Ein Irrtum

Piraten-Gruender-Besitz-von-Kinderpornografie-sollte-straffrei-sein

In seinem persönlichen Blog schrieb Rick Falkvinge am Wochenende über »drei Gründe, warum der Besitz von Kinderpornografie im kommenden Jahrzehnt wieder legalisiert werden muss«. Dabei bezeichnete er das Verbot des Besitzes kinderpornografischer Darstellungen als »offene Wunde in der Aufklärungstradition der Informationsfreiheit«. Solange diese bestehe, werde es auch Forderungen nach dem Verbot anderer Inhalte geben.

Wenn Falkvinge die »Informationsfreiheit« mit der Kinderpornographie in Verbindung bringt, ist das unredlich. Es mag zwar so sein, dass die Männer in Ruhe gelassen werden wollen, bei Betätigung ihrer Obsessionen, aber statt diesen Sachverhalt vielleicht einmal etwas näher zu betrachten, wollen sie ein anderes Thema hilfsweise in Anspruch nehmen, um ihre eigentlichen Absichten durchzubringen.

Im Zusammenhang mit der Kinderpornographie geschieht den Kindern Unrecht. Sich aus diesem Grunde von diesem Bereich fernzuhalten, wäre angemessen. Fällt dies Männern wie Falkvinge schwer?

Außerdem scheint mir die Behauptung »Informationsfreiheit« im Kontext der Kinderpornographie schon verwegen. Welche »Informationen« sollen das denn sein, die ihm da erschwert zugänglich gemacht würden? Oder meint er etwas anderes. Sich bei dem Anblick der Fotos zu erregen. Das hat aber dann nichts mehr mit »Informationsfreiheit« zu tun. Statt sich also bezüglich dieser bedrückenden Vorgänge rund um den Missbrauch von Menschen seinen eigenen Vorteil zu suchen, könnte Falkvinge mit der Frage öffentlich werden, wie Männer mit ihrem Sexualdruck zurechtkommen (oder auch nicht) und welche alternativen Lösungen es noch geben könnte, statt von dem Missbrauch anderer Menschen sexuell profitieren zu wollen. Ein »Open-Space« zur Frage, wie kann ich mich sexuell befriedigen (oder Befriedigung finden) ohne anderen Menschen dabei zu schaden. Das wäre es doch.

Asoziales, inhumanes Verhalten ist aber nicht nur beim Ausleben der Sexualität vorhanden (und wird versucht mit fadenscheinigen Argumenten zu legitimieren), sondern auch in anderen Bereichen müssen hilfsweise anderweitige Erklärungen herhalten, um ein »Weiter so« zu rechtfertigen. Beispiel »Gewalt«. Gewalt ist ein Problem in vielen Gesellschaften. Gewalt wird überwiegend von Männern ausgeübt. Dieses eigentlich unschöne Verhalten wird in den Gesellschaften nur halbherzig verurteilt. Paradebeispiel bei diesem zwiespältigen Verhalten sind die Amerikaner (übrigens auch im Bereich der »Pornographie« industriell federführend). In der amerikanischen (Medien)Kultur wird Gewalt eher verherrlicht. Wichtig ist nur, dass Gewalt von einer Seite »berechtigt« ausgeübt wird. Gewalt als permanenter Bestandteil der Film-Kultur, Gewalt in den Computerspielen, Gewaltsymbolik (und real durch die immer wieder auftauchenden Amokläufer) bei ihrem Waffenkult. Dann werden in Cannes die Filme präsentiert und es heißt, »In diesem Film spielt zwar Gewalt eine große Rolle, aber die Ästhetik des Films ist sowas von toll.«

Somit gilt das Gleiche bei dem Gewalt-Thema wie bei der Kinderpornographie. Es werden anderweitige Gründe gesucht (und gefunden), um ein an sich nicht zu befürwortendes Verhalten zu rechtfertigen.

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