Gesundheit – Gesundheitsversorgung

1. Alltag

Unser Gesundheitswesen lässt sich am besten am Arzt-Patient-Verhältnis beschreiben. Der »Kunde« möchte über seine körperliche Befindlichkeit bestens informiert werden, um dann vielleicht selbst zu entscheiden, welche Maßnahmen die sinnvollsten sind. Aber was macht der Arzt. Neben einer richtigen Diagnose wird er immer mitüberlegen, welche Maßnahme ihm wie viel Geld bringt. Und über diese Überlegungen wird er den »Kunden« wohl kaum informieren.

Wenn der Arzt eine Diagnose formuliert, so ist sie nicht selten in lateinischer Sprache abgefasst. Aber warum nicht auf Deutsch? Weil so überall auf der Welt die Ärzte das Gleiche meinen, wenn sie über eine Krankheit sprechen und das sei ein Vorteil. Aber es ist ein Nachteil für den Patienten und dieser wird durch nichts aufgehoben. Ist das richtig, oder müsste nicht vielmehr gefordert werden, dass »vor Ort« der Arzt mit den Patienten die Krankheiten »auf Deutsch« abhandelt, und zusätzlich die lateinischen Begriffe parat hat, wenn es um wissenschaftliche Diskussionen geht. – Hier wird auch schon deutlich, um was es geht, und was heute gänzlich fehlt. Es sind die Positionen und Anliegen der »Kunden«. Diese werden heute überhaupt nicht berücksichtigt.

Wenn der Kunde ein vertrauensvolles Gespräch mit einem Arzt wünscht, dann gibt es das in der Regel nicht. Die Patienten werden auch in den Privatpraxen »am Fließband« abgefertigt, in einer gut frequentierten Praxis, oder aber der Arzt »will nicht«. Er bleibt auf Distanz, hält sich den Patienten vom Leib, in dem er nicht »gemeinsam« mit ihm die körperlichen Beschwerden sich anschaut, sondern klar macht, ich bin Arzt, du kannst mir deine Beschwerden »übergeben«, dann bin ich zuständig und du gibst deine Zuständigkeit ab. – Ja, das ist die Regel. Der Arzt will nicht »gemeinsam« mit dem Patienten schauen, was los ist. Er macht klar, ich lebe in meiner eigenen Welt, die von dir »Kunde« separiert ist.- Hinzukommt heute die Budgetierung. Der Arzt will nichts verschreiben, verordnen, weil das Geld kostet und von seinem Budget abgeht.

Das hat zur Folge, dass überhaupt keine Arztbesuche sinnvoll sind, und die eigene Gesundheit »ernsthaft« von uns »Kunden« alleine gehandhabt werden sollte. Angefangen von dem Versuch, drogen- und suchtfrei zu leben, weitestgehend auf Fleisch zu verzichten, selbst für die eigene Gesundheit Verantwortung zu übernehmen und überhaupt keinen Kontakt mit den Ärzten zu pflegen beziehungsweise ihn auf ein Minimum zu beschränken.

Interessant ist, dass wir aber trotzdem »zahlen« sollen. Denn der Gesundheitstopf, in den wir unsere Krankenkassenbeiträge geben, soll eine Bevorratung ermöglichen, an Dienstleistungen, die wir im Notfall in Anspruch nehmen. – Da die »Kunden« auch die Zahler sind, sollten sie selbst darüber entscheiden, wie viel in einen Topf gezahlt wird, was aus diesem Topf finanziert wird und was sie vielleicht selbst aus privater Tasche bereit sind zu zahlen. – Denn eines fällt auf, durch die umfassende Vorhaltung an Dienstleistungen wird in den Bereichen, die hier erwähnt wurden, eben nichts erreicht. Der Kunde kann durch seine Krankenkassenbeiträge eben nicht erreichen, in einer anderen Weise durch die Ärzte behandelt zu werden. Ja, die Situation ist in den letzten 20 Jahren noch viel schlimmer geworden, als es vorher war.

2. Ziele

Es scheint eher so zu sein, dass das Leistungsangebot der Krankenkassen auf die »Grundversorgung« reduziert und dementsprechend die Krankenkassenbeiträge deutlich gesenkt werden sollten. [1] Und zweitens, dass der dadurch gewonnene finanzielle Spielraum von den »Kunden« genutzt werden könnte, sich die Dienstleistungsangebote herauszusuchen, die ihren Vorstellungen entsprechen.

