Unser Geldsystem verstehen lernen

Seit der Finanzkrise 2008 und jetzt ergänzt durch die Bankenkrise in Zypern, ist die Bevölkerung aufgeschreckt, was denn mit unserem Geldsystem los ist. Hatte man es denn vorher schon verstanden?

Über Geld denken wir meistens nur so weit, wie wir es selbst brauchen oder haben oder von anderen auf unser Konto überwiesen bekommen. Geld kommt wo her?

Es kommt vom Arbeitgeber auf das Konto, es kommt vom Kunden in die Kasse des Unternehmers und dann auf dessen Konto. Aber wie kommt das Geld in Umlauf. In Umlauf? Was ist denn das, werden jetzt viele fragen. Damit wir mit Geld hantieren können, muss es ja erstmal in Umlauf gebracht werden. (Einstiegsinformationen über das Geldsystem und unsere Wirtschaft, siehe am Ende des Textes). Das Geld wird ausgegeben von:

Finanzministerium → Münzen
Europäische Zentralbank (EZB) → Geldscheine
Geschäftsbanken → Giralgeld, Buchgeld

Das meiste Geld, das in Umlauf ist, ist Giralgeld. Es wird von den Geschäftsbanken in Umlauf gebracht, in dem sie Kredite vergeben. Sie vergeben Kredite an Privatleute, Geschäftsleute und den Staat. Da die Menge des Giralgeldes längst die Menge der Geldscheine und Münzen übersteigt, haben die Geschäftsbanken mehr Macht als die Zentralbanken. Die Gesamtmenge des Geldes wird von ihnen gesteuert. Leider tun sie das nicht mit einem Interesse gegenüber der Allgemeinheit, sondern sie tun dies im Interesse ihrer »privaten« Gewinn- und Erfolgsabsichten. Dies hat zur Folge, dass die Banken die Vorteile der Geldschöpfung für sich in Anspruch nehmen, wenn aber was schief geht, soll die Allgemeinheit den Schaden tragen. Ist das fair und korrekt?

Es lohnt sich, mit dem Geldsystem vertraut zu sein. Besonders die Videos von Bernd Senf sind empfehlenswert. Nun gab es einen Streit zwischen Geldsystem-Experten. Helmut Creutz, ein Fachmann in Sachen Geld, hat die »Geldschöpfung aus dem Nichts« angezweifelt. Wenn man nun genau liest, was er denn schreibt, so fällt auf, dass er eigentlich die Ansichten der Vollgeld-Befürworter teilt:

[5]

Das heißt, alle Guthaben, auch die Sichtguthaben, sind niemals Geld, sondern immer nur die Buchung einer Überlassung von Geld an eine Bank! Daran ändert auch nichts die heute den Sichtguthaben Besitzern eingeräumte Möglichkeit, Bestandteile ihrer Guthaben für Zahlungszwecke an Dritte zu übertragen! Also jene Vorgänge, die zwar den Zahlern die Abhebung von Geld und den Empfängern die Wiedereinzahlung ersparen, aber an der Höhe der Gesamtbestände nichts verändern!
Eine Zusammenfassung von Geld und Sichtguthaben ist also allenfalls unter dem Begriff „Zahlungsmittel” denkbar, nicht aber unter dem Begriff „Geld”!

Ihm geht es einfach darum, dass er die »Vorgänge«, die rund um die Kreditvergabe zustande kommen, nicht »Geld« nennen will. Diese kommen zwar auf Grundlage von Geld zustande, sind aber kein Geld, so Creutz. Wenn der Kredit wieder zurückgezahlt ist, sind die »Zahlungsvorgänge« mit den »Zahlungsmitteln« abgeschlossen und gut ist. Etwas »trennt« also die Einlagen, die für Creutz notwendig sind, damit Kredite zustande kommen können, von den Krediten. Bei Creutz ist es die Bezeichnung! Er nennt das, was auf den Konten der Kreditnehmer auftaucht, nicht »Geld«, sondern »Zahlungsmittel«.

