Archiv der Kategorie: Weltenthemen

Pluralismus, Multikulturalismus und Menschenrechte

Nicole Lieger spricht in ihrem Text »Pluralismus in der Politik der Anziehung« von unterschiedlichen Lebenskonzepten und Sichtweisen, und stellt die Frage, ob diese, nebeneinandergestellt, keine unterschiedliche Bewertung erfahren sollen.

https://homepage.univie.ac.at/nicole.lieger/pda/plural.pdf

Frau Lieger spricht in ihrem Artikel nicht von den Menschenrechten. Aber gerade diese sind bei der Betrachtung von »Multikultur« und Pluralismus von großer Bedeutung.

Dass die »eigene Kultur« bedingt und begrenzt ist, bedeutet ja nicht, ein »kritikloses« Leben zu leben, in dem alles geschieht und da ist, und wir es hinnehmen müssen. Multikulturalismus und Pluralismus können nicht bedeuten, auf eine kritische Weltbetrachtung zu verzichten.

Gerade die Menschenrechte können dabei helfen, zu erkennen, wie eine Weltsicht aufgebaut sein könnte, die es zu verteidigen gilt. – Denn wenn wir darauf verzichten, die Lebenskonzepte und Verhaltensweisen um uns herum zu beurteilen, weil wir »kein Recht dazu haben«, weil wir »alle gleichermaßen« Werte und Regeln schaffen können, dann bleibt nichts für eine Orientierung und dann kann auch jede Gruppe versuchen, mit ihrer Lebensweise eine Vorherrschaft auf der Welt zu erlangen. – Denn wir sind doch alle gleich mit unseren Anliegen!

Was also ist verteidigungswert, was erstrebenswert, in welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Wenn wir feststellen, dass eine Grundeinkommens-Gesellschaft besser ist, als eine Hartz4-Gesellschaft, dann gelingt diese Feststellung doch nur, indem wir einen Wertekanon definieren, der durch die heutige Politik nicht erfüllt wird, der aber für uns unbedingt erstrebenswert und »menschenwürdig« ist. – Und wir erleben es gerade heute, dass die Vertreter der Regierung, der Regierungspolitik, kalt und skrupellos ihre Weltsicht in Gesetze packen, die für alle gültig sein sollen, und eine große Zahl an Menschen bereit sind, für die Politiker diesen brutalen Umgang mit den Menschen, mit den Armen und Arbeitslosen zu betreiben.

Sollten wir da nicht »pluralistisch« sein und sagen, »lasst die doch, die wollen halt anders das Leben gestalten«?

Dabei fällt nun auf, dass eine »Trennung« von unterschiedlichen Lebenskonzepten, Lebensweisen und Kulturgestaltungen gar nicht möglich ist. – Wenn der Nachbar im Wohnhaus aufgrund seiner »anderen Kultur« das Patriarchat pflegt, dann kann das unmittelbar für die übrigen Bewohner im Haus, in der Nachbarschaft Konsequenzen haben, zum Beispiel wie die Kinder dieser Leute sich verhalten, in der Schule, im Kindergarten, was in der Wohnung passiert und wie es den Frauen dort ergeht. All das strahlt aus, auf die Nachbarschaft und vielleicht sind die Mitmenschen nicht der Meinung, dass das in Ordnung ist, was da passiert.

So sind Kultur und Lebensweise nicht »monadenhaft« zu verstehen. Sie sind öffentlich, sie sind sichtbar, sie sind für alle, die den Lebensraum teilen, spürbar und erfahrbar. Und wir sind aufgerufen, damit umzugehen. Eine »Pflicht« zu irgendetwas, gibt es da nicht. Manche Menschen folgen ihrem Gefühl. Sie empfinden womöglich bestimmte Lebensweisen nicht als angemessen, nicht als richtig. Andere wiederum suchen nach rationalen Erklärungen, wie es vielleicht auch Frau Lieger in ihrem Beitrag getan hat.

Zu diesen rationalen Erklärungen und Bewertungen zählen dann auch die Menschenrechte. – Warum gibt es sie?

Gewalt, Mord und Totschlag wird immer wieder von Gruppen praktiziert, die gegen andere Menschen wüten und diese bedrohen. Wer Gewalt ausübt, muss Gründe haben. Und wer Gewalt ausübt, muss stark sein, sonst wird er schnell von der Gegnerschaft vernichtet und beseitigt.

Wenn heute in der globalen Welt Gewalt ausgeübt wird, dann meist durch »Staaten« oder Staatenbünden, die gegen andere Staaten oder Mitglieder der eigenen oder anderen Staaten vorgehen. Welche Argumente bringen sie dabei vor? – Meistens gibt es zu solchen Gewaltausbrüchen eine gewisse Vorlaufzeit. Die Weltgemeinschaft, alle Bürgerinnen und Bürger auf der Erde können sich über Nachrichten, persönliche Erzählungen und im Gespräch mit Mitmenschen ein Bild davon machen, wie diese Staaten »kulturell« einzuschätzen sind. Meistens sind es Jahre oder gar Jahrzehnte, in denen sich die Menschen ein Bild von den Kulturen, von den Staaten machen können, die es auf der Welt gibt. Und ein Staat oder Staatenbund fängt nun einen Krieg gegen andere an, wie auch immer das erklärt und begründet wird, und wir stehen vor der Aufgabe, das selbst einzuschätzen, selbst eine Position zu den Ereignissen zu haben. Ja, vielleicht ergibt sich sogar die Frage, ob wir aktiv für oder gegen diejenigen vorgehen wollen, die den Krieg begonnen haben.

Welche Kriterien helfen uns dabei, die Lage einzuschätzen? Wie wollen wir unsere Position zu den Ereignissen finden? – Gerade aus den Erfahrungen schrecklicher Kriege ist die Menschenrechts-Erklärung zu verstehen. Aus der Absicht, den Menschen eine Hilfe, eine Anleitung an die Hand zu geben, Ereignisse und Situationen zu bewerten, sind die Menschenrechte entstanden.

Was aber sind die Menschenrechte? Sie sind Individualrechte!

Dies ist ein sehr wichtiger Umstand. Denn vieles Unrecht, dass der Mensch erfährt, geschieht ihm als »Einzelwesen«. Er wird separiert, wird von der Herde, der Gruppe abgesondert, zum Beispiel, weil er sich angeblich »falsch« verhalten hat, und wird dann bestraft. – Oder der Einzelmensch separiert sich selbst von der Gruppe, der Herde, weil sie ihn erstickt oder mit ihren Regeln kein eigenes Leben leben lässt, aber die Gesellschaft ist nicht darauf vorbereitet, dass der sich selbst separierende Mensch existieren kann und für ein »Singleleben« gibt es keine Infrastruktur.

Das heißt, die Menschenrechte schützen den Einzelmenschen auch vor der Gruppe.

Findet damit aber eine »Bewertung« von Kultur statt? – Die Menschenrechte stellen den Einzelmenschen in den Vordergrund, und erklären den Einzelmenschen für wichtiger als die Gruppe. Wenn es um die Frage geht, wessen Ansinnen soll Beachtung finden und letztlich gewährt und unterstützt werden, befinden die »Menschenrechte« die Anliegen des Einzelmenschen höher als die Gruppenanliegen. – Ist das gut und richtig?

Darauf können wir nur individuell eine Antwort geben und dies einschätzen. – Wenn wir der Meinung sind, die Gruppenanliegen sind höher zu bewerten, als die Anliegen von Einzelpersonen, dann ist das halt so. – Ich halte die Menschenrechte für ein in der heutigen Zeit unbedingt brauchbaren und guten Orientierungspunkt, um sich in der globalen Welt zurechtzufinden und Situationen einzuschätzen und zu bewerten.

Aber stellen wir uns einmal vor, jemand würde die Gruppeninteressen höher bewerten, als die Individualinteressen. – Kann überhaupt eine »Gruppe« Interessen haben? Natürlich nicht!

Eine Gruppe kann nicht denken.

Auch hinter Gruppeninteressen stehen wieder einzelne Personen, die womöglich das Licht der Öffentlichkeit scheuen, die aber im Hintergrund die Gruppen lenken und Regeln bestimmen, nach denen die Leute ihren Weg gehen. – Somit kann davon ausgegangen werden, dass hinter Gruppeninteressen Machtinteressen einzelner Gruppenmitglieder stehen, die offen oder verdeckt, für alle anderen in der Gruppe, die Lebens- und Rahmenbedingungen formulieren.

Wollen wir das? Sind wir damit einverstanden?

