Archiv der Kategorie: Weltenthemen

Rudolf Steiner beschreibt die Menschheitsentwicklung

In den Saturnnebeln ist der Mensch entstanden. Er wurde von geistigen Wesenheiten geschaffen. Leben ist dem Menschen eingehaucht. – Der Mensch wurde damit »begabt«. (S.173)

http://anthroposophie.byu.edu/schriften/013.pdf

Wenn in früheren Zeiten der Mensch entstanden ist, unter Mitwirkung von »geistigen Wesenheiten«, dann war vor ihm noch anderes »Bewusstsein«. – Etwas, das wir manchmal »Gott« oder göttlich nennen?

Steiner sagt, dass wir von heute zurückschauen, und die Gegenwart als berechtigten Grund benennen können, warum wir wissen wollen, wie alles Gegenwärtige entstanden ist und wie der Mensch entstanden ist. – Aber was gab es vor dem Menschen?

Wer sich damit beschäftigt, gerät ins Spekulative. – Bevor der Mensch entstand, gab es das Universum. Wenn der Mensch »Entwicklung« bedeutet, dann ist diese im Laufe der Zeit geschehen. – Gab es vor dem Menschen »Zeit«?

Die »geistigen Wesenheiten« haben den Menschen geschaffen. Hatten sie Bewusstsein? Wenn ja, gab es also »Zeit« bereits vor dem Menschen!?

Wenn einige geistige Wesenheiten weiter entwickelt waren, als andere, wie sind sie entstanden? Hatten sie »Eltern«? Oder entstanden sie anders.

Wenn die geistigen Wesenheiten »über« dem Menschen stehen, ihn geschaffen haben, wer steht »über« den geistigen Wesenheiten? – Oder ist mit ihnen der Anfang der Bewusstheit beschrieben?

Wer ist die mächtigste geistige Wesenheit? – Etwas, das wir »Gott« nennen?

Wer hat »Gott« erschaffen? Hatte Gott Eltern? Was ist/war vor Gott?

Ist Gott im Universum entstanden. Oder ist das Universum durch Gott entstanden?

Ist Gott gerecht. Was ist sein Plan?

Wenn das Weltall Gesetzmäßigkeiten unterliegt, inwiefern ist der Mensch dann »frei«? – Inwiefern ist Gott dann frei.

Wie ist es zu diesen Gesetzmäßigkeiten gekommen?

Wäre ein »gesetzloses« Universum denkbar? Oder würde es nicht funktionieren.

Wer hat sich diese Gesetzmäßigkeiten ausgedacht? Oder ergeben sie sich aus den Bildungsversuchen und Materieentwicklung von selbst. – Weil alles, das ohne »Gesetzmäßigkeit« geschieht, letztlich scheitert!?

Und alles, was gelingt, nur nach Gesetzmäßigkeit sein kann.

Wenn die Menschheitsentwicklung vorgezeichnet ist, und in Teilen bekannt wäre, ist das nicht langweilig für die Menschheit, zu wissen, wie ihr weiteres Schicksal verläuft? – Ja, der Einzelmensch hat in Steiners Weltschau und Menschenbeschreibung, »Freiheit«, sich nicht den Gesetzmäßigkeiten zu beugen und anzupassen. – Doch ist bereits klar, dass dieses Unterfangen zu nichts führen wird, außer vergeudeter Energie, um letztlich doch herauszufinden, dass wir am ökonomischsten, effizientesten unser Leben gestalten, wenn wir »bewusst« uns den Gesetzmäßigkeiten des Daseins zuwenden, um dann in diesem Sinne das Leben zu führen und »nach Plan« zu wirken.

Wenn der Mensch circa alle tausend Jahre auf der Erde wiedererscheint, also »reinkarniert«, und wir dieses »Wissen«, das uns Rudolf Steiner vermittelt, ernst nehmen, dann ist unser Dasein berechenbar, wie es vorher noch nie gewesen ist.

Alle jene, die sich heute noch der Täuschung hingeben, wir Menschen würden »vom Affen abstammen«, oder als Zufallsprodukt auf der Erde sein, und nach unserem Tod auf ewig verschwunden bleiben, würden verwundert die Augen reiben und der Chancen gegenwärtig werden, die sich aus einer gänzlich anderen Perspektive ergeben, auf die uns der Philosoph Rudolf Steiner hinweist.

So sind die Pflanzen, die Tiere und die Mineralien »nach« dem Menschen entstanden, oder bei der Entstehung des Menschen entwickelte Seitenausläufer seiner Wesenheit.

Sind wir uns aber dessen bewusst, und akzeptieren wir den Gedanken, unserer immer wieder geschehenden Wiederkehr, dann ist das Leben ganz anders zu gestalten. – Dann bedeutet das, wir gehen nicht »verloren«, wenn wir sterben. Wir bleiben »im Kern« erhalten. Wir haben verschiedene Leben. – Und das »immer wiederkehrende« Leben ist in Form eines »Karma«, eine fortwährende Aufgabe.

Wenn sich die Menschheit weiter entwickelt, und diese Entwicklung in gewissem Umfange vorhersehbar ist, aufgrund bestehender Gesetzmäßigkeiten, wie ist es dann mit dem Einzelschicksal des Menschen? Dieses ist nicht vorhersehbar. Der Mensch kann die Entwicklung der Menschheit mitmachen und »Teil von ihr sein«, oder er besitzt die Freiheit, sich anders zu entscheiden. – So, wie ja auch die Tiere und Pflanzen »anders entschieden« sind.

Deshalb können »Gesetzmäßigkeit des Universums« und Freiheit im Einzelschicksal nebeneinander bestehen, ohne sich zu widersprechen.

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Warum das Individualrecht menschengemäß ist

Natürlich muss die Menschheitsentwicklung dabei berücksichtigt werden. Sicher hat die Gruppe für den Menschen immer eine Bedeutung gehabt. In der Gruppe sich verteidigen, in der Gruppe eine Arbeit bewältigen, als Gruppe sich für Ziele einsetzen. Und als Gruppe im Wettkampf mit anderen Gruppen obsiegen. – Dieser Gedanke wird noch heute gepflegt, zum Beispiel im Gruppen-Wettkampfsport.

Gleichzeitig hat es in der Menschheitsgeschichte aber immer auch die Tendenz gegeben, dass das Individuum gegen die Gruppe opponierte, sich Gruppenregeln widersetzen wollte, um sich als individuelles Wesen empfinden und behaupten zu können.

Beides ist miteinander verbunden, Gruppenentwicklungen und die Entwicklung des Einzelwesens.

In den neuen »Sozialimpulsen« [1] sind lesenswerte Beiträge zu finden, wie derjenige von Albert Schmelzer »Rudolf Steiners Memoranden von 1917 als Friedens- und Integrationsprogramm«.

Bei der Frage, wie wir Menschen in Frieden miteinander leben können und Kriege vermeiden können, ist für Rudolf Steiner der Einzelmensch, das Individuum das Entscheidende. Deshalb will er die Menschenrechte als Maßstab für unser Zusammenleben nehmen. Schmelzer sieht in diesen Annahmen von Rudolf Steiner einen richtigen Ansatz auch für die heutigen Aufgaben, um ein Zusammenleben von uns Menschen gelingen zu lassen.

Aber wann der Mensch sich mehr an Gruppen- oder Individualrechten orientieren will, ist seine Sache. Deshalb sind die Entwicklungen beider Rechtsgebiete nicht immer einfach vorherzusehen. – So können Menschen aus einem Zustand großer individueller Freiheit »ausbrechen« und die Geborgenheit und Sinnerfüllung suchen, in rigiden Gruppenstrukturen, weil sie in ihrem Singleleben nicht weiterkommen und ratlos sind. Umgekehrt wenden sich Einzelmenschen von ihren Herkunftsgruppen ab, weil sie sich als Individuum eingeengt fühlen und sich nicht entfalten können und suchen die anonyme Großstadt, um ein »neues Leben« zu beginnen.

Der große Rahmen, der unser Zusammenleben regeln soll, ist die Verfassung. Sie ist gültig sowohl für Gruppen, als auch für Individuen. Die Verfassung orientiert sich an den Menschenrechten. Und im Zweifelsfall/Streitfall gilt: Individualrecht hat Vorrang vor Gruppenrecht.

Schmelzer erwähnt drei Orientierungsmuster für Gesellschaften: das Nationale, den Multikulturalismus, den Verfassungspatriotismus.

Weder der Nationalismus, noch der Multikulturalismus funktionieren, weil sie den Einzelmenschen nicht schützen. Einzig der Verfassungspatriotismus würde dem einzelnen Menschen Schutz gewähren, wenn die Verfassung sich bezieht, auf die Menschenrechte.

Interessant ist auch eine andere Sicht auf diese drei Organisationsformen menschlichen Zusammenlebens: Der Nationalismus stellt eine Großgruppe dar, der Multikulturalismus hat das Land und die Nation als Rahmen, und darinnen vielerlei Ethnien und Volksgruppen. Aber der Verfassungspatriotismus [2] käme gänzlich ohne trennende Landbeschreibung aus, und könnte auch als Weltverfassung gedacht sein, weil nicht mehr die Differenz zu irgendetwas anderem (Menschlichen) ein Problem darstellt und zur Aufgabe wird, sondern alles verschiedene Menschliche gleichermaßen wichtig und anerkannt ist. – Der Mensch steht im Mittelpunkt der Verfassung, Konkurrenz zu irgendjemandem anderen gibt es nicht, weil ja die Individualität selbst geschützt und geachtet ist, eines jeden Menschen.

