Archiv für den Monat August 2017

Kommunikation, neue Medien und Parteien

1. Dialog oder Monolog?

Eigentlich ist das gar nicht so wichtig. – Wir können sowohl als auch uns unterhalten.

»Dialog« ist unter uns Menschen möglich, wenn wir ein genügend Maß an Übereinstimmung in unseren Ausführungen entdecken. Dann wird das Gespräch zu einem »gemeinsamen« Gespräch. Und wir können unseren Gedankenaustausch vertiefen.

Stellen wir aber fest, dass die Unterschiede in unseren Ansichten überwiegen, dann tauschen wir uns in Form von Monologen aus. Das geht auch. – Das ist dann das »Maximum der Gefühle«, einander zuzuhören.

Und erscheinen uns die Äußerungen eines Mitmenschen unerträglich, dann hören wir »weg«, hören wir nicht zu und warten, bis derjenige mit seiner Zeit fertig ist, die ihm in einer Gesprächsrunde eingeräumt wurde.

Einen »Bürgerdialog« unter uns Menschen gibt es nur, wenn ein ausreichendes Maß an Übereinstimmung vorhanden ist.

Wenn wir also über das »Grundeinkommen« miteinander reden, dann ist das in dialogischer Form nur möglich, wenn genügend Übereinstimmungen vorhanden sind. Wer sich zu einem Gespräch über das Grundeinkommen anmeldet und dann Dinge erzählt, Standpunkte vertritt, die nicht als »angemessen« erlebt werden, dann ist das Gespräch schnell zu Ende. Derjenige hat in dem Fall nur das Stichwort »Grundeinkommen« genutzt, um ins Gespräch zu kommen.

Das Stichwort »Grundeinkommen« allein reicht nicht, um miteinander zu reden, wenn es nicht von Ansichten getragen ist, die wir teilen!

Aber eine monologische Gesellschaft kann ebenfalls funktionieren, wenn die unterschiedlichen Standpunkte (Monologe) sich in einer Abstimmung als Optionen wiederfinden, und für alle zur Wahl stehen. Und eine »Mehrheitsentscheidung« von den in der Abstimmung Unterlegenen, akzeptiert wird.

Der Bürgerdialog in einer Bürgergesellschaft ist somit eine Fiktion. Ein Wunsch.

Tatsächlich haben wir immer nur mit einer begrenzten Zahl von Menschen ein höheres Maß an Einschätzungsübereinstimmungen. Und mit vielen anderen, mit den meisten anderen eine Differenz in den Einschätzungen und Bewertungen der Lebenswelt.

Wie können wir dann aber zusammenleben?

Wir suchen in der komplexen Welt unsere Nischen. In diesen leben wir das Leben, das uns gemäß erscheint. Wir versuchen uns, einer Normierung und Einpassung zu entziehen. Dort, wo es geht, bemühen wir uns, die Umstände unseren Bewertungen gemäß zu beeinflussen. Wir stehen im Wettstreit mit anderen Menschen um die »Deutungshoheit«, über die Dinge des Lebens.

Dass wir miteinander also gleich in ein vertrautes Gespräch geraten, ist eher unwahrscheinlich oder ein Glücksfall, was schon einmal passieren kann.

Somit kann es total verlockend sein, mit Leuten, die unter dem Stichwort »Grundeinkommen« umherziehen, gemeinsame Sache zu machen und mit denen dann zum Thema »Grundeinkommen« Projekte durchzuführen. – Aber das können dann diejenigen sein, mit denen man nur »Monologe« austauscht.

Der Punkt ist, dass man ein Maß an Übereinstimmung mit anderen erlebt, das als zufriedenstellend empfunden wird. – Nehmen wir aber Differenzen wahr, die wie emotionale Gewitter und Blitze auf uns wirken, gehen wir eher auf Distanz.