Solange wir Pluralismus und Multikulturalismus nur aus der privaten Perspektive leben und beschreiben, von Bekannten aus dem Freundeskreis berichten, und wie wir mit ihnen umzugehen gedenken, hat das Ganze noch etwas Harmloses. Aber tatsächlich müssen wir uns als StaatsbürgerInnen denken, die Verantwortung für ein Gemeinwesen haben sollen. – Solange wir aus der Perspektive eines Jugendlichen oder jungen Menschen in die Welt schauen, fehlt meist der »Verantwortungs-Aspekt«. Menschen in diesem Alter haben meist noch keine Verantwortung für die Gemeinschaft, »für alle«. – Sofern wir aber diese Verantwortung für uns selbst in Anspruch nehmen, sofern wir Verantwortung für ein Gemeinwesen, für eine Familie, für eine kleine oder große Gruppe von Menschen übernehmen wollen und sobald wir die Öffentlichkeit und den öffentlichen Raum als einen wahrnehmen, den wir verantwortungsvoll gestalten wollen, dann können wir nicht mehr alle Lebensweisen zur »Privatsache« erklären, sondern müssen auch die Konsequenzen und wechselseitigen Wirkungen mit in unsere Betrachtung mit einbeziehen, wenn wir über »Kultur« sprechen und wenn wir ein Urteil fällen und unsere Kräfte in eine Richtung einsetzen möchten.

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Wir, du und ich

Das Kind wächst in ein »Wir« hinein, bevor es ein »Ich« entwickelt.

Das »Wir« wird von den Bezugspersonen und weiteren Mitgliedern in der Lebensgemeinschaft gebildet. Zum Beispiel »Vater und Mutter« und Geschwister. Idealerweise haben Vater und Mutter bereits ein »Ich« entwickelt. An diesen »Ichen« kann sich das aufwachsende Kind orientieren.

In Kindheit, Jugend und jungem Erwachsenenalter entwickelt der Mensch sein »Ich«. – Dieser Prozess ist zeitlich nicht begrenzt.

Wer sein »Ich« nicht entwickelt, bleibt bei dem »Wir« stecken.

Typisch für diktatorisch-orientierte Gesellschaften ist es, dass Eigensinn, Subjektivität und Individualität bekämpft werden, weil sie angeblich das »Wir« in der Gesellschaft gefährden. Jede Form von Individualisierung wird als unerwünscht dargestellt, als ungeeignet für das dem Nationalbewusstsein typische »Wir«. – Die Ich-Entwicklung ist in einer Diktatur unerwünscht.

Da aber der Mensch sein »Ich« entwickeln will, verbirgt er dieses, wenn es bedroht wird. – Denn auch in einer Diktatur sind es wieder »Iche«, die sich mitteilen wollen und die die Geschicke der ganzen Nation lenken. Nur äußern sich die subjektiven Sichtweisen dann fortwährend eingekleidet in einem »Wir wollen das, wir sollten das, wir müssen das und jenes tun«. Und »Du solltest das, du müsstest das und jenes machen«. – Solche Sätze werden von denjenigen eingesetzt, die ihr »Ich« nicht offen zeigen wollen und können. Statt von sich zu reden, von dem, was sie selbst wollen, denken und machen würden, reden sie unentwegt auf andere ein, dass diese »dies und jenes« machen und tun sollten und das »wir« besser uns so und so verhalten sollten und so weiter. – Solche Leute reden nicht von sich, sondern immerzu von anderen, was diese wieder falsch gemacht haben und besser machen könnten, was diese nicht leisten können und wie »wir« voran kämen, wenn wir uns bloß richtig verhalten würden und wer alles bekämpft gehört, weil er sich nicht richtig verhält.

Personen, die ihr »Ich« hingegen weitestgehend entwickelt haben, können sich irgendwann wieder für ein »Wir« entscheiden. Nur entscheiden sie aus einem relativ reifen »Ich« heraus, wieder ein »Wir« zu schaffen, zum Beispiel mittels einer Partnerschaft.

Zwei Umstände begünstigen diesen Prozess der Neu-Schaffung eines »Wir«:

• Das »Ich« muss sich zeigen. – Es muss für andere sichtbar sein. Es muss seine Fähigkeiten, Fertigkeiten, Möglichkeiten, Interessen, es muss seine »Schönheit« zeigen, es muss sich für andere attraktiv machen. Es muss für andere attraktiv sein.

• Das »Ich« muss aus der großen Zahl anderer Iche ein Ich »auswählen«. – Es muss aus freien Stücken, freiwillig sich mit einem anderen Ich zusammentun. – Aus dem dann folgenden gemeinsamen »Tun« kann dann auf ein »Wir« geschlossen werden und die beteiligten Personen äußern sich dann auch entsprechend.

Dieses »Wir« ist freiwillig zustande gekommen.

Ganz anders das »Wir« aus der Kindheit. Dieses »Wir« kam nicht freiwillig zustande. Das erklärt auch, warum in dem Wir der Kindheit etwas »Zwanghaftes« drinsteckt. Und sind die Eltern unreif geblieben, dann ist es dem Kind auch nicht möglich, an ihnen ein reifes, selbständiges, eigenwilliges »Ich« zu erkennen, und es wächst ohne »Ich-Unterstützung« auf.

Wann ist etwas »reif«?

Ist jemand reif für einen öffentlichen Auftritt, wenn er nur 5 Akkorde auf der Gitarre spielen kann? Darüber kann kein »Wir« eine Auskunft geben, sondern nur derjenige selbst erstmal, der mit diesem Vermögen auftreten will, und natürlich wir alle, als Einzelpersonen, indem wir zu den Auftritten dieser Person eilen, weil wir das so toll finden, wie dieser Mensch Gitarre spielt. Oder indem wir als Einzelpersonen den Kopf schütteln, über so viel Unerfahrenheit, und diese Darbietungen meiden.

Ob eine Person, ein »Ich«, zu irgendetwas »reif« ist, bestimmt also in erster Linie diese Person selbst. Wer sich selbst reif dafür hält, zu heiraten in einem bestimmten Alter, kann das tun, und er wird sehen, was dabei herauskommt. – Andere Menschen haben sich nicht einzumischen in die Frage, ob jemand zu irgendetwas »reif« ist. »Wir« können nicht entscheiden, ob jemand zu etwas »reif« ist.

Die Reife drückt sich aus! – Und wir nehmen es dann wahr.

Sondersituationen sind dann gegeben, wenn wir »ausdrücklich« jemanden prüfen wollen, ob er »reif« ist. Zum Beispiel in Prüfungen. Aber hier in diesem Beitrag will ich ausschließlich die »Reife« ansprechen, die wir in freier Entscheidung zur Kenntnis nehmen, und nicht solche, die sich aus Spezialfällen ergibt.

Das »Du« wiederum kann »unreif« gehandhabt werden, indem es in das »Du« (in die andere Person) das eigene »Ich« projiziert, das sich nicht zeigen darf und deshalb im anderen auftauchen soll. – Wer selbst ein reifes Ich hat, wird das »Du« vorsichtig handhaben und den Respekt für die andere Person ausdrücken und die Würde der anderen Person anerkennen.

So haben wir das kindliche »Wir« und das erwachsene »Wir«.

Das kindliche »Wir« wird wahrgenommen aus einem schwachen, kaum entwickelten »Ich«. Bleibt das »Ich« wenig entwickelt auch in zunehmenden Alter der Person, ersetzt das »Wir« das »Ich« weitestgehend. Solche Zustände sind typisch für totalitäre und diktatorische Gemeinschaftsbildungen. – Dort herrscht das kindliche »Wir«.

Das erwachsene »Wir« hingegen, ergibt sich aus selbständigen »Ichen«. Die »Iche« produzieren sich (Inhalte) nach außen, in die Welt, damit die Inhalte, aber auch sie als Person sichtbar werden. – Sie zeigen sich. – Dies entspricht dem Bedürfnis des »Ich«. Die anderen »Iche« wiederum, wählen aus den vorhandene »Ichen« diejenigen aus, mit denen sie sich verbinden wollen. Daraus kann ein neues »Wir« entstehen. Die Formen des »Wir« aus erwachsenen »Ichen« sind vielfältig. Das können Partnerschaften sein, aber auch Freundschaften, Arbeitsgruppen, Interessengemeinschaften etc.

Verantwortung der Weltgemeinschaft und die des Einzelnen

ZITAT:
„Dies ist kein Bürgerkrieg der in Syrien stattfindet und auch kein Krieg Assads gegen seine Bevölkerung. Es ist Präsident Assad, der mit seiner Bevölkerung als eine Einheit gegen ausländische Truppen und Terrororganisationen kämpft, die aus dem Ausland finanziert werden, gegen das syrische Volk! Diese Terrorgruppen wechseln ihre Namen beinahe täglich, um ihre Identität und ihre Geldgeber zu schützen. Hinter diesen Terrororganisationen stehen Saudi Arabien, Katar, die Türkei, die USA und sogar teilweise Israel. Die gesamte Idee des Regimechanges ist nach internationalem Recht illegal. Die Amerikaner haben nicht das Recht zu bestimmen, wer in Syrien die Führung hat.“ (Madelyn Hoffman, Direktorin der New Jersey Friedensaktion)

Twitter-User:
In Sachen Propoganda tun sich alle Seiten nichts, dass RT da nun wesentlich schlimmer sein soll als ´unsere`, sehe ich nicht so. In diesem speziellen Fall ist RT nur der Überbringer der Nachricht. Die Aussagen stellt nicht RT, sondern die US Delegation in den Raum. Wer meine Posts verfolgt, weiss, dass ich die Lage in Syrien von verschiedenen Seiten beleuchte, es gehört nicht zu meinen Hauptthemen und ist nichts, wozu ich eine abschließende Meinung hätte, ausser, dass vökerrechtlich gesehen alleine die Syrische Armee und Russland dort agieren dürfen. Auf welcher rechtlichen Grundlage die westliche Koalition sich dort tummelt, muss mir erst noch einer erklären.

