Archiv der Kategorie: Blick hinein

Warum das Individualrecht menschengemäß ist

Natürlich muss die Menschheitsentwicklung dabei berücksichtigt werden. Sicher hat die Gruppe für den Menschen immer eine Bedeutung gehabt. In der Gruppe sich verteidigen, in der Gruppe eine Arbeit bewältigen, als Gruppe sich für Ziele einsetzen. Und als Gruppe im Wettkampf mit anderen Gruppen obsiegen. – Dieser Gedanke wird noch heute gepflegt, zum Beispiel im Gruppen-Wettkampfsport.

Gleichzeitig hat es in der Menschheitsgeschichte aber immer auch die Tendenz gegeben, dass das Individuum gegen die Gruppe opponierte, sich Gruppenregeln widersetzen wollte, um sich als individuelles Wesen empfinden und behaupten zu können.

Beides ist miteinander verbunden, Gruppenentwicklungen und die Entwicklung des Einzelwesens.

In den neuen »Sozialimpulsen« [1] sind lesenswerte Beiträge zu finden, wie derjenige von Albert Schmelzer »Rudolf Steiners Memoranden von 1917 als Friedens- und Integrationsprogramm«.

Bei der Frage, wie wir Menschen in Frieden miteinander leben können und Kriege vermeiden können, ist für Rudolf Steiner der Einzelmensch, das Individuum das Entscheidende. Deshalb will er die Menschenrechte als Maßstab für unser Zusammenleben nehmen. Schmelzer sieht in diesen Annahmen von Rudolf Steiner einen richtigen Ansatz auch für die heutigen Aufgaben, um ein Zusammenleben von uns Menschen gelingen zu lassen.

Aber wann der Mensch sich mehr an Gruppen- oder Individualrechten orientieren will, ist seine Sache. Deshalb sind die Entwicklungen beider Rechtsgebiete nicht immer einfach vorherzusehen. – So können Menschen aus einem Zustand großer individueller Freiheit »ausbrechen« und die Geborgenheit und Sinnerfüllung suchen, in rigiden Gruppenstrukturen, weil sie in ihrem Singleleben nicht weiterkommen und ratlos sind. Umgekehrt wenden sich Einzelmenschen von ihren Herkunftsgruppen ab, weil sie sich als Individuum eingeengt fühlen und sich nicht entfalten können und suchen die anonyme Großstadt, um ein »neues Leben« zu beginnen.

Der große Rahmen, der unser Zusammenleben regeln soll, ist die Verfassung. Sie ist gültig sowohl für Gruppen, als auch für Individuen. Die Verfassung orientiert sich an den Menschenrechten. Und im Zweifelsfall/Streitfall gilt: Individualrecht hat Vorrang vor Gruppenrecht.

Schmelzer erwähnt drei Orientierungsmuster für Gesellschaften: das Nationale, den Multikulturalismus, den Verfassungspatriotismus.

Weder der Nationalismus, noch der Multikulturalismus funktionieren, weil sie den Einzelmenschen nicht schützen. Einzig der Verfassungspatriotismus würde dem einzelnen Menschen Schutz gewähren, wenn die Verfassung sich bezieht, auf die Menschenrechte.

Interessant ist auch eine andere Sicht auf diese drei Organisationsformen menschlichen Zusammenlebens: Der Nationalismus stellt eine Großgruppe dar, der Multikulturalismus hat das Land und die Nation als Rahmen, und darinnen vielerlei Ethnien und Volksgruppen. Aber der Verfassungspatriotismus [2] käme gänzlich ohne trennende Landbeschreibung aus, und könnte auch als Weltverfassung gedacht sein, weil nicht mehr die Differenz zu irgendetwas anderem (Menschlichen) ein Problem darstellt und zur Aufgabe wird, sondern alles verschiedene Menschliche gleichermaßen wichtig und anerkannt ist. – Der Mensch steht im Mittelpunkt der Verfassung, Konkurrenz zu irgendjemandem anderen gibt es nicht, weil ja die Individualität selbst geschützt und geachtet ist, eines jeden Menschen.

Wenn das aber Friedensgrundlage ist: Menschenrechte, Individualrechte, der Einzelmensch, geschützt über eine Verfassung, die die Menschenrechte zur Grundlage hat, dann gibt es eine fast nahtlose Verbindung zum bGE.

Erinnern wir uns an die Kriterien für ein Bedingungsloses Grundeinkommen (bGE): ein existenzsicherndes, garantiertes, beständiges Einkommen, als Individualrecht und Menschenrecht ausgestaltet und gesetzlich verankert, das an keinerlei Bedingungen geknüpft ist.

Das Bedingungslose Grundeinkommen ist ein Friedensbeitrag für die Welt.

Umgekehrt erscheinen nun manche Aussagen von Grundeinkommens-Gegnern in einem bezeichnenden Licht. Etwa wenn die Gegner des bGE betonen, dass »die Gruppe« der Reichen kein Grundeinkommen bräuchte. Und die Gruppe der »Millionäre« der Gruppe der »Armen« gegenübergestellt wird. Und die Gruppe der »Arbeitslosen« muss integriert, fortgebildet, angereizt oder auch mal diszipliniert und sanktioniert werden.

Wie durch eine Lupe wird deutlich, wie es viele Menschen noch im Gruppendenken festhält und sie dem Einzelmenschen keine Autonomie zugestehen wollen und jeden in ein Töpfchen packen möchten. – Und natürlich bedarf es dann auch eines Kontrollapparates, der beständig feststellen muss, wer in welche Schublade gehört.


So scheint es einen Entwicklungsstrang zu geben, der die Menschheit weiterführt, immer stärker in die Individualität. – Und es bleibt dem Einzelmenschen frei überlassen, wie viel er sich in der Gruppe orientieren will oder nicht.

[1]
Sozialimpulse Nr.4, Dezember 2017; Rundbrief Dreigliederung des sozialen Organismus; Initiative Netzwerk Dreigliederung

[2]
Den Begriff halte ich für ungeeignet. Besser finde ich »die Verfassungsbezogenheit«.

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Gedankensammlung 2018-01-06

Kung Fu Panda [Englisch] ist ein Film für die ganze Familie. – Die Moral dieser Film-Geschichte ist, dass wir an einen Menschen glauben können, an seine Entwicklung, seine Wandlungsfähigkeit, seine Möglichkeiten, einen bestimmten Weg zu gehen. – Dieser Mensch verwendet vielleicht andere Methoden, als wir es gewohnt sind, um zu einem Ziel zu gelangen, aber er kann es und schafft es.

Es ist aber auch ein Beitrag, der die individuelle Freiheit betont und die Individualität als etwas Wertvolles hervorhebt. – Die Einzigartigkeit von uns Erdenwesen, wird in dem Film anschaulich gemacht. – Aber auch die Freude, die wir haben, miteinander zu sein und uns gegenseitig zu schätzen und zu mögen.


Die Autorin Frances Coppola hat auf ihrem Blog einen Artikel über Eugenik veröffentlicht [Englisch] , in dem sie sich mit einem Beitrag von Toby Young auseinandersetzt.

Young will die Gesellschaft »verbessern«, indem intelligentere Menschen sie bevölkern, als es heute der Fall ist. Wie will er das erreichen? Mit Eugenik.

Eugenik ist eine labormäßige, technische, biologische Herumexperimentiererei am Menschen. Statt Eugenik könnte sie auch Frankensteinik genannt werden, so absurd, gefährlich und bedrohlich erscheint sie mir. – Die negative Eugenik eliminiert Unerwünschtes am Menschen, oder den Menschen selbst. Sie war bevorzugte Methode bei den Nazis.

