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Arbeitswille und bGE

Immer wieder gibt es den Fall, dass Personen behaupten, Rudolf Steiners Philosophie würde nicht hinweisen auf eine Grundeinkommens-Gesellschaft. Und eigentlich immer sind es Leute aus anthroposophischen Institutionen, die dies behaupten. – Aber ist das so?

Nehmen wir den Text »ARBEITSFÄHIGKEIT, ARBEITSWILLE UND DREIGLIEDRIGER SOZIALER ORGANISMUS«.

http://anthroposophie.byu.edu/aufsaetze/s106.pdf

Gleich zu Anfang stellt Steiner die Frage nach dem Arbeitsantrieb. Und er konstatiert, dass es nicht genügt, einfach den »Egoismus« der Gewinnstrebenden in Frage zu stellen und wie es der »Sozialist« tut, das Gemeinschaftsleben und gemeinsame Wirtschaften als »Muss« für alle darzustellen. – Dadurch wird der Mensch »in seinem Wesen« nicht erreicht und angesprochen.

Der Appell an die »Leistungspflicht« für die Gemeinschaft, stößt auf taube Ohren.

Warum?

Dieses Prozedere übergeht den »individuellen Menschen«. Der Mensch will in seiner »Würde« angesprochen werden und nicht an seinen »niederen Instinkten«. Und er will auch nicht bessererwisserisch belehrt werden, wie und warum er seine Arbeit zu verrichten hat.

Die Dreigliederung besagt, dass das Wirtschaftsleben sich um seinen Bereich kümmert, die Produktion und Dienstleistung. Während das Rechtsleben den Rahmen schafft, in dem das Individuum seine Rechte gegenüber den Mitmenschen und den Wirtschaftsvertretern zur Geltung bringt. Im Geistesleben wiederum ist die Quelle zu sehen, für die Arbeitsmotivation. Ein »freies, auf sich selbst gestelltes Geistesleben« ermöglicht es den Individuen ihre persönliche Beziehung zum Gemeinwesen und den Mitmenschen zu entwicklen, indem das Subjektive, das Eigene geachtet und anerkannt wird. Was Grundlage ist dafür, dass der in seinen Indivualrechten »würdig« behandelte und anerkannte Mensch erkennt, welchen Wert diese Gemeinschaft für ihn hat, und er sie erhalten will, auch um seiner selbst willen. – Damit aber, erkennt er die Individualrechte der anderen genauso an, wie diese seine anerkennen. Dieses Bewusstsein stiftet Gemeinschaft.

Und wie das freie Geistesleben die Antriebe zur Ausbildung der individuellen Fähigkeiten erzeugen wird, so wird das demokratisch orientierte Rechtsstaatsleben dem Arbeitswillen die notwendigen Impulse geben. In den wirklichen Beziehungen, die sich herstellen werden zwischen den in einem sozialen Organismus vereinigten Menschen, wenn jeder Mündige gegenüber jedem Mündigen seine Rechte regeln wird, kann es liegen, dass der Wille sich entzündet, «für die Gemeinschaft» zu arbeiten. Man sollte daran denken, dass durch solche Beziehungen ein wahres Gemeinsamkeitsgefühl erst entstehen und aus diesem Gefühl der Arbeitswille erwachsen kann. Denn in der Wirklichkeit wird ein solcher Rechtsstaat die Folge haben, dass ein jeder Mensch lebendig, mit vollem Bewusstsein, in dem gemeinsamen Arbeitsfelde darinnen steht. Er wird wissen, wofür er arbeitet; und er wird arbeiten wollen innerhalb der Arbeitsgemeinschaft, in die er sich durch seinen Willen eingegliedert weiß.

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Aber nichts anderes ist eine Grundeinkommens-Gesellschaft.