Vielen Menschen erscheint ein »Kriegsende« viel wichtiger, als zu wissen, warum ein Krieg überhaupt besteht oder wie er zustande kam.

Gestern Abend war eine Botschaft im sozialen Netzwerk »Twitter« zu vernehmen. Ich hatte mir den Text, den ich interessant fand, notiert und wollte am nächsten Morgen den Link zu den Beiträgen kopieren, aber die Beiträge waren verschwunden und nicht wieder aufzufinden. Waren die Beiträge von den Twitter-Nutzern entfernt worden, oder war die amerikanische, kapitalistisch-orientierte Firma, die den Nachrichtendienst »Twitter« betreibt, selbst als Zensor tätig, man weiß es nicht.

Jetzt habe ich bloß diese Texte, die ja eigentlich nur für mich Anlass waren, über den Syrien-Krieg nachzudenken und die Rolle, die wir Menschen als »Bürger in der Welt« haben, zu reflektieren.

In den dort getätigten Aussagen geht es um die Frage, wer eigentlich »völkerrechtlich« in dem Land Syrien »bestimmen« darf, wer »zu Recht« in diesem Land herrschen darf. Wer also »die Bösen« sind, und wer die Guten. Und die Frage, wer für das Leid der Menschen dort die Verantwortung hat. Es wird unterschieden zwischen Assad-Truppe, Russland und »den anderen«, westliche Gruppen, USA, Türkei, …. IS. – Es wird gesagt, dass es Assad’s Land sei, und die »westlichen Truppen« sich dort nicht einzumischen hätten.

Bürgerkriege entstehen durch Scharmützel, begrenzte, lokale Auseinandersetzungen, die sich immer mehr ausweiten. Wir erfahren von ihnen über die Propaganda-Medien, die wir zwangsfinanzieren müssen. In Deutschland ist es der »öffentlich-rechtliche Rundfunk«, der von Politikern und Parteien aufgebaut wird, mittels Milliarden Euro, die »per Gesetz« den Bürgerinnen und Bürgern abgenommen werden. – Ob die Aussagen in diesen Medien korrekt sind, ist anzuzweifeln, weil es ein »von den politischen Verwaltern« per Gesetz kontrollierter Medienapparat ist. Und die heutige Politik vertritt nicht die Bürgerinteressen, sondern Lobbyinteressen. Zu erkennen ist dies an dem hohen Anteil der »Nichtwähler« und dem schlechten Image, dass die Politiker bei den Bürgern haben. – Die ehemals »Parlamentarische Demokratie« ist ein Selbstbedienungsladen für Lobbyisten geworden. Ursprünglich sinnvolle Institutionen, wie der »Rundfunk«, sind mittlerweile Teil des politischen Machtinstrumentariums.

Es ist also nicht klar, ob die »Nachrichten« in den Medien, und in der Presse, die von »Eigentümern« und Unternehmern kontrolliert wird, uns die »Wahrheit« übermitteln. Insofern sind solche Twitter-Nachrichten wichtig. – Wie sollen wir Bürger uns sonst eine Meinung bilden, wenn wir nicht Zugang zu verschiedenen Informationsquellen haben.

Wer kann sich noch an den Beginn des Syrienkrieges erinnern? Wie war das. Wenn es ursprünglich ein »Bürgerkrieg« war, bei dem sich Teile der Bevölkerung gegen Assad gewendet haben, woher hatten diese Bevölkerungsteile »schwere Waffen«, die ja für eine Kriegsführung unbedingt notwendig sind?

Wenn der Besitz schwerer Waffen in den meisten Ländern der »Staatsführung« zusteht, und das auch kontrolliert wird, wie kam es, dass die »Rebellen« plötzlich über schweres Kriegsgerät verfügten? – Es ist somit anzunehmen, dass solches Kriegsgerät »von außen« ins Land gebracht wurde. Von wem? Dann wäre schnell die Frage im Raum, wer hat Interesse daran, dass Assad seine Macht verliert.

Ein Krieg wird der Weltbevölkerung dann bewußt, wenn er medial ausgeschlachtet wird, wenn die Toten und Verletzten auf der Mattscheibe zu sehen sind und die Flüchtlinge auftauchen, und in den meisten Fällen wollen die Menschen überall auf der Welt, immer nur, dass der Krieg möglichst schnell wieder aufhört. Weil sie das Leid der Menschen nicht wollen, weil sie das Elend nicht länger anschauen möchten. – In solchen Fällen tritt schnell die Frage in den Hintergrund, warum es überhaupt soweit kommen konnte, dass die Menschen sich gegenseitig die Schädel einschlugen.

Der »Normalbürger« kommt dann ins Spiel, wenn es darum geht »zu helfen«, die Kriegsschäden an Leib und Natur wieder zu heilen und alles »wieder aufzubauen«. Aber bei der Entstehung von Konflikten, beim Umgang mit Konflikten, wenn sie gerade beginnen, sind die normalen »Citizen« nicht involviert, nicht beteiligt. – Aber sollten wir nicht besser beteiligt sein?

Als Staatsbürger müsste es in unserem Interesse sein, dass Konflikte frühzeitig gelöst, und kriegerische Auseinandersetzungen »im Keim erstickt« werden. Das heißt, kriegerische Auseinandersetzungen sollten sich erst gar nicht ausweiten können.

Um nun die Frage besser diskutieren zu können, wie wir Menschen und Normalbürger in den Ländern, frühzeitig mit in die Entscheidungen über Kriegshandlungen miteingebunden werden können, beziehe ich mich nochmal auf diese Textauszüge, die ich in Twitter fand.

Dort wird das »Völkerrecht« zitiert, aber noch vor dem Völkerrecht steht doch das eigene Rechtsempfinden! Denn was nützt es, wenn »andere« Recht definieren, und der Einzelmensch könnte diesen Rechtsauffassungen nicht zustimmen. – Dann wären solche Rechtskonstruktionen »für die Katz«. – Aber das der Twitter-User das Völkerrecht zitiert, weist darauf hin, dass auch diese Person nach Orientierung sucht, wie bestimmte Situationen zu bewerten sind, wie man sie bewerten sollte.

Welches Recht soll gelten, wenn sich zwei Gruppen streiten? Das müssen wir als Einzelmensch entscheiden, wenn wir selbst zu einem Urteil kommen, wenn wir selbst Partei ergreifen, wenn wir selbst uns »aktiv« einmischen wollen.

Um Streitereien bewerten zu können, schaue ich auf die Verhältnisse in den Ländern und frage, ob die Staaten, in denen es zu Unfrieden kommt, »menschenwürdig« organisiert waren, bevor es zu den Kriegshandlungen kam. – Wäre das nicht der Fall, und sind diese Staaten diktatorisch, menschenverachtend, die Menschenrechte verletzend organisiert und geführt, wie könnte ich da wollen, dass diese Zustände fortbestehen, etwa in dem die für diese Zustände verantwortlichen Herrscher weiterhin an der Macht bleiben?

Wenn es also zu Kriegshandlungen kommt, wäre meine Frage, welche gesellschaftliche Ordnung wird da bedroht und angegriffen, welches Staatengebilde kämpft da um seine weitere Existenz. Zu allererst wäre also bei Kriegsbeginn zu schauen, ob das Individuum sich schützend vor eine staatliche Ordnung stellen würde, und bereit wäre, für den Erhalt dieser Ordnung zu kämpfen und vielleicht sogar zu sterben. – Für welche politische Ordnung würden Sie heute »militärisch«, durch Einsatz ihres Lebens eintreten?

Wenn ich mir heute die Staaten in der Welt anschaue, so ist kein Staat es wert, dass sich der Bürger für ihn einsetzt. Und gerade die Weltmächte, und ihre peinlichen und gefährlichen Führungsfiguren geben nicht das Bild von erstrebenswerten Staaten ab, in denen Bürger gerne leben würden. – In keinem Staat werden die Menschenrechte geachtet, überall herrscht »Arbeitpflicht«, Arbeitszwang, da nirgendwo ein Bedingungsloses Grundeinkommen gewährt wird. Und die Menschen sind wie im Mittelalter verpflichtet sich zu »verdingen«, um an Einkommen zu gelangen. So haben wir auch heute noch Zustände, in denen die Menschen versklavt werden. – Aber wer würde so einen Sklavenhalterstaat mit Waffengewalt verteidigen wollen?