Die positive Eugenik will Erwünschtes beim Menschen fördern. – In dem zitierten Artikel von Coppola geht es um »Intelligenz«, die erwünscht ist, und in der Gesellschaft einen Vorrang eingeräumt werden soll. Wie denkt sich Toby Young das?

Embryonen sollen untersucht werden. Jene, die wahrscheinlich den intelligenteren Menschen hervorbringen, sollen sich entwickeln dürfen, die anderen eher nicht. Dadurch würde sich die Qualität der Gesellschaften verbessern und leistungsfähigere, klügere Menschen hervorbringen.

Die Autorin verurteilt zurecht diesen Ansatz, obwohl sie meiner Meinung nach, viel zu viel Gedanken an dieses Konzept verschwendet.

Eugenik ist ja eben nicht »Gott spielen«. Es ist »Teufel spielen«.

Wir Menschen sind, wie wir sind. In die natürlichen Vorgänge einzugreifen, ist »Teufel spielen«. Statt einer Wahnidee hinterherzuhecheln, die uns alle zu Intelligenzbestien macht, soll das Leben selbst entscheiden, wie die Menschheit sich entwickelt. – Möglicherweise gibt es auch Ruhephasen in der Menschheitsentwicklung.

Was ist aber mit Eltern, die kein behindertes Kind großziehen wollen. Ist das berechtigt, Embryos auszusortieren? Das ist Privatsache. Wer es tun will, trägt auch die moralische Verantwortung dafür, dass ein Embryo nicht zur Entwicklung freigegeben wurde. Aber es ist nicht Sache und Angelegenheit der ganzen Gesellschaft.

Coppola beschreibt aus ihren persönlichen Erfahrungen und jene, mit ihrem Sohn, wie Schulprüfungen darüber entscheiden, ob man in angemessene Schulen gelangt und einen erwünschten Lebensweg gehen kann. – Das wird aber so dargestellt, als ginge es um Leben oder Tod.

In der heutigen Zeit wird den Menschen suggeriert, nur die Fittesten finden einen guten und gut-bezahlten Job. Der Wettbewerb gegeneinander ist wichtiger denn je, in den heute totalitären Pseudo-Demokratien. Und Frances Coppola scheint selbst in einer solchen zu leben.

Gesellschaften, in denen jegliche gegenseitige Fürsorge und Mitgefühl aufgegeben wurde und nur noch der nackte Überlebenskampf »Jeder gegen jeden« an der Tagesordnung ist, sind der ideale Nährboden für dämonische Vorschläge, wie die Eugenik, als Ausweg aus der Krise.

Statt sich der offensichtlich »kranken Seele« des Menschen zuzuwenden, wird an seiner Physis herumgebastelt, um ihn besser zu machen.

Ist die Entwicklung der Menschheit statisch? Sicher nicht. Es ist egal, ob 10 Milliarden Menschen sich weiterentwickeln, oder 10. Wenn sich die Erde durch den Klimawandel soweit verändert, dass ein Großteil der Menschheit stirbt, dann ist es halt so. – Wir Menschen müssen auch fühlen können, welcher Weg der richtige ist. Was moralisch vertretbar wäre, und was nicht. Wären die Nazis nicht gestoppt worden, wäre deren Denken heute noch Gesetz.

Toby Young, mit dem sich Frau Coppola in ihrem Beitrag auseinandersetzte, ist ja gerade in den letzten Tagen, Thema in England gewesen, weil er von der Tory-Regierung zur Aufsichtsperson über die Universitäten erklärt werden sollte. Dabei wurden viele seiner Tweets auf Twitter zitiert, die ihn in moralisch fragwürdiger Haltung zeigten. – Und da passen seine Ansichten zur Eugenik »wie die Faust auf’s Auge«.


In den USA wurde ein Fall diskutiert, der im Kontext »Diskriminierung« in Erscheinung trat. Ein Konditor, der sich auf Hochzeitstorten spezialisiert hatte, weigerte sich, einem homosexuellen Paar eine Torte zu kreieren. Hier ein Artikel darüber. [Englisch] – Ich habe den Fall nicht weiterverfolgt. Er dient mir hier als Aufhänger, um über das Thema »Arbeit« und Arbeitszwang zu sinnieren.

Es gibt ganz unterschiedliche Situationen von Arbeit. – Eine Person ist in einer großen Firma beschäftigt. Sie arbeitet in einem Abhollager. Die Kunden kommen mit der Kauf-Quittung zum Ausgabeschalter, um die Ware in Empfang zu nehmen. Die Person reicht nach Vorlage der Quittung die Ware aus.

Wenn nun diese Person die Ware nicht aushändigen würde, weil ihr die Kopfbedeckung eines Kunden nicht passt, der seine Ware abholen will, dann kann sie nicht an dieser Stelle arbeiten und wird höchstwahrscheinlich entlassen. – Oder es kommen zwei Männer, und die Person glaubt Homosexuelle zu bedienen, und sie weigert sich die Ware herauszugeben, dann wird sie ebenfalls höchstwahrscheinlich ihre Stelle verlieren. Aber hier wäre schon unklar, ob die Person belangt würde, weil sie ihre Arbeit nicht macht oder weil sie sich diskriminierend verhält.

Aber es wird bereits deutlich, dass für »abhängig Beschäftigte« die Situation viel klarer zu sein scheint. Denn abhängig Beschäftigte müssen gemäß den Anweisungen ihrer Arbeitgeber sich verhalten. Sie müssen das tun, was ihr Chef ihnen sagt, sonst verlieren sie diesen Arbeitsplatz wieder. Diskriminierung wäre in diesem Fall eine nachgeordnete Verfehlung. Vorrangig wäre die Arbeitsverweigerung, die belangt würde.

Anders sieht die Sache aus, bei Selbstständigen.

Selbstständig sein, kann nicht bedeuten, dass eine fremde Person mit einem Geldschein winkt, und der Selbstständige müsste das machen, was der Geldbesitzer will. Denn wäre das so, dann wäre der Selbstständige nicht selbstständig, sondern ein Sklave.

In den alten Sklavengesellschaften hob der »Master« die Peitsche, und der Sklave wusste, er muss jetzt das tun, was der Sklavenhalter will, sonst wird er geschlagen. Heute hat sich die Peitsche in einen Geldschein verwandelt. Zumindest glauben manche Geldbesitzer, sie könnten über arbeitswillige, aber selbstständige Menschen verfügen, wenn sie mit dem Geldschein winken. – In einer freien Bürgergesellschaft darf jedoch genau das nicht möglich sein, dass das Selbstbestimmungsrecht der Menschen mit der Bezahldrohung ausgehebelt wird. – »Ich drohe, dich zu bezahlen. Dann musst du das machen, was ich von dir will.« – So darf es eben nicht sein.

Gerade heute haben wir die Situation, dass viele Geldbesitzer, die sich ihr Geld (=Verfügungsrecht über Andere) womöglich auf dubiose Weise beschafft haben, meinen, sie könnten mit diesem Hebel beliebig über andere Menschen verfügen.

Nehmen wir den selbstständigen Schreiner. Er bekommt den Auftrag, einen Tisch neu herzurichten. Ein verschnörkeltes Muster soll eingraviert werden. Er macht sich große Mühe, aber der Kunde befindet, es sei nicht in Ordnung. Der Schreiner soll nun kostenlos eine Ersatzleistung erbringen.