Dieses Trennende gibt es nun auch bei Joseph Huber, dem Vollgeld-Experten. Das hat er gemeinsam mit Creutz. Aber er »trennt« etwas anderes: Creutz behauptet, dass die Einlagen Voraussetzung sind, für Kreditvergaben, wohingegen Huber sagt, dass die Einlagen keine Voraussetzung sind. Mehr noch. Huber sagt, dass die Einlagen überhaupt nichts mit den Krediten zu tun haben, zumindest nicht in dem Sinne, wie sich die Bevölkerung die Geldgeschäfte vorstellt. Das »Trennende« bei Huber ist nicht die Bezeichnung der verwendeten Mittel (bei Einlage und Kredit), sondern er sagt, dass die Einlagen nicht ursächlich mit den Kreditvergaben zusammenhängen!

Denn in der Regel stellt man sich den Kreditvergabevorgang so vor, dass vorher jemand Geld auf (zum Beispiel) ein Sparkonto eingezahlt hat, und dann das Geld weiterverliehen wird, damit es einen Ertrag bringt und Zinsen abwirft (Geldanlage). Es wird behauptet, dass es einen Zusammenhang gäbe zwischen Einzahlung eines Geldbetrages und Auszahlung eines Kredites. Huber sagt nun, dass diese Vorstellung falsch sei [4]:

Die meisten Menschen denken, die Banken verleihen …. das Geld, das sie haben, in diesem Fall ihre Reserven ……. Auch fast alle Lehrbücher tun so als ob dem so wäre. Damit ist ein fehlerhaftes Verständnis der Funktionsweise des Geldsystems angelegt. Denn eine Bank verleiht Kunden keine Reserven. Sie stellt vielmehr per zusätzlichem Bucheintrag Kredit aus. Die Mittel werden als Giroguthaben zur Verfügung der Kunden bereitgestellt. Die Banken müssen damit rechnen, dass diese Verbindlichkeit jederzeit, also ,täglich fällig wird, indem die Kunden diese Guthaben bar abheben oder unbar anders wohin überweisen.

Gespartes Geld wird nicht einfach weiterverliehen (auch das behauptet Creutz nicht! Er sagt aber, es würde einen Zusammenhang bestehen, ohne das er diesen näher beschreibt) sagt Huber, sondern es wird »stillgelegt«! Es zirkuliert nicht mehr im Wirtschaftsleben, es wird damit nichts gekauft, bezahlt. Es fehlt in der Geldmenge M1 [6]. Das Geld, dass aus dem Publikumsverkehr herausgenommen wird, steht auch nicht mehr für die Kreditvergabe zur Verfügung. So Huber.

Das bedeutet, dass es gar nicht anders geht, als das »neues Geld« geschöpft wird. Und das ist dann die »Geldschöpfung aus dem Nichts«. Die Geschäftsbanken »buchen« einfach einen Geldbetrag auf das Konto des Kreditnehmers und damit ist neues Geld in Umlauf gebracht. Das sieht auch Helmut Creutz so! Er nennt es bloß nicht Geld, was da auf das Konto des Kreditnehmers gebucht wurde, sondern »Zahlungsmittel«. Und deshalb behauptet er auch, es gäbe keine »Geldschöpfung aus dem Nichts«. 😉


[1]
Bernd Senf
Video (1/7): Die Blindheit der Ökonomie gegenüber dem Geld

[2]
Monetative

[3]
Irving Fisher
100%-Money – 100%-Geld

[4]
Joseph Huber
Monetäre Modernisierung: Zur Zukunft der Geldordnung: Vollgeld und Monetative

[5]
Helmut Creutz in »Sozialimpulse«
Vollgeld – zur Kontroverse über das Thema Geldschöpfung in öffentlicher Hand.

[6]
Publikumsgeld

M1
Bargeld plus Giralgeld (Sichteinlagen). Die reale Geldmenge im Publikumsverkehr.

M2
M1 plus Spareinlagen und Termineinlagen.

M3
M2 plus verbriefte Forderungen im Besitz des Publikums, zum Beispiel Sparbriefe von Banken, Bundesschatzbriefe oder Anteile an Geldmarktfonds.

[7]
Währungsreform? Oder Geldreform?

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