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Wie kommunizieren wir

Welche Rolle spielt »Dominanz«?

Interessante Anmerkungen konnte man hören, von dem YouTuber »TechLead« in seinem Beitrag »You need to shut up and listen to me« (Englisch).

Er beschäftigt sich zwar in erster Linie mit Situationen, die in Firmen vorzufinden sind, also »Teamsitzungen«, Mitarbeitergespräche. Aber seine Aussagen sind problemlos auf alle Arten von Gesprächssituationen übertragbar und somit auch auf die gesellschaftliche Kommunikationskultur allgemein.

Wer sich jetzt dieses Video anschaut, sollte sich nicht davon abschrecken lassen, wie »TechLead« das Video beginnt, nämlich etwas ruppig und »frech« wirkend. – Aber er will nur darauf aufmerksam machen, auf welches Thema er sich in seinem Beitrag bezieht.

Es geht um die Art und Weise, wie wir Menschen Gespräche führen. Und er bezieht sich auf seine Erfahrungen, die er in Software-Unternehmen gesammelt hat, in denen er arbeitete.

Er sagt, dass er immer wieder erlebt, dass bei Teamsitzungen einige Leute das ganze Treffen dominieren. – Drei, vier Leute nehmen den Großteil der Sitzungszeit für sich in Anspruch und füllen den Zeitrahmen mit ihren Beiträgen, während die Mehrheit der Teilnehmer kaum oder gar nicht zu Wort kommt.

Diesen Umstand, dass es solche Leute gibt und das dieses Verhalten möglich ist, kritisiert er vehement. – Er führt an, dass diejenigen, die nicht zu Wort kommen, nicht zu »scheu« sind, wie man ihnen vielleicht unterstellen könnte. Sie sind womöglich höflich, und lassen die dominanten Personen, die den meisten Raum einnehmen, wirken. Aber wenn sie zu Wort kommen, könnten sie genauso sich zu den Themen äußern, die in der Teamsitzung besprochen werden, wie alle anderen auch.

Weiterhin kritisiert TechLead, wie mit Fragestellungen umgegangen wird. Viele Fragen werden einfach »beantwortet«, »abgehakt« und schnell für erledigt erklärt. – Irgendeine banale Antwort gibt es immer auf eine Fragestellung, und damit verschwinden viele Fragestellungen aus dem Blickwinkel der gemeinsamen Arbeit. Aber das sei nicht richtig. – Statt auf Fragestellungen eine schnelle Antwort zu haben, sollten Fragestellungen stehenbleiben, ausgehalten werden, um ihnen ein langfristiges Daseinsrecht einzuräumen, um den perspektivischen Aspekt einer Fragestellung wirksam zu lassen.

Er macht den Vorschlag, um auch diejenigen, die in einem Gespräch kaum zu Wort kamen, ins Spiel zu bringen, dass der Team- oder Gesprächsleiter, oder auch Teilnehmende selbst, vor dem Wechsel zu einem neuen Thema, noch einmal in die Runde fragen, »Ist das Thema abschließend besprochen. Oder möchte noch jemand einen Punkt ansprechen, der noch nicht erwähnt wurde?« – Dies gäbe den ruhigeren Personen in der Gesprächsrunde noch einmal die Gelegenheit, sich mit ihren Überlegungen in das Gespräch einzubringen.

Insgesamt hat mir der Beitrag von TechLead gut gefallen. – Insbesondere die »dominierenden« Personen in Gesprächsgruppen und Zusammenkünften sind wirklich ein Problem. Ja, man kann sagen, sie sind in allen Lebenszusammenhängen zu finden, diese Spezies »Mensch«.

Was steckt dahinter?

Solange wir die Lebenswelt der Menschen als einen »Kampfplatz« wahrnehmen, als eine Auseinandersetzung, bei der derjenige überlebt, der der Stärkere ist, dann steckt hinter dem »dominanten« Menschen ein Wesen, dass sich »gegen andere« behaupten will, um sich selbst durchzusetzen, um das eigene Leben und das der Angehörigen durchzusetzen, gegenüber dem Leben der anderen. – Es ist eine »achaische« Perspektive.

Dieser Mensch sagt, »Ich zuerst«. – Um diesem Anliegen Nachdruck zu verleihen, muss er aber in allen möglichen Lebenssituationen diesen Anspruch »deutlich machen«. Er muss ständig allen anderen Lebewesen sagten: »Nicht ihr, sondern ich habe zuerst das Lebensrecht.«

Das ist natürlich auch ein sehr anstrengendes Leben. – Wir sehen es an den Tieren, deren Beziehungsleben hierarchisch geordnet ist. Wer ist der Anführer? Ständig müssen sich die physisch stärksten Tiere gegeneinander messen, um das Vorrecht, sich fortpflanzen zu dürfen oder das Rudel, die Herde anführen zu können.

Ähnlich verhalten sich auch heute noch viele »Männer«. – Auch sie meinen, »ich zuerst«, und sie müssen das ständig in Zusammenkünften und Begegnungen anderen Teilnehmern unter die Nase reiben. Und dieses Verhalten kann natürlich am Arbeitsplatz eine Rolle spielen. So gibt es Mitarbeiter, die ihr Privatleben »fast nahtlos« auf ihren Arbeitsplatz übertragen, das heißt, in einem an sich neutralen Bereich, ihre Geschmäcker, Witze, Vorlieben ausbreiten wollen, völlig rücksichtslos, die Interessen der übrigen Mitarbeiter ignorierend. Besonders ätzend ist das in Büros, die keine Möglichkeit bieten, sich solchen aufdringlichen Zeitgenossen zu entziehen.

Der »dominante« Kollege ist ständig dabei, anderen die Wichtigkeit seiner eigenen Lebenswelt nahezulegen, damit diese »Verständnis« für sein dominantes und raumgreifendes Verhalten haben. Ständig muss er sein Privatleben mitteilen, was die Kinder erleben, was sie brauchen, was das kostet, wer Geburtstag hat, was die Angehörigen erleben und warum »gerade er« ein angemessen hohes Einkommen braucht. – Das trichtert er seinen Kollegen ein, damit die begreifen, dass an seiner Dominanz nicht zu rütteln ist, muss er doch den Erhalt seiner Gruppe, seines Clans, seines Rudels gewährleisten und kann leider dabei keinerlei Rücksicht darauf nehmen, dass andere Menschen ebenfalls ihren Raum und ihre Rechte brauchen.

So kommt die »Dominanz« mancher Zeitgenossen nicht zufällig daher. – Sie hat, wie in der Tierwelt, die Aufgabe, den anderen Lebewesen zu signalisieren, dass da jemand ein »Existenzvorrecht« für sich reklamiert und die Person verlangt, ausgesprochen oder unausgesprochen, dass sich die anderen Lebewesen diesem Verlangen unterordnen.

Nun könnte man sagen, das Vorrecht der Männer ist ja heute nicht mehr so der Punkt. – Die klassische Familie, um die sich der Mann kümmern muss, hat nicht mehr die Bedeutung, wie noch vor einigen Jahrzehnten.

Dass das Dominanzgebaren aber weiterhin eine Rolle spielt, hat ja TechLead in seinem Videobeitrag nachdrücklich in Erinnnerung gebracht. – Um was geht es dann, heute, wenn Leute sich so verhalten?

Es geht um Einkommen, das immer noch ungerecht verteilt ist. – Es gibt immer noch Leute, Männer, die meinen, wenn sie sich in einer Firma, in einer Organisation wie die »Made im Speck« platzieren, können sie ordentlich »absahnen«, viel Geld für sich einstreichen oder ideale, bequeme Pöstchen sich besorgen, um ein fast sorgenfreies Leben zu leben.

Es gibt also auch heute noch, immer wieder Anlässe, um sich »dominant« zu verhalten, um das eigene Vorrecht herauszustreichen, irgend etwas zu erhalten, irgend einen Vorteil für sich zu reklamieren.

Dann kommt noch die psychologische Ebene hinzu.

An der Stelle ist ein Kritikpunkt an TechLeads Beitrag anzumerken. Und zu seinen Gunsten ist zu sagen, er spricht aus Sicht eines Unternehmens, was für ein Unternehmen von Vorteil ist. – Er sagt in seinem Video, ein Teamleiter oder die Gesprächsführung könnte den Ruhigeren in der Gesprächsrunde Raum verschaffen, damit diese zu Wort kommen. Zum Beispiel, indem diese Personen gezielt angesprochen werden, um sie nach ihrer Meinung zu fragen. – Das sieht aus, wie eine »Hebammensituation«. Man muss helfen., damit etwas ins Leben kommt.

Diese Idee ist vielleicht aus Unternehmenssicht richtig, weil das Unternehmen davon profitiert, auch die Meinungen und Ansichten, Überlegungen der ruhigen Mitarbeiter zu erfahren, damit Produkte und Dienstleistungen effizient und umfänglich von dieser Firma angeboten werden.

Aber diese Situation kann man nicht übertragen, etwa auf »bürgerschaftliches Engagement«.

Menschen, die häufiger in Gruppensituationen sind, kennen das vielleicht. – Es gab eine Gesprächsrunde und hinterher sagen welche, ich kam gar nicht zu Wort, der oder die haben ständig geredet und ließen niemanden anderes zu Wort kommen. Wenn das jetzt der Gesprächsleiter erfährt, meint er womöglich, ich steuere das Gespräch das nächste Mal stärker. Ich bremse die »Vielredner«, indem ich sie unterbreche. Ich spreche gezielt diejenigen in der Runde an, die kaum zu Wort kommen.

