Archiv für den Monat März 2015

Arbeitswelt und Grundeinkommen

Die Ereignisse rund um den Flugzeugabsturz gaben den Bürgern Anlass, über eine Vielzahl von Themen zu diskutieren. Und alles, was wir wissen, was wir an Daten zugänglich haben, dient uns, sich Gedanken zu machen zu den Sachverhalten.

Welche Berufsgruppen gibt es noch, die mit Menschen arbeiten, die bei ihrer Arbeit Verantwortung für andere Personen haben? – Neben den Piloten in einem Flugzeug, sind es die Busfahrer, die Ärzte, die Betreuer von Gruppen von Menschen, Pfleger, Erzieher, Lehrpersonal, Polizisten, Justizbeamte, Richter und natürlich Politiker. – Bestimmt habe ich noch welche vergessen.

Götz Werner sagt über die Wirtschaft, es ist ein »Füreinanderleisten«, wir arbeiten also immer »für andere« und nie für uns selbst. Und dennoch ist es so, dass wir empfinden, wir würden »für uns selbst« arbeiten. Wir meinen das deshalb, weil wir einen Geldbetrag überwiesen bekommen. Und der ist ja »uns«. – Herr Werner weist darauf hin, dass es eigentlich etwas Selbstverständliches ist, für andere zu arbeiten. Eine andere Form von »Arbeit«, ist kaum zu finden. – Wenn es aber etwas Selbstverständliches ist, brauchen wir es auch nicht an »die große Glocke zu hängen« und uns damit brüsten, dass wir diese Arbeit machen.

Aber genau dieses Denken und Verhalten hatte sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten entwickelt. Belohnt werden sollte der Beste. Das ist die Idee einer Leistungs- und Wettbewerbsgesellschaft. Wer die Eingangstests und Prüfungen bestanden hatte, den entsprechenden Schulabschluss nachweisen konnte, der durfte und konnte, und letztlich »wollte« auch viel Geld verdienen. Es war kein freiwilliger Akt des Arbeitgebers, der »Sieger« im gesellschaftlichen Wettkampf sagte sich, ich »muss« jetzt auch viel Geld verdienen, sonst hat sich das Ganze nicht gelohnt.

So kommt es, dass in einer durchaus aggressiven Art von manchen Berufsgruppenvertretern ein bestimmtes Einkommen und Rahmenbedingungen eingefordert werden, eine Art, die als Erpressung beschrieben werden kann. – Und genau an dieser Stelle zeigt sich der Zeitenwandel. Die einen sind noch in der Vergangenheit, in ihrem Denken, und glauben, dass sie »für sich« alles rausholen können, wenn sie sich nur durchkämpfen und die besten Noten in der Schule haben, den besten Abschluss in der Ausbildung und dann haben sie auch ein »Anrecht« auf hohe Bezahlung, und die anderen sehen, dass dieses Denken keine Zukunft mehr hat, weil die Veränderungen der Arbeitswelt ein solches Denken nicht mehr sinnvoll erscheinen lässt, weil durch Rationalisieren, Automatisieren, Computerisieren und Algorithmisieren jegliches Anspruchsdenken im alten Sinne hinfällig wird. – Warum?

Der Arbeitnehmer ist nur noch ein Durchgangsposten. Wir wollen die Ergebnisse des Handelns und nicht den Handelnden vergöttern. Wir sagen, dass die Leistung, die geleistete Arbeit wichtig ist, im Ergebnis, aber wir wollen uns nicht lange aufhalten, bei denen, die die Arbeit machen und sie nicht auf einen Thron, auf einen Sockel heben und verehren, weil sie die Arbeit machen. – Der Arbeitnehmer im alten Sinne meint, er sei etwas Besonderes und müsse dementsprechend behandelt werden. – Die Flugkapitäne, die alle Hebel korrekt bedienen können, waren doch vorbildhafte und imposante Persönlichkeiten, oder wenn wir an die »Götter in Weiß« denken. – Die großen Menschenmassen wollen es aber nicht, dass sich die Herrschaften in den Weg stellen und sagen, »Hallo, respektiert gefälligst unsere Besonderheit, so wie ihr es vor Jahrzehnten auch getan habt«.

