Archiv für den Monat Dezember 2013

Bedarf und Bedürftigkeit – Was brauchen wir?

Im Blog des »Konzeptwerk Neue Ökonomie« findet sich ein Artikel zum »Crowdfunding«.

konzeptwerk-neue-oekonomie–mehr-wirtschaftsdemokratie-durch-crowdfunding

Gleich zu Beginn werden Parameter benannt, die in einer Wirtschaft eine Rolle spielen können, und es werden Fragen aufgeworfen.

Marktwirtschaft
Produktion von Gütern
Verteilung von Gütern
Demokratie
Solidarität
Entscheidungen
Bedürftigkeit
Geld
Nachfrage

Welche Einflussnahme hat der Bürger auf die Produktion?
Warum wird nicht (nur) das produziert, was die Menschen brauchen?

Zur »Marktwirtschaft« kann man einwenden, ob wir einen »Markt« brauchen. Dies lässt sich aber nur beantworten, wenn weitere Parameter in die Diskussion eingebracht werden, was ich hiermit tue.

Lebensnotwendige Produktion
lebensbereichernde Produktion
überflüssige Produktion
Gemeinwohl
Allgemeinheit
Direkte Demokratie
Bedingungsloses Grundeinkommen

Bei der »lebensnotwendigen Produktion« kann man sich langfristig eine überwiegend »marktfreie« Produktion dann vorstellen, wenn man von der Physis des Menschen so viel weiß, dass ein sinnvoller Ernährungskatalog erstellbar ist. Und »Markt« gibt es womöglich immer noch für allen Schnickschnack, den sich die Individuen wünschen.

Alles, was über die »notwendige Produktion« hinaus wichtig für die Menschen ist (also alles, was nicht Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie betrifft), müsste im Einzelfall angeschaut werden. Richtschnur hierbei wird der »Bedarf« sein. – Der von dem Autor »Kai Kuhnhenn« verwendete Begriff »Bedürftigkeit« sollte keine Rolle spielen, weil er etwas »passiv« formuliert, was aber nur vom Individuum aktiv angemeldeter »Bedarf« gegenüber der Wirtschaft sein kann.

Die »Produktion der Güter« ist Aufgabe der Wirtschaft, die »Verteilung der Güter« meint wohl in erster Linie, dass auf die lebensnotwendige Produktion ein gerecht verteilter Zugriff möglich ist. Denn es geht um eine »aktive« Handhabung der Produktion (Ergebnisse) und mit Verteilung der Güter klingt eher durch, Almosen des Staates.

Der Begriff »Demokratie« ist ungeeignet, einen Ort zu formulieren, an dem die Wirtschaft angesiedelt ist. In den Containerbegriff Demokratie wird so viel hineininterpretiert, dass er einer Konkretisierung der Sachverhalte nicht dienlich ist. Der Ort, an dem Wirtschaft stattfindet, ist die »Gemeinschaft« der anwesenden Menschen.

Die Produzenten müssen darauf achten, dass die Produktionsergebnisse und der »Gewinn« aus der Produktion »brüderlich« geteilt wird (was wir »passiv« erleben), die gemeinschaftliche Verwaltung (oft als »Staat« bezeichnet) muss mittels »Gesetze« dafür sorgen, dass alle Bürgerinnen und Bürger »aktiv« ein Recht auf Zugriff auf die Produktion erwerben.

»Solidarisch« müssen die Produzenten sich verhalten, gegenüber allen Mitarbeitern und gegenüber der Gemeinschaft insgesamt. Solidarisch verhalten sich die Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltungen, wenn sie bei ihrer Arbeit das »Gemeinwohl« im Sinn haben und in erster Linie für die Allgemeinheit tätig sind.