Somit gibt es heute keine idealen Staaten, keine gute Staatsordungen, die Ungerechtigkeiten gegenüber Bevölkerungsteilen vermeiden, die für faire Lebensverhältnisse sorgen. – Aber andererseits haben wir selbstverständlich Staatengebilde, die »relativ« besser organisiert sind, die relativ mehr Freiheiten den Bürgerinnen und Bürgern einräumen als andere. Und wir haben im Gegensatz dazu, heute eindeutig »diktatorisch« verwaltete Staaten, Unrechtsregime, totalitäre Staatsordnungen, die sich von sogenannten »demokratischen« Staaten doch massiv unterscheiden. – Das heißt, in einem Kriegs- und Krisenfall würden wir uns schon entscheiden, welchen Staatsordnungen wir uns näher fühlen, in welche Länder wir im Notfall lieber fliehen würden, für welche Länder wir im Notfall sogar kämpfen würden.

Es wäre also nicht die Frage, wer gemäß des »Völkerrechts« ein Land kontrollieren darf, sondern ob die dortige staatliche Ordnung »verteidigungswürdig« ist. – Und gerade auch deshalb, um »Fluchtgründe« zu verstehen, um zu einer Bewertung von Fluchtursachen zu gelangen, ist es wichtig, zu weltweit gültigen Maßstäben zu gelangen, wie Verhältnisse in Ländern einzuschätzen sind. – Wer behauptet, Rechtsverhältnisse, soziale Zustände seien »natürlich gewachsen«, über Jahrhunderte entstanden und seien deshalb nicht anzutasten, vertritt arg kritikwürdige Positionen. Denn mit solchen Argumenten ließe sich jede Diktatur, oder archaisch-organisierte Clangemeinschaft rechtfertigen, mit all dem damit verbundenen Leid, das den Menschen dort zugefügt wird.

Wäre es deshalb nicht erstrebenswert, wenn die Weltgemeinschaft definieren würde, welche Formen staatlicher Ordnung sie als »Standard« überall in der Welt für angemessen ansieht, und für was sie sich, aufgrund dieser Einschätzungen, überall in der Welt einsetzt?

Wer will in einen Krieg ziehen, wenn die Werte, die mit einem Krieg anvisiert sind, nicht Menschenwürde, Menschenrechte, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit enthalten?

Und mit was wollen diejenigen, die eine Kriegspartei unterstützen, die ausdrücklich totalitäre und diktatorische Gesellschaftsordnungen vertritt, ihr Engagement rechtfertigen? – »Das Alte« beibehalten, weil es immer schon so war?

Zusammenfassung:

Bei kriegerischen Auseinandersetzungen muss gefragt werden, was soll erhalten bleiben, was soll verändert werden. Welche Gesellschaftsordnungen »sind es wert«, fortzubestehen? – Für welche staatliche Ordnung setze ich mein Leben ein?

Objektiv und Subjektiv

Im Objektiven treffen sich alle Menschen. – Das Subjektive ist das »Individuelle«. Dasjenige, was nur der Einzelne für sich so sieht, empfindet, wünscht, mag, nicht mag.

Wie wir die Hypotenuse berechnen, das können wir alle gemeinsam verstehen, und uns darinnen begegnen.

Das Objektive ist »das Richtige«. Wie finden wir es?

Wenn wir über eine Situation reden, dann bringen die Menschen unterschiedlichste Kräfte mit ein, vielleicht fuchteln die einen mit den Armen, die anderen fangen an, lauter zu reden, es wird gebettelt und gebeten, und dann vielleicht auch gedroht. – Welchen Weg sollen wir gehen?

Das Objektive und Richtige wird nicht selten von »Führern«, Anführern, Fachleuten und Sachverständigen vertreten. – In der Gesprächssituation setzt sich eine Meinung durch. Diese wird von einem, zwei Leuten vertreten. – Wir ordnen uns unter und folgen den Anführern.

Aber haben wir nicht so oft erlebt, dass die Anführer uns ins Unglück »geführt« haben? Denken wir nur an den »Führer«. – Ist das »objektiv Richtige« durch die Entscheidung Einzelner gegeben?


Wahr ist, dass wir Menschen uns im Objektiven begegnen, weil wir dann das Gleiche sehen, erleben, wahrnehmen, begreifen, erkennen. – Nicht wahr ist, dass einzelne Menschen mit ihrem Wissen, dieses »Objektive« verkörpern. – Zumindest können sie es nicht vollständig abbilden.

Alles, was der einzelne Mensch sagt, kann »wahr und richtig« sein. Und dennoch bildet es nie die ganze Wahrheit ab. Was aber ist die »ganze Wahrheit«?

Da kommen wir wieder zurück auf das »Subjektive«. In allem Subjektiven steckt Wahrheit. Deswegen ist der Umstand, dass in der Gruppe die Mehrheit zum Schweigen gebracht wird, damit ein paar wenige oder gar nur einer seine »Teilwahrheit« für alle gültig erklärt, kein vorteilhafter Weg.

Wenn für die Menschheit das »objektiv Richtige« gesucht wird, dann geht das nur über »die Summe aller Einzelmeinungen«, dann geht das nur über die Addition alles Subjektiven.

Deshalb müssen Gruppengespräche anders verlaufen: Alle sind mit ihren Beiträgen gleichwertig. Zwar kann der Einzelne mit seinen Beiträgen relativ zu allen anderen, einer Wahrheit näher sein, was aber »für alle« wahr ist, ergibt sich nur aus der Addition aller subjektiven Beiträge.

Auch wenn dabei die Beteiligten sich unterschiedlich viel Mühe geben, »objektiv« zu sein, ist die »objektive Wahrheit« für die Menschheit, nur insoweit erkennbar, wie derjenige sich Mühe gab, der am wenigsten nah an das Objektive heran kam. – Aber in der Summe bringt dieses Verfahren die Menschen näher an die Wahrheit, als das »Führerprinzip«.

Richtig oder falsch – am Beispiel der gemeinsamen Gespräche

»Richtig oder falsch« ist ein Dogma, dass wir in den Gesellschaften nicht dulden sollten. – Ein Teil der Bevölkerung versucht damit, die eigene Dominanz und Vorherrschaft in den Gemeinschaften zu legitimieren. – Zu Unrecht.

Wer Rudolf Steiner liest, kann diesen nicht als »Lehrer« sehen, denn, wie soll er den Schüler korrigieren, wenn er gar nicht mehr da ist. Wer die Werke liest, liest sie »in Freiheit«. – Es ist aber nicht untypisch für uns Deutsche, dass wir gleich versuchen, die Dinge klar zu rücken und »richtige oder falsche« Interpretationen zu benennen, und so eine Unterscheidung zu treffen. – Aber woher nehmen wir die Berechtigung dafür?

In Streitgesprächen versucht der Sieger immer seine Position mit »unwiderlegbaren« Argumenten zu unterfüttern, um sie dadurch »unangreifbar« zu machen. Unwiderlegbar ist aus Sicht vieler »die Wissenschaft«. Es sei denn, eine Position sei durch eine andere glaubwürdig in Frage gestellt.

So entsteht, ohne das wir es wollen oder geplant haben, in »harmlosen« Gesprächen automatisch eine »Beweislast« für alle Teilnehmer. Wer seine eigene Position nicht glaubwürdig machen kann, gerät schnell ins Hintertreffen und muss sich gefallen lassen, dass Äußerungen anderer Teilnehmer als »gewichtiger« in Raume erscheinen. – Diese »unsichtbaren« Regulative sind es, die die Gemeinschaften gestalten und führen.

Die »gewichtigeren« Argumente nehmen zusehens mehr Zeit und Raum in Anspruch, obwohl doch eigentlich alle Teilnehmer gleich viel Zeit und Raum beanspruchen sollten. – So entstehen, obwohl der Lehrer doch tot ist, wieder neue Lehrer, die belehren, ohne das sie ausdrücklich für diese Rolle benannt wurden, einfach durch die Abläufe in den Gesprächen.

Was da in den Urzellen der Gemeinschaften passiert, wird dann als »Blaupause« genommen, für die bedeutsameren Versammlungen und Entscheidungsgremien.

Ist es denn nicht richtig, alles genau zu klären und immer den richtigen Weg zu gehen?

Wer soll das bestimmen? – Handelt es sich um eine allgemeine Betrachtung der Welt, des Lebens und des eigenen Umfelds, dann sind alle Einschätzungen subjektiv und als solche »gültig« und zu akzeptieren. Und dennoch erleben wir jeden Tag von neuem den Versuch, von manchen Leuten, alles, was ihnen nicht in den Kram passt, als »problematisch und bedenklich« einzustufen, um andere gesellschaftliche Strömungen unter Druck zu setzen und in ihrer Entwicklung zu hemmen.

