Sind Blogs tot?

Überhaupt nicht.

Wenn damit gemeint ist, Texte zu schreiben und diese zu veröffentlichen.

Der Blog ist so ähnlich wie ein Nebengleis im Streckennetz der Bahn. Ich will nicht sagen, ein Abstellgleis. Obwohl. Wenn man auf so manchen Blog schaut, dann sind da schon die Spinnweben.

Jetzt fand ich einen Link zu einem Blog und »Au Backe«, der letzte Beitrag auf dem Blog war von August 2015. Hat der Schreiber einen neuen Blog und nur den alten gelassen, als Referenz?

Wer weiß.

Aber es ist wahr. Wer nur einen Blog hat, und sonst nichts, wie soll diese Person eine Leserschaft finden? – Immer mal wieder auf das Abstellgleis schauen, ob sich da etwas tut?

Nein, so funktioniert das Internet nicht.

Wer nur einen Blog hat, dessen Texte schimmeln so vor sich hin?

Vieles im Internet, was nach »Kommunikation« ausschaut, entpuppt sich als Sackgasse, Einbahnstraße, Missverständnis. Obwohl das Internet eine »zweite Öffentlichkeit« darstellt, haben wir Menschen uns noch nicht daran gewöhnt, diese zu nutzen und dabei zu zufriedenstellenden Ergebnissen zu kommen.

Da wären die »Foren«, Internetforen. – Typisch für sie ist, das anonyme Auftreten der Beteiligten. Moderatoren, Administratoren und User haben alle Fantasienamen. Die Beteiligten »leben« in einer abgeschlossenen Welt, die durch eine Forensoftware repräsentiert wird. – Wer ins Impressum schaut, wird ernüchtert. – Nicht selten ist irgendeine »GmbH« der Eigentümer des Forums. – Und der Teilnehmer hatte jahrelang gedacht, ein freundlicher Mensch stünde dahinter?

Wer in der Forenwelt herumzickt, eckt schnell an und wird verwarnt, von den Moderatoren, oder aus dem Forum ausgeschlossen, wenn zu häufig die hauseigenen »Regeln« missachtet werden, nach Meinung der Eigentümer. – Foren sind somit Willkürorte. Aber viele Internetnutzer wollen das lange Zeit nicht wahrhaben. – Können sie doch in den Foren, zumindest dem Gefühl nach, die Außenwelt dort ein bisschen widerspiegeln. Und verborgen hinter der »Maske« der Anonymität und einem Phantasienamen, kann jeder sein Verhalten ausprobieren.

Ähnlich beengt und bevormundet geht es in den Kommentarspalten der Online-Zeitungen zu. Ja, man kann sich dort anmelden, aber ein Moderator überwacht die Kommentare und wehe, der User hat die »Regeln« der Zeitung missachtet. – Dann wird der Beitrag nicht veröffentlicht.

Wem das häufiger passiert, dem vergeht die Lust am Kommentare schreiben. – Auch als User in den Kommentarbereichen der Zeitungen, erscheint der Teilnehmer anonym. – Er gibt sich einen Phantasienamen.

Wer jetzt endlich sagen will, was wirklich gedacht wird, kann aber auch auf einem eigenen Blog weiterhin »anonym« bleiben. Es gibt keine Vorschrift, einen Blog mit Realnamen zu betreiben. – Aber mal ehrlich, wer interessiert sich für Blogs und dann auch noch für solche, wo der Autor anonym bleiben will?

Kann man Verständnis für Personen aufbringen, die anonym Blogbeiträge abfassen? – Ja, wenn die Person sonst von den staatlichen Behörden verfolgt und angegriffen würde. – Aber ist das heute in der Bundesrepublik Deutschland der Fall? – So richtig Verständnis aufbringen, für Blogs, die in Deutschland anonym abgefasst sind, fällt doch schwer.

Das sieht dann eher so aus, als ob jemand mal so richtig »die Sau raus lassen« will, verbal und textuell, ohne dafür geradestehen zu wollen.