In ihr sind sich die Menschen bewußt, dass der wirtschaftliche Erfolg die Grundlage für die Existenzsicherung ist, die das »Bedingungslose Grundeinkommen« ausmacht. Weder werden die Menschen arbeiten, weil die Jobcenter-Mitarbeiter das so wollen, in Arbeitslagern, in »Beschäftigungsgesellschaften«, noch wird es die »Gewinngier« sein, die angeblich heute und in früheren Jahren, die Leute in den kapitalistischen Gesellschaften angetrieben hat, »stundenlang« täglich zu arbeiten. – Vielmehr ist es das Bewusstsein, dass das Wirtschaften ein gemeinschaftlicher Prozess ist, ein »Für-einander-Leisten«, welches die Produkte und Dienstleistungen erbringt, die wir alle für unsere Existenzsicherung brauchen. Wir arbeiten das, was nötig, ist und mehr nicht. Oder wir arbeiten mehr, weil wir individuell das so wollen.

Die heutige Hartz4-Zwangsarbeit ist eigentlich »sozialistisch«. Und damit »diktatorisch«. Sie gibt einer kleinen Clique von Leuten, »Politikern«, Politkadern, das Recht, andere Personen im Land zu einer Arbeit zu zwingen. Willkürlich gegen die »Würde des Menschen« zu agieren.

Noch sind wir Bürgerinnen und Bürger wie betäubt, und können es kaum fassen, dass uns dies passiert. – Unsere Aufgabe ist es nun, einen »Bürgerwillen« zustande zu bringen, der die gesellschaftliche Ordnung wieder in »menschengemäße« Bahnen lenkt. – Angetrieben dazu, werden wir durch die empörenden Aktionen der »Sklaventreiber« in den Regierungen.

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Krieg führen im Ausland

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Es ist eine unselige Tradition deutscher Afrikapolitik, sich partout nicht für die Länder, ihre politischen und wirtschaftlichen Strukturen zu interessieren, die mit der Bundeswehr, Hilfe oder Investitionen beglückt werden sollen.

Erst einmal ist festzustellen, niemand fragt die Bürgerinnen und Bürger, ob in ihrem Namen (dem Namen ihres Landes) in anderen Ländern Krieg geführt werden soll. Da wäre schon anzusetzen, ob das überhaupt gerechtfertigt ist. Dann geht es darum, was ist der Grund für militärische Intervention.

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Und im Moment haben wir in Afrika im Sahel-Gürtel eine ganze Reihe von scheiternden und gescheiterten Staaten – wir haben das gerade im Vorbericht gehört -, in denen es praktisch keinerlei staatliche Souveränität, kein Gewaltmonopol mehr gibt, und die Mischung von fundamentalistischem Terror, von Drogen- und Menschenhandel, von organisierter Kriminalität, ist eben eine unmittelbare Bedrohung für die Europäische Union, die sich auf Flucht, Vertreibung auswirkt, die aber vor allem auch einen Rückzug bietet für Phänomene wie Internet-Kriminalität, wie Terror-Vorbereitung.

Wenn gescheiterte Staaten der Grund sind, militärisch aktiv zu werden, bedarf es Staatsformen, die es dann neu zu schaffen gilt. Aber welche können das sein? Was haben wir da an Vorbilder und Leitmuster anzubieten?

Doch hoffentlich nicht die maroden, europäischen Staaten, die von einer Krise in die andere taumeln. Deren Demokratien vielleicht noch auf dem Papier existieren, die die Verfassungen dieser Staaten beschreiben, aber doch nicht mehr in der Realität. Oder gar die USA, deren Militärapparat schon die ganze Politik beherrscht und die Gesellschaft durchdringt, und jegliche einstmals vorhandenen Freiheiten abgeschafft hat.

Es ist sicher so, dass es sich nicht um ein postkoloniales Abenteuer oder um eine Aufgabe handelt, die sich aus der Vergangenheit ergibt, sondern Westafrika ist heute das Haupteinfallstor für Drogen aus Lateinamerika. Dort sind viele Internet-Seiten beheimatet, auf denen auch in Deutschland, in Europa Internet-Kriminalität bis hin zur Kindesmisshandlung betrieben wird.

Sind Internetkriminalität und Drogenhandel als Argumente ausreichend, um in anderen Ländern militärisch zu intervenieren?