Warum sollte es nicht möglich sein, nicht für Leute zu arbeiten, die einem aufgrund verschiedener Umstände unsympathisch sind? Und stattdessen seine Dienstleistungen nicht mehr offen, am Markt anzubieten, sondern nur noch privat. – Personen, die einem als vertrauenswürdig vermittelt werden, hätten die Gelegenheit, sich als akzeptable Kunden zu bewähren. – Wer als Kunde nur Ärger macht, bekommt keine Arbeitsleistung, auch wenn dieser noch so viele Geldscheine besitzt. – Eine Verpflichtung, für irgendjemanden zu arbeiten, gibt es nicht, im Bereich der Selbstständigkeit.

Wie wäre es denn, einmal festzuhalten, dass ein Selbstständiger niemals verpflichtet ist, für jemanden eine Leistung zu erbringen. Sondern immer nur »freiwillig« dies tut. Somit besteht auch für niemanden ein Recht, eine Leistung erwarten zu dürfen. Wer selbstständig ist, kann nach eigenen Kriterien entscheiden, für wen gearbeitet wird und ob überhaupt.

Sonst hätten wir ja wieder den Arbeitszwang für alle, über die Hintertür des Geldbesitzes. Wer Geld besitzt, könnte andere zwingen, für einen zu arbeiten. – Das kann aber niemals der Fall sein. Arbeit ist eine grundsätzlich freie Angelegenheit. Niemand, kein Staat, kein Richter, kein vermeintlicher Kunde hat das Recht, einen anderen Menschen zu irgendeiner Arbeit zu zwingen.

Diskriminierung meint aber etwas anderes. – Wenn allen Bürgern Leistungen zugänglich sind, und man würde bestimmte Personengruppen von diesen Leistungen ausschließen, das wäre Diskriminierung. – Aber individuelles Verhalten ist keine »allen Bürgern zugängliche Leistung«. Individuelles Verhalten benötigt die »Freiheit für das Individuum« und die eigene, unabhängige Entscheidung.

Verschiedene Dimensionen

Die wirkliche Welt ist wie zugemauert. Der Mensch hat kaum noch Betätigungsmöglichkeiten. Alles ist blockiert und gesperrt, durch Eigentumsrechte, Besitzansprüche, Verbotszonen.

Hingegen das Internet erscheint wie das Paradies. Zumindest ein Raum mit unendlicher Freiheit und Entfaltungsoptionen. Es gibt kaum etwas, was das Individuum dort nicht alleine erledigen könnte. Der Selbstverwirklichung ist so gut wie keine Grenze gesetzt.

So verlagert sich unser Leben immer mehr in das Internet. – Der öffentliche Raum ist nicht die Dorfstraße oder die Fußgängerzone, sondern die Datenautobahn und die sozialen Netzwerke und der Blog und die Homepage, YouTube und Twitter. Aber auch Bildung und Wissensvermittlung, beruflich tätig sein und professionelle Aktivitäten sind möglich. Und natürlich sich zu unterhalten, Spiele zu spielen, mit anderen zu kommunizieren, über Skype, Email und Co. Wir können Bücher schreiben oder lesen, einkaufen beim Online-Händler, über Karten den nächsten Urlaub planen und ihn dann auch gleich buchen, oder uns mit dem Smartphone im Auto zum nächsten Ausflugsziel navigieren lassen. – Das Internet und die Computertechnik ist die eierlegende Wollmilchsau schlechthin. – Dagegen ist die physische Welt lahm und bedrückend.

Wer ohne Internet lebt, ist auf die alten Orientierungen angewiesen. Zeitung, Radio und Fernsehen. Besuch beim Nachbarn. In die Kirche gehen. Ein Papierbuch lesen. Neuigkeiten mündlich weitererzählen. Mit dem Bus in die Stadt fahren, um die Bibliothek aufzusuchen, um etwas nachzuschlagen. Zur Bank laufen, um den Überweisungsbeleg in den Briefkasten zu werfen und die Kontoauszüge ausdrucken zu lassen. Beim Arzt anrufen, um einen Untersuchungstermin zu vereinbaren.

Es braucht Jahre, aber die Veränderungen kommen. Wer nicht will, wer das Internetzeitalter meidet, der lebt halt anders. Es braucht noch einige Zeit. Aber die Gesellschaften werden sich so verändern, dass die nächsten Generationen ganz selbstverständlich in diese neue Welt eintauchen werden. Und das Entscheidende dabei ist, wir Menschen erhalten dadurch mehr Möglichkeiten. Deshalb werden wir es nutzen.

Kollegen in der Firma .. Kollegen im Dienst

Viele Menschen kennen diese Situation gar nicht. Sich mit anderen am Arbeitsplatz absprechen müssen, sich mit Kolleginnen und Kollegen arrangieren müssen.

Eine Menge Leute gestalten ihre Tätigkeiten selbständig, verfügen über einen eigenen Arbeitsplatz, den sie komplett selbst verantworten und gestalten können und sind somit auch nicht von anderen Personen dabei abhängig oder rechenschaftspflichtig. – Dazu gehören unter anderem Handwerker, Kulturschaffende, Künstler, Personen im Gesundheitsbereich und natürlich Unternehmer.

Aber es gibt nun einmal auch ganz viele, die ständig mit Kollegen sich absprechen müssen, zum Beispiel im Handel, in Verkaufsläden, im Lagerbereich. Und natürlich gibt es nicht nur die selbständigen Handwerker, sondern auch die vielen abhängig beschäftigten, die ihren Chef haben, ihren höher eingestuften Kollegen, mit denen sie sich arrangieren müssen und den ganzen Tag zusammen sind.

Ist es einfach, sich mit Kollegen abzusprechen?

Nein, es kann schwierig sein, mit manchen Kollegen. Am anstrengendsten sind Kollegen, die aggressiv, unfreundlich und unhöflich sind. Ja, es gibt sogar welche die sich unverschämt und beleidigend verhalten und sogar welche, die gezielt Mobbing betreiben, ihre Kollegen bedrohen, schikanieren, bewusst bei der Arbeit benachteiligen, schlecht stellen, provozieren, um diese Personen aus der Firma oder aus der Behörde oder Institution herauszutreiben, um den Arbeitsplatz Freunden, Verwandten oder Bekannten zuzuschustern. – Mit anderen Worten, es ist gar nicht so einfach, ein friedvolles Zusammenwirken zu gestalten, wenn man böswillige Mitmenschen als Kollegen hat.

Wie kann man nun damit umgehen, mit solchen Situation.

Einmal sind das allein private Vorgänge, die aber in einem öffentlichen Raum stattfinden. Wer mir privat in seinem Verhalten nicht sympathisch ist, diese Person kann ich einfach meiden, indem ich keinerlei physisches Zusammensein zulasse und im Internet meidet man solche Leute, indem man sie blockiert, ignoriert und einfach kein Gespräch mit ihnen führt.

Für den einfachen Mitarbeiter ist die Firma ein Ort, der nicht von ihm eingerichtet wurde. Jemand anderes hat ihn geschaffen. Der Firmengründer, der Firmenkäufer, der Besitzer der Firma, der Eigentümer der Firma. – Warum halten wir uns an diesen fremden Orten auf? Wir wollen Geld haben, und gehen dort hin, um für Arbeit Geld zu bekommen. Das ist oft der einzige Grund, warum wir an solche fremde Orte gehen. Wir haben kein persönliches Interesse, uns dort aufzuhalten. Wir wollen nur das Geld haben. – Und es gibt Menschen, die die Arbeit durchaus interessant finden, und vielleicht sogar gerne zur Arbeit kommen.

