Vollgeld ist nichts für Helmut Creutz

Die Umlaufsicherungsgebühr (nach Silvio Gesell) wäre eine Möglichkeit, das Horten von Geld zu unterbinden und eine »Reichtums-Entwicklung« zugunsten Weniger unmöglich zu machen. Der Zinseszins-Effekt führt automatisch zu einem Anwachsen der Kundeneinlagen und zu einer Anhäufung der meisten Geldmittel in den Händen von einem Zehntel der Bevölkerung. Für den Konsum fehlt den übrigen 9 Zehntel das Geld. So Helmut Creutz.

Aber stimmt diese Beschreibung der Wirklichkeit und ist mit der Einführung der Umlaufsicherungsgebühr das Geldsystem wieder im Lot?

Helmut Creutz behauptet, dass es keine »Geldschöpfung aus dem Nichts« gibt. Denn alle Kredite seien durch »Einlagen« (Bankeinlagen durch Bargeldeinzahlungen) abgesichert und die Kredite würden nie die Einlagen übersteigen.
Sichtguthaben, also auch Kredite, entstehen nach Creutz ausschließlich aus »Bargeldeinzahlungen der Bankkunden«. [1]

Sein Wissen darüber hat er aus den »Bankbilanzen« und den »monatlichen Zusammenfassungen (derselben) durch die Bundesbank«. Diesen Umstand erwähnt er immer wieder. [2]

…was es nach allen Bankstatistiken und -Bilanzen in unserer Realität gar nicht gibt….: Die »Schaffung« von privaten Zahlungsmitteln durch »private Banken«.

Aber kann es nicht sein, dass dies als einzige Quelle für Informationen zur betreffenden Thematik (Vollgeld und Geldschöpfung) zu wenig ist? Und ausgerechnet den Institutionen, die in den letzten Jahren massiv in der Kritik standen, nimmt er deren Berichtszusammenstellung für »bare Münze«, wo doch zumindest weitere Perspektiven sinnvoll wären.

Zwar scheint Helmut Creutz zu wissen, was die Vollgeldbefürworter meinen, wenn sie von der »Geldschöpfung aus dem Nichts« sprechen, er will dieser Sichtweise aber nicht folgen wollen.

…wenn man das Geld mit den jeweiligen Vorgängen mit Geld gleichsetzt und man deren Vermehrung auf den Sichtguthaben als eine Vermehrung des Geldes sieht – …..

Nun, die »jeweiligen Vorgänge« sind das »Ausleihen« der Einlagen über ihren tatsächlichen Bestand hinaus. Und diese Guthaben, Kredite sind tatsächlich »Geld«. Auch wenn es Herr Creutz nicht so sehen mag.

Weiterhin meint Herr Creutz, Kredite seien kein »Guthaben«, sondern »eine rückzahlungs- und zinspflichtige Schuld«. Schon, könnte man meinen, aber wie sieht denn die Realität aus: Staaten, oder Einzelpersonen bekommen einen Geldbetrag auf ihr Konto »gutgeschrieben«, so sagt man, und geben dieses Geld für Güter und Dienstleistungen aus. – Ist es in diesem Moment kein »Geld«?
Dann gibt es Personen (und Staaten) die, nachdem sie das Geld ausgegeben haben, mitteilen, dass sie die »Schuld« nicht begleichen können. Fertig. (Und dieses Problem ist ja gerade das, was die »Finanzkrise« im Wesentlichen heute ausmacht.) Was ist denn nun die Realität. Die, die Herr Creutz behauptet, oder die, die stattfindet?

Dann fällt sein »Lobbyismus« für die Banken auf. Auf »eigenes Risiko« würden Banken Kredite vergeben. Ja? Wie viele notleidende und darbende Banker hatten wir denn die letzten Jahrzehnte.
Und die Geschäftsbanken »stöhnen unter der Kostenlast«, … der per Gesetz aufgezwungenen Aufgaben. Außerdem wäre das »Geschäftsmodell« der Banken in Frage gestellt. Und? Welche Aufgabe hat sich Herr Creutz eigentlich gestellt. Die Interessen der Banken zu vertreten? Das wäre schon seltsam. Bisher trat er als »Erklärer« des Geldsystems gegenüber der Bevölkerung auf. So als ob er die Interessen der Allgemeinheit im Sinn hätte. Ist dies wirklich der Fall?

Gegen Ende seines Beitrags in der »Humanen Wirtschaft« [1] merkt Herr Creutz an:

Denn warum sollten die Banken inzwischen fast täglich rund 750 Millionen (Euro) an Zinsen an irgendwelche Bankkunden auszahlen, wenn sie doch die Kredite selbst geschöpft haben?

Na ja, es hat damit zu tun, dass das meiste der »Zinsauszahlungen« gehortet wird. Es ist eben genau so, wie es Helmut Creutz sagt, bezüglich der »Einlagen«. Nun gibt es aber weitere Menschen, die ebenfalls »Geld« haben wollen, um es auszugeben (wie Herr Creutz zurecht feststellt, brauchen die »Superreichen« das gehortete Geld für ihr tägliches Leben kaum noch. Sie haben bereits schon so viel davon). – Die »Kredite« beziehen sich somit auf ein anderes Geld, als es die »Zinsen« tun. Das will Herr Creutz nicht sehen.