Das ist ja auch der Vorschlag von TechLead. – Dazu passt folgende Anekdote:

Eine Person erlebt über viele Jahre einen Gesprächskreis. Es ist nicht einfach, zu Wort zu kommen. Viele andere in der Runde, bringen ständig ihre Überlegungen ein. Es ist kaum eine Gelegenheit zu finden, selbst etwas zu sagen. – Andererseits haben die Gesprächsrunden ein Thema, einen Grund, warum sie überhaupt stattfinden. Über die Zeit kann sich die Person ein Wissen, eine Kompetenz zum Thema erarbeiten. Eben nicht nur in den Gesprächsrunden, sondern darüber hinaus zu recherchieren, Texte zu studieren, Erkenntnisse zu gewinnen. – Diese zunehmende Kompetenz drückt sich in den Gesprächsrunden so aus, dass die Person schnell erkennt, wenn von anderen Teilnehmern die Sachverhalte unzureichend dargestellt werden. Es ist also angebracht, Aussagen zu korrigieren und auf die tatsächlichen Verhältnisse hinzuweisen.

Der Drang der vormals »ruhigen« Person wird größer, in einen Gesprächsverlauf einzugreifen, gemäß seines Erkenntnisstandes! Das Unbehagen nimmt zu, nicht korrekte Aussagen und unzureichende Perspektiven stehen zu lassen und der Wunsch greift Raum, das Dargestellte mit den eigenen Erkenntnissen zu ergänzen. – Die vormals ruhige Person in Gruppenzusammenhängen, wird lebendiger, je umfangreicher die eigene sachliche Kompetenz wird.

Was ist jetzt der Unterschied zur Firma?

Das hat mit dem Thema »Bedingungsloses Grundeinkommen« zu tun. – In der Firma hocken viele, weil sie ihre »Existenzsicherung« brauchen und nicht, weil sie »innerlich« motiviert sind, dem Firmeneigentümer zu helfen, bei dessen Aktivitäten. – Auch wer eine sachliche Kompetenz besitzt, und deshalb in einem Unternehmen angestellt wurde, kann denken, wann ist endlich der Arbeitstag zu Ende, ich haben privat noch so viel zu erledigen, was viel wichtiger ist, oder mindestens genauso wichtig ist, wie die Firmenaufgaben.

Das heißt, viele »kompetente« Leute haben gar kein Interesse, sich in der Firma einzubringen. Sie hocken dort nur deshalb, weil sie eine Existenzsicherung brauchen. Und in der heutigen Arbeitsgesellschaft hat man halt über diese Weise, seine Arbeitskraft zu verkaufen, seine Existenzsicherung. – Aber das hat eben nichts mit der eigenen persönlichen Orientierung zu tun.

Ganz anders ist es hingegen, wenn die Teilnahme an Versammlungen »intrinsisch« motiviert ist.

Wenn ich aus persönlichen Gründen an den Begegnungen mit anderen Menschen interessiert bin, habe ich eine ganz andere Grundlage, um »Motivation« zu entwickeln. Es geht um »meine« Anliegen. – Während die Firmenanliegen nicht zwangsläufig meine Anliegen sind. – Das wird sich allerdings noch ändern, wenn wir ein Bedingungsloses Grundeinkommen haben. Dann können die Menschen persönliche Anliegen und Arbeitszusammenhänge verbinden. Und dann hat die Motivation im Arbeitskontext, nochmal einen anderen Wert.

Natürlich gibt es in privaten Gesprächszusammenhängen auch Menschen, die diesen Erkenntnisfortschritt nicht oder nur unzureichend für sich erarbeiten, aber trotzdem empfinden, dass andere Menschen sich zu viel Raum nehmen, in Gruppengesprächen. – Der Punkt ist aber, dass alle beteiligten Personen es wollen müssen, »sich selbst« einzubringen. Es geht nicht, dass wir jemanden zur Selbstverwirklichung »hintragen«.

Was damit gemeint ist, wird am deutlichsten in NGO’s, Projekten, Aktionen und Kampagnen. – Niemand kann dort mitwirken, ohne aus sich heraus die entsprechende Lebendigkeit mitzubringen. – Die Motivation kann graduell unterschiedlich sein. Wer in einem Projekt mitwirken will, weiß nicht, welche andere Personen dort aktiv sind. Versteht man sich überhaupt, welche Ziele werden mit welchen Methoden angestrebt. Es gibt also noch viele Fragen und das Interesse kann am Anfang noch verhalten sein. – Wenn man sich aber in einem Projekt wohlfühlt, die anderen Personen als »nett« empfindet, dann kann eine Zusammenarbeit zunehmend interessanter werden und die Motivation in dem Projekt mitzuwirken, entwickelt sich in dem Maße, indem das eigene Potenzial mit den Gruppenanliegen gut kombinierbar ist.

Ein weiterer Punkt, der ebenfalls nicht von TechLead genauer beleuchtet wurde, ist »die eigene Arbeit« betreffend. – Wenn TechLead von Firmen-Workshops und Teamsitzungen spricht, dann ist die Firma doch für viele Mitarbeiter »jemand anderes«. – Dieser »Jemand« kann der Firmeneigentümer sein, oder noch abstrakter, die Aktienbesitzer oder Anteilseigner, denen über diesen Besitz das Unternehmen gehört. – Wieso soll ich als Mitarbeiter ein Interesse haben, diesen Leuten einen finanziellen Vorteil zu verschaffen? Das ist doch unrealistisch.

Auch die Aussage, dass man doch als Mitarbeiter über den Lohn oder Bonuszahlungen profitiert, ist in der heutigen Zeit nicht mehr interessant. Menschen verlieren »schlagartig« ihren Arbeitsplatz, nichts ist mehr sicher. – Warum soll jemand, in solchen Zeiten, die wenig vertrauenswürdig sind, sich »geistig« verausgaben, um anderen einen Vorteil zu verschaffen?

Somit ist die beste Motivation ein »Eigeninteresse«. – Das demonstrieren ja die »dominanten« Personen in unserer Gesellschaft.

Aber ist dieses Verhalten nicht »asozial«?

Eine Firma, ein Unternehmen verhält sich nicht »sozial«. – Zumindest nach den Aussagen der Wirtschaftsökonomen, würde der gemeine Unternehmer »aus Eigeninteresse« sein Unternehmen gründen und führen. – Er will »Profit« machen und reich werden.

Anders wäre es in der »Planwirtschaft«. – Diese wird von »sich sorgenden und kümmernden Menschen« ins Leben gerufen, weil die physische Versorgung aller Bürger innerhalb einer Gemeinschaft mit existenzsichernden Gütern gewährleistet werden muss. – Wären denn die Kolchoseleiter und Kombinatsoberen weniger interessiert, ihre Arbeit gut zu machen, als die profit-orientierten Unternehmer? – Das wäre zu untersuchen.

Womöglich liegt es daran, dass die »dominanten« Personen die Menschen versorgen und sich um sie kümmern, die ihnen »nahe« stehen. – Also Familienangehörige, Clanmitglieder.

Während »die Gesellschaft«, die Menschen in einem Staat, eher eine abstrakte Größe darstellen. – Sich um die Menschen in einem Staat zu kümmern, verlangt eine andere innere Haltung, als sich um Menschen zu kümmern, die zur eigenen Familie gerechnet werden.

Derjenige, der sich um »alle Menschen« kümmern will, weltweit, in einer Gesellschaft, müsste genauso motiviert sein, wie der »dominante« Teilnehmer im Gesprächskreis, der sich ausschließlich um seine privaten Angelegenheiten sorgt.

Wir leben heute in einer Übergangsphase. Manche leben immer noch in »klassischen« Familienzusammenhängen, aber viele andere haben sich davon gelöst und verfolgen darüber hinausgehende Interessen. – Es wird in Zukunft mehr Menschen geben, die sich »um alle« Menschen kümmern wollen und die mit Nachdruck dieses Anliegen verfolgen und im Auge behalten. – Hinzukommt, dass dieses Anliegen, sich um alle Menschen kümmern zu wollen, heute viel eher zu realisieren ist, mittels der Computertechnik und dem Internet, als es noch vor Jahrzehnten möglich war.

Wie ist der »dominante« Teilnehmer in Gesprächskreisen, privat, in NGO’s oder in Firmenzusammenhängen nun einzuschätzen. – Ist er ein Problem?

Wir sollten erst einmal auf uns selbst schauen. Wie verhalte ich mich selbst. Wie würde ich mich selbst einordnen? – Ist meine Teilnahme am Leben verhalten und zurückhaltend, dann wird es Gründe geben. Habe ich den Wunsch daran etwas zu verändern? – Dann werde ich Wege suchen, dies zu erreichen.

Wenn die eigene Kompetenz stark ist und der eigene Erkenntnisstand hoch, dann schiebt das von sich aus, das eigene Aktivsein an! – Und es konkurriert automatisch mit dem Verhalten von omnipräsenten Gesprächsteilnehmern.

Und wenn bei den überpräsenten Gesprächsteilnehmern der inhaltliche Vorteil für die anderen Mitwirkenden oder für die Firma »gegen Null« geht, würden rein kommunikations-technisch, Vorkehrungen getroffen, um solches Verhalten einzudämmen.

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Trolle und Hater im Internet

Wie im wirklichen Leben, so gibt es auch in der zweiten Öffentlichkeit, dem »Internet« unliebsame Begegnungen mit fragwürdigen Gestalten. Über die Jahre haben sich dafür Begriffe etabliert. Einer davon ist »Trolle« oder Troll. Und aktuell wird viel von »Hatern« gesprochen.

Hassbeiträge, aber viel öfter, Postings und Äußerungen von Trollen, sind eine echte Herausforderung für den normalen Bürger, wie im wirklichen Leben auch.

Wer auf der Straße belästigt wird, von Fremden angesprochen wird, ohne das es eine Verbindung zu dieser Person gibt, fühlt sich schnell bedroht und ein Besuch bei der Polizei und eine Anzeige gegen unbekannt, könnte die Folge sein.

