei in Angriff nehmen.

http://www.welt.de/kultur/article108335884/Die-grossen-Aufklaerer-waren-oft-Judenhasser.html

In welchem Land lebst du?

Wer darf von welchem Land in welches Land ziehen und dort wohnen? Eine spannende Frage. Zu ihr kommt man, wenn die Nebenschauplätze verlassen werden, die oft die tagesaktuelle Diskussion bestimmen.

Kriege, Mord und Totschlag gibt es wegen dieser Frage. In Deutschland ist es seit Neugründung des Staates so, dass die Wirtschaftsbosse und mit ihnen im Schlepptau die Politiker entscheiden, wie viele Menschen woher wie lange in der BRD leben dürfen. Wer überhaupt nicht gefragt wird, ist die Bevölkerung, etwa durch eine Volksabstimmung (bzw. regelmäßige Bürgerbefragungen). – Warum wird die Bevölkerung nicht zu dieser Frage zu Rate gezogen?

Den Bau der Moschee sieht sie als politisches Statement und die Moscheen selbst als gesellschaftliche Institution, in denen „das Weltbild einer anderen Gesellschaft gelehrt und ein Leben im Sinne der Scharia praktiziert wird“.

Eran Yardeni

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/der_g_punkt_der_deutschen/