Arbeitswelt und Grundeinkommen

Die Ereignisse rund um den Flugzeugabsturz gaben den Bürgern Anlass, über eine Vielzahl von Themen zu diskutieren. Und alles, was wir wissen, was wir an Daten zugänglich haben, dient uns, sich Gedanken zu machen zu den Sachverhalten.

Welche Berufsgruppen gibt es noch, die mit Menschen arbeiten, die bei ihrer Arbeit Verantwortung für andere Personen haben? – Neben den Piloten in einem Flugzeug, sind es die Busfahrer, die Ärzte, die Betreuer von Gruppen von Menschen, Pfleger, Erzieher, Lehrpersonal, Polizisten, Justizbeamte, Richter und natürlich Politiker. – Bestimmt habe ich noch welche vergessen.

Götz Werner sagt über die Wirtschaft, es ist ein »Füreinanderleisten«, wir arbeiten also immer »für andere« und nie für uns selbst. Und dennoch ist es so, dass wir empfinden, wir würden »für uns selbst« arbeiten. Wir meinen das deshalb, weil wir einen Geldbetrag überwiesen bekommen. Und der ist ja »uns«. – Herr Werner weist darauf hin, dass es eigentlich etwas Selbstverständliches ist, für andere zu arbeiten. Eine andere Form von »Arbeit«, ist kaum zu finden. – Wenn es aber etwas Selbstverständliches ist, brauchen wir es auch nicht an »die große Glocke zu hängen« und uns damit brüsten, dass wir diese Arbeit machen.

Aber genau dieses Denken und Verhalten hatte sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten entwickelt. Belohnt werden sollte der Beste. Das ist die Idee einer Leistungs- und Wettbewerbsgesellschaft. Wer die Eingangstests und Prüfungen bestanden hatte, den entsprechenden Schulabschluss nachweisen konnte, der durfte und konnte, und letztlich »wollte« auch viel Geld verdienen. Es war kein freiwilliger Akt des Arbeitgebers, der »Sieger« im gesellschaftlichen Wettkampf sagte sich, ich »muss« jetzt auch viel Geld verdienen, sonst hat sich das Ganze nicht gelohnt.

So kommt es, dass in einer durchaus aggressiven Art von manchen Berufsgruppenvertretern ein bestimmtes Einkommen und Rahmenbedingungen eingefordert werden, eine Art, die als Erpressung beschrieben werden kann. – Und genau an dieser Stelle zeigt sich der Zeitenwandel. Die einen sind noch in der Vergangenheit, in ihrem Denken, und glauben, dass sie »für sich« alles rausholen können, wenn sie sich nur durchkämpfen und die besten Noten in der Schule haben, den besten Abschluss in der Ausbildung und dann haben sie auch ein »Anrecht« auf hohe Bezahlung, und die anderen sehen, dass dieses Denken keine Zukunft mehr hat, weil die Veränderungen der Arbeitswelt ein solches Denken nicht mehr sinnvoll erscheinen lässt, weil durch Rationalisieren, Automatisieren, Computerisieren und Algorithmisieren jegliches Anspruchsdenken im alten Sinne hinfällig wird. – Warum?

Der Arbeitnehmer ist nur noch ein Durchgangsposten. Wir wollen die Ergebnisse des Handelns und nicht den Handelnden vergöttern. Wir sagen, dass die Leistung, die geleistete Arbeit wichtig ist, im Ergebnis, aber wir wollen uns nicht lange aufhalten, bei denen, die die Arbeit machen und sie nicht auf einen Thron, auf einen Sockel heben und verehren, weil sie die Arbeit machen. – Der Arbeitnehmer im alten Sinne meint, er sei etwas Besonderes und müsse dementsprechend behandelt werden. – Die Flugkapitäne, die alle Hebel korrekt bedienen können, waren doch vorbildhafte und imposante Persönlichkeiten, oder wenn wir an die »Götter in Weiß« denken. – Die großen Menschenmassen wollen es aber nicht, dass sich die Herrschaften in den Weg stellen und sagen, »Hallo, respektiert gefälligst unsere Besonderheit, so wie ihr es vor Jahrzehnten auch getan habt«.

