Bedrückung

Dasein geht nur durch andere. – Mit diesen in einem guten Verhältnis zu sein, ist wichtig. Jeder Streit sollte sich hernach in einer Versöhnung wieder auflösen. – Tut er das nicht, »sammelt« sich das Negative in der Seele. Und »frisst« an den Kräften und verdüstert den Tag.

In dem Buch »Meine Sprache wohnt woanders« schreibt Lea Fleischmann, dass die deutschen Kirchen mit keinem Wort auf die Synagogenbrände reagierten und sich nicht solidarisch mit den Juden erklärten. Am 8. und 9. November 1938. Und auch das deutsche Bürgertum schwieg zu diesen Vorgängen.

Das aber haben sich die Menschen gemerkt. Und auch deshalb sind heute die Kirchen leer. – Wer behauptet »Gottes Wort« zu vertreten, der darf sich nicht zurückhalten, wenn die Orte, in denen dieses Wort verkündet wird, zerstört werden. – Die Menschen sahen, dass das nicht glaubwürdig ist, was die Kirchenvertreter taten.

Aber dann ist nicht die Religion »ohne Botschaft«, es sind deren Verkünder, die mit leeren Händen dastehen.

Dasjenige, was in Organisation überführt wird, muss weiterhin von Leben erfüllt sein. Viele der heutigen und vergangenen Institutionen sind aber Betrügerclubs. – Die Lüge, die in ihnen lebendig ist, rührt daher, dass sie alle von egoistischen Interessen missbraucht werden. – Wer sich in Bildungsinstitutionen begibt, weil er weiß, dort ist er »versorgt«, der hat andere Interessen, als große Leistungen in Wissenschaft und Forschung zu erbringen. Viele, die in den Staatsdienst oder in die Verwaltung eintreten, haben das Pekuniäre im Visier. Und nicht den Anspruch, bestmöglich für die Bevölkerung zu wirken.

Auch die Kirche ist eine Organisation, die Vorteile bietet, demjenigen, der sich ihr anschließt. Wer berechnend ist, und da es immer schwer war, einen sicheren Arbeitsplatz zu ergattern, kommt das durchaus vor, der sieht seine persönlichen Vorteile als wichtiger, als irgendwelche hehren Ansprüche einer Gruppe oder Gemeinschaft.

Institutionen und Organisationen haben etwas Unehrliches an sich. – Sie sind eher Fassade, hinter der sich »weitere Interessen« ausbreiten, als es nach außen sichtbar ist. Nach außen werden die ursprünglichen Absichten, von Menschen einmal abgefasst, nur plakativ verbreitet und diese Anliegen mehr oder weniger lustlos vertreten. – Der Pfarrer bekommt von der Kirche ein ganzes Haus zur Verfügung gestellt. Hat eine Haushälterin und bekommt von seiner Glaubensgemeinschaft noch dieses oder jenes zugesteckt. – Soll er jetzt »Gottes Wort« verteidigen und dieses bequeme Leben aufs Spiel setzen. – Es ist aber auch wahr, dass jeder der sich aus der Deckung wagt, mit allen Konsequenzen rechnen muss. – Die Nazis waren ja schnell dabei, diejenigen zu töten, die sich gegen sie stellten.

Dann muss auf lange Sicht überlegt werden. – Wie gestalten wir Gesellschaften, in denen diese Art von Bedrohung »dauerhaft verhindert« ist. In der Einleitung von Martin Luther Kings Buch »Where do we go from here: Chaos or Community« schreibt Vinzent Harding von den »3 Übeln«: Materialismus, Rassismus und Militarismus.

Alles Schlechte muss sich umsetzen können. Wenn wir es kennen, sollte es möglich sein, dieses in Zukunft zu verhindern. – Wer kann das tun? Alle Menschen, die sich in diese Richtung orientieren wollen. – Erfolgreiche Gewaltausübung muss unter der Kontrolle der Gerechten sein. Wer das ist, kann sich aus den Grund- und Menschenrechten ergeben. – Organisation für das Gerechte, ein gemeinsames Wissen darüber, das sind Grundlagen für eine erfolgreiche Lebensgestaltung, bei der wir nicht immer wieder von den »Bösen« berichten, dass sie schon wieder unser Leben verdorben haben. – Der Anspruch in diese Richtung geschieht durch »Orientierung« in der Welt. Welche Dinge sind wichtig für die Lebensgestaltung, welche Schwerpunkte sind zu setzen. Wie ist vorzugehen.

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