3. Fazit

Heute mangelt es an einer Diskussion über den Umgang mit Gesundheit und Krankheit aus der Kunden- beziehungsweise Patientenperspektive. Die Interessen der Kunden und der Leistungsanbieter stimmen nicht überein und schaffen dadurch eine »schlechte Gesundheitsversorgung«. – Ja, wir haben in Deutschland eine schlechte Gesundheitsversorgung.

Um die Situation zu verbessern, bedarf es aber nicht Maßnahmen durch diejenigen, die an der Versorgung Geld verdienen, es bedarf einer Aktivität durch die Kunden. Es ist also festzustellen, dass dann die Gesundheitsversorgung in die richtigen Bahnen gelenkt wird, wenn die Patienten und Kunden sich endlich mit dem Thema »Gesundheitsversorgung« langfristig beschäftigen und ihre Eindrücke und Vorstellungen formulieren und dadurch ins Gespräch mit den Leistungsanbietern kommen und erreichen, dass die Regierungen sich für neue Regeln, in Form von Gesetzen einsetzen, die diesen Überlegungen Rechnung tragen.

Heute ist es eher so, dass in einer Lobbyisten-Gesellschaft wie die unsere, die Regierungen nach den Vorstellungen der Leistungsanbieter handeln und die Interessen der Allgemeinheit vollständig übersehen. – Verantwortung, dies zu ändern, haben die Benachteiligten: die Kunden und Patienten.

[1]
Hier wird deutlich, dass in anderen Bereichen dasselbe Dilemma vorherrscht. – Auch im »Medienbereich« (Öffentlicher Rundfunk und Fernsehen) haben es die Leistungsanbieter geschafft, den Kunden zu zwingen, ein überdimensioniertes Angebot zu finanzieren. – Gemeinsam, in Kumpanei mit den Politikern, wird dies dann durch entsprechende Regeln und Gesetze der Allgemeinheit aufgenötigt. Und auch in diesem Feld des öffentlichen Lebens besteht im Interesse der Verbraucher und Zahler die Lösung in der Reduzierung des Leistungsangebots auf eine »Grundversorgung«. – Nicht der Leistungsanbieter, sondern der Leistungsabnehmer sollte den Umfang von vorfinanzierten Leistungen bestimmen. Und es wird schnell deutlich, dass diese beiden Gruppen in dieser Hinsicht nicht die gleichen Interessen haben.

Die Gründe, warum das so ist, sind übrigens banal und haben sehr viel mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen zu tun. Denn die Leistungsanbieter haben heute eine instinktive Neigung, wie die Hamster, sich einen Vorrat an »Geld« anlegen zu wollen. Nicht umsonst nennt man auch die Menschen, die viel Geld haben, »Anleger«. 🙂

Denn das Geld brauchen sie gar nicht für das tagtägliche Leben. Sie haben es also übrig. Und dann soll das Geld, dass sie eh schon »zu viel« haben, auch noch »mehr« werden. Es soll sich verzinsen. Deshalb wird es »angelegt«.

Es ist die Angst, irgendwann »später« einmal »zu wenig« Geld zu haben. Deswegen soll in Zeiten, in denen das geht, möglichst viel Geld angehäuft werden. Also wird das »Leistungsangebot« über die Maßen ausgebaut, die Interessen der Zahler ignorierend, die eigenen Interessen in den Vordergrund schiebend. – Dabei wird behauptet, dass der Egoismus »normal« sei. Aber er ist es nicht. Weil der eigene Vorteil »zu Lasten« der Mitmenschen errungen wird. Es müssen andere Menschen benachteiligt werden, damit der Egoist einen Vorteil hat. – Insofern ist der Egoismus in keinster Weise etwas Positives, auch wenn er »natürlich« sein mag. Natürlich heißt ja »darwinistisch«, heißt, ich töte den anderen, schädige ihn, und habe dann dadurch selbst einen Vorteil. – Das kann sein, dass durch eine solche Sicht der einzelne Mensch für sich kurzfristig etwas herausschlagen kann, aber für die Menschheit ist das keine Lösung. Die Menschheit wird in Kooperation, in Solidarität, in individueller, freier Entscheidung des Einzelnen, gemeinsam sich weiterentwickeln und der Egoismus wird als »Schwäche« des Menschen eingeordnet werden.

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