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… und du fliegst raus.

Sicher gibt es diejenigen, die jeden Tag ausschlafen können. Sie haben es sich so arrangieren können, haben einen ständigen Geldfluss organisiert. Ihr Einkommen ist gesichert. Wie sie das geschafft haben, ist erst mal egal. – Und dann diejenigen, die jeden Tag aufspringen müssen, um dafür zu sorgen, dass Geld auf ihr Konto kommt. Wer keinen »Arbeitgeber« hat, der bezahlt, der die eigene Arbeit bezahlt, muss sonstwie Geld organisieren. Beim Staat betteln, damit sie Geld herausrücken, über deren Stöckchen springen, sinnlose Lehrgänge besuchen und Jobs annehmen, die niemand haben will. – Wehe, du rührst dich nicht, bleibst einfach im Bett liegen. Dann versiegen die Zahlungen auf dein Konto, der Vermieter hat keine Geldeingänge mehr, der Stromversorger meckert, die Heizung bleibt kalt, der Kühlschrank ist leer und du trägst die Kleidung, die du einmal vor über 10 Jahren gekauft hattest.

In den 90er Jahren kamen die »Tauschringe« in Mode. Vereinigungen, deren Teilnehmer mit einer selbstgeschaffenen Währung, nennen wir sie »Holo«, in Tauschgeschäfte treten. Wie bei einem Flohmarkt, können Produkten gegen diese Währung »gekauft«, und gegenseitige Dienstleistungen mit dieser Währung bezahlt werden. Die Idee schien genial, in Zeiten zunehmender Single-Haushalte, um sich so gegenseitig zu helfen und sich auch kennenzulernen. Denn die Tauschringe sollten nicht bloß den Wirtschaftskreislauf abbilden, sie funktionieren eigentlich nur, wenn persönliche Beziehungen unter den Tauschring-Teilnehmern zustande kommen. – Der anonyme Tauschhandel der »Realwirtschaft« sollte eben nicht kopiert werden. – Auch wenn heute viele Personen von den Tauschringen profitieren, denn wer die Regeln verstanden hatte, kann sich gut in diesen Netzwerken einrichten, so ist doch eine gewisse Stagnation bei den Mitgliederzahlen festzustellen. – Woran liegt es?

Einmal sind es die strikten Regeln, die eher die Stimmung bei den Teilnehmern eintrüben. Tauschen gegen Euros ist verboten, beziehungsweise »nicht erwünscht«. – Dann werden säumige Teilnehmer, also solche, die ihre Jahresbeiträge nicht bezahlen, gemäß eines Regelautomatismus aus der Vereinigung »entfernt«. – Sicher ist dagegen ein Einspruch möglich. Aber das ist nicht der Punkt.

Wir leben in Gesellschaften, in Gemeinschaften, aus denen wir »automatisch« rausfliegen, wenn wir uns nicht entsprechend verhalten. Das ist es. – Wir sollen vorgegebene Regeln, von Menschen ausgedachte Regeln befolgen, sonst ist »Schluss mit Lustig«.

Was ist, wenn wir die Kraft dazu nicht haben, wenn uns das zu viel ist? Egal. Der Nächste bitte.

Die Idee des Tauschrings ist es, selbst »Angebote« zu machen, in einer eigenen Angebotszeitschrift und gleichzeitig auch bekannt geben, was nachgefragt wird. So würden »Angebot und Nachfrage« den Markt im Tauschring bestimmen, und mit den vorhandenen oder bereits verdienten »Holos« lassen sich die Tauschhandlungen abwickeln.

In der Praxis lässt sich aber kein Gleichgewicht herstellen, zwischen Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, und Angeboten. Zumindest geht es vielen Personen so. – Im Ergebnis führt das dazu, dass jemand zwar viele Nachfragen nach seinen Dienstleistungen hat, aber die Person kann mit seinem in der Folge vorhandenen »Geldreichtum« nicht viel anfangen, weil keine passenden Angebote vorhanden sind, für die das Geld wieder eingetauscht werden könnte. – Das Tauschen ist dann eine einseitige Angelegenheit.

