Lebensnotwendige Güter

In der Zeitschrift »Humane Wirtschaft« (02/2013) werden gleich am Anfang 21 Fragen aufgeworfen (von Anselm Stieber) und zur Diskussion gestellt.

Der Mensch solle sich an »humanen« statt »materiellen« Werten orientieren, »werthaltige« Prioritäten setzen und »Ziele sinnvoller und langfristiger Entwicklung« ins Auge fassen.

Zwar wird darauf hingewiesen, dass »wirtschaftliches Wachstum« Schwachsinn sein kann und wir eine Demokratie bräuchten, in der sich der Bürger »mit seinen Problemen wiederfände«, aber die meisten Fragen in diesem Katalog sind doch erstmal nur ein »Vortasten«, ohne das der Autor selbst richtig weiß, wohin die Reise eigentlich gehen könnte.

Andere Aussagen erscheinen fast schon wieder bedenklich, zum Beispiel »dass die Bürger erfahren müssten, dass der Staat kein Versorgungsstaat ist«. Warum nicht? Auch hier scheint der Staat wieder als Gegensatz zum Bürger gedacht. Aber er muss immer als »verlängerten Arm« des Bürgerinteresses gesehen werden und niemals als Gegensatz.

Auch kann die Politik dem Bürger gar nichts »erläutern«. Denn wissen die Bürgerinnen und Bürger mittlerweile nicht in vielen Fällen besser Bescheid, als die Abgeordneten?

Zustimmen kann man den Aussagen: »Ja« zum Bedingungslosen Grundeinkommen, Verbrauchsbesteuerung, »die Aufgabe der Wirtschaft ist die Versorgung der Bevölkerung mit preiswerten und qualitativ hochwertigen Gütern«, transparente Preiskalkulationen, neue Rechtsformen für Großunternehmen (Stiftungen), optimale Betriebsgrößen, soziale Verpflichtung der Unternehmen.

Zu einem »Forum Neues Miteinander« im März 2013 wurden Forderungen benannt. Was dieses Forum dann erarbeitet hat, weiß ich leider nicht. Deshalb hier meine eigenen Vorstellungen zu den Stichworten.

Ein »neues Finanzsystem« berücksichtigt die heutige »Geldschöpfung aus dem Nichts« und die Schlüsse und Konsequenzen, die man daraus zieht. »Mehr Demokratie« kann nur bedeuten, »Direkte Demokratie«. Eine »neue Kommunikationskultur« muss berücksichtigen, die individuelle Sicht der Welt, das individuelle Urteil, die eigene Entscheidung, gekoppelt an die »eine Stimme«, die der Bürger in der Gesellschaft hat, um in Abstimmungen und Kooperationen mitwirken zu können. Und aufgegeben werden muss die obrigkeitsstaatliche Zurechtweisung des Einzelnen, das Zurechtbiegen der Bürger, auf eine Linie, die sich die Machthaber ausdenken, unter dem Deckmantel der »Richtig-und-Falsch« Diskussionen (»Was ich sage ist richtig, was du sagst, ist falsch.«). Ein »lebendiges Bildungssystem« kann nur ein solches sein, dass die Bildung in die Freiheit der Menschen stellt, es ihnen also überlässt, welche Bildungseinrichtungen sie für Wert erachten.

Ein »ganzheitliches Gesundheitswesen« betitelt die Aufgabenstellung falsch, weil es den Problembereich nicht fokussiert. Nicht das fehlende »Ganzheitliche« ist das Problem, sondern der Missbrauch des Geldtopfes, in den wir unsere Krankenkassenbeiträge zahlen. Aber vielleicht hat man das ja während der 4 Tage in Alpirsbach im Schwarzwald herausgefunden. »Gelebte Spiritualität« würde bedeuten, dass wir die unterschiedlichen spirituellen, religiösen Orientierungen der Menschen anerkennen und sie für wichtig erachten.

Ein absolutes Rätsel.

