Es darf sich nicht wiederholen

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Das, was die Deutschen zu Zeiten ihres Diktators Hitler mit den Juden gemacht haben, darf sich niemals wiederholen. So lauten die Lehren aus den Vorkommnissen der Nazi-Zeit.

Wenn man dies bedenkt und ernst nimmt, stellt sich die Frage, wie man dem Anspruch gerecht wird.

Man muss die Vorgänge analysieren, Erkenntnisse gewinnen, Schlüsse ziehen, die Gesellschaften so gestalten, dass eine Wiederholung unmöglich wird.

Dabei wird der Umstand der Judenfeindlichkeit eher ängstlich diskutiert. Warum? Nun, man befürchtet, diese könnte sich als berechtigt herausstellen. Dass was die Nazis getan haben, war unrecht. Trotzdem muss man aber damit umgehen, wenn »ein Volk in einem Volk« leben will. Die dabei möglicherweise entstehenden Probleme müssen in einer menschenwürdigen Weise angegangen und behandelt werden. Die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts wären dazu geeignet gewesen, diesen Alptraum, der ab 1933 dem deutschen Volk jegliche Würde nahm, noch zu verhindern. Aber es geschah nicht. Woran lag es?

Heute denken wir viel weniger nationalistisch, völkisch. Eine sich rasend schnell entwickelnde Durchmischung der Bevölkerungen findet statt. Auffallen tun eher die, die an »archaischen« Riten und Regeln festhalten wollen, um dadurch ihre speziellen Gruppenzugehörigkeiten stabilisieren und weiter pflegen zu können. – Eine bedeutende Idee der Menschen ist »Gleiches Recht für alle« und sie reagieren misstrauisch, wenn sich Gruppen Sonderrechte genehmigen wollen. Die Individualrechte müssen weiter Vorrang erhalten, das stärkt den Zusammenhalt unter den Menschen. Die Gruppenrechte gehören da problematisiert, wo sie die Individualrechte verletzen und in der Summe der Allgemeinheit (also allen Einzelpersonen, die nicht diesen speziellen Gruppen angehören) Nachteile bereiten. Dies müsste ausreichen, um »nicht gerechtfertigte« Gruppen-Vorteile, einzuschränken.

Die Israelkritik verkürzt die Auseinandersetzung mit der Frage: »Wie wollen wir gemeinsam leben, wie wollen wir mit Gruppen umgehen, die Sonderrechte für sich beanspruchen«, auf eine Antwort, die der »Lösung« der Nazis gleichkommt. Sie ist billig, nicht durchdacht, »einfach« und der Situation nicht angemessen. Augsteins Kritik führt in der Konsequenz wieder zu genau den Ergebnissen, die wir angeblich nicht mehr ermöglichen wollen. – Menschheitsgeschichte kann nur eine sein mit dem jüdischen Volk. Dazu muss man es kennen, kennenlernen, verstehen und die besonderen Umstände in den Umgang mit diesem Volk mit einfließen lassen. Alle Verhaltensweisen, die auf die Vertreibung oder Vernichtung dieses Volkes hinauslaufen (was soll sonst Israelkritik sein), sind diesem Volk gegenüber als »feindlich« einzuschätzen.

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