Man kann doch nicht deshalb es verweigern, gegen Kriminalität, gegen Terrorismus vorzugehen, weil man sagt, aber da gibt es auch Wirtschaftsinteressen. Zur Stabilität gehören natürlich ökonomische Interessen, und dass gerade wir Deutschen, die wie kein anderes Land volkswirtschaftlich vom Export leben, ein wirtschaftliches Interesse an Stabilität haben – – Wir haben übrigens auch ein wirtschaftliches Interesse an Stabilität im Inland und wir wollen auch, dass diese Phänomene nicht nach Europa und nicht nach Deutschland kommen. Deswegen ist diese Unterscheidung, es geht entweder um Sicherheit oder um wirtschaftliche Interessen, doch falsch. Natürlich gehört zur Stabilität eben auch Welthandel, Freihandel. Unser ganzes Lebensmodell, die soziale Marktwirtschaft, eine exportgetriebene Wirtschaft, leben von sicheren Zugängen zu Rohstoffen, von sicheren Handelswegen und davon, dass nicht aus instabilen Ländern, gescheiterten Staaten die Unsicherheit zu uns nach Europa überschwappt.

Im Grunde hat dieser Politiker nicht gesagt, was aus den Regionen werden soll, in denen die europäischen Soldaten »eingreifen«. Denn nicht der Eingriff ist das Entscheidende, sondern die Frage, was danach eigentlich passiert. Darüber wird in der Regel meist nicht mehr viel berichtet. Schlimmstenfalls installieren die Kriegsgewinner Marionetten-Regierungen, die die wirtschaftlichen Interessen der Siegermächte unterstützen, während die Anliegen der eigentlichen Bevölkerung zur Seite gewischt werden. Das sind dann Terrorregime, vertreten durch z. B. eine Ethnie, die die übrigen Bewohner drangsalieren und von den Siegerstaaten und Firmen, die die Rohstoffe ausbeuten Geld erhalten. – Haben wir dann in solchen Ländern Demokratie oder eine Gesellschaft, die die Interessen der Bevölkerung im Auge hat? Sicher nicht. Somit führt ein Krieg nicht zu besseren Lebensbedingungen der dort lebenden Menschen, sondern »nur« zur Freien Marktwirtschaft der Liberalen dieser Erde. – Dafür also brauchen die Regierungen die Zustimmung der Bevölkerung?

Anders würde das aussehen, wenn die UNO eine Blaupause erstellt, für »staatliche Ordnung« überhaupt. Sodass man sagen kann, ein Staat wurde (aus unterschiedlichen Gründen) zerstört, aber es gibt ein Modell zum Beispiel für Nachkriegs-Gesellschaften, welches immer menschenwürdige, gerechte Verhältnisse für alle in einem Gebiet lebenden Menschen bewirkt.

Wie muss ein Universalmodell für gesellschaftliche Ordnung aussehen?

  • Wirtschaft dient der Versorgung der Bevölkerung. Dies ist erstes Ziel jeglicher lokalen Wirtschaft. – Das Ergebnis einer solchen Wirtschaft gewährleistet die dauerhafte und sichere Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie.
  • Es gelten bei allen Entscheidungen, die die Bewohner betreffen die Menschenrechte.
  • Alle Entscheidungen mit in erster Linie lokaler Wirkung werden von den Menschen vor Ort abgestimmt. Direkte Demokratie ist die Regel.

In welcher Form die Menschen in den Ländern diese Ansätze umsetzen, sollte ihnen freigestellt bleiben. »Regierungen, Parlamentarische Demokratie, Wahlen, Parteien« sind dafür nicht zwingend notwendig.

Wäre also nicht der Krieg dasjenige, das die Bevölkerung gutheißen soll, sondern eine Ordnung, die als »Weltordnung danach« denkbar ist, dann bestünde noch eine andere Perspektive.

Auf dem Weg in eine gerechte und menschenwürdige Welt – gemeinsam mit der Wirtschaft

Der Autor erzählt in seinem Buch unter anderem von einer Reise im Jahre 2010. Eine Reise ohne Geld durch Teile der Welt. Eine schön geschriebene Story, zusätzlich garniert mit vielen Informationen über die Erde und den Umgang, den wir mit ihr pflegen. Von Holland aus sind diese drei jungen Menschen losgezogen, um über Spanien, Marokko, Mallorca, bis nach Brasilien, Mittelamerika, und Mexiko zu gelangen. Ich war erstaunt, dass sie überhaupt so weit kamen, ohne vorher »gestoppt« zu werden, durch mangelnde Überlebensmöglichkeit, Raub, Körperverletzung. – Im Vergleich zu vielleicht vor 30, 40 Jahren, ist es heute viel gefährlicher »durch die Welt« zu ziehen. Aber sie machten sich auf den Weg.