Wenn das aber Friedensgrundlage ist: Menschenrechte, Individualrechte, der Einzelmensch, geschützt über eine Verfassung, die die Menschenrechte zur Grundlage hat, dann gibt es eine fast nahtlose Verbindung zum bGE.

Erinnern wir uns an die Kriterien für ein Bedingungsloses Grundeinkommen (bGE): ein existenzsicherndes, garantiertes, beständiges Einkommen, als Individualrecht und Menschenrecht ausgestaltet und gesetzlich verankert, das an keinerlei Bedingungen geknüpft ist.

Das Bedingungslose Grundeinkommen ist ein Friedensbeitrag für die Welt.

Umgekehrt erscheinen nun manche Aussagen von Grundeinkommens-Gegnern in einem bezeichnenden Licht. Etwa wenn die Gegner des bGE betonen, dass »die Gruppe« der Reichen kein Grundeinkommen bräuchte. Und die Gruppe der »Millionäre« der Gruppe der »Armen« gegenübergestellt wird. Und die Gruppe der »Arbeitslosen« muss integriert, fortgebildet, angereizt oder auch mal diszipliniert und sanktioniert werden.

Wie durch eine Lupe wird deutlich, wie es viele Menschen noch im Gruppendenken festhält und sie dem Einzelmenschen keine Autonomie zugestehen wollen und jeden in ein Töpfchen packen möchten. – Und natürlich bedarf es dann auch eines Kontrollapparates, der beständig feststellen muss, wer in welche Schublade gehört.


So scheint es einen Entwicklungsstrang zu geben, der die Menschheit weiterführt, immer stärker in die Individualität. – Und es bleibt dem Einzelmenschen frei überlassen, wie viel er sich in der Gruppe orientieren will oder nicht.

[1]
Sozialimpulse Nr.4, Dezember 2017; Rundbrief Dreigliederung des sozialen Organismus; Initiative Netzwerk Dreigliederung

[2]
Den Begriff halte ich für ungeeignet. Besser finde ich »die Verfassungsbezogenheit«.

Gedankensammlung 2018-01-06

Kung Fu Panda [Englisch] ist ein Film für die ganze Familie. – Die Moral dieser Film-Geschichte ist, dass wir an einen Menschen glauben können, an seine Entwicklung, seine Wandlungsfähigkeit, seine Möglichkeiten, einen bestimmten Weg zu gehen. – Dieser Mensch verwendet vielleicht andere Methoden, als wir es gewohnt sind, um zu einem Ziel zu gelangen, aber er kann es und schafft es.

Es ist aber auch ein Beitrag, der die individuelle Freiheit betont und die Individualität als etwas Wertvolles hervorhebt. – Die Einzigartigkeit von uns Erdenwesen, wird in dem Film anschaulich gemacht. – Aber auch die Freude, die wir haben, miteinander zu sein und uns gegenseitig zu schätzen und zu mögen.


Die Autorin Frances Coppola hat auf ihrem Blog einen Artikel über Eugenik veröffentlicht [Englisch] , in dem sie sich mit einem Beitrag von Toby Young auseinandersetzt.

Young will die Gesellschaft »verbessern«, indem intelligentere Menschen sie bevölkern, als es heute der Fall ist. Wie will er das erreichen? Mit Eugenik.

Eugenik ist eine labormäßige, technische, biologische Herumexperimentiererei am Menschen. Statt Eugenik könnte sie auch Frankensteinik genannt werden, so absurd, gefährlich und bedrohlich erscheint sie mir. – Die negative Eugenik eliminiert Unerwünschtes am Menschen, oder den Menschen selbst. Sie war bevorzugte Methode bei den Nazis.

Die positive Eugenik will Erwünschtes beim Menschen fördern. – In dem zitierten Artikel von Coppola geht es um »Intelligenz«, die erwünscht ist, und in der Gesellschaft einen Vorrang eingeräumt werden soll. Wie denkt sich Toby Young das?

Embryonen sollen untersucht werden. Jene, die wahrscheinlich den intelligenteren Menschen hervorbringen, sollen sich entwickeln dürfen, die anderen eher nicht. Dadurch würde sich die Qualität der Gesellschaften verbessern und leistungsfähigere, klügere Menschen hervorbringen.

Die Autorin verurteilt zurecht diesen Ansatz, obwohl sie meiner Meinung nach, viel zu viel Gedanken an dieses Konzept verschwendet.

Eugenik ist ja eben nicht »Gott spielen«. Es ist »Teufel spielen«.

Wir Menschen sind, wie wir sind. In die natürlichen Vorgänge einzugreifen, ist »Teufel spielen«. Statt einer Wahnidee hinterherzuhecheln, die uns alle zu Intelligenzbestien macht, soll das Leben selbst entscheiden, wie die Menschheit sich entwickelt. – Möglicherweise gibt es auch Ruhephasen in der Menschheitsentwicklung.

Was ist aber mit Eltern, die kein behindertes Kind großziehen wollen. Ist das berechtigt, Embryos auszusortieren? Das ist Privatsache. Wer es tun will, trägt auch die moralische Verantwortung dafür, dass ein Embryo nicht zur Entwicklung freigegeben wurde. Aber es ist nicht Sache und Angelegenheit der ganzen Gesellschaft.

Coppola beschreibt aus ihren persönlichen Erfahrungen und jene, mit ihrem Sohn, wie Schulprüfungen darüber entscheiden, ob man in angemessene Schulen gelangt und einen erwünschten Lebensweg gehen kann. – Das wird aber so dargestellt, als ginge es um Leben oder Tod.

In der heutigen Zeit wird den Menschen suggeriert, nur die Fittesten finden einen guten und gut-bezahlten Job. Der Wettbewerb gegeneinander ist wichtiger denn je, in den heute totalitären Pseudo-Demokratien. Und Frances Coppola scheint selbst in einer solchen zu leben.

Gesellschaften, in denen jegliche gegenseitige Fürsorge und Mitgefühl aufgegeben wurde und nur noch der nackte Überlebenskampf »Jeder gegen jeden« an der Tagesordnung ist, sind der ideale Nährboden für dämonische Vorschläge, wie die Eugenik, als Ausweg aus der Krise.

Statt sich der offensichtlich »kranken Seele« des Menschen zuzuwenden, wird an seiner Physis herumgebastelt, um ihn besser zu machen.

Ist die Entwicklung der Menschheit statisch? Sicher nicht. Es ist egal, ob 10 Milliarden Menschen sich weiterentwickeln, oder 10. Wenn sich die Erde durch den Klimawandel soweit verändert, dass ein Großteil der Menschheit stirbt, dann ist es halt so. – Wir Menschen müssen auch fühlen können, welcher Weg der richtige ist. Was moralisch vertretbar wäre, und was nicht. Wären die Nazis nicht gestoppt worden, wäre deren Denken heute noch Gesetz.

Toby Young, mit dem sich Frau Coppola in ihrem Beitrag auseinandersetzte, ist ja gerade in den letzten Tagen, Thema in England gewesen, weil er von der Tory-Regierung zur Aufsichtsperson über die Universitäten erklärt werden sollte. Dabei wurden viele seiner Tweets auf Twitter zitiert, die ihn in moralisch fragwürdiger Haltung zeigten. – Und da passen seine Ansichten zur Eugenik »wie die Faust auf’s Auge«.


In den USA wurde ein Fall diskutiert, der im Kontext »Diskriminierung« in Erscheinung trat. Ein Konditor, der sich auf Hochzeitstorten spezialisiert hatte, weigerte sich, einem homosexuellen Paar eine Torte zu kreieren. Hier ein Artikel darüber. [Englisch] – Ich habe den Fall nicht weiterverfolgt. Er dient mir hier als Aufhänger, um über das Thema »Arbeit« und Arbeitszwang zu sinnieren.

Es gibt ganz unterschiedliche Situationen von Arbeit. – Eine Person ist in einer großen Firma beschäftigt. Sie arbeitet in einem Abhollager. Die Kunden kommen mit der Kauf-Quittung zum Ausgabeschalter, um die Ware in Empfang zu nehmen. Die Person reicht nach Vorlage der Quittung die Ware aus.

Wenn nun diese Person die Ware nicht aushändigen würde, weil ihr die Kopfbedeckung eines Kunden nicht passt, der seine Ware abholen will, dann kann sie nicht an dieser Stelle arbeiten und wird höchstwahrscheinlich entlassen. – Oder es kommen zwei Männer, und die Person glaubt Homosexuelle zu bedienen, und sie weigert sich die Ware herauszugeben, dann wird sie ebenfalls höchstwahrscheinlich ihre Stelle verlieren. Aber hier wäre schon unklar, ob die Person belangt würde, weil sie ihre Arbeit nicht macht oder weil sie sich diskriminierend verhält.

Aber es wird bereits deutlich, dass für »abhängig Beschäftigte« die Situation viel klarer zu sein scheint. Denn abhängig Beschäftigte müssen gemäß den Anweisungen ihrer Arbeitgeber sich verhalten. Sie müssen das tun, was ihr Chef ihnen sagt, sonst verlieren sie diesen Arbeitsplatz wieder. Diskriminierung wäre in diesem Fall eine nachgeordnete Verfehlung. Vorrangig wäre die Arbeitsverweigerung, die belangt würde.

