Engagement für was?

Wieder ein Schritt in Entdiabolisierung des Front National.

Mit diesen Worten schließt ein Beitrag über die rechte Partei in Frankreich, von Daniela Kahls in dem Radio-Sender MDR-INFO, am Freitag den 05.10.2012.

Während die Sendung im Radio lief, fiel mir der seltsam freundliche, verständnisvolle Ton der Sprecherin auf. »Rechte« sind doch auch nur Menschen, sie sind so wie du und ich, in der Mitte der Gesellschaft. Und die Front National hat wieder mehr Zuspruch.

Die Vertreter totalitärer Strukturen und Staatsordnungen führen, sobald sie an der Macht sind im Land, ein Auswahlverfahren durch, bei dem sie bestimmen, wer zur Gemeinschaft gehört und wer nicht. Wer nicht dazugehört, wird verfolgt, benachteiligt, zur Ausreise gezwungen, ins Gefängnis geworfen, zur Zwangsarbeit genötigt, gefoltert, ermordet, verarmt. Wichtigstes Instrument für diese Auslese ist Gewalt. Denn dieses schreiende Unrecht (nichts anderes ist es) kann nur mit Gewalt durchgesetzt werden. (Wie das in der Praxis läuft, darüber gibt es seit Jahrzehnten Berichte. Ganz aktuell gibt es ein Interview mit einem ehemaligen Minister Kasachstans, der darüber berichtet, wie in seinem totalitär regierten Heimatland Politik gemacht wird.)

Deswegen ist Gewalt als ständig präsentiertes Symbol bei ihrem Auftreten so wichtig. All jene, die die Menschen in berechtigte und unberechtigte einteilen wollen (und dazu gehören diejenigen, die sich totalitäre Strukturen herbeisehnen, also auch die Linken), können dies nur mit Gewalt machen.

Interessant ist nun, dass die Bedroher menschlicher, humaner Verhältnisse, die Verachter der Menschenrechte und der Grundrechte der Menschen, von Anbeginn an GEWALT als Teil ihrer Selbstdarstellung und ihres ideologischen Selbstverständnisses sehen. Denn das Unrecht, das sie verwirklichen wollen, können sie ja nur mit Gewalt anderen Menschen aufzwingen. Gewalt MUSS also zwingend in ihrem Weltbild und Selbstverständnis zum Tragen kommen.

Was heißt das denn nun für die andere Seite. Für diejenigen, die sich für Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit einsetzen wollen? Was heißt das, wenn man sich den Menschenrechten und der Humanität verpflichtet fühlt? Diejenigen, die sich den Menschenrechten verpflichtet fühlen, müssen sich organisieren und ebenfalls Gewalt üben und gewaltbereit sein, damit sie die Machtergreifung der totalitären Kräfte verhindern können und eine dauerhaft menschenrechtsgeleitete Welt bewirken. – Haben wir Bürgerinnen und Bürger aber das verstanden, haben die Menschen in der Friedensbewegung das verstanden?

Und das, was stimmungsmäßig da in der MDR-INFO Radiosendung rüberkam, beschrieb eben nicht die Position und die kämpferische Nachdrücklichkeit der Menschenrechts-Befürworter.

Advertisements