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Rant zur bGE-Partei

Letztes Wochenende trafen sich die Parteimitglieder der Partei Bündnis Grundeinkommen zu einem Bundesparteitag. Dabei wählten sie ihren »Vorstand«. – Ich muss sagen, dass ich außerordentlich verärgert bin, über die dort getroffenen Entscheidungen.

Ronald Trzoska, der diese Partei mitgegründet hat und sich zur Wahl für den Vorstand gestellt hatte, wurde nicht in den Vorstand gewählt. Baukje Dobberstein, eine Ärztin aus Hannover, die sich auf ihrem Blog schon längere Zeit fundiert zum Grundeinkommen äußert, und sich ebenfalls für den Vorstand bewarb, ist ebenfalls nicht in den Vorstand gewählt worden. Dafür zwei Personen, die in der Vergangenheit in keinster Weise öffentlich zum Grundeinkommen in Erscheinung getreten sind. Aber Susanne Wiest wurde gewählt, und Verena Nedden, die ich von den Piraten kenne. Sie hat dort ihre »Rechnungen« zum Grundeinkommen bekannt gemacht.

Eine Organisation lebt durch ihre Mitglieder. Sie ist ohne diese nicht zu denken. Unterstützung kann demnach nur das Personal einer Institution erhalten, von Menschen außerhalb dieser Gruppierung.

Von den jetzt getroffenen Entscheidungen der Parteimitglieder bin ich ganz und gar nicht überzeugt. – Jemanden, dessen Herzblut mit der Gründung der Organisation verknüpft ist, nicht in den Vorstand zu bringen, obwohl er ausdrücklich Interesse bekundete, ist schon reichlich daneben. Und aus meiner Sicht unverzeihlich. – Von Weitsicht und Klugheit der Parteileute ist da wenig zu spüren.

Das dämpft meine Begeisterung für diese Gruppierung merklich. Ganz zu schweigen von meiner Bereitschaft, mich für sie zu engagieren. – Das war vorher noch anders.

Na gut. Es wird weitere und vielleicht interessantere Projekte zum Grundeinkommen geben. 😐

https://www.youtube.com/watch?v=Bgo8Ow5DZtk
https://baukje23.blogspot.de/
https://twitter.com/bgepartei/status/846061503191109634
http://grundeinkommenimbundestag.blogspot.de/
http://www.buendnis-grundeinkommen.de/

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Arbeitswille und bGE

Immer wieder gibt es den Fall, dass Personen behaupten, Rudolf Steiners Philosophie würde nicht hinweisen auf eine Grundeinkommens-Gesellschaft. Und eigentlich immer sind es Leute aus anthroposophischen Institutionen, die dies behaupten. – Aber ist das so?

Nehmen wir den Text »ARBEITSFÄHIGKEIT, ARBEITSWILLE UND DREIGLIEDRIGER SOZIALER ORGANISMUS«.

http://anthroposophie.byu.edu/aufsaetze/s106.pdf

Gleich zu Anfang stellt Steiner die Frage nach dem Arbeitsantrieb. Und er konstatiert, dass es nicht genügt, einfach den »Egoismus« der Gewinnstrebenden in Frage zu stellen und wie es der »Sozialist« tut, das Gemeinschaftsleben und gemeinsame Wirtschaften als »Muss« für alle darzustellen. – Dadurch wird der Mensch »in seinem Wesen« nicht erreicht und angesprochen.

Der Appell an die »Leistungspflicht« für die Gemeinschaft, stößt auf taube Ohren.

Warum?

Dieses Prozedere übergeht den »individuellen Menschen«. Der Mensch will in seiner »Würde« angesprochen werden und nicht an seinen »niederen Instinkten«. Und er will auch nicht bessererwisserisch belehrt werden, wie und warum er seine Arbeit zu verrichten hat.

Die Dreigliederung besagt, dass das Wirtschaftsleben sich um seinen Bereich kümmert, die Produktion und Dienstleistung. Während das Rechtsleben den Rahmen schafft, in dem das Individuum seine Rechte gegenüber den Mitmenschen und den Wirtschaftsvertretern zur Geltung bringt. Im Geistesleben wiederum ist die Quelle zu sehen, für die Arbeitsmotivation. Ein »freies, auf sich selbst gestelltes Geistesleben« ermöglicht es den Individuen ihre persönliche Beziehung zum Gemeinwesen und den Mitmenschen zu entwicklen, indem das Subjektive, das Eigene geachtet und anerkannt wird. Was Grundlage ist dafür, dass der in seinen Indivualrechten »würdig« behandelte und anerkannte Mensch erkennt, welchen Wert diese Gemeinschaft für ihn hat, und er sie erhalten will, auch um seiner selbst willen. – Damit aber, erkennt er die Individualrechte der anderen genauso an, wie diese seine anerkennen. Dieses Bewusstsein stiftet Gemeinschaft.

Und wie das freie Geistesleben die Antriebe zur Ausbildung der individuellen Fähigkeiten erzeugen wird, so wird das demokratisch orientierte Rechtsstaatsleben dem Arbeitswillen die notwendigen Impulse geben. In den wirklichen Beziehungen, die sich herstellen werden zwischen den in einem sozialen Organismus vereinigten Menschen, wenn jeder Mündige gegenüber jedem Mündigen seine Rechte regeln wird, kann es liegen, dass der Wille sich entzündet, «für die Gemeinschaft» zu arbeiten. Man sollte daran denken, dass durch solche Beziehungen ein wahres Gemeinsamkeitsgefühl erst entstehen und aus diesem Gefühl der Arbeitswille erwachsen kann. Denn in der Wirklichkeit wird ein solcher Rechtsstaat die Folge haben, dass ein jeder Mensch lebendig, mit vollem Bewusstsein, in dem gemeinsamen Arbeitsfelde darinnen steht. Er wird wissen, wofür er arbeitet; und er wird arbeiten wollen innerhalb der Arbeitsgemeinschaft, in die er sich durch seinen Willen eingegliedert weiß.

S.52

Aber nichts anderes ist eine Grundeinkommens-Gesellschaft.

In ihr sind sich die Menschen bewußt, dass der wirtschaftliche Erfolg die Grundlage für die Existenzsicherung ist, die das »Bedingungslose Grundeinkommen« ausmacht. Weder werden die Menschen arbeiten, weil die Jobcenter-Mitarbeiter das so wollen, in Arbeitslagern, in »Beschäftigungsgesellschaften«, noch wird es die »Gewinngier« sein, die angeblich heute und in früheren Jahren, die Leute in den kapitalistischen Gesellschaften angetrieben hat, »stundenlang« täglich zu arbeiten. – Vielmehr ist es das Bewusstsein, dass das Wirtschaften ein gemeinschaftlicher Prozess ist, ein »Für-einander-Leisten«, welches die Produkte und Dienstleistungen erbringt, die wir alle für unsere Existenzsicherung brauchen. Wir arbeiten das, was nötig, ist und mehr nicht. Oder wir arbeiten mehr, weil wir individuell das so wollen.

Die heutige Hartz4-Zwangsarbeit ist eigentlich »sozialistisch«. Und damit »diktatorisch«. Sie gibt einer kleinen Clique von Leuten, »Politikern«, Politkadern, das Recht, andere Personen im Land zu einer Arbeit zu zwingen. Willkürlich gegen die »Würde des Menschen« zu agieren.

Noch sind wir Bürgerinnen und Bürger wie betäubt, und können es kaum fassen, dass uns dies passiert. – Unsere Aufgabe ist es nun, einen »Bürgerwillen« zustande zu bringen, der die gesellschaftliche Ordnung wieder in »menschengemäße« Bahnen lenkt. – Angetrieben dazu, werden wir durch die empörenden Aktionen der »Sklaventreiber« in den Regierungen.

Loyalität und Gemeinschaft

In den Texten von Sascha Liebermann erscheint immer wieder das Bild des »Bürgers«, der der Souverän im Land ist, und der seinen Bürgerstatus »leistungslos« inne hat und ausfüllen kann. – Gegründet ist dieses Recht aus seiner Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft. Ist diese bestätigt, dann erwächst ihm daraus eine »Würde«, die nicht relativiert, also an Bedingungen geknüpft werden kann.

.. nur wenn der Einzelne von sich aus bereit ist, unsere politische Ordnung zu tragen und Verantwortung zu übernehmen, kann ein demokratisches Gemeinwesen überhaupt bestehen. Wie wir also selbstverständlich auf diese Bereitschaft setzten, genauso selbstverständlich ist er Bürger, ohne irgendeine Pflicht zur Leistung erfüllen zu müssen. Er ist es leistungslos und zweckfrei, einfach Bürger um des Bürgerseins willen. An diesem Selbstverständnis unserer politischen Ordnung wird deutlich, worauf wir schon lange setzen, ohne ernsthaft daran zweifeln zu können: Ohne die Loyalität der Bürger, ihre Bereitschaft, sich an das Gemeinwesen zu binden, funktionierte in unserem Land gar nichts.

S.104 [1]

»Loyalität« halte ich für ein zu schwaches Bindemittel. – Zwar sagt Liebermann, diese Haltung sei in uns Menschen begründet, und durch unsere Sozialisation zustande gekommen, aber ich vermute, dass es sich dabei mehr um einen Wunsch des Autors handelt, als das dies bei den meisten Menschen tatsächlich sich so ereignet hat. – Und gegenüber was sollen wir »loyal« sein? Gegenüber Staat und Nation? Diese Begriffe sind entwertet. Wer sie noch verwendet, wird konservativ, traditionell oder noch schlimmer genannt. – Und selbst wenn wir es »Gemeinwesen«, Gemeinschaft nennen, dann wären wir einer anonymen Masse gegenüber loyal. Warum sollten wir das tun?

Heute, aus dem Stand heraus, würde ich meinen, können wir nicht mehr loyal sein. Weil zu viel Negatives sich in unseren Beziehungen abgespielt hat, zu viele Verletzungen gegenseitig sich zugefügt wurden, als das so ohne Weiteres es möglich wäre, füreinander einzustehen. – Heute arbeiten und leben wir »nebeneinander her«, ohne uns noch recht wahrzunehmen, immer beschäftigt mit dem »eigenen Kram«. – Der Umgang miteinander wird immer rauer, ruppiger, jeder ist sich selbst der nächste. Armut und Elend wird schulterzuckend zur Kenntnis genommen. Es ist halt so. Und wir gehen weiter unseres Weges und versuchen uns wegzuducken, damit »das Unglück dieser Zeit«, uns nicht allzu heftig trifft.

Was ich mir hingegen vorstellen könnte, ist, dass wir Bürgerinnen und Bürger einen »Zusammenhalt« untereinander für wichtig erachten, aus Einsicht heraus, und diesen »neu« begründen und uns erarbeiten. – Und die schlechte Entwicklung, die dieses Land hinter sich hat, zurücklassen und von Neuem beginnen, mit einer Vision von Bürgergesellschaft, die die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens vorwegnimmt. Und darauf aufbauend gründen wir diese Gemeinschaft, mit dem Wissen, das wir uns bereits über die Beschäftigung mit dem bGE erarbeitet haben. – Und dann würde ich jenes, was sich da entwickelt nicht »Loyalität« nennen, sondern einen Zweckverband von Individuen, der sachlich in Betracht zieht, dass ein Zusammenwirken, Zusammenarbeiten, Kooperieren sinnvoll ist, um ein Gemeinwesen für alle Menschen so zu gestalten, dass deren Würde geachtet und erhalten bleibt.

Gelingt uns das, wird sich daraus in der Folge Vertrauen bilden, welches unser Zusammen-Tun weiter stärken wird.

