Männerwelten

Akif Pirinccis Artikel über den Vorfall in »Kirchweyhe« hatte ich schon mal überflogen, aber wegen der sehr derben Sprache dann doch nicht weiter gelesen. Jetzt ein weiterer Artikel von ihm, dass er auf Facebook gesperrt wurde (und dann wieder freigeschaltet). [1] Dann die Vorfälle in Boston. – Ist was los mit den Männern?

Männer sind ganz tolle Kerle, wenn sie sich anerkannt fühlen, in einer Gruppe von Männern sich wohl fühlen, wenn sie der Gemeinschaft geben können, von ihren Fähigkeiten, ihrer Solidarität, ihrer Zuneigung. Sie sind stark, und bis in den Tod bereit sich für etwas einzusetzen, wenn sie den Wert anerkennen und der Meinung sind, es ist eine gute Sache. Sie sind warmherzig und liebevoll, können aber auch dort, wo sie es für angebracht halten, gnadenlos hart und unnachgiebig sein. – Habe ich da jetzt die guten Männer beschrieben?

Was ist denn heute los? Fange ich mal bei den Deutschen an. 1933 haben wir es Männern erlaubt, ein ganzes Volk zu »führen« und sind mit diesen Männern und ihrem Denken untergegangen, verbunden mit unsäglichem Leid, dass diese Männer ihrem eigenen Volk und Menschen in anderen Ländern angetan haben. – Heute ist es aus, mit der deutschen Männerherrlichkeit! Weltordnungen der Männer sind gewaltbasierend. Gewalt überall und allenthalben. Aber jetzt ist es nicht mehr die militärische Gewalt, die uns so beschäftigt, im Inneren, sondern die Gewalt, die durch mannigfaltigen Missbrauch in verschiedensten Beziehungen (Familie, Partnerschaft, Arbeitsplatz) und über den öffentlichen Raum zustande kommt.
Migranten. Sie bringen ihre Kultur, ihre Beziehungskultur mit. Die Gruppe spielt noch eine viel größere Rolle als bei den deutschen Männern im Westen. In der Zeit, in der im Westen die Single-Haushalte überhandnahmen, war es noch selbstverständlich für die Migranten, dass sie im Familienverband sich orientierten und ihre Vorteile suchten. Sprich, man geht zu zweit, zu dritt, zu viert abends aus dem Haus, und wenn einer von den Single-Deutschen einem quer kommt, gibt’s halt eine auf die Mütze. Richtig ist schon, dass das ganz normal von der Polizei verfolgt gehört, bloß ist das, was der Akif Pirincci da sagt, durchaus bedenkenswert. Natürlich kann ein Migrant erkennen, wer zu seiner Kulturgruppe gehört und wer nicht. In der Berichterstattung, auch unter dem Aspekt des Pressekodex, entsteht dabei ein durcheinander und durchaus auch Benachteiligungen von »Bio-Deutschen«. Für die einen ist das »kein Problem«, aber andere bemerken das und ärgern sich dann darüber.
Wer sich daraufhin beklagt, wird schnell als Nazi tituliert, insbesondere von denen, die sich selbst als »Links« bezeichnen. Und ruckzuck findet ein Schlagabtausch statt, der in der Sprache gewalttätig wird, oder wie jetzt bei Herrn Pirincci wird flux angezeigt und verklagt, und gedroht und so weiter. – Ja die Gruppenorientierung bei den Migranten ist durchaus vorhanden, gilt es doch auch, sich in dem Einwanderungsland mit den eigenen Interessen zu behaupten.

Wenn man aber nur mal diesen Beitrag von Herrn Pirincci als Anregung nimmt, einmal darüber nachzudenken, so kann man durchaus sagen, dass die Männer allgemein, in einer Dauerkrise sich befinden, was sich an den Symptomen bemerkbar macht, die wir alle sehen. Auch die Migranten-Männer müssen sich langfristig umorientieren, vielleicht kommt man doch nicht so voran, als Subjekt, als Individuum, wenn man sich immer nur im Clan bewegt. Vielleicht muss doch das Verhältnis zu den Frauen überdacht werden.
In der westlichen Zivilisation nimmt das nun schon ganz andere Formen an. Der Gendergedanke (die Lichtgestalt ist hier wohl Judith Butler) verknüpft mit der Idee, das Geschlecht nicht mehr erkennbar zu machen, führt in neue Dimensionen menschlichen Seins. Vielleicht weiß man in Zukunft gar nicht mehr, oder hat es vergessen, wer nochmal die Kinder bekommt. Oder irgendwelche Gerätschaften übernehmen die Angelegenheit. 😕

Junge Männer, die selbst gerade die Schule hinter sich haben, kehren in diese zurück, mit halb-automatischen Waffen und töten Kinder und Lehrer, oder entwickeln ein komplett eigenes Weltbild, auf dessen Grundlage sie zu einer Insel fahren und die dort anwesenden Jugendlichen ermorden. – Es gibt keine Vorbilder mehr, für Männer. Höchstens im Negativen. Das ist schon seltsam. Immer wieder wird im Zusammenhang von Amokläufen sich darüber beklagt, dass die Computerspiele eine negative Wirkung haben. Aber ist das wirklich so? In den Computerspielen, wie in den Filmen, gibt es doch meist die Unterscheidung zwischen den Guten und den Bösen. Also eine Auswahl. Warum aber, entscheiden sich die jungen Männer im realen Leben dann die Bösen zu verkörpern? Wieso töten die Ego-Shooter Unbewaffnete, Frauen und Kinder. Warum setzen sie sich nicht gegen bekannte Diktatoren in Bewegung, oder kämpfen gegen Terroristen?
Mir kommt es eher wie eine Verwirrung vor. Die Männer wissen nicht mehr, wie sie ihren Platz in der Gesellschaft finden sollen, Werte, die sie für richtig halten und womöglich idealisieren, sind im alltäglichen Leben bedeutungslos, wofür sie dann die Gesellschaft hassen. Und unsere totale Unterwerfung unter die »Arbeitsgesellschaft« könnte ein Grund sein. Eltern (Frau und Mann!?) haben keine Zeit mehr, mit den Kindern zu leben, mit ihnen gemeinsam, während sie aufwachsen, die Welt zu erkunden, Gefühle und Haltungen zu vermitteln. – Die Personen werden älter und sind innerlich leer und können mit der Welt nichts anfangen.

[1]
achgut–fuck_you_facebook
achgut–das_schlachten_hat_begonnen
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