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Soziales Netzwerk – was ist das?

Google macht Vorschläge, wie der Bürger das Soziale Netzwerk nutzen kann. Der Teilnehmer an dem Netzwerk soll »Kreise« anlegen, in die er die Menschen einordnet, mit denen er ein Netzwerk bildet.

Ein Kreis, für Angehörige, Verwandte. Ein Kreis für Arbeitskollegen. Ein Kreis für die Sportkameraden. Ein Kreis für die Menschen, mit denen man ein Hobby teilt. Und so weiter. Alle Beiträge dieser Menschen werden im Beitragsstrom (Stream) angezeigt. »Strom« deshalb, weil das Fenster, in dem die Beiträge zu sehen sind, ein Zeitfenster ist. Die zeitlich neuesten Beiträge sind oben zuerst zu sehen, die bereits älteren Beiträge von vor 12 Stunden zum Beispiel, sind »nach unten gerutscht«, sind bereits aus dem Blickfeld und der Teilnehmer muss nach unten scrollen mit der Maus, am Computerbildschirm, damit die älteren Beiträge zu sehen sind.

Damit ist das Soziale Netzwerk »Google+« eigentlich erklärt.

Ich bin mir nicht sicher, aber kann es sein, dass Google keine Ahnung hat, wie Menschen zueinander in Beziehung treten und miteinander kommunizieren?

Ich weiß nicht, wer mit »Angehörigen und Verwandten« einen Kreis macht. Und welche Arbeitskollegen treffen sich bei Google+? Wahrscheinlich Google-Mitarbeiter. 🙂
Einen Kreis für die Sportkameraden … Womöglich langt da die Email.

So wie Google+ tatsächlich genutzt wird, ist es aber von der Hersteller-Firma gar nicht konzipiert?

Interessant im Sozialen Netzwerk sind »gemeinsame Ansichten und Urteile«, ähnliche Bewertungen und Entscheidungen, zu einer Vielzahl unterschiedlichster Themen.

Hat Google für diese Wahrheit sein Netzwerk ausgerichtet? Jetzt passiert Folgendes. Ein Teilnehmer ist einmal ins Blickfeld geraten, weil er mehrfach +1 bei Beiträgen geklickt hat, und vielleicht auch ein, zwei Meinungsäußerungen tätigte, die wahrgenommen wurden. Deshalb wurde die Person in den Kreis »Neue Personen« eingefügt. Lange Zeit ist diese Person »verschwunden«, aber plötzlich erscheinen häufige Beiträge, die allesamt wenig ansprechend erscheinen, ja vielleicht sogar eher abgelehnte Meinungen vertreten. Die Person wird wieder aus dem Kreis entfernt. – So verschwinden Personen aus den eigenen Kreisen.

Gleichzeitig »verdünnt« sich insgesamt der Beitrags-Hauptstrom. Anfangs ist nicht recht erklärlich, warum im Laufe der Zeit (drei Viertel, bis ein Jahr) weniger Beiträge angezeigt werden, aber dann erscheint eine Möglichkeit zu sein, dass auch Personen, die in den eigenen Kreisen sind, Teilnehmer aus ihren Kreisen entfernen und sich so der Beitragsstrom leert.

Google berücksichtigt nämlich einen ganz bestimmten Umstand nicht: es findet eine permanente gegenseitige Bewertung statt. – Google hingegen tut so, als ob die Menschen aufgrund vergangener oder aktueller Bezogenheit eine »auf ewig« anlegbare zueinander ausgerichtete Aufmerksamkeit aufbauen würden. Aber das ist nicht wahr. – Wir Menschen bewerten uns permanent, und wenn wir keine Übereinstimmung mehr feststellen können, »kündigen« wir diese Aufmerksamkeit auf. Es gibt nur ganz wenige Ausnahmefälle, bei denen diese Regel nicht gilt, zum Beispiel bei den Eltern oder Geschwistern. Aber selbst da ist nicht sicher, ob wir nicht doch uns zu Bewertungen hinreißen lassen, und dies die eigentlich »unkündbaren« Bande belastet.

Wenn Google diese »Wahrheit« in sein Netzwerk-Konzept miteinbeziehen würde, dann müssten weitere Aspekte stärker in den Vordergrund gerückt werden: Es geht nicht um die Leute, die in den Kreisen »hocken« und deshalb, weil sie in den Kreisen sind, redet man mit ihnen, sondern der Beitrags-Hauptstrom »aller Beiträge« müsste geöffnet und feinjustiert durchsuchbar gestaltet werden. – Der Beitrags-Hauptstrom wäre dann zum Beispiel »alle deutschsprachigen Beiträge«, die »öffentlich« ins Netzwerk gestellt werden. Dieser müsste feinjustiert durchsuchbar sein und aus den Suchergebnissen müssten »Favoriten« erstellt und abgespeichert werden. Diese Favoriten würden die Kreise komplett ersetzen. Denn es ginge nicht mehr um die »gleichen Menschen«, sondern um die »gleichen Meinungen, Urteile und Entscheidungen«. – Der Beitrags-Hauptstrom müsste viele hunderte, tausende; je nach sprachlichen Möglichkeiten, die wir haben; Millionen Beiträge umfassen. Dieser komplette, nicht gefilterte Hauptstrom müsste am Bildschirm wirklich sichtbar sein.