Hätten wir wirklich »freie« Gesprächskreise, würden wir einander zuhören und vielleicht haben wir Verständnisfragen oder wir übergehen die Äußerungen anderer, wenn sie uns nicht ansprechen. – Das sind freie Gespräche, in denen sich jeder entwickeln kann.

In den »Richtig oder falsch« Gruppen hingegen, geht es mehr um Positionen, Rollen, Hierarchien, Macht und Unterwerfung. – Wer unter diesem Aspekt einmal aufmerksam in Gruppengespräche hineinhört, kann dies einwandfrei feststellen. – Regelrecht »verseucht« sind in dieser Hinsicht die politischen Gesprächskreise. – Zu jeder Sekunde wird da mit harten Bandagen um die Vormachtstellung und die Eingrenzung »nicht erwünschter« Meinungen gekämpft.

Wenn wir Direkte Demokratie wollen, dann sind die »Falsch-oder-richtig« Politiker ein Problem, weil sie es nicht hinnehmen wollen, dass wir alle gleichwertig, gleichrangig mit unseren Meinungen und Sichtweisen nebeneinander in den Gemeinschaften und Gesprächen dastehen. – Die Parlamentarische Demokratie baut ja gerade darauf auf, dass wir »nicht fähig und in der Lage« sind, Problemstellungen und Aufgaben angemessen zu beurteilen, so die Meinung deren Verfechter. – Deshalb sollen wir unsere Stimme, die wir auch zum Entscheiden von Sachverhalten haben, abgeben, oder besser »aufgeben«, zugunsten von sogenannten »Fachleuten und Sachverständigen«, die dann unsere Stimme »richtig, statt falsch« für die Lösung der Probleme einsetzen.

Genau diesen Leuten müssen wir aber sagen, dass wir ihre Sichtweise nicht mehr akzeptieren und eine »Gleichheit der Meinungen, Urteile und Entscheidungen« in Betracht ziehen, sodass dann wieder jeder Bürger, Individuum, jeder Souverän im Staate, eine Stimme für die Bürgerentscheide und Volksabstimmungen hat.

Aber noch einmal: wäre es nicht doch von Nutzen für alle in den Gemeinschaften, wenn der Sachverstand und das umfängliche Wissen von einzelnen Personen zur Geltung kommt?

Es geht darum, dass kein Zwang besteht, so zu verfahren. – In freier Entscheidung mag sich ja so eine Entwicklung ergeben. – Aber gerade in der heutigen Zeit, in der wir doch alle erleben, wie unfähig diese angeblich »Wissenden« eigentlich sind, oder, dass jene entscheiden dürfen, die offensichtlich »nicht wissen«, sollten wir wieder dahin gelangen, mehr instinktiv und intuitiv zu entscheiden und zu urteilen.

Die letzten 20 Jahre in Europa, in Deutschland zeigen uns, wie auf der Entscheidungsebene nur alles schlimmer wird, statt besser. – Deshalb sind jetzt »Bürgergesellschaften« sinnvoll und den Parteienstaat geben wir auf.

Die Bürgerinnen und Bürger werden ihren guten Willen und ihre Bereitschaft einbringen, dem Menschenwesen gemäß unser Zusammenleben zu gestalten.

Probleme politischer Arbeit (1)

Nehmen wir eine Gruppe an, die sich für eine Geldreform einsetzt, und sie macht eine Powerpoint Präsentation, bei der sie Grundlegendes ihrer Arbeit darstellt.

Die ersten beiden Folien beziehen sich auf die Gesellschaft und wie das Geldsystem in sie integriert ist. Und die Frage, »was ist Geld?« wird mit einer möglichen Antwort abgetan, nämlich, Geld ist, was man mit diesem macht. – So wurden diese beiden Folien in 10 bis 20 Sekunden vorgestellt. Das war es.

Mit anderen Worten, die Gruppe ist hauptsächlich mit der Umsetzung ihrer Vorstellung eines neuen Geldsystems beschäftigt. Die Grundlagen für dieses neue System, werden kurz gestreift, wenn überhaupt. – Aber ist das nicht das Aller-, Allerwichtigste?

Wenn wir an bestimmten Einstellungen unseres Gemeinwesens herumschrauben, dann doch nur, wenn »das Ganze« von uns bejaht, verstanden, akzeptiert und als richtigen Weg erkannt wird.


Ich weise jetzt auf einen Umstand hin, für den ich an anderer Stelle dieses Blogs eine genau entgegengesetzte Meinung vertreten habe. – Ich hatte gesagt, dass in Initiativen und Organisation sich die Menschen für »ein Thema« engagieren sollten, weil dies die Gefahr von Inkompatibilitäten bei Einstellungen und Urteilen unter den Menschen verhindern könnte. Wenn wir zu vielen Themen unterschiedlicher Meinung sind, können wir nicht zusammenarbeiten. Deshalb sollten wir ein Thema heraussuchen, dieses zum Ziel führen und uns dann, womöglich in anderen Konstellationen für weitere Themen einsetzen.

Nun nehme ich diese Geldreform-Gruppe und weise auf einen entgegengesetzten Umstand hin.

Das kam so. – Die Gruppe hatte am Ende ihrer Ausführungen gefragt, wie geht es weiter, welche Aktionen machen wir als nächstes, welche Projekte nehmen wir in Angriff, um unsere Ziele zu verwirklichen. Mit wem wollen wir uns vernetzen und Kooperationen eingehen.

Über diese Frage und Betrachtung wird deutlich, dass das Geldthema mit vielen anderen Themen korreliert. Und plötzlich ist wieder »das Ganze« der Gemeinschaft im Blick und es ist zu erkennen, dass das Geldsystem Einfluss hat auf die Lebensqualität, indem es Armut und Reichtum beeinflusst, die Verschuldung steuert und auf den Ressourcenverbrauch massiv einwirkt, indem Wachstumszwänge entstehen oder eben nicht.

So könnte eigentlich auch von den Geldsystem-Reformern die Frage gestellt werden, »in welcher Welt will ich leben?«, wie muss sie aussehen, zusätzlich zu einem modernen und transparenten Geldsystem.

Im Grunde müssten diese Aktivisten den ersten Teil ihrer Powerpoint Präsentation, den sie in 10 Sekunden abgearbeitet hatten, zu etwas ganz Großem ausbauen, zu etwas, was einen ganzen Arbeitstag ausfüllt. – Sie müssten erkennen, dass die Stellschrauben zwar richtig einzustellen sind, aber eigentlich etwas Größeres gemeint ist.

Das, was die Geldreformer nicht diskutierten, und sehr schnell eigentlich zu einer Vernetzung der verschiedenen Ansätze führen kann, möchte ich hier kurz erwähnen.

Was ist Geld? Diese Frage ließe sich mit dem Publikum gemeinsam diskutieren. Aber vielleicht machen sie es nicht, weil sie befürchten, ihnen könnte der Boden unter den Füßen entzogen werden. – Das Geld ist ein »untergeordneter« Aspekt des wirtschaftlichen Zusammenlebens der Menschen. Produkte und Leistungen sind das Wichtigste. Geld vermittelt den Austausch.

Das Geld ist in das Gesellschaftssystem integriert. – Wie aber sieht das Gesellschaftssystem aus, heute, und welches wollen wir, welches ist angemessen?

Wollen wir weiterhin die Parlamentarische Demokratie, inklusive »Pateiendiktatur«, und dominiert sein, durch ein politisches Regime, das gut und gerne auch ohne die Mitwirkung der Bürger auskommt, es sei denn, der Staat kann diese »zwingen« etwas zu tun?

Wollen wir eine Direkte Demokratie. Welche Wirtschaft ist die angemessene in der heutigen Zeit. Welche Wirtschaft haben wir heute. Werden die Bürger auf Anweisung des Staates versklavt, an irgendwelche Arbeitgeber verschachert und zur Jobcenter-Zwangsarbeit genötigt. Entspricht das unseren Vorstellungen von einem guten Staat? Was denken die Geldreformer zu diesen Umständen?

Welchen politischen Orientierungen hängen die Geldreformer an. – Sind sie Parteigänger, bei der CDU, den Liberalen. Befürworten sie die Hartz4-Sanktionen, finden sie Zwangsarbeit gut? Was halten sie von einem Bedingungslosen Grundeinkommen (bGE).

All das bleibt im Dunkeln. – Es ist nicht klar, welche politischen Ansichten haben die Protagonisten der Geldreform. – Kann es sein, dass sie so lange keinen Erfolg mit ihrer Arbeit haben, solange sie nicht auch ihre übrigen Einstellungen, Haltungen, Urteile zu den gesellschaftlichen Umständen kundtun?

Möglicherweise gibt es also Themen, die sich tatsächlich relativ isoliert von den übrigen gesellschaftlichen Zuständen abarbeiten lassen. Ich nenne hier den Rundfunkbeitrag. Möglicherweise ist es bei diesem Thema nicht nötig, den Umstand in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang stellen zu müssen, und dennoch können die Menschen für eine Abschaffung dieses offensichtlichen Unrechts gemeinsam eintreten.