Dabei ist auffällig, dass Trolle oft planmäßig vorgehen. Das macht auch Sinn, denn sie wollen ja ihr fragwürdiges Tun über lange Zeit aufrechterhalten. – So, wie auch die Mafia sich überlegt, wie kann sie ihr verbrecherisches Handeln lange Zeit in einer an sich funktionierenden Gesellschaft, unbeeinträchtigt praktizieren, so überlegt auch der Troll, wie er mit bestimmten Methoden ausgestattet, sein Werk lange Zeit vollbringen kann, ohne in der Internetgesellschaft entdeckt und ausgegrenzt oder gar »bestraft« zu werden.

Wie tritt der Troll im Internet auf.

Er ist meistens beziehungsweise immer »anonym« unterwegs. – Da er mit seinem Verhalten nicht selten andere Internetuser »zur Weißglut« bringen kann, und regelrechte »Flamewars« gegeneinander stattfinden können, ist dieses Verhalten als Selbstschutz zu verstehen. – Er will ja nicht eine der Personen, die er belästigt, eines Tage vor seiner Wohnungstür stehen haben.

Weiterhin ist typisch für Trolle, dass sie nur ganz selten selbst umfangreiche, inhaltliche Beiträge abfassen, in den Gruppierungen, in denen sie aktiv sind. Trolle gab es in der Vergangenheit in erster Linie in Foren oder in Usenet- und Newsgroups. – Heute sind sie auch in Sozialen Netzwerken zu finden. Obwohl sie es dort schwerer haben, wegen dem zurecht zunehmend rigorosen Umgang mit Trollen und der ausgefeilten Blockiermöglichkeiten, die ein Trollverhalten erschweren.

Der Troll tritt nicht selten mit einer »Antwort« auf einen Beitrag eines anderen Teilnehmers in Erscheinung. – Wo kann das der Fall sein? – Wie schon gesagt, in Newsgroups, aber natürlich auch auf einem Blog, wenn der Blogbetreiber die Kommentarfunktion freigeschaltet hat. oder in Sozialen Netzwerken, je nach dem, wie diese software-technisch organisiert sind.

So sind »Kommentare« in dem Sozialen Netzwerk Google+ zwar möglich, aber der User kann die Kommentarfunktion für seine Beiträge deaktivieren. Dadurch ist ein sehr wichtiger Effekt, den sich Trolle zu eigen machen, ausgehebelt. – Sich »nahe« an den Angegriffenen heranzuschleichen. – Trolle greifen andere Menschen an. Sie bedrohen, schüchtern ein, belästigen, mit ihren Bemerkungen andere Leute. – Wie im richtigen Leben die Mafiamitglieder andere Bürger »physisch« bedrohen, um ihre Forderungen durchzusetzen, so will auch der Internettroll softwaretechnisch gesehen, »nahe« an sein Opfer herankommen. Symbolisch gesehen ist dazu die »Kommentarfunktion« ideal geeignet. – Denn direkt unterhalb des Beitrags des Opfers, will der Troll seine beleidigende, motzige, unpassende und maulige Antwort platzieren, um gleich die Aussagen des Opfers »in den Dreck zu ziehen« oder madig zu machen.

Deswegen sind Kommtentarfunktionen in Kommunikationssoftware ideale Brutstätten für Hate Speech oder Trollverhalten. – Deswegen werden auch die Kommentarbereiche der Online-Zeitungen so scharf kontrolliert, weil schon längst bekannt ist, dass sich dort gerne Hater und Trolle aufhalten.

Eine erste Maßnahme gegen Trolle kann somit sein, jegliche »Kommentar«-Möglichkeiten auszuschalten und diesbezügliche Funktionen zu deaktivieren.

Eine Methode im Internet, ist das »Anschleichen«. – Es wird erst einmal so getan, als ob der Troll »nur« mitdiskutieren will.

Wie entwickelt sich nun ein Trollverhalten, wenn es über lange Zeit wirksam sein will?

Es braucht natürlich einen Nährboden, der dies überhaupt zulässt. – Nehmen wir das Beispiel von »Internetforen«. – Möglicherweise gibt es in einem Forum einen Administrator oder Moderator, aber nicht immer ist klar, auf wessen Seite diese Leute stehen. – Es kann sein, dass sich Moderatoren auf die Seite von Trollen schlagen, wenn es sich um einen Meinungskrieg handelt, und ein Beitragsschreiber vertritt eine Meinung, die vom Administrator abgelehnt wird. – Dann taucht ein Troll auf, und macht den Beitragsschreiber madig.

Wer sich eine solche Trollsequenz einmal anschaut, kann ganz bestimmte Abläufe wahrnehmen.

Der Troll tritt nicht selten als »Richtigsteller« und Korrigierer auf. – In seinen ersten Postings weist er den Autor eines Beitrags darauf hin, dass dessen Mitteilungen korrekturbedürftig sind. Zu Anfangs kann solches Verhalten noch freundlich-kollegial wirken: »Hallo Kollege, du hast da an dieser oder jener Stelle etwas nicht bedacht, nicht erwähnt, nicht vollständig wiedergegeben, was ich hiermit mit meinem Beitrag netterweise klarstelle«.

Aber auch hier kann schon eine gewisse Patzigkeit, Schroffheit in der Schreibweise mancher Trollnachrichten herausgelesen werden. – Die Tendenz von Trollnachrichten ist immer etwas einschüchternd, bevormundend und angriffslustig. – Die Botschaft und das Szenario stellt sich so dar:

»Wagt sich der Beitragsschreiber noch einmal vor, einen weiteren Artikel zu veröffentlichen, obwohl er doch gerade, (vom Troll!) noch halbwegs freundlich korrigiert wurde.«

Nun hängt auch viel vom Originalbeitrag-Schreiber ab, wie er auf den Troll reagiert. – Typische Reaktionen von Originalbeitragschreibern ist, dass sie »in die Falle« tappen, die der Troll aufgebaut hat. – Der Originalbeitragschreiber will oft die »Korrektur« seiner Mitteilung nicht hinnehmen, da sie einfach unrichtig ist, deplatziert und im Ton unzulänglich erlebt wird.

Jetzt aber blüht der Troll richtig auf. Er hat eine Spur gelegt und der Originalbeitragschreiber fügt sich in sie ein.

Denn auf den neuerlichen Artikel des Beitragsschreibers, der den Troll in seine Schranken weisen soll, reagiert der Troll graduell heftiger. – Er wird behaupten, die Aussagen des Beitragsschreibers seien »falsch«. – Dieser würde die Unwahrheit äußern, und deshalb müsse er, der Troll, einschreiten und immerzu richtigstellen, was der Beitragsschreiber »falsch« darstellt.

Das ist das typische Szenario einer Flamewar-Pingpong-Situation, in der beide Seiten immer wieder ihre Position wiederholen und dabei dieses Verhalten mit unterschiedlichstem verbalen Beiwerk ausstatten. – Beleidigungen, Anmaßungen, Bedrohungen, Gehäßigkeiten, Verhöhnen, Bloßstellen, Erniedrigen, alles Niedere, dass den Menschen auszeichnet, wird jetzt der Troll auspacken, um es in »die Diskussion« einfließen zu lassen. – Und so mancher ruhige Forenteilnehmer wird sich durch so einen Troll verleiten lassen, die Contenance zu verlieren, und ebenfalls beleidigend und verbal unangemessen zu reagieren, weil er sich herausgefordert fühlt. – Wenn jetzt nicht in einem Forum der Moderator eingreift oder der Administrator, dann kann ein Forum insgesamt«kaputtgetrollt« werden.

Der Troll schafft sich sein Agitationsfeld, indem er behauptet, die Aussagen des Beitragsschreibers seien »falsch«. – Und in einem (vorgetäuschten?) messianischen Eifer taucht er jetzt immer wieder bei dem Beitragsschreiber auf, um diesen »richtigzustellen« und dessen »Falschaussagen« zu korrigieren. – Dieses belästigende Verhalten ist ähnlich dem von »Stalkern« im realen Leben, die auch nach der Trennung von der Partnerin, immer wieder bei dieser auftauchen, um sie zurechtzuweisen, was diese angeblich alles falsch gemacht hat. – Solche Stalker gibt es auch im Internet, und ein Troll kann sich ähnlich verhalten.

Typisch für Trolle ist, dass sie wenig eigene Beiträge veröffentlichen, meist anonym daherkommen, und mit Vorliebe andere Internetteilnehmer »anquatschen«, um sie auf dieses oder jenes hinzuweisen.

Nun könnte jemand sagen, aber wie soll denn sonst »Kommunikation« im Internet funktionieren, wenn nicht so, dass man auf Beiträge anderer Leute reagiert?

Wir Menschen sollten uns damit beschäftigen, wie Kommunikationsverhalten wirkt. – Was von uns selbst und von anderen als unangenehm, und was von uns als angemessen erlebt und empfunden wird.

Wenn andere einem »auf die Pelle« rücken, wird das meistens nicht als angenehm erlebt. Auch werden erste »Hallo«-Bekundungen in der Form, dass man zuerst jemanden »korrigiert« und zurechtweist, eher unangenehm und als Unfreundlichkeit wahrgenommen. – Mit solchen Leuten, die sich so vorstellen, dass sie einen erst mal zurechtweisen, will niemand gerne bekannt sein. – Wer andere erst einmal zurechtweist und »korrigiert«, wirkt arrogant und überheblich. – Warum sollte man sich mit solchen Leuten abgeben?

In Internetforen können sich solche »Trolle« zu »Wächtern der Wahrheit« aufschwingen. – Sie tun dann so, als ob andere Beitragsschreiber die Unwahrheit sagen, und sie selbst seien auserkoren, für die Wahrheit zu kämpfen und die »Lügner« zum Schweigen zu bringen. – Damit rechtfertigen sie dann die teilweise extremen Äußerungen in Richtung anderer Beitragsschreiber. – Und das macht sie dann zu »Hatern«.

