Mehrdimensionale Sichtweise bezüglich Einzelthemenbehandlung

Norbert Häring hat einen interessanten Artikel veröffentlicht, der darauf hinweist, dass es nicht mehr genügt, sich »einem Thema« zu widmen. – Es muss gleichzeitig immer überprüft werden, ob die Art, wie das Thema angegangen wird, nicht noch weitere Themenfelder tangiert. Ist dies der Fall, muss zusätzlich eine »Gesamtbetrachtung« vorgenommen werden, wie das Thema in der Öffentlichkeit platziert wird.

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Ich möchte jetzt nicht Herrn Härings Hinweise weiterbehandeln, sondern den Zusammenhang anhand eines beliebigen Beispiels verdeutlichen. – Stellen sie sich vor, sie würden eine Veranstaltung zum »Umweltschutz« machen, und den »Raubbau an der Natur« in einer ausschweifenden Darstellung eines Einzelfalls versuchen. Eigentlich eine völlig harmlose Angelegenheit, die wieder mal deutlich macht, wie wir mit unserem Planeten umgehen und das wir das so nicht machen sollten. – Eine typische »Ein-Themen-Veranstaltung«, wie sie so in ähnlicher Weise ständig vorkommt.

Doch wenn wir die Lupe nehmen und uns die Veranstaltungsankündigung genauer anschauen, fällt doch einiges auf. – Der Referent hat schon häufiger mit dem öffentlichen Rundfunk zusammengearbeitet, heißt es in der Beschreibung, und mehrere Produktionen hat er für die öffentlich-rechtlichen Anstalten gemacht. – Uupps. Das erste Fettnäpfchen. – Wie kann eine Veranstaltung mit einem Referenten geplant werden, der mit unlauteren Mitteln sich sein Einkommen aufbessert? Wer von »weggenommenem Geld« lebt, kann nicht als Gesprächspartner ernst genommen werden. Solche Leute einzuladen, ist empörend. – Der Rundfunkbeitrag, mit dem solche Personen sich ihren Lebensunterhalt verdienen, ist eine Unrechtskonstruktion, gegen den millionenfacher Protest in ganz Deutschland stattfindet.

Dann müssen wir noch einmal auf das Thema selbst schauen. Umwelt ist wichtig. Ohne Frage. – Geht es darum, wer Schuld hat? Der Veranstalter schreibt in seiner Ankündigung, dass der »obszöne Konsum« die Ursache ist und »Wachstum« die Ausbeutung des Planeten antreibt.

Jetzt wäre zu schauen, wer kommt zu der Veranstaltung. Wahrscheinlich der »gewöhnliche Mensch«, der Durchschnittsbürger, die »ökologisch Interessierten«. Während der ganzen Veranstaltung wird gezeigt, wie die indigenen Einwohner von dem »weißen Mann« fertiggemacht und ihr Land ruiniert und ausgebeutet wird. Der Durchschnittsbürger in der westlichen Industrienation. wird sich zwei Stunden oder länger diese Anklagen anschauen und mit einem schlechten Gewissen heimgehen, »weil er auch weiß ist«. – Aber wer sind die Schuldigen an der Ausbeutung der Rohstoffvorkommen in aller Welt? Millionen von Dollar oder Euro sind vonnöten, um Firmen auf die Beine zu stellen, die für solche Freveltaten verantwortlich sind. Der »kleine Mann« hat das Geld gar nicht, um dieses Unheil anrichten zu können. – Und trotzdem hockt er da und darf »sich den Schuh anziehen«. – »Die Reichen«, die diese ganzen Geschäfte machen, und auch den meisten, insbesondere den »obszönen« Konsum zu verantworten haben, werden nicht bei dem Termin anwesend sein, und sich die Anklagen anhören.

Und wie sieht es aus mit »Wachstum«? Wessen Steckenpferd ist das? Mit Wachstum hat der gewöhnliche Bürger gar nichts am Hut, weil für wirtschaftliches Wachstum Investitionen notwendig sind. Die Gelder dafür kommen von den Banken und angetrieben wird der Wachstumswahn von unseren Regierungen und Parteipolitikern. – Auch diese sitzen nicht bei der Veranstaltung. Wozu auch. Sie wollen mit Investitionen und Wachstum neue Arbeitsplätze schaffen. Da muss der Umweltschutz halt zurückstehen. Es geht nicht anders, werden die sagen. – Von ihrer »Arbeitsideologie« werden sie nicht abrücken.

So bleibt nur der sozial und umwelt-engagierte »harmlose« Bürger übrig, der es sich gönnt, alles auf seine Kappe zu nehmen. – Wenn man schon nichts ändern kann, so sollen wir doch wenigstens darunter »leiden«, dass die Welt so schlecht ist und wir sollen denken, »irgendwie sind wir ja Mitschuld an dem Elend«.