Beim Geldsystem scheint es mir anders zu sein. – Deutlich wird dies, wenn über »Verbündete« nachgedacht wird, die sich auch für das Thema »Geld« interessieren könnten.

Amnesty International müsste sich eigentlich für das Thema »Geldsystem« interessieren, weil mit einem guten Geldsystem vieles an Ungerechtigkeiten beendet werden könnte. Dramatische Überschuldung von Privat- und Länderhaushalten, Einkommensungerechtigkeiten. Diese Dinge lassen sich alle über die Menschenrechts-Artikel genauer spezifizieren. Wenn Amnesty nicht selbst darauf kommt, können andere Initiativen sie darauf stoßen.

Greenpeace – warum setzt sich »Greenpeace« nicht für eine Geldreform ein? Auch diese Gruppierung und ihre Vertreter sollten schon einmal von der Vollgeld-Idee gehört haben. – Unser jetziges Geldsystem führt zu einer überzogenen Verwertung unserer Natur, weil »um jeden Preis« Wirtschaftswachstum erzeugt werden muss, um Schulden zu begleichen. – Schulden aber, sind logischer Bestandteil unseres heutigen Geldsystems.

Und natürlich sollten alle Grundeinkommens-Befürworter sich für einen Geldsystem-Wechsel interessieren. Zwar kann in einer Grundeinkommens-Gesellschaft das Grundeinkommen auch »ohne Geld« an die Bürger verteilt werden, aber das heutige Geldsystem sollte so schnell wie möglich ersetzt werden, da es große Schäden unter den Menschen bewirkt.

Fazit:

Politische Arbeit muss Thema für Thema angeschaut werden, wie sie sich letztlich am sinnvollsten gestalten lässt. – Die Geldsystem-Reformer tun sich keinen Gefallen, wenn sie sich zu sehr von anderen Fragestellungen in der Gesellschaft isolieren. – Sie kommen zwar auch zu diesen anderen Themen, wenn sie nach Bündnispartnern Ausschau halten. Dann müssten sie erkennen, das »ihr Thema« ganz viel mit anderen Themen der Gesellschaft zu tun hat.

Besser wäre es aber, wenn sie gleich erkennen würden, die Geldsystem-Reform lässt sich am ehesten denken, wenn sie eingebettet in einen Gesamtzusammenhang dargestellt wird. – Aber dieser könnte vielleicht ganz schnell zu der Erkenntnis führen, dass eine Geldsystem-Reform gar nicht so dringend ist und andere Schritte viel effizienter und schneller wirkend, gesellschaftlich viel größere Bedeutung hätten. – Dies könnte natürlich das Selbstverständnis manches Geldreformers erschüttern, aber andererseits zu einer stringenteren Nutzung der eigenen Ressourcen führen.

Dann aber käme in den Blick: Für alle Menschen muss eine lebenswerte Welt geschaffen werden, und wir wirken dabei mit, dies zu erreichen. – Kaum ein Einzelthema rechtfertigt eine »Käseglocke«.

Bedrückung

Dasein geht nur durch andere. – Mit diesen in einem guten Verhältnis zu sein, ist wichtig. Jeder Streit sollte sich hernach in einer Versöhnung wieder auflösen. – Tut er das nicht, »sammelt« sich das Negative in der Seele. Und »frisst« an den Kräften und verdüstert den Tag.

In dem Buch »Meine Sprache wohnt woanders« schreibt Lea Fleischmann, dass die deutschen Kirchen mit keinem Wort auf die Synagogenbrände reagierten und sich nicht solidarisch mit den Juden erklärten. Am 8. und 9. November 1938. Und auch das deutsche Bürgertum schwieg zu diesen Vorgängen.

Das aber haben sich die Menschen gemerkt. Und auch deshalb sind heute die Kirchen leer. – Wer behauptet »Gottes Wort« zu vertreten, der darf sich nicht zurückhalten, wenn die Orte, in denen dieses Wort verkündet wird, zerstört werden. – Die Menschen sahen, dass das nicht glaubwürdig ist, was die Kirchenvertreter taten.

Aber dann ist nicht die Religion »ohne Botschaft«, es sind deren Verkünder, die mit leeren Händen dastehen.

Dasjenige, was in Organisation überführt wird, muss weiterhin von Leben erfüllt sein. Viele der heutigen und vergangenen Institutionen sind aber Betrügerclubs. – Die Lüge, die in ihnen lebendig ist, rührt daher, dass sie alle von egoistischen Interessen missbraucht werden. – Wer sich in Bildungsinstitutionen begibt, weil er weiß, dort ist er »versorgt«, der hat andere Interessen, als große Leistungen in Wissenschaft und Forschung zu erbringen. Viele, die in den Staatsdienst oder in die Verwaltung eintreten, haben das Pekuniäre im Visier. Und nicht den Anspruch, bestmöglich für die Bevölkerung zu wirken.

Auch die Kirche ist eine Organisation, die Vorteile bietet, demjenigen, der sich ihr anschließt. Wer berechnend ist, und da es immer schwer war, einen sicheren Arbeitsplatz zu ergattern, kommt das durchaus vor, der sieht seine persönlichen Vorteile als wichtiger, als irgendwelche hehren Ansprüche einer Gruppe oder Gemeinschaft.

Institutionen und Organisationen haben etwas Unehrliches an sich. – Sie sind eher Fassade, hinter der sich »weitere Interessen« ausbreiten, als es nach außen sichtbar ist. Nach außen werden die ursprünglichen Absichten, von Menschen einmal abgefasst, nur plakativ verbreitet und diese Anliegen mehr oder weniger lustlos vertreten. – Der Pfarrer bekommt von der Kirche ein ganzes Haus zur Verfügung gestellt. Hat eine Haushälterin und bekommt von seiner Glaubensgemeinschaft noch dieses oder jenes zugesteckt. – Soll er jetzt »Gottes Wort« verteidigen und dieses bequeme Leben aufs Spiel setzen. – Es ist aber auch wahr, dass jeder der sich aus der Deckung wagt, mit allen Konsequenzen rechnen muss. – Die Nazis waren ja schnell dabei, diejenigen zu töten, die sich gegen sie stellten.

Dann muss auf lange Sicht überlegt werden. – Wie gestalten wir Gesellschaften, in denen diese Art von Bedrohung »dauerhaft verhindert« ist. In der Einleitung von Martin Luther Kings Buch »Where do we go from here: Chaos or Community« schreibt Vinzent Harding von den »3 Übeln«: Materialismus, Rassismus und Militarismus.

Alles Schlechte muss sich umsetzen können. Wenn wir es kennen, sollte es möglich sein, dieses in Zukunft zu verhindern. – Wer kann das tun? Alle Menschen, die sich in diese Richtung orientieren wollen. – Erfolgreiche Gewaltausübung muss unter der Kontrolle der Gerechten sein. Wer das ist, kann sich aus den Grund- und Menschenrechten ergeben. – Organisation für das Gerechte, ein gemeinsames Wissen darüber, das sind Grundlagen für eine erfolgreiche Lebensgestaltung, bei der wir nicht immer wieder von den »Bösen« berichten, dass sie schon wieder unser Leben verdorben haben. – Der Anspruch in diese Richtung geschieht durch »Orientierung« in der Welt. Welche Dinge sind wichtig für die Lebensgestaltung, welche Schwerpunkte sind zu setzen. Wie ist vorzugehen.

Was ist Arbeitsideologie

Stellen sie sich vor, sie würden erst den Abwasch machen und dann die Wohnung putzen.

Den Abwasch machen sie ohne Arbeitshandschuhe, ihre Hände sind auf die Dauer davon rissig und unansehnlich geworden. Aber sie sind ganz stolz, dass sie ihren Haushalt in Ordnung haben, sie sind stolz auf sich selbst, weil sie »konsequent arbeiten«.

Die Wohnung saugen sie mit dem Staubsauger. Sie verwenden keinen Gehörschutz, weil sie das lächerlich finden, obwohl der Staubsauger sehr laut bei der Arbeit ist und sie einige Zeit damit am Tun sind, bis sie die ganze Wohnung gesaugt haben. – Sie würden es lächerlich finden, wenn jemand beim Staubsaugen einen Gehörschutz verwendet. Ihrem Gefühl nach, käme das dem gleich, dass sich derjenige vor der Arbeit »drückt«.

Ortswechsel

Baustelle. Die Arbeiter verwenden beim Flexen keinen Gehörschutz oder Augenschutz. Aus ihrer Sicht sind das »Weicheier«, die so etwas brauchen. Manche haben keine Arbeitshandschuhe, haben völlig verhornte und zerfurchte Hände und zeigen diese gerne als »Beweis« dafür, wie viel sie schon gearbeitet haben.

Fazit

Arbeit muss »wehtun« und irgendwie dem Menschen auch schaden, sonst ist es keine »richtige« Arbeit. – Sie muss belasten, müde machen, erschöpfen. All das dient als »Beweis« dafür, dass gearbeitet wurde.