Trolle sind somit im Internet relativ leicht auszumachen: Sie treten anonym auf. Sie haben in der Regel inhaltlich, zu Sachthemen kein entwickeltes Wissen oder Erfahrungen vorzuweisen. Sie picken sich ein paar Standpunkte heraus, um diese »dogmatisch« überhöht und glorifizierend zu vertreten, was oft aber nur ein Vorwand dient, um als Troll verbal eine aggressive, feindselige Sprache gegen andere Internetteilnehmer anzuwenden.

Wenn es aber nicht in Ordnung ist und nicht angemessen ist, andere Leute in deren Kommentarbereichen anzusprechen und sie halbwegs freundlich auf »Fehler« in ihren Äußerungen hinzuweisen, wie sollen wir dann miteinander kommunizieren?

An anderer Stelle meiner Beiträge habe ich bereits darauf hingewiesen, dass die »Kommentarfunktion« ein Missverständnis darstellt. – Wahrscheinlich hatten sich die Softwareentwickler, die sich das ausdachten, überlegt, es passt, wenn wir direkt unterhalb von Nachrichten, eine Kommentarmöglichkeit platzieren. – Doch dabei wird die »Psychologie« der Menschen außer Acht gelassen. Wer auf dem »Blog« eines anderen Menschen einen Beitrag liest, empfindet nicht selten den Wunsch, auf diesen Text zu reagieren.

Wie reagiere ich angemessen auf den schriftlichen Beitrag eines anderen Menschen?

Hat der Blogautor eine Kommentarfunktion freigeschaltet, kann ihm geantwortet werden:

»Hallo, ein wirklich toller Beitrag. Weiter so!« oder »Interessanter Artikel. Allerdings stimme ich nicht in allen Punkten zu.«

Aber geht es wirklich darum? Was wollen wir im Internet und welche Verhaltensweisen machen überhaupt Sinn?

Die Lobhudelei von Lesern muss einem Autor nicht wirklich wichtig sein. – Und Kritik an uns, wollen wir doch nicht ernsthaft auf unserem eigenen Blog in Kommentaren lesen und auch noch da stehen lassen.

Wozu taugt »Kommunikation« überhaupt und warum ist der »Troll« eine Gefahr, die wir abwehren wollen?

Sachliche Kritik ist beim »Troll« nur vorgeschoben. – Ihm geht es darum, einen anderen Beitragsschreiber zu beleidigen, einzuschüchtern, ihn »persönlich« zu verletzen. – So, wie Mafiamitglieder andere Bürger »physisch« bedrohen wollen, um ein Verhalten zu erpressen, so greifen Trolle andere Internetnutzer »persönlich« an, um diese zu Verhaltensänderungen zu zwingen. – Der »Sieg« des Trolls sieht so aus, dass der von ihm angegriffene Beitragsschreiber sich zurückzieht, weniger schreibt oder sich ganz aus einem Forum verabschiedet und sich gar nicht mehr äußert.

Der Troll im Alltagsleben, ist das Mafiamitglied, der andere Bürger angeht, um diese zu einem Verhalten zu nötigen. – Aber zum Beispiel in der Bürgerversammlung oder in Parteisitzungen, oder in einem Verein e.V., können wir Ähnliches erleben. – Auch dort tauchen »Trolle« auf, die andere Teilnehmer »persönlich« angreifen, beleidigen, herabsetzen, oder sonstwie bedrängen, um diese in irgendeiner Weise zu nötigen.

Das Verhalten im Internet ist somit eine »Kopie« ähnlicher Verhaltensweisen im Alltag. – Der Troll hat sich ein Verhaltensmuster angeeignet, mit dem er andere Menschen attackiert.

Der Troll ist nicht selten gewaltbereit oder kann in irgendeiner Weise körperliche »Überlegenheit« demonstrieren. – Mit solchen Instrumenten ausgestattet, treibt er sein Unwesen.

Wie sieht »Kommunikation« aus, die wir akzeptieren können?

Der Troll bemüht sich gerne der Schimäre, es gäbe »falsche« und richtige Aussagen, Wahrheit und Unwahrheit. – Der Troll behauptet, dass er weiß, was »falsch« ist und das er weiß, was wahr und was unwahr ist. – Er verwendet dann ein Bedrohungspotenzial, dass er gegen andere in Betracht zieht. Er sagt seinen Mitmenschen, »Hallo du! Du sagst die Unwahrheit. Ich greife dich jetzt noch verbal, schriftlich, aber vielleicht irgendwann auch physisch an, weil du nicht aufhörst, die Unwahrheit zu sagen und zu schreiben. Deshalb greife ich dich an. Ich nehme mir einfach das Recht, dich wegen meiner Behauptungen einfach anzugreifen. Sei gewarnt. Und halte besser die Klappe!« – Das ist die Botschaft des Trolls, aber das ist oft auch die Botschaft von Teilnehmern in politischen Diskussionen.

Und. Seien wir ehrlich. Das ist doch auch das Szenario in Diktaturen.

In Diktaturen werden alle Bürger bedroht, die es wagen, öffentlich eine Meinung zu vertreten, die den Herrschenden nicht passt. – Deshalb haben die Herrschenden »Schergen«, oder eben Trolle bei der Hand, die die Bürger bedrohen, die sich nicht fügen wollen, die den Einheitsstaat nicht als »unterwürfige Schafe« mitmachen.

Eigentlich ist der Troll ein »Soldat«. Ein moderner Soldat. Er kämpft für eine Sache. – Sein Ziel ist es, andere Personen, die für etwas anderes stehen als er selbst, »niederzumachen«, auszuschalten und zum Schweigen zu bringen.

Aber wenn wir kein Soldat sind, wie verhalten wir uns dann angemessen und nicht trollig?

Aus dem »Fehlverhalten« der Trolle lässt sich mitunter ein angemesseneres Verhalten ableiten. – Wenn ich auf die Mitteilungen anderer Menschen im Internet reagieren will, darf ich nicht diese Menschen »persönlich« angreifen und auch nicht »persönlich« ansprechen, wenn ich gar nicht mit diesen Leuten bekannt bin. – Distanz wahren ist wichtig. – Wer sich distanzlos verhält, verhält sich »trollig«.

Weiterhin sind ausschließlich »sachliche« Erwiderungen angemessen. – Diese gehören aber nicht in die Kommentarspalten der Originalposter, sondern sollten als »eigene Beiträge« auf dem eigenen Blog oder in einem »eigenen Beitrag« Erwähnung finden. – Also auch hier: Distanz wahren.

Kommt dadurch ein Gespräch mit dem Originalschreiber zustande, auf den eine »Antwort« geschrieben wurde?

Das ist halt auch so ein Märchen, dass wir alle miteinander reden »müssen«. – Wir müssen gar nichts miteinander!

Wer eine Antwort auf den Beitrag eines anderen Bloggers schreibt, muss damit leben können, dass dieser andere Blogger nie diese Antwort liest, und auch gar kein Interesse an dieser Antwort hat. – Es liegt die seltsame Vorstellung in der Luft, wir Bürgerinnen und Bürger in der Gesellschaft, »müssten« alle miteinander reden. – Das ist ganz und gar nicht der Fall. – Alles, was mit »Müssen« oder besser, mit »Zwang« zusammenhängt, ist typisch für Diktaturen und totalitären Gesellschaftssystemen. – Und es mag sicherlich auch Menschen geben, die gerne in einer Diktatur leben, aber das ist nicht der Maßstab, der in dieser Analyse hier, in Anwendung kommt.

Das heißt, wir sind »frei« aufeinander zu reagieren. – Es besteht keine Pflicht, zu den Mitteilungen anderer Menschen etwas zu sagen, und es besteht auch keine Pflicht, miteinander ins Gespräch zu kommen. – Mit anderen Worten, »die Chemie« zwischen Menschen muss stimmen und das lässt sich nicht vorab klären, ob das der Fall ist.

Die heute optimale Form, auf die Internetbeiträge anderer Leute zu reagieren, ohne eine Antwort von diesen zu erwarten, besteht somit darin, in den Sozialen Netzwerken auf einen »eigenen« Blogbeitrag zu verweisen, der sich dann mit den Aussagen einer »anderen« Person angemessen auseinandersetzt. – Und »angemessen« meint eben, nicht in »trolliger« Weise.

Sind Blogs tot?

Überhaupt nicht.

Wenn damit gemeint ist, Texte zu schreiben und diese zu veröffentlichen.

Der Blog ist so ähnlich wie ein Nebengleis im Streckennetz der Bahn. Ich will nicht sagen, ein Abstellgleis. Obwohl. Wenn man auf so manchen Blog schaut, dann sind da schon die Spinnweben.

Jetzt fand ich einen Link zu einem Blog und »Au Backe«, der letzte Beitrag auf dem Blog war von August 2015. Hat der Schreiber einen neuen Blog und nur den alten gelassen, als Referenz?

Wer weiß.

Aber es ist wahr. Wer nur einen Blog hat, und sonst nichts, wie soll diese Person eine Leserschaft finden? – Immer mal wieder auf das Abstellgleis schauen, ob sich da etwas tut?

Nein, so funktioniert das Internet nicht.

Wer nur einen Blog hat, dessen Texte schimmeln so vor sich hin?

Vieles im Internet, was nach »Kommunikation« ausschaut, entpuppt sich als Sackgasse, Einbahnstraße, Missverständnis. Obwohl das Internet eine »zweite Öffentlichkeit« darstellt, haben wir Menschen uns noch nicht daran gewöhnt, diese zu nutzen und dabei zu zufriedenstellenden Ergebnissen zu kommen.

