Probleme politischer Arbeit (1)

Nehmen wir eine Gruppe an, die sich für eine Geldreform einsetzt, und sie macht eine Powerpoint Präsentation, bei der sie Grundlegendes ihrer Arbeit darstellt.

Die ersten beiden Folien beziehen sich auf die Gesellschaft und wie das Geldsystem in sie integriert ist. Und die Frage, »was ist Geld?« wird mit einer möglichen Antwort abgetan, nämlich, Geld ist, was man mit diesem macht. – So wurden diese beiden Folien in 10 bis 20 Sekunden vorgestellt. Das war es.

Mit anderen Worten, die Gruppe ist hauptsächlich mit der Umsetzung ihrer Vorstellung eines neuen Geldsystems beschäftigt. Die Grundlagen für dieses neue System, werden kurz gestreift, wenn überhaupt. – Aber ist das nicht das Aller-, Allerwichtigste?

Wenn wir an bestimmten Einstellungen unseres Gemeinwesens herumschrauben, dann doch nur, wenn »das Ganze« von uns bejaht, verstanden, akzeptiert und als richtigen Weg erkannt wird.


Ich weise jetzt auf einen Umstand hin, für den ich an anderer Stelle dieses Blogs eine genau entgegengesetzte Meinung vertreten habe. – Ich hatte gesagt, dass in Initiativen und Organisation sich die Menschen für »ein Thema« engagieren sollten, weil dies die Gefahr von Inkompatibilitäten bei Einstellungen und Urteilen unter den Menschen verhindern könnte. Wenn wir zu vielen Themen unterschiedlicher Meinung sind, können wir nicht zusammenarbeiten. Deshalb sollten wir ein Thema heraussuchen, dieses zum Ziel führen und uns dann, womöglich in anderen Konstellationen für weitere Themen einsetzen.

Nun nehme ich diese Geldreform-Gruppe und weise auf einen entgegengesetzten Umstand hin.

Das kam so. – Die Gruppe hatte am Ende ihrer Ausführungen gefragt, wie geht es weiter, welche Aktionen machen wir als nächstes, welche Projekte nehmen wir in Angriff, um unsere Ziele zu verwirklichen. Mit wem wollen wir uns vernetzen und Kooperationen eingehen.

Über diese Frage und Betrachtung wird deutlich, dass das Geldthema mit vielen anderen Themen korreliert. Und plötzlich ist wieder »das Ganze« der Gemeinschaft im Blick und es ist zu erkennen, dass das Geldsystem Einfluss hat auf die Lebensqualität, indem es Armut und Reichtum beeinflusst, die Verschuldung steuert und auf den Ressourcenverbrauch massiv einwirkt, indem Wachstumszwänge entstehen oder eben nicht.

So könnte eigentlich auch von den Geldsystem-Reformern die Frage gestellt werden, »in welcher Welt will ich leben?«, wie muss sie aussehen, zusätzlich zu einem modernen und transparenten Geldsystem.

Im Grunde müssten diese Aktivisten den ersten Teil ihrer Powerpoint Präsentation, den sie in 10 Sekunden abgearbeitet hatten, zu etwas ganz Großem ausbauen, zu etwas, was einen ganzen Arbeitstag ausfüllt. – Sie müssten erkennen, dass die Stellschrauben zwar richtig einzustellen sind, aber eigentlich etwas Größeres gemeint ist.

Das, was die Geldreformer nicht diskutierten, und sehr schnell eigentlich zu einer Vernetzung der verschiedenen Ansätze führen kann, möchte ich hier kurz erwähnen.

Was ist Geld? Diese Frage ließe sich mit dem Publikum gemeinsam diskutieren. Aber vielleicht machen sie es nicht, weil sie befürchten, ihnen könnte der Boden unter den Füßen entzogen werden. – Das Geld ist ein »untergeordneter« Aspekt des wirtschaftlichen Zusammenlebens der Menschen. Produkte und Leistungen sind das Wichtigste. Geld vermittelt den Austausch.

Das Geld ist in das Gesellschaftssystem integriert. – Wie aber sieht das Gesellschaftssystem aus, heute, und welches wollen wir, welches ist angemessen?

Wollen wir weiterhin die Parlamentarische Demokratie, inklusive »Pateiendiktatur«, und dominiert sein, durch ein politisches Regime, das gut und gerne auch ohne die Mitwirkung der Bürger auskommt, es sei denn, der Staat kann diese »zwingen« etwas zu tun?