Arbeit, die leicht von der Hand geht, wird mit Argwohn beäugt. Es kann keine richtige Arbeit sein. Derjenige, der so arbeitet »drückt sich« doch eher vor der Arbeit. – Echte Arbeit ist wie »Sklavenarbeit«. Schwer und belastend. Oft nicht gewollt und gemocht. Aber irgendwie notwendig, erzwungen.

Der Arbeitsideologe überbewertet die Arbeit. – Er macht aus ihr einen Popanz. Er will seine Vorstellung von Arbeit anderen Menschen aufnötigen. Er mag es nicht, wenn Menschen die Arbeit, an der er lange und fast religiös behaftet dranhängt, schnell und korrekt erledigen, um sich dann anderen (wichtigeren?) Dingen zuzuwenden.

Nicht funktionierende Kommunikation in Sozialen Netzwerken und Blogs.

Der User A schreibt immer wieder auf dem Blog von D seine Meinung zu den Beiträgen von D. In eigentlich allen Fällen ist er anderer Meinung als D.

Ein genauerer Blick auf diese Situation wirft einige Fragen auf. – Wenn der User A völlig anderer Meinung ist als D, warum erscheint er immer wieder auf der Homepage oder dem Blog von D? Wäre es nicht viel sinnvoller und schlüssiger, wenn sich A auf den Blogs und Internetseiten äußert, deren Meinung er teilt?

Im Grunde belästigt er den Blogger D. – Sicher gibt es immer wieder Leute, die die fixe Idee entwickeln, den Anderen »überzeugen« zu wollen. Aber dieses Überzeugen wollen hat etwas, oder bekommt etwas Aggressives und Penetrantes. Dieses Verhalten geht in Richtung Nötigung und Bedrohung.

Solche Situationen mögen sich harmlos aufbauen. Ein angeblicher »Rat unter Freunden«, der sich dann auf die Dauer immer mehr zu einer Feindseligkeit verdichtet.

Anfangs war es so, dass sich der Blogger D auf ein Gespräch einließ, denn er dachte, es ist doch alles halb so wild. Es wird doch nur geredet und unterschiedliche Meinungen werden selbstverständlich respektiert. – Das war eine großzügige Sichtweise.

Dies mochte dann der User A missverstehen (wollen), nämlich so, dass der Blogger bereit ist, sich »belehren« zu lassen. Und diese Chance will A dann gar nicht mehr aus der Hand geben. – Er überhört die deutlichen Hinweise des Bloggers, dass jetzt Schluss sei mit der Unterhaltung.

Der Blogger kann dann noch von Glück sagen, dass es nur bei der unangenehmen Auseinandersetzung über die Kommentare auf der Homepage ablief. – Gar nicht auszudenken ist das, wenn sich solche Feindseligkeiten auf die physische Welt verlagern.

Was heißt das für die Kommentarfunktion auf einem Blog. – Sie muss von dem Blogger restriktiv gehandhabt werden. Differenzen mit den anderen Usern im Internet müssen frühzeitig zu einem Abbruch der Kommunikation führen, weil sonst der Eindruck entsteht, das gegenseitige Angemaule sei erwünscht, geduldet oder »normale« Unterhaltung und könne fortgesetzt werden.

Kommunikation in Sozialen Netzwerken oder Blogs mit anderen Usern geht nur, wenn Übereinstimmung in den Sichtweisen besteht. Mit einer Person, die anderer Meinung ist, ist eine längerfristige Gesprächssituation und dauerhafter Kontakt nicht möglich.

Jetzt werden sie mit Recht sagen, dass das zu streng formuliert ist. – Nun, es ist so: wenn »unterschiedliche Meinungen« aufeinandertreffen, um einen Sachverhalt zu klären oder unterschiedliche Perspektiven zu sammeln, um ein vollständiges Bild einer Sache zu bekommen, dann sind selbstverständlich verschiedene Meinungen erwünscht. – In dem Beispiel mit dem Blogger und der Kommentarfunktion ging es aber um etwas anderes: da will ein Mensch die Meinung des anderen bekämpfen. Das nimmt fanatische Züge an. Da geht es darum, die andere Meinung nicht dulden zu wollen. – Statt das die Personen mit unterschiedlichen Meinungen getrennte Wege gehen, will einer von beiden dem anderen »an den Karren fahren« und ihm nahelegen, von seiner Meinung Abstand zu nehmen. – In dem Beispiel geht es um Meinungsfreiheit und den Versuch, diese einschränken zu wollen.

Derjenige, der sie einschränken will, möchte demjenigen, der eine andere Meinung hat, »erklären«, warum dieser seine Haltung und Ansichten aufgeben sollte. – In totalitären Staaten und Diktaturen erfahren solche Situationen ihre Steigerung darin, dass der Bedrohte mehrfach gewarnt wird, jetzt endlich von seiner Einstellung abzulassen, sonst …. Und so weiter.

Im Grunde zeigt auch das Internet alle Formen gesellschaftlichen Umgangs der Menschen untereinander: Hass, Feindseligkeit bis zur freundlichen Zustimmung und »Liebesbekundungen«. 🙂

Die Differenz unter uns Menschen ist die Regel. Die Verständigung, die Ausnahme. – Erkennen wir das an, dann ist der Umgang miteinander sogar erleichtert.

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Selbstbestimmung und Zusammenleben

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In der Bundesregierung wird zur Zeit eine Bestrafung der Freier von Zwangsprostituierten diskutiert. Schwester Lea Ackermann von der Hilfsorganisation »Solwodi« begrüßt die Idee im Deutschlandfunk: »Es wäre ein kleiner Anfang, ein Signal.« Aber sie formulierte auch noch drastischere Forderungen.

Ackermann, die für Solwodi (»Solidarity with Women in Distress«, zu deutsch: »Solidarität mit Frauen in Not«) arbeitet, nannte die Bestrafung »das Mindeste, was man tun kann«. Sie will noch schärfere Gesetze. »Wir gehen weiter, wie in Schweden soll jeder Kauf von Sex verboten werden.«

Das ist eine interessante Überlegung.

Wie ist es denn heute mit der Sexualität. Da sie im eigenen Körper entsteht, ist derjenige Mensch vor die Aufgabe gestellt, eine Lösung dafür zu finden. – Natürlich haben die jeweiligen Kulturen über die Jahre und Jahrhunderte eigene Regeln entwickelt, wie die Personen in der Gruppe, die Männer und die Frauen, entlang dieses sexuellen Impulses sich verhalten sollen.

Heute sind diese Regeln mehr denn je in Frage gestellt. Einmal, weil diese klare Abgrenzung zu anderen Gruppen, Ethnien immer schwieriger wird, zum Anderen, weil die einzelnen Menschen sich nicht mehr diesen Kategorisierungs- und Einordnungsversuchen der Gemeinschaft sich fügen wollen. Die Genderdiskussion ist hier zu nennen, der Unisex. – Heute haben wir eine nie gekannte Freiheit mit diesem Thema umzugehen, mit der eigenen Sexualität zu hantieren.

Dies ist auch deshalb bemerkenswert, wenn wir hautnah erleben, wie in Kulturen, die noch festgefügt zu sein scheinen, in archaischen Lebensweisen, die jungen Menschen festgelegt sind in Rollen und in ganz jungen Jahren bereits Mutter und Vater werden und eine Familie gründen, wie es eben die Religion, der Familienclan, die eigene Kultur, die Politik des »Vaterstaates« verlangt.

Wenn also nicht der Staat, die eigene Kultur, die Religion festlegt, wie wir mit unserer eigenen Sexualität umgehen sollen, dann sind wir vor uns selbst gestellt, darüber zu entscheiden. – Sicher sind wir auch dann noch beeinflusst worden, bevor wir mit unserer eigenen Sexualität konfrontiert sind, durch unsere Bezugspersonen, die wir bis dahin hatten, durch unsere konkreten Lebensumstände, die wir bis dahin durchlebten. Dass heißt, wir Menschen kommen sehr wohl »präpariert« in die Pubertät.

Neben den subjektiven Erfahrungen, die uns in dieser Hinsicht beeinflussen, sind es die gesellschaftlichen Prozesse. – In den 70er Jahren gab es die Pornographiefreigabe, in den 80er Jahren waren es die Spielarten des Sex und in den 90er Jahren trat die große Ernüchterung ein, beim Anblick des vielen Leides, das durch einen grenzenlosen Sexwahn eintrat.