Das erinnert mich an die Arbeit in Vereinen.

Vieles dort an Arbeit, oder sogar alles, wird deshalb gemacht, damit »das Ganze«, damit die Organisation funktioniert und ihrer nach außen gerichteten Aufgabe gerecht wird. – Das heißt, die Organisation hat ein bestimmtes anvisiertes Ziel, und deshalb haben sich viele Menschen entschlossen, sich dieser Gruppierung anzuschließen. – Damit diese Aufgabe zum Tragen kommt, müssen unterschiedlichste Arbeiten erledigt werden. Gemeinhin werden die Leute, die diese Arbeiten in einer Organisation erledigen, »Funktionäre« genannt. Sie sorgen dafür, dass die Institution funktioniert. – Und unter diesen gibt es viele, die sagen dann den anderen Teilnehmern im Verein, ICH, IIIIICH, mache diese und jene Einzelaufgabe und habe GANZ VIEL GEARBEITET, ganz VIIIEL gearbeitet für EUUCH, womit sie andeuten wollen, dass wir alle anderen (diejenigen, die ebenfalls Funktionäre sind und diejenigen, die nur die eigentliche Funktion des Vereins in Anspruch nehmen) ganz »klein mit Hut« sein sollten, und dankbar für so viel Großzügigkeit, dass andere für mich schuften und das respektieren und entsprechend entlohnen, oder zumindest anerkennen sollten, wie wichtig diese Personen sind und diese Leute dann entsprechend wertschätzen und in den Himmel heben sollten. – Bekommen diese »wichtigen Persönlichkeiten« in der Gruppe aber dann nicht, was sie fordern, dann werden sie ganz schnell unleidlich und unverschämt und pöbeln und drohen, ihre ach so wertvolle Arbeit nicht mehr machen zu wollen und dann würden wir anderen ohne sie dastehen und sehen, was wir davon haben.

Und im Gegensatz zu dieser Sorte von Menschen gibt es andere, die sehr wohl einsehen, dass für das Funktionieren der gesamten Organisation zusätzliche Arbeiten vonnöten sind, aber sie machen diese Arbeiten einfach, ohne sich dafür bezahlen zu lassen, freiwillig und unentgeltlich, »ehrenamtlich«, weil sie begreifen, dass das Wichtige an der ganzen Organisation, die Erfüllung der Aufgabe ist, zu der die Organisation überhaupt gegründet wurde. – Kurzum, sie lehnen den »Personenkult« ab, der scheinbar von manchen Menschen erwartet wird, damit sie »in die Gänge« kommen.

Es ist somit eine bestimmte Haltung bei den Arbeitnehmern, die eine aggressive Atmosphäre im Arbeitsumfeld erzeugt, die besagt, IHR, für die wir arbeiten, MÜSST euch uns gegenüber so und so verhalten, sonst verweigern wir unsere Arbeit (Streik), oder wir attackieren euch, machen die Arbeit schlecht, und ihr werdet darunter leiden (Drohung).

In den Berufsfeldern, die ich oben genannt habe, gibt es immer wieder Beispiele, Vorfälle, wo die Menschen, für die die Arbeit gemacht wird, zu Schaden kommen.

Die leistungs-, kampf-, und erfolgsorientierten Berufstätigen sehen nicht so sehr, dass sie im Großen und Ganzen der gesellschaftlichen Abläufe, einen (kleinen?) Bereich mit ihrem Tun abdecken, und das sie selbst vom Ergebnis allen Tuns letztendlich genauso profitieren, wie alle anderen auch, nein, ihnen geht es darum, dass alle anderen »aufblicken« zu diesen großen Meistern ihres Fachs und sie besonders wertschätzen. – Dieses Denken ist aber nicht mehr zeitgemäß.

Alle Streiks sind auch ein »in den Weg stellen« gegen die Tendenz, dass diese alten Vorstellungen von Arbeit obsolet sein könnten und das nicht mehr der Arbeitnehmer, sondern die Arbeitsergebnisse hochgeschätzt werden. Denn das ist ja der Weg, den wir momentan gehen. Wir sehen, wir brauchen die Arbeitsergebnisse, sie sind das eigentlich Wichtige, und der Arbeitsprozess ist nur ein Durchlaufposten.

