Niemand darf dem Künstler vorschreiben, moralisch zu sein. (Schopenhauer)

Der Künstler bearbeitet die Materie und schafft Werke, die über sich hinausweisen können, und die universellen Gesetze des Kosmos offenbaren, aber auch die Erdenwelt uns näher bringen. – Dazu hat er sich handwerkliches Wissen angeeignet und sein Können verknüpft mit einer Botschaft, die aus dem Wesen des Künstlers selbst kommt.

Muss er einem gesellschaftlichen Anspruch genügen? – Wenn der Künstler der »Geisteswelt« hinzugerechnet wird, erwarten wir womöglich mehr von ihm, als er bereit ist, zu geben. Ob er es leisten könnte, mag dahingestellt sein.

Letztens stellte jemand Kultur und Zivilisation gegenüber. Ja, das ist berechtigt. Denn Kultur kann auch Unkultur sein. Manche »Kulturen« sind einem archaischen Leben verhaftet, es werden barbarische Urteile gegen die Mitglieder der Gemeinschaften verhängt oder Rituale praktiziert. – Ist Zivilisation »mehr wert« als Kultur? – Primitive Lebenszusammenhänge können nicht schöngeredet werden. Wenn es also Wahlfreiheit gibt, dann sollten wir uns tatsächlich der Zivilisation näher fühlen, als einer Kultur mit fragwürdigem Wertekanon.

Wie entsteht eine Geisteswelt.

Offenbar nicht so, dass Menschen einer bestimmten beruflichen Gruppierung angehören, die scheinbar dem Geistigen nahe steht. Der dort Tätige verbittet es sich, dementsprechend herausgefordert zu werden. – Er will selbst entscheiden, ob er sich in sein Schaffen versenkt, seine Umwelt bemerkt und an ihr gestaltend teilnimmt, oder »weltvergessen« seine Produkte erstellt.

So können wir nur hoffen, dass in Zukunft mehr Menschen in der Kunst- und Kulturszene ihre Lebenswelt als eine beeinfluss- und bewertbare entdecken.

Advertisements