Transformation

Ganz zentral ist der »öffentliche Raum«, wenn wir eine Gesellschaft wollen, die menschenwürdig und den Menschenrechten gemäß ist. Der Öffentliche Raum muss so gestaltet sein, dass er das »freie Bewegen« den Menschen ermöglicht. Alles was dies verhindert, sind interessensgeleitete Sonderregeln. Seien es die der Regierungen oder der Lobbygruppen, zu denen auch die Kriminellen zu zählen sind. Sonderinteressen durchtrennen den Raum, sperren Flächen, zwingen zu Abgaben. Durch Macht, Gewalt, »natürliche« Rechte, wird die Entfaltung der Mitmenschen eingeschränkt. Aber der öffentliche Raum muss derart gestaltet werden, dass sich alle Menschen frei entfalten können, Bewegungsfreiheit besitzen, und dennoch an jedem Ort Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie für die individuelle Existenzsicherung zur Verfügung haben. Dieses Umfeld zu schaffen, ist Aufgabe der Gemeinschaft, mit Hilfe der Wertschöpfung, die in ihrem Einflussbereich geschaffen wird. – Die Verwaltung aller (Staat genannt) ist der verlängerte Arm der Interessen der Allgemeinheit.

Sonderinteressen, Partialinteressen, Lobbygruppen hingegen, haben keine Neigung das »Wohl aller« ins Auge zu fassen. Sie sind mit ihren eigenen Anliegen beschäftigt, und das es auf ewig ihnen selbst gut geht. Die Erkenntnis wird sich aber durchsetzen, dass wir alle, als Individuen, den größten Vorteil haben, wenn wir darauf achten, dass es allen gut geht.

Wenn wir den öffentlichen Raum betrachten, dann ist damit jenes gemeint, was in der Fachsprache oft als Infrastruktur (mittels Infrastruktur-Maßnahmen geschaffen) bezeichnet wird. Beispiele dafür sind der Straßenbau, etwa in Neubaugebieten; die Schaffung von Kindergärten, Schulen, Wasserversorgung, Energieversorgung, Bürgerbüro, Spielplätze, Sporthallen, Freizeiteinrichtungen, Büchereien, Medienverleih, Internetcafés und so weiter.

Im Grunde geht es darum den Begriff des Öffentlichen Raums weiter zu fassen, die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommen quasi miteinzubeziehen und, wie es Raphael Fellmer in seinem Buch »Glücklich ohne Geld« schreibt:

Zunächst hing ich noch sehr an der Idee des Grundeinkommens, doch dann war es wie ein Sprungbrett, um noch viel mehr an die Menschen und ihre Fähigkeiten zu glauben. Der Traum von einer Welt ohne Geld wurde …. größer und schon nach kurzer Zeit sah ich in dem Grundeinkommen, wenn überhaupt, nur eine Übergangslösung und glaubte mehr daran, dass wir Menschen irgendwann überhaupt kein Geld mehr brauchen würden. – Zunächst war das aber nicht mehr als eine Zukunftsvision.

Was muss es im Öffentlichen Raum geben, damit die Menschen mit dem existentiell Notwendigen ausgestattet sind? Ja, vielleicht so gar, damit sie eine »gut ausgestattete Umwelt« haben, in der es sich menschengemäß leben lässt.

Wenn der Öffentliche Raum nicht durch Sonderinteressen blockiert ist, können wir schauen, was alles dazugehört, um »in Freiheit« leben zu können.

In einem vorherigen Artikel hatte ich von den elenden Bedingungen gesprochen, in denen viele Menschen in Brasilien leben. Die Personen schlafen nachts auf der Straße, sie sind arm, haben Suchtverhalten, sie sind womöglich aggressiv, kriminell, gewalttätig. Dann hatte ich erwähnt, die Wirtschaft, und welche Aufgabe die Wirtschaft gegenüber seiner Bevölkerung hat. Die Aufgabe der Wirtschaft ist es, die Bevölkerung zu versorgen. Kein Mensch ist dabei auszunehmen, allen gebührt das Notwendige.

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Wenn die Menschen sich in Recife, in Brasilien im Öffentlichen Raum aufhalten, dann brauchen sie abends Übernachtungsmöglichkeiten. Wer sich abends zur Ruhe legen will, braucht ein Dach über dem Kopf und vielleicht auch ein Gefühl der Sicherheit. Die Wirtschaft muss für alle Menschen Häuser und Wohnungen bauen, in denen sie leben können.

Wer jetzt sagt, »Wer soll das bezahlen, wer bezahlt denn die Miete«, würde noch »im alten Denken« feststecken. Das heutige Leben ist blockiert, durch Geldbesitz, Geldarmut, Bezahlhürden, Immobilienbesitz, privaten Bodeneigentum. Aber alles was wir tun, kann nur dazu dienen, unser aller Leben zu ermöglichen. Und nicht dazu, uns gegenseitig daran zu hindern, uns frei zu entwickeln.

Wenn wir durch die Gemeinschaft ermöglicht und finanziert, Häuser bauen, auf Grund und Boden, der der Gemeinschaft gehört, die kostenlos den Menschen zur Verfügung gestellt werden, dann tragen wir zum Wohl aller Menschen bei, und erhöhen den Wohlstand der Allgemeinheit innerhalb eines Lebensraums. Durch kostenlos zur Verfügung gestellten Wohnraum vergrößern wir den Umfang an Freiheit, den der Mensch hat, um sein Leben leben zu können.