Was aber bedeutet das für das Individuum, das sich nicht mehr so, wie in alten Zeiten orientieren kann, bei seinen tagtäglichen Verrichtungen? – Im leistungs- und wettkampforientierten Tun ist die Gruppe Medium für die Selbstbestätigung, allerdings in einer eher feindseligen und niederträchtigen Weise. Denn der Sieger braucht, um Sieger sein zu können, solche Menschen, die er besiegt hat. Des einen Vorteil wird in der alten Welt immer zum »Nachteil« für die anderen. Da es ja viel mehr Besiegte als Sieger gibt, wird diesen dieses »Spiel« irgendwann nicht mehr schmecken und sie werden »aussteigen«. – Eine bessere Gesellschaft kommt ohne diese Spielereien aus (ich will nicht verhehlen, dass in früheren Zeiten dieser Wettkampfgedanke vielleicht seine Berechtigung hatte) und die Selbstbestätigung wird nicht dadurch erreicht, andere Menschen zu düpieren und schlecht aussehen zu lassen, sondern auf andere, mehr humanere Weise.

Die Voraussetzung dafür ist aber eine andere Gesellschaft. – So wie die Kämpferseelen verzweifelt versuchen, die alte Welt zu erhalten, indem sie ihrer »Arbeitsideologie« nachhängen, von der »Wertschätzung« der Arbeit reden, dass sich Arbeit »wieder lohnen« müsse, und mittels Streiks versuchen, Entwicklungen aufzuhalten, so werden die neuen Orientierungen sich aus veränderten gesellschaftlichen Verhältnissen ergeben. – Es ist wirklich kein Zufall, dass alle Gewerkschaften sich gegen ein Bedingungsloses Grundeinkommen streuben, eben weil diese notwendigen Veränderungen der Arbeitswelt, sich über ein solchen Grundeinkommen ergeben wird.

Sicherlich ist es auch noch in einer Grundeinkommens-Gesellschaft möglich, sich einen Leistungswettbewerb vorzustellen, aber der Punkt ist, dass niemand mehr bei diesem »Spiel« mitmachen müsste und sich alle die wollten, sich dieser Ideologie entziehen könnten. -. Das ist so, als gäbe es bei der Olympiade einen Hundertmeterlauf und mangels Interesse bei den Menschen hätten sich nur 4 Leute für den Lauf gemeldet und 3 Personen dann qualifiziert und bei den millionenfachen Angeboten im Internet, sich unterhalten zu lassen, wäre die Übertragung der Olympiade ein »Nischenthema«, für das sich nur die Wenigsten interessieren.

Ein Bedingungsloses Grundeinkommen würde den Zwang bei Leistungswettbewerben mitzumachen, aufheben. – Das würde auch in der Schule eine andere Atmosphäre schaffen und überhaupt das Lernen viel mehr individualisieren, gemäß der Frage, was ist überhaupt für mich in diesem Leben wichtig und nicht »welcher Arbeitsideologie welches Politikers muss ich mich fügen, weil dieser dementsprechende Gesetze erlassen hat, die mich in die von ihm präferierte Richtung lenken sollen«.

Und wäre es dem Menschen, der Ausgangspunkt dieses Beitrags war, möglich gewesen, seine persönliche Situation in den Vordergrund zu stellen und sich nur dieser zu widmen, wenn er gespürt hätte, dass das notwendig ist, dann wären die Dinge vielleicht anders ausgegangen.

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Sklavenmentalität

Arbeitssituationen

Beispiel 1

Sie arbeiten in einer Firma. Und haben einen Vertrag unterschrieben. – In dem Vertrag stimmen sie zu, dass die Arbeit zu ihrem Nachteil gestaltet werden kann. – Etwa in Punkt 7 des Arbeitsvertrages hat der Arbeitgeber festgelegt, dass sie verpflichtet sind, bei Bedarf Überstunden zu leisten. Dies habe sie unterschrieben, weil sie sich nichts dabei gedacht haben, was das für Konsequenzen in der Praxis haben wird.

