Kommentarfunktion

tagesspiegel–in-eigener-sache-keine-bewertungsfunktion-mehr

Liebe Leserinnen und Leser, um den Missbrauch der Bewertungsfunktion einzuschränken, hatten wir im Sommer 2012 die Funktion, Kommentare negativ zu bewerten, abgeschafft.

Leider wurde aber die Funktion, Kommentare positiv zu bewerten, ebenfalls missbraucht. Geneigte Nutzer legten sich mehrere Benutzerprofile an, um ihren Kommentaren auf diese Weise mehr Gewicht zu verleihen und im Ranking der bestbewerteten Kommentare weiter oben zu platzieren.

Die Zeitung Der Tagesspiegel in Berlin reduziert weiter die Möglichkeiten rund um ihre Kommentarfunktion. Dies ist interessant, da deutlich wird, wie gering der Wert dieses Feature überhaupt ist. Ich vermute, dass jeder, der eine Kommentarfunktion in seinem Blog oder auf seiner Homepage, Internetseite freischaltet, immer die Zustimmung der Antwortenden im Sinn hat. Niemand denkt wirklich daran, was es bedeutet, wenn die Kommentare eine andere Sicht vertreten, als der Eigentümer der Seite. Ich vermute, dass die Wenigsten sich dabei wohlfühlen, abweichende Ansichten auf ihrem Medium zu dulden.

Aber worauf läuft das dann hinaus? Im Grunde sind wir in unseren Meinungen alle verschieden ausgerichtet und es ist eher die Ausnahme als die Regel, dass wir Menschen bei verschiedensten Themen einer Meinung sind. Wenn wir damit anfangen, diesen Umstand ernst zu nehmen, ist ein erster wichtiger Schritt getan. Es ist wertvoll, einander in unserer Unterschiedlichkeit zu akzeptieren. Es gibt immer noch viele Personen, die es nicht ertragen können, dass der Mitmensch eine andere Meinung gleichermaßen vertreten kann, als sie selbst. Wenn wir es aber akzeptieren, brauchen wir auch nicht mehr zusammenzuglucken, aufeinanderzuhocken und auf Teufel komm‘ raus, eine gemeinsame Meinung herstellen zu müssen. Dann akzeptieren wir unsere Unterschiedlichkeit, sehen diese als Bereicherung und als Ergebnis unterschiedlichster Erfahrungen und wir trachten in gegenseitiger Achtung uns in Einzelfragen zu verständigen und Mehrheitsabstimmungen mitzutragen, wenn sie denn nicht gegen die Menschenrechte verstoßen. – Dann haben wir Direkte Demokratie.

Der Tagesspiegel will also nicht mehr Negativbewertungen zulassen und jetzt auch nicht mehr Positivbewertungen von Kommentaren. Aber immerhin wollen sie weiter Kommentare zulassen. Wer weiß, wann sich auch das ändert.

Und es ist doch wahr. Im Tagesspiegel soll natürlich die Meinung der Tagesspiegel-Eigentümer stehen. – Was denn sonst. 🙂

Das heißt aber für die vielen Kommentarschreiber, dass sie sich darum bemühen müssen, ihre eigene Meinungsplattform zu schaffen (wie der Tagesspiegel seine hat) und zum Beispiel eine Homepage oder einen Blog eröffnen. – Statt »bei anderen« anonym die Ideen und Gedanken abzuladen, kann auf der eigenen Seite, mit Realnamen die eigene Sicht der Dinge erscheinen.

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