Nun haben wir aber einen absolut unsympathischen Kollegen. Und was nun?

Wenn wir den Kollegen meiden wollen, gehen wir nicht mehr zur Arbeit. Dann sehen wir die Kollegen nicht mehr, die einem unsympathisch sind. Aber wir bekommen auch kein Geld mehr, da wir nicht am Arbeitsplatz unsere Arbeit machen. Ein Problem!

Wir können uns beim Chef beschweren. Es können Gespräche stattfinden. Der gemobbte Mitarbeiter kann sich immer wieder über einen Kollegen beschweren, aber wie geht es jetzt weiter. Der Chef kann abwiegeln, kann sagen, das Angeführte sei nicht der Rede wert, in den Kasernen des Militärs gäbe es auch schon mal ein rauer Ton. Das müsse der geschädigte Mitarbeiter aushalten. Oder der Chef kann sich auf die Seite des Klägers stellen, kann die beschuldigte Person ermahnen, oder diese zum Gespräch bitten, kann ein Dreiergespräch anberaumen, um eine gemeinsame Lösung zu finden. – Problematisch ist es, wenn der Chef oder der Vorgesetzte kein Verständnis für die Beschwerden des betroffenen Mitarbeiters aufbringt. – Wie kann es dann weitergehen?

Es ist im Grunde eine Konfrontationssituation, die sich nicht auflösen lässt. Eine Zusammenarbeit scheint unumgänglich, da alle Beteiligten aus der Arbeitssituation einen Gelderlös haben wollen. Wer sich zurückzieht, hat verloren, hat ein Einkommen verloren. Deshalb will sich niemand zurückziehen, aber es gibt Beteiligte, die mit Gewalt der Begegnungsangelegenheit ihr Gepräge aufdrücken wollen. – Dies müsste eigentlich abgewehrt werden. Aber von wem?

Der Chef kann sagen, »Geht mich nichts an. Die Leute in meiner Firma müssen schon selbst miteinander zurechtkommen«. – Ja, es ist wahr. Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen wäre die Situation für die Menschen viel leichter, weil sie nicht existenziell abhängig von den Einnahmen am Arbeitsplatz wären. Sie könnten sich bei miesen Arbeitsbedingungen, zu denen auch ein schlechtes Arbeitsklima zählt, zurückziehen. Allerdings sollten böswillige Menschen auch nicht die Möglichkeit erhalten, ihre Mitwelt zu terrorisieren. – Es muss also Gelegenheiten geben, solches Verhalten abzublocken.

Was kann eine betroffene Person tun?

Nehmen wir an, eine Kollegin spricht einen Kollegen vor den Kunden an, es sei die Arbeit nicht richtig gemacht worden. Einmal ist es nicht klar, ob diese Aussage überhaupt stimmt, zum Anderen geht es nicht, vor den Kunden einen anderen Mitarbeiter herunterzuputzen oder zu tadeln. Grundsätzlich sollte überlegt werden, ob ein Rechtsanwalt zurate gezogen wird. Insbesondere dann, wenn es ein gut bezahlter Job ist. Denn um einen solchen Job zu kämpfen, würde sich lohnen. Oder wenn man in der Gewerkschaft ist, kann die Gewerkschaft eingeschaltet werden. Wenn beides nicht infrage kommt, muss der Chef auf das Thema angesprochen werden. Wie verhält er sich, zeigt er Verständnis für das Anliegen, oder blockt er ab und stellt sich sogar auf die Seite des Beschuldigten. – Die gemobbte Person muss deutlich machen, dass sie solches Verhalten nicht duldet. Wie sehen dann die Konsequenzen aus? Man kann ankündigen, dass man mit der beschuldigten Person in keinster Weise mehr zusammenarbeiten will. Und wie ist das zu bewerkstelligen, wenn es von den Arbeitsabläufen nicht möglich ist? Wenn die beschuldigte Person eine firmeninterne Vorgesetzte ist, entsteht ein kaum lösbares Problem.

Hier zeigt es sich wieder, wie heilend ein Bedingungsloses Grundeinkommen wirkt. Denn wir wären nicht aufeinander angewiesen, um zu existieren und wir könnten uns Beziehungsverhältnisse suchen, in denen wir uns wohlfühlen. – All das ist heute nicht möglich.

Pluralismus, Multikulturalismus und Menschenrechte

Nicole Lieger spricht in ihrem Text »Pluralismus in der Politik der Anziehung« von unterschiedlichen Lebenskonzepten und Sichtweisen, und stellt die Frage, ob diese, nebeneinandergestellt, keine unterschiedliche Bewertung erfahren sollen.

https://homepage.univie.ac.at/nicole.lieger/pda/plural.pdf

Frau Lieger spricht in ihrem Artikel nicht von den Menschenrechten. Aber gerade diese sind bei der Betrachtung von »Multikultur« und Pluralismus von großer Bedeutung.

Dass die »eigene Kultur« bedingt und begrenzt ist, bedeutet ja nicht, ein »kritikloses« Leben zu leben, in dem alles geschieht und da ist, und wir es hinnehmen müssen. Multikulturalismus und Pluralismus können nicht bedeuten, auf eine kritische Weltbetrachtung zu verzichten.

Gerade die Menschenrechte können dabei helfen, zu erkennen, wie eine Weltsicht aufgebaut sein könnte, die es zu verteidigen gilt. – Denn wenn wir darauf verzichten, die Lebenskonzepte und Verhaltensweisen um uns herum zu beurteilen, weil wir »kein Recht dazu haben«, weil wir »alle gleichermaßen« Werte und Regeln schaffen können, dann bleibt nichts für eine Orientierung und dann kann auch jede Gruppe versuchen, mit ihrer Lebensweise eine Vorherrschaft auf der Welt zu erlangen. – Denn wir sind doch alle gleich mit unseren Anliegen!

Was also ist verteidigungswert, was erstrebenswert, in welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Wenn wir feststellen, dass eine Grundeinkommens-Gesellschaft besser ist, als eine Hartz4-Gesellschaft, dann gelingt diese Feststellung doch nur, indem wir einen Wertekanon definieren, der durch die heutige Politik nicht erfüllt wird, der aber für uns unbedingt erstrebenswert und »menschenwürdig« ist. – Und wir erleben es gerade heute, dass die Vertreter der Regierung, der Regierungspolitik, kalt und skrupellos ihre Weltsicht in Gesetze packen, die für alle gültig sein sollen, und eine große Zahl an Menschen bereit sind, für die Politiker diesen brutalen Umgang mit den Menschen, mit den Armen und Arbeitslosen zu betreiben.

Sollten wir da nicht »pluralistisch« sein und sagen, »lasst die doch, die wollen halt anders das Leben gestalten«?

Dabei fällt nun auf, dass eine »Trennung« von unterschiedlichen Lebenskonzepten, Lebensweisen und Kulturgestaltungen gar nicht möglich ist. – Wenn der Nachbar im Wohnhaus aufgrund seiner »anderen Kultur« das Patriarchat pflegt, dann kann das unmittelbar für die übrigen Bewohner im Haus, in der Nachbarschaft Konsequenzen haben, zum Beispiel wie die Kinder dieser Leute sich verhalten, in der Schule, im Kindergarten, was in der Wohnung passiert und wie es den Frauen dort ergeht. All das strahlt aus, auf die Nachbarschaft und vielleicht sind die Mitmenschen nicht der Meinung, dass das in Ordnung ist, was da passiert.