Anders sieht die Sache aus, bei Selbstständigen.

Selbstständig sein, kann nicht bedeuten, dass eine fremde Person mit einem Geldschein winkt, und der Selbstständige müsste das machen, was der Geldbesitzer will. Denn wäre das so, dann wäre der Selbstständige nicht selbstständig, sondern ein Sklave.

In den alten Sklavengesellschaften hob der »Master« die Peitsche, und der Sklave wusste, er muss jetzt das tun, was der Sklavenhalter will, sonst wird er geschlagen. Heute hat sich die Peitsche in einen Geldschein verwandelt. Zumindest glauben manche Geldbesitzer, sie könnten über arbeitswillige, aber selbstständige Menschen verfügen, wenn sie mit dem Geldschein winken. – In einer freien Bürgergesellschaft darf jedoch genau das nicht möglich sein, dass das Selbstbestimmungsrecht der Menschen mit der Bezahldrohung ausgehebelt wird. – »Ich drohe, dich zu bezahlen. Dann musst du das machen, was ich von dir will.« – So darf es eben nicht sein.

Gerade heute haben wir die Situation, dass viele Geldbesitzer, die sich ihr Geld (=Verfügungsrecht über Andere) womöglich auf dubiose Weise beschafft haben, meinen, sie könnten mit diesem Hebel beliebig über andere Menschen verfügen.

Nehmen wir den selbstständigen Schreiner. Er bekommt den Auftrag, einen Tisch neu herzurichten. Ein verschnörkeltes Muster soll eingraviert werden. Er macht sich große Mühe, aber der Kunde befindet, es sei nicht in Ordnung. Der Schreiner soll nun kostenlos eine Ersatzleistung erbringen.

Warum sollte es nicht möglich sein, nicht für Leute zu arbeiten, die einem aufgrund verschiedener Umstände unsympathisch sind? Und stattdessen seine Dienstleistungen nicht mehr offen, am Markt anzubieten, sondern nur noch privat. – Personen, die einem als vertrauenswürdig vermittelt werden, hätten die Gelegenheit, sich als akzeptable Kunden zu bewähren. – Wer als Kunde nur Ärger macht, bekommt keine Arbeitsleistung, auch wenn dieser noch so viele Geldscheine besitzt. – Eine Verpflichtung, für irgendjemanden zu arbeiten, gibt es nicht, im Bereich der Selbstständigkeit.

Wie wäre es denn, einmal festzuhalten, dass ein Selbstständiger niemals verpflichtet ist, für jemanden eine Leistung zu erbringen. Sondern immer nur »freiwillig« dies tut. Somit besteht auch für niemanden ein Recht, eine Leistung erwarten zu dürfen. Wer selbstständig ist, kann nach eigenen Kriterien entscheiden, für wen gearbeitet wird und ob überhaupt.

Sonst hätten wir ja wieder den Arbeitszwang für alle, über die Hintertür des Geldbesitzes. Wer Geld besitzt, könnte andere zwingen, für einen zu arbeiten. – Das kann aber niemals der Fall sein. Arbeit ist eine grundsätzlich freie Angelegenheit. Niemand, kein Staat, kein Richter, kein vermeintlicher Kunde hat das Recht, einen anderen Menschen zu irgendeiner Arbeit zu zwingen.

Diskriminierung meint aber etwas anderes. – Wenn allen Bürgern Leistungen zugänglich sind, und man würde bestimmte Personengruppen von diesen Leistungen ausschließen, das wäre Diskriminierung. – Aber individuelles Verhalten ist keine »allen Bürgern zugängliche Leistung«. Individuelles Verhalten benötigt die »Freiheit für das Individuum« und die eigene, unabhängige Entscheidung.

Pluralismus, Multikulturalismus und Menschenrechte

Nicole Lieger spricht in ihrem Text »Pluralismus in der Politik der Anziehung« von unterschiedlichen Lebenskonzepten und Sichtweisen, und stellt die Frage, ob diese, nebeneinandergestellt, keine unterschiedliche Bewertung erfahren sollen.

https://homepage.univie.ac.at/nicole.lieger/pda/plural.pdf

Frau Lieger spricht in ihrem Artikel nicht von den Menschenrechten. Aber gerade diese sind bei der Betrachtung von »Multikultur« und Pluralismus von großer Bedeutung.

Dass die »eigene Kultur« bedingt und begrenzt ist, bedeutet ja nicht, ein »kritikloses« Leben zu leben, in dem alles geschieht und da ist, und wir es hinnehmen müssen. Multikulturalismus und Pluralismus können nicht bedeuten, auf eine kritische Weltbetrachtung zu verzichten.

Gerade die Menschenrechte können dabei helfen, zu erkennen, wie eine Weltsicht aufgebaut sein könnte, die es zu verteidigen gilt. – Denn wenn wir darauf verzichten, die Lebenskonzepte und Verhaltensweisen um uns herum zu beurteilen, weil wir »kein Recht dazu haben«, weil wir »alle gleichermaßen« Werte und Regeln schaffen können, dann bleibt nichts für eine Orientierung und dann kann auch jede Gruppe versuchen, mit ihrer Lebensweise eine Vorherrschaft auf der Welt zu erlangen. – Denn wir sind doch alle gleich mit unseren Anliegen!

Was also ist verteidigungswert, was erstrebenswert, in welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Wenn wir feststellen, dass eine Grundeinkommens-Gesellschaft besser ist, als eine Hartz4-Gesellschaft, dann gelingt diese Feststellung doch nur, indem wir einen Wertekanon definieren, der durch die heutige Politik nicht erfüllt wird, der aber für uns unbedingt erstrebenswert und »menschenwürdig« ist. – Und wir erleben es gerade heute, dass die Vertreter der Regierung, der Regierungspolitik, kalt und skrupellos ihre Weltsicht in Gesetze packen, die für alle gültig sein sollen, und eine große Zahl an Menschen bereit sind, für die Politiker diesen brutalen Umgang mit den Menschen, mit den Armen und Arbeitslosen zu betreiben.

Sollten wir da nicht »pluralistisch« sein und sagen, »lasst die doch, die wollen halt anders das Leben gestalten«?

Dabei fällt nun auf, dass eine »Trennung« von unterschiedlichen Lebenskonzepten, Lebensweisen und Kulturgestaltungen gar nicht möglich ist. – Wenn der Nachbar im Wohnhaus aufgrund seiner »anderen Kultur« das Patriarchat pflegt, dann kann das unmittelbar für die übrigen Bewohner im Haus, in der Nachbarschaft Konsequenzen haben, zum Beispiel wie die Kinder dieser Leute sich verhalten, in der Schule, im Kindergarten, was in der Wohnung passiert und wie es den Frauen dort ergeht. All das strahlt aus, auf die Nachbarschaft und vielleicht sind die Mitmenschen nicht der Meinung, dass das in Ordnung ist, was da passiert.

So sind Kultur und Lebensweise nicht »monadenhaft« zu verstehen. Sie sind öffentlich, sie sind sichtbar, sie sind für alle, die den Lebensraum teilen, spürbar und erfahrbar. Und wir sind aufgerufen, damit umzugehen. Eine »Pflicht« zu irgendetwas, gibt es da nicht. Manche Menschen folgen ihrem Gefühl. Sie empfinden womöglich bestimmte Lebensweisen nicht als angemessen, nicht als richtig. Andere wiederum suchen nach rationalen Erklärungen, wie es vielleicht auch Frau Lieger in ihrem Beitrag getan hat.

Zu diesen rationalen Erklärungen und Bewertungen zählen dann auch die Menschenrechte. – Warum gibt es sie?

Gewalt, Mord und Totschlag wird immer wieder von Gruppen praktiziert, die gegen andere Menschen wüten und diese bedrohen. Wer Gewalt ausübt, muss Gründe haben. Und wer Gewalt ausübt, muss stark sein, sonst wird er schnell von der Gegnerschaft vernichtet und beseitigt.

Wenn heute in der globalen Welt Gewalt ausgeübt wird, dann meist durch »Staaten« oder Staatenbünden, die gegen andere Staaten oder Mitglieder der eigenen oder anderen Staaten vorgehen. Welche Argumente bringen sie dabei vor? – Meistens gibt es zu solchen Gewaltausbrüchen eine gewisse Vorlaufzeit. Die Weltgemeinschaft, alle Bürgerinnen und Bürger auf der Erde können sich über Nachrichten, persönliche Erzählungen und im Gespräch mit Mitmenschen ein Bild davon machen, wie diese Staaten »kulturell« einzuschätzen sind. Meistens sind es Jahre oder gar Jahrzehnte, in denen sich die Menschen ein Bild von den Kulturen, von den Staaten machen können, die es auf der Welt gibt. Und ein Staat oder Staatenbund fängt nun einen Krieg gegen andere an, wie auch immer das erklärt und begründet wird, und wir stehen vor der Aufgabe, das selbst einzuschätzen, selbst eine Position zu den Ereignissen zu haben. Ja, vielleicht ergibt sich sogar die Frage, ob wir aktiv für oder gegen diejenigen vorgehen wollen, die den Krieg begonnen haben.

