Archiv für den Monat September 2012

Harald Martenstein schreibt aus dem Leben

Was dieser Autor im Tagesspiegel schreibt ist inhaltlich überhaupt nicht erstaunlich. Bloß das es öffentlich Erwähnung findet, ist der Punkt. In derselben Zeitung werden Kommentare die solche Mitteilungen zum Inhalt haben in der Regel zensiert (darüber können aber scheinbar Betroffene in Kommentaren zu dem aktuellen Artikel berichten). Leiter der Kommentar-Redaktion ist Atila Altun.

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tagesspiegel.de/impressum

Die Deutschen verhalten sich auf der Straße, im Alltag nicht mehr als Gruppe (höchstens trotten sie mit der Bierflasche in der Hand ins Stadion). Wir sind in der säkularisierten Welt, in der wir leben, Individualisten, Einzelmenschen, die morgens alleine zur Arbeit und am Wochenende alleine aus dem Kino kommen (vielleicht geht ja die Freundin oder Freund noch ein Stück mit auf dem Heimweg). Ein »Gruppenleben« kennen wir gar nicht mehr (oder ein großer Teil der Bevölkerung jedenfalls nicht). Das hat allerdings auch Nachteile, die wir dann erkennen, wenn wir Menschen erleben, die noch in diesen stark gruppen-orientierten (archaischen?) Zusammenhängen ihr Dasein gestalten.

Straßenkriminalität, Überfälle, Raub, Körperverletzungen sind in den letzten Jahren immer wieder zu einem hohen Prozentsatz Intensiv- und Mehrfachtätern zugeordnet worden. Und in Jahresberichten der Polizei werden auch schon mal Zahlen genannt, zum Beispiel die ethnische Zugehörigkeit der Täterschaft in Prozent.
Diese Mitteilungen werden dann von manchen Politikern, Parteien und Pseudo-Gutmenschen gleich wieder kritisiert, weil sie dem Rassismus Vorschub leisten würden. Wobei sich doch die Frage stellt, was ist wichtiger, Probleme in der Gesellschaft anzusprechen oder sie vertuschen. – Den Schaden durch das Verschweigen haben in diesem Fall die Einheimischen.

Eine globale Welt, eine »Weltgemeinschaft« wird kommen. Die Interessen der Allgemeinheit müssen aber gegenüber den Sonderinteressen der Gruppen, Clans, Ethnien und Religionen Vorrang haben. Sonst verfehlen wir den Anspruch.

Wer seinen eigenen Vorteil in einer globalen Welt sucht, indem er die lokale Situation, die Besonderheit seiner eigenen Gruppe gegen anderen Menschen einsetzt, gefährdet die Gesamtidee und muss benannt werden. Den Rassisten findet man nicht nur auf Seiten der Einheimischen, sondern auch auf der anderen Seite. – Beide gefährden die Idee des globalen Zusammenlebens.

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Was ist campact?

Campact sind Online-Aktivisten, die per Mail-, Internet-Aufrufe die Menschen ansprechen und zur Unterstützung bei ganz bestimmten Aktionen bitten.

Ich hatte bei zwei, drei Aktionen mitgemacht, mitgestimmt, dann bekamen wir Unterzeichner eine Nachricht, wie die Aktion gelaufen ist. Interessant.

Jetzt bekomme ich Briefe in den Briefkasten, ich möge doch spenden, um diese und jene Aktion zu unterstützen. Wo ich anfangs das Neue und Moderne sah, an den Aktionen, kommt mir das jetzige Verfahren doch sehr bekannt vor. Verschicken nicht, Greenpeace, WWF und »Brot für die Welt« nicht auch Bittbriefe, um Spenden zu erhalten und ihre Anliegen umzusetzen?

Mir schwebte bei campact eine neuer Ansatz vor, eine neue Art der direkten Bürgerbeteiligung bei der Umsetzung und Vertretung der Interessen der Bevölkerung. Über das Internet die Menschen und ihre Anliegen organisieren und für alle sichtbar (und namentlich benennbar) für die Sache eintreten.
Und nicht wieder andere beauftragen, die in meinem Namen sich für dieses oder jenes engagieren (Stellvertreter-Demokratie), sondern offensichtlich selbst aktiv, für dieses oder jenes Thema handelnd (Direkte Demokratie).

Es scheint gar nicht so einfach zu sein, auf diesem »neuen« Weg zu bleiben und nicht wieder in die alten Fahrspuren zu geraten.

Unberechtigte Kritik?

Deutschlandfunk Radiosendung Andruck
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/1874613/

In der Rezension zu Wolfgang Benz Buch »Die Feinde aus dem Morgenland« kommt dieser selbst wie folgt zu Wort:

Die sogenannten Islam-Kritiker versuchen ja ein Bild aufzurichten, nach dem alle Muslime fanatisch religiös sind und aus dieser Religion eine ebenso fanatische Gewaltbereitschaft ableiten ….