Da wären die »Foren«, Internetforen. – Typisch für sie ist, das anonyme Auftreten der Beteiligten. Moderatoren, Administratoren und User haben alle Fantasienamen. Die Beteiligten »leben« in einer abgeschlossenen Welt, die durch eine Forensoftware repräsentiert wird. – Wer ins Impressum schaut, wird ernüchtert. – Nicht selten ist irgendeine »GmbH« der Eigentümer des Forums. – Und der Teilnehmer hatte jahrelang gedacht, ein freundlicher Mensch stünde dahinter?

Wer in der Forenwelt herumzickt, eckt schnell an und wird verwarnt, von den Moderatoren, oder aus dem Forum ausgeschlossen, wenn zu häufig die hauseigenen »Regeln« missachtet werden, nach Meinung der Eigentümer. – Foren sind somit Willkürorte. Aber viele Internetnutzer wollen das lange Zeit nicht wahrhaben. – Können sie doch in den Foren, zumindest dem Gefühl nach, die Außenwelt dort ein bisschen widerspiegeln. Und verborgen hinter der »Maske« der Anonymität und einem Phantasienamen, kann jeder sein Verhalten ausprobieren.

Ähnlich beengt und bevormundet geht es in den Kommentarspalten der Online-Zeitungen zu. Ja, man kann sich dort anmelden, aber ein Moderator überwacht die Kommentare und wehe, der User hat die »Regeln« der Zeitung missachtet. – Dann wird der Beitrag nicht veröffentlicht.

Wem das häufiger passiert, dem vergeht die Lust am Kommentare schreiben. – Auch als User in den Kommentarbereichen der Zeitungen, erscheint der Teilnehmer anonym. – Er gibt sich einen Phantasienamen.

Wer jetzt endlich sagen will, was wirklich gedacht wird, kann aber auch auf einem eigenen Blog weiterhin »anonym« bleiben. Es gibt keine Vorschrift, einen Blog mit Realnamen zu betreiben. – Aber mal ehrlich, wer interessiert sich für Blogs und dann auch noch für solche, wo der Autor anonym bleiben will?

Kann man Verständnis für Personen aufbringen, die anonym Blogbeiträge abfassen? – Ja, wenn die Person sonst von den staatlichen Behörden verfolgt und angegriffen würde. – Aber ist das heute in der Bundesrepublik Deutschland der Fall? – So richtig Verständnis aufbringen, für Blogs, die in Deutschland anonym abgefasst sind, fällt doch schwer.

Das sieht dann eher so aus, als ob jemand mal so richtig »die Sau raus lassen« will, verbal und textuell, ohne dafür geradestehen zu wollen.

Was für die Blogs fehlt, ist ein Themenmarktplatz, der interessant daher kommt, so, dass Blogbetreiber Lust bekommen, dort aktiv zu sein, und nach anderen Autoren, mit denselben Themen, Ausschau zu halten, für Diskussion und Meinungsaustausch. – Ein solcher »Marktplatz« ist mir nicht bekannt.

»Wordpress« bietet dem Blogger den »Reader«. – Im Reader lassen sich über die Suchfunktion einige Seiten finden, die zu ähnlichen Themen Beiträge auf WordPress-Blogs veröffentlichen. – Allerdings ist die ganze Atmosphäre nicht »öffentlich« genug.

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Beiträge im Internet, sollen »öffentlich« sein, und als solche auch wirken.

Bloggen funktioniert also nicht?

Doch. Nur halt nicht so. – Es kommt natürlich auch auf die Themen an. Wer ganz exotische Interessen hat, wird vielleicht nur wenige Personen finden, die sich die Mitteilungen ansehen wollen.

Tatsächlich ist der Blog aber ein »Beipack«.

Was heißt das?

Der Blogger muss heutzutage in den Sozialen Netzen aktiv sein! Facebook, Twitter, Google+ und alle anderen.

Je nach Interessenslage, kann sich jeder Blogger auf eines der Netzwerke spezialisieren. – In den Sozialen Netzwerken werden keine tiefschürfenden Mitteilungen gemacht. – Es geht vielmehr um den schnellen, prägnanten Beitrag zu aktuellen Sachverhalten. – Und das muss nicht immer Politik sein!

Auch wer sein Spezialgebiet hat, Umweltschutz, Genderfragen, Gesundheit, kann mit seinem Wissen, Kenntnissen, Erfahrungen und Einschätzungen hilfreich die schnell wechselnden Diskussionen bereichern. – Das zeigt aber auch, was die Fähigkeiten des Bloggers sein müssen. – Er muss kompetent sein, in seinen Themen. Er muss zeigen, dass Klärung und Erkenntnis von Zusammenhängen sein Anliegen ist. – Der Blogger muss für die anderen Menschen nützlich sein, eine Hilfe. – Er muss eine Bereicherung sein, mit seiner speziellen Perspektive auf die Dinge. Die nur so, von ihm geleistet wird.

Das zeichnet den Blogger aus, der in den Sozialen Netzwerken aktiv ist. – Denn in den Sozialen Netzwerken kann der Blogger dann eine Diskussion zu einem Sachverhalt bereichern, indem er auf einen Artikel auf seinem Blog verweist, der zu einem Thema eine etwas ausführlichere Auseinandersetzung liefert, oder auf Einzelaspekte aufmerksam macht, die so noch nicht wahrgenommen wurden.

Der Blog ist ein Beipack zum Sozialen Netzwerk.

Da macht er Sinn. – Wer sehr aktiv ist, in den Sozialen Netzwerken, der kann ergänzend zu den Kurzbeiträgen auf Twitter, Facebook oder Google+, dann noch zusätzlich auf ausführlichere Beiträge auf seinem Blog verweisen.

Und genau so machen es ja auch bekannte, in der Öffentlichkeit stehende Blogger.

Aber ausschließlich und nur auf seinem Blog zu veröffentlichen, ist eher »tote Hose«. – Weil niemand immer wieder mal, auf so ein »Abstellgleis« schaut.

Der Blog muss sich also einfügen, in einen größeren Zusammenhang. Und da hat er seine Funktion.

Aber wie gesagt, auch ohne die Sozialen Netzwerke könnten die Blogs eine größere Lebendigkeit entfalten, wenn so etwas wie »kulturelle Blogmarktplätze« entstehen würden. – Und jeder Blog hat seinen eigenen »Marktstand«. Und alle oder manche schauen immer mal wieder vorbei, was sich »kulturell« so tut.

Pluralismus, Multikulturalismus und Menschenrechte

Nicole Lieger spricht in ihrem Text »Pluralismus in der Politik der Anziehung« von unterschiedlichen Lebenskonzepten und Sichtweisen, und stellt die Frage, ob diese, nebeneinandergestellt, keine unterschiedliche Bewertung erfahren sollen.

https://homepage.univie.ac.at/nicole.lieger/pda/plural.pdf

Frau Lieger spricht in ihrem Artikel nicht von den Menschenrechten. Aber gerade diese sind bei der Betrachtung von »Multikultur« und Pluralismus von großer Bedeutung.

Dass die »eigene Kultur« bedingt und begrenzt ist, bedeutet ja nicht, ein »kritikloses« Leben zu leben, in dem alles geschieht und da ist, und wir es hinnehmen müssen. Multikulturalismus und Pluralismus können nicht bedeuten, auf eine kritische Weltbetrachtung zu verzichten.

Gerade die Menschenrechte können dabei helfen, zu erkennen, wie eine Weltsicht aufgebaut sein könnte, die es zu verteidigen gilt. – Denn wenn wir darauf verzichten, die Lebenskonzepte und Verhaltensweisen um uns herum zu beurteilen, weil wir »kein Recht dazu haben«, weil wir »alle gleichermaßen« Werte und Regeln schaffen können, dann bleibt nichts für eine Orientierung und dann kann auch jede Gruppe versuchen, mit ihrer Lebensweise eine Vorherrschaft auf der Welt zu erlangen. – Denn wir sind doch alle gleich mit unseren Anliegen!

Was also ist verteidigungswert, was erstrebenswert, in welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Wenn wir feststellen, dass eine Grundeinkommens-Gesellschaft besser ist, als eine Hartz4-Gesellschaft, dann gelingt diese Feststellung doch nur, indem wir einen Wertekanon definieren, der durch die heutige Politik nicht erfüllt wird, der aber für uns unbedingt erstrebenswert und »menschenwürdig« ist. – Und wir erleben es gerade heute, dass die Vertreter der Regierung, der Regierungspolitik, kalt und skrupellos ihre Weltsicht in Gesetze packen, die für alle gültig sein sollen, und eine große Zahl an Menschen bereit sind, für die Politiker diesen brutalen Umgang mit den Menschen, mit den Armen und Arbeitslosen zu betreiben.

Sollten wir da nicht »pluralistisch« sein und sagen, »lasst die doch, die wollen halt anders das Leben gestalten«?

Dabei fällt nun auf, dass eine »Trennung« von unterschiedlichen Lebenskonzepten, Lebensweisen und Kulturgestaltungen gar nicht möglich ist. – Wenn der Nachbar im Wohnhaus aufgrund seiner »anderen Kultur« das Patriarchat pflegt, dann kann das unmittelbar für die übrigen Bewohner im Haus, in der Nachbarschaft Konsequenzen haben, zum Beispiel wie die Kinder dieser Leute sich verhalten, in der Schule, im Kindergarten, was in der Wohnung passiert und wie es den Frauen dort ergeht. All das strahlt aus, auf die Nachbarschaft und vielleicht sind die Mitmenschen nicht der Meinung, dass das in Ordnung ist, was da passiert.

So sind Kultur und Lebensweise nicht »monadenhaft« zu verstehen. Sie sind öffentlich, sie sind sichtbar, sie sind für alle, die den Lebensraum teilen, spürbar und erfahrbar. Und wir sind aufgerufen, damit umzugehen. Eine »Pflicht« zu irgendetwas, gibt es da nicht. Manche Menschen folgen ihrem Gefühl. Sie empfinden womöglich bestimmte Lebensweisen nicht als angemessen, nicht als richtig. Andere wiederum suchen nach rationalen Erklärungen, wie es vielleicht auch Frau Lieger in ihrem Beitrag getan hat.