Hauptproblem des Tauschrings ist, dass keine »regelmäßig« nachgefragten Produkte und Dienstleistungen vorhanden sind, die zu einem Geldkreislauf führen. Alles, was wir den ganzen Monat über brauchen, und dann wieder im Folgemonat, wären die Produkte und Dienstleistungen, die im Tauschring »im Angebot« sein müssen. Aber dies ist nur zum Teil der Fall.

Da diejenigen, deren Leistungen zwar stark nachgefragt werden, selbst nichts, oder nicht viel finden, an Angeboten, die sie nachfragen wollen, kann dies bei diesen Personen zu einer »Einschränkung ihres Angebotes« führen, da für sie die Motivation fehlt, ihre Angebote im vollen Umfang aufrecht zu erhalten.

In der Realwirtschaft gibt es genau diese Situation bei den Fachärzten und Hausärzten. – Früher konnten sie beliebig viel dazuverdienen. Was dazu führte, dass sie gerne jeden Patienten behandelten, der sich meldete. Heute führt die »Budgetierung« dazu, dass sie ihre Behandlungsangebote einschränken und zurückhalten. Das ist für den Patienten daran zu erkennen, dass er keinen Behandlungstermin »jetzt« bekommt, obwohl dringend eine Behandlung von Nöten wäre, sondern erst in ein, zwei Monaten, wenn womöglich die Erkrankung schon wieder vorbei ist, oder sich die Sache noch verschlimmert hat.

Und die an sich wichtige Grundlage für die Tauschgeschäfte im Tauschring, nämlich das »persönliche Kennenlernen« wird von immer weniger Menschen noch aktiv genutzt. Dazu ist es notwendig, sich zu den »Stammtischen«, Café-Treffen, etc. regelmäßig einzufinden, damit sich die Tauschring-Teilnehmer kennenlernen können, um ein gewisses Vertrauen aufzubauen, für das Tauschen. – Es kommt durchaus vor, dass Personen in den Tauschring eintreten und dann meinen, »geschäftsmäßig« sich irgendwelche Angebote des Tauschrings einfach nehmen zu können. So geht es dann auch nicht.

Obwohl also in dem »reichen Deutschland« die Bedingungen günstig sind, für die Tauschringe, nämlich viel Armut, viele prekäre Lebensverhältnisse, die es sinnvoll erscheinen lassen, dass sich die Menschen direkt gegenseitig helfen, so scheint doch die Konzeption der Tauschringe an einen gewissen Endpunkt gekommen zu sein.

Kann der Tauschring-Gedanke noch weiterentwickelt werden?

Tauschringe sind ein bisschen wie »Vereine« organisiert. – Aber die Tauschringe sollten sich einen modernen Touch geben:

• Mitgliederversammlungen sollten »online« abgewickelt werden. Das heißt, Abstimmungen per Email möglich machen, Kommunikation mehr über das Internet und Soziale Netzwerke abwickeln.

• Kosten reduzieren, statt neue aufzubauen! Alle Gebühren, Beiträge »freiwillig« machen und nicht die Teilnehmerschaft im Tauschring an Beitragszahlungen koppeln. Wer nichts freiwillig zahlt, demjenigen eventuell den Service des Tauschrings einschränken.

• Tauschen auch gegen Euros ermöglichen, und nicht nur gegen die hauseigene Währung.

• Mitarbeit in der Tauschring-Verwaltung und Tauschring-Organisation nicht gegen Bezahlung durchführen, sondern ausschließlich »ehrenamtlich« beziehungsweise ohne Bezahlung. Weder in der Hauswährung, noch in Euros. Denn über genau diese »Geldforderungen« der Mitarbeiter, wird der »Zwang« für Beiträge und Abgaben erst geschaffen.

Ein interessanter Aspekt in den Tauschringen, ist die »Geldmengen-Steuerung«. Sie ist ähnlich zu denken, wie in der Realwirtschaft und bei der Zentralbank. Aber zuerst wären die anderen Punkte dran.