So können wir im Alltag mit der gleichen Person wechselnde Erfahrungen machen. – Zum Beispiel entdecken wir zuerst große Übereinstimmung. Ein Freudentaumel erzeugt sich in uns. Später können wir schmerzhaft empfinden, dass starke Unterschiede in den Wahrnehmungen und Beurteilungen der Welt vorhanden sind. Wir gehen auf Distanz und sind enttäuscht. – Der Mensch verändert sich, ändert seine Meinung. Oder er offenbart nicht von Anbeginn seine Einstellungen und Haltungen. – All das beeinflusst uns, ob wir monologisch oder dialogisch miteinander umgehen.

Was ist also zuerst da. Was muss zuerst da sein? – Die »ausreichende Übereinstimmung«, die es ermöglicht, miteinander in einen Dialog zu treten, oder muss zuerst da sein, die Dialogbereitschaft, und als Folge entstehen Verbindungen und Verknüpfungen, die uns einer gemeinsamen Welt näher bringen?

Die Menschheit entwickelt sich weiter.

Unabhängig von unseren individuellen Entscheidungen, brechen sich die Dinge Bahn, wenn deren Zeit gekommen ist. – Die Entwicklungen setzen sich durch. Egal, ob mit unserer Zustimmung und begleitenden Gestaltung, oder gegen uns und eventuell durch den Untergang von Menschen.

Jetzt sehe ich gerade, dass der Dialog unter Wikipedia in einer ähnlichen Weise beschrieben wird, wie ich ihn eigentlich verstehe.

https://de.wikipedia.org/wiki/Dialog

Nach Bohm ist der Dialog geprägt von einer Intensivierung der Gespräche. Durch diese Vertiefung ….

Andererseits scheint der Begriff Dialog oft identisch zu sein, mit »Gespräch«. – Und es gibt diejenigen, die mit Dialog eine »Methode« der Gesprächsführung verbinden.

Am ehesten passt also der Dialogbegriff, der David Bohm zugeschrieben wird.

Aber hier noch ein Beispiel für die »monologische« Situation. – Der Teilnehmer einer Gesprächsrunde schert sich nicht darum, was gerade besprochen wird. Er bringt sich ins Gespräch ein, in dem er einen Satz, ein Wort aufgreift, das gerade fiel, und dann eine völlig andere Geschichte, ein völlig anderes Thema erzählt. – Allein das kann die anderen verärgern, weil es eine Ignoranz darstellt, gegenüber den Teilnehmern und insbesondere dann, wenn diese Person erst kürzlich zur Gruppe hinzugestoßen ist.

Und diese Person neigt dazu, kein Ende zu finden, bei ihren Ausführungen. Vom Hölzchen zum Stöckchen, und so weiter, geht die Erzählung. Und die anderen sind unzufrieden und langweilen sich und getrauen sich aber nicht, dem Treiben Einhalt zu gebieten. – Und wenn dann über die Zeit, bei mehreren Gesprächen in der Folge, nie das Gefühl entsteht, man hätte Gemeinsamkeiten, ein gemeinsames Gespür für die Themen, eine Ähnlichkeit in der Auseinandersetzung mit Sachverhalten, dann geht gar nichts. – Und es kommt Erleichterung auf, wenn man sich wieder von einander verabschieden kann.

Sodass zu sagen wäre, es gibt »Gespräche« unter den Bürgern. Diese können in Monologe ausarten. Und wenn es gut läuft, kann ein Dialog entstehen. – Wann läuft es gut? Das hatte ich in diesem Artikel am Anfang dargelegt: es müssen ausreichend Gemeinsamkeiten vorhanden sein, die vertrauensbildend wirken und eine entsprechende Atmosphäre schaffen.

2. Email-Verteiler – eine einfache Sache?

Wer in einer Gruppe sich befindet, oder mit mehrere Personen bekannt ist, möchte vielleicht Nachrichten mit den anderen austauschen. – Dazu können wir eine Mail schreiben, und an alle anderen verschicken. Ganz einfach. Oder?