Der Arbeitgeber wird jetzt »in der Regel« sie dazu auffordern länger als vereinbart zu arbeiten, weil das die Arbeitsumstände erfordern.

Nun hatten sie eigentlich vorgehabt, jeden Donnerstag Abend um 18 Uhr eine Fortbildung zu besuchen. Da sie nicht pünktlich um 16 Uhr den Arbeitsplatz verlassen können, ist es ihnen nicht möglich die Fortbildung zu nutzen.

Beispiel 2

Sie haben ihrem Arbeitgeber mitgeteilt, wann sie in Urlaub fahren wollen. Der Chef genehmigt ihnen aber diesen Zeitraum nicht. – Da sie aber einen wichtigen Termin mit Verwandten wahrnehmen wollen, fahren sie ohne die Erlaubnis des Chefs weg. – Daraufhin kündigt sie der Arbeitgeber fristlos. Die fristlose Kündigung wird später, nach dem Arbeitsgerichtstermin, in eine fristgerechte Kündigung umgewandelt. – Der Arbeitgeber ist aber nicht mehr bereit, sie weiter zu beschäftigen.

Spüren sie den Nasenring. – Nein?

Sie sind der Sklave ihres Chefs. – Sie müssen das machen, was die Firma sagt. Ihre Interessen sind nichts wert und werden ignoriert. Wenn sie sich beschweren heißt es, sie hätten sich einen anderen Arbeitsplatz suchen sollen.

Das Arbeitsverhältnis ist ein Abhängigkeitsverhältnis. Sie müssen nach der Pfeife ihres Chefs tanzen. – Ja, natürlich gibt es Tricks. »Krankfeiern« ist einer der beliebtesten.

Der entscheidende Punkt ist aber, sie können sich überhaupt nicht solchen kontrollierenden und einschränkenden Situationen entziehen. Wenn Vereinbarungen, die im Arbeitsvertrag festgelegt wurden und die sie unterschrieben haben, nicht von ihnen eingehalten werden, gefährden sie mutwillig ihren Arbeitsplatz und bei Verlust desselben wird sie die Agentur für Arbeit für 3 Monate »sperren«. – Das heißt, sie bekommen kein Arbeitslosengeld und haben bestenfalls Anspruch auf ergänzende Hilfen vom Jobcenter. – Sie werden vom Staat bedroht.

Das heißt, wenn sie ihr Leben leben wollen, so wie sie ihre Zeit einteilen, dann werden sie für dieses Ansinnen vom Staat bestraft. Der Staat sagt, sie müssen ständig für ihre Einkünfte selbst sorgen, und wenn sie eine Einkommensquelle durch ihr Verhalten gefährden, dann will ihnen der Staat nicht helfen.

Was ist das für ein Denken der Politiker. – Wie finden sie solches Ansinnen?

Arbeit und Freiheit

Wenn wir Bürger keine Arbeitssklaven sein wollen, brauchen wir andere Gesellschaften mit anderen Gesetzen. – Wir brauchen ein Bedingungsloses Grundeinkommen. Die Hartz4-Gesetze müssen vollständig wieder abgeschafft werden.

An diesen Beispielen ist zu sehen, wie die Menschen in viehischer Abhängigkeit leben, es fehlt nur der Ring in der Nase. – Ja, das stimmt. Die Verhältnisse waren nicht immer so. – Erst mit Schröder und den GRÜNEN ist es richtig schlimm geworden. – Sie haben eine Demokratie in einen totalitären Staat verwandelt, mit ihrem Hartz4.

Recht und Gesetz

Jetzt las ich in einem Artikel der Wochenschrift für Anthroposophie (11/März 15), dass die Dreigliederung unserer sozialen Lebenswelt dann nicht funktioniert, wenn sich die Wirtschaft in das Rechtsleben einmischt, was zum Beispiel im Falle der TTIP Regelungen der Fall ist.