[1]
Götz W. Werner ; Ein Grund für die Zukunft: das Grundeinkommen – Interviews und Reaktionen

Gegenseitigkeit und Gemeinschaft

Hier geht es erst einmal ums Prinzip: das bedingungslose Grundeinkommen verletzt das Prinzip der Reziprozität.

https://skeptischeoekonomie.wordpress.com/2017/02/16/nun-sag-wie-hast-dus-mit-dem-bedingungslosen-grundeinkommen/

Was meint der Autor damit? Hat das etwas mit der Realität zu tun? Eher nicht.

Sascha Liebermann beschreibt ein solches Denken als »Leistungs- und Bilanzprinzip«. Es werden die Vorgehensweisen in der Güterproduktion, in einem Unternehmen, mit denjenigen gleichgesetzt, die im zwischenmenschlichen Bereich, im Privatleben stattfinden. – Ist ein solches Verfahren aber berechtigt?

Sascha Liebermann spricht davon, dass wir Menschen »bedingungslos« anerkannt sind, in der Familie wie auch im »Gemeinwesen«.

Bürger ist man qua Status und nicht qua Leistung. Ein Gemeinwesen ist auf Loyalität angewiesen. Ist diese Loyalität fragil, gefährdet sie sein Fortbestehen. In einer politischen Vergemeinschaftung von Bürgern sind also alle von allen abhängig, es kann nicht bilanziert werden. ….
Das Zugehörigkeitsprinzip würde unterminiert, stellt man ihm ein Leistungs- oder Bilanzprinzip, bestimmte Dinge tun zu müssen, um den Status zu behalten, an die Seite. Es ist also genau dieses Aufrechnen dem nicht angemessen, was ein Gemeinwesen auszeichnet.

S.208 [1]

Wenn wir aber einen Moment innehalten, und überlegen, wie ist es in den eigenen Familienbeziehungen geregelt, in den etwas größeren Gemeinschaften (Wohngemeinschaft, Lebensgemeinschaft, Verein, Gruppe), dann ist es schon so, dass eine gewisse »Reziprozität« vorhanden ist. Aber sie muss ständig neu austariert werden. Die Regeln dafür, sind von allen Teilnehmern mitgestaltbar. Es findet darüber ein permanenter Austausch statt. – Wer den Abwasch nicht macht, obwohl er dran ist, kriegt halt Ärger. Aber er kann auch ausziehen, oder die anderen ziehen aus.

Und Sascha Liebermann hat recht, wenn er anmerkt, dass wir in einem Gemeinwesen »bedingungslos« anerkannt sein müssen. Dabei stellt er den Bürger so in die Gemeinschaft, dass dieser eine »unverrückbare« Anerkennung erfährt. Nicht die Frage ist relevant, ob er irgendwelche »Aufgaben« erfüllt hat, um dazuzugehören, seine Zugehörigkeit zur Gemeinschaft ist vielmehr über seinen Status im Verbund der Menschen erklärt. – Es ist sein Bürgerstatus, der ihn zugehörig macht.

Ein Abwehrrecht der Gemeinschaft gegenüber dem Einzelnen gibt es nicht, es sei denn, er gefährdet den gesamten Verband. Andererseits gibt es auch in Gemeinschaften so etwas wie eine »Aufgabenverteilung«. – Aber an ihr wirken wir alle mit. Man könnte sagen, das ist die allgemeine politische Arbeit, das Organisieren der Gemeinschaft. Das, was die Politiker jeden Tag machen, und bei dem wir Bürger dringendst mitwirken müssen, weil so vieles schlecht von dieser Berufsgruppe erledigt wird.

»Reziprozität« muss also nicht gefordert, sondern möglich sein. Und weil direkt-demokratische Elemente in Deutschland so gut wie keine Rolle spielen, wird die Mitwirkung des »Souveräns« eher erschwert.

Die Aussage, dass in einer Grundeinkommens-Gesellschaft die Reziprozität fehlen würde, ist also erstmal nur eine Behauptung. Und sie scheint vielmehr ein Vorwand zu sein, um das Grundeinkommen sich vom Leib zu halten, weil mit ihm »mehr Menschen« bei der Aufgabengestaltung und -bewältigung mitwirken könnten. – Womöglich haben jene, die heute das Sagen haben, Angst, ihnen würde in einer Grundeinkommens-Gesellschaft die Zuständigkeit streitig gemacht.

Die wahrscheinlich grundlegendste pragmatische Frage, die das Grundeinkommen betrifft, ist: lässt es sich überhaupt finanzieren? An dieser hängt eine Unzahl an Unterfragen, und auch wenn manchmal so getan wird, als ob sie einfach zu beantworten wäre, ist dies mitnichten der Fall. Der natürliche Ausgangspunkt der Überlegungen, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen finanzierbar ist, ist ein Blick auf die staatlichen Sozialausgaben, denn üblicherweise wird unterstellt, dass das Grundeinkommen alle oder fast alle Sozialleistungen ersetzen würde.

Der Autor startet die »Finanzierungsdiskussion« an der falschen Stelle. – Es ist eben nicht der »natürlichste Ausgangspunkt«, auf die staatlichen Sozialausgaben zu schauen. – Viel »natürlicher« wäre es, erst einmal zu überlegen, was »Grundeinkommen« eigentlich bedeutet.

Auch wenn wir ständig über Geld reden, so ist doch mit »Grundeinkommen« in Wirklichkeit gemeint alles, was wir für die Existenzsicherung praktischerweise brauchen: Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie. »Geld« können wir nicht essen und dient nur als momentanes »Zugriffsrecht« auf diese Waren. (Außerdem ist es in beliebiger Menge »billig« produzierbar.) – Das Zugriffsrecht auf die Güter die wir brauchen (die Wertschöpfung), können wir aber jederzeit auch anders organisieren.

Dass das Grundeinkommen »fast alle Sozialleistungen« ersetzt, stimmt nicht. – Es ersetzt einzig die heutigen Existenzsicherungszahlungen und passt sie in menschenwürdiger Höhe an. – Und es gibt viel mehr Sozialleistungen, als nur die Existenzsicherung. – Diese bleiben erhalten, bei Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens.

[1]
Sascha Liebermann ; Aus dem Geist der Demokratie: Bedingungsloses Grundeinkommen

Was muss Wirtschaft leisten – – Was ist Konsum

Baukje Dobberstein spricht in ihren Beiträgen immer wieder wichtige Themen an. So auch in diesem Beitrag auf ihrem Blog. Es geht um Konsum.

https://baukje23.blogspot.de/2017/01/konsumkritik.html?m=0

Das Erste was mir auffällt, ist, dass Frau Dobberstein »Konsum und Bedarf« in einem quasi luftleeren Raum diskutiert. »Nach oben« und nach unten scheint alles offen zu sein, was an Verbrauch, Konsum, Bedarf und Produktion möglich ist. Sowohl die Ausweitung, als auch die Einschränkung des Konsums lässt sich offenbar kaum sinnvoll eingrenzen. – Aber ist das so?

Nehmen wir den Bedarf. Er richtet sich nicht zuletzt nach unserer »Physis«. Können wir am Tag zehn Laib Brot essen? Oder 5 Teller Spaghetti? Mit wie vielen Autos können wir in der Woche fahren. Wie viele Flaschen Wein können wir in 7 Tagen trinken?

Die Wahrheit ist doch, dass wir als Individuum nur eine »begrenzte Menge Güter« verkonsumieren können!

Täglich, wöchentlich, monatlich und so weiter. – Und allein das schon »begrenzt« die Produktion und den Verbrauch von Gütern und Serviceleistungen, bezogen auf die Anzahl der Menschen.

So lässt sich eigentlich sehr genau berechnen, wie viele Nahrungs-Güter eine Person im Monat verbraucht, damit sie nicht sterben muss, wie viel Energie sie braucht, damit sie warm genug lebt, im Winter, wie groß eine Wohnung sein muss, welche »Menge an Gütern«, zum Beispiel Kleidung, ein Mensch jährlich braucht. Und diese von mir nur sehr grobe Eingrenzung des »notwendigen Verbrauchs an Gütern«, den ich den einzelnen Menschen zugeordnet habe, geschieht schon lange in einem viel genaueren Maße bei den »Sozialhilfe-Warenkörben« durch die staatlichen Verwalter zum Beispiel hier in Deutschland, etwa bei der Berechnung der Hartz4-Geldbeträge.

https://de.wikipedia.org/wiki/Regelbedarfs-Ermittlungsgesetz

Der Staat berechnet aufs Genaueste, wie viele »Güter des täglichen Bedarfs« der Mensch monatlich braucht, um »überleben« zu können, damit er diesem dann genau so viel Geld gibt, für den Erwerb dieser Güter.

Hier das Beispiel aus Wikipedia:

sozialhilfe-warenkoerbe-wikipedia

Dobberstein:

Das ist für viele eine totale Horrorvorstellung. Zurecht. Denn wenn das Ganze ungesteuert und sehr schnell vonstattengeht, dann kommt es schnell zu einem Mangel von Wesentlichem.

Meistens ist die beste Lösung irgendwo in der Mitte zu finden. Zwischen der Überflussgesellschaft und der Mangelgesellschaft, da liegt die Bedarfsgesellschaft.

Es gibt Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE), die sich davon eine Steigerung des Konsums und damit auch Wirtschaftswachstum versprechen. Weil man davon ausgeht, dass wenn man ärmeren Schichten mehr Geld gibt, dass sie das zum überwiegenden Teil zum Konsum im Inland nutzen werden.

Wie viel Wohlstand brauchen wir eigentlich?

So wie es Frau Dobberstein darstellt, kommt der Eindruck zustande, wir Menschen hätten keine Maßstäbe bezüglich Produktion und beim Verbrauch von Gütern. – Doch es ist anders.

Auch die Unternehmen sind daran interessiert, zu wissen, was die Kunden kaufen.

So können sie besser ihre Produktion planen, oder ihre Großhandels-Einkäufe tätigen. Unternehmen erfahren zum Beispiel vom Konsumverhalten ihrer Kunden über die »Payback-Kundenkarte«.

https://de.wikipedia.org/wiki/Payback_(Bonusprogramm)

Die Menge dessen, was ein Mensch verkonsumieren kann, lässt sich berechnen. Dadurch wird der Konsum, aber auch die Produktion und die Wirtschaft insgesamt, zu einer überschaubaren Größe. – In das kleine Bäuchlein des Menschen geht gar nicht so viel rein und die Menge der zu produzierenden Kühlschränke lässt sich ebenso genau vorhersagen.

Es ist doch vielmehr so, dass wir es gewohnt sind, uns »anschmieren« zu lassen, von den Wirtschafts-Journalisten, den Rundfunk-Mitarbeitern, die uns »einen Bären aufbinden«, wenn sie von dem Auf-und-Ab auf den Wirtschaftsmärkten erzählen, den »Stimmungen«, dem Hoch und Tief an den Börsen, und den Kauf- und Verkaufslaunen bei den Aktiengeschäften. – All das erweckt den Eindruck, als wäre das Wirtschaftsgeschehen völlig undurchschaubar, zumindest für den einzelnen Bürger. – Die Sachlage sieht aber anders aus.

Sowohl der Staat, als auch die Wirtschaft berechnen sehr genau, was produziert werden muss, um eine Bevölkerung versorgen zu können, und was einem Menschen an Verbrauchsgüter zugestanden werden muss, damit er nicht zugrunde geht.

Aber was bedeutet das, wenn es so einfach ist? Und was bedeutet es für die Betrachtung, die Frau Dobberstein angestellt hat?