Wer es komplizierter machen will, kann einen Email-Verteiler verwenden. Das ist eine Software, die eine Mail an die anderen Teilnehmer weiterleitet, die in dem Verteiler mit ihrem Namen und ihrer Mail-Adresse registriert sind.

Oder ist das jetzt noch einfacher?

Nun, dieses Verfahren ist auf alle Fälle »schlechter« als das zuerst genannte. – Beim erstgenannten Verfahren entscheiden alle Teilnehmer einer Gruppe oder losen Verbundes selbst, ob sie eine Mail erhalten wollen, indem sie dem Absender sagen, ob sie Mails von ihm wollen, oder indem sie den Absender in den Spam-Ordner verschieben, sodass von ihm keine Mails mehr erscheinen. Es ist Privatsache. – Auch können im erstgenannten Fall alle Teilnehmer selbst entscheiden, wem sie Mails senden wollen und wem nicht.

Das ist aber ganz anders, wenn eine Mailinglisten-Software verwendet wird. – Da haben wir einen oder mehrere Administratoren, die entscheiden, wer in die Liste aufgenommen wird und wer aus ihr rausfliegt. Und die Teilnehmer können nicht selbst entscheiden, wer ihre Mails erhält. Auch können sie nicht einzelne Teilnehmer als Spam markieren, sodass sie von diesen keine Mails erhalten. Und es kann sein, dass sie nicht wissen, welche Personen überhaupt als Teilnehmer in der Mailingliste sind. – Hinzu kommt noch, dass sich jemand Zugang zur Mailingliste verschaffen kann, indem er den Administrator unter Druck setzt, ihn gefälligst als Teilnehmer aufzunehmen.

Das heißt, die Mailinglisten-Software ist eine Bevormundung, Gängelung und Einschränkung und bietet Möglichkeiten der Manipulation. Sie sollte gar nicht eingesetzt werden. Und sie hat keinen Vorteil gegenüber dem ganz normalen Mailversand. – Wer es sich bequemer machen will, kann eine private »Liste«, zum Beispiel in Thunderbird oder unter Google-Mail, sich anlegen, um den Mailversand rationeller zu gestalten. Aber Mailinglisten-Software, wie sie zum Beispiel auch von Google-Groups angeboten wird, ist unnötig.

3. Eine neue Partei bedeutet neue Möglichkeiten?

Die neue Partei nennt sich vielversprechend »Demokratie in Bewegung«.

https://bewegung.jetzt/

Jeder kann mitmachen, schreiben die Organisatoren. Dann wird erklärt, wie es funktioniert.

https://bewegung.jetzt/2017/04/03/so-funktioniert-das-initiativprinzip/

Wer eine »Initiative« einbringen will, unterwirft sich einem Moderationsteam. Oder wahlweise einer »zufällig ausgelosten Jury«. Diese bewertet dann den eingebrachten Beitrag.

Jetzt stellt sich die Frage, warum sollte jemand in eine Partei eintreten, und in deren »Laufstall« seine Ideen entwickeln und sich deren Regel, Gesetzen und Geboten unterwerfen, wenn wir eh schon die Gesellschaft voller Reglementierungen haben? – Dafür gibt es überhaupt keinen Grund.

Das wäre ja eine mutwillige Selbstbeschränkung.

Wenn ich für das »Grundeinkommen« bin, kann ich mir in der Gesellschaft Mitbürger suchen, die gemeinsam mit mir für eine Grundeinkommens-Gesellschaft eintreten. – Das genügt doch, um das Ziel zu verfolgen.

Nur wer glaubt, ohne »Parteien« würde die Gesellschaft nicht funktionieren, wird immer wieder von Neuem Parteien ins Spiel bringen, wenn es um die Gestaltung unserer Lebenswelt geht. – Dabei ist es unsere Aufgabe, jetzt und in Zukunft ohne diesen Krückstock »Partei« zurecht zu kommen.

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