Was für ein Krampf. Wenn er schon im ersten Satz eine unwahre Behauptung aufstellt, ist doch jede weitere Auseinandersetzung mit ihm sinnlos. Seinen Untersuchungsgegenstand staffiert er gleich mit nicht zutreffenden Eigenschaften aus. Aufgrund dieser Basis können seine Ergebnisse keinen Wert erringen.

Gewalt, Drohungen, Nötigungen, menschenrechtsfeindliches Ansinnen muss immer und überall kritisiert werden. Egal, von wem das kommt (anderseits muss ein jeder von uns sich auch entscheiden, wann und wo er/sie Gewaltanwendung für berechtigt hält. An dieser Aufgabe kommen wir nicht vorbei).

Benz Buch soll einen »billigen« Zugang zur Relativierung ermöglichen. Nach dem Motto »Wir machen alle Fehler«.

Sicherheit, Schutz, Gemeinschaft

Die Menschen brauchen Schutz vor Gewalt. Dort wo sie ihre privaten Dinge tun, wohnen, den Müll wegbringen, einkaufen, vom Kinobesuch zurückkommen, im Treppenhaus, Hof, Gelände ihres Mehrfamilien-Wohnhauses.

Können sie sich nicht sorglos in diesen Bereichen bewegen, weil aus der Nachbarschaft Personen sie bedrohen, oder gezielt umherziehen um Wehrlose, Alte, Schwache, anzugreifen, zu erpressen, dann sind die privatesten Bereiche des Lebens ungeschützt.

Schutzlosigkeit oder Gefahr durch andere identifiziert man gemeinhin mit der Überschreitung der Staatsgrenze oder »Grenzen« überhaupt. Wenn der Nachbarstaat feindselig ist, dann besteht die Möglichkeit der Bedrohung, wenn man in diesen Staat wechselt. Aber das die Menschen im eigenen Land bedroht sind, durch Fremde, darüber wird viel zu wenig gesprochen. Dieser Umstand wird einfach ignoriert, oder von Polizei, Medien, Politik totgeschwiegen. Die Gründe, die diese als Vorwand nennen, sind Ausländerfeindlichkeit, Rassismus, die Gefahr »rechter Ideen«. Dabei wird der Zuzug weiterer Menschen trotz dieser Probleme nicht gestoppt, sondern forciert, zumindest ermöglicht. Oft begründet mit »Arbeitskräftemangel«.

Sicherheit, Schutz, sind instinktive Bedürfnisse des Menschen. Dass diese durch den Staat ignoriert werden, ist ein großes Problem.

Als »Volksgemeinschaft« sich zu definieren ist in einer globalen Welt nicht mehr sinnvoll. Besser ist es andere Kriterien für Gemeinschaft zu finden. Zum Beispiel die gemeinsame Orientierung an den Menschenrechten als höchstes Gut und das Allgemeinwohl als wichtigstes Ziel. Ist dies aber nicht möglich, weil sich zu viele Menschen an anderen Werten orientieren wollen (z.B. an der mitgebrachten Religion, Ethnie) dann werden schwierige Zeiten auf uns alle zukommen. – Neue Gemeinschaften, Pakte, Verbindungen werden aber auf alle Fälle entstehen. Das wird eine spannende Zeit.

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tagesanzeiger.ch/service/suche/asylunterkünfte

Judith Butler nach der Adorno-Preisverleihung in der Diskussion

Butler trat für eine „Ethik der Kohabitation“, des Zusammenlebens, ein ……….

Diese Perspektive ist sicherlich ein Gewinn. Es geht nicht um räumliche Abgrenzungen, die für sich ein Eigenrecht haben, sondern es geht zuerst um die Menschen und die Frage, was für die Menschen in ihren Situationen und Bedürfnissen angemessen ist. Hier an einer Verständigung zu arbeiten wird den größten Erfolg bringen.

In diesem Sinne kann man Frau Butler nur gutes Gelingen wünschen.

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Vorrangiges Ziel muss der Schutz der Menschenleben sein. Grund und Boden können nicht wichtiger sein als Menschen. Deswegen wundert es mich immer, dass bei der Problembetrachtung viel zu viel Gewicht auf die Frage des Bodenbesitzes und Bodeneigentumes gelegt wird. Zuerst müsste die Frage in den Raum gestellt werden, wie machen wir Politik, die alle Menschenleben schützt?

Ein Irrtum

Piraten-Gruender-Besitz-von-Kinderpornografie-sollte-straffrei-sein

In seinem persönlichen Blog schrieb Rick Falkvinge am Wochenende über »drei Gründe, warum der Besitz von Kinderpornografie im kommenden Jahrzehnt wieder legalisiert werden muss«. Dabei bezeichnete er das Verbot des Besitzes kinderpornografischer Darstellungen als »offene Wunde in der Aufklärungstradition der Informationsfreiheit«. Solange diese bestehe, werde es auch Forderungen nach dem Verbot anderer Inhalte geben.