Zu diesen rationalen Erklärungen und Bewertungen zählen dann auch die Menschenrechte. – Warum gibt es sie?

Gewalt, Mord und Totschlag wird immer wieder von Gruppen praktiziert, die gegen andere Menschen wüten und diese bedrohen. Wer Gewalt ausübt, muss Gründe haben. Und wer Gewalt ausübt, muss stark sein, sonst wird er schnell von der Gegnerschaft vernichtet und beseitigt.

Wenn heute in der globalen Welt Gewalt ausgeübt wird, dann meist durch »Staaten« oder Staatenbünden, die gegen andere Staaten oder Mitglieder der eigenen oder anderen Staaten vorgehen. Welche Argumente bringen sie dabei vor? – Meistens gibt es zu solchen Gewaltausbrüchen eine gewisse Vorlaufzeit. Die Weltgemeinschaft, alle Bürgerinnen und Bürger auf der Erde können sich über Nachrichten, persönliche Erzählungen und im Gespräch mit Mitmenschen ein Bild davon machen, wie diese Staaten »kulturell« einzuschätzen sind. Meistens sind es Jahre oder gar Jahrzehnte, in denen sich die Menschen ein Bild von den Kulturen, von den Staaten machen können, die es auf der Welt gibt. Und ein Staat oder Staatenbund fängt nun einen Krieg gegen andere an, wie auch immer das erklärt und begründet wird, und wir stehen vor der Aufgabe, das selbst einzuschätzen, selbst eine Position zu den Ereignissen zu haben. Ja, vielleicht ergibt sich sogar die Frage, ob wir aktiv für oder gegen diejenigen vorgehen wollen, die den Krieg begonnen haben.

Welche Kriterien helfen uns dabei, die Lage einzuschätzen? Wie wollen wir unsere Position zu den Ereignissen finden? – Gerade aus den Erfahrungen schrecklicher Kriege ist die Menschenrechts-Erklärung zu verstehen. Aus der Absicht, den Menschen eine Hilfe, eine Anleitung an die Hand zu geben, Ereignisse und Situationen zu bewerten, sind die Menschenrechte entstanden.

Was aber sind die Menschenrechte? Sie sind Individualrechte!

Dies ist ein sehr wichtiger Umstand. Denn vieles Unrecht, dass der Mensch erfährt, geschieht ihm als »Einzelwesen«. Er wird separiert, wird von der Herde, der Gruppe abgesondert, zum Beispiel, weil er sich angeblich »falsch« verhalten hat, und wird dann bestraft. – Oder der Einzelmensch separiert sich selbst von der Gruppe, der Herde, weil sie ihn erstickt oder mit ihren Regeln kein eigenes Leben leben lässt, aber die Gesellschaft ist nicht darauf vorbereitet, dass der sich selbst separierende Mensch existieren kann und für ein »Singleleben« gibt es keine Infrastruktur.

Das heißt, die Menschenrechte schützen den Einzelmenschen auch vor der Gruppe.

Findet damit aber eine »Bewertung« von Kultur statt? – Die Menschenrechte stellen den Einzelmenschen in den Vordergrund, und erklären den Einzelmenschen für wichtiger als die Gruppe. Wenn es um die Frage geht, wessen Ansinnen soll Beachtung finden und letztlich gewährt und unterstützt werden, befinden die »Menschenrechte« die Anliegen des Einzelmenschen höher als die Gruppenanliegen. – Ist das gut und richtig?

Darauf können wir nur individuell eine Antwort geben und dies einschätzen. – Wenn wir der Meinung sind, die Gruppenanliegen sind höher zu bewerten, als die Anliegen von Einzelpersonen, dann ist das halt so. – Ich halte die Menschenrechte für ein in der heutigen Zeit unbedingt brauchbaren und guten Orientierungspunkt, um sich in der globalen Welt zurechtzufinden und Situationen einzuschätzen und zu bewerten.

Aber stellen wir uns einmal vor, jemand würde die Gruppeninteressen höher bewerten, als die Individualinteressen. – Kann überhaupt eine »Gruppe« Interessen haben? Natürlich nicht!

Eine Gruppe kann nicht denken.

Auch hinter Gruppeninteressen stehen wieder einzelne Personen, die womöglich das Licht der Öffentlichkeit scheuen, die aber im Hintergrund die Gruppen lenken und Regeln bestimmen, nach denen die Leute ihren Weg gehen. – Somit kann davon ausgegangen werden, dass hinter Gruppeninteressen Machtinteressen einzelner Gruppenmitglieder stehen, die offen oder verdeckt, für alle anderen in der Gruppe, die Lebens- und Rahmenbedingungen formulieren.

Wollen wir das? Sind wir damit einverstanden?

Solange wir Pluralismus und Multikulturalismus nur aus der privaten Perspektive leben und beschreiben, von Bekannten aus dem Freundeskreis berichten, und wie wir mit ihnen umzugehen gedenken, hat das Ganze noch etwas Harmloses. Aber tatsächlich müssen wir uns als StaatsbürgerInnen denken, die Verantwortung für ein Gemeinwesen haben sollen. – Solange wir aus der Perspektive eines Jugendlichen oder jungen Menschen in die Welt schauen, fehlt meist der »Verantwortungs-Aspekt«. Menschen in diesem Alter haben meist noch keine Verantwortung für die Gemeinschaft, »für alle«. – Sofern wir aber diese Verantwortung für uns selbst in Anspruch nehmen, sofern wir Verantwortung für ein Gemeinwesen, für eine Familie, für eine kleine oder große Gruppe von Menschen übernehmen wollen und sobald wir die Öffentlichkeit und den öffentlichen Raum als einen wahrnehmen, den wir verantwortungsvoll gestalten wollen, dann können wir nicht mehr alle Lebensweisen zur »Privatsache« erklären, sondern müssen auch die Konsequenzen und wechselseitigen Wirkungen mit in unsere Betrachtung mit einbeziehen, wenn wir über »Kultur« sprechen und wenn wir ein Urteil fällen und unsere Kräfte in eine Richtung einsetzen möchten.

Wer überlebt

Wir müssen besser sein als die anderen, höher, schneller, weiter war das Motto. Doch Spezialisierung ist nur eine Form der Problembewältigung in der Natur.

http://foehrkommunikation.blogspot.de/2017/04/es-gibt-zwei-grundhaltungen-in.html

Aber was war das für ein »Problem«? – Das der Eine leben will, egal, ob die anderen auch geeignete Lebensumstände haben? Oder war es das Problem, dass alle Menschen leben wollen und in den Köpfen vieler ist das nicht vorgesehen, weil sie nur an sich denken?

Wo früher Kontrolle herrschte, baue ich jetzt Vertrauensverhältnisse auf. .. Der Sinn der Arbeit wird für die vielen Wissensarbeiter wichtiger, als das reine Geld verdienen.

Aber wie kann so eine Gesellschaft proklamiert werden, ohne die Rahmenbedingungen? Dasjenige, das Frau Föhr kritisiert (Kontrolle, zentrale starre klare vorgaben-orientierte Hierarchie, in einer Misstrauens-Umgebung) ist doch immer noch da, in Form einer dermaßen gestalteten politischen Macht und Gesetzeslage, Jobcenter und Arbeitsagenturen.

Alle, die heute die Erfahrung der Arbeitslosigkeit durchmachen, werden der »Heile-Welt-Beschreibung« der Autorin misstrauen. Auch wenn sie jetzt in einen Job vermittelt wurden, oder noch nie die staatlichen Arbeitsbehörden von innen gesehen haben. Die Drohungen des Staates gegen die »Arbeitstiere« liegen in der Luft. Jeder spürt, was ihm blüht, wenn er keinen Job hat.

Es kann nicht auf der einen Seite einen unterdrückerischen Staat geben, der seine Bürger mit Gesetzen zu bestimmten Verhalten zwingen will, und im Gegensatz dazu, eine »Pseudo-Freiheit« in Unternehmen, die von Unternehmensberatern mit den Mitarbeitern antrainiert wird: so tun, als ob wir gute Lebensverhältnisse hätten.

Die zwei Grundhaltungen, die ein Unternehmen haben kann, resultieren nach meiner Ansicht aus einer alten Denke (Angst und Mangel) und aus einer neuen Denke (Vertrauen und Fülle).

Oder ist es hartnäckiges Ignorieren der Realität.

Wo ist heute in dieser Gesellschaft »Fülle«? – Ich sehe überall Menschen an den Mülltonnen, um darin zu wühlen nach Verwertbarem, Flaschensammler, ständig neue Essens-Tafeln für Bedürftige, ständig weitere Bettler, die vor den Banken und Supermärkten sitzen, für ein paar Cent. – Die Zahl der Armuts-Gefährdeten steigt von Jahr zu Jahr, vermelden die Nachrichten. Aber wir sollen uns »der neuen Denke« zuwenden? – Das ist wohl kaum vorstellbar.

»Gemeinwesen mit souveränen Staatsbürgern« im Gegensatz zur Arbeitsgesellschaft

Sascha Liebermann schreibt in einem Beitrag [1], dass wir unterscheiden müssen, zwischen der »Arbeitsgesellschaft« und dem Gemeinwesen mit seinen Staatsbürgern als »Souverän«.

In der Arbeitsgesellschaft ist der Einzelne ersetzbar. Im Räderwerk der Auftragserfüllung, sollen die die effizientesten Kräfte zum Einsatz kommen. Wenn der konkrete einzelne Mensch das nicht ist, dann ein anderer oder gar eine Maschine. – Allein daran ist zu erkennen, dass der Einzelmensch nicht im »Arbeitsleben« seine Erfüllung findet, wenn er dort nach Optimierungsgesichtspunkten angeschaut wird und notfalls ausgetauscht gehört.