Infrastruktur für uns alle

Stellen sie sich vor, es ist ein Sommertag und sie wollen sich draußen aufhalten. Aber jetzt fängt es an zu regnen. – So ein Pech aber auch. Macht doch nichts. Irgendwo wird es doch einen Flecken geben, wo sich unterstellen möglich ist, Schutz vor Wind und Nässe geboten wird. – Doch sie werden es nicht glauben, so eine Stelle ist nicht zu finden. Ja, es ist wahr. Sie befinden sich in Öffentlichem Gelände und es ist dort keine einzige Stelle zu finden, die ihnen als Schutzraum dienen könnte. Wie kommt das?

Wir haben die Ideologie, dass Grund-und-Boden in Privatbesitz sein soll. Was natürlich nicht konsequent durchgehalten wird. Und überall, wo es doch Öffentlichen Raum gibt, besteht die Frage und ist das Anliegen virulent, warum nicht diesen Bereich optimalst für die Interessen der Menschen zu gestalten. – Wir erleben aber immer wieder, dass genau dies verhindert, unterbunden, verunmöglicht wird.

Wer steckt dahinter, wer verhindert das? Zum einen natürlich die Verwalter des Öffentlichen Raums, die städtischen Mitarbeiter. Und diese tun das im Namen der Politiker. Derjenigen, die sich veranlasst sehen, »im Namen aller« zu entscheiden, wie der öffentliche Raum auszusehen hat. Diese Politiker wiederum haben nicht selten Privateigentum an Grund-und-Boden, den sie womöglich von »großen Hunden« bewachen lassen, damit niemand Unberechtigtes dieses Gelände betritt. – Aber dieselbe Geisteshaltung haben diese Menschen auch, wenn sie »ihre« Parks, öffentlichen Anlagen, Gemeingüter, im Namen der Allgemeinheit verwalten. Sie behandeln die Bereiche so, als ob sie ihnen privat gehören würden.

Nehmen wir als Beispiel einen Park. Dieser befindet sich auf öffentlichem Grund-und-Boden und wird von der Stadtverwaltung betreut. Der Park ist recht groß, aber an keiner Stelle dieser Anlage befindet sich eine Überdachung. Warum?

Wir bräuchten doch nur einmal einen Versuch starten, quasi eine soziologische Untersuchung machen. Wir nehmen im besagtem Park eine Stelle, die eh mit Bänken schon gut ausgestattet ist und fügen diesem Bereich eine großzügige Überdachung hinzu. Sowie einen Schutz gegen seitlichen Wind. – Was wird passieren?

Wenn der Bereich ausreichend groß ist, werden sich in den Sommermonaten Menschen einfinden, die vielleicht dort sogar übernachten. Junge Leute auf Fahrrädern, mit Rucksäcken und Zelt, die entdecken, dass es sich dort einrichten lässt. Sie sparen sich die Übernachtungskosten und richten dort ihren Wohnplatz ein. Vielleicht bleiben sie an der Stelle, solange es die Witterung zulässt. Oder Obdachlose, die im Park ihren Alkohol trinken und abends müde sich dort, im überdachten Bereich schlafen legen. Auch sie könnten feststellen, dass es sich dort aushalten lässt, und sie richten sich vielleicht ein, ebenfalls mit Schlafsack, aber es kann auch Pappkarton sein, mehrere Decken und so weiter.

Geschieht dies nun, so wie beschrieben, dann ist der Bereich natürlich »besetzt« und andere Menschen, die nur durch den Park laufen, bei einem Regenschauer sich dort unterstellen wollen, werden dann keinen Platz finden, weil alles schon belegt ist und der Bereich mangels fehlender Sanitäreinrichtungen unhygienisch sein kann. – Hier prallen mehrere berechtigte Anliegen aufeinander:

• Öffentlicher Raum kann von allen genutzt werden.
• Wer ihn zuerst belegt, nimmt allen anderen Interessenten den Platz weg.
• Wer darf Öffentlichen Raum nutzen?
• Darf eine bestimmte Nutzung vorgegeben und eine andere ausgeschlossen werden?

Auf dem Lande gibt es oder gab es Bushaltestellen-Wartehäuschen, die wirklich als »kleines Häuschen« angelegt waren. Wenn also ein Unwetter sich einstellte, waren die Wartenden in diesen Holzhütten wirklich geschützt. Das aber entdeckten auch »Reisende«. Und diese quartierten sich dort ein. So war es möglich, in solchen Hütten Menschen vorzufinden, die sich einigermaßen häuslich eingerichtet hatten.