Die Existenzsicherung betrifft, was wir Menschen brauchen, an Gütern, damit wir nicht zugrunde gehen, damit wir, wenn die Menge großzügig bemessen ist, »gut leben« können. Diese Menge ist auch das »Grundeinkommen«. – Sie lässt sich als Produktionsmenge, und das Äquivalent, die Geldmenge, sehr genau berechnen. Es ist somit überhaupt kein Problem ein Grundeinkommen einzuführen, wenn sich Politiker, Finanzfachleute, Handel und Produzenten absprechen, und für alle Einwohner eine maßgeschneiderte Berechnung vornehmen.

Ich selbst glaube, dass dies eine Tendenz in Richtung »Planwirtschaft« haben wird, aber im positiven Sinne. In Form von Assoziationen und Kooperationen und ganz allgemein gesprochen, mittels Zusammenarbeit, werden die beteiligten Gruppierungen in der Gesellschaft für das Gemeinwesen arbeiten.

Die Bandbreite der Konsummöglichkeiten und Einschränkungen, in der sich ein einzelner Mensch bewegen kann, ist im Vergleich dazu, was gesamtgesellschaftliche Vorgänge betrifft, oder die Produktions- und Konsumvorgänge auf der ganzen Erde, völlig bedeutungslos. Der Einzelne kann nur »bezogen auf sich selbst« mittels seines Konsumverhalten großen Schaden anrichten oder vorteilhaft für seine Gesundheit sich verhalten. – In Bezug auf die gesamte Gesellschaft (Weltgesellschaft) hat das Verhalten eines konkreten Einzelmenschen überhaupt keinen Effekt.

Bei Konsum, Produktion, Verbrauch und Bedarf geht es somit um »Orientierung«. – Welche Produktion ist überhaupt »notwendig«? Welche Mengen kann ein Einzelmensch überhaupt »physisch« verbrauchen? Welche Produktion ist eher unwichtig und von »Werbung« erst in unser Bewusstsein gerückt? Und welchen Anteil an der Produktion braucht der Einzelmensch zwingend, um sich selbst am Leben erhalten zu können?

Verantwortung der Weltgemeinschaft und die des Einzelnen

ZITAT:
„Dies ist kein Bürgerkrieg der in Syrien stattfindet und auch kein Krieg Assads gegen seine Bevölkerung. Es ist Präsident Assad, der mit seiner Bevölkerung als eine Einheit gegen ausländische Truppen und Terrororganisationen kämpft, die aus dem Ausland finanziert werden, gegen das syrische Volk! Diese Terrorgruppen wechseln ihre Namen beinahe täglich, um ihre Identität und ihre Geldgeber zu schützen. Hinter diesen Terrororganisationen stehen Saudi Arabien, Katar, die Türkei, die USA und sogar teilweise Israel. Die gesamte Idee des Regimechanges ist nach internationalem Recht illegal. Die Amerikaner haben nicht das Recht zu bestimmen, wer in Syrien die Führung hat.“ (Madelyn Hoffman, Direktorin der New Jersey Friedensaktion)

Twitter-User:
In Sachen Propoganda tun sich alle Seiten nichts, dass RT da nun wesentlich schlimmer sein soll als ´unsere`, sehe ich nicht so. In diesem speziellen Fall ist RT nur der Überbringer der Nachricht. Die Aussagen stellt nicht RT, sondern die US Delegation in den Raum. Wer meine Posts verfolgt, weiss, dass ich die Lage in Syrien von verschiedenen Seiten beleuchte, es gehört nicht zu meinen Hauptthemen und ist nichts, wozu ich eine abschließende Meinung hätte, ausser, dass vökerrechtlich gesehen alleine die Syrische Armee und Russland dort agieren dürfen. Auf welcher rechtlichen Grundlage die westliche Koalition sich dort tummelt, muss mir erst noch einer erklären.

Vielen Menschen erscheint ein »Kriegsende« viel wichtiger, als zu wissen, warum ein Krieg überhaupt besteht oder wie er zustande kam.

Gestern Abend war eine Botschaft im sozialen Netzwerk »Twitter« zu vernehmen. Ich hatte mir den Text, den ich interessant fand, notiert und wollte am nächsten Morgen den Link zu den Beiträgen kopieren, aber die Beiträge waren verschwunden und nicht wieder aufzufinden. Waren die Beiträge von den Twitter-Nutzern entfernt worden, oder war die amerikanische, kapitalistisch-orientierte Firma, die den Nachrichtendienst »Twitter« betreibt, selbst als Zensor tätig, man weiß es nicht.

Jetzt habe ich bloß diese Texte, die ja eigentlich nur für mich Anlass waren, über den Syrien-Krieg nachzudenken und die Rolle, die wir Menschen als »Bürger in der Welt« haben, zu reflektieren.

In den dort getätigten Aussagen geht es um die Frage, wer eigentlich »völkerrechtlich« in dem Land Syrien »bestimmen« darf, wer »zu Recht« in diesem Land herrschen darf. Wer also »die Bösen« sind, und wer die Guten. Und die Frage, wer für das Leid der Menschen dort die Verantwortung hat. Es wird unterschieden zwischen Assad-Truppe, Russland und »den anderen«, westliche Gruppen, USA, Türkei, …. IS. – Es wird gesagt, dass es Assad’s Land sei, und die »westlichen Truppen« sich dort nicht einzumischen hätten.

Bürgerkriege entstehen durch Scharmützel, begrenzte, lokale Auseinandersetzungen, die sich immer mehr ausweiten. Wir erfahren von ihnen über die Propaganda-Medien, die wir zwangsfinanzieren müssen. In Deutschland ist es der »öffentlich-rechtliche Rundfunk«, der von Politikern und Parteien aufgebaut wird, mittels Milliarden Euro, die »per Gesetz« den Bürgerinnen und Bürgern abgenommen werden. – Ob die Aussagen in diesen Medien korrekt sind, ist anzuzweifeln, weil es ein »von den politischen Verwaltern« per Gesetz kontrollierter Medienapparat ist. Und die heutige Politik vertritt nicht die Bürgerinteressen, sondern Lobbyinteressen. Zu erkennen ist dies an dem hohen Anteil der »Nichtwähler« und dem schlechten Image, dass die Politiker bei den Bürgern haben. – Die ehemals »Parlamentarische Demokratie« ist ein Selbstbedienungsladen für Lobbyisten geworden. Ursprünglich sinnvolle Institutionen, wie der »Rundfunk«, sind mittlerweile Teil des politischen Machtinstrumentariums.

Es ist also nicht klar, ob die »Nachrichten« in den Medien, und in der Presse, die von »Eigentümern« und Unternehmern kontrolliert wird, uns die »Wahrheit« übermitteln. Insofern sind solche Twitter-Nachrichten wichtig. – Wie sollen wir Bürger uns sonst eine Meinung bilden, wenn wir nicht Zugang zu verschiedenen Informationsquellen haben.

Wer kann sich noch an den Beginn des Syrienkrieges erinnern? Wie war das. Wenn es ursprünglich ein »Bürgerkrieg« war, bei dem sich Teile der Bevölkerung gegen Assad gewendet haben, woher hatten diese Bevölkerungsteile »schwere Waffen«, die ja für eine Kriegsführung unbedingt notwendig sind?

Wenn der Besitz schwerer Waffen in den meisten Ländern der »Staatsführung« zusteht, und das auch kontrolliert wird, wie kam es, dass die »Rebellen« plötzlich über schweres Kriegsgerät verfügten? – Es ist somit anzunehmen, dass solches Kriegsgerät »von außen« ins Land gebracht wurde. Von wem? Dann wäre schnell die Frage im Raum, wer hat Interesse daran, dass Assad seine Macht verliert.

Ein Krieg wird der Weltbevölkerung dann bewußt, wenn er medial ausgeschlachtet wird, wenn die Toten und Verletzten auf der Mattscheibe zu sehen sind und die Flüchtlinge auftauchen, und in den meisten Fällen wollen die Menschen überall auf der Welt, immer nur, dass der Krieg möglichst schnell wieder aufhört. Weil sie das Leid der Menschen nicht wollen, weil sie das Elend nicht länger anschauen möchten. – In solchen Fällen tritt schnell die Frage in den Hintergrund, warum es überhaupt soweit kommen konnte, dass die Menschen sich gegenseitig die Schädel einschlugen.

Der »Normalbürger« kommt dann ins Spiel, wenn es darum geht »zu helfen«, die Kriegsschäden an Leib und Natur wieder zu heilen und alles »wieder aufzubauen«. Aber bei der Entstehung von Konflikten, beim Umgang mit Konflikten, wenn sie gerade beginnen, sind die normalen »Citizen« nicht involviert, nicht beteiligt. – Aber sollten wir nicht besser beteiligt sein?

Als Staatsbürger müsste es in unserem Interesse sein, dass Konflikte frühzeitig gelöst, und kriegerische Auseinandersetzungen »im Keim erstickt« werden. Das heißt, kriegerische Auseinandersetzungen sollten sich erst gar nicht ausweiten können.

Um nun die Frage besser diskutieren zu können, wie wir Menschen und Normalbürger in den Ländern, frühzeitig mit in die Entscheidungen über Kriegshandlungen miteingebunden werden können, beziehe ich mich nochmal auf diese Textauszüge, die ich in Twitter fand.

Dort wird das »Völkerrecht« zitiert, aber noch vor dem Völkerrecht steht doch das eigene Rechtsempfinden! Denn was nützt es, wenn »andere« Recht definieren, und der Einzelmensch könnte diesen Rechtsauffassungen nicht zustimmen. – Dann wären solche Rechtskonstruktionen »für die Katz«. – Aber das der Twitter-User das Völkerrecht zitiert, weist darauf hin, dass auch diese Person nach Orientierung sucht, wie bestimmte Situationen zu bewerten sind, wie man sie bewerten sollte.

Welches Recht soll gelten, wenn sich zwei Gruppen streiten? Das müssen wir als Einzelmensch entscheiden, wenn wir selbst zu einem Urteil kommen, wenn wir selbst Partei ergreifen, wenn wir selbst uns »aktiv« einmischen wollen.

Um Streitereien bewerten zu können, schaue ich auf die Verhältnisse in den Ländern und frage, ob die Staaten, in denen es zu Unfrieden kommt, »menschenwürdig« organisiert waren, bevor es zu den Kriegshandlungen kam. – Wäre das nicht der Fall, und sind diese Staaten diktatorisch, menschenverachtend, die Menschenrechte verletzend organisiert und geführt, wie könnte ich da wollen, dass diese Zustände fortbestehen, etwa in dem die für diese Zustände verantwortlichen Herrscher weiterhin an der Macht bleiben?

Wenn es also zu Kriegshandlungen kommt, wäre meine Frage, welche gesellschaftliche Ordnung wird da bedroht und angegriffen, welches Staatengebilde kämpft da um seine weitere Existenz. Zu allererst wäre also bei Kriegsbeginn zu schauen, ob das Individuum sich schützend vor eine staatliche Ordnung stellen würde, und bereit wäre, für den Erhalt dieser Ordnung zu kämpfen und vielleicht sogar zu sterben. – Für welche politische Ordnung würden Sie heute »militärisch«, durch Einsatz ihres Lebens eintreten?

