Astrologie – Ein Erklärungsversuch

Ein seltsamer Hauptartikel zur Astrologie in Wikipedia.

Mir kam die Idee, dass es kein Astrologe war, der diesen Abschnitt verfasst hat. Gleich ganz am Anfang wird langatmig über die »Unwissenschaftlichkeit« der Astrologie (unter Etymologie, Weltanschauung der Astrologie, Wissenschaftstheoretische Einordnung) geschrieben. Wen interessieren diese Bemerkungen? Mich nicht. Was verwundert ist die Aufgeregtheit, mit der die »Wissenschaftler« sofort feststellen müssen, dass die Astrologie keine Wissenschaft ist. Wenn man am Ende des ganzen Eintrags zur Astrologie geschrieben hätte, dass Leute die sich Wissenschaftler nennen, die Astrologie nicht als Wissenschaft anerkennen, hätte es vollauf gereicht.

Im Diskussionsteil des Wikipedia-Beitrags wird dann genau dieser Aspekt, der mir gleich auffiel auch heftigst reklamiert, aber der Wissenschafts-Vertreter, der sich wohl für diesen Artikel als Schreiber aufgedrängt hat, gibt sich unnachgiebig. 😦

Und ich hatte gerade eine Spende für den Verein getätigt, weil mich Wikipedia-Gründer Jimmy Wales so nett auf der Zwangswerbung angelächelt hatte. Und dann diese Informationsmanipulationen, schrecklich. Dann kann man nur hoffen, dass Leute aktiver werden und einschreiten, und die Artikel umschreiben.

wikipedia.org–Astrologie
wikipedia.org–Diskussion:Astrologie

Also ich habe mir jetzt den ganzen Astrologieartikel durchgeschaut und ich muss schon sagen, es ist ein starkes Stück. Hier wird in arrogantem Stil etwas niedergebügelt, was nicht ins (Wikipedia?) Konzept passt. Denn was zeichnet einen guten Wikipedia-Artikel aus?

In der Rubrik »Diskussion« findet man Hinweise:

Zitate:

Info:Quatsch. Ihr habt eine wichtige Sache vergessen oder bewusst verdrängt: Wir tragen Wissen hier zusammen, EURE Interpretationen, wie etwas gefälligst sein soll, sind irrelevant.

Das Weltkulturerbe Kölner Dom ist im übrigen nur der steinerne
Sakrophag um die Gebeine dieser Sternkundigen in angemessener
Form zu würdigen….da unsere abendländische Kultur also diesen
morgenländischen Sterndeutern, ein in Jahrhunderten erbautes,
äußerst beeindruckendes Gesamtkunstwerk gewidmet hat, sollte
meiner Meinung nach die deutsche Wikipedia nicht mit
wissenschaftlich angeblich fundamentierten, dabei rotzlöffelig
formulierten Antithesen zur Astrologie nur so um sich werfen,
sondern den Weisheiten der großen Alten, den Ihnen zustehenden
Respekt erweisen und die antike Weltensicht der Astrologie
möglichst erklärend und nicht zwanghaft anmutend, widerlegend
darstellen.

Es geht um »Wissen« und »Wissenschaft« und die Frage, was das denn ist. Die Wikipedianer wollen einfach eine klare Linie in ihre Informationen hereinbringen. Und die lautet, Wissen und Wissenschaft ist etwas Nachprüfbares. Denn sonst könnte jeder daher kommen und behaupten, er wüsste, wie ein Flugzeug gebaut wird, Anleitungen formulieren, und dann baut jemand nach »Wikipedia«-Anleitung sich so eine Kiste und fällt auf die Nase. Und das will keiner, berechtigtermaßen. Was also muss Wissen und Wissenschaft sein? Nachprüfbar.

Nun sind aber die Grenzen zwischen Wissen und Nichtwissen fließend. Selbst Wissenschaftler arbeiten laufend an der Grenze ihres Wissens. Sollte man solche Ergebnisse veröffentlichen dürfen?

Man muss aber auch einfach schauen, wie das aussieht, wenn desinteressierte »Wissenschaftler« einen Artikel über ein Gebiet schreiben, zu dem sie keinen (emotionalen) Bezug haben. Es ist ein wirklich unansehnliches, geradezu empörendes Arbeitsergebnis. Weil man die Unfreundlichkeit gegenüber dem Themenkomplex in geradezu jeder Zeile beim Lesen spürt. Lustlos, freudlos, feindselig, inquisitorisch, wie mit Gegnern, wird über den Themenbereich und die Menschen, die sich damit beschäftigen berichtet. Quasi am »lebenden Objekt« vorgeführt, was dabei herauskommt, wenn Menschen in ihrer Verblendung sich Dingen zuwenden, die keinen Wert haben können.

Denn an den Astrologen haftet der Makel der Fehlbarkeit. Nichts Verlässliches können sie berichten (nach Meinung der Naturwissenschaftler). Und ja, es ist bekannt, dass durchaus rationale Menschen in der Not, etwa bei Krebserkrankungen, an Quacksalber sich wenden, aber dass zeigt doch bloss, welch‘ zwielichtige Personen das sind, die sich mit unbewiesenen Dingen beschäftigen.

Wie könnte nun Wikipedia sinnvoller verfahren? Zum Beispiel mit einer Art Hinweisschilder arbeiten. Einem Artikel könnten gemäß »Wikipedia-Kriterien« abgestufte Warnhinweise vorangestellt werden. Etwa in der Form: rotfarbig, »Achtung dieser Artikel beschreibt Dinge, die nicht dem Wikipedia-Kriterium einer Wissenschaftlichkeit genügen«. Dann ein Link, zu einer Erklärung, was Wikipedia unter »wissenschaftlich« versteht. (Ich kann mir schon die Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten diesbezüglich vorstellen.)

So wie es heute abläuft, hat es doch etwas Bevormundendes und dies passt nicht mehr in die Zeit. Irgendwelche anonymen Wikipedia-Personen fühlen sich auserkoren, der Bevölkerung vorzuschreiben, wie sie über einen Themenkomplex zu denken hat. Ist das akzeptabel? Sicher brauchen wir in konkreten Fällen einen klaren Wissenschaftsbegriff. Aber der Themenbereich der Astrologie ist nun mal noch nicht in dem Maße konkretisierbar, wie es die Materialisten gerne hätten. Statt dann einfach die eben heute mögliche Auseinandersetzung mit der Sache zuzulassen, stellen sich die »Wahrheitswächter« in den Weg und verhindern, dass sich die Astrologen selbst um »ihr« Thema kümmern können. – Meine Meinung: in der Sache sollten sich die Astrologen durchsetzen und das Heft in die Hand nehmen.

Siehe auch:
http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/medien/vorwurf-der-scharlatanerie-1.17926220

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