Wenn die Allgemeinheit über die Produktion entscheiden würde (mittels Crowdfunding oder direkt-demokratisch), hätte sie zuerst einmal das Gemeinwohl im Sinn zu haben, was nur bedeuten kann, dass sie sich dafür entscheidet (die Entscheidung fällt), dass die notwendige Produktion allen Menschen der Gemeinschaft (Weltgemeinschaft oder lokale Gemeinschaft) ohne Einschränkung zugänglich ist. – Begründet wäre dies damit, dass wir produktionstechnisch und als Ergebnis unserer erfinderischen, wissenschaftlichen und erkenntnismäßigen Leistungen in der Lage sind, diesen »Dienst« uns allen als »Grundlage« mit auf den Lebensweg geben zu können. – Sozusagen als kostenlosen Liebesdienst.

»Geld« ist nur eine Metapher für »Zugriffsrecht«. Wer sich an dem Thema Geld festbeißt, übersieht, dass es des Geldes überhaupt nicht braucht, um »einkaufen« zu gehen. Es muss einfach nur erlaubt sein, sich die lebensnotwendigen Produkte zu nehmen! Die Gelddiskussion ist nicht selten ein Ablenkungsmanöver, die den ungeübten Betrachter in die Sackgasse führen soll, in der dann am Ende des Weges ein Schild steht »Kein Geld vorhanden« (Pech gehabt). – Geld »begleitet« die Produktion und soll den Tauschverkehr erleichtern. Geld ist weder in der Wirtschaftsdiskussion noch im realen Leben zwingend notwendig.

Unterscheidet man in der Produktion zwischen lebensnotwendiger Produktion, lebensbereichernder Produktion und überflüssiger Produktion, dann ist erst einmal nur für die notwendige Produktion »Nachfrage« sicher. Diese umfasst Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie. Wenn für diese Produktion eine sichere Nachfrage besteht, könnte sie in weiten Teilen »geplant« werden. – Vielleicht könnte die Leipziger Denkfabrik einmal in alten Unterlagen nachschauen, wie man Wirtschaft plant und dementsprechend Vorschläge machen. 🙂

Auf Grundlage dieser Überlegungen lassen sich die vom Autor benannten Fragen wie folgt beantworten:

Wenn die Produkte einfach auf Basis der Bedürftigkeit verteilt werden, wer sichert dann den Gewinn der Unternehmer_innen bzw. sorgt für einen ausreichenden Produktionsanreiz?

Es wird nichts »verteilt«, sondern der Zugriff wird ermöglicht. Grundlage für eine Gesellschaft überhaupt kann nur ein Bedingungsloses Grundeinkommen sein. Dann aber stellt sich die Frage nach »Gewinn« neu. Wer aktiv wird, muss sich selbst die Frage beantworten, warum. Auch muss berücksichtigt werden, um welche Art von Produktion es sich handelt: notwendig, bereichernd oder überflüssig.

Was ist ein ausreichender Produktionsanreiz? Reicht es schon, den Unternehmer_innen ein Grundeinkommen zu sichern, und das Wissen, das ganz viele Leute sich über das Produkt freuen würden?

Ja, das kann der Unternehmer dann für sich selbst klären, ob ihm/ihr das ausreicht, als Begründung, aktiv zu werden.

Wer von all denen, die sich das Produkt wünschen, soll es bekommen bzw. wer bestimmt die Bedürftigkeit?

Auch hier gilt, es muss unterschieden werden zwischen lebensnotwendiger Produktion, lebensbereichernder Produktion und überflüssiger Produktion. Der Zugriff auf die lebensnotwendige Produktion muss in den Menschenrechten garantiert werden, als allen Menschen zustehendes Recht auf ein menschenwürdiges Dasein.

Die Aufgabe der lebensnotwendigen Produktion ist der Allgemeinheit übertragen (in dem die gemeinschaftliche Verwaltung Wirtschaft ermöglicht, durch einen gesetzlichen Rahmen), sie dient dem Gemeinwohl und der Zugriff auf diese muss weltweit als Universalrecht und gemeinschafts- und gesellschaftskonstituierend anerkannt sein. Es spielt keine Rolle, ob dies in einer Marktwirtschaft oder in einer Planwirtschaft geschieht. Aber als Leitschnur gilt, eine effektive, rationelle Produktion und Zugriffsmöglichkeit für alle, muss gewährleistet sein.