Welche Kriterien helfen uns dabei, die Lage einzuschätzen? Wie wollen wir unsere Position zu den Ereignissen finden? – Gerade aus den Erfahrungen schrecklicher Kriege ist die Menschenrechts-Erklärung zu verstehen. Aus der Absicht, den Menschen eine Hilfe, eine Anleitung an die Hand zu geben, Ereignisse und Situationen zu bewerten, sind die Menschenrechte entstanden.

Was aber sind die Menschenrechte? Sie sind Individualrechte!

Dies ist ein sehr wichtiger Umstand. Denn vieles Unrecht, dass der Mensch erfährt, geschieht ihm als »Einzelwesen«. Er wird separiert, wird von der Herde, der Gruppe abgesondert, zum Beispiel, weil er sich angeblich »falsch« verhalten hat, und wird dann bestraft. – Oder der Einzelmensch separiert sich selbst von der Gruppe, der Herde, weil sie ihn erstickt oder mit ihren Regeln kein eigenes Leben leben lässt, aber die Gesellschaft ist nicht darauf vorbereitet, dass der sich selbst separierende Mensch existieren kann und für ein »Singleleben« gibt es keine Infrastruktur.

Das heißt, die Menschenrechte schützen den Einzelmenschen auch vor der Gruppe.

Findet damit aber eine »Bewertung« von Kultur statt? – Die Menschenrechte stellen den Einzelmenschen in den Vordergrund, und erklären den Einzelmenschen für wichtiger als die Gruppe. Wenn es um die Frage geht, wessen Ansinnen soll Beachtung finden und letztlich gewährt und unterstützt werden, befinden die »Menschenrechte« die Anliegen des Einzelmenschen höher als die Gruppenanliegen. – Ist das gut und richtig?

Darauf können wir nur individuell eine Antwort geben und dies einschätzen. – Wenn wir der Meinung sind, die Gruppenanliegen sind höher zu bewerten, als die Anliegen von Einzelpersonen, dann ist das halt so. – Ich halte die Menschenrechte für ein in der heutigen Zeit unbedingt brauchbaren und guten Orientierungspunkt, um sich in der globalen Welt zurechtzufinden und Situationen einzuschätzen und zu bewerten.

Aber stellen wir uns einmal vor, jemand würde die Gruppeninteressen höher bewerten, als die Individualinteressen. – Kann überhaupt eine »Gruppe« Interessen haben? Natürlich nicht!

Eine Gruppe kann nicht denken.

Auch hinter Gruppeninteressen stehen wieder einzelne Personen, die womöglich das Licht der Öffentlichkeit scheuen, die aber im Hintergrund die Gruppen lenken und Regeln bestimmen, nach denen die Leute ihren Weg gehen. – Somit kann davon ausgegangen werden, dass hinter Gruppeninteressen Machtinteressen einzelner Gruppenmitglieder stehen, die offen oder verdeckt, für alle anderen in der Gruppe, die Lebens- und Rahmenbedingungen formulieren.

Wollen wir das? Sind wir damit einverstanden?

Solange wir Pluralismus und Multikulturalismus nur aus der privaten Perspektive leben und beschreiben, von Bekannten aus dem Freundeskreis berichten, und wie wir mit ihnen umzugehen gedenken, hat das Ganze noch etwas Harmloses. Aber tatsächlich müssen wir uns als StaatsbürgerInnen denken, die Verantwortung für ein Gemeinwesen haben sollen. – Solange wir aus der Perspektive eines Jugendlichen oder jungen Menschen in die Welt schauen, fehlt meist der »Verantwortungs-Aspekt«. Menschen in diesem Alter haben meist noch keine Verantwortung für die Gemeinschaft, »für alle«. – Sofern wir aber diese Verantwortung für uns selbst in Anspruch nehmen, sofern wir Verantwortung für ein Gemeinwesen, für eine Familie, für eine kleine oder große Gruppe von Menschen übernehmen wollen und sobald wir die Öffentlichkeit und den öffentlichen Raum als einen wahrnehmen, den wir verantwortungsvoll gestalten wollen, dann können wir nicht mehr alle Lebensweisen zur »Privatsache« erklären, sondern müssen auch die Konsequenzen und wechselseitigen Wirkungen mit in unsere Betrachtung mit einbeziehen, wenn wir über »Kultur« sprechen und wenn wir ein Urteil fällen und unsere Kräfte in eine Richtung einsetzen möchten.

Wir, du und ich

Das Kind wächst in ein »Wir« hinein, bevor es ein »Ich« entwickelt.

Das »Wir« wird von den Bezugspersonen und weiteren Mitgliedern in der Lebensgemeinschaft gebildet. Zum Beispiel »Vater und Mutter« und Geschwister. Idealerweise haben Vater und Mutter bereits ein »Ich« entwickelt. An diesen »Ichen« kann sich das aufwachsende Kind orientieren.

In Kindheit, Jugend und jungem Erwachsenenalter entwickelt der Mensch sein »Ich«. – Dieser Prozess ist zeitlich nicht begrenzt.

Wer sein »Ich« nicht entwickelt, bleibt bei dem »Wir« stecken.

Typisch für diktatorisch-orientierte Gesellschaften ist es, dass Eigensinn, Subjektivität und Individualität bekämpft werden, weil sie angeblich das »Wir« in der Gesellschaft gefährden. Jede Form von Individualisierung wird als unerwünscht dargestellt, als ungeeignet für das dem Nationalbewusstsein typische »Wir«. – Die Ich-Entwicklung ist in einer Diktatur unerwünscht.

Da aber der Mensch sein »Ich« entwickeln will, verbirgt er dieses, wenn es bedroht wird. – Denn auch in einer Diktatur sind es wieder »Iche«, die sich mitteilen wollen und die die Geschicke der ganzen Nation lenken. Nur äußern sich die subjektiven Sichtweisen dann fortwährend eingekleidet in einem »Wir wollen das, wir sollten das, wir müssen das und jenes tun«. Und »Du solltest das, du müsstest das und jenes machen«. – Solche Sätze werden von denjenigen eingesetzt, die ihr »Ich« nicht offen zeigen wollen und können. Statt von sich zu reden, von dem, was sie selbst wollen, denken und machen würden, reden sie unentwegt auf andere ein, dass diese »dies und jenes« machen und tun sollten und das »wir« besser uns so und so verhalten sollten und so weiter. – Solche Leute reden nicht von sich, sondern immerzu von anderen, was diese wieder falsch gemacht haben und besser machen könnten, was diese nicht leisten können und wie »wir« voran kämen, wenn wir uns bloß richtig verhalten würden und wer alles bekämpft gehört, weil er sich nicht richtig verhält.

Personen, die ihr »Ich« hingegen weitestgehend entwickelt haben, können sich irgendwann wieder für ein »Wir« entscheiden. Nur entscheiden sie aus einem relativ reifen »Ich« heraus, wieder ein »Wir« zu schaffen, zum Beispiel mittels einer Partnerschaft.

Zwei Umstände begünstigen diesen Prozess der Neu-Schaffung eines »Wir«:

• Das »Ich« muss sich zeigen. – Es muss für andere sichtbar sein. Es muss seine Fähigkeiten, Fertigkeiten, Möglichkeiten, Interessen, es muss seine »Schönheit« zeigen, es muss sich für andere attraktiv machen. Es muss für andere attraktiv sein.

• Das »Ich« muss aus der großen Zahl anderer Iche ein Ich »auswählen«. – Es muss aus freien Stücken, freiwillig sich mit einem anderen Ich zusammentun. – Aus dem dann folgenden gemeinsamen »Tun« kann dann auf ein »Wir« geschlossen werden und die beteiligten Personen äußern sich dann auch entsprechend.

Dieses »Wir« ist freiwillig zustande gekommen.

Ganz anders das »Wir« aus der Kindheit. Dieses »Wir« kam nicht freiwillig zustande. Das erklärt auch, warum in dem Wir der Kindheit etwas »Zwanghaftes« drinsteckt. Und sind die Eltern unreif geblieben, dann ist es dem Kind auch nicht möglich, an ihnen ein reifes, selbständiges, eigenwilliges »Ich« zu erkennen, und es wächst ohne »Ich-Unterstützung« auf.

Wann ist etwas »reif«?

Ist jemand reif für einen öffentlichen Auftritt, wenn er nur 5 Akkorde auf der Gitarre spielen kann? Darüber kann kein »Wir« eine Auskunft geben, sondern nur derjenige selbst erstmal, der mit diesem Vermögen auftreten will, und natürlich wir alle, als Einzelpersonen, indem wir zu den Auftritten dieser Person eilen, weil wir das so toll finden, wie dieser Mensch Gitarre spielt. Oder indem wir als Einzelpersonen den Kopf schütteln, über so viel Unerfahrenheit, und diese Darbietungen meiden.

Ob eine Person, ein »Ich«, zu irgendetwas »reif« ist, bestimmt also in erster Linie diese Person selbst. Wer sich selbst reif dafür hält, zu heiraten in einem bestimmten Alter, kann das tun, und er wird sehen, was dabei herauskommt. – Andere Menschen haben sich nicht einzumischen in die Frage, ob jemand zu irgendetwas »reif« ist. »Wir« können nicht entscheiden, ob jemand zu etwas »reif« ist.