Öffentlicher Raum muss uns allen gehören, aber dennoch muss dieser Bereich »betreut« sein und geordnet zur Verfügung gestellt werden, sonst passiert es nämlich, dass ein Chaos der Nutzung letztlich doch zu einer »privaten Nutzung« führt, die sich durchsetzt. Oder das eine Nutzung, da sie nicht geordnet möglich ist, gänzlich verhindert wird.

Bleiben wir einmal bei dem Park, der einen überdachten Bereich haben soll, wind- und regengeschützt, in dem sich die Stadtbewohner des Sommers aufhalten können, ohne bei schlechtem Wetter gleich wieder in die Wohnungen oder in teure und laute Cafés flüchten zu müssen.

Heute jammern wir darüber, es seien nicht genügend Arbeitsplätze vorhanden, aber sinnvolle selbst schaffen, das wäre es doch. Warum können wir nicht »betreute« Parkanlagen bewerkstelligen? Menschen, die im Namen von uns allen schauen, dass die Abläufe im Öffentlicher Raum gemäß unseren Vorstellungen stattfinden. Denn in einem gewissen Sinne passiert das doch heute schon. Nur wäre es die Aufgabe, dies noch auszubauen. Heute haben wir zu unserer Freude gepflegte Parks, mit schönen Blumen, Pflanzen, hübsch gestaltet von den Landschaftsgärtnern, die auch des Sommers immer zugange sind, die Beete pflegen und den Park zu unser aller Freude ein schönes Aussehen verleihen. – Warum nicht für einen weiteren Ausbau der städtischen Infrastruktur sorgen.

Wäre es denn Unrecht, Bereiche im Park zu schaffen, die einer klaren Widmung zugeordnet sind, während eine andere Nutzung ausgeschlossen ist, statt wie heute, das Problem komplett zu umgehen, in dem überhaupt kein Angebot gemacht wird?

Wenn ein überdachter Bereich geschaffen wird, der den Bewohnern des Ortes zur freien Nutzung bereitsteht, könnte eine längere Nutzung, etwa als zwischenzeitliche Übernachtungstelle ausgeschlossen werden. Wäre das unangemessen, unrecht oder herzlos. Gewiss nicht.

Das eigentliche Problem ist aber, wenn Menschen von dort »verjagt« werden, weil sie den Bereich als »Lebensraum » in Beschlag nehmen, dann wird doch ein grundsätzliches Problem sichtbar. Und dieses Sichtbarwerden von grundsätzlichen Problemen soll womöglich verhindert werden. Deshalb wird überhaupt kein Angebot gemacht. Weder den Bewohnern noch den »Durchreisenden«.

Denn wenn »häusliche« Bereiche als Öffentliche Infrastruktur möglich sind, dann stellt sich natürlich die Frage, warum nicht weitere Angebote gemacht werden, die auch den Ansprüchen und dem Bedarf von Durchreisenden genügen. – Denn diese Frage ist doch berechtigt: Warum ist Wohnraum oder Obdach, Unterkunft, Schutzraum oder Schutzhütte nicht als »Dienstleistung« der Gemeinschaft vorhanden, als Teil der Öffentlichen Infrastruktur?

Da es offensichtlich einen so großen Bedarf an Öffentlichem Wohnraum oder Ähnlichem gibt, muss dieser Bedarf verleugnet werden, in dem jedes Trachten in diese Richtung unterbunden wird. – Deshalb haben wir heute keine überdachten Unterstände überall dort, wo es eigentlich Sinn machen würde und für uns Menschen angenehm wäre, deshalb haben wir keine bequemen Sitzgelegenheiten an den ÖPNV-Haltestellen, weil sich da jemand schlafen legen könnte.

Wir müssen anfangen, mit solchen Angeboten zu experimentieren. Schauen, wie sie genutzt werden, wie wir sie »betreuen« können, wie wir sie gestalten. – Ein riesiger Bedarf dafür ist vorhanden.