Ackermann: Es gibt doch auch Mord, den man gesetzlich verbietet, und man schafft damit nicht alle Morde aus der Welt. Ich meine, man muss Gesetze machen, um den Menschen zu sagen, das geht nicht. Es muss natürlich auch begleitend was geschehen. Es muss natürlich die Polizei aufgestockt werden. Man muss sich auch überlegen, wie sollen diese Bordelle kontrolliert werden. Deshalb wäre es wesentlich einfacher, den Kauf von Sex unter Strafe zu stellen, und dann wären so große Bordelle und all das gar nicht mehr möglich. Heute kann sich nicht mal eine Stadt dagegen wehren, wenn ein Großbordell in ihr errichtet wird. Die Stadträte haben nicht das Sagen. Das ist doch unglaublich. Die Bürger können auf die Barrikaden gehen, das Großbordell wird gebaut. In Saarbrücken haben sie es erlebt und jetzt sind andere Städte dran.

Heuer: Sie sind und haben das jetzt auch zweimal in unserem Gespräch gesagt dafür, die Prostitution ganz zu verbieten. Als Beispiel gilt da immer Norwegen. Dort ist die Prostitution grundsätzlich verboten. Aber ist sie verschwunden?

Ackermann: Es ist der Kauf von Sex verboten. Es ist ein ganz neues Bild der Frau und des Mädchens. Die sind nicht käufliche Ware. Das ist schon mal sehr, sehr gut. Wir können alle Probleme, die die Menschheit hat, ja doch nicht auslöschen. Wir können doch die Krankheiten nicht abschaffen. Und trotzdem haben wir doch nie aufgehört, dagegen zu kämpfen!

Schwester Lea Ackermann (sie scheint also einer Religion stark verbunden zu sein) will dasjenige, das nicht gut ist, »bekämpfen« und verbieten. Neue Gesetze, Polizei aufstocken, mehr Kontrollen. Jetzt frage ich mich, wie eigentlich ein Polizeistaat aussieht. – Vielleicht so? – Und welche Menschen sind es, die letzten Endes einen totalitären Staat installieren, mit ihren Vorstellungen von »Ordnung«. Ist es möglich, sie sich vorzustellen?

Ackermann: »Es ist der Kauf von Sex verboten. Es ist ein ganz neues Bild der Frau und des Mädchens. Die sind nicht käufliche Ware.«

Ich bin mir nicht sicher, ob durch ein Verbot von etwas ein »ganz neues Bild« entsteht. – Was Frau Ackermann hier »lösen« will, sollte in einen anderen Kontext gestellt und dort weiter behandelt und diskutiert werden. Und wenn sich doch auf die Umstände bezogen wird, die die Dame hier anspricht, dann ist eine seriöse Auseinandersetzung nur möglich, wenn bis in die Einzelheiten Informationen zur Verfügung stehen würden, sonst verläuft sich alles in Spekulationen und Vermutungen, da wir nichts Genaues wissen.

Kein Mensch sollte zu etwas gezwungen werden können. Weder Kinder noch Erwachsene. Wer zu Sex gezwungen wird, sollte aus dieser Situation befreit werden, wenn die Person sich nicht selbst befreien kann. [1]

Wie ist das aber vorzustellen, das zum Beispiel in einem Bordell »Zwangsprostitution« stattfindet. – Sind dort die Frauen in Ketten gelegt und gefesselt vorzufinden, weil sie sonst weglaufen würden? – Oder ist es nicht eher so, dass der »Zwang« zur Prostitution darin besteht, dass die Frauen über kein sonstiges Einkommen verfügen und wenn sie aus dem Bordell »fliehen« würden, dann mittellos wären. – Warum unterstützt Schwester Lea Ackermann nicht das Bedingungslose Grundeinkommen? Dann hätten auch die Prostituierten ein existenzsicherndes Einkommen unabhängig von dem Gewerbe, dem sie (unfreiwillig) nachgehen. – Auch Alice Schwarzer scheint sich nicht für das Bedingungslose Grundeinkommen einzusetzen. Warum nicht?

Alles Unrecht, das Menschen zugefügt wird, gehört beendet. – Wenn wir von solchem Unrecht wissen, müssen wir uns dafür einsetzen, dass wieder die Würde zum Vorschein kommt, und das die Menschenrechte überall geachtet werden.

Die Prostitution ist dabei eine durchaus seltsame Angelegenheit. – Zurecht wird dabei auf den Umstand hingewiesen, dass da etwas »mit Geld« geschieht: Es wird »bezahlt«. – Dafür soll eine Person der anderen »helfen« mit der Sexualität fertig zu werden. Das kann zum Beispiel mit »Spielen« verknüpft sein. – Dass diese Art des Umgangs mit Sexualität den Vorstellungen mancher Menschen nicht entspricht, ist verständlich. Aber haben sie das Recht den anderen zu verbieten, wie sie es handhaben? – Womöglich finden es manche Frauen unerträglich, sich vorzustellen, Frauen könnten diese Art von Sexualität »freiwillig« machen. Da passt die Idee, alles ist »Zwangsprostitution« schon besser ins Bild. Außerdem könnte, wenn jegliche Form käuflichen Sex verboten wird, auch der dort stattfindende freiwillige Sex »zum Verschwinden« gebracht werden. So wahrscheinlich die Hoffnung der Befürworter. [2]

Wird das Thema »Sexualität« aber aus dem Zusammenhang von »Verbot und Strafe« einmal herausgenommen, dann wäre ein Gespräch möglich aus anderer Sicht. – Sexualität ist etwas, das »in uns« auftaucht. Warum helfen wir einander nicht, mit dieser »großen Energie« fertig zu werden, statt uns gegenseitig mit Strafen zu bedrohen? – Diese Diskussion müsste viel stärker geführt werden. – Mit Zuversicht und Wohlwollen sollten die Menschen einander begegnen und bei der Lösung von Problemen den positiven Kräften den Vorrang lassen.



[1]


Allerdings ist gerade in Deutschland der »zwangsweise« Umgang mit Menschen weit verbreitet.

So werden hier Menschen durch staatliche Organisationen zur Arbeit gezwungen. Obwohl es rechtliche Regelungen gibt, die dies eindeutig untersagen, wird es dennoch praktiziert, weil das Bundesverfassungsgericht diese Vorgänge nicht verbietet. – Die »Anleitung« zur Zwangsarbeit geschieht über die Hartz4-Sanktionen. – Außerdem haben wir »Zwangsrundfunkgebühren«, was bedeutet, dass wir gegen unseren Willen die Arbeitsplätze der Medienmitarbeiter in den öffentlichen Anstalten finanzieren müssen. – Und jüngst hat sich ein Politiker über die Wahlbeteiligung geäußert und vorgeschlagen, dass die Bürgerinnen und Bürger zur Wahlbeteiligung gezwungen werden sollten.

Damit ist eine gewisse Atmosphäre in diesem Land beschrieben, die womöglich in alle Lebensbereiche hineinwirkt.

[2]


Das Verhältnis von Männern und Frauen in Gesellschaften kann von Umbrüchen begleitet sein. – Es gibt eine gesellschaftliche »Stimmung«, die den öffentlichen Umgang miteinander beeinflusst.

In der Zwangsprostitutionsdebatte kann zuweilen ein Unterton von Ressentiment gegenüber den Männern wahrgenommen werden, wenn sich manche Frauen zu dieser Sache äußern.

Haben nicht »wir« Männer über die Frauen viel Unglück gebracht, in den letzten Jahren und Jahrzehnten? – Sind es nicht die Männer gewesen, die mit zwei Weltkriegen ungeheures Leid über die Menschen, die Frauen gebracht haben. Sind es nicht die Männer, die mit ihrer Gewalttätigkeit, Brutalität, Gefühlskälte sich selbst ein negatives Image verpasst haben? Welche positiven Aussagen über eine schöne Welt, ein gut gestaltetes Zusammenleben hören die Frauen von den Männern? Wie haben die Männer in den letzten Jahrzehnten die Gesellschaft gestaltet, dass sie für alle, für Frauen und Kinder, für Alte und Kranke eine lebenswerte eine gute Gesellschaft ist? Haben sie nicht mit ihrem Tun alles verschlimmert und verschlechtert?

Und ist andererseits nicht gerade unsere heutige, schrecklich elende, arme, am Dahinsiechen befindliche Gesellschaft maßgeblich von Frauen mitgestaltet? – Nehmen wir die ganzen Politikerinnen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten den Verfall der Gesellschaft aktiv mitgestaltet haben, in den Parteien, in der heutigen Regierung. Aber auch in den Firmen, als Führungskräfte, in der Medienlandschaft, in der Kulturwelt, überall sind heute Frauen deutlich stärker vertreten und somit mitverantwortlich für den Zustand unserer Gemeinschaft. – Ein Großteil der Beschäftigten, die die Zwangsarbeit verwalten, in der Agentur für Arbeit und Jobcenter sind Frauen. – Interessant ist dabei die irrige Annahme, durch die Frauenbewegung würde eine »bessere Gesellschaft« entstehen. Was tatsächlich passiert, ist die »Übernahme« der männlichen Verhaltensweisen, sofern sie von Frauen bisher nicht gelebt war. – Mehr nicht.

»Die Lösung« ist auf der Ebene der Verständigung und Versöhnung zu suchen und nicht durch ein Gegeneinander die Differenzen zu vergrößern.