Die Reife drückt sich aus! – Und wir nehmen es dann wahr.

Sondersituationen sind dann gegeben, wenn wir »ausdrücklich« jemanden prüfen wollen, ob er »reif« ist. Zum Beispiel in Prüfungen. Aber hier in diesem Beitrag will ich ausschließlich die »Reife« ansprechen, die wir in freier Entscheidung zur Kenntnis nehmen, und nicht solche, die sich aus Spezialfällen ergibt.

Das »Du« wiederum kann »unreif« gehandhabt werden, indem es in das »Du« (in die andere Person) das eigene »Ich« projiziert, das sich nicht zeigen darf und deshalb im anderen auftauchen soll. – Wer selbst ein reifes Ich hat, wird das »Du« vorsichtig handhaben und den Respekt für die andere Person ausdrücken und die Würde der anderen Person anerkennen.

So haben wir das kindliche »Wir« und das erwachsene »Wir«.

Das kindliche »Wir« wird wahrgenommen aus einem schwachen, kaum entwickelten »Ich«. Bleibt das »Ich« wenig entwickelt auch in zunehmenden Alter der Person, ersetzt das »Wir« das »Ich« weitestgehend. Solche Zustände sind typisch für totalitäre und diktatorische Gemeinschaftsbildungen. – Dort herrscht das kindliche »Wir«.

Das erwachsene »Wir« hingegen, ergibt sich aus selbständigen »Ichen«. Die »Iche« produzieren sich (Inhalte) nach außen, in die Welt, damit die Inhalte, aber auch sie als Person sichtbar werden. – Sie zeigen sich. – Dies entspricht dem Bedürfnis des »Ich«. Die anderen »Iche« wiederum, wählen aus den vorhandene »Ichen« diejenigen aus, mit denen sie sich verbinden wollen. Daraus kann ein neues »Wir« entstehen. Die Formen des »Wir« aus erwachsenen »Ichen« sind vielfältig. Das können Partnerschaften sein, aber auch Freundschaften, Arbeitsgruppen, Interessengemeinschaften etc.

Verantwortung der Weltgemeinschaft und die des Einzelnen

ZITAT:
„Dies ist kein Bürgerkrieg der in Syrien stattfindet und auch kein Krieg Assads gegen seine Bevölkerung. Es ist Präsident Assad, der mit seiner Bevölkerung als eine Einheit gegen ausländische Truppen und Terrororganisationen kämpft, die aus dem Ausland finanziert werden, gegen das syrische Volk! Diese Terrorgruppen wechseln ihre Namen beinahe täglich, um ihre Identität und ihre Geldgeber zu schützen. Hinter diesen Terrororganisationen stehen Saudi Arabien, Katar, die Türkei, die USA und sogar teilweise Israel. Die gesamte Idee des Regimechanges ist nach internationalem Recht illegal. Die Amerikaner haben nicht das Recht zu bestimmen, wer in Syrien die Führung hat.“ (Madelyn Hoffman, Direktorin der New Jersey Friedensaktion)

Twitter-User:
In Sachen Propoganda tun sich alle Seiten nichts, dass RT da nun wesentlich schlimmer sein soll als ´unsere`, sehe ich nicht so. In diesem speziellen Fall ist RT nur der Überbringer der Nachricht. Die Aussagen stellt nicht RT, sondern die US Delegation in den Raum. Wer meine Posts verfolgt, weiss, dass ich die Lage in Syrien von verschiedenen Seiten beleuchte, es gehört nicht zu meinen Hauptthemen und ist nichts, wozu ich eine abschließende Meinung hätte, ausser, dass vökerrechtlich gesehen alleine die Syrische Armee und Russland dort agieren dürfen. Auf welcher rechtlichen Grundlage die westliche Koalition sich dort tummelt, muss mir erst noch einer erklären.

Vielen Menschen erscheint ein »Kriegsende« viel wichtiger, als zu wissen, warum ein Krieg überhaupt besteht oder wie er zustande kam.

Gestern Abend war eine Botschaft im sozialen Netzwerk »Twitter« zu vernehmen. Ich hatte mir den Text, den ich interessant fand, notiert und wollte am nächsten Morgen den Link zu den Beiträgen kopieren, aber die Beiträge waren verschwunden und nicht wieder aufzufinden. Waren die Beiträge von den Twitter-Nutzern entfernt worden, oder war die amerikanische, kapitalistisch-orientierte Firma, die den Nachrichtendienst »Twitter« betreibt, selbst als Zensor tätig, man weiß es nicht.

Jetzt habe ich bloß diese Texte, die ja eigentlich nur für mich Anlass waren, über den Syrien-Krieg nachzudenken und die Rolle, die wir Menschen als »Bürger in der Welt« haben, zu reflektieren.

In den dort getätigten Aussagen geht es um die Frage, wer eigentlich »völkerrechtlich« in dem Land Syrien »bestimmen« darf, wer »zu Recht« in diesem Land herrschen darf. Wer also »die Bösen« sind, und wer die Guten. Und die Frage, wer für das Leid der Menschen dort die Verantwortung hat. Es wird unterschieden zwischen Assad-Truppe, Russland und »den anderen«, westliche Gruppen, USA, Türkei, …. IS. – Es wird gesagt, dass es Assad’s Land sei, und die »westlichen Truppen« sich dort nicht einzumischen hätten.

Bürgerkriege entstehen durch Scharmützel, begrenzte, lokale Auseinandersetzungen, die sich immer mehr ausweiten. Wir erfahren von ihnen über die Propaganda-Medien, die wir zwangsfinanzieren müssen. In Deutschland ist es der »öffentlich-rechtliche Rundfunk«, der von Politikern und Parteien aufgebaut wird, mittels Milliarden Euro, die »per Gesetz« den Bürgerinnen und Bürgern abgenommen werden. – Ob die Aussagen in diesen Medien korrekt sind, ist anzuzweifeln, weil es ein »von den politischen Verwaltern« per Gesetz kontrollierter Medienapparat ist. Und die heutige Politik vertritt nicht die Bürgerinteressen, sondern Lobbyinteressen. Zu erkennen ist dies an dem hohen Anteil der »Nichtwähler« und dem schlechten Image, dass die Politiker bei den Bürgern haben. – Die ehemals »Parlamentarische Demokratie« ist ein Selbstbedienungsladen für Lobbyisten geworden. Ursprünglich sinnvolle Institutionen, wie der »Rundfunk«, sind mittlerweile Teil des politischen Machtinstrumentariums.

Es ist also nicht klar, ob die »Nachrichten« in den Medien, und in der Presse, die von »Eigentümern« und Unternehmern kontrolliert wird, uns die »Wahrheit« übermitteln. Insofern sind solche Twitter-Nachrichten wichtig. – Wie sollen wir Bürger uns sonst eine Meinung bilden, wenn wir nicht Zugang zu verschiedenen Informationsquellen haben.

Wer kann sich noch an den Beginn des Syrienkrieges erinnern? Wie war das. Wenn es ursprünglich ein »Bürgerkrieg« war, bei dem sich Teile der Bevölkerung gegen Assad gewendet haben, woher hatten diese Bevölkerungsteile »schwere Waffen«, die ja für eine Kriegsführung unbedingt notwendig sind?

Wenn der Besitz schwerer Waffen in den meisten Ländern der »Staatsführung« zusteht, und das auch kontrolliert wird, wie kam es, dass die »Rebellen« plötzlich über schweres Kriegsgerät verfügten? – Es ist somit anzunehmen, dass solches Kriegsgerät »von außen« ins Land gebracht wurde. Von wem? Dann wäre schnell die Frage im Raum, wer hat Interesse daran, dass Assad seine Macht verliert.

Ein Krieg wird der Weltbevölkerung dann bewußt, wenn er medial ausgeschlachtet wird, wenn die Toten und Verletzten auf der Mattscheibe zu sehen sind und die Flüchtlinge auftauchen, und in den meisten Fällen wollen die Menschen überall auf der Welt, immer nur, dass der Krieg möglichst schnell wieder aufhört. Weil sie das Leid der Menschen nicht wollen, weil sie das Elend nicht länger anschauen möchten. – In solchen Fällen tritt schnell die Frage in den Hintergrund, warum es überhaupt soweit kommen konnte, dass die Menschen sich gegenseitig die Schädel einschlugen.

Der »Normalbürger« kommt dann ins Spiel, wenn es darum geht »zu helfen«, die Kriegsschäden an Leib und Natur wieder zu heilen und alles »wieder aufzubauen«. Aber bei der Entstehung von Konflikten, beim Umgang mit Konflikten, wenn sie gerade beginnen, sind die normalen »Citizen« nicht involviert, nicht beteiligt. – Aber sollten wir nicht besser beteiligt sein?

Als Staatsbürger müsste es in unserem Interesse sein, dass Konflikte frühzeitig gelöst, und kriegerische Auseinandersetzungen »im Keim erstickt« werden. Das heißt, kriegerische Auseinandersetzungen sollten sich erst gar nicht ausweiten können.

Um nun die Frage besser diskutieren zu können, wie wir Menschen und Normalbürger in den Ländern, frühzeitig mit in die Entscheidungen über Kriegshandlungen miteingebunden werden können, beziehe ich mich nochmal auf diese Textauszüge, die ich in Twitter fand.

