Was ist Arbeitsideologie

Stellen sie sich vor, sie würden erst den Abwasch machen und dann die Wohnung putzen.

Den Abwasch machen sie ohne Arbeitshandschuhe, ihre Hände sind auf die Dauer davon rissig und unansehnlich geworden. Aber sie sind ganz stolz, dass sie ihren Haushalt in Ordnung haben, sie sind stolz auf sich selbst, weil sie »konsequent arbeiten«.

Die Wohnung saugen sie mit dem Staubsauger. Sie verwenden keinen Gehörschutz, weil sie das lächerlich finden, obwohl der Staubsauger sehr laut bei der Arbeit ist und sie einige Zeit damit am Tun sind, bis sie die ganze Wohnung gesaugt haben. – Sie würden es lächerlich finden, wenn jemand beim Staubsaugen einen Gehörschutz verwendet. Ihrem Gefühl nach, käme das dem gleich, dass sich derjenige vor der Arbeit »drückt«.

Ortswechsel

Baustelle. Die Arbeiter verwenden beim Flexen keinen Gehörschutz oder Augenschutz. Aus ihrer Sicht sind das »Weicheier«, die so etwas brauchen. Manche haben keine Arbeitshandschuhe, haben völlig verhornte und zerfurchte Hände und zeigen diese gerne als »Beweis« dafür, wie viel sie schon gearbeitet haben.

Fazit

Arbeit muss »wehtun« und irgendwie dem Menschen auch schaden, sonst ist es keine »richtige« Arbeit. – Sie muss belasten, müde machen, erschöpfen. All das dient als »Beweis« dafür, dass gearbeitet wurde.

Arbeit, die leicht von der Hand geht, wird mit Argwohn beäugt. Es kann keine richtige Arbeit sein. Derjenige, der so arbeitet »drückt sich« doch eher vor der Arbeit. – Echte Arbeit ist wie »Sklavenarbeit«. Schwer und belastend. Oft nicht gewollt und gemocht. Aber irgendwie notwendig, erzwungen.

Der Arbeitsideologe überbewertet die Arbeit. – Er macht aus ihr einen Popanz. Er will seine Vorstellung von Arbeit anderen Menschen aufnötigen. Er mag es nicht, wenn Menschen die Arbeit, an der er lange und fast religiös behaftet dranhängt, schnell und korrekt erledigen, um sich dann anderen (wichtigeren?) Dingen zuzuwenden.

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