So sind Kultur und Lebensweise nicht »monadenhaft« zu verstehen. Sie sind öffentlich, sie sind sichtbar, sie sind für alle, die den Lebensraum teilen, spürbar und erfahrbar. Und wir sind aufgerufen, damit umzugehen. Eine »Pflicht« zu irgendetwas, gibt es da nicht. Manche Menschen folgen ihrem Gefühl. Sie empfinden womöglich bestimmte Lebensweisen nicht als angemessen, nicht als richtig. Andere wiederum suchen nach rationalen Erklärungen, wie es vielleicht auch Frau Lieger in ihrem Beitrag getan hat.

Zu diesen rationalen Erklärungen und Bewertungen zählen dann auch die Menschenrechte. – Warum gibt es sie?

Gewalt, Mord und Totschlag wird immer wieder von Gruppen praktiziert, die gegen andere Menschen wüten und diese bedrohen. Wer Gewalt ausübt, muss Gründe haben. Und wer Gewalt ausübt, muss stark sein, sonst wird er schnell von der Gegnerschaft vernichtet und beseitigt.

Wenn heute in der globalen Welt Gewalt ausgeübt wird, dann meist durch »Staaten« oder Staatenbünden, die gegen andere Staaten oder Mitglieder der eigenen oder anderen Staaten vorgehen. Welche Argumente bringen sie dabei vor? – Meistens gibt es zu solchen Gewaltausbrüchen eine gewisse Vorlaufzeit. Die Weltgemeinschaft, alle Bürgerinnen und Bürger auf der Erde können sich über Nachrichten, persönliche Erzählungen und im Gespräch mit Mitmenschen ein Bild davon machen, wie diese Staaten »kulturell« einzuschätzen sind. Meistens sind es Jahre oder gar Jahrzehnte, in denen sich die Menschen ein Bild von den Kulturen, von den Staaten machen können, die es auf der Welt gibt. Und ein Staat oder Staatenbund fängt nun einen Krieg gegen andere an, wie auch immer das erklärt und begründet wird, und wir stehen vor der Aufgabe, das selbst einzuschätzen, selbst eine Position zu den Ereignissen zu haben. Ja, vielleicht ergibt sich sogar die Frage, ob wir aktiv für oder gegen diejenigen vorgehen wollen, die den Krieg begonnen haben.

Welche Kriterien helfen uns dabei, die Lage einzuschätzen? Wie wollen wir unsere Position zu den Ereignissen finden? – Gerade aus den Erfahrungen schrecklicher Kriege ist die Menschenrechts-Erklärung zu verstehen. Aus der Absicht, den Menschen eine Hilfe, eine Anleitung an die Hand zu geben, Ereignisse und Situationen zu bewerten, sind die Menschenrechte entstanden.

Was aber sind die Menschenrechte? Sie sind Individualrechte!

Dies ist ein sehr wichtiger Umstand. Denn vieles Unrecht, dass der Mensch erfährt, geschieht ihm als »Einzelwesen«. Er wird separiert, wird von der Herde, der Gruppe abgesondert, zum Beispiel, weil er sich angeblich »falsch« verhalten hat, und wird dann bestraft. – Oder der Einzelmensch separiert sich selbst von der Gruppe, der Herde, weil sie ihn erstickt oder mit ihren Regeln kein eigenes Leben leben lässt, aber die Gesellschaft ist nicht darauf vorbereitet, dass der sich selbst separierende Mensch existieren kann und für ein »Singleleben« gibt es keine Infrastruktur.

Das heißt, die Menschenrechte schützen den Einzelmenschen auch vor der Gruppe.

Findet damit aber eine »Bewertung« von Kultur statt? – Die Menschenrechte stellen den Einzelmenschen in den Vordergrund, und erklären den Einzelmenschen für wichtiger als die Gruppe. Wenn es um die Frage geht, wessen Ansinnen soll Beachtung finden und letztlich gewährt und unterstützt werden, befinden die »Menschenrechte« die Anliegen des Einzelmenschen höher als die Gruppenanliegen. – Ist das gut und richtig?

Darauf können wir nur individuell eine Antwort geben und dies einschätzen. – Wenn wir der Meinung sind, die Gruppenanliegen sind höher zu bewerten, als die Anliegen von Einzelpersonen, dann ist das halt so. – Ich halte die Menschenrechte für ein in der heutigen Zeit unbedingt brauchbaren und guten Orientierungspunkt, um sich in der globalen Welt zurechtzufinden und Situationen einzuschätzen und zu bewerten.

Aber stellen wir uns einmal vor, jemand würde die Gruppeninteressen höher bewerten, als die Individualinteressen. – Kann überhaupt eine »Gruppe« Interessen haben? Natürlich nicht!

Eine Gruppe kann nicht denken.

Auch hinter Gruppeninteressen stehen wieder einzelne Personen, die womöglich das Licht der Öffentlichkeit scheuen, die aber im Hintergrund die Gruppen lenken und Regeln bestimmen, nach denen die Leute ihren Weg gehen. – Somit kann davon ausgegangen werden, dass hinter Gruppeninteressen Machtinteressen einzelner Gruppenmitglieder stehen, die offen oder verdeckt, für alle anderen in der Gruppe, die Lebens- und Rahmenbedingungen formulieren.

Wollen wir das? Sind wir damit einverstanden?

Solange wir Pluralismus und Multikulturalismus nur aus der privaten Perspektive leben und beschreiben, von Bekannten aus dem Freundeskreis berichten, und wie wir mit ihnen umzugehen gedenken, hat das Ganze noch etwas Harmloses. Aber tatsächlich müssen wir uns als StaatsbürgerInnen denken, die Verantwortung für ein Gemeinwesen haben sollen. – Solange wir aus der Perspektive eines Jugendlichen oder jungen Menschen in die Welt schauen, fehlt meist der »Verantwortungs-Aspekt«. Menschen in diesem Alter haben meist noch keine Verantwortung für die Gemeinschaft, »für alle«. – Sofern wir aber diese Verantwortung für uns selbst in Anspruch nehmen, sofern wir Verantwortung für ein Gemeinwesen, für eine Familie, für eine kleine oder große Gruppe von Menschen übernehmen wollen und sobald wir die Öffentlichkeit und den öffentlichen Raum als einen wahrnehmen, den wir verantwortungsvoll gestalten wollen, dann können wir nicht mehr alle Lebensweisen zur »Privatsache« erklären, sondern müssen auch die Konsequenzen und wechselseitigen Wirkungen mit in unsere Betrachtung mit einbeziehen, wenn wir über »Kultur« sprechen und wenn wir ein Urteil fällen und unsere Kräfte in eine Richtung einsetzen möchten.

… und du fliegst raus.

Sicher gibt es diejenigen, die jeden Tag ausschlafen können. Sie haben es sich so arrangieren können, haben einen ständigen Geldfluss organisiert. Ihr Einkommen ist gesichert. Wie sie das geschafft haben, ist erst mal egal. – Und dann diejenigen, die jeden Tag aufspringen müssen, um dafür zu sorgen, dass Geld auf ihr Konto kommt. Wer keinen »Arbeitgeber« hat, der bezahlt, der die eigene Arbeit bezahlt, muss sonstwie Geld organisieren. Beim Staat betteln, damit sie Geld herausrücken, über deren Stöckchen springen, sinnlose Lehrgänge besuchen und Jobs annehmen, die niemand haben will. – Wehe, du rührst dich nicht, bleibst einfach im Bett liegen. Dann versiegen die Zahlungen auf dein Konto, der Vermieter hat keine Geldeingänge mehr, der Stromversorger meckert, die Heizung bleibt kalt, der Kühlschrank ist leer und du trägst die Kleidung, die du einmal vor über 10 Jahren gekauft hattest.