Das erinnert mich an die Arbeit in Vereinen.

Vieles dort an Arbeit, oder sogar alles, wird deshalb gemacht, damit »das Ganze«, damit die Organisation funktioniert und ihrer nach außen gerichteten Aufgabe gerecht wird. – Das heißt, die Organisation hat ein bestimmtes anvisiertes Ziel, und deshalb haben sich viele Menschen entschlossen, sich dieser Gruppierung anzuschließen. – Damit diese Aufgabe zum Tragen kommt, müssen unterschiedlichste Arbeiten erledigt werden. Gemeinhin werden die Leute, die diese Arbeiten in einer Organisation erledigen, »Funktionäre« genannt. Sie sorgen dafür, dass die Institution funktioniert. – Und unter diesen gibt es viele, die sagen dann den anderen Teilnehmern im Verein, ICH, IIIIICH, mache diese und jene Einzelaufgabe und habe GANZ VIEL GEARBEITET, ganz VIIIEL gearbeitet für EUUCH, womit sie andeuten wollen, dass wir alle anderen (diejenigen, die ebenfalls Funktionäre sind und diejenigen, die nur die eigentliche Funktion des Vereins in Anspruch nehmen) ganz »klein mit Hut« sein sollten, und dankbar für so viel Großzügigkeit, dass andere für mich schuften und das respektieren und entsprechend entlohnen, oder zumindest anerkennen sollten, wie wichtig diese Personen sind und diese Leute dann entsprechend wertschätzen und in den Himmel heben sollten. – Bekommen diese »wichtigen Persönlichkeiten« in der Gruppe aber dann nicht, was sie fordern, dann werden sie ganz schnell unleidlich und unverschämt und pöbeln und drohen, ihre ach so wertvolle Arbeit nicht mehr machen zu wollen und dann würden wir anderen ohne sie dastehen und sehen, was wir davon haben.

Und im Gegensatz zu dieser Sorte von Menschen gibt es andere, die sehr wohl einsehen, dass für das Funktionieren der gesamten Organisation zusätzliche Arbeiten vonnöten sind, aber sie machen diese Arbeiten einfach, ohne sich dafür bezahlen zu lassen, freiwillig und unentgeltlich, »ehrenamtlich«, weil sie begreifen, dass das Wichtige an der ganzen Organisation, die Erfüllung der Aufgabe ist, zu der die Organisation überhaupt gegründet wurde. – Kurzum, sie lehnen den »Personenkult« ab, der scheinbar von manchen Menschen erwartet wird, damit sie »in die Gänge« kommen.

Es ist somit eine bestimmte Haltung bei den Arbeitnehmern, die eine aggressive Atmosphäre im Arbeitsumfeld erzeugt, die besagt, IHR, für die wir arbeiten, MÜSST euch uns gegenüber so und so verhalten, sonst verweigern wir unsere Arbeit (Streik), oder wir attackieren euch, machen die Arbeit schlecht, und ihr werdet darunter leiden (Drohung).

In den Berufsfeldern, die ich oben genannt habe, gibt es immer wieder Beispiele, Vorfälle, wo die Menschen, für die die Arbeit gemacht wird, zu Schaden kommen.

Die leistungs-, kampf-, und erfolgsorientierten Berufstätigen sehen nicht so sehr, dass sie im Großen und Ganzen der gesellschaftlichen Abläufe, einen (kleinen?) Bereich mit ihrem Tun abdecken, und das sie selbst vom Ergebnis allen Tuns letztendlich genauso profitieren, wie alle anderen auch, nein, ihnen geht es darum, dass alle anderen »aufblicken« zu diesen großen Meistern ihres Fachs und sie besonders wertschätzen. – Dieses Denken ist aber nicht mehr zeitgemäß.

