Hintergründe erschließen und Vorfälle analysieren

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Zehntausend Suicide im Jahr in Deutschland. Man hört und liest kaum etwas davon. Das kommt auch daher, dass über Suicide in Deutschland selten berichtet wird. Angeblich sollen dadurch die Angehörigen und der Verstorbene selbst, geschützt werden. Wer hat so etwas entschieden. Die Mehrheit?

Interessant und wichtig sind Selbstmorde deshalb, weil über sie ein Stück weit auch die Gemeinschaft an sich, ihr Zustand und ihre Verfasstheit, erklärt werden könnte. Statt also den Vorgang und die Hintergründe zu verschweigen, sollte im Gegenteil alles rund um die Tat offenbart und erforscht werden!

Warum bringt sich jemand mit Ende dreißig um? Wenn er Anfang der 40er Jahre geboren wurde, waren seine Eltern, der Vater hundertprozentige Nazis? Hat er als kleines Kind gegen Ende des Krieges Gräueltaten mitbekommen. Waren die Eltern sadistisch veranlagt, oder ebenfalls schwerst-depressiv? – In welchem Kontext steht die ganze Familie. Gehören sie zum Bildungsbürgertum, oder sind es Adelige. Oder Aufsteiger, aus ärmlichen Verhältnissen. All das lässt sich in den Kontext zur Tat stellen und ermöglicht Rückschlüsse.

Selbstmorde sind ja, von der Formulierung her, Morde. Insofern wären Kontextanalysen bei Morden ebenso angebracht, um zu verstehen, warum Menschen solche Taten begehen. Das heißt, es müssten die Eltern, oder allgemein, die Bezugspersonen der Täter psychologisch analysiert werden. Und genauso das ganz Umfeld. Dies wäre auch wichtig, wenn denn mal wieder mutige und wissende Menschen an die Frage herangehen würden, wie können wir Tätern helfen. – Denn die Sicherungsverwahrung bedeutet ja, dass wir Absichten und Hoffnungen in dieser Hinsicht aufgegeben haben.

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