»Bedürftigkeit« ergibt sich aus dem menschlichen Dasein. Der Mensch sagt selbst, was er braucht! Und es ist ein Unterschied, ob jemand sagt, er braucht Essen, um nicht zu verhungern, oder ob jemand sagt, er braucht ein iPhone, weil es ihm gefällt. In einer Gesellschaft, in der das Bedingungslose Grundeinkommen eingeführt ist, brauchen Menschen ein zusätzliches Einkommen, um »Luxusgüter« zu erwerben oder an Dinge zu gelangen, die den individuellen Vorlieben entsprechen.

Wer »Bedarf« hat, muss ihn gegenüber den Mitmenschen, der Gemeinschaft anmelden. Ist Verständnis (in der Gemeinschaft) für die Anliegen vorhanden, wird es Wege geben, um diese Bedarfe zu decken.

Schnell ist man wieder bei den großen Fragen, wie man eine Gesellschaft gerecht organisiert und ob das dann noch zur »Natur« des Menschen passt.

Der Mensch ist nicht nur »Natur«, sondern auch Geist und Seele. Das Wesen des Menschen müssen wir ergründen, um ihn zu verstehen, um zu wissen, wonach er strebt, welchen »Bedarf« er hat. Natur ist ein wichtiger, aber nicht der ganze Aspekt des Menschen.

Fortsetzung hier

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Lebensnotwendige Güter

In der Zeitschrift »Humane Wirtschaft« (02/2013) werden gleich am Anfang 21 Fragen aufgeworfen (von Anselm Stieber) und zur Diskussion gestellt.

Der Mensch solle sich an »humanen« statt »materiellen« Werten orientieren, »werthaltige« Prioritäten setzen und »Ziele sinnvoller und langfristiger Entwicklung« ins Auge fassen.

Zwar wird darauf hingewiesen, dass »wirtschaftliches Wachstum« Schwachsinn sein kann und wir eine Demokratie bräuchten, in der sich der Bürger »mit seinen Problemen wiederfände«, aber die meisten Fragen in diesem Katalog sind doch erstmal nur ein »Vortasten«, ohne das der Autor selbst richtig weiß, wohin die Reise eigentlich gehen könnte.

Andere Aussagen erscheinen fast schon wieder bedenklich, zum Beispiel »dass die Bürger erfahren müssten, dass der Staat kein Versorgungsstaat ist«. Warum nicht? Auch hier scheint der Staat wieder als Gegensatz zum Bürger gedacht. Aber er muss immer als »verlängerten Arm« des Bürgerinteresses gesehen werden und niemals als Gegensatz.

Auch kann die Politik dem Bürger gar nichts »erläutern«. Denn wissen die Bürgerinnen und Bürger mittlerweile nicht in vielen Fällen besser Bescheid, als die Abgeordneten?

Zustimmen kann man den Aussagen: »Ja« zum Bedingungslosen Grundeinkommen, Verbrauchsbesteuerung, »die Aufgabe der Wirtschaft ist die Versorgung der Bevölkerung mit preiswerten und qualitativ hochwertigen Gütern«, transparente Preiskalkulationen, neue Rechtsformen für Großunternehmen (Stiftungen), optimale Betriebsgrößen, soziale Verpflichtung der Unternehmen.

Zu einem »Forum Neues Miteinander« im März 2013 wurden Forderungen benannt. Was dieses Forum dann erarbeitet hat, weiß ich leider nicht. Deshalb hier meine eigenen Vorstellungen zu den Stichworten.

Ein »neues Finanzsystem« berücksichtigt die heutige »Geldschöpfung aus dem Nichts« und die Schlüsse und Konsequenzen, die man daraus zieht. »Mehr Demokratie« kann nur bedeuten, »Direkte Demokratie«. Eine »neue Kommunikationskultur« muss berücksichtigen, die individuelle Sicht der Welt, das individuelle Urteil, die eigene Entscheidung, gekoppelt an die »eine Stimme«, die der Bürger in der Gesellschaft hat, um in Abstimmungen und Kooperationen mitwirken zu können. Und aufgegeben werden muss die obrigkeitsstaatliche Zurechtweisung des Einzelnen, das Zurechtbiegen der Bürger, auf eine Linie, die sich die Machthaber ausdenken, unter dem Deckmantel der »Richtig-und-Falsch« Diskussionen (»Was ich sage ist richtig, was du sagst, ist falsch.«). Ein »lebendiges Bildungssystem« kann nur ein solches sein, dass die Bildung in die Freiheit der Menschen stellt, es ihnen also überlässt, welche Bildungseinrichtungen sie für Wert erachten.