Alle Streiks sind auch ein »in den Weg stellen« gegen die Tendenz, dass diese alten Vorstellungen von Arbeit obsolet sein könnten und das nicht mehr der Arbeitnehmer, sondern die Arbeitsergebnisse hochgeschätzt werden. Denn das ist ja der Weg, den wir momentan gehen. Wir sehen, wir brauchen die Arbeitsergebnisse, sie sind das eigentlich Wichtige, und der Arbeitsprozess ist nur ein Durchlaufposten.

Was aber bedeutet das für das Individuum, das sich nicht mehr so, wie in alten Zeiten orientieren kann, bei seinen tagtäglichen Verrichtungen? – Im leistungs- und wettkampforientierten Tun ist die Gruppe Medium für die Selbstbestätigung, allerdings in einer eher feindseligen und niederträchtigen Weise. Denn der Sieger braucht, um Sieger sein zu können, solche Menschen, die er besiegt hat. Des einen Vorteil wird in der alten Welt immer zum »Nachteil« für die anderen. Da es ja viel mehr Besiegte als Sieger gibt, wird diesen dieses »Spiel« irgendwann nicht mehr schmecken und sie werden »aussteigen«. – Eine bessere Gesellschaft kommt ohne diese Spielereien aus (ich will nicht verhehlen, dass in früheren Zeiten dieser Wettkampfgedanke vielleicht seine Berechtigung hatte) und die Selbstbestätigung wird nicht dadurch erreicht, andere Menschen zu düpieren und schlecht aussehen zu lassen, sondern auf andere, mehr humanere Weise.

Die Voraussetzung dafür ist aber eine andere Gesellschaft. – So wie die Kämpferseelen verzweifelt versuchen, die alte Welt zu erhalten, indem sie ihrer »Arbeitsideologie« nachhängen, von der »Wertschätzung« der Arbeit reden, dass sich Arbeit »wieder lohnen« müsse, und mittels Streiks versuchen, Entwicklungen aufzuhalten, so werden die neuen Orientierungen sich aus veränderten gesellschaftlichen Verhältnissen ergeben. – Es ist wirklich kein Zufall, dass alle Gewerkschaften sich gegen ein Bedingungsloses Grundeinkommen streuben, eben weil diese notwendigen Veränderungen der Arbeitswelt, sich über ein solchen Grundeinkommen ergeben wird.

Sicherlich ist es auch noch in einer Grundeinkommens-Gesellschaft möglich, sich einen Leistungswettbewerb vorzustellen, aber der Punkt ist, dass niemand mehr bei diesem »Spiel« mitmachen müsste und sich alle die wollten, sich dieser Ideologie entziehen könnten. -. Das ist so, als gäbe es bei der Olympiade einen Hundertmeterlauf und mangels Interesse bei den Menschen hätten sich nur 4 Leute für den Lauf gemeldet und 3 Personen dann qualifiziert und bei den millionenfachen Angeboten im Internet, sich unterhalten zu lassen, wäre die Übertragung der Olympiade ein »Nischenthema«, für das sich nur die Wenigsten interessieren.

Ein Bedingungsloses Grundeinkommen würde den Zwang bei Leistungswettbewerben mitzumachen, aufheben. – Das würde auch in der Schule eine andere Atmosphäre schaffen und überhaupt das Lernen viel mehr individualisieren, gemäß der Frage, was ist überhaupt für mich in diesem Leben wichtig und nicht »welcher Arbeitsideologie welches Politikers muss ich mich fügen, weil dieser dementsprechende Gesetze erlassen hat, die mich in die von ihm präferierte Richtung lenken sollen«.

Und wäre es dem Menschen, der Ausgangspunkt dieses Beitrags war, möglich gewesen, seine persönliche Situation in den Vordergrund zu stellen und sich nur dieser zu widmen, wenn er gespürt hätte, dass das notwendig ist, dann wären die Dinge vielleicht anders ausgegangen.

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