Was der Autor über Brasilien schildert, war mir so nicht bekannt. Von Brasilien hört man immer nur, dass es eine aufstrebende Wirtschaftsnation ist, die immer »erfolgreicher« ihren Weg geht. Welche Formen von Armut und Elend in diesem Land zu finden sind, beeindruckte mich dann doch. Nachts schlafen in der Altstadt von Recife viele Menschen auf der Straße, Erwachsene und Jugendliche schnüffeln Klebstoff, und die 3 jungen Menschen wurden 2 mal von der Polizei gestoppt, als sie abends an den Strand von Recife laufen wollten. Es sei zu gefährlich. – Ungeschützt zu übernachten war nicht möglich, da von Diebstählen auszugehen war. Letztlich wurden sie dann doch bestohlen.

Aber wenn ich genau überlege, ist es denn in Frankfurt am Main wirklich viel anders? Auch hier findet man abends Menschen, die auf der Straße übernachten. Vielleicht sind es nicht so viele, wie in Recife, aber sie sind da. Viele Menschen durchwühlen mittlerweile die Papierkörbe und Müllcontainer nach Verwertbarem. Und wenn man abends durch die Straßen zieht, und zwar nicht nur in den Vierteln, die als »gefährlich« bekannt sind, dann geht man ein Risiko ein, überfallen zu werden. Und wer sich abends und nachts am Mainufer aufhält, kann durchaus damit rechnen, unliebsame Bekanntschaften zu machen.

Eher überrascht war ich über seinen Bericht aus Ländern wie Mexiko, Kambodscha, Marokko, dass er dort alleine, oder mit den anderen, relativ problemlos hat sich aufhalten und reisen können, ohne oder mit wenig Geld. – Das war schon interessant.

Sehen wir Länder, in denen Gewalt, Elend und Armut zu finden sind, fragen sich doch viele Menschen, ob man dieses nicht »umwandeln« könnte in eine lebenswertere Welt.

Wenn wir Menschen etwas gestalten, so ist es doch nicht nur die Wohnung oder unseren Kleingarten. Wir gestalten unsere Lebenswelt (in der sich auch andere Menschen befinden) und die Ordnung (oder Unordnung), die in ihr herrscht. Ja, wir gestalten die ganze Welt, wenn die Möglichkeiten dazu vorhanden sind.

Heute schauen wir uns Gebiete an, in denen die dort lebenden Menschen die Verantwortung haben sollten, und stellen unterschiedlichste Zustände fest. Nehmen wir Situationen war, die wir nicht gutheißen können, stellt sich de Frage, warum ändern die Menschen, die dort leben, nicht die Verhältnisse zum besseren? Und eine Vielzahl von Antworten sind dann möglich.

• Die Mehrheit im Land will keine Veränderung.
• Eine Minderheit beherrscht die Mehrheit und will keine Veränderung.
• Die Regierung und die Herrschenden behaupten, Veränderungen seien nicht oder nur sehr schwer möglich.
• Alle im Land habe keine Idee.

Wir müssen uns immer dafür einsetzen, dass die Lebensbedingungen überall auf der Welt menschengemäß sind und der Würde des Menschen entsprechen. Den ganzen Menschenrechtskatalog der UNO auswendig zu wissen, ist vielleicht zu viel verlangt, aber wenn wir Unrecht bemerken, sollten wir wissen, welche Paragraphen in der Menschenrechts-Charta sich dazu äußern. Und wenn wir feststellen, dass ein Unrecht gegen die Menschenwürde noch nicht in einem Menschenrechts-Artikel in ein Gutes gewendet wurde, dann sollten wir dafür eintreten, dass dies geschieht.
Ich weiß, ich habe gut reden, wenn man im Hamsterrad der Berufstätigkeit, oftmals mit dauernden Überstunden, eingespannt ist, und kaum Zeit hat sich selbst zu erholen, dann sind weitere Aktivitäten kaum möglich. Und was bringen diese Aufrufe, wenn die Menschen weder Kraft noch Energie haben, sich für die wichtigen Dinge einzusetzen. Aber vielleicht sollten wir aufmerksam unser Schicksal beobachten. Manchmal ereignen sich (dramatische) Situationen, die auf den ersten Blick für einen selbst von Nachteil erscheinen, aber auch eine Chance darstellen, aus festgefahrenen Wegen auszubrechen, um Sinnvolleres zu tun.