In den 90er Jahren kamen die »Tauschringe« in Mode. Vereinigungen, deren Teilnehmer mit einer selbstgeschaffenen Währung, nennen wir sie »Holo«, in Tauschgeschäfte treten. Wie bei einem Flohmarkt, können Produkten gegen diese Währung »gekauft«, und gegenseitige Dienstleistungen mit dieser Währung bezahlt werden. Die Idee schien genial, in Zeiten zunehmender Single-Haushalte, um sich so gegenseitig zu helfen und sich auch kennenzulernen. Denn die Tauschringe sollten nicht bloß den Wirtschaftskreislauf abbilden, sie funktionieren eigentlich nur, wenn persönliche Beziehungen unter den Tauschring-Teilnehmern zustande kommen. – Der anonyme Tauschhandel der »Realwirtschaft« sollte eben nicht kopiert werden. – Auch wenn heute viele Personen von den Tauschringen profitieren, denn wer die Regeln verstanden hatte, kann sich gut in diesen Netzwerken einrichten, so ist doch eine gewisse Stagnation bei den Mitgliederzahlen festzustellen. – Woran liegt es?

Einmal sind es die strikten Regeln, die eher die Stimmung bei den Teilnehmern eintrüben. Tauschen gegen Euros ist verboten, beziehungsweise »nicht erwünscht«. – Dann werden säumige Teilnehmer, also solche, die ihre Jahresbeiträge nicht bezahlen, gemäß eines Regelautomatismus aus der Vereinigung »entfernt«. – Sicher ist dagegen ein Einspruch möglich. Aber das ist nicht der Punkt.

Wir leben in Gesellschaften, in Gemeinschaften, aus denen wir »automatisch« rausfliegen, wenn wir uns nicht entsprechend verhalten. Das ist es. – Wir sollen vorgegebene Regeln, von Menschen ausgedachte Regeln befolgen, sonst ist »Schluss mit Lustig«.

Was ist, wenn wir die Kraft dazu nicht haben, wenn uns das zu viel ist? Egal. Der Nächste bitte.

Die Idee des Tauschrings ist es, selbst »Angebote« zu machen, in einer eigenen Angebotszeitschrift und gleichzeitig auch bekannt geben, was nachgefragt wird. So würden »Angebot und Nachfrage« den Markt im Tauschring bestimmen, und mit den vorhandenen oder bereits verdienten »Holos« lassen sich die Tauschhandlungen abwickeln.

In der Praxis lässt sich aber kein Gleichgewicht herstellen, zwischen Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, und Angeboten. Zumindest geht es vielen Personen so. – Im Ergebnis führt das dazu, dass jemand zwar viele Nachfragen nach seinen Dienstleistungen hat, aber die Person kann mit seinem in der Folge vorhandenen »Geldreichtum« nicht viel anfangen, weil keine passenden Angebote vorhanden sind, für die das Geld wieder eingetauscht werden könnte. – Das Tauschen ist dann eine einseitige Angelegenheit.

Hauptproblem des Tauschrings ist, dass keine »regelmäßig« nachgefragten Produkte und Dienstleistungen vorhanden sind, die zu einem Geldkreislauf führen. Alles, was wir den ganzen Monat über brauchen, und dann wieder im Folgemonat, wären die Produkte und Dienstleistungen, die im Tauschring »im Angebot« sein müssen. Aber dies ist nur zum Teil der Fall.

Da diejenigen, deren Leistungen zwar stark nachgefragt werden, selbst nichts, oder nicht viel finden, an Angeboten, die sie nachfragen wollen, kann dies bei diesen Personen zu einer »Einschränkung ihres Angebotes« führen, da für sie die Motivation fehlt, ihre Angebote im vollen Umfang aufrecht zu erhalten.

In der Realwirtschaft gibt es genau diese Situation bei den Fachärzten und Hausärzten. – Früher konnten sie beliebig viel dazuverdienen. Was dazu führte, dass sie gerne jeden Patienten behandelten, der sich meldete. Heute führt die »Budgetierung« dazu, dass sie ihre Behandlungsangebote einschränken und zurückhalten. Das ist für den Patienten daran zu erkennen, dass er keinen Behandlungstermin »jetzt« bekommt, obwohl dringend eine Behandlung von Nöten wäre, sondern erst in ein, zwei Monaten, wenn womöglich die Erkrankung schon wieder vorbei ist, oder sich die Sache noch verschlimmert hat.

Und die an sich wichtige Grundlage für die Tauschgeschäfte im Tauschring, nämlich das »persönliche Kennenlernen« wird von immer weniger Menschen noch aktiv genutzt. Dazu ist es notwendig, sich zu den »Stammtischen«, Café-Treffen, etc. regelmäßig einzufinden, damit sich die Tauschring-Teilnehmer kennenlernen können, um ein gewisses Vertrauen aufzubauen, für das Tauschen. – Es kommt durchaus vor, dass Personen in den Tauschring eintreten und dann meinen, »geschäftsmäßig« sich irgendwelche Angebote des Tauschrings einfach nehmen zu können. So geht es dann auch nicht.

Obwohl also in dem »reichen Deutschland« die Bedingungen günstig sind, für die Tauschringe, nämlich viel Armut, viele prekäre Lebensverhältnisse, die es sinnvoll erscheinen lassen, dass sich die Menschen direkt gegenseitig helfen, so scheint doch die Konzeption der Tauschringe an einen gewissen Endpunkt gekommen zu sein.

Kann der Tauschring-Gedanke noch weiterentwickelt werden?

Tauschringe sind ein bisschen wie »Vereine« organisiert. – Aber die Tauschringe sollten sich einen modernen Touch geben:

• Mitgliederversammlungen sollten »online« abgewickelt werden. Das heißt, Abstimmungen per Email möglich machen, Kommunikation mehr über das Internet und Soziale Netzwerke abwickeln.

• Kosten reduzieren, statt neue aufzubauen! Alle Gebühren, Beiträge »freiwillig« machen und nicht die Teilnehmerschaft im Tauschring an Beitragszahlungen koppeln. Wer nichts freiwillig zahlt, demjenigen eventuell den Service des Tauschrings einschränken.

• Tauschen auch gegen Euros ermöglichen, und nicht nur gegen die hauseigene Währung.

• Mitarbeit in der Tauschring-Verwaltung und Tauschring-Organisation nicht gegen Bezahlung durchführen, sondern ausschließlich »ehrenamtlich« beziehungsweise ohne Bezahlung. Weder in der Hauswährung, noch in Euros. Denn über genau diese »Geldforderungen« der Mitarbeiter, wird der »Zwang« für Beiträge und Abgaben erst geschaffen.

Ein interessanter Aspekt in den Tauschringen, ist die »Geldmengen-Steuerung«. Sie ist ähnlich zu denken, wie in der Realwirtschaft und bei der Zentralbank. Aber zuerst wären die anderen Punkte dran.

Wer überlebt

Wir müssen besser sein als die anderen, höher, schneller, weiter war das Motto. Doch Spezialisierung ist nur eine Form der Problembewältigung in der Natur.

http://foehrkommunikation.blogspot.de/2017/04/es-gibt-zwei-grundhaltungen-in.html

Aber was war das für ein »Problem«? – Das der Eine leben will, egal, ob die anderen auch geeignete Lebensumstände haben? Oder war es das Problem, dass alle Menschen leben wollen und in den Köpfen vieler ist das nicht vorgesehen, weil sie nur an sich denken?