Wenn ich mir heute die Staaten in der Welt anschaue, so ist kein Staat es wert, dass sich der Bürger für ihn einsetzt. Und gerade die Weltmächte, und ihre peinlichen und gefährlichen Führungsfiguren geben nicht das Bild von erstrebenswerten Staaten ab, in denen Bürger gerne leben würden. – In keinem Staat werden die Menschenrechte geachtet, überall herrscht »Arbeitpflicht«, Arbeitszwang, da nirgendwo ein Bedingungsloses Grundeinkommen gewährt wird. Und die Menschen sind wie im Mittelalter verpflichtet sich zu »verdingen«, um an Einkommen zu gelangen. So haben wir auch heute noch Zustände, in denen die Menschen versklavt werden. – Aber wer würde so einen Sklavenhalterstaat mit Waffengewalt verteidigen wollen?

Somit gibt es heute keine idealen Staaten, keine gute Staatsordungen, die Ungerechtigkeiten gegenüber Bevölkerungsteilen vermeiden, die für faire Lebensverhältnisse sorgen. – Aber andererseits haben wir selbstverständlich Staatengebilde, die »relativ« besser organisiert sind, die relativ mehr Freiheiten den Bürgerinnen und Bürgern einräumen als andere. Und wir haben im Gegensatz dazu, heute eindeutig »diktatorisch« verwaltete Staaten, Unrechtsregime, totalitäre Staatsordnungen, die sich von sogenannten »demokratischen« Staaten doch massiv unterscheiden. – Das heißt, in einem Kriegs- und Krisenfall würden wir uns schon entscheiden, welchen Staatsordnungen wir uns näher fühlen, in welche Länder wir im Notfall lieber fliehen würden, für welche Länder wir im Notfall sogar kämpfen würden.

Es wäre also nicht die Frage, wer gemäß des »Völkerrechts« ein Land kontrollieren darf, sondern ob die dortige staatliche Ordnung »verteidigungswürdig« ist. – Und gerade auch deshalb, um »Fluchtgründe« zu verstehen, um zu einer Bewertung von Fluchtursachen zu gelangen, ist es wichtig, zu weltweit gültigen Maßstäben zu gelangen, wie Verhältnisse in Ländern einzuschätzen sind. – Wer behauptet, Rechtsverhältnisse, soziale Zustände seien »natürlich gewachsen«, über Jahrhunderte entstanden und seien deshalb nicht anzutasten, vertritt arg kritikwürdige Positionen. Denn mit solchen Argumenten ließe sich jede Diktatur, oder archaisch-organisierte Clangemeinschaft rechtfertigen, mit all dem damit verbundenen Leid, das den Menschen dort zugefügt wird.

Wäre es deshalb nicht erstrebenswert, wenn die Weltgemeinschaft definieren würde, welche Formen staatlicher Ordnung sie als »Standard« überall in der Welt für angemessen ansieht, und für was sie sich, aufgrund dieser Einschätzungen, überall in der Welt einsetzt?

Wer will in einen Krieg ziehen, wenn die Werte, die mit einem Krieg anvisiert sind, nicht Menschenwürde, Menschenrechte, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit enthalten?

Und mit was wollen diejenigen, die eine Kriegspartei unterstützen, die ausdrücklich totalitäre und diktatorische Gesellschaftsordnungen vertritt, ihr Engagement rechtfertigen? – »Das Alte« beibehalten, weil es immer schon so war?

Zusammenfassung:

Bei kriegerischen Auseinandersetzungen muss gefragt werden, was soll erhalten bleiben, was soll verändert werden. Welche Gesellschaftsordnungen »sind es wert«, fortzubestehen? – Für welche staatliche Ordnung setze ich mein Leben ein?

Mehrdimensionale Sichtweise bezüglich Einzelthemenbehandlung

Norbert Häring hat einen interessanten Artikel veröffentlicht, der darauf hinweist, dass es nicht mehr genügt, sich »einem Thema« zu widmen. – Es muss gleichzeitig immer überprüft werden, ob die Art, wie das Thema angegangen wird, nicht noch weitere Themenfelder tangiert. Ist dies der Fall, muss zusätzlich eine »Gesamtbetrachtung« vorgenommen werden, wie das Thema in der Öffentlichkeit platziert wird.

Raubtiere unter Veganern: Wie die Antideutschen alternative Milieus aufmischen

Ich möchte jetzt nicht Herrn Härings Hinweise weiterbehandeln, sondern den Zusammenhang anhand eines beliebigen Beispiels verdeutlichen. – Stellen sie sich vor, sie würden eine Veranstaltung zum »Umweltschutz« machen, und den »Raubbau an der Natur« in einer ausschweifenden Darstellung eines Einzelfalls versuchen. Eigentlich eine völlig harmlose Angelegenheit, die wieder mal deutlich macht, wie wir mit unserem Planeten umgehen und das wir das so nicht machen sollten. – Eine typische »Ein-Themen-Veranstaltung«, wie sie so in ähnlicher Weise ständig vorkommt.

Doch wenn wir die Lupe nehmen und uns die Veranstaltungsankündigung genauer anschauen, fällt doch einiges auf. – Der Referent hat schon häufiger mit dem öffentlichen Rundfunk zusammengearbeitet, heißt es in der Beschreibung, und mehrere Produktionen hat er für die öffentlich-rechtlichen Anstalten gemacht. – Uupps. Das erste Fettnäpfchen. – Wie kann eine Veranstaltung mit einem Referenten geplant werden, der mit unlauteren Mitteln sich sein Einkommen aufbessert? Wer von »weggenommenem Geld« lebt, kann nicht als Gesprächspartner ernst genommen werden. Solche Leute einzuladen, ist empörend. – Der Rundfunkbeitrag, mit dem solche Personen sich ihren Lebensunterhalt verdienen, ist eine Unrechtskonstruktion, gegen den millionenfacher Protest in ganz Deutschland stattfindet.

Dann müssen wir noch einmal auf das Thema selbst schauen. Umwelt ist wichtig. Ohne Frage. – Geht es darum, wer Schuld hat? Der Veranstalter schreibt in seiner Ankündigung, dass der »obszöne Konsum« die Ursache ist und »Wachstum« die Ausbeutung des Planeten antreibt.

Jetzt wäre zu schauen, wer kommt zu der Veranstaltung. Wahrscheinlich der »gewöhnliche Mensch«, der Durchschnittsbürger, die »ökologisch Interessierten«. Während der ganzen Veranstaltung wird gezeigt, wie die indigenen Einwohner von dem »weißen Mann« fertiggemacht und ihr Land ruiniert und ausgebeutet wird. Der Durchschnittsbürger in der westlichen Industrienation. wird sich zwei Stunden oder länger diese Anklagen anschauen und mit einem schlechten Gewissen heimgehen, »weil er auch weiß ist«. – Aber wer sind die Schuldigen an der Ausbeutung der Rohstoffvorkommen in aller Welt? Millionen von Dollar oder Euro sind vonnöten, um Firmen auf die Beine zu stellen, die für solche Freveltaten verantwortlich sind. Der »kleine Mann« hat das Geld gar nicht, um dieses Unheil anrichten zu können. – Und trotzdem hockt er da und darf »sich den Schuh anziehen«. – »Die Reichen«, die diese ganzen Geschäfte machen, und auch den meisten, insbesondere den »obszönen« Konsum zu verantworten haben, werden nicht bei dem Termin anwesend sein, und sich die Anklagen anhören.

Und wie sieht es aus mit »Wachstum«? Wessen Steckenpferd ist das? Mit Wachstum hat der gewöhnliche Bürger gar nichts am Hut, weil für wirtschaftliches Wachstum Investitionen notwendig sind. Die Gelder dafür kommen von den Banken und angetrieben wird der Wachstumswahn von unseren Regierungen und Parteipolitikern. – Auch diese sitzen nicht bei der Veranstaltung. Wozu auch. Sie wollen mit Investitionen und Wachstum neue Arbeitsplätze schaffen. Da muss der Umweltschutz halt zurückstehen. Es geht nicht anders, werden die sagen. – Von ihrer »Arbeitsideologie« werden sie nicht abrücken.

So bleibt nur der sozial und umwelt-engagierte »harmlose« Bürger übrig, der es sich gönnt, alles auf seine Kappe zu nehmen. – Wenn man schon nichts ändern kann, so sollen wir doch wenigstens darunter »leiden«, dass die Welt so schlecht ist und wir sollen denken, »irgendwie sind wir ja Mitschuld an dem Elend«.

Es ist allerdings auch möglich, solche Ein-Themen-Veranstaltungen »mehrdimensional« zu sehen, sie unter die Lupe zu nehmen, und dann lässt sich die Zeit sinnvoller verbringen, wenn die negativen Aspekte eines Projektes erkannt werden.


Natürlich sollen alle Menschen sich informieren, über die Vorgänge in der Welt, was alles Negatives passiert. – Aber heute sollten wir solche Veranstaltungen anders konzipieren. Wir sollten mit »unbelasteten Personen« arbeiten und den Schwerpunkt auf die »sinnvolle Veränderung« legen. – Statt stundenlange Anklagen, besser »Lösungswege, wie wir da rauskommen«, wie wir nachhaltig leben können, ohne übermäßigen Ressourcenverbrauch, ohne Umweltschäden anzurichten. – Und das ist möglich.

Statt den Arbeitsideologen zu folgen, mit ihrem Wachstumswahn, der die Umwelt zerstört, könnten wir in den Gesellschaften ein Bedingungsloses Grundeinkommen einführen. – Dies würde augenblicklich zu einem ressourcenschonenden Wirtschaften führen. – Warum?

Weil niemand mehr verpflichtet wäre, jeden Unfug zu arbeiten, nur weil die Jobcenter einen dazu nötigen, nur weil einer einen Job anbietet, der angenommen werden muss, damit die Existenz gesichert ist, obwohl der Arbeitgeber, ein Sägewerkbetreiber, den ganzen Wald abroden will. Und so macht der Arbeitslose mit, bei der Umweltzerstörung, nur weil er das Geld zum Leben braucht, und nicht, weil er diese Arbeit, diese Taten gut findet.

Mit einem Grundeinkommen hätte der Arbeitslose »Wahlfreiheit«. Er könnte sagen, bei dem Sägewerkbesitzer arbeite ich nicht. Der zerstört den Wald. Und bei dem Waffenproduzenten arbeite ich auch nicht. Der versorgt mit seinen Waffen die Mafia, die Kriminellen und die Schützenvereine. Und der Arbeitslose könnte sagen, ich arbeite nur in den Bereichen, die »notwendig« sind. – Und das bestimme ich selbst, das erkenne ich selbst.

Und so könnten Umweltschutz-Veranstaltungen auch sinnvoll zustande kommen. Zum Beispiel wenn sie von Umweltaktivisten gemeinsam mit Grundeinkommens-Befürwortern gemacht werden. Dann ist das eine »produktive« Sache. Und es geht nicht darum, sich gegenseitig zu beschuldigen, sondern gemeinsam die Gesellschaften konstruktiv und erfolgreich voranzubringen.


Jetzt werden sie vielleicht noch fragen, was hat das nun mit Norbert Härings Artikel zu tun. – Ja, sie machen eine Veranstaltung »gegen Diskriminierung«. »Ihr Klientel« wird diskriminiert. Und dann werden sie gefragt, ob sie auch gegen die Diskriminierung der anderen sind. Der »einen« anderen. Wenn sie »ja« sagen, haben sie damit aber die Interessen der anderen Diskriminierten verletzt. Und das hätte ihnen nicht passieren dürfen. Sie werden wegen dieses Fehlers ein »Etikett« erhalten, dass sie nur noch schwer loswerden. – Das bedeutet, wenn sie eine Veranstaltung machen, zu einem Thema, dann müssen sie »alle« Aspekte berücksichtigen, die mit ihrer Aktivität in Verbindung stehen können, um nicht bei einem »Fehlverhalten«, in eine Schublade eingeordnet zu werden.