Ein »ganzheitliches Gesundheitswesen« betitelt die Aufgabenstellung falsch, weil es den Problembereich nicht fokussiert. Nicht das fehlende »Ganzheitliche« ist das Problem, sondern der Missbrauch des Geldtopfes, in den wir unsere Krankenkassenbeiträge zahlen. Aber vielleicht hat man das ja während der 4 Tage in Alpirsbach im Schwarzwald herausgefunden. »Gelebte Spiritualität« würde bedeuten, dass wir die unterschiedlichen spirituellen, religiösen Orientierungen der Menschen anerkennen und sie für wichtig erachten.

Ein absolutes Rätsel.

In der Zeitschrift kommen Vertreter der Parteien zu Wort, die ursächlich für massive Menschenrechtsverletzungen in Deutschland verantwortlich sind. Ein Unding. Ist das der Naivität der Zeitungsmacher geschuldet? Was für ein Wertesystem haben diese Leute.

Herr Hansmann berichtet vom »Schuldenmachen des Staates«. Über den Tellerrand schauen geht aber scheinbar nicht, denn sonst hätte die Frage diskutiert werden können, warum der Staat das benötigte Geld bei »privaten Geldverleihern« holt (holen muss?).

Ähnlich bei Herrn Creutz. Er steckt ebenfalls »im System« fest. Denn seine Sicht der »Geld« Welt ist auch festgefahren. Geld kommt auch bei ihm ausschließlich von den privaten Geldverleihern und ausschließlich in Form von »echtem Geld« (Geldscheinen und Münzen). Buchgeld, Giralgeld lässt Herr Creutz ja nicht gelten.

Auf Seite 18 findet man einen Aufsatz von Herrn Wendt, einem Ingenieur. Am Ende seines Textes beklagt sich Herr Wendt zurecht über die Berufsgruppe der Wirtschaftswissenschaftler, dass sie im Vergleich etwa zu den Ingenieuren eine für die Gemeinschaft verantwortliche Arbeit abzuliefern hätten und dieser Aufgabe nicht gerecht werden. – Wie wahr! Als Koryphäe und absolute Ausnahme ist mir da nur Herr Bernd Senf bekannt, der in dieser Hinsicht für mehr Klarheit gesorgt hat. Aber wer berät die Bundesregierung, was müssen das für »Sachverständige« und »Fachleute« sein, die die ganzen Jahre mit ihrem Unfug an Wissen und Ratschlägen für die Verschlechterung der Lebensverhältnisse der Menschen in diesem Land mitverantwortlich zeichnen.

Herr Wendt weist darauf hin, dass wir (nach dem Krieg) von einer Mangelwirtschaft zu einer Überflussgesellschaft gelangt sind, ohne das daraus die Menschen in der Gemeinschaft die richtigen Schlüsse gezogen haben. Er sagt, dass die Produktion lebensnotwendige, lebensbereichernde und »überflüssige« (irrelevante) Produkte hervorgebracht hat, und das »Werbung« ein Indiz für eine Überflussgesellschaft ist, in der nicht mehr nur Bedarf besteht, sondern Bedarf »geweckt« werden muss.

