Archiv für den Monat August 2015

Gegenwart als Fortsetzung der Vergangenheit – oder »Wo ist das Neue.«

Der Autor schreibt über die DDR-Jahre in den 60ern. – Die beginnende Bespitzelung, die Feststellung, dass manche Bürger nicht zu dem Staat passen, der da existiert. Die Frage nach einer angemessenen und richtigen Beteiligung in der Gesellschaft steht da zur Debatte.

Das ganze Szenario wirkt bedrückend. Die Unterwerfung gemäß einer Staatsideologie, einer Vorstellung von Gesellschaft, die von interessierten (mächtigen?) Kreisen den anderen Menschen nahe gelegt wird. Bestimmte Organe im Staatsapparat haben die Aufgabe für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Menschen, die die Gesellschaft in ihren Grundfesten bedrohen, werden ihrerseits bedroht und zur Not »kaltgestellt«. – Menschen, die mit ihren Äußerungen, Verlautbarungen, Handlungen die Mitbürger in Unruhe versetzen, werden in ihrem Fortkommen behindert, auspioniert, ausgebootet.

Und in welcher Gesellschaft leben wir heute. – Ist es denn jetzt anders?

Wenn wir öffentliche Diskussionen veranstalten, geraten die Menschen aneinander. Wir können die Meinung der jeweils anderen nicht ertragen und werden unruhig, laut, zuweilen auch aggressiv. – Und sind es Überlegungen und Ansichten, die wir überhaupt nicht hören, aushalten und akzeptieren können, dann kann es sein, wir greifen zur Gewalt.

Haben wir häufiger solche öffentlichen Diskussionen, in denen Aufruhr entsteht, wird die Staatsgewalt einschreiten und diese Diskussionen verbieten. – Meinungsfreiheit hin oder her.

Oder nehmen wir Beispiele aus dem Ausland, aber keine aus dem Osten, weil da die Zustände von damals, die hier als Ausgangspunkt der Betrachtung dienten, fortbestehen. – Länder, die sich selbst mit Demokratie und Freiheit identifizieren, können mit der düsteren DDR-Zeit verglichen werden. USA. – Wer nicht die Ideologie des Staates vertritt, sollte wenigstens schweigen. – Wer sich aktiv für eine Gesellschaft einsetzt, die nicht von den Offiziellen gutgeheißen wird, der wird bedroht und verfolgt, zum Schweigen gebracht oder abgedrängt. – Und selbst wer in der einzigen Demokratie des Nahen Ostens lebt, wird von Spitzeln umgeben sein, wenn sein Verhalten für Unruhe in der Bevölkerung sorgt und die Person vom Staatsapparat als »gefährlich« eingestuft wird.

Mit anderen Worten, die DDR hat damals etwas getan, was in allen Staaten auf irgendeine Weise bis heute überall auf der Welt geschieht.

Aber natürlich gibt es Unterschiede zwischen all diesen Staaten. – Und trotz dieser von mir herausgearbeiteten Gemeinsamkeiten bis in die heutige Zeit, sind diese Staaten für die Menschen unterschiedlich attraktiv oder bedrohlich. – Es fängt schon damit an, dass die Bürger der DDR eingesperrt waren. Wer fliehen wollte, wurde erschossen. Das macht dieses Land bis zum Gehtnichtmehr unattraktiv. – Und vielleicht bietet ein Land wie die USA so viele Möglichkeiten sich selbst zu verwirklichen, dass die Idee, den Staat zu bedrohen und zu bekämpfen, nur für die Wenigsten in Frage kommt.

Der Staat, das sind die Verwalter. – Schnell mischen sich unter die Verwalter Besserwisser und Kontrolleure. – Und ursprünglich waren die Verwalter vom Souverän, dem Bürger beauftragt und dann verkehrt sich die Situation und die Bürger sind von den Verwaltern unterjocht, indem diese »Staatsbediensteten« ihren Auftrag missbrauchen, um die Auftraggeber zu unterwerfen.