Dort wird das »Völkerrecht« zitiert, aber noch vor dem Völkerrecht steht doch das eigene Rechtsempfinden! Denn was nützt es, wenn »andere« Recht definieren, und der Einzelmensch könnte diesen Rechtsauffassungen nicht zustimmen. – Dann wären solche Rechtskonstruktionen »für die Katz«. – Aber das der Twitter-User das Völkerrecht zitiert, weist darauf hin, dass auch diese Person nach Orientierung sucht, wie bestimmte Situationen zu bewerten sind, wie man sie bewerten sollte.

Welches Recht soll gelten, wenn sich zwei Gruppen streiten? Das müssen wir als Einzelmensch entscheiden, wenn wir selbst zu einem Urteil kommen, wenn wir selbst Partei ergreifen, wenn wir selbst uns »aktiv« einmischen wollen.

Um Streitereien bewerten zu können, schaue ich auf die Verhältnisse in den Ländern und frage, ob die Staaten, in denen es zu Unfrieden kommt, »menschenwürdig« organisiert waren, bevor es zu den Kriegshandlungen kam. – Wäre das nicht der Fall, und sind diese Staaten diktatorisch, menschenverachtend, die Menschenrechte verletzend organisiert und geführt, wie könnte ich da wollen, dass diese Zustände fortbestehen, etwa in dem die für diese Zustände verantwortlichen Herrscher weiterhin an der Macht bleiben?

Wenn es also zu Kriegshandlungen kommt, wäre meine Frage, welche gesellschaftliche Ordnung wird da bedroht und angegriffen, welches Staatengebilde kämpft da um seine weitere Existenz. Zu allererst wäre also bei Kriegsbeginn zu schauen, ob das Individuum sich schützend vor eine staatliche Ordnung stellen würde, und bereit wäre, für den Erhalt dieser Ordnung zu kämpfen und vielleicht sogar zu sterben. – Für welche politische Ordnung würden Sie heute »militärisch«, durch Einsatz ihres Lebens eintreten?

Wenn ich mir heute die Staaten in der Welt anschaue, so ist kein Staat es wert, dass sich der Bürger für ihn einsetzt. Und gerade die Weltmächte, und ihre peinlichen und gefährlichen Führungsfiguren geben nicht das Bild von erstrebenswerten Staaten ab, in denen Bürger gerne leben würden. – In keinem Staat werden die Menschenrechte geachtet, überall herrscht »Arbeitpflicht«, Arbeitszwang, da nirgendwo ein Bedingungsloses Grundeinkommen gewährt wird. Und die Menschen sind wie im Mittelalter verpflichtet sich zu »verdingen«, um an Einkommen zu gelangen. So haben wir auch heute noch Zustände, in denen die Menschen versklavt werden. – Aber wer würde so einen Sklavenhalterstaat mit Waffengewalt verteidigen wollen?

Somit gibt es heute keine idealen Staaten, keine gute Staatsordungen, die Ungerechtigkeiten gegenüber Bevölkerungsteilen vermeiden, die für faire Lebensverhältnisse sorgen. – Aber andererseits haben wir selbstverständlich Staatengebilde, die »relativ« besser organisiert sind, die relativ mehr Freiheiten den Bürgerinnen und Bürgern einräumen als andere. Und wir haben im Gegensatz dazu, heute eindeutig »diktatorisch« verwaltete Staaten, Unrechtsregime, totalitäre Staatsordnungen, die sich von sogenannten »demokratischen« Staaten doch massiv unterscheiden. – Das heißt, in einem Kriegs- und Krisenfall würden wir uns schon entscheiden, welchen Staatsordnungen wir uns näher fühlen, in welche Länder wir im Notfall lieber fliehen würden, für welche Länder wir im Notfall sogar kämpfen würden.

Es wäre also nicht die Frage, wer gemäß des »Völkerrechts« ein Land kontrollieren darf, sondern ob die dortige staatliche Ordnung »verteidigungswürdig« ist. – Und gerade auch deshalb, um »Fluchtgründe« zu verstehen, um zu einer Bewertung von Fluchtursachen zu gelangen, ist es wichtig, zu weltweit gültigen Maßstäben zu gelangen, wie Verhältnisse in Ländern einzuschätzen sind. – Wer behauptet, Rechtsverhältnisse, soziale Zustände seien »natürlich gewachsen«, über Jahrhunderte entstanden und seien deshalb nicht anzutasten, vertritt arg kritikwürdige Positionen. Denn mit solchen Argumenten ließe sich jede Diktatur, oder archaisch-organisierte Clangemeinschaft rechtfertigen, mit all dem damit verbundenen Leid, das den Menschen dort zugefügt wird.

Wäre es deshalb nicht erstrebenswert, wenn die Weltgemeinschaft definieren würde, welche Formen staatlicher Ordnung sie als »Standard« überall in der Welt für angemessen ansieht, und für was sie sich, aufgrund dieser Einschätzungen, überall in der Welt einsetzt?

Wer will in einen Krieg ziehen, wenn die Werte, die mit einem Krieg anvisiert sind, nicht Menschenwürde, Menschenrechte, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit enthalten?

Und mit was wollen diejenigen, die eine Kriegspartei unterstützen, die ausdrücklich totalitäre und diktatorische Gesellschaftsordnungen vertritt, ihr Engagement rechtfertigen? – »Das Alte« beibehalten, weil es immer schon so war?

Zusammenfassung:

Bei kriegerischen Auseinandersetzungen muss gefragt werden, was soll erhalten bleiben, was soll verändert werden. Welche Gesellschaftsordnungen »sind es wert«, fortzubestehen? – Für welche staatliche Ordnung setze ich mein Leben ein?

Objektiv und Subjektiv

Im Objektiven treffen sich alle Menschen. – Das Subjektive ist das »Individuelle«. Dasjenige, was nur der Einzelne für sich so sieht, empfindet, wünscht, mag, nicht mag.

Wie wir die Hypotenuse berechnen, das können wir alle gemeinsam verstehen, und uns darinnen begegnen.

Das Objektive ist »das Richtige«. Wie finden wir es?

Wenn wir über eine Situation reden, dann bringen die Menschen unterschiedlichste Kräfte mit ein, vielleicht fuchteln die einen mit den Armen, die anderen fangen an, lauter zu reden, es wird gebettelt und gebeten, und dann vielleicht auch gedroht. – Welchen Weg sollen wir gehen?

Das Objektive und Richtige wird nicht selten von »Führern«, Anführern, Fachleuten und Sachverständigen vertreten. – In der Gesprächssituation setzt sich eine Meinung durch. Diese wird von einem, zwei Leuten vertreten. – Wir ordnen uns unter und folgen den Anführern.

Aber haben wir nicht so oft erlebt, dass die Anführer uns ins Unglück »geführt« haben? Denken wir nur an den »Führer«. – Ist das »objektiv Richtige« durch die Entscheidung Einzelner gegeben?


Wahr ist, dass wir Menschen uns im Objektiven begegnen, weil wir dann das Gleiche sehen, erleben, wahrnehmen, begreifen, erkennen. – Nicht wahr ist, dass einzelne Menschen mit ihrem Wissen, dieses »Objektive« verkörpern. – Zumindest können sie es nicht vollständig abbilden.

Alles, was der einzelne Mensch sagt, kann »wahr und richtig« sein. Und dennoch bildet es nie die ganze Wahrheit ab. Was aber ist die »ganze Wahrheit«?

Da kommen wir wieder zurück auf das »Subjektive«. In allem Subjektiven steckt Wahrheit. Deswegen ist der Umstand, dass in der Gruppe die Mehrheit zum Schweigen gebracht wird, damit ein paar wenige oder gar nur einer seine »Teilwahrheit« für alle gültig erklärt, kein vorteilhafter Weg.

Wenn für die Menschheit das »objektiv Richtige« gesucht wird, dann geht das nur über »die Summe aller Einzelmeinungen«, dann geht das nur über die Addition alles Subjektiven.

Deshalb müssen Gruppengespräche anders verlaufen: Alle sind mit ihren Beiträgen gleichwertig. Zwar kann der Einzelne mit seinen Beiträgen relativ zu allen anderen, einer Wahrheit näher sein, was aber »für alle« wahr ist, ergibt sich nur aus der Addition aller subjektiven Beiträge.

Auch wenn dabei die Beteiligten sich unterschiedlich viel Mühe geben, »objektiv« zu sein, ist die »objektive Wahrheit« für die Menschheit, nur insoweit erkennbar, wie derjenige sich Mühe gab, der am wenigsten nah an das Objektive heran kam. – Aber in der Summe bringt dieses Verfahren die Menschen näher an die Wahrheit, als das »Führerprinzip«.

Richtig oder falsch – am Beispiel der gemeinsamen Gespräche

»Richtig oder falsch« ist ein Dogma, dass wir in den Gesellschaften nicht dulden sollten. – Ein Teil der Bevölkerung versucht damit, die eigene Dominanz und Vorherrschaft in den Gemeinschaften zu legitimieren. – Zu Unrecht.

Wer Rudolf Steiner liest, kann diesen nicht als »Lehrer« sehen, denn, wie soll er den Schüler korrigieren, wenn er gar nicht mehr da ist. Wer die Werke liest, liest sie »in Freiheit«. – Es ist aber nicht untypisch für uns Deutsche, dass wir gleich versuchen, die Dinge klar zu rücken und »richtige oder falsche« Interpretationen zu benennen, und so eine Unterscheidung zu treffen. – Aber woher nehmen wir die Berechtigung dafür?