Das heißt, mit den Menschen, mit denen vor 2 Jahren eine Übereinstimmung in der Einschätzung von Sachverhalten bestand, gibt es womöglich aktuell überhaupt keinen Kontakt mehr, weil sich alle Beteiligten »auseinandergelebt« haben und eben nicht mehr die gleichen Ansichten vertreten. – Aber genau diese Wahrheit berücksichtigt Google mit seinem Konzept heute nicht, so dass sich das Verhalten der Teilnehmer und die Vorstellungen der Netzwerkmacher nicht decken und das Netzwerk ausgebremst wird und der Frust die Leute zum Aussteigen bringt.

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Weggehen

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Mit Atemschutzmasken seien Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr schließlich in das Badezimmer vorgedrungen – dort fanden sie die Leichen. Neben der Potsdamerin und der Frau aus Frankfurt (Oder) wurde eine 44-Jährige identifiziert, die in Schauenburg im Landkreis Kassel lebte. Kommissar König sagte, die Ermittler gingen derzeit davon aus, dass sich die Frauen mit Kohlenmonoxid töteten, einem geruch- und geschmacklosen Gas. Entsprechende Abschiedsbriefe seien gefunden worden. Es gebe keine Anzeichen auf ein Verbrechen oder einen technischen Defekt.

Erst jetzt die Tage hatte ich von einer Frau gelesen, die sich im Alter von Anfang 50 »aus dem Staub gemacht« hatte. Es gibt von ihr Fotos im Internet und ich sah sie mir an, ihr Gesicht und die schönen, gesunden Zähne, die sie hatte. Warum das alles? In Deutschland ist es nicht üblich, darüber zu sprechen, warum sich Menschen das antun (die Freunde, nahen Bekannten und Angehörigen lasse ich da mal außen vor). Wir erfahren nicht, wie viele Personen sich täglich selbst töten, weil die Polizei aus Gründen, die ich nicht ausreichend finde, diese Informationen nicht öffentlich macht. Besser wäre es allemal, wenn wir Menschen darüber informiert würden, wenn so etwas passiert. Es ist wie ein Barometer, dass darüber Auskunft gibt, in welcher Verfassung unser Gemeinwesen ist. Ich glaube, wüssten wir, wie viele Menschen sich jeden Tag das antun, wir wären alarmiert.

Wir sind aus einem Zustand ungeheurer Freiheit und Möglichkeiten in den 70er bis Ende der 90er Jahre in eine Verfassung der großen Repression und des Verfalls geraten. Alles scheint instabil, bricht zusammen, ist bedroht. Die Beziehungen waren es schon lange, jetzt sind es seit vielen Jahren die Arbeitsverhältnisse, aber auch die staatlichen Gefüge bieten immer weniger halt. Verschärft wird das Ganze, weil wir Menschen in den vielen Jahren des Singlelebens verlernt haben, solidarisch und verantwortlich füreinander zu sein. Viele sind heute Einzelkämpfer. Aber sie merken, je älter sie werden, um so unbequemer wird diese Freiheit. Alles verändert sich oder müsste sich verändern. – Und manche ziehen die »Notbremse« und steigen vorzeitig aus. – Es ist ja auch einfacher geworden. Die entsprechenden Mittel gibt es für ernsthaft Kranke in der Schweiz zum Herunterschlucken oder die Lebensmüden sprechen sich in den einschlägigen Foren ab, welche Methoden einen relativ unbeschwerlichen Gang ins Jenseits ermöglichen.

Zu weiteren Umständen der Tat und näheren Informationen zu den Getöteten wollte Kommissar König nichts sagen – auch um Nachahmungstaten zu verhindern. Es ist nicht der erste Fall dieser Art. Laut Medienberichten hatten sich im Sommer 2011 drei junge Frauen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren im niedersächsischen Damme das Leben genommen. Sie hatten sich den Angaben nach auch über das Internet verabredet und starben in einem Zelt – ebenfalls an einer Kohlenmonoxidvergiftung.