Die Sicherheit seiner Person, die Unverletzbarkeit seiner Würde erfährt der Mensch nur in seiner Position als Souverän. Da ist er »unantastbar«. Als geachteter Teil eines Gemeinwesens ist er mit seinen Eigenarten »beständig anwesend«. So nehmen wir uns gegenseitig wahr und versuchen nicht, uns gegenseitig in subjektiven Vorstellungen »anzupassen«.

Diese Betrachtung der großen Gesellschaft, gilt es herunterzubrechen auf die kleinen Lebensumstände und Zusammenkünfte.

Wenn wir als souveräne Staatsbürger zusammenarbeiten, dann tun wir das nicht als »Organisation«, als »Arbeitsteam«, sondern als selbstbestimmte Einzelwesen, die jede Facette ihrer Subjektivität einbringt, in eine Vernetzung und Kooperation. – Wenn wir als Staatsbürger zusammenarbeiten, bilden wir deshalb keine »Arbeitsgesellschaft«, sind wir nicht im Kleinen, was wir im Großen auch nicht sein wollen.

Als Staatsbürger wirken wir zusammen, um ein Grundeinkommen zu erreichen, indem wir nicht zusammen »arbeiten«, sondern uns gegenseitig anerkennen. Als Erstes. Dann bringen wir die Dinge auf den Weg, in dem sich jeder so einbringt, wie wir das möchten und von uns aus beabsichtigen. Und es wird sich ergeben, dass diejenigen, die besondere Fähigkeiten in einer bestimmten Richtung haben, in diese strömen werden und sich dort die Fähigsten einfinden.

Und dies geschieht so, dass alle, die in eine Richtung wirken wollen, dies einfach tun. Und wir alle sehen die unterschiedlichen Ergebnisse und wir werden diejenigen unterstützen, die wir vor anderen vorziehen.

Wohingegen das schlechtere Verfahren wäre, in einer Organisation, Arbeitsorganisation festzulegen, wer für bestimmte Aufgaben zuständig ist, und gar Leute in diese Bereiche »gewählt« werden und wir womöglich Ergebnisse haben, mit denen niemand wirklich zufrieden ist, weil es die »Souveränität des Einzelnen« verletzt.

Deshalb ist das Zusammenwirken der Staatsbürger nicht in Form der Arbeitsorganisationen, Unternehmen, Initiativen möglich. – Weil es die Kompetenz des »eigenwilligen« Subjektes in Frage stellt, welches aber der »Souverän« ist.

[1]
Sascha Liebermann – Demokratische Konsequenz; in Philip Kovce: Soziale Zukunft – Das Bedingungslose Grundeinkommen – Die Debatte

Wir, du und ich

Das Kind wächst in ein »Wir« hinein, bevor es ein »Ich« entwickelt.

Das »Wir« wird von den Bezugspersonen und weiteren Mitgliedern in der Lebensgemeinschaft gebildet. Zum Beispiel »Vater und Mutter« und Geschwister. Idealerweise haben Vater und Mutter bereits ein »Ich« entwickelt. An diesen »Ichen« kann sich das aufwachsende Kind orientieren.

In Kindheit, Jugend und jungem Erwachsenenalter entwickelt der Mensch sein »Ich«. – Dieser Prozess ist zeitlich nicht begrenzt.

Wer sein »Ich« nicht entwickelt, bleibt bei dem »Wir« stecken.

Typisch für diktatorisch-orientierte Gesellschaften ist es, dass Eigensinn, Subjektivität und Individualität bekämpft werden, weil sie angeblich das »Wir« in der Gesellschaft gefährden. Jede Form von Individualisierung wird als unerwünscht dargestellt, als ungeeignet für das dem Nationalbewusstsein typische »Wir«. – Die Ich-Entwicklung ist in einer Diktatur unerwünscht.

Da aber der Mensch sein »Ich« entwickeln will, verbirgt er dieses, wenn es bedroht wird. – Denn auch in einer Diktatur sind es wieder »Iche«, die sich mitteilen wollen und die die Geschicke der ganzen Nation lenken. Nur äußern sich die subjektiven Sichtweisen dann fortwährend eingekleidet in einem »Wir wollen das, wir sollten das, wir müssen das und jenes tun«. Und »Du solltest das, du müsstest das und jenes machen«. – Solche Sätze werden von denjenigen eingesetzt, die ihr »Ich« nicht offen zeigen wollen und können. Statt von sich zu reden, von dem, was sie selbst wollen, denken und machen würden, reden sie unentwegt auf andere ein, dass diese »dies und jenes« machen und tun sollten und das »wir« besser uns so und so verhalten sollten und so weiter. – Solche Leute reden nicht von sich, sondern immerzu von anderen, was diese wieder falsch gemacht haben und besser machen könnten, was diese nicht leisten können und wie »wir« voran kämen, wenn wir uns bloß richtig verhalten würden und wer alles bekämpft gehört, weil er sich nicht richtig verhält.

Personen, die ihr »Ich« hingegen weitestgehend entwickelt haben, können sich irgendwann wieder für ein »Wir« entscheiden. Nur entscheiden sie aus einem relativ reifen »Ich« heraus, wieder ein »Wir« zu schaffen, zum Beispiel mittels einer Partnerschaft.

Zwei Umstände begünstigen diesen Prozess der Neu-Schaffung eines »Wir«:

• Das »Ich« muss sich zeigen. – Es muss für andere sichtbar sein. Es muss seine Fähigkeiten, Fertigkeiten, Möglichkeiten, Interessen, es muss seine »Schönheit« zeigen, es muss sich für andere attraktiv machen. Es muss für andere attraktiv sein.

• Das »Ich« muss aus der großen Zahl anderer Iche ein Ich »auswählen«. – Es muss aus freien Stücken, freiwillig sich mit einem anderen Ich zusammentun. – Aus dem dann folgenden gemeinsamen »Tun« kann dann auf ein »Wir« geschlossen werden und die beteiligten Personen äußern sich dann auch entsprechend.

Dieses »Wir« ist freiwillig zustande gekommen.

Ganz anders das »Wir« aus der Kindheit. Dieses »Wir« kam nicht freiwillig zustande. Das erklärt auch, warum in dem Wir der Kindheit etwas »Zwanghaftes« drinsteckt. Und sind die Eltern unreif geblieben, dann ist es dem Kind auch nicht möglich, an ihnen ein reifes, selbständiges, eigenwilliges »Ich« zu erkennen, und es wächst ohne »Ich-Unterstützung« auf.

Wann ist etwas »reif«?

Ist jemand reif für einen öffentlichen Auftritt, wenn er nur 5 Akkorde auf der Gitarre spielen kann? Darüber kann kein »Wir« eine Auskunft geben, sondern nur derjenige selbst erstmal, der mit diesem Vermögen auftreten will, und natürlich wir alle, als Einzelpersonen, indem wir zu den Auftritten dieser Person eilen, weil wir das so toll finden, wie dieser Mensch Gitarre spielt. Oder indem wir als Einzelpersonen den Kopf schütteln, über so viel Unerfahrenheit, und diese Darbietungen meiden.

Ob eine Person, ein »Ich«, zu irgendetwas »reif« ist, bestimmt also in erster Linie diese Person selbst. Wer sich selbst reif dafür hält, zu heiraten in einem bestimmten Alter, kann das tun, und er wird sehen, was dabei herauskommt. – Andere Menschen haben sich nicht einzumischen in die Frage, ob jemand zu irgendetwas »reif« ist. »Wir« können nicht entscheiden, ob jemand zu etwas »reif« ist.

Die Reife drückt sich aus! – Und wir nehmen es dann wahr.

Sondersituationen sind dann gegeben, wenn wir »ausdrücklich« jemanden prüfen wollen, ob er »reif« ist. Zum Beispiel in Prüfungen. Aber hier in diesem Beitrag will ich ausschließlich die »Reife« ansprechen, die wir in freier Entscheidung zur Kenntnis nehmen, und nicht solche, die sich aus Spezialfällen ergibt.

Das »Du« wiederum kann »unreif« gehandhabt werden, indem es in das »Du« (in die andere Person) das eigene »Ich« projiziert, das sich nicht zeigen darf und deshalb im anderen auftauchen soll. – Wer selbst ein reifes Ich hat, wird das »Du« vorsichtig handhaben und den Respekt für die andere Person ausdrücken und die Würde der anderen Person anerkennen.

So haben wir das kindliche »Wir« und das erwachsene »Wir«.

Das kindliche »Wir« wird wahrgenommen aus einem schwachen, kaum entwickelten »Ich«. Bleibt das »Ich« wenig entwickelt auch in zunehmenden Alter der Person, ersetzt das »Wir« das »Ich« weitestgehend. Solche Zustände sind typisch für totalitäre und diktatorische Gemeinschaftsbildungen. – Dort herrscht das kindliche »Wir«.

Das erwachsene »Wir« hingegen, ergibt sich aus selbständigen »Ichen«. Die »Iche« produzieren sich (Inhalte) nach außen, in die Welt, damit die Inhalte, aber auch sie als Person sichtbar werden. – Sie zeigen sich. – Dies entspricht dem Bedürfnis des »Ich«. Die anderen »Iche« wiederum, wählen aus den vorhandene »Ichen« diejenigen aus, mit denen sie sich verbinden wollen. Daraus kann ein neues »Wir« entstehen. Die Formen des »Wir« aus erwachsenen »Ichen« sind vielfältig. Das können Partnerschaften sein, aber auch Freundschaften, Arbeitsgruppen, Interessengemeinschaften etc.

Irrtümer des Parteienwesens

Wir »sollen« zusammenarbeiten?