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Heute haben wir für die Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes Kantinen und Essensausgaben in den Behörden. Das wird über Gemeinschaftsgeld (verunklart ausgedrückt, »Steuern«) finanziert. In Recife in Brasilien könnten ein oder mehrere Gebäude gebaut, und ein ständiges, kostenloses Essensangebot geschaffen werden. Über die Zeit würde man sehen, wie stark dieses genutzt wird, und das Angebot könnte reduziert oder ausgebaut werden.

In der Vergangenheit hatte ich schon diese Idee vertreten, etwa im Zusammenhang mit den »Tafeln«, die kurz nach der unsäglichen Hartz4-Einführung in Deutschland aus dem Boden schossen. Das Gegenargument war dann, es sei erniedrigend, wenn man Menschen vorab ausgewählte Nahrung anbietet, statt ihnen Geld zu geben, damit sie sich selbst etwas kaufen können. Ähnlich kann man das ja auch sehen, bei den Essensgutscheinen, die an Flüchtlinge in Deutschland ausgegeben wurden.

Essensangebote haben sicher Vor- und Nachteile. Zu den Vorteilen gehört, ich muss nicht selber kochen, für die Energie sorgen, eine Kochstelle parat haben. Bei den Essensausgaben kann Nahrung aus ökologischem Anbau angeboten werden, es sind verschiedene Formen von Essensausgaben denkbar. Aber in einer Grundeinkommens-Gesellschaft wären auch private Essensausgabestellen denkbar (heute Lokale, Restaurants genannt), die die Versorgung der Menschen mit Nahrung bei der Gemeinschaft abrechnen. Statt also dogmatisch die Idee einfach abzulehnen, könnte man damit experimentieren und ein Angebot starten und sehen wie es angenommen wird. Bestens geeignet wären dazu übrigens Universitätsmensen. Dann könnte die nachwachsende Generation gleich mitbekommen, was in Gesellschaften wichtig ist und was nicht.

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Bei der Kleidung wären Produzenten denkbar, die »gemeinwohl-orientiert« produzieren, mit Öko-Baumwolle. Die Produkte würden über die Gemeinschaftskasse finanziert und in »Kleiderhäusern« zu Abholung bereitgelegt.

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Energiegewinnung müsste unter dem Aspekt der Notwendigkeit geschehen. Wie viel brauchen wir an Energie? Wir brauchen so viel Energie, dass die Grundversorgung aller Menschen damit, gewährleistet wird.

Dass diese Aufgabe von Privatfirmen (finanziert durch Investoren mit Profitinteressen) am besten gelöst und bewältigt werden kann, ist zumindest anzuzweifeln. Auszuprobieren wäre es, wenn die Allgemeinheit die Aufgabenstellung Schritt-für-Schritt vorgibt, vielleicht mehreren »Fachleuten« den gleichen Auftrag erteilen und man dann schaut, wie diese vorankommen. Transparenz in der Energiewirtschaft ist für die Bevölkerung ganz wichtig. Die Energieversorger erfüllen nicht ihre Arbeit im Sinne der Gesamtbevölkerung, wenn die Menschen unangemessen hohe Energieausgaben haben. Langfristiges Ziel muss sein, dass jeder Bürger eine »Energiekarte« (ähnlich einer Scheckkarte) besitzt, mit der er eine (festgelegte) Menge an Energie kostenlos aus »Terminal-Steckdosen« abzapfen kann.

Damit wäre der Bereich der physischen Existenzsicherung in den Öffentlichen Raum verlagert, und maximale Freiheit wäre für das Individuum vorhanden (die Physis betreffend).

Darüber hinaus gibt es sicherlich eine große Menge an weiteren Aufgaben der Infrastruktur-Komplettierung. Zu weiteren Infrastrukturmaßnahmen könnte gehören:

Nur die wenigsten Menschen kommen in die Welt, und wachsen »wie Prinz und Prinzessin« auf, womit ich sagen will, dass es viele Menschen gibt, die alptraumartige Kindheiten hatten, und ihre Seelen ein Leben lang davon gezeichnet sind. Für viele besteht gar nicht die Möglichkeit, all das Geschehene aufzuarbeiten, Dinge wieder gut zu machen, bei einer »normalen Entwicklung« wieder anzusetzen, weil der tagtägliche Existenzkampf in Form von Selbstausbeutung am Arbeitsplatz, die ganze Energie und Daseinskräfte aufsaugt.

Erst eine »kostenlose Infrastruktur« (die die physische Existenz sichert) würde die Grundlage dafür bieten, sich diesen Aufgaben zuzuwenden. Das heißt, die sogenannte »soziale Arbeit«, Seelenarbeit, Herzensarbeit, würde einen regelrechten Boom erleben, weil die Menschen auf einmal Zeit hätten, sich diesen Dingen zuzuwenden, um ihre Seele zu »heilen«. Dazu gehören Beziehungsstörungen, Ich-, Identitätsprobleme, etc. Aber auch Vieles, was zum Bereich der »Gesundheit« gehört, könnte erst nach diesem großen Schritt in der Daseinsvorsorge, durch die In-Dienststellung der Wirtschaft für die Bedürfnisse der Menschen, angepackt werden.

Und sicherlich werden wir als Menschheitsaufgabe dabei den Planeten im Auge behalten müssen, dass er uns auch noch in den nächsten Millionen Jahren gute Dienste leistet und wir nicht »die gute Erde« überbeanspruchen.

Raphael Fellmer Buch

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