Beschneidung – Diskussionsbeiträge

Bei der Zirkumzision wird die überlappende Haut entfernt, die früher, als der Mensch noch unbekleidet herumlief, vor Dornen schützte, heute aber überflüssig geworden ist.

Einige Erkrankungen erfordern eine Beschneidung im Erwachsenenalter. Von dieser Vielzahl von Fällen wird keine Beeinträchtigung der erotischen und sexuellen Funktionen berichtet. Das ist die praktische Erfahrung aus dem urologischen Alltag. Physiologisch ist die Behauptung, dass Penetrationsfähigkeit und sexuelle Erregung leiden, nicht zu erklären.

Der Münchner Urologe Albrecht Schilling äußert sich in der Süddeutschen Zeitung zu einem Beitrag von Wolfgang Schmidbauer.

Er behauptet, dass die Vorhaut bei Männern »überflüssig« sei. Interessant zu hören von einem Arzt. Ärzte, die doch für jeden Handgriff den sie machen, bezahlt werden. Und so jemand stellt fest, was am Körper des Menschen überflüssig ist und von Ärzten entfernt werden sollte.
Ist solches Denken nicht schon vom Ansatz her menschenrechtsverletzend, eingreifend in die Selbstbestimmung eines anderen Menschen?

Die Psychoanalyse birgt allerdings die Gefahr, dass dem Patienten ein Zusammenhang vom Therapeuten nahegelegt wird. Im Umkehrschluss müsste die Kastrationsangst bei Juden, Muslimen und Amerikanern besonders häufig auftreten! Die Verbreitung solch unwissenschaftlich erhobener Befunde in einem Massenmedium ist fahrlässig!

Da sind doch die Gefahren unerlaubten medizinischen Handelns viel größer. Wer erlaubt den Medizinern, an den Genitalien eines Kleinkindes herumzuschneiden? Doch nicht das Kind. Trotzdem tun es manche Ärzte. Das ist wirklich grob fahrlässig.

Religiös tradiertes Wissen wie zum Beispiel beschränkter Fleischkonsum wird heute in der Onkologie und Prävention als richtungsweisend erkannt.

Einer über 5ooo Jahre alten, schon bei den alten Ägyptern praktizierten Maßnahme und den dahinterstehenden Erfahrungen sollte man mehr Respekt erweisen, als dies Herr Schmidbauer mit seinem einseitig blutrünstigen Artikel zeigt.

Schilling versucht den meiner Meinung nach guten Beitrag von Schmidbauer dadurch zu entwerten, dass er religiöse Überlegungen und Handlungsempfehlungen als wertvoll für die Menschen darstellt. Etwa wertvolle Gesundheitsempfehlungen. Während Schmidbauer darauf hinweist, dass religiöse Bräuche von den Anwendern unzureichend legitimiert werden, zum Beispiel mit Hygiene-Argumenten, die die negativen Aspekte der Handlungen gar nicht ausgleichen können.

Schilling verlangt »Respekt« von Schmidbauer, ein Wort, dass ja von Religiösen aller Art (z.B. Islamisten) verwendet wird, um Kritiker mittelalterlicher Denkungsweisen einzuschüchtern.

Insgesamt ist der Beitrag von Schmidbauer sehr empfehlenswert, weil er die psychologische Komponente des Beschneidungs-Vorgänge in zutreffender Weise beleuchtet.

http://www.sueddeutsche.de/e5538h/717535/Rose-ohne-Dorn.html

http://www.sueddeutsche.de/wissen/nach-dem-koelner-urteil-beschneidung-ist-nicht-harmlos-1.1401049

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Jetzt kommt mir in den Sinn, dass die Porno-Industrie (auch Gewalt-I.?), die in der amerikanischen Kultur so eine große Rolle spielt (und die Welt mit ihren Produkten überschwemmt), vielleicht auch mit der Beschneidung zu tun hat. Denn bisher dachte ich die beschnittenen Penisse seien ein Produkt freier Entscheidung ihrer Träger. Man kam gar nicht auf die Idee, dass das ein gewaltsamer Akt, begangen an kleinen Kindern, gewesen sein könnte.

So wird dann in traumatischer Wiederholung immerzu bewiesen (und gezeigt!), dass er doch noch funktioniert, trotz dieser Tat und Gewaltanwendung.

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