Mindestens genauso schlimm ist es aber, wenn das Rechtsleben, vertreten durch den Staat und die Gerichte, die Freiheit des Bürgers einschränkt und diese zu unterwürfig-abhängigen Menschen machen will.

Mit den Hartz4-Gesetzen hat der Staat Unrecht begangen und die Gerichte haben diesem frevelhaften Treiben ungerührt zugesehen und decken diese Schandtaten heute noch.

Dies dürfen wir als engagierte Bürger, gemäß unserem Rechtsempfinden, nicht hinnehmen.

Dreigliederung-Arbeit-15-03-23

Durch die Arbeitsideologie der Parteien, die auch bei vielen Mitbürgern noch virulent ist, obwohl die Realität des Lebens schon längst veränderte Bedingungen anmahnt, wird der Alltag, das Arbeitsleben »zwanghaft« in Bereiche aufgeteilt. – Dadurch haben wir Menschen es schwer, unser Leben zu gestalten und gesund zu bleiben.

Entweder sind wir in der »Arbeitswelt« oder wir sind »arbeitslos«. – In der Arbeitswelt werden wir gnadenlos den Regelungen des Arbeitslebens ausgesetzt. Das heißt, dass »die Logik der Wirtschaft«, aber genauso die Logik jeglicher Arbeitseffizienz auf uns einwirkt und wir »menschliche Aspekte« gar nicht dagegen ins Feld führen können. Wir werden zermahlen in diesem System, wir werden zerstört und vernichtet, wenn wir uns nicht selbst versuchen zu schützen und unsere Nischen finden, in denen wir mehr recht als schlecht überleben.

Wer sich aber nicht offiziell diesem System unterwirft und dem Götzen »Arbeitsgesellschaft« huldigt, den versuchen die Arbeitsideologen zu diskreditieren, in der Gesellschaft bloßzustellen und wieder in die Maschinerie hineinzuzwingen. – Rudolf Bahro nannte diese Maschinerie »die Megamaschine«.

»Arbeitslose« sollen nicht zugelassen werden. Nach dem Motto, »Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen«.

Die Arbeitsideologie macht uns Menschen krank und zwingt uns in nicht-menschengemäße Situationen. – Die Grippewelle ist ein Beispiel dafür. – Aber auch die wütenden und aggressiven Aktionen der Berufsgruppen für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen und Absicherungen sind ein Hinweis, dass wir Menschen diesen Arbeitswahn der Parteiideologen nicht aushalten wollen und können.

Die im Wirtschaftsleben enthaltene Tendenz, den Menschen »auszubeuten«, kann nur begrenzt und eingeschränkt werden, wenn sich Überlegungen in der Gesetzgebung niederschlagen und durch Gerichtsurteile bestätigt werden, die ein »menschengemäßes Leben« unterstützen und die Bürger gegen Übergriffe aus der Wirtschaft schützen.

Keine Öffentlichkeit

Weiterhin ist zu bemerken, dass wir heute eine fast vollständige »Windstille« im Geistesleben haben. – Hätten nicht schon längst die verschiedenen Berufsgruppen, die doch eigentlich »ein gutes Menschenleben« im Blick haben, aufschreien müssen und eine langfristige Kampagne starten sollen, zu einer Neugestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse. – Wo sind die Philosophen, die Ökonomen, die gesellschaftlich engagierten Staatsrechtler, die nicht »neue Nazis, getarnt als Demokraten« haben möchten. Wo sind die Künstler und Kulturschaffenden, die die Umstände erkennen und dauerhaft Einspruch erheben?

Was ist mit den Sozialarbeitern los, was mit den Psychotherapeuten. Was ist mit den Psychologen. – Müssten nicht all diese Berufsgruppen, ihre Angehörigen, aus ihrem beruflichen Selbstverständnis heraus laut und deutlich gegen diesen Zwangsarbeiterstaat protestieren?

Kein Wort hören wir von diesen Leuten. – Wo sind die Organisationen, die diese Berufsgruppen vertreten. Sozialarbeiterverbände, Psychotherapeutenverbände, Psychologenverbände. Wo sind deren öffentlichkeitswirksamen Auftritte, deren Anklagen gegen eine Staat, der die demokratischen Verhältnisse aufgibt, um sich in ein totalitäres System zu verwandeln? Wo sind die aufrüttelnden Worte der Verbandsvorstände. – Nichts ist zu hören. – Das ist unser Geistesleben.