Was bringt die Zukunft. – Im Zuge der technischen Entwicklung (Rationalisieren, Automatisieren, Computerisieren und Algorithmisieren) werden Gestaltungsaufgaben immer häufiger den Verwaltern entzogen, sodass die Bürger entsprechende Tätigkeiten selbst übernehmen. – Wenn wir bedenken, dass heute ein Großteil der Arbeit von Verwaltern in der Kontrolle der Bürger besteht und diese Kontrolle überflüssig wird, ist absehbar, wohin die Reise geht.

Das Verschwinden der Apparatschiks ist die Folge einer natürlichen Entwicklung.

In der Kirche ist ein Bild zu sehen, auf dem »oben im Himmel« jemand ist und »unten auf der Erde« sind die Menschen. Aber der im Himmel sieht aus wie ein Mensch. – Materiell auf der Erde sein, ist ein Zustand. In ihn sind wir hineingeraten, es ist eine Aufgabe. Aus ihm heraus kommen wir wieder. – Nicht-materiell sein, ist unsere Ewigkeit. – Aus Fleisch und Blut sind wir eine Zeitlang.

Die Kirche hat bis auf die Touristen keine Besucher. – Wie auch das »Haus der Begegnung« menschenleer ist. – Bei den Arbeiter-Samaritern hingegen, ist die Bude propenvoll. Die Parteikultur macht den Mangel in der Gesellschaft wett.

Gegenwarts-Literatur. Welche Autoren kommen da spontan in den Sinn. – In der Bücherei gibt es keine solche Kategorie. Es gibt »Persönliche Erfahrungen«, Romane der Zeitgeschichte. Ich finde »Houellebecq«, Gauck-Biographie. – Ich suche Pirinçci, Akif. Den gibt es aber nicht in der Bücherei. – Sein Buch »Deutschland von Sinnen« kostet bei Amazon 15 Euro als eBook. – Das ist mir zu teuer. Für 10 Euro hätte ich es gekauft. – Unter dem Buch steht, dass dieser Preis vom Verlag festgelegt wurde. Der Autor war nicht selbst in der Lage zu sagen, welchen Preis sein Buch haben soll? – Warum 15 Euro, wenn alles an Kosten rund um das Drucken eines Buches wegfällt.

Wenn das Buch in der Bücherei gewesen wäre, hätte ich es mir ausgeliehen. Aber so fehlt mir ein Beispiel für Gegenwarts-Literatur in Deutschland. – Sicher, es werden jedes Jahr Dutzende von Büchern veröffentlicht. Es dürfte doch nicht so schwer sein, ein Buch aus dieser Kategorie zu besorgen. Dennoch. Es soll nicht irgendeinen Roman sein, in dem die Welt ganz, ganz persönlich dargestellt wird, sondern ein Werk, in dem Bezug genommen wird, auf die heutigen Verhältnisse. – Und ja, es stimmt. Ganz entscheidend ist für mich, wie ein solcher Autor zu Hartz4 steht, zum Bedingungslosen Grundeinkommen und zu den Menschenrechten. – Pirincci beschreibt ja mehr das, was schlecht ist, an unseren Gesellschaften. Aber ich hätte einmal hineingeschaut, in welcher Weise dies Gegenwarts-Literatur ist.

Himmel

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Öffentlicher Raum – Wie ist er zu gestalten

Nehmen sie einfach an, sie seien in einer Kleinstadt und es regnet und sie wollen sich nicht in der Wohnung aufhalten, sondern im Öffentlichen Raum. – Wie sollte dieser aussehen.

Ein öffentlicher Platz, ein großes rechteckiges Haus, die eine Seite des Gebäudes ist mehr für ruhige Beschäftigungen, die andere Seite mehr für laute Unternehmungen vorbereitet. Beide Seiten sind mit großzügigen Fensterfronten ausgestattet. Im ruhigen Bereich sind Stühle, Tische, aber außerdem viele bequeme Sessel, um angenehm lesen oder mit dem Tablet-PC arbeiten zu können. Es ist ebenso möglich zu schlafen, in Liegestühlen, auf Liegen. – In dem anderen Teil des Hauses kann Tischtennis gespielt, gesungen, Gitarre oder Klavier gespielt werden.