Um mehr über das Land Brasilien zu erfahren, schaute ich bei Wikipedia nach.

Bei dem Artikel über »Brasilien« waren mir besonders die Abschnitte über Innere Sicherheit und der über die Wirtschaft wichtig. Aber nicht nur bei diesen Abschnitten, sondern auch bei anderen Beiträgen kann immer wieder die Frage nach dem »Wozu« gestellt werden.

»Wozu« passiert dies und das, »wozu« wird dieses und jenes gemacht, »wozu« sind diese und jene Aussagen gut. Und erst recht ist diese Perspektive von enormer Bedeutung, wenn man sich selbst die sinnvollen Antworten auf ein »Wozu« bei vielem sich vorstellen kann.

Dann fangen ich einfach mal an:

Traditionelle Völker und Gemeinschaften

Da die Entwicklungspolitik Brasiliens derzeit jedoch nach wie vor auf die Ausbeutung der Naturressourcen setzt und die Zerstörung der Ökosysteme und der destruktive Kulturwandel weiterhin dramatisch fortschreitet, ist gerade die Sicherung der Territorien der entscheidende Punkt für den langfristigen Fortbestand der lokalen Kulturen.

Schon hier macht ein »Wozu« Sinn. Was will denn die Politik da »entwickeln«? Wieso setzt sie auf »Ausbeutung der Naturressourcen«. Wieso »schreitet die Zerstörung der Ökosysteme« und der »destruktive Kulturwandel« weiter fort? So sind die scheinbar erläuternden Beschreibungen des Wikipedia-Autors eigentlich wenig hilfreich und lassen einen ratlos zurück. – Denn hier fehlt seine Einschätzung, was ist eigentlich wichtig, sodass er die Ereignisse in eine Wertigkeit bringen kann.

Brasilien ist ein Vielvölker- und ein Vielreligionenstaat. Bildung wird sowohl in privaten, wie auch öffentlichen Schulen vermittelt.

In Brasilien wird jeder im Krankenhaus oder beim Arzt behandelt, ohne eine Krankenversicherung zu besitzen.

Das ist wirklich nachahmenswert.

Innere Sicherheit

Das Polizistengehalt ist niedrig, deswegen gilt die Polizei als besonders korruptionsanfällig. Es ereignen sich zudem zahlreiche Fälle, in denen Polizeiangehörigen Machtmissbrauch bis hin zu Erpressung und Mord vorgeworfen wird. Auch innerhalb der Justiz ist Korruption weit verbreitet. Gefängnisaufstände in den überfüllten Haftanstalten sind keine Seltenheit. Das Leben der Kleinbauern und Indios auf dem Land ist durch Konflikte mit Großgrundbesitzern und Unternehmen gefährdet, die nach Rohstoffen suchen.
Um die hohe Zahl an Gewaltopfern zu verringern, wurde im Januar 2004 ein Gesetz vorgeschlagen, das den privaten Waffenbesitz verbieten sollte. Dieser Gesetzesvorschlag ist 2005 per Volksreferendum abgelehnt und deshalb ausgesetzt worden. Als einer der Gründe dafür wurde mangelndes Vertrauen in die Polizei genannt.

Interessant ist erst einmal, dass es überhaupt eine Volksabstimmung über »privaten Waffenbesitz« gegeben hat. Vorbildhaft. Ja, das mangelnde Vertrauen und das niedrige Polizistengehalt stechen dabei sofort ins Auge. Und »Sicherheit« ist doch nur von Bedeutung, wenn es etwas »von Wert« gibt, dass es sich lohnt zu verteidigen. Vielleicht haben die Armen, Elenden und Entrechteten nichts, was sich lohnt zu verteidigen?