Dass das aber möglich ist, können wir in anderen Ländern beobachten. – In Kanada beschäftigt sich der Verband der Sozialarbeiter mit dem bedingungslosen Grundeinkommen.

Glenn Drover, Allan Moscovitch, and James Mulvale, “Promoting Equity for a Stronger Canada: The Future of Canadian Social Policy”

Das Geistesleben in Deutschland ist nicht mehr existent. Die Umwandlung unserer Gesellschaft in einen totalitären Staat, ist ohne dauerhaften Protest aus den Reihen der »Dichter und Denker« machbar. – Aber was bedeutet das?

Diese Menschen sind alle gestorben und niemand ist mehr nachgekommen.
Diese Menschen haben sich verändert, haben ihr Engagement aufgegeben, haben sich ins Private zurückgezogen. – Warum?

Entscheidungsträger

Sicherlich ist »das Geistesleben« auch nicht mehr so leicht zu verorten, wie es noch vor zwei, drei Jahrzehnten der Fall war. Die Printmedien, das Fernsehen, die verschiedenen Berufsgruppen und ihre Vertreter waren früher »zuständig« für die Welterklärung. – Heute wagen sich sogar Blogger, Aussagen über die Welt zu treffen und dies zu veröffentlichen.

Früher haben wir den »Herrn Doktor« gefragt, warum die Dinge so oder so sind, heute wissen wir dank Internet und moderner Software, dass der Herr Doktor seinen Titel durch Tricksereien erschlichen hat und zweifeln insgesamt die Kompetenz dieser Leute an, weil wir »selber denken« können und wollen und über das Internet alle Informationen zugänglich haben und uns selbst ein Bild von der Welt machen können. – Das Geistesleben ist nicht länger in bestimmten Kreisen ansässig, sondern »überall« zu finden, nur hat es noch nicht die Deutungszuständigkeit offiziell übertragen bekommen von den Resten der alten Garde der Welterklärer.

Schwarmintelligenz ist jedoch schon längst real.

Vereinsleben

Nach solchen Erlebnissen kommt die Erinnerung wieder hoch, warum damals die politische Arbeit gemieden wurde, das soziale Engagement nicht zustande kam.

Diese typisch deutsche Vereinsmeierei ist einfach nur grottig. Unglaublich langweilig und anmaßend gegenüber den Beteiligten. Eine Zeitverschwendung ohne gleichen.

Typischerweise hockt vorne »der Vorstand« und die Mitglieder können »Fragen stellen«. Im Vorstand sein heißt, Fachkompetenz besitzen, oder sie zumindest nach außen hin so darstellen.

Dass die ganze Angelegenheit fürchterlich langweilig ist, bemerken die Teilnehmenden an den immer wieder zu hörenden entschuldigenden Bemerkungen der Moderatoren, dass jetzt diese und dann jene Formalität zu erledigen sei, ein Verein verlangt nun mal nach solchen Regeln und Verfahrensweisen.

Und die gegenseitige Unterwürfigkeit bezüglich Kompetenz und Zuständigkeit kennt keine Grenzen. Wenn der eine vorne am Rednerpult etwas sagen will, bittet er gleich den nächsten »Fachmann« ihm doch ins Wort zu fallen, falls er etwas Falsches sage. – Gähn. Was für ein lahmes Getue.

Vielleicht kommt auch deshalb nichts Neues in Deutschland auf die Beine, gesellschaftliche Entwicklungen, notwendige Veränderungen, wenn überall solche müden Zusammenkünfte zelebriert werden.

Viel besser sind moderne, die Internetmedien nutzende Netzwerke aus selbstbewussten Einzelpersonen, in denen niemand den »Sachverständigen« heraushängen lassen muss, sondern alle am Erreichen der gemeinsamen Ziele mitwirken. – Dann können wir auch dieses wenig erbauliche deutsche Vereinsleben hinter uns lassen.

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