In einem weiteren Haus sind richtige Schlafmöglichkeiten vorhanden. Die Übernachtung, der Aufenthalt dort ist kostenlos.

Was bedeutet Öffentlicher Raum? Öffentlicher Raum ist für alle Menschen da. – Es ist der Raum, der uns allen gehört, der nicht in Privatbesitz ist. Öffentlicher Raum muss von uns Menschen gepflegt und gehegt werden. Denn wenn wir ihn nicht nutzen, tut es ein anderer Mensch. – So muss der Öffentliche Raum immer in guter Verfassung sein.

Nehmen wir als Beispiel einen heutigen Urlaubsort. – Alles, was von der Gemeinde den Urlaubern zur Verfügung gestellt wird, ist für diese zur Nutzung gedacht. – So wird die Gemeinde die Güter pflegen und hegen, damit die Urlauber sich wohlfühlen und wieder kommen. – Denn sonst würden die Urlauber sagen, die Öffentlichen Anlagen sind nicht gepflegt, es sind zu wenige Öffentliche Anlagen vorhanden, dorthin gehen wir nicht mehr, die Gemeinde macht ihre Arbeit nicht gut.

Als Jugendlicher konnte ich immer wieder erleben, dass Öffentliche Anlagen zerstört wurden. Die Anlagen wurden von niemandem betreut oder in viel zu großen Zeitabständen, es bestand kein Bewusstsein dafür, dass solche Angebote der Gemeinschaft für den Einzelnen von Wert sind.

Die Obdachlosen zum Beispiel, sind unsere Mitbürger. – Für sie wären funktionierende Öffentliche Anlagen besonders wichtig, weil sie von deren Vorhandensein abhängig sind. – Toiletten, aber auch Duschen, Bäder, Umkleideräume, Schlafräume. Diese Einrichtungen müssen, wie gesagt, betreut werden. Jemand muss nach den Anlagen schauen, dass sie gut in Schuss sind.

Aber auch für Durchreisende, junge Menschen, Personengruppen, die viel unterwegs sind, wären solche Angebote von Wert. – Ja, es könnte sogar sein, dass wir Bürger überhaupt einen Lebensstil uns angewöhnen, bei dem wir viel reisen und dann sind solche Angebote absolut notwendig.

Und um diesen Gedanken abzurunden kann gesagt werden, dass ein Grundeinkommen [1] zur »Zuordnung« vollumfänglich geeignet wäre. – Stromverbrauch wird mit einer individualisierten Verbrauchskarte belegt, mit der ebenso alles übrige zugeordet wird. [2] Da die Grundversorgung allen Menschen gemäß ihres Menschseins zusteht, wird diese nicht mehr »bezahlt«, sondern nur noch den einzelnen Personen beigemessen. – Von Bezahlen kann da nicht mehr gesprochen werden.

Diese Lebenswelt scheint futuristisch anzumuten. Dabei ist sie schon längst in der Erprobung und wird eingeübt, wie ich an dem Beispiel der Urlaubsorte zeigen konnte. Und die »Beimessung« geschieht heute bereits durch ALG II.

Unser aller Aufgabe ist es, neben unserem privaten Leben (Privatleben), ein Öffentliches Leben uns vorzustellen, uns darin zu üben und uns für ein solches einzusetzen. – Es ist eine Aufgabe, die in weiten Teilen heute von den »Politikern« mehr recht als schlecht erledigt wird. – Diese Gestaltung der Lebenswelt sollte unser aller Anliegen sein.

[1]
Bedingungsloses Grundeinkommen (bGE)

[2]
Alles, was zur Existenzsicherung notwendig ist = Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie