Feind und Kampf

Warum scheitert dieses Konzept immer wieder? Die Idee des Sozialismus gibt es doch nur im Paket mit einem »Feindbild«. Ohne geht es nicht (ohne wäre es ein Bedingungsloses Grundeinkommen). Dem Kommunismus fehlt die Vorstellung, dass die Menschen gemeinsam füreinander sorgen und jeder bringt seine Fähigkeiten ein. Für den Linken sind immer irgendwelche andere Schuld an seinem Unglück und diese müssen angegriffen werden.

diepresse–Venezuelas-Praesident-wird-Diktator-fur-ein-Jahr

Nun, ich will nicht behaupten, dass es Entwicklung in einer Gesellschaft geben könnte, wenn nicht Veränderungsbereitschaft vorhanden wäre. Will niemand etwas ändern, gibt es dann doch wieder »Feinde« des Fortschritts. Aber es sind keine dauerhaften Feinde, im Sinne einer Ideologie, sondern bezogen auf den konkreten Fall.

Jetzt las ich in Wikipedia über die Dreyfus-Affäre. Roman Polanski erwähnte diese in einem Interview. (Er sagt auch, dass einer der Hauptprotagonisten in der Affäre, Marie-Georges Picquart, ein Antisemit gewesen sei. Aber diese Aussage findet man nicht in dem Wikipedia-Beitrag. Seltsam.) Liest man diesen Artikel, so entsteht der Eindruck, dass ein bestimmter Teil der Gesellschaft eine Position inne hat und diese weiterhin den anderen Mitmenschen aufnötigen will (gewaltbereite Machtmenschen, Militär, Adel, beamtetes Bürgertum). Durch den Nachweis unrechtmäßigen Handelns von gesellschaftlich hochstehenden Personen dieser Gruppe, wird diese desavouiert und entwertet. Deshalb der verbissene Versuch, das eigene Fehlverhalten nicht rechtsrelevant werden zu lassen. – Da dies am Ende doch geschieht, bedeutet es ein Zurückdrängen dieser Gesellschaftsgruppen und eine Reduzierung ihres Machteinflusses.

welt–Im-Geschlechterkampf-gewinnt-die-Frau
wikipedia–Dreyfus-Affäre

Die Attacke gegen die Juden ist damit begründet, dass diese als Konkurrenten um Vorteile und Einflussmöglichkeiten in einer Gesellschaft gesehen wurden. »Vorteile und Einflussmöglichkeiten« fallen in gesellschaftlichen Entwicklungen immer wieder unterschiedlichen Gruppen und Personen zu. Bisher etablierte Kreise verlieren ihren Status, andere Menschen gewinnen an Bedeutung. Somit gibt es immer wieder »Kampf« zwischen jenen Personen, die »abgeben« müssen und jenen, die »hinzugewinnen« können. Diese prozesshaften Verläufe kann man sich als einen nicht zuzuordnenden Vorgang vorstellen. In der Ideologie wird aber gesagt, dass es »immer wieder dieselben« (Personen) sind. Demnach wäre im »Feindbild« der immer wiederkehrende Schuldige zu verorten, während im (Verteilungs) »Kampf« die Gegner je nach gesellschaftlichen Entwicklungen sich ergeben.

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