Würden die Menschen Brasiliens in einer gerechten Gesellschaft leben, hätten sie ein angemessenes Einkommen, wären alle berücksichtigt und niemand vergessen, dann könnten die Menschen von einem »guten« Staat sprechen, den es sich lohnt zu verteidigen und für den man gemeinsam eintritt.
Somit ist »Sicherheit« in einer Gesellschaft nur möglich, wenn »alle« an einem Strang ziehen, und gleichermaßen ein sicheres Leben bevorzugen und dabei den Staat als etwas Wertvolles erleben. Ein menschenwürdiges Dasein würde dafür die Motivation schaffen. Dieses wäre zu verteidigen und jeder könnte die Aufgabe übernehmen, den Mitmenschen und sich selbst zu schützen, zum Beispiel im Dienste der Polizei.

In der Volksabstimmung wurde der Polizei nicht das Vertrauen ausgesprochen und dem Verzicht auf Waffen zugestimmt, weil die Menschen in der Gesellschaft keine gerechten und menschenwürdigen Verhältnisse in Brasilien vermuten und statt allen Menschen ein bescheidenes, aber menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, versuchen die verschiedenen Lobbygruppen für sich selbst das Beste (und meiste) herauszuschlagen, während andere, ohne Lobby, sich prostituieren, versklaven und verkaufen müssen. – Das Misstrauen in die Mitmenschen hat den Ausschlag bei dem Referendum gegeben.

Nun aber zu dem meiner Meinung nach wichtigsten Bereich, der nicht nur Aussagen über die Verfasstheit des Landes Brasilien ermöglicht, sondern auch über den Blick des Wikipedia-Autors auf dasjenige, was man allgemein »Wirtschaft« nennt.

Die brasilianische Wirtschaft befindet sich in einem allgemein guten Zustand. Hohe Wachstumsraten, Rekorde bei Außenhandel, Investitionen und Beschäftigungszuwachs erhöhen das wirtschaftspolitische Interesse an Brasilien.

Die Wirtschaft befindet sich »in einem guten Zustand«. Für was?

Wachstum, Rekorde beim Handeln …… erhöhen das Interesse an dem Land. Wessen Interesse? Für was?

Das wichtigste wirtschaftspolitische Maßnahmenpaket ist seit Januar 2007 das Programm zur Beschleunigung des Wirtschaftswachstums ….

Wozu soll die Wirtschaft wachsen? Der Autor reiht eine Aussage an die andere, ohne darüber Auskunft zu geben, wozu das alles gut sein soll.

Böswillig könnte man jetzt meinen, dass er natürlich darauf hinweisen will, welche Faktoren alle dazu beitragen, dass die Profite der Kapitalisten weiter in die Höhe schnellen, und das er das gar nicht mehr erwähnt, weil er annimmt, dass wir Leserinnen und Leser das genauso denken. Und richtig ist sicher auch, dass er tatsächlich nicht darüber schreibt, was das eigentlich alles soll und wozu es gut ist. – Aber erstmal weiter.

Der Bergbaukonzern Vale ist das profitabelste Unternehmen Lateinamerikas und der größte Eisenerzproduzent der Welt. …..
Auch der Flugzeughersteller Embraer hat einen staatlichen Hintergrund, gehört inzwischen aber mehrheitlich privaten Eignern.
Brasilien wird im Allgemeinen ein großes ökonomisches Potential zugeschrieben. Das liegt unter anderem an der fortgeschrittenen Industrialisierung, politischer Stabilität und an der großen Menge an Rohstoffen, insbesondere gewaltiger Vorkommen an Eisen.

Für was hat dieses Land »ein großes ökonomisches Potential«? Für Profite? Wessen Interessen werden in diesem Wikipedia-Beitrag in den Fokus genommen und für wichtig erachtet. Die der Unternehmer, Kapitalisten, Lobbyisten und Reichen? Und wie müssten die Aussagen formuliert und die Tatbestände ins Licht gerückt werden, wenn die Interessen der »Allgemeinheit« und das »Gemeinwohl« von allererster Bedeutung wäre? Müsste dann der Beitrag über »Wirtschaft« in dem Artikel über Brasilien in Wikipedia anders geschrieben werden?

Ebenso stärkt die südamerikanische Zollunion Mercosul den Markt in Lateinamerika und eröffnet auch der brasilianischen Wirtschaft weitreichende Möglichkeiten.

