Streiks in der Wirtschaft

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Es gibt seit Jahren und Jahrzehnten Themen, die die Menschen sehr schnell in die eine oder andere Richtung wütend und aggressiv werden lassen. Dazu gehören der Nahost-Konflikt und Streiks.

Streiks behindern die Menschen in ihren täglichen Verrichtungen, um höhere Einkommen, teils auch bessere Arbeitsbedingungen und finanzielle Absicherungen zu erzwingen. Sowohl bei Streikgegnern als auch bei Streikbefürwortern liegen schnell die Nerven blank und über wüste Drohungen und Gewaltbereitschaft ist der Schritt nicht weit zu handgreiflichen Auseinandersetzungen.

Amazon hatte am vergangenen Mittwoch erneut deutlich gemacht, dass es keine Verhandlungen geben wird. »Wir sind fundamental davon überzeugt, dass ein dritter Partner im Unternehmen immer nur die zweitbeste Lösung ist«, sagte der Regionalmanager Nordost, Armin Cossmann, bei einem Werksbesuch in Leipzig. Die Bezahlung der Mitarbeiter sei mit einem Einstiegsgehalt von 9,55 Euro sowie 10,99 Euro nach zwei Jahren am oberen Ende dessen, was in der Logistik üblich sei.

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Auch wenn die Unzufriedenheit über die Streiks mehr als verständlich ist, wäre es doch angebracht, von Seiten der Firmenleitungen, ein anderes Verhalten an den Tag zu legen.

Sich lange und ausführlich über die gewerkschaftlichen Machtstrukturen auszulassen ist gar nicht nötig, denn die Arbeitnehmer würden sich diesen Organisationen nicht anschließen, wenn sie ihren Lebensumständen entsprechend, am Arbeitsmarkt Angebote vorfänden und ihnen ein existenzsicherndes Einkommen unabhängig von den Wechselfällen in der Wirtschaft, garantiert wäre.

Zu diesen Sachverhalten aber müssen Arbeitgeber ein glaubwürdiges Verhalten entwickeln, was heute noch nicht erkennbar ist.

Eine Vielzahl von Fragen stehen im Raum, für die es nicht sofort eine Antwort gibt. Wer verfügt über den Gewinn, der über die Arbeit erzielt wird. Nur der Eigentümer? Warum haben die Beschäftigten nicht wenigstens einen Überblick darüber, wie viel Gewinn erzielt wird, und was aktuell mit diesem geschieht?

Wie viel vom Gewinn muss reinvestiert werden. Wer entscheidet das? Wie viel vom Gewinn kann verkonsumiert werden. Von wem. Sind die Mitarbeiter dabei ausreichend beteiligt?

Fragen über Fragen. Dass die Firmenleitungen diese in einem akzeptablem Ausmaß mit ihren Projektbeteiligten (altdeutsch: Mitarbeitern) diskutieren und reflektieren, ist zu bezweifeln.

Streiks gibt es dann deshalb, weil für viele Mitarbeiter nicht klar ist, was die Firmenleitungen mit dem Gewinn machen und ob das so in Ordnung ist. Und natürlich werden die Gewerkschaften für interessierte Mitglieder genau diese Diskussion führen und anbieten. – Da ist die Schwäche der Firmenleitungen zu sehen.

Wie sehen zukunftsweisende, moderne Firmenleitungen in einer Wirtschaft aus? Sie müssen den Gewinn »zur Diskussion stellen« und die Gewinnsituation transparent darlegen. Sie sollten die Wichtigkeit der Unternehmensaktivitäten herausstellen, wenn in der Bevölkerung eine große Zustimmung für das Angebot besteht. Sie sollten sich gegenüber den Mitarbeitern verständnisvoll und solidarisch verhalten, dann können sie auch Solidarität gegenüber der Firma verlangen. Der Firmenleitung muss bewusst sein, dass die Menschen dauerhaft in existenzieller Sicherheit leben wollen. Den Firmen muss dazu eine Erklärung einfallen, in welcher Weise sie dem Rechnung tragen können. Und wenn sie es nicht können, müssen sie sich für eine gesellschaftliche Ordnung einsetzen, in der dies möglich ist. – Geschieht dies nicht, fällt es der Gegenseite leicht, die »Bonzen« zu denunzieren oder gar zu Recht anzuklagen.

Wirtschaft muss als ein »gemeinsames Projekt« verstanden sein, bei dem alle Beteiligten wichtige Aufgaben übernehmen. Nicht nur die Gründer von Firmen, die Erfinder von Produkten, die Schöpfer von Software, sind wichtig. Alle, die in einem Projekt, Unternehmen, in einer Firma Aufgaben übernehmen, sind notwendig (sonst hätte niemand sie gerufen) und müssen auch wahr- und ernstgenommen werden, mit ihren Anliegen.

Deshalb kann die erstbeste Lösung nur eine sein, die von den Beschäftigten mitgetragen wird.

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