In Streitgesprächen versucht der Sieger immer seine Position mit »unwiderlegbaren« Argumenten zu unterfüttern, um sie dadurch »unangreifbar« zu machen. Unwiderlegbar ist aus Sicht vieler »die Wissenschaft«. Es sei denn, eine Position sei durch eine andere glaubwürdig in Frage gestellt.

So entsteht, ohne das wir es wollen oder geplant haben, in »harmlosen« Gesprächen automatisch eine »Beweislast« für alle Teilnehmer. Wer seine eigene Position nicht glaubwürdig machen kann, gerät schnell ins Hintertreffen und muss sich gefallen lassen, dass Äußerungen anderer Teilnehmer als »gewichtiger« in Raume erscheinen. – Diese »unsichtbaren« Regulative sind es, die die Gemeinschaften gestalten und führen.

Die »gewichtigeren« Argumente nehmen zusehens mehr Zeit und Raum in Anspruch, obwohl doch eigentlich alle Teilnehmer gleich viel Zeit und Raum beanspruchen sollten. – So entstehen, obwohl der Lehrer doch tot ist, wieder neue Lehrer, die belehren, ohne das sie ausdrücklich für diese Rolle benannt wurden, einfach durch die Abläufe in den Gesprächen.

Was da in den Urzellen der Gemeinschaften passiert, wird dann als »Blaupause« genommen, für die bedeutsameren Versammlungen und Entscheidungsgremien.

Ist es denn nicht richtig, alles genau zu klären und immer den richtigen Weg zu gehen?

Wer soll das bestimmen? – Handelt es sich um eine allgemeine Betrachtung der Welt, des Lebens und des eigenen Umfelds, dann sind alle Einschätzungen subjektiv und als solche »gültig« und zu akzeptieren. Und dennoch erleben wir jeden Tag von neuem den Versuch, von manchen Leuten, alles, was ihnen nicht in den Kram passt, als »problematisch und bedenklich« einzustufen, um andere gesellschaftliche Strömungen unter Druck zu setzen und in ihrer Entwicklung zu hemmen.

Hätten wir wirklich »freie« Gesprächskreise, würden wir einander zuhören und vielleicht haben wir Verständnisfragen oder wir übergehen die Äußerungen anderer, wenn sie uns nicht ansprechen. – Das sind freie Gespräche, in denen sich jeder entwickeln kann.

In den »Richtig oder falsch« Gruppen hingegen, geht es mehr um Positionen, Rollen, Hierarchien, Macht und Unterwerfung. – Wer unter diesem Aspekt einmal aufmerksam in Gruppengespräche hineinhört, kann dies einwandfrei feststellen. – Regelrecht »verseucht« sind in dieser Hinsicht die politischen Gesprächskreise. – Zu jeder Sekunde wird da mit harten Bandagen um die Vormachtstellung und die Eingrenzung »nicht erwünschter« Meinungen gekämpft.

Wenn wir Direkte Demokratie wollen, dann sind die »Falsch-oder-richtig« Politiker ein Problem, weil sie es nicht hinnehmen wollen, dass wir alle gleichwertig, gleichrangig mit unseren Meinungen und Sichtweisen nebeneinander in den Gemeinschaften und Gesprächen dastehen. – Die Parlamentarische Demokratie baut ja gerade darauf auf, dass wir »nicht fähig und in der Lage« sind, Problemstellungen und Aufgaben angemessen zu beurteilen, so die Meinung deren Verfechter. – Deshalb sollen wir unsere Stimme, die wir auch zum Entscheiden von Sachverhalten haben, abgeben, oder besser »aufgeben«, zugunsten von sogenannten »Fachleuten und Sachverständigen«, die dann unsere Stimme »richtig, statt falsch« für die Lösung der Probleme einsetzen.

Genau diesen Leuten müssen wir aber sagen, dass wir ihre Sichtweise nicht mehr akzeptieren und eine »Gleichheit der Meinungen, Urteile und Entscheidungen« in Betracht ziehen, sodass dann wieder jeder Bürger, Individuum, jeder Souverän im Staate, eine Stimme für die Bürgerentscheide und Volksabstimmungen hat.

Aber noch einmal: wäre es nicht doch von Nutzen für alle in den Gemeinschaften, wenn der Sachverstand und das umfängliche Wissen von einzelnen Personen zur Geltung kommt?

Es geht darum, dass kein Zwang besteht, so zu verfahren. – In freier Entscheidung mag sich ja so eine Entwicklung ergeben. – Aber gerade in der heutigen Zeit, in der wir doch alle erleben, wie unfähig diese angeblich »Wissenden« eigentlich sind, oder, dass jene entscheiden dürfen, die offensichtlich »nicht wissen«, sollten wir wieder dahin gelangen, mehr instinktiv und intuitiv zu entscheiden und zu urteilen.

Die letzten 20 Jahre in Europa, in Deutschland zeigen uns, wie auf der Entscheidungsebene nur alles schlimmer wird, statt besser. – Deshalb sind jetzt »Bürgergesellschaften« sinnvoll und den Parteienstaat geben wir auf.

Die Bürgerinnen und Bürger werden ihren guten Willen und ihre Bereitschaft einbringen, dem Menschenwesen gemäß unser Zusammenleben zu gestalten.

Probleme politischer Arbeit (1)

Nehmen wir eine Gruppe an, die sich für eine Geldreform einsetzt, und sie macht eine Powerpoint Präsentation, bei der sie Grundlegendes ihrer Arbeit darstellt.

Die ersten beiden Folien beziehen sich auf die Gesellschaft und wie das Geldsystem in sie integriert ist. Und die Frage, »was ist Geld?« wird mit einer möglichen Antwort abgetan, nämlich, Geld ist, was man mit diesem macht. – So wurden diese beiden Folien in 10 bis 20 Sekunden vorgestellt. Das war es.

Mit anderen Worten, die Gruppe ist hauptsächlich mit der Umsetzung ihrer Vorstellung eines neuen Geldsystems beschäftigt. Die Grundlagen für dieses neue System, werden kurz gestreift, wenn überhaupt. – Aber ist das nicht das Aller-, Allerwichtigste?

Wenn wir an bestimmten Einstellungen unseres Gemeinwesens herumschrauben, dann doch nur, wenn »das Ganze« von uns bejaht, verstanden, akzeptiert und als richtigen Weg erkannt wird.


Ich weise jetzt auf einen Umstand hin, für den ich an anderer Stelle dieses Blogs eine genau entgegengesetzte Meinung vertreten habe. – Ich hatte gesagt, dass in Initiativen und Organisation sich die Menschen für »ein Thema« engagieren sollten, weil dies die Gefahr von Inkompatibilitäten bei Einstellungen und Urteilen unter den Menschen verhindern könnte. Wenn wir zu vielen Themen unterschiedlicher Meinung sind, können wir nicht zusammenarbeiten. Deshalb sollten wir ein Thema heraussuchen, dieses zum Ziel führen und uns dann, womöglich in anderen Konstellationen für weitere Themen einsetzen.

Nun nehme ich diese Geldreform-Gruppe und weise auf einen entgegengesetzten Umstand hin.

Das kam so. – Die Gruppe hatte am Ende ihrer Ausführungen gefragt, wie geht es weiter, welche Aktionen machen wir als nächstes, welche Projekte nehmen wir in Angriff, um unsere Ziele zu verwirklichen. Mit wem wollen wir uns vernetzen und Kooperationen eingehen.

Über diese Frage und Betrachtung wird deutlich, dass das Geldthema mit vielen anderen Themen korreliert. Und plötzlich ist wieder »das Ganze« der Gemeinschaft im Blick und es ist zu erkennen, dass das Geldsystem Einfluss hat auf die Lebensqualität, indem es Armut und Reichtum beeinflusst, die Verschuldung steuert und auf den Ressourcenverbrauch massiv einwirkt, indem Wachstumszwänge entstehen oder eben nicht.

So könnte eigentlich auch von den Geldsystem-Reformern die Frage gestellt werden, »in welcher Welt will ich leben?«, wie muss sie aussehen, zusätzlich zu einem modernen und transparenten Geldsystem.

Im Grunde müssten diese Aktivisten den ersten Teil ihrer Powerpoint Präsentation, den sie in 10 Sekunden abgearbeitet hatten, zu etwas ganz Großem ausbauen, zu etwas, was einen ganzen Arbeitstag ausfüllt. – Sie müssten erkennen, dass die Stellschrauben zwar richtig einzustellen sind, aber eigentlich etwas Größeres gemeint ist.

Das, was die Geldreformer nicht diskutierten, und sehr schnell eigentlich zu einer Vernetzung der verschiedenen Ansätze führen kann, möchte ich hier kurz erwähnen.

Was ist Geld? Diese Frage ließe sich mit dem Publikum gemeinsam diskutieren. Aber vielleicht machen sie es nicht, weil sie befürchten, ihnen könnte der Boden unter den Füßen entzogen werden. – Das Geld ist ein »untergeordneter« Aspekt des wirtschaftlichen Zusammenlebens der Menschen. Produkte und Leistungen sind das Wichtigste. Geld vermittelt den Austausch.

