Wozu brauchen wir soziale Netzwerke

Und ja, wir brauchen das alles hier nicht wirklich, die Meinung habe ich nach wie vor. Einzig der Job als Moderator und die traurige Tatsache, dass ich beruflich mit Facebook und Co beschäftigen muss, halten mich derzeit noch hier. Aber auch das wird sich ändern, ich spalte es einfach ab und sei es nur, um zu beweisen, dass die Welt nicht untergeht, wenn man nicht den ganzen Tag in einem »sozialen« Nerzwerk hängt und die Existenz der Menschheit davon abhängig macht. Wir sind schon so sehr in diesem System verstrickt, dass wir immer digitaler werden.

Dies ist ein Zitat aus einem Beitrag eines Google+ Nutzers.

Darüber zu diskutieren, ob sich Google+ im Laufe der Zeit verbessert oder verschlechtert hat, ist bestimmt sinnvoll. Aber es geht auch um etwas anderes, meiner Meinung nach sehr Zentrales.

Der Autor schreibt: »Und ja, wir brauchen das alles hier nicht wirklich, die Meinung habe ich nach wie vor.« Was ist denn dieses »alles hier«? Was ist ein wichtiges Produkt und was ist ein Feature. – In einem Stream werden Beiträge anderer Menschen angezeigt, man kann selbst Beiträge schreiben. Die Beiträge können gezielt bestimmten Menschen »zugesandt« werden, andere sehen diese Beiträge dann nicht. Man kann Einzelpersonen einen Beitrag zukommen lassen, was eigentlich einer »Email« gleicht, man kann andere Nutzer »blockieren«, sodass sie nicht mehr meine Beiträge lesen können, und nicht kommentieren können. Und vieles mehr.

Wenn man nun diese Möglichkeiten bloß aufaddiert und schaut, ob sie »gut« umgesetzt sind, und bei neuen prüft, wie sie sich in die bestehenden Abläufe einfügen, dann ist Google+ ein Feature. Ich habe mehrere Computerspiele, ein Officeprogramm, und jetzt sogar ein soziales Netzwerk. »Wow«, wenn das nichts ist!

Etwas ganz anderes ist es, wenn Google+ ein Programm ist. Für was brauche ich es denn?

Wenn Google+ ein Programm ist, mit dem ich gezielt und mit Absicht mit Menschen in Kontakt trete, und es gab vorher ein solches Programm noch nicht, mit diesen Möglichkeiten, und wenn ich mit diesem Programm die Chance habe, mehr zu erreichen, als ich es vorher je konnte, dann ist dieses Programm »unersetzlich« und ein echter Mehrwert, und steht insofern auch außerhalb jeglicher Kritik. Denn sonst wäre das so, als würde man die ersten Entwickler und Programmierer eines Betriebssystems kritisieren, obwohl es doch vorher »überhaupt keines« gab.

Wenn man soziale Netzwerke nicht wirklich braucht, dann hat man kein Programm zur Verfügung, sondern ein Spielzeug in Händen. – Ist es nicht ähnlich mit einem Musikinstrument? Der eine zerrt und zieht an den Bauteilen des »Gerätes« auf der Suche nach irgendetwas Sinnhaftem, doch bleibt ihm das ganze ein Rätsel. Und der andere entlockt diesem Kunstwerk die schönsten Töne, weil er weiß, wozu und wie es zu gebrauchen ist.

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