Organisationen sind nach bestimmten Vorstellungen aufgebaut. Das Miteinanderwirken der in ihnen involvierten Personen »soll« nach bestimmten Mustern erfolgen. Es wird eine Theorie entwickelt und die Realität soll sich ihr fügen. Geht das?

Menschen sollen zusammenarbeiten. Dazu werden sie gewählt. In einen Vorstand werden Leute gewählt. Auf die Zusammensetzung des Vorstandes haben die Personen, die zusammenarbeiten »müssen« aber keinen Einfluss. Das Ergebnis einer Vorstandswahl ist Glücksache.

Aber sind das gute Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit?

Und sollte sich nicht besser so eine Zusammenarbeit ergeben, dass Menschen »probieren« zusammenzuarbeiten, zum Beispiel in einem kleinen Projekt, bei einer kleinen Aktion, bei einer Einzel-Kampagne? Nach solchen Erfahrungen kann überlegt werden, ob die gemeinsamen Aktivitäten ausgebaut werden, weil zum Beispiel das »Teamwork« gut funktioniert hat.

Und wäre es nicht besser, uns erst mal umfangreich zu präsentieren (zum Beispiel online), damit andere sich »ein Bild« von uns machen können, ob sie überhaupt Interesse haben, an gemeinsamer Arbeit?

»Jeder kann in eine Partei eintreten.« Wirklich?

Auch die, die schlechte Absichten gegenüber einer Organisation haben, können in diese eintreten? Ist das nicht absurd?

Unter diesen Umständen kann jede Institution zerstört werden. Von innen.

Zusammenarbeit muss sich vertrauensvoll entwickeln. Ob funktionierende Teams vergrößert werden, darf nicht einer seelenlosen Organisationsregel überlassen werden. Dass dürfen allein die in einem Team befindlichen Personen entscheiden.

Nach welchen Regeln, in welchen Formen wir Menschen »am produktivsten« und effizientesten zusammen arbeiten können, sollten wir überprüfen, darüber nachdenken, dies gemeinsam besprechen und entsprechende Wege gehen, statt uns in vorkonzeptionierte Schachteln stecken zu lassen.

Inhalte, Gesprächskultur und Absprachen

Bei den Inhalten, die zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Thema »Bedingungsloses Grundeinkommen« produziert werden (Texte, Videos, Podcasts, etc.), geht es nicht nur um die »Qualität« der Produktionen, sondern auch darum, dass es öffentlich wird, wie viele Menschen sich für ein Grundeinkommen engagieren.

Die Anzahl der Menschen, die sich für ein bGE aussprechen und die Qualität von Einzelbeiträgen zum Grundeinkommen, sind beides wesentliche Faktoren bei der Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens.

Alle, die ein Grundeinkommen befürworten, sollten mit ihren Beiträgen in der Öffentlichkeit »sichtbar sein«. Das ist ganz wesentlich, für die Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens. – So, wie heute jeden Tag die Merkelstaat-Anhänger und Hartz4-Gesetze-Befürworter ununterbrochen »Werbung« machen, für ihre Gesellschafts-Vorstellungen, so müssen die Menschen, die sich für einen anderen Staat aussprechen, ihre Sicht der Dinge öffentlich bemerkbar machen. Dauernd, jeden Tag.

Das ist notwendig, damit in der Öffentlichkeit sichtbar ist, wie die Menschen denken.

Bei der »Gesprächskultur« wiederum, geht es darum, eine Form zu finden, die allen Menschen und ihrer Unterschiedlichkeit gerecht wird. Als Grundlage dient die Vorstellung, dass wir Menschen nicht einer Meinung sind. Und das es eher die Ausnahme ist, wenn wir in dieselbe Richtung denken.

Wenn das so ist, dann müssen Gespräche dies berücksichtigen. – Abhängig von der Größe der Gruppe, sollten alle Gesprächsteilnehmer »gleich viel« Zeit erhalten, um sich mitteilen zu können. Keine Äußerung sollte bewertet werden, unterbrochen werden, kritisiert werden. Niemand sollte in Aussagen angegriffen und beschuldigt werden. Stattdessen sollte jeder »von sich« und den eigenen Eindrücken sprechen, von der Wahrnehmung der eigenen Lebenswelt. Und dies den anderen mitteilen.

Wenn es um Entscheidungen geht, steht am Schluss dieses Gesprächs, oder am Schluss von mehreren Gesprächsrunden die Abstimmung. So sehr sich Einzelne auch echauffieren konnten, während der Gespräche, Tatsache ist doch auch, dass bei den Abstimmungen jeder Mensch eben »nur eine Stimme« hat, um die Richtung zu beeinflussen, in die die Gemeinschaft geht.

Gab es mehrere Handlungsmöglichkeiten abzustimmen, so wird sich zeigen, welches Angebot »eine Mehrheit« an Stimmen erhält. Das ist Demokratie. Direkte Demokratie.

Das bedeutet nicht, dass diejenigen, die mit ihren Ansichten nicht die Mehrheit erzielten, auf weiteres Engagement für ihre Anliegen verzichten müssen, wenn sie davon überzeugt sind, dass ihre Ansichten eine Umsetzung verdienen.

Wie ergibt sich Macht? Macht ergibt sich!

Aber Macht gezielt erlangen zu wollen, zum Beispiel durch manipulierte Wahlen, indem mit Absicht Leute in Institutionen geschickt werden, um dort Mehrheiten zu erreichen, um diese Institutionen »umzupolen«, muss verhindert und unterbunden werden, zum Beispiel dadurch, dass wir solche Strukturen in Institutionen, dass wir solche Organisationen nicht unterstützen.

Entwicklungen ergeben sich. Und sie können gezielt angestrebt werden. Aber »Macht« sollte nicht gezielt angestrebt werden. Macht ist sinnlos und wertlos.

Sollte gemeinsames Handeln »gewählt« werden?

Organisationen sind wie ein Gerüst. Sie sollen einer gemeinschaftlichen Interessenvertretung dienen. Organisation funktionieren nach bestimmten Regeln. Es ist eigentlich ganz einfach, Organisationen auszutricksen.

Angenommen die Organisation ist angetreten, um die Farbe »Rot« zu bewerben. Anhänger der Farbe »Grün« passt das nicht und sie sorgen dafür, dass viele anonyme Grüne bei den Roten eintreten. Dann schauen sie, dass sie »Schlüsselpositionen« in der roten Organisation ergattern. In dem sie »eigene Leute« bei Abstimmungen lancieren und zum »Wahlsieg« verhelfen. – Anschließend sorgen sie dafür, dass die Öffentlichkeitsarbeit für die Farbe »Rot« unprofessionell, stümperhaft und wenig erfolgreich verläuft. – All das ist möglich zu erreichen, in »Institutionen und Organisationen«.

Statt sich also zu einem »Marsch durch die Institutionen« aufzumachen, der womöglich in einen Irrgarten oder eine Sackgasse mündet und unsere Lebenskräfte verplempert, und statt uns durch »Wahlen« auseinander dividieren zu lassen, sollten wir lieber gezielt Ausschau halten, nach den Menschen, mit denen wir uns vorstellen könnten, eine Bürgerbewegung aufzubauen oder Projekte und Kampagnen durchzuführen. – Das wäre jetzt in Angriff zu nehmen.

Mit den Leuten Kontakt aufnehmen, sich persönlich absprechen und wenn möglich, nach und nach den Kreis der vertrauenswürdigen Personen vergrößern und bei dieser Form der Zusammenarbeit, weitestgehend auf »Wahlen« zu verzichten.

Rant zur bGE-Partei

Letztes Wochenende trafen sich die Parteimitglieder der Partei Bündnis Grundeinkommen zu einem Bundesparteitag. Dabei wählten sie ihren »Vorstand«. – Ich muss sagen, dass ich außerordentlich verärgert bin, über die dort getroffenen Entscheidungen.

Ronald Trzoska, der diese Partei mitgegründet hat und sich zur Wahl für den Vorstand gestellt hatte, wurde nicht in den Vorstand gewählt. Baukje Dobberstein, eine Ärztin aus Hannover, die sich auf ihrem Blog schon längere Zeit fundiert zum Grundeinkommen äußert, und sich ebenfalls für den Vorstand bewarb, ist ebenfalls nicht in den Vorstand gewählt worden. Dafür zwei Personen, die in der Vergangenheit in keinster Weise öffentlich zum Grundeinkommen in Erscheinung getreten sind. Aber Susanne Wiest wurde gewählt, und Verena Nedden, die ich von den Piraten kenne. Sie hat dort ihre »Rechnungen« zum Grundeinkommen bekannt gemacht.

Eine Organisation lebt durch ihre Mitglieder. Sie ist ohne diese nicht zu denken. Unterstützung kann demnach nur das Personal einer Institution erhalten, von Menschen außerhalb dieser Gruppierung.

Von den jetzt getroffenen Entscheidungen der Parteimitglieder bin ich ganz und gar nicht überzeugt. – Jemanden, dessen Herzblut mit der Gründung der Organisation verknüpft ist, nicht in den Vorstand zu bringen, obwohl er ausdrücklich Interesse bekundete, ist schon reichlich daneben. Und aus meiner Sicht unverzeihlich. – Von Weitsicht und Klugheit der Parteileute ist da wenig zu spüren.

Das dämpft meine Begeisterung für diese Gruppierung merklich. Ganz zu schweigen von meiner Bereitschaft, mich für sie zu engagieren. – Das war vorher noch anders.

Na gut. Es wird weitere und vielleicht interessantere Projekte zum Grundeinkommen geben. 😐

https://www.youtube.com/watch?v=Bgo8Ow5DZtk
https://baukje23.blogspot.de/
https://twitter.com/bgepartei/status/846061503191109634
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http://www.buendnis-grundeinkommen.de/