Direkte Demokratie und politische Systeme

Die Verschiedenheit der politischen Systeme ist nur äußerlich. Die Personen, die sich pudelwohl gefühlt haben, in einem staatlich-totalitären Gefüge, als Behördenleiter, Sachwalter der verordneten Ideologie oder sonstige Hundertprozentige, unterscheiden sich nicht von den Typen in völlig anderen politischen Systemen, die sich ebenfalls stromlinienförmig angepasst haben, an das verordnete Weltbild, Hauptsache sie haben ihre persönlichen Interessen und Vorteile im Blick, die sie als Lobbygruppen oder Machtkader gegen die Interessen der Allgemeinheit durchsetzen. »Allgemeinheit« wird hier als billige Quelle personalen Materials angesehen, dass verpflichtet wird, sich so zu verhalten, dass zu ihrem Schaden ein Vorteil für die Sonderinteressen dabei herauskommt. – Egal, ob im Kapitalismus oder im Kommunismus, die Machtstrukturen werden bereits auf unterster Ebene festgelegt. Die unterste Ebene ist die Versammlung. Auf der Versammlung wird über Drohpotentiale klargemacht, wer bereit ist, seine Forderungen oder Anliegen notfalls auch mit Gewalt durchzusetzen. Das können Personen sein, die sich bereits im Vorfeld mit anderen organisiert haben (Lobbygruppen) und dann in den Versammlungen, die die Ansprüche, Aufgaben und Verpflichtungen der Allgemeinheit behandeln, auftauchen, um diesen Bereich öffentlicher Anliegen für ihre speziellen (privaten) Interessen zu missbrauchen.

Sie kapern dieses Schiff und statt das die Versammlung das »Wohl der Allgemeinheit« ins Auge fasst wird diese Gruppe für die Sonderinteressen der Lobbyisten in Anspruch genommen. Viele gutmeinende Menschen in den Versammlungen bemerken den Akt der Entwendung ihrer Interessen erst gar nicht, oder lassen sich von den Drohgebärden und Aggressionen der Gewaltbereiten dermaßen einschüchtern, dass die Sache schnell entschieden ist. Die Komplexität der Angelegenheit wird erst deutlich, wenn das komplette Prozedere der Meinungsfindung, Diskussion, Argumentation und Urteilsaussprache in Augenschein genommen wird. Und zwar von Anbeginn, egal auf welcher niederen, mittleren und höheren Ebene des gesellschaftlichen Diskurses.

Wie also im Hühnerzüchterverein auf der Mitgliederversammlung die Entscheidungsfindung zustande kommt, oder im Sozialausschuss der Bundesregierung, die Mechanismen und Methoden sind die gleichen, und sind auch in anderen Gesellschaftssystemen gleich, es sei denn, man würde anfangen, »bewusst« diese Versammlung wahrzunehmen und nach Verfahren Ausschau halten, die die seit Jahrzehnten (Jahrhunderten?) gewachsene Strukturen außer Kraft setzen.

Methoden, die die gewachsenen Strukturen außer Kraft setzen:

Alle Beteiligten sind in ihrer Entscheidungsbedeutung gleich. Bei einer Abstimmung zählt jede Stimme und es gilt die einfache Mehrheit. Dem geht voran, das gemeinsame Gespräch. Zeitlich hat jede Person denselben Raum zur Verfügung. Kein Beitrag ist »wertvoller« als andere. Niemand ist wichtiger, als ein anderer. Hier gilt es, genau zu schauen und den »alten Strukturen« keine Chance zu geben. Insbesondere gewaltorientiertes Durchsetzenwollen der eigenen Positionen muss unterbunden werden. Den »natürlichen Trieb des Stärkeren« gilt es einzubinden in das Interessensgefüge aller Beteiligten, der Allgemeinheit.

Gemeinsames Gespräch besteht in erster Linie aus Wissens- und Argumenteaustausch. Dabei braucht sich niemand aufzuplustern, dasjenige, was er mitteile, sei besonders wichtig. Es geht um eine reine Datensammlung. Also um eine Menge. Ist diese Phase abgeschlossen, kann eine Gewichtung stattfinden. Sowohl die Datensammlung als auch die Bewertung lässt sich über das Internet praktizieren, was vielleicht sogar besser ist, weil das physische Auftreten (und die damit einhergehenden Beeindruckungseffekte) unterbunden ist. – Nach diesen beiden Phasen findet die Abstimmung statt.

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