Es stellt sich auch die Frage, was man eigentlich heute noch mit dem Leben anfangen will. Heiraten muss niemand mehr, Gott sei Dank, aber für viele gibt es stattdessen die »Sinnkrise«. Wozu eine Beziehung eingehen, wenn der Mann seine sexuellen Wünsche »virtuell« erledigen kann und sich die Frauen »die Nervensäge« oder noch Schlimmeres ersparen können. Um Kinder zu haben, steht »Zeugung« unter ferner liefen, als gleichgeschlechtliches Ehepaar geht auch Adoption. Aber vielleicht weiß kaum noch jemand, zu welchem Geschlecht er/sie sich zurechnen will. In der Summe: Keine Arbeit, kein Geschlecht, keinen Partner, keine Beziehung, keine Community (außer der, in der man seinen Abschied vorbereitet). In den Dating-Foren werden die User scheinbar nur abgezockt und außerdem geht kaum noch jemand aus, bei der Kriminalitätsrate heutzutage. – Da wäre noch der Konsum. Der macht aber keinen Spaß, von allem gibt es viel zu viel, und gegenüber wem soll man mit seinem Geld protzen, als Einsamer.

Aber irgendwie schaue ich doch ganz entgeistert, ungläubig in das Gesicht der Frau, die sich »mitten in der Arbeit« einfach so davon gemacht hatte. Hätten nicht »wir« gemeinsam irgendwelche wichtigen Dinge anpacken können? Du mit deinen guten Kenntnissen in der Theaterarbeit, die wir nutzen für ein Stück über die Zerbrechlichkeit unserer Lebenswelten, oder für ein aufrüttelndes Werk über die Notwendigkeit eines Bedingungslosen Grundeinkommens. Wie auch immer. Jetzt geht gar nichts mehr. Und wenn man auch einen Moment innehält, im Andenken an eine Person, die anderes vor hatte, so geht doch das Leben einfach weiter und die Welt der Menschen ist voller Eindrücke und nicht alles können wir festhalten.

Ein Beziehungsdesaster – Männer und Frauen bei Lassahn

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Der Artikel verrät mehr über ihre Lust an der Denunziation als über das Verhalten von Herrn Brüderle.

So kann man das tatsächlich sehen.

Ich bin auch nicht primär gegen den Feminismus, nehme ihm aber die Anmaßung übel, für „alle“ Frauen zu sprechen, und ich fürchte, dass dieser leidige Zwang zur Verallgemeinerung ein Geburtsfehler des Feminismus ist.

Ja, die Verallgemeinerung beim Feminismus hat mich von Anfang an sehr gestört. Es war aber etwas anderes, dass Herr Lassahn nicht zusammenbekommt. Es ist die Frage, ob wir Männer überhaupt noch ein klassisches Männer-Frauen, Familienleben leben können wollen. Wir Männer!

Wollen wir das. Will Lassahn das? Lebt er ein solches Leben. Hat er ein solches Leben gelebt. Hat er Frau und Kinder.

Es geht doch offensichtlich nicht mehr. Darüber sind wir alle traurig und geben uns gegenseitig die Schuld. Daher dieses viele Jammern, Bezichtigen, der Unmut übereinander. Weil wir uns gegenseitig verantwortlich dafür sehen, diese Welt, nach der wir uns vielleicht auch sehnen, nicht mehr zu leben.

Sind es nicht vielmehr Frauen, die uns hier eine „Beschuldigungs-Unkultur“ präsentieren, was schon damit anfängt, dass sie Kultur nicht von Kulturlosigkeit unterscheiden? Wer ist denn hier die Kulturbanausin? Warum gibt es keinen Aufschrei gegen den Missbrauch des Wortes „Kultur“? Warum schreien jetzt nicht alle Künstler, alle „Kulturschaffenden“ und alle, die „Kulturwissenschaft“ studiert haben?

Ich vermute, es liegt daran, dass es einfach zu vieles gibt, das nicht beachtenswert ist. Man sieht halt auch an Herrn Lassahn, welche Anstrengung es erfordert, sich über jeden Kram aufzuregen.

Es wurde aber der Mythos des gewalttätigen Mannes geschaffen – ein konstruiertes Bild, das nicht aus der Wirklichkeit abgeleitet, sondern aus selektiver Wahrnehmung entstanden ist.

Hhmm. Jetzt weiß ich aber nicht. Das Gewalttätige ergibt sich aus der physischen Möglichkeit. Roger Moores Frau hatte diese Möglichkeit nicht. Nur wenn sich Roger bewegungslos verhält, kann sie ihn mit der Gitarre (auf den Kopf?) hauen. Roger hätte seine Frau womöglich verdreschen können, wenn er denn gewollt hätte.

Der Alltag in den 60er, 70er, 80er, 90er Jahren bei uns und anderswo war doch aber anders. In der Regel ist der Mann physisch überlegen und in der Regel sind Gewalttaten überhaupt immer Handlungen der Männer. Eben weil sie physisch eher dazu in der Lage sind (und in ihrem Wesen dieser Affekt stärker angelegt ist?). Heute wird von Alice Schwarzer der im Islam innewohnende Gewaltaspekt gegen Frauen thematisiert. Ich denke, da hat sie recht. Ihr Verhalten bezüglich Kachelmann fand ich hingegen überzogen.