Flucht und Wanderbewegungen

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Wer fordert, Bleiberecht für alle, keine Abschiebung mehr, der nimmt in Kauf, dass Schlepper und Menschhändler künftig über unsere Einwanderungspolitik bestimmen.

Ja, es läuft auf die Frage hinaus, wer bestimmt. Die Flüchtlinge, die wohin wollen, die bestimmen wollen, wo sie sich aufhalten können, oder die Ortsansässigen, die Einheimischen.

Der erste Fehler ist, dass alle (berechtigten) Zweifel an den bedingungslos offenen Türen, sofort als rechtsradikal von interessierter Seite denunziert werden. Die Bürger dürfen nicht sagen, wie sie sich fühlen oder was sie aus dem Gefühl heraus für am Besten halten. Es besteht das Risiko, das es nicht ins Konzept der herrschenden Politik passt. Die »Bollwerk« Empfindungen kommen bestimmt bei vielen Menschen instinktiv hoch. Wir sollten aber dann ruhig weiterdenken, von mir aus auch zu den Abwehrgefühlen stehen. Für mich war das Buch eines Flüchtlings der Anlass, stärker in Perspektiven der permanenten Bewegung zu denken, statt im abgeschotteten Stillstand (auch wenn ich räumliche Sicherheit für Einheimische nicht geringschätze).

Wäre es nicht wünschenswert, wenn Flüchtlinge »mit Sicherheit« woanders aufgenommen würden? Wäre das nicht ein weltpolitisch wertvolles Ziel, dies garantieren zu können. Ohne die Menschen für ihr Verhalten schikanieren zu wollen. Vielleicht sollten wir, statt unsicher mit den Vorgängen umzugehen, offensiv uns mit »räumlicher Freiheit« als Menschenrecht befassen, und Wanderbewegungen grundsätzlich für alle Menschen für möglich erachten. Verknüpft man diesen Gedanken mit der Idee des Bedingungslosen Grundeinkommen, erscheint es erst recht umsetzbar. Denn jede Person hätte, egal wo sie sich aufhält, das Recht auf eine bescheidene, aber menschenwürdige Existenzsicherung. Das, als Weltgemeinschaft gewährleistet, würde den Zusammenhalt der Menschen verdeutlichen. Und wir sollten auch umgekehrt den Weg uns vorstellen: Warum können wir im Westen nicht losziehen, um in Afrika, in den Weiten Russlands, oder wo auch immer leben zu können? Auch das sollte in Zukunft möglich sein.

Aber es bleibt auch die Frage, ob lokale Mehrheiten einen Zuzug von Menschen verhindern dürfen. Ich denke ja, wenn es für die »Wandernden« Alternativen gibt. Umgekehrt müssen die Einwohner in den Ländern, in die Personen fliehen, auch für menschenwürdige Umstände an den Orten sorgen, von denen die Menschen geflohen sind.

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