In der Zeitschrift kommen Vertreter der Parteien zu Wort, die ursächlich für massive Menschenrechtsverletzungen in Deutschland verantwortlich sind. Ein Unding. Ist das der Naivität der Zeitungsmacher geschuldet? Was für ein Wertesystem haben diese Leute.

Herr Hansmann berichtet vom »Schuldenmachen des Staates«. Über den Tellerrand schauen geht aber scheinbar nicht, denn sonst hätte die Frage diskutiert werden können, warum der Staat das benötigte Geld bei »privaten Geldverleihern« holt (holen muss?).

Ähnlich bei Herrn Creutz. Er steckt ebenfalls »im System« fest. Denn seine Sicht der »Geld« Welt ist auch festgefahren. Geld kommt auch bei ihm ausschließlich von den privaten Geldverleihern und ausschließlich in Form von »echtem Geld« (Geldscheinen und Münzen). Buchgeld, Giralgeld lässt Herr Creutz ja nicht gelten.

Auf Seite 18 findet man einen Aufsatz von Herrn Wendt, einem Ingenieur. Am Ende seines Textes beklagt sich Herr Wendt zurecht über die Berufsgruppe der Wirtschaftswissenschaftler, dass sie im Vergleich etwa zu den Ingenieuren eine für die Gemeinschaft verantwortliche Arbeit abzuliefern hätten und dieser Aufgabe nicht gerecht werden. – Wie wahr! Als Koryphäe und absolute Ausnahme ist mir da nur Herr Bernd Senf bekannt, der in dieser Hinsicht für mehr Klarheit gesorgt hat. Aber wer berät die Bundesregierung, was müssen das für »Sachverständige« und »Fachleute« sein, die die ganzen Jahre mit ihrem Unfug an Wissen und Ratschlägen für die Verschlechterung der Lebensverhältnisse der Menschen in diesem Land mitverantwortlich zeichnen.

Herr Wendt weist darauf hin, dass wir (nach dem Krieg) von einer Mangelwirtschaft zu einer Überflussgesellschaft gelangt sind, ohne das daraus die Menschen in der Gemeinschaft die richtigen Schlüsse gezogen haben. Er sagt, dass die Produktion lebensnotwendige, lebensbereichernde und »überflüssige« (irrelevante) Produkte hervorgebracht hat, und das »Werbung« ein Indiz für eine Überflussgesellschaft ist, in der nicht mehr nur Bedarf besteht, sondern Bedarf »geweckt« werden muss.

Die heute absurde Situation, dass wir zwar in einer Überflussgesellschaft leben, wir aber trotzdem in Deutschland »Armut« haben, spricht er nur am Rande an. Er erwähnt nicht »Hartz4« oder die 20 Millionen Bewohner Deutschlands, die ein Einkommen haben, unterhalb der Armutsgrenze. Sein Artikel ist aber ungemein wichtig, wenn wir verstehen wollen, welche Aufgabe eigentlich die Wirtschaft hat, und das wir Menschen die Herausgabe der »lebensnotwendigen«, existenzsichernden Güter einklagen müssen. Denn das nicht alle Menschen diese Güter bekommen ist durch nichts zu rechtfertigen. Die Verhältnisse werden einzig dazu benutzt, um die Bürger weiter in Abhängigkeit halten zu können. Besonders deutlich werden die Umstände, wenn man die von Herrn Wendt benannten Fakten in der Wirtschaft in seinen verwendeten Grafiken anschaut (hier von mir ansatzweise wiedergegeben).

Gemessen an der tatsächlichen Wertschöpfung ist der Anteil, der »gerecht unter allen Menschen« aufgeteilt werden müsste, ganz gering (im Bild als innerster, dunkler Kernkreis dargestellt).

Die Sorge also, dass für ein Bedingungsloses Grundeinkommen (was ja genau diesen Anteil meint) kein Geld da sei, ist einfach nur albern, weil ja erstmal nur der geringste (aber lebenswichtige!) Teil der Produktion fair geteilt und allen zugänglich werden muss.

Fortsetzung hier

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