Die heute absurde Situation, dass wir zwar in einer Überflussgesellschaft leben, wir aber trotzdem in Deutschland »Armut« haben, spricht er nur am Rande an. Er erwähnt nicht »Hartz4« oder die 20 Millionen Bewohner Deutschlands, die ein Einkommen haben, unterhalb der Armutsgrenze. Sein Artikel ist aber ungemein wichtig, wenn wir verstehen wollen, welche Aufgabe eigentlich die Wirtschaft hat, und das wir Menschen die Herausgabe der »lebensnotwendigen«, existenzsichernden Güter einklagen müssen. Denn das nicht alle Menschen diese Güter bekommen ist durch nichts zu rechtfertigen. Die Verhältnisse werden einzig dazu benutzt, um die Bürger weiter in Abhängigkeit halten zu können. Besonders deutlich werden die Umstände, wenn man die von Herrn Wendt benannten Fakten in der Wirtschaft in seinen verwendeten Grafiken anschaut (hier von mir ansatzweise wiedergegeben).

Gemessen an der tatsächlichen Wertschöpfung ist der Anteil, der »gerecht unter allen Menschen« aufgeteilt werden müsste, ganz gering (im Bild als innerster, dunkler Kernkreis dargestellt).

Die Sorge also, dass für ein Bedingungsloses Grundeinkommen (was ja genau diesen Anteil meint) kein Geld da sei, ist einfach nur albern, weil ja erstmal nur der geringste (aber lebenswichtige!) Teil der Produktion fair geteilt und allen zugänglich werden muss.

Fortsetzung hier

Optimismus

tagesschau–ausblickwirtschaft

Die deutsche Wirtschaft sieht dem kommenden Jahr überwiegend zuversichtlich entgegen. Einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zufolge erklärten 34 von insgesamt 48 befragten Wirtschaftszweigen, sie rechneten für 2014 mit höheren Umsätzen beziehungsweise einem Produktionsanstieg im Vergleich zum zu Ende gehenden Jahr.

Grund hierfür sei die robuste inländische Konjunktur und die Tatsache, dass im Euroraum viele Zeichen auf Besserung stünden, so das IW. »Schon lange nicht mehr hat die deutsche Wirtschaft so positiv in die Zukunft geschaut«, sagte IW-Direktor Michael Hüther.

»Überwiegend zuversichtlich«. So, als ob die Wirtschaft mit dem Wetterbericht oder »Glücksspiel« vergleichbar sei. Dabei geht die Aufgabe der Wirtschaft in genau die andere Richtung.

Und »höhere Umsätze« und »Produktionsanstieg« suggerieren, es sei nur wert, wenn es »aufwärts« zeigt. Aber die mit diesen Botschaften den Menschen verkauften Hoffnungsschimmer sind »Sand in die Augen gestreut«, denn eine gleichbleibende, beständige, zuverlässige und sichere Versorgung der Menschen überall auf der Welt ist viel wichtiger.

Und wie man eine »robuste inländische Konjunktur« wahrnehmen kann, wenn 20 Millionen Menschen in Deutschland unterhalb der Armutsgrenze dahinvegetieren, weil die Regierungen keinen ausreichenden Zugriff auf die Wertschöpfung gewähren, ist ein Rätsel.

Die Medien geben keine Auskunft darüber, für was wir die Wirtschaft eigentlich brauchen.

Totalitäre Gesellschaften

Teil des Tötungsapparats

Der Nachweis einzelner Gewalttaten sei nicht erforderlich, um einen Sobibor-Wachmann schuldig sprechen zu können. Was immer er in dem Apparat dort auch tat, es diente dem Morden; die einzige moralische Option wäre Verweigerung gewesen.

So ist es.

Was als Unrecht erkennbar ist, darf niemand unterstützen. Auch nicht dann, wenn einem selbst dadurch Unheil droht.

Der Mensch muss sich dem Gerechten und Guten gegenüber solidarisch erklären.

Und diese Botschaft lässt sich auch verallgemeinern.

In allen Staaten dieser Erde gilt es für die Menschen, zu schauen, was ist menschenwürdig und gerecht. Und in keinem Fall darf es passieren, dass sich Bürgerinnen und Bürger bereiterklären, offensichtliches Unrecht durch die Staatsführung, zu unterstützen und umzusetzen. – Auch wenn dieses noch so fein säuberlich durch Gesetze von den Herrschenden vorbereitet ist. Nicht dasjenige, was im Gesetz steht, ist zu beachten und zu befolgen, sondern jenes, das den moralischen und ethischen Gesichtspunkten einer humanen Welt entspricht. Um das zu erkennen, genügt bereits die Fähigkeit zu »fühlen«, und der Verstand kann dann auch noch hilfreich sein.