Wo früher Kontrolle herrschte, baue ich jetzt Vertrauensverhältnisse auf. .. Der Sinn der Arbeit wird für die vielen Wissensarbeiter wichtiger, als das reine Geld verdienen.

Aber wie kann so eine Gesellschaft proklamiert werden, ohne die Rahmenbedingungen? Dasjenige, das Frau Föhr kritisiert (Kontrolle, zentrale starre klare vorgaben-orientierte Hierarchie, in einer Misstrauens-Umgebung) ist doch immer noch da, in Form einer dermaßen gestalteten politischen Macht und Gesetzeslage, Jobcenter und Arbeitsagenturen.

Alle, die heute die Erfahrung der Arbeitslosigkeit durchmachen, werden der »Heile-Welt-Beschreibung« der Autorin misstrauen. Auch wenn sie jetzt in einen Job vermittelt wurden, oder noch nie die staatlichen Arbeitsbehörden von innen gesehen haben. Die Drohungen des Staates gegen die »Arbeitstiere« liegen in der Luft. Jeder spürt, was ihm blüht, wenn er keinen Job hat.

Es kann nicht auf der einen Seite einen unterdrückerischen Staat geben, der seine Bürger mit Gesetzen zu bestimmten Verhalten zwingen will, und im Gegensatz dazu, eine »Pseudo-Freiheit« in Unternehmen, die von Unternehmensberatern mit den Mitarbeitern antrainiert wird: so tun, als ob wir gute Lebensverhältnisse hätten.

Die zwei Grundhaltungen, die ein Unternehmen haben kann, resultieren nach meiner Ansicht aus einer alten Denke (Angst und Mangel) und aus einer neuen Denke (Vertrauen und Fülle).

Oder ist es hartnäckiges Ignorieren der Realität.

Wo ist heute in dieser Gesellschaft »Fülle«? – Ich sehe überall Menschen an den Mülltonnen, um darin zu wühlen nach Verwertbarem, Flaschensammler, ständig neue Essens-Tafeln für Bedürftige, ständig weitere Bettler, die vor den Banken und Supermärkten sitzen, für ein paar Cent. – Die Zahl der Armuts-Gefährdeten steigt von Jahr zu Jahr, vermelden die Nachrichten. Aber wir sollen uns »der neuen Denke« zuwenden? – Das ist wohl kaum vorstellbar.

»Gemeinwesen mit souveränen Staatsbürgern« im Gegensatz zur Arbeitsgesellschaft

Sascha Liebermann schreibt in einem Beitrag [1], dass wir unterscheiden müssen, zwischen der »Arbeitsgesellschaft« und dem Gemeinwesen mit seinen Staatsbürgern als »Souverän«.

In der Arbeitsgesellschaft ist der Einzelne ersetzbar. Im Räderwerk der Auftragserfüllung, sollen die die effizientesten Kräfte zum Einsatz kommen. Wenn der konkrete einzelne Mensch das nicht ist, dann ein anderer oder gar eine Maschine. – Allein daran ist zu erkennen, dass der Einzelmensch nicht im »Arbeitsleben« seine Erfüllung findet, wenn er dort nach Optimierungsgesichtspunkten angeschaut wird und notfalls ausgetauscht gehört.

Die Sicherheit seiner Person, die Unverletzbarkeit seiner Würde erfährt der Mensch nur in seiner Position als Souverän. Da ist er »unantastbar«. Als geachteter Teil eines Gemeinwesens ist er mit seinen Eigenarten »beständig anwesend«. So nehmen wir uns gegenseitig wahr und versuchen nicht, uns gegenseitig in subjektiven Vorstellungen »anzupassen«.

Diese Betrachtung der großen Gesellschaft, gilt es herunterzubrechen auf die kleinen Lebensumstände und Zusammenkünfte.

Wenn wir als souveräne Staatsbürger zusammenarbeiten, dann tun wir das nicht als »Organisation«, als »Arbeitsteam«, sondern als selbstbestimmte Einzelwesen, die jede Facette ihrer Subjektivität einbringt, in eine Vernetzung und Kooperation. – Wenn wir als Staatsbürger zusammenarbeiten, bilden wir deshalb keine »Arbeitsgesellschaft«, sind wir nicht im Kleinen, was wir im Großen auch nicht sein wollen.

Als Staatsbürger wirken wir zusammen, um ein Grundeinkommen zu erreichen, indem wir nicht zusammen »arbeiten«, sondern uns gegenseitig anerkennen. Als Erstes. Dann bringen wir die Dinge auf den Weg, in dem sich jeder so einbringt, wie wir das möchten und von uns aus beabsichtigen. Und es wird sich ergeben, dass diejenigen, die besondere Fähigkeiten in einer bestimmten Richtung haben, in diese strömen werden und sich dort die Fähigsten einfinden.

Und dies geschieht so, dass alle, die in eine Richtung wirken wollen, dies einfach tun. Und wir alle sehen die unterschiedlichen Ergebnisse und wir werden diejenigen unterstützen, die wir vor anderen vorziehen.

Wohingegen das schlechtere Verfahren wäre, in einer Organisation, Arbeitsorganisation festzulegen, wer für bestimmte Aufgaben zuständig ist, und gar Leute in diese Bereiche »gewählt« werden und wir womöglich Ergebnisse haben, mit denen niemand wirklich zufrieden ist, weil es die »Souveränität des Einzelnen« verletzt.

Deshalb ist das Zusammenwirken der Staatsbürger nicht in Form der Arbeitsorganisationen, Unternehmen, Initiativen möglich. – Weil es die Kompetenz des »eigenwilligen« Subjektes in Frage stellt, welches aber der »Souverän« ist.

[1]
Sascha Liebermann – Demokratische Konsequenz; in Philip Kovce: Soziale Zukunft – Das Bedingungslose Grundeinkommen – Die Debatte

Wir, du und ich

Das Kind wächst in ein »Wir« hinein, bevor es ein »Ich« entwickelt.

Das »Wir« wird von den Bezugspersonen und weiteren Mitgliedern in der Lebensgemeinschaft gebildet. Zum Beispiel »Vater und Mutter« und Geschwister. Idealerweise haben Vater und Mutter bereits ein »Ich« entwickelt. An diesen »Ichen« kann sich das aufwachsende Kind orientieren.

In Kindheit, Jugend und jungem Erwachsenenalter entwickelt der Mensch sein »Ich«. – Dieser Prozess ist zeitlich nicht begrenzt.

Wer sein »Ich« nicht entwickelt, bleibt bei dem »Wir« stecken.

Typisch für diktatorisch-orientierte Gesellschaften ist es, dass Eigensinn, Subjektivität und Individualität bekämpft werden, weil sie angeblich das »Wir« in der Gesellschaft gefährden. Jede Form von Individualisierung wird als unerwünscht dargestellt, als ungeeignet für das dem Nationalbewusstsein typische »Wir«. – Die Ich-Entwicklung ist in einer Diktatur unerwünscht.