Oder nochmal anders formuliert: Niemand darf mehr so naiv sein, und einfach eine Haltung oder eine Idee haben und das so öffentlich machen. Oder schlimmer noch, »neutral« einen Sachverhalt beobachten. – So etwas ist einfürallemal vorbei. Wer kein Zuhause hat, ist womöglich auf Seiten des Feindes. Bei wirklich allen Positionen des Lebens müssen wir jetzt immer im Gepäck haben, unsere unbedingte Loyalität zu den Einen oder den Anderen. – Auf beiden Seiten als getarnter »Reporter« rumschnüffeln, geht nicht mehr. – Und wahrscheinlich macht sich schon ein Blogger verdächtig, wenn er sich nicht auf seiner Seite »solidarisch erklärt« für die gerechte Sache der Einen. Dass er gleichzeitig auch Verständnis hat, für die anderen, ist unmöglich und undenkbar. – Es gibt nur »entweder, oder«.

Arbeitspflicht?

Marc Desaules Beitrag erschien auf einem Blog mit dem Titel »Pamphlet«. – Desaules stört sich daran, dass anthroposophisch-orientierte Grundeinkommens-Befürworter sich auf Rudolf Steiner beziehen, wenn sie für ihre Idee werben. Er behauptet, Rudolf Steiners Aussagen weisen auf den Preis hin. Der »Preis« ist die Lösung.

Richtiger Preis statt bedingungsloses Grundeinkommen

Herr Desaules stellt die These auf, Armut und Ausbeutung hingen einzig mit »dem Preis« zusammen. Und nicht ein Grundeinkommen, sondern ein angemessener Preis würden vieles Unrecht heilen.

Dazu muss gesehen werden, wie Herr Desaules »Wirtschaft« sieht. Er sagt:

Auch arme Leute, wenn sie zu niedrige Preise bezahlen, verursachen Übel und Armut in der Welt durch ihre Art der Bezahlung. Von Bedeutung ist nicht, wie viel man hat, sondern wie viel man bezahlt.

Das, was Götz Werner ein »Füreinander-Leisten« nennt, wird bei Desaules zur »Pflicht«:

In diesem Sinne hat man keine Rechte, sondern nur Pflichten seinen Mitmenschen gegenüber. Dass Arbeit eine solche Pflicht ist, wird zum Beispiel …..

Er sagt, die »Trennung von Arbeit und Einkommen«, würde von den Grundeinkommens-Befürwortern missinterpretiert, wenn sie Steiners Aussagen so deuten, dass der Unternehmer den Angestellten(-Menschen) nicht bezahlen könne. Vielmehr, so deutet Desaules an, sei es der Arbeitnehmer, der sich falsch verhält, weil er »Lohn fordert«:

Das hauptsächliche Problem liegt nicht an den institutionellen Rahmenbedingungen der heutigen Arbeitswelt, sondern an der inneren egoistischen Haltung, für den Lohn zu arbeiten (anstatt um der Arbeit selbst willen). Mit anderen Worten, es ist das Arbeiten für das Einkommen, das die Arbeit mit dem Einkommen verknüpft. Und es ist diese Gesinnung ….

Würde der Arbeiter nicht so handeln, hätten wir gar nicht das Problem der »Kopplung von Arbeit und Einkommen«.

Auch die Ursache, die zu einer Trennung von Arbeit und Einkommen führt, nämlich der Warencharakter der menschlichen Arbeitskraft, existiert nach Marc Desaules eigentlich gar nicht.

Denn wenn wir dieser Kraft ihren Wert absprechen, ist es mit der darauf aufbauenden Schlussfolgerung nicht weit hin:

Ein formaler Aspekt des Problems ist, dass Arbeit als eine Ware angeschaut und behandelt wird, als etwas, das gekauft und verkauft werden kann. Der Arbeiter wird dadurch zu einem Objekt des Marktes, einer maskierten Form von Sklaverei. – Dieses Problem kann überwunden werden, wenn wir einsehen, dass Arbeit an sich keinen Wert hat. Unabhängig davon, wie viel Arbeit darauf verwendet wird, Kohle aus dem Boden zu schaufeln, weder die Kohle noch die Arbeit
hat einen Wert an sich. Der Wert entsteht durch das Bedürfnis nach Kohle. Nur die Arbeit, welche in solcher Weise auf Natur angewendet wird, dass sie den menschlichen Bedürfnissen entgegenkommt, hat einen Wert. Nie die Arbeit an sich. Der Verkauf von Arbeit ist daher ein wirtschaftlicher Unsinn, der durchschaut werden muss. Eine Illusion, die noch solange andauern wird, als für den eigenen Lebensunterhalt gearbeitet wird.

Warum wird das Problem »des Warencharakters der Arbeit« überwunden, wenn wir einsehen, dass »Arbeit keinen Wert an sich hat«? – Das Problem wird eben nicht überwunden!

Der Warencharakter der Arbeit bleibt auch dann, wenn wir behaupten, Arbeit sei an sich wertlos. Denn in dem Moment, wenn wir Interesse haben »Arbeit zu kaufen«, hat sie sofort »Warencharakter«. – Auch geht es nicht um den »Verkauf von Arbeit«, sondern um den »Kauf von Arbeit«. Denn diejenigen, die am »Arbeitsmarkt« handeln, sind nicht bloß die Arbeitskraft-Anbieter, sondern die Arbeitskraft-Abnehmer.

Da wir aber heute eine Gesellschaft haben, in der »Zwangsarbeit« herrscht, für die Arbeitskraft-Anbieter, sind es allein die »Arbeitgeber«, die den Arbeitsmarkt nutzen, mit ihrer »Nachfrage nach Arbeitskraft«. Denn ein »freies Agieren« am Arbeitsmarkt ist nur den Arbeitgebern möglich. Die Arbeitnehmer sind »gezwungen«, ein Angebot am Arbeitsmarkt anzunehmen. Sie müssen sich verkaufen. – Somit ist heute der einzig »Schuldige« der den Warencharakter der Arbeitskraft nutzt und Arbeitskraft »kauft«, der Arbeitgeber. Er dominiert »die institutionellen Rahmenbedingungen der heutigen Arbeitswelt«. Und nicht der Arbeitskraft-Anbieter. – Dieser ist vielmehr abhängig von dem Gutdünken der Arbeitgeber, ob sie die Arbeitskraft kaufen, oder nicht.

Aber Desaules greift den »egoistischen« Arbeitnehmer an, und nicht den Arbeitgeber. Was schon sehr seltsam ist. – Denn auch der profit-orientierte neo-liberale Ausbeuter-Unternehmer ist ein »Egoist«. – Auch wenn er die Produkte herstellt, die wir brauchen. – Der Unternehmer ist der Haupt-Profiteur im Kapitalismus.


Auf derselben Internetseite schreibt Fionn Meier. Er argumentiert ähnlich. Dennoch lohnt es sich bei ihm, genauer hinzuschauen.

Bei der Frage, wie das »Wirtschaftsgeschehen« einzuschätzen ist, zielen sowohl Meier, als auch Desaules auf den »Arbeitnehmer«, mit ihrer Kritik. Warum aber nicht auf den Unternehmer? Ist der denn ganz untadelig?

Meier unterstellt den Menschen Schlechtes, wenn er sagt:

Viele Menschen haben einen Narzissmus entwickelt, welcher in einigen Fällen schon beinahe autistische Züge annimmt. Man interessiert sich hauptsächlich für sich selbst, sein Aussehen, seine Gefühle und Vorstellungen.
….
Passivität und Narzissmus. Es ist wohl nicht übertrieben, dies als zwei wesentliche Merkmale unserer heutigen Gesellschaft zu bezeichnen.

Pamphlet

Der Einzelne würde den Blick auf den Mitmenschen vernachlässigen. – Andererseits gibt er Hinweise, wie wir die wirtschaftlichen Zusammenhänge erkennen, und uns sinnvoll verhalten:

Erkennt der Käufer jedoch die Abhängigkeit des Produzenten von ihm, und nimmt er sich deswegen vor, bei jedem Einkauf darauf zu achten, dass er einen solchen Preis bezahlt, der es dem Produzenten ermöglicht in Würde zu leben, bis er das nächste Produkt zum Verkauf hergestellt hat, verlässt er seine egoistische Sichtweise. Er nimmt neben seinen eigenen Bedürfnissen zugleich auch diejenigen des Produzenten wahr, für deren Befriedigung er sich mitverantwortlich weiss.

Sowohl für Meier, als auch für Desaules dreht sich in der Wirtschaft alles um den Preis. – Die Wirtschaft lässt sich jedoch auch anders sehen, ohne das man dadurch Steiner »untreu« wird. Lassen wir den »Preis« (also das Geld) einmal weg. Dann ginge es in einer Wirtschaft nur um die Produkte und Dienstleistungen. Und tatsächlich sind sie es allein, die wir brauchen. Kein Mensch braucht »Geld«. Geld ist nur ein Verteilungsinstrument.

Wenn also der Käufer sich bewusst ist, dass die Produzenten ebenfalls »in Würde leben« wollen, dann muss ihnen von der existenzsichernden Wertschöpfung gleichviel zuteil werden, wie allen anderen auch. – Das aber wäre ein Bedingungsloses Grundeinkommen in Form von Gütern! – In der Wirtschaft kann es nur um die Schaffung von Produkten gehen, und um die Verteilung dieser Produkte an die Menschen. – Die Regeln für die Verteilung der Güter werden im Geistesleben entwickelt. Und durchgesetzt werden sie über das Rechtsleben.

[Die enge Verknüpfung Rudolf Steiners Denken mit der Grundeinkommens-Bewegung lässt sich insbesondere in seinem Werk »Die Kernpunkte der sozialen Frage« herausarbeiten. – Stichworte dazu, habe ich in einem Kurzbeitrag zusammengefasst. Hier ]

Die »Preisperspektive«, die Meier und Desaules aufzeigen ist sicherlich möglich. Sie stellt meiner Meinung nach aber eine verengte Sicht der Dinge dar, und ist nicht die einzige Möglichkeit, Wirtschaft zu sehen. – Auch die Schriften Rudolf Steiners besagen nicht, dass einzig und allein eine »Preis-Perspektive« die richtige Sicht auf die Wirtschaft ergibt. – Diese Sicht kann aber durchaus einen Erkenntnisgewinn darstellen.

Weiter schreibt Meier:

Erstens. Solidarität lässt sich nicht per Gesetz verordnen. Sie muss immer wieder neu und individuell gewollt werden.


Zweitens. Freiheit ist keine Frage des Einkommens, sondern eine Frage des Kapitals. Einkommen brauchen wir, um unsere leiblichen und geistigen Bedürfnisse zu befriedigen. Die gegenseitige Gewährleistung der Befriedigung dieser Bedürfnisse ist jedoch keine Frage der Freiheit, sondern eine Frage der Solidarität. Freiheit befindet sich dort, wo wir unsere individuellen Ideen und Fähigkeiten praktisch umsetzen können. Hierzu ist nicht das Einkommen der entscheidende Faktor, sondern der Zugang und die freie Verfügung über das dazu erforderliche Kapital. Dies ist der eigentliche Angelpunkt zur Entwicklung von mehr Freiheit.

Das sind sehr wichtige Aussagen. Auch für Grundeinkommens-Befürworter.

Erst einmal scheinen wir Menschen, anders wie Meier sagt, auch ohne Kapital »frei« zu sein. – Denn sonst könnten wir es uns nicht erlauben, »individuell gewollt«, also aus freien Stücken »solidarisch« zu sein.