Wenn Falkvinge die »Informationsfreiheit« mit der Kinderpornographie in Verbindung bringt, ist das unredlich. Es mag zwar so sein, dass die Männer in Ruhe gelassen werden wollen, bei Betätigung ihrer Obsessionen, aber statt diesen Sachverhalt vielleicht einmal etwas näher zu betrachten, wollen sie ein anderes Thema hilfsweise in Anspruch nehmen, um ihre eigentlichen Absichten durchzubringen.

Im Zusammenhang mit der Kinderpornographie geschieht den Kindern Unrecht. Sich aus diesem Grunde von diesem Bereich fernzuhalten, wäre angemessen. Fällt dies Männern wie Falkvinge schwer?

Außerdem scheint mir die Behauptung »Informationsfreiheit« im Kontext der Kinderpornographie schon verwegen. Welche »Informationen« sollen das denn sein, die ihm da erschwert zugänglich gemacht würden? Oder meint er etwas anderes. Sich bei dem Anblick der Fotos zu erregen. Das hat aber dann nichts mehr mit »Informationsfreiheit« zu tun. Statt sich also bezüglich dieser bedrückenden Vorgänge rund um den Missbrauch von Menschen seinen eigenen Vorteil zu suchen, könnte Falkvinge mit der Frage öffentlich werden, wie Männer mit ihrem Sexualdruck zurechtkommen (oder auch nicht) und welche alternativen Lösungen es noch geben könnte, statt von dem Missbrauch anderer Menschen sexuell profitieren zu wollen. Ein »Open-Space« zur Frage, wie kann ich mich sexuell befriedigen (oder Befriedigung finden) ohne anderen Menschen dabei zu schaden. Das wäre es doch.

Asoziales, inhumanes Verhalten ist aber nicht nur beim Ausleben der Sexualität vorhanden (und wird versucht mit fadenscheinigen Argumenten zu legitimieren), sondern auch in anderen Bereichen müssen hilfsweise anderweitige Erklärungen herhalten, um ein »Weiter so« zu rechtfertigen. Beispiel »Gewalt«. Gewalt ist ein Problem in vielen Gesellschaften. Gewalt wird überwiegend von Männern ausgeübt. Dieses eigentlich unschöne Verhalten wird in den Gesellschaften nur halbherzig verurteilt. Paradebeispiel bei diesem zwiespältigen Verhalten sind die Amerikaner (übrigens auch im Bereich der »Pornographie« industriell federführend). In der amerikanischen (Medien)Kultur wird Gewalt eher verherrlicht. Wichtig ist nur, dass Gewalt von einer Seite »berechtigt« ausgeübt wird. Gewalt als permanenter Bestandteil der Film-Kultur, Gewalt in den Computerspielen, Gewaltsymbolik (und real durch die immer wieder auftauchenden Amokläufer) bei ihrem Waffenkult. Dann werden in Cannes die Filme präsentiert und es heißt, »In diesem Film spielt zwar Gewalt eine große Rolle, aber die Ästhetik des Films ist sowas von toll.«

Somit gilt das Gleiche bei dem Gewalt-Thema wie bei der Kinderpornographie. Es werden anderweitige Gründe gesucht (und gefunden), um ein an sich nicht zu befürwortendes Verhalten zu rechtfertigen.

Geschlechtliche Identität

Henrik M. Broder schreibt zu Judith Butler, den Wissenschaften, den Intellektuellen:

Warum-Judith-Butler-den-Adorno-Preis-verdient-hat

Butler ist mein Jahrgang. Ich denke an die Zeit unserer Eltern, wie Männer und Frauen da waren. Die Bilder, Filme, Musik aus dieser Zeit. Butler sagt, die geschlechtliche Identität ist gesellschaftlich aufgepfropft. Stimmt’s?

Möglicherweise gab es den Zwang der Rollenzuweisung, besonders bei Mädchen und die wollten dieser Rollenzuweisung sich nicht unterordnen. Zurecht. Butlers Überlegungen sind eine theoretische (wissenschaftliche) Unterstützung für dieses Anliegen. Es bringt auf alle Fälle mehr Freiheiten für die Menschen. Welcher Richtung zu leben sich die Individuen zuwenden ist alsdann Privatsache. So what?

Butlers »Sympathie« für Terrorismus ist gefährlich. Kann man denn nicht anders für gute Lebensbedingungen sich einsetzen? Zu Zeiten der RAF gab es in Deutschland auch »Sympathisanten«. Im Nachhinein sieht man doch in erster Linie die Toten und ehemalige RAF-Anhänger und ehemalige Sympathisanten wollen lieber anonym bleiben. – Also besser gleich die Finger weg.

Photo by Christine Asherah