Gezackere

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Ja, man muss nicht der Meinung Henryk M. Broders sein. Aber mir ging es schon ähnlich, wie er seine Reaktionen beschreibt, als die Nachrichten über 9/11 zu sehen waren.

Was will der Ludwig-Börne-Preis?

Die Ludwig-Börne-Stiftung verleiht alljährlich den Ludwig-Börne-Preis, der deutschsprachige Autoren ehren soll, die im Bereich des Essays, der Kritik und der Reportage Hervorragendes geleistet haben. Die Preissumme beträgt 20.000 Euro.

Wenn die Stiftung geforscht hat, und der Meinung ist, Sloterdijk hat die 20000 Euro verdient, dann was jetzt. Vielleicht liegt es an der Bedeutung der Preisträger, oder an der Bedeutungslosigkeit im Sinne von »normal«, Normalbürger. Muss jetzt Sloterdijk so bedeutend sein, dass seine Äußerungen zu 9/11 ausreichen, ihm die Anerkennung zu verweigern. Oder kann man nicht feststellen, dass der Herr Philosophisches von sich gibt und manchesmal eben nicht. Denn das ist ja der Punkt. Je höher die Herrschaften in der Bewertung durch »Preisverleiher« stehen, umso reizvoller ist es, der konstruierten Bedeutsamkeit auch noch mehr Verantwortung anzudichten, als es möglich ist. Da ist es die Eitelkeit der Betroffenen, die ihnen zum Schaden gereicht. Wer würde einem Bürger, der auch Philosophisches von sich gibt, nicht zugestehen wollen, dass er mit seinen Ansichten und Haltungen mal daneben liegt. Aber so. Und was ist mir nun lieber, Menschen, die ungeheuer bedeutsam sind, und wenn sie Scheitern, einen Fehltritt machen, gnadenlos verrissen werden, oder der Normalbürger, der zusätzlich und manchmal oder von mir aus öfters, Großes zustande bringen kann? Na ja, ich tendiere zum Normalbürger. Das ist weniger anstrengend und aufregend, aus der Position des Betrachters. – Lieber »Schwarmintelligenz« als Superman.

Bei Broders Einsatz geht es auch um Loyalität. Für und gegen Juden, für und gegen den Islam. Für und gegen Amerika. Für und gegen den Westen. Für und gegen das linke Establishment. Und, und. Man darf halt nie eins vergessen. Wenn man gegen jemanden ist und sich echauffieren will, und derjenige wohnt eine Etage tiefer, im Nachbarhaus, in derselben Straße, im selben Ort, im selben Land, dann gehen viele mit ihren Äußerungen automatisch anders um, als wenn diejenigen über die man schimpft, tausende Kilometer entfernt wohnen. – Der Alltag und seine Bedeutung für das Verhalten, wird immer außer Acht gelassen.

achgut–intellektuelle-als-doppel-pack

Rene Scheu schreibt zu Henryk M. Broders Angriffen gegen Peter Sloterdijk eine sehr überzeugende Replik. Hervorstechend ist der Hinweis auf die Originalbelege. Sieh an, ich habe sie auch nicht gelesen und war schnell dabei, »ein bisschen« dem Broder recht zu geben. Allerdings auch danke Henryk M. Broder selbst. Denn ohne sein Zutun wäre diese Information nicht an mich gelangt. Die Schweizer Weltwoche kann nur lesen, wer Geld zahlt.

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