Dennoch ist die Unterscheidung, Solidarität → Einkommen — Kapital → Freiheit, bedeutsam. (→ = führt zu)

Denn tatsächlich funktioniert ein Grundeinkommen in einer Gesellschaft auch nur dann, wenn wir verantwortlich auf unsere Gemeinschaft blicken und zum Beispiel gemeinsames »Wirtschaften« als eine »solidarische« Aktion ansehen, die für uns alle die Güter schafft, die wir zum Leben brauchen. – Und diese Güter sind das Grundeinkommen.

Somit ist die Gesellschaftsgestaltung eine »gemeinsame, »solidarische« Kraftanstrengung, die zu unserer existentiellen Sicherheit beiträgt, und zum Beispiel »Einkommen« schafft, von dem alle leben können.

»Freiheit« wäre dann mehr der Luxus, sich den privaten, persönlichen Interessen zuwenden zu können, sofern dies von anderen mittels Kapital ermöglicht wird. – Zum Beispiel durch ein »Stipendium«. – Dies jetzt im Sinne von Meiers Ausführungen dargestellt.

In einer Grundeinkommens-Gesellschaft sind meiner Meinung nach allerdings viel mehr Freiheiten möglich, die völlig ohne Kapitalzuschüsse funktionieren. – In dieser Hinsicht erscheinen Desaules und Meiers Weltsicht begrenzt, eingeschränkt und veraltet.

Die Idee des Grundeinkommens verkennt die zwei eigentlichen Wege zu mehr Freiheit und Solidarität und bietet stattdessen eine Scheinlösung an. Und darin liegt auch ihre Gefahr. Anstatt an der arbeitsteiligen Wirtschaft den Impuls zu entwickeln, eine Solidarität auszubilden, die auf individueller Anteilnahme an den Bedürfnissen der Mitmenschen beruht, wird ein Mechanismus gesetzt. Jeder hat sein Brot, unabhängig von dem Verhalten der anderen. Zudem degradiert das Grundeinkommen die Idee der Freiheit zur Einkommensfrage.

Meiers Hinweise sollten insofern aufgegriffen werden, dass wir nicht »bewusstlos« ein Grundeinkommen einführen, ohne mit der Bevölkerung in einen Diskurs zu treten, die unsere gegenseitige Abhängigkeit und Mitwirkungsnotwendigkeit offenlegt. – Die Gesellschaft funktioniert nicht nur durch die Roboter mit künstlicher Intelligenz. Und die Digitalisierung nimmt uns nicht die Aufgabe ab, die materielle Versorgung aller Menschen ganz konkret jeden Tag zu leisten und zu organisieren. – Das hierfür entscheidende Stichwort Meiers war, wie er die Verfasstheit der »Solidarität« beschrieben hat.

Solidarität können wir nicht erzwingen. Auch nicht durch »Zwangsarbeit«. – Sie muss sich »intrinsisch« in jedem einzelnen Menschen herausbilden, »in Freiheit«. – Wir können gesellschaftlich diesen Prozess begleiten, in dem wir für gute Ausbildungsstätten sorgen, für »Bildung« allgemein, für »freies Geistesleben«.

Eine solidarische Gesellschaft, in der die Menschen gemeinsam wirken, sich gegenseitig ihr Einkommen bereitstellen und das Auskommen ermöglichen, in der jeder Einzelne seine Solidarität »in Freiheit« entwickelt hat, diese Gemeinschaft kann eine Grundeinkommens-Gesellschaft sein.

Die Gesellschaft, der Staat – mein Verein

Mein »Verein« hat 150 Mitglieder. Alle zwei Monate gibt es eine Mitgliederversammlung. In der Mitgliederversammlung werden alle Entscheidungen getroffen, die für alle Mitglieder gültig und von Belang sind. – Wenn ich an der Mitgliederversammlung nicht teilnehme, kann ich nicht »mitbestimmen«. Dies ist ungerecht. Deshalb habe ich vorgeschlagen, dass auch von zuhause aus, per Email »abgestimmt« werden kann. – Dies wurde von denjenigen abgelehnt, die immer zu den Mitgliederversammlungen erscheinen. Es sind momentan drei, vier Leute.

Die Gesellschaft aber, unser Staat, ist nichts anderes, wie mein kleiner Verein, nur halt »in ganz groß«. Die Gesellschaft ist meine Gesellschaft. Ich kann in ihr mitbestimmen, wie sie gestaltet wird und wie ihre Grund-Gesetze aussehen. – Alles steht immer zur Disposition, alles wird immer von den Menschen, von allen aktiven Menschen in der Gesellschaft gestaltet.

Wenn wir der Meinung sind, das in unserem »Verein« großes Unrecht geschieht, wie zum Beispiel das »Hartz4«, dann dürfen wir das nicht hinnehmen und müssen eine angemessene Neu-Gestaltung der Gesellschaft einfordern.

Aber wie schaffen wir das?

In meinem kleinen Verein hatte ich angemahnt, mehr Demokratie zu ermöglichen, durch die Möglichkeit der Abstimmungen per Email, aber diejenigen, die immer zu den Mitgliederversammlungen kommen, haben dagegen gestimmt. – Bei den Mitgliedern im Verein sind zwar einige, die mein Ansinnen unterstützen, aber wir haben uns nicht aufgerafft, uns so zu organisieren, dass wir hätten bei einer Mitgliederversammlung unser Anliegen »durchdrücken« können. – Ich selbst habe vielleicht auch gezögert, weil es einem »Putsch« gegen diejenigen gleichkäme, die seit vielen Jahren als »Funktionäre« die Geschicke des Vereins lenken. – Ich hätte ihre Macht brechen müssen, aber dann hätte auch die Verantwortung bei uns »Putschisten« gelegen, für die Geschicke des Vereins, und so viel Verantwortung wollte ich dann doch nicht im Verein übernehmen.

Vergleiche ich das jetzt mit dem »großen Verein«, der Gesellschaft, dann sieht das aber anders aus. Hier will ich sehr wohl »Verantwortung« übernehmen, weil ich mich in meinen elementaren Grundrechten verletzt sehe, durch Hartz4 und weil ich mich allein durch diese politischen Machenschaften, die diese Gesetze ermöglicht haben, in meiner Existenz bedroht sehe, sodass ich »ganz klar« dann auch für die ganze Gesellschaft Verantwortung übernehme, in dem Sinne, dass diese Gesetze wieder abgeschafft werden müssen und bessere Lösungen gewählt werden, um mit »Arbeitslosigkeit«, um mit Rationalisierung und gesellschaftlicher Veränderung fertig zu werden.

Es ist ganz klar: die politischen Verwalter haben versagt. Ihnen muss das Wirkungsrecht entzogen werden. Sie haben als unsere »Geschäftsführung« den Verein an die Wand gefahren und für uns alle schwere Schäden verursacht. Diese Geschäftsführung kann nicht mehr geduldet werden. – Wir brauchen andere Geschäftführungen, andere politische Verwalter und wir müssen die Grund-Gesetze so ändern, dass wir als Souverän, als Bürger viel mehr direkte Entscheidungsmöglichkeiten erhalten, als das heute noch der Fall ist. Stichwort: Direkte Demokratie. Mindestens in dem Umfange, wie es in der Schweiz heute üblich ist.

Das ist eine von Grund auf neu gestaltete Gesellschaft. Was in die Richtung geht, wie ich sie gerade bei Ralph Boes sehe, bei seiner »Erneuerung der BRD« Arbeit.

Wenn wir uns aber dessen bewusst sind, was das bedeutet, dann sehen wir, es betrifft die Grundfesten der Gesellschaft. Und es gibt Auskunft darüber, wie wir die heutigen Verhältnisse sehen, wie wir die heutigen Verwalter, Politiker und ihr Umfeld in der Wissenschaft, in der Kultur, in den (öffentlich-rechtlichen) Medien, Zeitungen einzuschätzen haben. – Davon sind wir ja dann getrennt und das wollen wir so nicht mehr fortsetzen.

Wer sind »wir«, die Veränderung wollen?

Auf der Homepage von Inge Hannemann las ich schon vor geraumer Zeit, dass sie eine »Demonstration gegen Hartz4« absagte, weil »rechte Gruppierungen sich dieser Veranstaltung anschließen könnten«. – Ist das nicht schrecklich. Eine ganz wichtige Veranstaltung platzen zu lassen, weil jemand teilnehmen könnte, dessen Anwesenheit nicht erwünscht ist?

Interessierte Kreise könnten diese Logik dann aber »umdrehen« und Veranstaltungen dadurch verhindern, dass sie immer anonym, in den Netzwerken, andeuten, vielleicht tauchen »Rechte« auf der Veranstaltung auf. – Damit könnte jegliche wichtige Arbeit blockiert werden. Deshalb kann man sich auf so etwas eigentlich gar nicht einlassen.

Dasjenige, was richtig ist, klug ist, den Menschenrechten gemäß ist, muss sich immer öffentlich zeigen, egal wer sonst noch den Öffentlichen Raum bevölkert. Der Öffentliche Raum hat es nun mal an sich, dass er »öffentlich« ist. – Alle Bürgerinnen und Bürger einer Gemeinschaft, einer Gesellschaft können ihn nutzen.

Und die Entwicklung in Richtung politischer Extreme geschieht in dem Maße immer stärker, je weniger die Menschen glauben, durch »Diskussion«, Aufklärungsarbeit, gemeinsames Gespräch die Verhältnisse ändern zu können. – Radikalität und Gewalttätigkeit stehen nicht am Anfang von gesellschaftlichen Entwicklungen und Verhältnissen, sondern tauchen dann auf, wenn immer weniger Hoffnung besteht, dass über den normalen, friedlichen Weg etwas erreicht werden kann.

Auch wird heute von den »Systembewahrern« nicht selten suggeriert, es ginge nicht um »sinnvolle Veränderungen«, sondern um die Frage, wer diese Veränderungen will. Wenn es auch »Rechte« sind, die bestimmte Veränderungen wollen, dann sollten wir uns von diesen Veränderungs-Wünschen fern halten, so die Botschaft. – Aber ist das nicht lächerlich?

Wenn die Rechten für mehr Direkte Demokratie und für die Abschaffung von Hartz4 eintreten würden, dann käme ich nicht auf die Idee aufzuhören, mich ebenfalls für diese Ziele einzusetzen. Und es würde genügen, bei einer Demo, wenn ein Teilnehmer für alle, ein Plakat hochhielte »MENSCHENRECHTE und RECHTE schließen sich gegenseitig aus« und wenn wir als Organisator der Veranstaltung die Polizei einspannen, die Leute von unserer Demo fernzuhalten. – Aber so läuft das ja eigentlich auch in der Praxis. – Eine Distanzierung von Leuten, die wir für gefährlich in der Gesellschaft halten, ist also möglich, ohne die eigene Arbeit aufgeben zu müssen.


Und jetzt noch einmal zu meiner Frage, »Wer sind denn diejenigen in der Gesellschaft, die eine Neu-Organisation unseres Gemeinwesens wollen?« – Das ist so einfach nicht zu bestimmen.

Sind alle Grundeinkommens-Aktivisten für eine Neugestaltung der Gesellschaft? – In einer Versammlung zum Stichwort »Grundeinkommen« tauchen alle möglichen Personen auf. Grundeinkommens-Gegner, solche, die sich »nur informieren« wollen, aber auch Leute, die sich »Grundeinkommens-Befürworter« nennen, aber wenn nachgeforscht wird, was damit gemeint ist, taucht dann möglicherweise wieder ein Grundeinkommens-Gegner auf. – Die Situation ist undurchsichtig. In dem Dunstkreis »Grundeinkommen« bewegen sich viele Gestalten. – Wie lässt sich da Orientierung herstellen?