Wer sich aber bereiterklärt, in Kumpanei mit der Staatsführung, egal in welchem Gesellschaftssystem, in menschenrechtsverletzender Weise gegen die Mitmenschen in der eigenen Gemeinschaft vorzugehen, der offenbart einen bestimmten Charakter. Und dieser Charakter ist zu allen Zeiten vorzufinden. Nur sind manchmal die Rahmenbedingungen ungünstig, und diese Menschen halten sich bedeckt. Dann aber werden plötzlich menschenunwürdige Gesetze möglich und schnell sind die Stellen besetzt und Aufgaben werden erfüllt, von jenen, die sich einfinden, um im Windschatten der Befehle der Machthaber ihrem Wesen Ausdruck zu verleihen.

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Neues Geld

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Damit hat es sich aber auch mit den Gemeinsamkeiten. Denn im Gegensatz zu einer echten Währung hat Bitcoin keinen direkten materiellen Bezug, so wie konventionelle Währungen einen Bezug zu den Goldreserven oder zum Bruttoinlandsprodukt eines Landes haben.

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Die Aufsichtsbehörde verwies auch auf mögliche Steuerfolgen, denkbare Verwicklungen in dubiose Transaktionen und nicht zuletzt darauf, dass der Währung keinerlei reale Werte oder rechtliche Ansprüche gegenüberstünden. Die Preisentwicklung sei allein davon abhängig, wie beliebt die Währung sei.

In den Medien überwiegen einmal mehr die treuherzigen Aussagen eines Ideals, das nicht existiert. Heute (!) hat das meiste Geld keinen direkten materiellen Bezug, weil es beliebig »aus dem Nichts« hergestellt werden kann, egal was an »realen Werten« gerade produziert wird oder vorhanden ist. – Dieses Argument gegen die Bitcoins ist nicht glaubwürdig.

Was aber den Banken nicht gefällt, ist, dass da ein Markt entstehen könnte, der ihnen die Einnahmequellen entzieht. Darum geht es.

Die Bitcoin-Idee ist spannend. 🙂

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Bargeld und Giralgeld bilden zusammen die Geldmenge M1.
Der überwiegende Anteil, 89%, bildet das Giralgeld.

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Ausbeutung in Deutschland

Ausbeutung geschieht in Situationen, in denen sich der Mensch nicht gegen ungerechte Behandlung wehren kann und sich dann ausnutzen lässt. Ausbeutung, Ausbeuter sind klassische Begriffe aus der Arbeitswelt. Aber die Möglichkeit Menschen auszubeuten hat sich durch die Hartz4-Gesetze der GRÜNEN und der SPD noch vergrößert. Wer sich den unangemessenen und benachteiligenden Forderungen seines Arbeitgebers entziehen will, bekommt sofort die Drohung der Entlassung zu hören. Wer nicht spurt, wird vom Chef und seinen »Anhängern« in der Belegschaft sofort bedroht und ermahnt, sich zu fügen. Wer sich dennoch verweigert, wird in der Firmenhierarchie schlechtergestellt und von den Kollegen, unter Mitwisserschaft der Firmenleitung, gemobbt. Natürlich gibt es auch »Edeljobs«, die von solchen Vorgängen nicht betroffen sind. Aber das ist eher die Ausnahme. Ein großer Teil der Tätigkeiten ist heute im Niedriglohnsektor angesiedelt und dort ist »Hire and Fire« die Regel. Wer »mutwillig« seinen Arbeitsplatz verliert, wird von den Jobcentern und Arbeitsagenturen »gesperrt«. So wird der Arbeitsmensch zwischen seinen »Feinden« Arbeitgeber und Arbeitsamt zerrieben und ausgebeutet, benutzt und benachteiligt. Wie ein Ping-Pong-Ball wird er von den mächtigen Gruppen hin und her geworfen, da er ja ständig verpflichtet ist, sich an beide Seiten zu wenden, um »Geld zu bekommen« für seine Existenzsicherung. Das ist ein Leben auf Sklavenebene.

