Realnamenspflicht oder Anonymität

Die Realnamen-Vertreter weisen gerne darauf hin, dass in der Anonymität unrechtes Verhalten stattfindet. Das stimmt. Aber reicht das, um anonymes Auftreten im Internet per se ausschließen zu dürfen?

Über meinen Google+ Account bin ich relativ öffentlich. Auch hier in diesem Blog gebe ich meinen Realnamen bekannt und wie man mich (im Notfall) erreichen kann. Aber welche Unterhosen ich kaufe, in welcher Straße ich wohne, oder welches Smartphone ich verwende, geht mit Verlaub gesagt, die Öffentlichkeit einen feuchten Kehricht an.

Das heißt das richtige Verhältnis zwischen Öffentlichkeit und Privatheit muss letztlich der Internetnutzer selbst herausfinden und die Gesetze sollten nur einen groben Rahmen vorgeben. Nun muss ich erleben, dass mir die Dropbox-Anbieter meine Links sperren, weil ich damit »zu viel Traffic« verursache. Ehrlich? Oder blockieren sie nur deshalb meine Links, weil ein Film dabei ist (aus der Sicht der Dropbox-Macher womöglich urheberrechtlich geschütztes Material, dass ich da illegal zum Download anbiete.)

So gerät man als Internetnutzer in ein Dilemma. Einerseits möchte man die Möglichkeiten des Internets nutzen, so wie man sich das vorstellt, aber die Macher der Angebote wollen einen zwingen, dies in der Form zu tun, wie diese sich das vorstellen.
Einen anonymen YouTube Account hat man »freundlich« entzogen, in dem Google mir »anbot«, diesen mit meinem Realnamen Account bei Google+ zu verschmelzen. Eine gute Idee, oder? Wozu auch in »vielfältiger Form« in der (Internet)- Öffentlichkeit auftreten, denken sich die Global Player des Internets. Da könnte sich der User ja der Beobachtung und Kontrolle entziehen. – Tatsächlich wäre es mir lieber, in manchen Fällen anonym auftreten zu können. Zum Beispiel als Konsument bei der Bewertung von Produkten. Warum soll ich meinen Realnamen bekannt geben, wenn ich die Qualiät eines Staubsaugers bewerte? Aber was mir viel wichtiger ist. Wenn alles an meinen Realnamen gekoppelt ist, werde ich zum gläsernen Menschen. Dann wüsste man wirklich alles über mich. Und wozu soll das gut sein?

Das Internet muss auch weiterhin beides ermöglichen. Mit Realnamen auftreten, da wo es Sinn macht, wo man das von selbst gerne tut. Aber es müssen auch Möglichkeiten bleiben, das Internet anonym zu nutzen. Denn auch das macht Sinn. Zum Beispiel in Newsgroups, Foren.

Ich sehe jedenfalls eine Tendenz, die anonyme Bereitstellung von Bildern und Filmen eher zu verunmöglichen. Gründe dafür sind zweierlei: Einmal die weltweite Kinderpornographie, die es zu unterbinden gilt, und dann die Content-Industrie, die nicht will, dass man ihre Produkte »kopiert« und kostenlos an andere Menschen weiterverteilt. – Mal sehen, wie sich das Ganze noch entwickelt.

Besonders krass ist es ja bei den (deutschen) Domains. Wenn man eine deutsche Domain auf seinen Namen registriert, kann jedermann die Wohnadresse des Domaininhabers herausfinden (über die Who-is-Abfrage). Was für ein Schwachsinn. Wer hat sich das bloß ausgedacht.
Dabei ginge es ganz einfach: wie bei den Nummernschilder an den Autos. So könnte eine Domain ein öffentliches »Nummernschild« bekommen und alle berechtigt Interessierten (wie Polizei, Justiz, Geheimdienst *haha*) hätten ruckzuck die komplette Adresse des Inhabers.

316 256 060 020

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