»Möglichkeiten« für was? Was soll möglich werden. Soll die brasilianische Wirtschaft es etwa ermöglichen, dass alle Menschen in Brasilien sicher und beständig mit den lebensnotwendigen Gütern versorgt werden? Das ganze Menschenleben lang. Und Elend und Armut finden endlich ein Ende? Na, das wäre es ja. – Aber man liest nichts im Artikel darüber.

Hauptproblem bei der Ausschöpfung dieses ökonomischen Potentials sind allerdings die hohen Kosten („Custo Brasil“) im Land. Darunter fallen etwa Kosten durch die schlechte Logistikinfrastruktur, hohe Steuern, hohe Finanzierungskosten oder das hohe Lohnniveau verbunden mit Fachkräftemangel im Land.

Auch hier müsste man den Autor fragen, was er denn da für Probleme sieht. Denn der Lohn kann niemals zu den »Kosten« gehören, wie etwa Vorprodukte bei der Produktion. Denn man kann keine menschliche Arbeitsleistung »kaufen«. Wir Menschen leisten aus unserer Freiheit heraus, und nicht weil wir in der Tradition der Sklaven uns so behandeln lassen wollen, von den Unternehmern und »Kapitalisten«. – Der Lohn muss heute und in Zukunft immer »Teil des Gewinns« sein. Der Unternehmer muss seinen Betriebserfolg mit allen seinen Mitarbeitern, die mit ihm (gleichberechtigt) »im Team« das Betriebsergebnis erreicht haben, teilen.

Bei den »hohen Steuern« steht allgemein die Frage im Raum, wie die Wertschöpfung eines Landes geteilt wird. Es ist in vielen Ländern üblich, die Hälfte der Wertschöpfung für Gemeinschaftsaufgaben zu verwenden. Aber das sollte die Bevölkerung direkt-demokratisch in einer Volksabstimmung entscheiden. Und bei der »schlechten Infrastruktur« muss man auch wieder fragen »für was«? Geht es um die Versorgung der Bevölkerung mit allen existenzsichernden Gütern (Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie) oder darum, dass andere Länder möglichst bequem die Bodenschätze »stehlen« können (zum Beispiel in dem sie für einen Spottpreis die Umwelt verwüsten dürfen oder mit hundertfachem Gewinn die Naturprodukte verwerten). Und der »Fachkräftemangel« ist genauso fragwürdig. Geht es darum, eine beständige, sichere Versorgung der gesamten Bevölkerung zu erreichen, oder sollen die »fehlenden Fachkräfte« bei der Ausbeutung des »Naturschatzes« Brasilien mithelfen, um »Anlegern« die Taschen zu füllen?

So sind die meisten Aussagen in dem Artikel wertlos, wenn nicht ein Bezugsrahmen hergestellt wird, in dem alles wirtschaftliche Handeln erst einen Sinn bekommt.

Für 2013 wird daher wieder ein Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent prognostiziert, die Industrie-Produktion soll wieder um über 5 Prozent zulegen.

Zu wessen Vorteil? Werden die Gewinne außer Landes gebracht, bereichern sich die Industriellen?

Ausgangspunkt war für mich ein Reisebericht, der ein fast lebensunwirtliches Brasilien aufzeigte. Der Autor wollte in dem Land einfach nur »frei« Tag und Nacht verbringen und das ging nicht, weil es lebensbedrohlich ist. Was muss Brasilien für ein Land sein, in dem solche Verhältnisse herrschen. Deshalb meine Frage, was tut die Wirtschaft seit Jahrzehnten, um Elend und Armut der Menschen zu beenden?

Wird aus der Perspektive der Armen das Tun der Wirtschaftsakteure begutachtet, und das ist durchaus möglich, dann müssen Berichte über wirtschaftliche Aktivitäten in den Ländern anders formuliert und mit anderer Intention geschrieben werden. Und das Wikipedia die Interessen des Kapitals und der Profiteure vertritt (in dem sie deren Position als Blickwinkel wählt), wäre ein Grund diese »Tatsachenbehaupter« zu kritisieren.