Da aber der Mensch sein »Ich« entwickeln will, verbirgt er dieses, wenn es bedroht wird. – Denn auch in einer Diktatur sind es wieder »Iche«, die sich mitteilen wollen und die die Geschicke der ganzen Nation lenken. Nur äußern sich die subjektiven Sichtweisen dann fortwährend eingekleidet in einem »Wir wollen das, wir sollten das, wir müssen das und jenes tun«. Und »Du solltest das, du müsstest das und jenes machen«. – Solche Sätze werden von denjenigen eingesetzt, die ihr »Ich« nicht offen zeigen wollen und können. Statt von sich zu reden, von dem, was sie selbst wollen, denken und machen würden, reden sie unentwegt auf andere ein, dass diese »dies und jenes« machen und tun sollten und das »wir« besser uns so und so verhalten sollten und so weiter. – Solche Leute reden nicht von sich, sondern immerzu von anderen, was diese wieder falsch gemacht haben und besser machen könnten, was diese nicht leisten können und wie »wir« voran kämen, wenn wir uns bloß richtig verhalten würden und wer alles bekämpft gehört, weil er sich nicht richtig verhält.

Personen, die ihr »Ich« hingegen weitestgehend entwickelt haben, können sich irgendwann wieder für ein »Wir« entscheiden. Nur entscheiden sie aus einem relativ reifen »Ich« heraus, wieder ein »Wir« zu schaffen, zum Beispiel mittels einer Partnerschaft.

Zwei Umstände begünstigen diesen Prozess der Neu-Schaffung eines »Wir«:

• Das »Ich« muss sich zeigen. – Es muss für andere sichtbar sein. Es muss seine Fähigkeiten, Fertigkeiten, Möglichkeiten, Interessen, es muss seine »Schönheit« zeigen, es muss sich für andere attraktiv machen. Es muss für andere attraktiv sein.

• Das »Ich« muss aus der großen Zahl anderer Iche ein Ich »auswählen«. – Es muss aus freien Stücken, freiwillig sich mit einem anderen Ich zusammentun. – Aus dem dann folgenden gemeinsamen »Tun« kann dann auf ein »Wir« geschlossen werden und die beteiligten Personen äußern sich dann auch entsprechend.

Dieses »Wir« ist freiwillig zustande gekommen.

Ganz anders das »Wir« aus der Kindheit. Dieses »Wir« kam nicht freiwillig zustande. Das erklärt auch, warum in dem Wir der Kindheit etwas »Zwanghaftes« drinsteckt. Und sind die Eltern unreif geblieben, dann ist es dem Kind auch nicht möglich, an ihnen ein reifes, selbständiges, eigenwilliges »Ich« zu erkennen, und es wächst ohne »Ich-Unterstützung« auf.

Wann ist etwas »reif«?

Ist jemand reif für einen öffentlichen Auftritt, wenn er nur 5 Akkorde auf der Gitarre spielen kann? Darüber kann kein »Wir« eine Auskunft geben, sondern nur derjenige selbst erstmal, der mit diesem Vermögen auftreten will, und natürlich wir alle, als Einzelpersonen, indem wir zu den Auftritten dieser Person eilen, weil wir das so toll finden, wie dieser Mensch Gitarre spielt. Oder indem wir als Einzelpersonen den Kopf schütteln, über so viel Unerfahrenheit, und diese Darbietungen meiden.

Ob eine Person, ein »Ich«, zu irgendetwas »reif« ist, bestimmt also in erster Linie diese Person selbst. Wer sich selbst reif dafür hält, zu heiraten in einem bestimmten Alter, kann das tun, und er wird sehen, was dabei herauskommt. – Andere Menschen haben sich nicht einzumischen in die Frage, ob jemand zu irgendetwas »reif« ist. »Wir« können nicht entscheiden, ob jemand zu etwas »reif« ist.

Die Reife drückt sich aus! – Und wir nehmen es dann wahr.

Sondersituationen sind dann gegeben, wenn wir »ausdrücklich« jemanden prüfen wollen, ob er »reif« ist. Zum Beispiel in Prüfungen. Aber hier in diesem Beitrag will ich ausschließlich die »Reife« ansprechen, die wir in freier Entscheidung zur Kenntnis nehmen, und nicht solche, die sich aus Spezialfällen ergibt.

Das »Du« wiederum kann »unreif« gehandhabt werden, indem es in das »Du« (in die andere Person) das eigene »Ich« projiziert, das sich nicht zeigen darf und deshalb im anderen auftauchen soll. – Wer selbst ein reifes Ich hat, wird das »Du« vorsichtig handhaben und den Respekt für die andere Person ausdrücken und die Würde der anderen Person anerkennen.

So haben wir das kindliche »Wir« und das erwachsene »Wir«.

Das kindliche »Wir« wird wahrgenommen aus einem schwachen, kaum entwickelten »Ich«. Bleibt das »Ich« wenig entwickelt auch in zunehmenden Alter der Person, ersetzt das »Wir« das »Ich« weitestgehend. Solche Zustände sind typisch für totalitäre und diktatorische Gemeinschaftsbildungen. – Dort herrscht das kindliche »Wir«.

Das erwachsene »Wir« hingegen, ergibt sich aus selbständigen »Ichen«. Die »Iche« produzieren sich (Inhalte) nach außen, in die Welt, damit die Inhalte, aber auch sie als Person sichtbar werden. – Sie zeigen sich. – Dies entspricht dem Bedürfnis des »Ich«. Die anderen »Iche« wiederum, wählen aus den vorhandene »Ichen« diejenigen aus, mit denen sie sich verbinden wollen. Daraus kann ein neues »Wir« entstehen. Die Formen des »Wir« aus erwachsenen »Ichen« sind vielfältig. Das können Partnerschaften sein, aber auch Freundschaften, Arbeitsgruppen, Interessengemeinschaften etc.

Irrtümer des Parteienwesens

Wir »sollen« zusammenarbeiten?

Organisationen sind nach bestimmten Vorstellungen aufgebaut. Das Miteinanderwirken der in ihnen involvierten Personen »soll« nach bestimmten Mustern erfolgen. Es wird eine Theorie entwickelt und die Realität soll sich ihr fügen. Geht das?

Menschen sollen zusammenarbeiten. Dazu werden sie gewählt. In einen Vorstand werden Leute gewählt. Auf die Zusammensetzung des Vorstandes haben die Personen, die zusammenarbeiten »müssen« aber keinen Einfluss. Das Ergebnis einer Vorstandswahl ist Glücksache.

Aber sind das gute Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit?

Und sollte sich nicht besser so eine Zusammenarbeit ergeben, dass Menschen »probieren« zusammenzuarbeiten, zum Beispiel in einem kleinen Projekt, bei einer kleinen Aktion, bei einer Einzel-Kampagne? Nach solchen Erfahrungen kann überlegt werden, ob die gemeinsamen Aktivitäten ausgebaut werden, weil zum Beispiel das »Teamwork« gut funktioniert hat.

Und wäre es nicht besser, uns erst mal umfangreich zu präsentieren (zum Beispiel online), damit andere sich »ein Bild« von uns machen können, ob sie überhaupt Interesse haben, an gemeinsamer Arbeit?

»Jeder kann in eine Partei eintreten.« Wirklich?

Auch die, die schlechte Absichten gegenüber einer Organisation haben, können in diese eintreten? Ist das nicht absurd?

Unter diesen Umständen kann jede Institution zerstört werden. Von innen.

Zusammenarbeit muss sich vertrauensvoll entwickeln. Ob funktionierende Teams vergrößert werden, darf nicht einer seelenlosen Organisationsregel überlassen werden. Dass dürfen allein die in einem Team befindlichen Personen entscheiden.

Nach welchen Regeln, in welchen Formen wir Menschen »am produktivsten« und effizientesten zusammen arbeiten können, sollten wir überprüfen, darüber nachdenken, dies gemeinsam besprechen und entsprechende Wege gehen, statt uns in vorkonzeptionierte Schachteln stecken zu lassen.