Eigentlich ist es das Problem, dass »alle« Menschen genügend Geld brauchen, und auf dem bisher »berechtigten« Wege bekommen sie dieses einfach nicht. Deshalb müssen »neue Wege« gegangen werden. Diesen Umstand ignoriert Helmut Creutz.
Die Menschen, die nicht über Verzinsung und Einlagen zu dem benötigten Geld kommen, beschaffen es sich auf »unlautere« Weise. Sie spekulieren, behaupten Investitionen oder »öffentliche Aufgaben«. – Aber ist die Verzinsung nicht schon selbst eine »Geldschöpfung aus dem Nichts«? Denn bei den meisten Kreditvergaben geht es gar nicht mehr darum, einer sinnvollen Investition eine Anschubfinanzierung zu ermöglichen, sondern Horden von »Geldbesitzern« wollen auf »Teufel komm‘ raus« aus eingezahltem Geld »mehr Geld« machen. Der Gedanke, dass bei den Kapitalanlagen wichtige Projekte finanziert werden, spielt für die meisten Investoren überhaupt keine Rolle mehr. Es gibt einfach zu viel Geld auf der Welt, so dass über die »notwendigen Projekte« hinaus, Geld sich »irgendwie« vermehren soll und muss. Nicht umsonst werden selbst solche Anliegen wie Rentenzahlungen über windige Wege wie Fonds versucht.

Herr Creutz übersieht bei seiner Frage, dass die Einlagen (die seine »750 Millionen« Auszahlungen rechtfertigen) seltsamerweise nicht ausreichen, um alles »Notwendige« zu finanzieren. Es wird viel mehr existenzsicherndes Einkommen (Geld) benötigt (letztlich für jeden einzelnen Menschen »genügend«). Weil also noch mehr Geld benötigt wird, muss Geld über die reguläre Verzinsung und über die Kreditvergabemöglichkeiten (rein einlagenbezogen) hinaus, gewährt werden. Und genau das geschieht bei der »Geldschöpfung aus dem Nichts«. – Auch wenn die Überlegungen von Helmut Creutz durchaus korrekt sind, so hat er doch eine eingeschränkte Sichtweise. – Man kann ihm nur für die Erarbeitung eines Teilbereiches der Geldsystem-Betrachtung herzlich danken.

Nun kommt es noch darauf an,, wie weit man sich als Normalbürger in finanz- und ökonomiebezogene Fragestellungen hineinknien möchte, wenn es nicht gerade das Themenfeld ist, welches man als sein eigentliches Hauptinteressensgebiet bezeichnen würde.
Aber diese Überlegung gilt für jede Bürgerin und jeden Bürger. Wenn man nicht zu jedem Themenbereich »Spezialist« sein kann und will, bleibt ein Rest an Entscheidung und Urteil, der von anderen Quellen beeinflusst ist. Zum Beispiel vom »Gefühl«, der »Empfindung«, dem Instinkt.

Mein Eindruck ist, dass die Vollgeld-Idee umfassender die Realität abbildet, als es die »Silvio-Gesell-Anhänger« mit ihrem Konzept tun (hier jetzt konkret Helmut Creutz, mit seiner Arbeit).

In einer Antwort auf die scheinbar sich wiederholenden Kritiken Creutz, hatte die Monetative 2010 eine Antwort verfasst [4], in der insbesondere auf den Umstand verwiesen wird, dass Creutz die Dinge »anders sieht« (S.4):

Creutz rezipiert den Ansatz der Monetative deshalb unzutreffend, weil er von einer aus unserer Sicht fragwürdigen Vorstellung von Bargeldwirtschaft ausgeht. So vertritt er die Auffassung, dass mit Hilfe der zirkulierenden Bargeldmenge ‚in den vergangenen 60 Jahren alle heutigen Geldguthaben und Geldvermögen nach und nach angespart‘ wurden (S.21, Darst.1)3. Die Entstehung des modernen Geldes ist jedoch zum großen Teil unbar. Giroguthaben entstehen nicht nur durch Einzahlung von Bargeld, sondern auch durch Kreditvergaben. ………..

Ein Fehler ist auch die Meinung, dass Kredite nur aus vorher gespartem Geld vergeben werden können.

Verwendete Quellen:

[1] Humane Wirtschaft, 06/2012; Vollgeld… Ein Beitrag zur Lösung unserer Geldprobleme oder zur weiteren Verwirrung? – Versuch einer Klärung; Helmut Creutz

[2] Helmut Creutz Leserbrief,
http://vollgeld.ch/2012/02/24/neuerscheinung-die-vollgeld-reform/

wie alle Einzel-Bankbilanzen als auch die monatlichen Zusammenfassungen durch die Bundesbank beweisen …….

[3]
http://www.monetative.de/wp-content/uploads/keynesianer-vollgeld-ist-monetarismus-jun-2012.pdf

[4]
http://www.monetative.de/wp-content/uploads/erwiderung-auf-creutz-endfass-20-feb-2010.pdf

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