Es ist allerdings auch möglich, solche Ein-Themen-Veranstaltungen »mehrdimensional« zu sehen, sie unter die Lupe zu nehmen, und dann lässt sich die Zeit sinnvoller verbringen, wenn die negativen Aspekte eines Projektes erkannt werden.


Natürlich sollen alle Menschen sich informieren, über die Vorgänge in der Welt, was alles Negatives passiert. – Aber heute sollten wir solche Veranstaltungen anders konzipieren. Wir sollten mit »unbelasteten Personen« arbeiten und den Schwerpunkt auf die »sinnvolle Veränderung« legen. – Statt stundenlange Anklagen, besser »Lösungswege, wie wir da rauskommen«, wie wir nachhaltig leben können, ohne übermäßigen Ressourcenverbrauch, ohne Umweltschäden anzurichten. – Und das ist möglich.

Statt den Arbeitsideologen zu folgen, mit ihrem Wachstumswahn, der die Umwelt zerstört, könnten wir in den Gesellschaften ein Bedingungsloses Grundeinkommen einführen. – Dies würde augenblicklich zu einem ressourcenschonenden Wirtschaften führen. – Warum?

Weil niemand mehr verpflichtet wäre, jeden Unfug zu arbeiten, nur weil die Jobcenter einen dazu nötigen, nur weil einer einen Job anbietet, der angenommen werden muss, damit die Existenz gesichert ist, obwohl der Arbeitgeber, ein Sägewerkbetreiber, den ganzen Wald abroden will. Und so macht der Arbeitslose mit, bei der Umweltzerstörung, nur weil er das Geld zum Leben braucht, und nicht, weil er diese Arbeit, diese Taten gut findet.

Mit einem Grundeinkommen hätte der Arbeitslose »Wahlfreiheit«. Er könnte sagen, bei dem Sägewerkbesitzer arbeite ich nicht. Der zerstört den Wald. Und bei dem Waffenproduzenten arbeite ich auch nicht. Der versorgt mit seinen Waffen die Mafia, die Kriminellen und die Schützenvereine. Und der Arbeitslose könnte sagen, ich arbeite nur in den Bereichen, die »notwendig« sind. – Und das bestimme ich selbst, das erkenne ich selbst.

Und so könnten Umweltschutz-Veranstaltungen auch sinnvoll zustande kommen. Zum Beispiel wenn sie von Umweltaktivisten gemeinsam mit Grundeinkommens-Befürwortern gemacht werden. Dann ist das eine »produktive« Sache. Und es geht nicht darum, sich gegenseitig zu beschuldigen, sondern gemeinsam die Gesellschaften konstruktiv und erfolgreich voranzubringen.


Jetzt werden sie vielleicht noch fragen, was hat das nun mit Norbert Härings Artikel zu tun. – Ja, sie machen eine Veranstaltung »gegen Diskriminierung«. »Ihr Klientel« wird diskriminiert. Und dann werden sie gefragt, ob sie auch gegen die Diskriminierung der anderen sind. Der »einen« anderen. Wenn sie »ja« sagen, haben sie damit aber die Interessen der anderen Diskriminierten verletzt. Und das hätte ihnen nicht passieren dürfen. Sie werden wegen dieses Fehlers ein »Etikett« erhalten, dass sie nur noch schwer loswerden. – Das bedeutet, wenn sie eine Veranstaltung machen, zu einem Thema, dann müssen sie »alle« Aspekte berücksichtigen, die mit ihrer Aktivität in Verbindung stehen können, um nicht bei einem »Fehlverhalten«, in eine Schublade eingeordnet zu werden.

Oder nochmal anders formuliert: Niemand darf mehr so naiv sein, und einfach eine Haltung oder eine Idee haben und das so öffentlich machen. Oder schlimmer noch, »neutral« einen Sachverhalt beobachten. – So etwas ist einfürallemal vorbei. Wer kein Zuhause hat, ist womöglich auf Seiten des Feindes. Bei wirklich allen Positionen des Lebens müssen wir jetzt immer im Gepäck haben, unsere unbedingte Loyalität zu den Einen oder den Anderen. – Auf beiden Seiten als getarnter »Reporter« rumschnüffeln, geht nicht mehr. – Und wahrscheinlich macht sich schon ein Blogger verdächtig, wenn er sich nicht auf seiner Seite »solidarisch erklärt« für die gerechte Sache der Einen. Dass er gleichzeitig auch Verständnis hat, für die anderen, ist unmöglich und undenkbar. – Es gibt nur »entweder, oder«.

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