Das Geld ist in das Gesellschaftssystem integriert. – Wie aber sieht das Gesellschaftssystem aus, heute, und welches wollen wir, welches ist angemessen?

Wollen wir weiterhin die Parlamentarische Demokratie, inklusive »Pateiendiktatur«, und dominiert sein, durch ein politisches Regime, das gut und gerne auch ohne die Mitwirkung der Bürger auskommt, es sei denn, der Staat kann diese »zwingen« etwas zu tun?

Wollen wir eine Direkte Demokratie. Welche Wirtschaft ist die angemessene in der heutigen Zeit. Welche Wirtschaft haben wir heute. Werden die Bürger auf Anweisung des Staates versklavt, an irgendwelche Arbeitgeber verschachert und zur Jobcenter-Zwangsarbeit genötigt. Entspricht das unseren Vorstellungen von einem guten Staat? Was denken die Geldreformer zu diesen Umständen?

Welchen politischen Orientierungen hängen die Geldreformer an. – Sind sie Parteigänger, bei der CDU, den Liberalen. Befürworten sie die Hartz4-Sanktionen, finden sie Zwangsarbeit gut? Was halten sie von einem Bedingungslosen Grundeinkommen (bGE).

All das bleibt im Dunkeln. – Es ist nicht klar, welche politischen Ansichten haben die Protagonisten der Geldreform. – Kann es sein, dass sie so lange keinen Erfolg mit ihrer Arbeit haben, solange sie nicht auch ihre übrigen Einstellungen, Haltungen, Urteile zu den gesellschaftlichen Umständen kundtun?

Möglicherweise gibt es also Themen, die sich tatsächlich relativ isoliert von den übrigen gesellschaftlichen Zuständen abarbeiten lassen. Ich nenne hier den Rundfunkbeitrag. Möglicherweise ist es bei diesem Thema nicht nötig, den Umstand in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang stellen zu müssen, und dennoch können die Menschen für eine Abschaffung dieses offensichtlichen Unrechts gemeinsam eintreten.

Beim Geldsystem scheint es mir anders zu sein. – Deutlich wird dies, wenn über »Verbündete« nachgedacht wird, die sich auch für das Thema »Geld« interessieren könnten.

Amnesty International müsste sich eigentlich für das Thema »Geldsystem« interessieren, weil mit einem guten Geldsystem vieles an Ungerechtigkeiten beendet werden könnte. Dramatische Überschuldung von Privat- und Länderhaushalten, Einkommensungerechtigkeiten. Diese Dinge lassen sich alle über die Menschenrechts-Artikel genauer spezifizieren. Wenn Amnesty nicht selbst darauf kommt, können andere Initiativen sie darauf stoßen.

Greenpeace – warum setzt sich »Greenpeace« nicht für eine Geldreform ein? Auch diese Gruppierung und ihre Vertreter sollten schon einmal von der Vollgeld-Idee gehört haben. – Unser jetziges Geldsystem führt zu einer überzogenen Verwertung unserer Natur, weil »um jeden Preis« Wirtschaftswachstum erzeugt werden muss, um Schulden zu begleichen. – Schulden aber, sind logischer Bestandteil unseres heutigen Geldsystems.

Und natürlich sollten alle Grundeinkommens-Befürworter sich für einen Geldsystem-Wechsel interessieren. Zwar kann in einer Grundeinkommens-Gesellschaft das Grundeinkommen auch »ohne Geld« an die Bürger verteilt werden, aber das heutige Geldsystem sollte so schnell wie möglich ersetzt werden, da es große Schäden unter den Menschen bewirkt.

Fazit:

Politische Arbeit muss Thema für Thema angeschaut werden, wie sie sich letztlich am sinnvollsten gestalten lässt. – Die Geldsystem-Reformer tun sich keinen Gefallen, wenn sie sich zu sehr von anderen Fragestellungen in der Gesellschaft isolieren. – Sie kommen zwar auch zu diesen anderen Themen, wenn sie nach Bündnispartnern Ausschau halten. Dann müssten sie erkennen, das »ihr Thema« ganz viel mit anderen Themen der Gesellschaft zu tun hat.

Besser wäre es aber, wenn sie gleich erkennen würden, die Geldsystem-Reform lässt sich am ehesten denken, wenn sie eingebettet in einen Gesamtzusammenhang dargestellt wird. – Aber dieser könnte vielleicht ganz schnell zu der Erkenntnis führen, dass eine Geldsystem-Reform gar nicht so dringend ist und andere Schritte viel effizienter und schneller wirkend, gesellschaftlich viel größere Bedeutung hätten. – Dies könnte natürlich das Selbstverständnis manches Geldreformers erschüttern, aber andererseits zu einer stringenteren Nutzung der eigenen Ressourcen führen.

Dann aber käme in den Blick: Für alle Menschen muss eine lebenswerte Welt geschaffen werden, und wir wirken dabei mit, dies zu erreichen. – Kaum ein Einzelthema rechtfertigt eine »Käseglocke«.

Bedrückung

Dasein geht nur durch andere. – Mit diesen in einem guten Verhältnis zu sein, ist wichtig. Jeder Streit sollte sich hernach in einer Versöhnung wieder auflösen. – Tut er das nicht, »sammelt« sich das Negative in der Seele. Und »frisst« an den Kräften und verdüstert den Tag.

In dem Buch »Meine Sprache wohnt woanders« schreibt Lea Fleischmann, dass die deutschen Kirchen mit keinem Wort auf die Synagogenbrände reagierten und sich nicht solidarisch mit den Juden erklärten. Am 8. und 9. November 1938. Und auch das deutsche Bürgertum schwieg zu diesen Vorgängen.

Das aber haben sich die Menschen gemerkt. Und auch deshalb sind heute die Kirchen leer. – Wer behauptet »Gottes Wort« zu vertreten, der darf sich nicht zurückhalten, wenn die Orte, in denen dieses Wort verkündet wird, zerstört werden. – Die Menschen sahen, dass das nicht glaubwürdig ist, was die Kirchenvertreter taten.

Aber dann ist nicht die Religion »ohne Botschaft«, es sind deren Verkünder, die mit leeren Händen dastehen.

Dasjenige, was in Organisation überführt wird, muss weiterhin von Leben erfüllt sein. Viele der heutigen und vergangenen Institutionen sind aber Betrügerclubs. – Die Lüge, die in ihnen lebendig ist, rührt daher, dass sie alle von egoistischen Interessen missbraucht werden. – Wer sich in Bildungsinstitutionen begibt, weil er weiß, dort ist er »versorgt«, der hat andere Interessen, als große Leistungen in Wissenschaft und Forschung zu erbringen. Viele, die in den Staatsdienst oder in die Verwaltung eintreten, haben das Pekuniäre im Visier. Und nicht den Anspruch, bestmöglich für die Bevölkerung zu wirken.

Auch die Kirche ist eine Organisation, die Vorteile bietet, demjenigen, der sich ihr anschließt. Wer berechnend ist, und da es immer schwer war, einen sicheren Arbeitsplatz zu ergattern, kommt das durchaus vor, der sieht seine persönlichen Vorteile als wichtiger, als irgendwelche hehren Ansprüche einer Gruppe oder Gemeinschaft.

Institutionen und Organisationen haben etwas Unehrliches an sich. – Sie sind eher Fassade, hinter der sich »weitere Interessen« ausbreiten, als es nach außen sichtbar ist. Nach außen werden die ursprünglichen Absichten, von Menschen einmal abgefasst, nur plakativ verbreitet und diese Anliegen mehr oder weniger lustlos vertreten. – Der Pfarrer bekommt von der Kirche ein ganzes Haus zur Verfügung gestellt. Hat eine Haushälterin und bekommt von seiner Glaubensgemeinschaft noch dieses oder jenes zugesteckt. – Soll er jetzt »Gottes Wort« verteidigen und dieses bequeme Leben aufs Spiel setzen. – Es ist aber auch wahr, dass jeder der sich aus der Deckung wagt, mit allen Konsequenzen rechnen muss. – Die Nazis waren ja schnell dabei, diejenigen zu töten, die sich gegen sie stellten.

Dann muss auf lange Sicht überlegt werden. – Wie gestalten wir Gesellschaften, in denen diese Art von Bedrohung »dauerhaft verhindert« ist. In der Einleitung von Martin Luther Kings Buch »Where do we go from here: Chaos or Community« schreibt Vinzent Harding von den »3 Übeln«: Materialismus, Rassismus und Militarismus.

Alles Schlechte muss sich umsetzen können. Wenn wir es kennen, sollte es möglich sein, dieses in Zukunft zu verhindern. – Wer kann das tun? Alle Menschen, die sich in diese Richtung orientieren wollen. – Erfolgreiche Gewaltausübung muss unter der Kontrolle der Gerechten sein. Wer das ist, kann sich aus den Grund- und Menschenrechten ergeben. – Organisation für das Gerechte, ein gemeinsames Wissen darüber, das sind Grundlagen für eine erfolgreiche Lebensgestaltung, bei der wir nicht immer wieder von den »Bösen« berichten, dass sie schon wieder unser Leben verdorben haben. – Der Anspruch in diese Richtung geschieht durch »Orientierung« in der Welt. Welche Dinge sind wichtig für die Lebensgestaltung, welche Schwerpunkte sind zu setzen. Wie ist vorzugehen.