Einmal über Vertrauen. Personen, die wir kennen, denen wir die Haltung, Einstellung abnehmen. Aber auch da können sich Veränderungen ergeben. Jemand, der jahrelang für eine Sache sich eingesetzt hat, erklärt, zu einer anderen Meinung gelangt zu sein, und verändert schlagartig das eigene Verhalten. – Davor sind wir auch im Privaten nicht gefeit.

Wir können eigentlich nur dadurch deutlich machen, in welche Richtung wir gehen wollen, indem wir das tagtäglich von neuem aufzeigen, in unserem Verhalten, in unseren öffentlichen Verlautbarungen.

Es sind eigentlich ganz einfache Verhaltensweisen: Wir geben öffentlich bekannt, dass wir mit der »Geschäftsführung unseres Vereins« nicht mehr einverstanden sind. Dass wir die Arbeit für »sehr schlecht« halten, und kein gutes Haar an der »Vereinsführung« lassen wollen, und das eine »Neugestaltung der Vereinsregeln« dringend nötig ist. – Das heißt, wir lehnen das Agieren der Geschäftsführung vollständig ab und mehr noch, wir halten dessen Verhalten für »vereinsschädigend« und gefährlich, weil es jedes einzelnes Mitglied in seiner Existenz bedroht.

Das ist ja eine Aussage, die von jedem von uns öffentlich gemacht werden muss. – Wir müssen sagen, dass wir die Regierungsmitglieder ablehnen und nicht mehr wollen.

Von wem werden wir bei diesem Unterfangen Unterstützung erhalten?

Gibt es Menschen in der Wissenschaft, die die heutigen Verhältnisse ablehnen und »mit uns« eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft anstreben? – Die Wissenschaft hängt am Geldtropf der Regierung. Werden die Staatsbediensteten sich gegen den Staat stellen?

Wie sieht es im Kulturbereich aus? Musiker, Schriftsteller, »freischaffende Künstler«, wollen die einen anderen Staat. Ohne Hartz4, aber mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen? – Wie sieht das in Deutschland aus? – Auch Kunst und Kultur hängen am Geldtropf des Staates, werden »gefördert« oder subventioniert, oder eben halt nicht, wenn sie sich störrisch verhalten.

Wer in Wissenschaft und Kultur stellt sich öffentlich gegen Hartz4 und bekennt sich öffentlich zu einem Grundeinkommen? – Und sind dann das auch die Menschen, die einen grundsätzlichen Neu-Anfang in der Gesellschaft wollen?

Womöglich sind die Vertreter an den Hochschulen an einer Hand abzuzählen, die sich für ein Bedingungsloses Grundeinkommen einsetzen. Und sind die meisten anderen mehr mit ihren »Besoldungsgruppen« und Einstufungen beschäftigt, wenn sie an ihre »wissenschaftliche Arbeit« denken? – Setzt sich die Wissenschaft für die »Armen« in der Gesellschaft ein? Haben die Juristen festgestellt, dass die Hartz4-Gesetze »Unrecht« sind und sofort abgeschafft gehören. Haben die Akademiker aus den anderen Wissenschaftsbereichen, die Juristen auf das große Unrecht in den Hartz4-Gesetze hingewiesen?

Die Wissenschaft als eigenständiger Bereich in unserem »Verein«, scheint ihre Arbeit nicht im Interesse der Vereinsmitglieder zu machen. Denn sonst müsste sie die menschenunwürdigen Zustände »aus der Sicht der Wissenschaft« anprangern.

Und welcher Künstler setzt sich schon Jahren gegen Hartz4 ein? Welche Sänger, Musiker, Maler, Schriftsteller, Schauspieler prangern schon seit Jahren Hartz4 an und setzen sich gleichzeitig für ein Bedingungsloses Grundeinkommen ein?

Was ist mit den Berufstätigen, von denen doch viele in Berufsverbänden organisiert sind: Sozialarbeiter, Therapeuten, Psychologinnen, Ärzte, Pfleger, Lehrer. – Setzen sie sich als Einzelpersonen oder über ihre Berufsverbände gegen Hartz4 ein, und für ein Bedingungsloses Grundeinkommen? Sind diese Menschen »öffentlich« sichtbar in ihrem Protest gegen diese Regierung, gegen diese Politik, gegen Hartz4 und für ein Grundeinkommen?

Alle Berufstätigen in den Sozialbereichen, im Gesundheitsbereich, im Bildungssytem, im Pflegebereich, die »hautnah« das Elend mitbekommen, dass durch die unsäglichen Hartz4-Gesetze verursacht wird, müssten doch aufschreien, spätestens heute, nach 10 Jahren Hartz4, über die Unmenschlichkeit, die mit dieser Gesellschaftsgestaltung einhergeht. – Alle diese Leute müssten sagen, diese Politik, diese Regierungen wollen wir nicht, die das zu verantworten haben.

Und was ist mit der »Wirtschaft«? – Der Hartz4-Zwangsarbeiterstaat ist die ideale Grundlage dafür, Menschen durch die Wirtschaft auszubeuten. Neo-liberales Handeln war nie so leicht, wie unter den Hartz4-Gesetzen. – Weil sich der Bürger nicht gegen diese Zumutungen wehren kann, wenn er arbeitslos ist, und ein Geld braucht, zum Überleben.

Die Wirtschaft ist der große Profiteur der Hartz4-Gesetze. Noch nie war es so leicht andere Menschen in der Arbeitswelt auszunutzen und schlechtzustellen. – Wer aus der Wirtschaft unterstützt jetzt ein Bedingungsloses Grundeinkommen, welcher Unternehmer will eine »andere Gesellschaft«, mit mehr Direkte Demokratie und ohne Zwangsarbeit? – Können wir die auch an einer Hand nur abzählen?

Als weitere Gruppe wären noch die Medien zu erwähnen. Wer Radio hört, kann jeden Tag zum Beispiel »Wirtschaftsnachrichten« hören. Dort wird tatsächlich »jeden Tag« davon erzählt, dass wir Wirtschaftswachstum brauchen, Investitionen und Arbeitsplätze. – Ist das jetzt die »Lügenpresse«? – Soweit muss man nicht gehen. Aber man kann durchaus sagen, diese tagtägliche Propaganda ist die Unwahrheit.

Und sie ist ja nicht nur in den durch »Rundfunkbeitrag« staatlich subventionierten Medien, Radio und Fernsehen, sondern auch in vielen Zeitungen wahrnehmbar. – In diesen »alten Medien« weht noch der Geist der Vergangenheit. Sie wollen nichts wissen, von Gerechtigkeit, Menschenrechte, Menschenwürde und der Verletzung dieser Rechte durch Hartz4. Sie wollen nichts wissen von übertriebenem Ressourcenverbrauch und Umweltzerstörung durch die Arbeitsideologie der Zwangsarbeit in Deutschland. Sie wollen an ihrer Parole »Einkommen nur durch Arbeit« auf ewig festhalten. Sie erkennen nicht, dass die Neu-Investitionen nicht für sinnvolle Dinge verwendet werden, sondern sinnlos in Projekte gesteckt werden, deren einziger Sinn ist: »Arbeit schaffen«.

Aber das ist halt nicht mehr die Wahrheit und Wirklichkeit der heutigen Zeit. Und deshalb sind die etablierten Medien, wie die etablierten Parteien auch, Teil einer untergehenden Welt.


So ist es also gar nicht so einfach, herauszufinden, wer denn wirklich eine neue, bessere Gesellschaft haben will. – Und es scheint, als ob es nur ganz wenige sind, die das wollen. Und sicherlich habe ich jetzt gerade Menschen nicht erwähnt: die Armen, die 13 Millionen Menschen in Deutschland, die weniger als 900 Euro zum Leben im Monat haben. – Aber können die gegen den Rest des »Vereins«, die 67 Millionen Menschen etwas ausrichten. Oder müssen sie ihr Schicksal resignierend hinnehmen oder noch besser, »im System« mitmachen und im Wettbewerb mit den anderen um bessere Positionen, besser bezahlte Arbeit, konkurrieren? – Jeder gegen jeden.

Und wäre es nicht wichtig, dass wir uns gemeinsam organisieren?

Diejenigen, die Veränderung wollen, sollten sich verbünden und gemeinsam für Veränderungen agieren. – Aber das ist leichter gesagt, als getan. – Nehmen wir eine der letzten Kampagnen: Alice Schwarzer im Einsatz gegen Prostitution und Freier. Und in einem öffentlich verbreiteten Aufruf bekennen sich »Personen des öffentlichen Lebens« zu den Aussagen und Forderungen von Alice Schwarzer. – Ja, so sieht eine Kampagne aus. – Und vielleicht findet sich eine Ministerin, die die Anliegen aufgreift und bei der nächsten Gesetzesänderung versucht, dem gerecht zu werden.

Da haben wir dann Folgendes: Einmal Leute, die klar und deutlich formulieren, worum es geht und was geschehen muss. Und dann haben wir jene, die diesen Aussagen und Forderungen zustimmen und das öffentlich tun. Und das Ganze wird dann in der Form der »Kampagne« über ein, oder mehrere Medien in die Öffentlichkeit gebracht. – Setzt sich Alice Schwarzer für das Bedingungslose Grundeinkommen ein und äußert sie sich gegen Hartz4?

Es gibt also Leute, die sich inhaltlich in eine Thematik einarbeiten und Positionen formulieren und Forderungen erheben, und es gibt Leute, die vielleicht ohne sich inhaltlich tief in eine Thematik einzuarbeiten, die Positionen und Forderungen beurteilen und sich dazu zustimmend verhalten. – Und zum Schluss muss der öffentliche Auftritt organisiert werden. Zum Beispiel in Form einer »Kampagne«. – Es muss sich eine Kerngruppe bilden, die inhaltlich arbeitet und Positionen formuliert.

Haben wir diese Kerngruppe schon?

Diese muss nach außen hin Unterstützer haben, solche, die vielleicht nicht so tief in die Materie einsteigen, die aber als »Multiplikatoren« die Gedanken in der Gesellschaft verbreiten, bei Kunst- und Kulturveranstaltungen zum Beispiel.

Um nochmal bei dem Beispiel der Alice-Schwarzer-Kampagne zu bleiben, es geht um »ein Thema«. – Bei dem Thema, über das ich hier schreibe, geht es auch um ein Thema: Hartz4/Grundeinkommen. Hartz4/Grundeinkommen ist ein Thema, weil »Hartz4« die schlechte Lösung für Probleme in der Gesellschaft darstellt, und »Grundeinkommen« die eindeutig bessere Lösung für die gleichen Probleme darstellt.

Es hat keinen Sinn, neue Organisationen zu gründen und die Arbeitsweise der »Parteien« zu kopieren. – Parteien wollen für alle Probleme in den Gesellschaften zuständig sein, weil sie »anstelle« des Bürgers entscheiden. Das soll aber in Gesellschaften mit Direkter Demokratie nicht mehr der Fall sein. In Gesellschaften mit Direkter Demokratie entscheiden Thema für Thema, die Bürgerinnen und Bürger selbst. Tagesordnungspunkt für Tagesordnungspunkt. TOP für TOP. – Und wir müssen uns so verhalten, dass wir die Grundeinkommens-Gesellschaft mit Direkter Demokratie vorwegnehmen und heute bereits vorleben.