Was für die Blogs fehlt, ist ein Themenmarktplatz, der interessant daher kommt, so, dass Blogbetreiber Lust bekommen, dort aktiv zu sein, und nach anderen Autoren, mit denselben Themen, Ausschau zu halten, für Diskussion und Meinungsaustausch. – Ein solcher »Marktplatz« ist mir nicht bekannt.

»Wordpress« bietet dem Blogger den »Reader«. – Im Reader lassen sich über die Suchfunktion einige Seiten finden, die zu ähnlichen Themen Beiträge auf WordPress-Blogs veröffentlichen. – Allerdings ist die ganze Atmosphäre nicht »öffentlich« genug.

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Beiträge im Internet, sollen »öffentlich« sein, und als solche auch wirken.

Bloggen funktioniert also nicht?

Doch. Nur halt nicht so. – Es kommt natürlich auch auf die Themen an. Wer ganz exotische Interessen hat, wird vielleicht nur wenige Personen finden, die sich die Mitteilungen ansehen wollen.

Tatsächlich ist der Blog aber ein »Beipack«.

Was heißt das?

Der Blogger muss heutzutage in den Sozialen Netzen aktiv sein! Facebook, Twitter, Google+ und alle anderen.

Je nach Interessenslage, kann sich jeder Blogger auf eines der Netzwerke spezialisieren. – In den Sozialen Netzwerken werden keine tiefschürfenden Mitteilungen gemacht. – Es geht vielmehr um den schnellen, prägnanten Beitrag zu aktuellen Sachverhalten. – Und das muss nicht immer Politik sein!

Auch wer sein Spezialgebiet hat, Umweltschutz, Genderfragen, Gesundheit, kann mit seinem Wissen, Kenntnissen, Erfahrungen und Einschätzungen hilfreich die schnell wechselnden Diskussionen bereichern. – Das zeigt aber auch, was die Fähigkeiten des Bloggers sein müssen. – Er muss kompetent sein, in seinen Themen. Er muss zeigen, dass Klärung und Erkenntnis von Zusammenhängen sein Anliegen ist. – Der Blogger muss für die anderen Menschen nützlich sein, eine Hilfe. – Er muss eine Bereicherung sein, mit seiner speziellen Perspektive auf die Dinge. Die nur so, von ihm geleistet wird.

Das zeichnet den Blogger aus, der in den Sozialen Netzwerken aktiv ist. – Denn in den Sozialen Netzwerken kann der Blogger dann eine Diskussion zu einem Sachverhalt bereichern, indem er auf einen Artikel auf seinem Blog verweist, der zu einem Thema eine etwas ausführlichere Auseinandersetzung liefert, oder auf Einzelaspekte aufmerksam macht, die so noch nicht wahrgenommen wurden.

Der Blog ist ein Beipack zum Sozialen Netzwerk.

Da macht er Sinn. – Wer sehr aktiv ist, in den Sozialen Netzwerken, der kann ergänzend zu den Kurzbeiträgen auf Twitter, Facebook oder Google+, dann noch zusätzlich auf ausführlichere Beiträge auf seinem Blog verweisen.

Und genau so machen es ja auch bekannte, in der Öffentlichkeit stehende Blogger.

Aber ausschließlich und nur auf seinem Blog zu veröffentlichen, ist eher »tote Hose«. – Weil niemand immer wieder mal, auf so ein »Abstellgleis« schaut.

Der Blog muss sich also einfügen, in einen größeren Zusammenhang. Und da hat er seine Funktion.

Aber wie gesagt, auch ohne die Sozialen Netzwerke könnten die Blogs eine größere Lebendigkeit entfalten, wenn so etwas wie »kulturelle Blogmarktplätze« entstehen würden. – Und jeder Blog hat seinen eigenen »Marktstand«. Und alle oder manche schauen immer mal wieder vorbei, was sich »kulturell« so tut.

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