Sexualität im öffentlichen Raum

achgut–mitbuerger-koennten-sich-unangenehm-beruehrt-fuehlen
tagesspiegel–kunstzensur-die-aktbilder-haengen-wieder-an-den-waenden

In den 70er Jahren ging es richtig los. Die Pornographie wurde freigegeben und in den Filmen, Zeitschriften, Magazinen gab es immer mehr Sex.

Der Umgang mit den »Begierden« ist eine Zeiterscheinung. Heute erlebt man aggressiv dargestelltes Sexuelle, etwa in der Werbung, als »sexistisch« und belästigend. Niemand (oder kaum noch jemand) spricht noch von der befreienden oder »befreiten Sexualität« (weil sie ja stattgefunden hat). Vielmehr kommen aus allen Ecken Warnungen, dass Sexualität immer wieder im Kontext von Missbrauch und Ausbeutung zelebriert wird. – Ja, wo gehört Sexualität eigentlich hin? Ins Privatleben. Wo sonst. Oder man trifft sich mit Gleichgesinnten. Wer kommt auf die Idee, dass öffentlich ausgestellte Sexualität berechtigt und richtig sei?

Wenn auch die Beweggründe Ihrer Zensurmaßnahme heute anders motiviert sind, darf dennoch die Rücksichtnahme gegenüber Religionen und anderen Kulturen keinesfalls zu einer Aushöhlung grundgesetzlich garantierter Freiheitsrechte führen, denn diese wurden hart erkämpft und sind kein Gottesgeschenk.

Wenn der Autor »freiheitliche Grundrechte« geltend macht, dann doch nicht für die Darstellung von Nacktheit in einer Volkshochschule. Oder doch?

Zu erleben, wie nach so finsteren deutschen Kapiteln wie dem Dritten Reich und der DDR erneut in Deutschland Kunst zensiert und damit aus dem öffentlichen Raum verbannt wird – diesmal in vorauseilender, schamvoller Unterwürfigkeit, kann bei freiheitsliebenden und demokratiebewussten Künstlern wie mir nur Wut und Empörung hervorrufen.

Der Vergleich ist absurd. Das Schamempfinden ist privat. Auch kann man nicht geltend machen, dass es sich um Kunst handelt, weil eine solche Einschätzung subjektiv ist.

Aber es ist auch eine interessante Diskussion. Denn die Frage steht im Raum, was sich der Einzelne, aber auch Angehörige von Personengruppen zumuten lassen sollen, dass als »freiheitlicher Ausdruck« daherkommt. Wessen Freiheit wird denn da zelebriert? Für die einen ist es eine Zumutung, für die anderen Freiheit, sich auszudrücken, in einer Öffentlichkeit, die wem gehört?

Nachtrag:

tagesspiegel–streit-um-aktbilder-und-st-martin-unsere-falsche-toleranz-mit-einwanderern

Und man ruft jene Dauer-Wüteriche auf den Plan, die nur darauf warten, dass deutsche Kultur durch Einwanderer „abgeschafft wird“.

Was aber ist »deutsche Kultur« und wer bestimmt das. Und was ist »deutsch«. – Viiiiel Diskussionsstoff. 🙂

Advertisements