Deshalb vermische ich nicht mein Engagement für das Bedingungslose Grundeinkommen und meinen Widerstand gegen Hartz4 mit anderen Themen. – Wenn ich eine Hompage betreibe, zum Thema Grundeinkommen, dann habe ich nicht auf derselben Hompage auch noch die Meinung zum Nah-Ost-Konflikt, zum Herrn Putin, zu den Imperialisten, oder zum Islam mit da drauf. – Das passt nicht und das bringt Projekte zum Scheitern, weil wir nie die Menschen zu allen Themen unter einen Hut bekommen. – Deshalb ist es unsinnig das Grundeinkommens-Thema zu »erweitern«, auf alle weltpolitischen Probleme und dann so zu agieren, wie es Parteien machen.

Den Parteien geht es letztlich immer nur um den »Selbsterhalt«. Und alle Einzelthemen der Gesellschaft sind dabei nachrangig. – So aber können wir heute nicht mehr politisch arbeiten. Und wenn wir es doch tun, schrecken wir die Menschen nur ab.

Was aber funktioniert, und deshalb empfehlenswert ist, bezieht sich auf das Einzelthema. Denn über dieses können wir versuchen, Übereinstimmung zu erzielen. – Sicherlich führen die Einzelthemen auch in andere Bereiche hinein, aber eine Ausgangsorientierung sollte klar formuliert sein und gibt dadurch einen guten Rahmen für Zustimmung oder Ablehnung eines Anliegens: Hartz4 ist Unrecht, weil es die Menschenrechte tangiert und verletzt. Diese Gesetze müssen zurückgenommen und ersetzt werden, durch menschenwürdigere Regelungen bezüglich des Erhalts der Existenzsicherung. Zum Beispiel das »Bedingungslose Grundeinkommen«. – Da muss ich jetzt nicht zusätzlich noch den Ukraine-Konflikt mitdiskutieren, weil das das Thema wieder völlig auseinanderreißt und einmal gewonnene Übereinstimmungen wieder gefährdet.


Wenn wir also eine »Kerngruppe« haben, die sich in das Thema einarbeitet, dann sollte sie sich am Thema entlang arbeiten und die Mitmenschen »im Verein« im Auge behalten, und daran denken, dass die Ausarbeitungen als »ein Tagesordnungspunkt« auftauchen werden, in der »Mitgliederversammlung«, und zur Abstimmung ansteht, durch die Bevölkerung. – Da können dann nicht noch alle übrigen Themen auch noch reingepackt werden, weil »irgendwie alles miteinander zusammenhängt«. – Das wäre vom praktischen Ablauf einfach unsinnig.

Gibt es diese Kerngruppe? – Wenn nicht, dann sollten wir sie jetzt schaffen.

Zusammenfassung

Wenn sich die Gesellschaft ändern muss, und die heutigen Verhältnisse und politischen Entscheidungen »nicht mehr tragbar« sind, dann müssen wir Bürgerinnen und Bürger dies öffentlich bekunden und gegen diese Politik antreten und Veränderungen einfordern und einleiten.

Ein Bündnis mitdenkender Personen, formuliert eine neue Gesellschaft, mit neuen »Grund-Gesetzen«, die das Hartz4-Unrecht beenden und das Bedingungslose Grundeinkommen einführen. – Viele Menschen in der Gesellschaft, bekennen sich für dieses Anliegen öffentlich, in vielen Veranstaltungen, Kampagnen, Aktionen, Demonstrationen und weiteren Aktivitäten.

Unser Streben hält so lange an, bis wir unser Ziel erreicht haben. – Und dies wird uns eine Lehre sein, nicht mehr davon abzulassen, und immer aufmerksam mitwirkend unseren »Verein« zu gestalten. – Denn tun wir das nicht, gerät er zum »Monster«.

Ökonomie betrachten

Über die »Ökonomie« lässt sich Norbert Häring aus, aber zur Mitte seines Textes vermisse ich einen Hinweis darauf, was Wirtschaft überhaupt soll.

http://norberthaering.de/de/27-german/news/466-menschenfeindliche-oekonomik#weiterlesen

Ist sie nicht dazu da, uns mit den Gütern und Dienstleistungen zu versorgen, die wir Menschen brauchen?

Auf der Erde sind wir Menschen mit unserem Körper. – Ohne unseren Körper können wir Menschen hier auf der Erde gar nichts. Und unser Körper braucht bestimmte Dinge, damit er leben kann, damit er auf der Erde eine Zeit lang existieren kann. Denn zeitlos kann unser Körper auf der Erde eben nicht existieren. Aber er kann relativ lange, und über die Zeit, immer länger existieren.

Wir könnten auch sagen, es ist eine Nebensächlichkeit, was wir da brauchen, an Gütern und Dienstleistungen. Es ist eigentlich eine Kleinigkeit, die wir da brauchen. Aber unsere Körper brauchen nun mal diese Dinge.

Und dafür ist die Wirtschaft, die Ökonomie da, diese Dinge zu produzieren, sie bereitzustellen, damit wir sie uns nehmen können, damit sie unser Körper bekommt.


Aber alles, worüber die Ökonomen heute, worüber die Wirtschaftsjournalisten heute schreiben und reden, ist gar nicht nahe genug an dieser Erkenntnis.

Häring schreibt über »Egoismus, Konkurrenzdenken und Aggressivität« im Menschen und dem Menschenbild der klassischen Ökonomie (als Wissenschaft), das besagt, dass »… die Ungleichwertigkeit von erfolgreichen und weniger erfolgreichen Menschen … integraler Bestandteil des aufgebauten Theoriegebäudes der Ökonomen« sei.

Seine Analyse und Beschreibung ist richtig, wobei er sehr viel Text verwendet, um die typischen Vertreter der Ellenbogengesellschaft zu beschreiben.

Er weist auf die »Chancen von kollektivem Handeln« hin und wie wichtig der Gleichheitsgedanke ist und wir nicht umhinkommen, diesen weiter im Auge zu behalten.


Ökonomie lässt sich vollständig aus der Sicht des menschlichen Körpers begreifen und verständlich machen. – Wenn jemand in der Nahrungsproduktion arbeitet, dann kann dieser abends eine Portion der Ware kostenlos mit nach Hause nehmen, wer in einem Imbiss arbeitet, kann von den Produkten, die er feilbietet, selbst etwas nehmen und essen, ohne dafür zu zahlen und in der Lebensmittelkette können abends die Mitarbeiter von der Ware, die sonst weggeworfen wird, einen Teil mit nach Hause nehmen, was noch gut und verwendbar ist.

Der größte Teil der Arbeit = Ware, die wir im Laufe des Tages herstellen und fertig für den Weitertransport machen, geht aber an andere Menschen, die wiederum die Produkte für ihren Körper brauchen.

So ist alles ein Geben und Nehmen. Ich produziere etwas, was ich auch selber brauche (das muss nicht immer der Fall sein) und du produzierst etwas, was ich brauche und was ich von dir bekomme. – Von all dem, was produziert wird, brauchen wir immer wieder etwas, vielleicht nicht immer dasselbe, aber im Laufe unseres Lebens immer wieder mal das Eine oder Andere.

Vielleicht sehen sie in meiner Erzählung, dass da die Worte »Lohn, Gehalt, Einkommen« fehlen. Auch die Worte »Geld, Bezahlen, kaufen«, sind nicht nötig. – Es geht nur darum, die Güter herzustellen, die Dienste anzubieten, und weiter, dass die Menschen sich die Dinge nehmen, die sie brauchen. – Somit kommt die ganze Wirtschaft ohne »Verkaufen, kaufen, Geld« aus.

Wenn ich einen Haarschnitt brauche, gehe ich zu einer Person, die diese Aufgabe erledigt. – Niemand müsste nachprüfen, ob das Ansinnen des Menschen »berechtigt« ist. Es ist zu sehen, am Kopf desjenigen. Ähnliches gilt für Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie. – Was ein Mensch braucht, können wir alle mitdenken und müssen uns nicht belehren lassen, von Kontrolleuren. – Nimmt sich ein Mensch zu viel, wenn er eine 5-Zimmer-Wohnung hat? – An was soll dies gemessen werden. – Und wenn der Maßstab berechtigt wäre, finden wir Wege, um eine Lösung herbeizuführen.

Wenn wir Abertausende von Flüchtlingen haben, dann ist dies eine Wanderbewegung und die Frage ist nur, haben wir genügend Nahrung, Kleidung, Wohnraum und Energie. Und in unserer Überflussgesellschaft haben wir alles. – Hinzu kommt noch, dass immer wieder gesagt wird, der »Westen« sei mit Schuld an dem Elend in der Welt. – Wenn auch dies in dieser pauschalen Art oft nicht im Einzelnen zu klären ist, so sollten wir die berechtigten Interessen aller Menschen auf ein würdevolles Leben ernst nehmen und entsprechende Bedingungen herstellen, die dies ermöglichen.

Immer häufiger zeigt es sich, dass ein Bedingungsloses Grundeinkommen (bGE) der richtige Weg in eine bessere Welt darstellt. – Die Situation der Flüchtlinge macht deutlich, dass wir gute Lösungen brauchen und das bGE ist eine sehr gute Lösung in einer globalisierten Welt.

Norbert Häring schreibt: »Wem gemäß den Vorgaben des Grundgesetzes unabhängig vom eigenen Arbeitseinsatz ein menschenwürdiges Minimum an Einkünften garantiert ist, der muss seine Arbeitskraft nicht zu den vorherrschenden, vielleicht zum Überleben gar nicht ausreichenden Löhnen anbieten.«

Und dieses »Nicht-anbieten-müssen« ist der Verzicht auf die Hartz4-Zwangsarbeit, ist die Einhaltung der Menschenrechte in diesem Land, was aber heute nicht der Fall ist und wogegen sich Ralph Boes wendet, mit seinem »Sanktionshungern«. – Der heutige Staat in Deutschland ist totalitär, selbst wenn viele Menschen das nicht empfinden. Er ist mit seinen Gesetzen totalitär und wenn wir die Menschenrechte ernst nehmen, müssen wir Bürger uns gegen diesen Unrechtsstaat wenden und für menschenwürdige Verhältnisse eintreten.


Kristin Eberhard befindet in ihrem Artikel, dass wir Menschen schauen müssen, in welche Richtung sich die Gesellschaften bewegen, und ob das den Vorstellungen der Allgemeinheit entspricht.

https://medium.com/basic-income/can-we-create-a-world-that-works-for-all-if-the-elites-in-charge-don-t-want-us-to-5eed5994c6be

Sie meint, es könnten heute die falschen Leute »am Ruder« sein und uns nicht in eine Welt der »Gleichheit« führen, sondern ihren eigenen egoistischen Interessen nur folgen, während sie uns im Ungewissen belassen. – Die »falschen Leute am Ruder« sind heute die Politiker oder die Eliten, die uns weißmachen wollen, was richtig ist, während sie in Wirklichkeit nur ihren eigenen Vorteil im Blick haben.

What are the rest of us rowers — those of us who believe that a world that works for all is not only possible, but the only acceptable destination for humanity — to do? We must take the tiller back from those who are leading us astray.

Was bedeutet es, wenn die Eliten »kein Problem« damit haben, dass ein Großteil der Bevölkerung Vollzeit arbeitet und dennoch arm ist. Es bedeutet, dass wir uns nicht auf diese Leute verlassen können und selbst dafür sorgen müssen, dass die Gesellschaften menschenwürdiger werden.

Kristin Eberhard:

In a world with few jobs for humans, a minimum wage will not keep all Americans out of poverty. A basic income will.

Der Einsatz für Bedingungsloses Grundeinkommen (bGE) ist unerlässlich, um wieder weltweit für menschenwürdige Verhältnisse zu sorgen. – Es wird möglich mit unserer Beteiligung. – Es ist unser aller Aufgabe und jede einzelne Person und ihr Engagement zählt.