Flüchtlingsdrama vor Lampedusa

Diese Situation kann man eigentlich nur bewerten, wenn man sie gefühlsmäßig und sachlich angeht. In den Nachrichten heißt es, dass die Flüchtlingspolitik Europas schuld an den Dramen sei, weil Europa eine restriktive Flüchtlingspolitik betreibt.

Ich selbst hatte einen besseren Zugang zu dem Flüchtlingsthema, als ich das Buch von Alfred Kantorowicz »Exil in Frankreich« gelesen hatte, in dem er seine eigenen Erlebnisse verarbeitete. Die Flucht ist aus der Sicht der Betroffenen unumgänglich, da ihr Leben an ihrem Ausgangspunkt bedroht ist und sie eine physisch sichere Situation anstreben. Kantorowicz berichtete, dass sie zwar als Flüchtlinge aufgenommen, aber teilweise in Lagern interniert und physisch schlecht behandelt wurden. Außerdem hatten die Verfolger zum Schluss dann doch wieder Zugriff auf die Flüchtlinge.

Wenn man sich ein Bedingungsloses Grundeinkommen vorstellt, das allen Menschen auf der Erde zusteht, weil es ein Menschenrecht ist, dann fällt es eigentlich noch leichter, die Flüchtlingsaufnahme zu begründen. Denn es wird letztlich, so die Zukunft, die ich mir vorstelle, bedeutungslos sein, wo man sich auf der Erde aufhält: der Mensch wird immer einen Zugriff auf die existenzsichernden Güter haben (müssen), zum Beispiel über eine »Karte«, etc., die den Bezug von Lebensmitteln, Kleidung und Energie, sowie die Anmietung von Wohnraum problemlos ermöglicht. – Deshalb muss das Bedingungslose Grundeinkommen als Menschenrecht in allen Ländern dieser Erde verankert werden.

Natürlich können durch den Zuzug von Menschen, die einer anderen kulturellen Orientierung angehören, auch Probleme im Miteinander entstehen. Für diese Probleme müssen wir Lösungen finden. Zum Beispiel können in Ländern mit einer stark fortgeschrittenen Individualisierung, die »vereinzelten« Personen auf einmal im Nachteil sein, gegenüber stark gruppenorientierten Lebensformen. Da müssen dann Lösungen gefunden werden, die allen Beteiligten gerecht werden. Insbesondere Menschenrechte und Grundrechte müssen dann besonders hervorgehoben werden, gegenüber Gruppen- und Partialinteressen.

Ein anderer Punkt, der nicht zwingend mit der Hilfe für die Flüchtlinge zu tun hat, aber auch nicht einfach ignoriert werden kann, ist die Frage, warum die Menschen von wo genau, geflohen sind? Es ist unsere Aufgabe (als Weltgemeinschaft), dafür zu sorgen, dass es keine Fluchtgründe in keinem Land der Erde geben sollte. – In den Nachrichten hieß es, die Flüchtlinge vor Lampedusa kamen aus Eritrea und Somalia.

In Kantorowicz Fall war der Fluchtgrund die Nazidiktatur in Deutschland. Und wie wir alle wissen, wurden die Nazis bekämpft und ihre Herrschaft beendet, so dass dieser Fluchtgrund danach nicht mehr gegeben war.

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