Ein besonderer Wachstumsschub wird von der Fußball-Weltmeisterschaft 2014, den Olympischen Spielen 2016 und der Erschließung der 2008 entdeckten umfangreichen Rohöl- und Erdgasvorkommen an der südöstlichen Atlantikküste erwartet.

»Wachstum, Wachstum über alles.« Ich bin mir aber fast sicher, dass die Verhältnisse der Elenden und Armen in Recife, der Menschen in den Favelas, sich trotz der tollen Wachstumsschübe im Jahr 2020 nicht wesentlich verändern haben. Warum? Weil diese »Wachstumsschieberei« überhaupt nichts mit den Interessen der Gesamtbevölkerung zu tun hat. Weil Finanzjongleure, Börsentycoone und Industriemagnate sich die Welt nach belieben aufteilen und mit ihr hantieren.

Es fehlt ein Aufgabenkatalog für die Wirtschaft, der sich an den Interessen der Gesamtbevölkerung orientiert.

Ein erster Schritt in die uneingeschränkte Umsetzung der Menschenrechte als Orientierungsmaßstab für das Wirtschaftsleben könnte zum Beispiel sein, dass Wirtschaftsjournalisten, Blogger, »freie« Radiostationen aufhören, die Standardaussagen der sogenannten »Sachverständigen« und »Fachleute« der Wirtschaft nachzuplappern, und endlich selbst entscheiden, für was Wirtschaft da ist, da sein muss und gebraucht wird.

Im Abschnitt »Entwicklung«:

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts lebte die Bevölkerung vor allem vom Export von Agrarprodukten.

Die Bevölkerung »lebt« von Nahrungsmitteln. Diese werden höchstwahrscheinlich zu 100% im Land Brasilien angebaut. Als Ergänzung können Produkte aus anderen Ländern hinzugewonnen werden. Aber sicherlich haben »Händler und Exporteure« mit der Warenausfuhr große Profite gemacht. – War es die Absicht, darauf hinzuweisen?

Ein aktuelles Problem der brasilianischen Wirtschaft ist die steigende Urbanisierung und Zuwanderung der Landbevölkerung in die Städte. Allein in Brasilia steigt sie pro Jahr um drei Prozent, was in den Armenvierteln katastrophale Auswirkungen hat.

Die Logik dieser 2 Sätze hat es in sich. Die »Zuwanderung der Landbevölkerung« sei ein Problem der Wirtschaft. Warum? Es ist völlig egal, wo die Menschen leben wollen. Immer muss ihre Versorgung durch die Wirtschaft dauerhaft, stabil, sicher und langfristig garantiert sein. Allein diese Aufgabe hat die Wirtschaft. – Die Vorstellung, dass Zuwanderung in die Stadt die Armutssituation verschärft, ist nicht nachzuvollziehen. Aber wahrscheinlich meint der Autor, wenn wir durch Zuwanderung mehr Städter haben, muss die Wirtschaft mehr Arbeitsplätze schaffen. Dies wäre aber das Denken der herrschenden Wachstums-Apologeten.

Zu den größten Herausforderungen für die brasilianische Wirtschaft zählen nach wie vor die Inflation und die Kluft zwischen einer wohlhabenden, gut ausgebildeten Bevölkerungsminderheit und der schlecht ausgebildeten Mehrheit, die größtenteils am Rande des Existenzminimums lebt.

Es ist eine Schimäre, zu behaupten, die Wirtschaft wäre nicht in der Lage, sofort und aus dem Stand für die materielle Existenzsicherung aller in Brasilien lebenden Menschen zu sorgen. Natürlich ist das möglich. Es wird nur nicht gemacht!

Es geschieht aus derselben Ideologie heraus nicht, die auch hier in Deutschland Grundlage ist, für die »staatlich gewollte Armut« eines nicht unbeträchtlichen Teils der deutschen Bevölkerung. Mit genau denselben Argumenten der Schröders, Münteferings und Clements (und der GRÜNEN Unterstützer), wird überall auf der Welt eine bedingungslose, bescheidene, aber menschwürdige Versorgung der Menschen verhindert.

Produktionstechnisch und von den Kapazitäten her, kann die Wirtschaft in Brasilien alle seine Bewohner menschenwürdig versorgen. – Man muss es bloß wollen.