Wollen wir eine Direkte Demokratie. Welche Wirtschaft ist die angemessene in der heutigen Zeit. Welche Wirtschaft haben wir heute. Werden die Bürger auf Anweisung des Staates versklavt, an irgendwelche Arbeitgeber verschachert und zur Jobcenter-Zwangsarbeit genötigt. Entspricht das unseren Vorstellungen von einem guten Staat? Was denken die Geldreformer zu diesen Umständen?

Welchen politischen Orientierungen hängen die Geldreformer an. – Sind sie Parteigänger, bei der CDU, den Liberalen. Befürworten sie die Hartz4-Sanktionen, finden sie Zwangsarbeit gut? Was halten sie von einem Bedingungslosen Grundeinkommen (bGE).

All das bleibt im Dunkeln. – Es ist nicht klar, welche politischen Ansichten haben die Protagonisten der Geldreform. – Kann es sein, dass sie so lange keinen Erfolg mit ihrer Arbeit haben, solange sie nicht auch ihre übrigen Einstellungen, Haltungen, Urteile zu den gesellschaftlichen Umständen kundtun?

Möglicherweise gibt es also Themen, die sich tatsächlich relativ isoliert von den übrigen gesellschaftlichen Zuständen abarbeiten lassen. Ich nenne hier den Rundfunkbeitrag. Möglicherweise ist es bei diesem Thema nicht nötig, den Umstand in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang stellen zu müssen, und dennoch können die Menschen für eine Abschaffung dieses offensichtlichen Unrechts gemeinsam eintreten.

Beim Geldsystem scheint es mir anders zu sein. – Deutlich wird dies, wenn über »Verbündete« nachgedacht wird, die sich auch für das Thema »Geld« interessieren könnten.

Amnesty International müsste sich eigentlich für das Thema »Geldsystem« interessieren, weil mit einem guten Geldsystem vieles an Ungerechtigkeiten beendet werden könnte. Dramatische Überschuldung von Privat- und Länderhaushalten, Einkommensungerechtigkeiten. Diese Dinge lassen sich alle über die Menschenrechts-Artikel genauer spezifizieren. Wenn Amnesty nicht selbst darauf kommt, können andere Initiativen sie darauf stoßen.

Greenpeace – warum setzt sich »Greenpeace« nicht für eine Geldreform ein? Auch diese Gruppierung und ihre Vertreter sollten schon einmal von der Vollgeld-Idee gehört haben. – Unser jetziges Geldsystem führt zu einer überzogenen Verwertung unserer Natur, weil »um jeden Preis« Wirtschaftswachstum erzeugt werden muss, um Schulden zu begleichen. – Schulden aber, sind logischer Bestandteil unseres heutigen Geldsystems.

Und natürlich sollten alle Grundeinkommens-Befürworter sich für einen Geldsystem-Wechsel interessieren. Zwar kann in einer Grundeinkommens-Gesellschaft das Grundeinkommen auch »ohne Geld« an die Bürger verteilt werden, aber das heutige Geldsystem sollte so schnell wie möglich ersetzt werden, da es große Schäden unter den Menschen bewirkt.

Fazit:

Politische Arbeit muss Thema für Thema angeschaut werden, wie sie sich letztlich am sinnvollsten gestalten lässt. – Die Geldsystem-Reformer tun sich keinen Gefallen, wenn sie sich zu sehr von anderen Fragestellungen in der Gesellschaft isolieren. – Sie kommen zwar auch zu diesen anderen Themen, wenn sie nach Bündnispartnern Ausschau halten. Dann müssten sie erkennen, das »ihr Thema« ganz viel mit anderen Themen der Gesellschaft zu tun hat.

Besser wäre es aber, wenn sie gleich erkennen würden, die Geldsystem-Reform lässt sich am ehesten denken, wenn sie eingebettet in einen Gesamtzusammenhang dargestellt wird. – Aber dieser könnte vielleicht ganz schnell zu der Erkenntnis führen, dass eine Geldsystem-Reform gar nicht so dringend ist und andere Schritte viel effizienter und schneller wirkend, gesellschaftlich viel größere Bedeutung hätten. – Dies könnte natürlich das Selbstverständnis manches Geldreformers erschüttern, aber andererseits zu einer stringenteren Nutzung der eigenen Ressourcen führen.

Dann aber käme in den Blick: Für alle Menschen muss eine lebenswerte Welt geschaffen werden, und wir wirken dabei mit, dies zu erreichen. – Kaum ein Einzelthema rechtfertigt eine »Käseglocke«.

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