Missbrauch

Ausbeutung und Missbrauch liegen nah beieinander. Wer es gewohnt ist, in der Arbeitswelt und von den staatlichen Stellen benutzt zu werden, der internalisiert diese Muster und wendet im privaten Umfeld selbst diese Methoden an. – Eine Missbrauchsgesellschaft ist somit auch von unseren Parteien, Politikern und Regierungen mitverschuldet und fällt nicht vom Himmel.

Eine bizarre Variante der Ausbeutung findet in der Umkehrung der Verhältnisse statt. Nicht der Arbeitnehmer wird ausgebeutet, sondern der Arbeitgeber. Dies bietet sich dann an, wenn der »Arbeitgeber« der Steuerzahler ist und man diesem vermeintlich »knausrigen Gesellen« möglichst viel aus dem Portmonee kitzeln will und gleichzeitig möglichst wenig an Arbeitsleistung dafür hergeben möchte. Ob das in jedem Fall gelingt, ist eine andere Sache.

So ist auf allen Ebenen und in allen Bereichen bei einem Teil der Bevölkerung eine lobbyistische Haltung anzutreffen, die besagt, »ich hole mir was ich brauche, haben will, und das auch dann, wenn ich dabei andere benachteiligen muss.«

Ausweg

Von dieser Ideologie wegkommen kann man nur, wenn der eigene Vorteil nicht mehr in der egoistischen Handlung »Für-sich-raffen«, gesehen wird, sondern erkannt wird, dass das »Gemeinwohl«, also das Wohl aller, auch immer das eigene Wohl mit einschließt. Und das man sich alsdann eben für dieses Gemeinwohl einsetzt.

Ein Umdenken in diese Richtung findet über die Schiene »Internet« bereits statt. Hier sieht man sehr gut, dass das Bestehen auf Vergütung für jeden Pups den man arbeitet, die Entwicklungs- und Neuerungsgeschwindigkeit bremst und Vorteile, die für alle Menschen möglich wären, zugunsten von Urheberrechten, Patenten, Copyrights zunichte gemacht werden. Und das hingegen, wenn jemand für »Creative Commons« arbeitet, eventuell kostenlos seine Arbeit zur Verfügung stellt, zwar nichts dafür bekommt, aber in der Summe alle Menschen von den Produkten und Leistungen »kostenlos« profitieren und dieser Umstand viel mehr Wert ist, als die kleinkarierte Vergütungsmetalität, die bei manchen noch zu finden ist. Der Knackpunkt ist dann immer die Frage: »Wovon soll ich denn leben, wenn ich kostenlos meine Arbeit zur Verfügung stelle?« – ja, dafür wäre dann das Bedingungslose Grundeinkommen da!

PS: Auch die Rundfunkgebühren fallen in die Kategorie Ausbeutung und Missbrauch, denn die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger wollen diese überteuerte TV- und Radioberieselung nicht, trotzdem »klaut« man den Leuten das Geld aus der Tasche. – Wer nicht glaubt, dass es die Mehrheit ist, der kann ja eine Volksabstimmung zu dieser Sache durchführen.

Why?

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In the weeks and months that followed the killings, I was nearly insane with sorrow for the suffering my son had caused, and with grief for the child I had lost. Much of the time, I felt that I could not breathe, and I often wished that I would die. I got lost while driving. When I returned to work part-time in late May, I’d sit through meetings without the slightest idea of what was being said. Entire conversations slipped from memory. I cried at inappropriate times, embarrassing those around me. Once, I saw a dead pigeon in a parking lot and nearly became hysterical. I mistrusted everything—especially my own judgment.

Vielleicht liegt es auch an der Gesellschaft, dem Staat, seiner Verfasstheit. Vielleicht gibt es eine »öffentliche Ordnung«, eine (Movie) Kultur, ein Selbstverständnis von Leben, dass keine Perspektiven mehr lässt, für »Andersartigsein«.

Was ist, wenn es kein Bewusstsein gibt, von anderen Möglichkeiten zu leben, und nur der einzige Ausweg im »Ganzweggehen« besteht?

Und die Eltern, die genau das tun, was andere Eltern auch tun. Womöglich passieren an den Schulen Dinge, von denen sie nie etwas erfahren haben. Vielleicht gab es keine erklärenden Gespräche zwischen Vater und Sohn, keine Verständigungsgespräche zwischen den Eltern und dem Jungen. – Komisch ist, dass so etwas »gerne« in den USA passiert.

Und nein, die frei zugänglichen Waffen (eine Freundin hatte die Waffen für die Jungs gekauft, weil diese erst 17, aber sie schon 18 war) sind nicht schuld an den Massakern. Niemals sind diese frei zugänglichen Waffen Mitschuld, sagen die Waffenlobby und die Waffenbefürworter. – Aber es liegt halt doch an den frei zugänglichen Waffen.

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Defekt

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Immerhin schickt man einen Krankenwagen. Im Klinikum Neukölln warte ich fünf Stunden in der Notaufnahme, bis eine Ärztin mich untersucht; weitere zwei Stunden, bis ich geröntgt bin. Es ist mir schleierhaft, warum sich eine Gesellschaft, die nicht weiß, wohin mit ihren Privatvermögen, kein funktionierendes Gesundheitssystem leistet.

Dieser Mann weiß nicht, dass wir keine »funktionierende Gesellschaft« mehr haben. Unsere Gesellschaft funktioniert nicht mehr. – Es ist nicht bloß der Gesundheitsbereich. Ich frage mich, was die Menschen alles in der Summe erleben müssen, um das wahrzunehmen. Die Gesundheitsversorgung ist in diesem Land eine Katastrophe, der Umgang mit den Arbeitslosen ist desaströs, mit Geld kann die Verwaltung nicht umgehen und die Politik weiß nicht, wie das Geld »geschöpft« wird. Unsere Kultur ist »am Ende«, weil sie nichts zu sagen hat. Der Bildung sind keine Ziele gesetzt, die Herrschaften stochern im Nebel. Alles ……. funktioniert nicht.

Jetzt verstehe ich die Elterngeneration viel besser. »Warum habt ihr euch nicht gegen die braunen Horden gewehrt, habt die Gesellschaft nicht verändert, Widerstand geleistet.« – Und heute? Wir sind ja noch nicht mal in der Lage, als Bürger, diese Kleinigkeit und Unfug »Hartz4« zu beenden. Wie könnten wir da einen Diktator und seine Mordbuben aufhalten. – Das ist die Wahrheit über gesellschaftliche Prozesse.

Kaufsphäre

Man kann fragen, ob die sexuelle Unbefangenheit all derer, die sich nicht prostituieren, wirklich so hoch ist. Wichtiger ist, dass in Schwarzers Welt ein weiblicher Mensch erst dann seinen Körper verkauft, wenn er ihn sexuell einsetzt – und nicht wenn er putzt, oder pflegt oder Journalismus betreibt.

sueddeutsche–alice-schwarzer-in-der-prostitutionsdebatte-kaeufliche-koerper-kaeufliche-seelen

Jetzt muss ich Frau Schwarzer fasst beispringen.

Der Beitrag von Meredith Haaf ist schon arg. Müsste es nicht »groß« heißen: die große sexuelle Unbefangenheit? Es ist doch seltsam, wenn das »Verkaufen« der eigenen Person (egal welcher Teil) die Regel ist. Frau Schwarzer weißt zurecht darauf hin, dass der eine Bereich »Gefühle« enthält, der da »verkauft« wird. Passt das zur seelischen Gesundheit des Menschen?

Schwarzer hält Frauen offensichtlich nicht für fähig, den Sex, den sie haben, von sich selbst zu trennen.

»Von sich selbst zu trennen«, dasjenige, was mit den eigenen Gefühlen daherkommt? Hhmm. – Der Mensch ist keine Ware. Aber die Diskussion stört diejenigen, die mit dem Handel leben wollen.