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Die Welt gestalten

»Der Hof«, ein Zusammenschluss von Menschen mit anthroposophischem Bezug, hat seine neue Broschüre herausgebracht, in der als Schwerpunktthema die »Emphatie« angesprochen wird.

Emphatie, etwas, das »im Menschen« sich abspielt, betrifft die eigenen Gefühle, das eigene Denken, also die Instrumentarien, mit denen wir die Welt untersuchen und einschätzen.

Wenn man so will, ist das eine »buddhistische« Weltsicht, bei der es darum geht, mein Inneres so zu gestalten, dass es eine Ordnung in mir findet, die ich bejahen kann.

Die mehr »zarathustrische« Weltsicht ist eine ganz andere. Sie will nicht »im Inneren« ordnen, sondern »das Außen« gestalten und formen. Der Zarathustra fragt, was ist an der Außenwelt nicht in Ordnung, wie kann ich so auf sie wirken, dass sie ins Lot gerät und »angemessen« ist.

In der Vorbetrachtung zum Programm des »Hofs« wird also die Emphatie besprochen und dabei gerät auch die Wirklichkeit ins Blickfeld. – Die Wirklichkeit tritt zum Beispiel auf, durch das »Flüchtlingsthema«. Die Bundesregierung plant, die Flüchtlinge zu »integrieren«. Die Integration besteht als Modell aus demselben, was die politischen Verwalter schon gegen die Arbeitslosen anwenden, das »Hartz4-Konzept«: Fördern und Fordern.

»Fordern« ist der Zwang, arbeiten gehen zu müssen. Die deutsche Zwangsarbeit besteht durch die Hartz4-Sanktionen, die die Menschen dazu zwingen, einen Billiglohn-Job anzunehmen, wenn denn sonst kein gut bezahlter, mit guten Rahmenbedingungen ausgestatteter Arbeitsplatz auffindbar ist.

In genau diesen Billiglohn-Sektor wird aber auch die Mehrzahl der anerkannten Flüchtlinge hineingedrängt, da nicht jeder von diesen »Arzt« oder Ingenieur ist, oder Nischenarbeiten übernimmt, die sonst nicht von der vorhandenen Bevölkerung erledigt werden.

In diesem Kontext steht in der Hof-Broschüre:

Ein verbreitetes Missverständnis ist, zur Empathie gehöre es, alles gelten zu lassen, was der andere sagt, ohne es zu bewerten. „Empathiefähigkeit bedeutet nicht, mit dem anderen inhaltlich einer Meinung zu sein”, sagt Jäckel. Im empathischen Gespräch sollte die Sichtweise des anderen klarer werden, aber deshalb muss man sie noch lange nicht teilen.

Ein Beispiel: Fremdenfeindliche Menschen haben Angst, dass Ausländer ihnen eine andere Kultur aufzwingen oder ihnen ihren Job wegnehmen wollen. Empathie bedeutet, solche Ängste wahrzunehmen — aber man muss nicht verschweigen, dass man sie für irrationale, archaische und destruktive Ängste hält.

Hier könnte jetzt die Frage sein, ist die Angst vor einer Zunahme der Arbeitsplatz-Konkurrenz unberechtigt, wenn mehr Menschen in einer Gesellschaft um Billiglohn-Jobs wettstreiten? – Ist diese Angst irrational, archaisch oder »destruktiv«?

Irrational ist die Angst nicht. – Denn tatsächlich wird der Konkurrenz-Druck am Arbeitsmarkt größer. Die vielen Arbeitslosen werden von den Agenturen für Arbeit und Jobcenter überwiegend in den Billiglohn-Bereich vermittelt. – Durch die Zunahmen an Flüchtlingen, müssen noch mehr Menschen in diesen Bereich »gedrückt« werden. – Die Gefahr ist da, dass die arbeitsabhängigen Menschen von skrupellosen, neo-liberalen Unternehmern »ausgebeutet« werden, weil sie sich nicht gegen diese »unlauteren« Jobangebote wehren können.

»Archaisch« ist diese Angst auch nicht.

Als »destruktiv« könnte die Angst allerdings dann zu recht eingeschätzt werden, wenn sie dazu dient, das Existenzrecht der Flüchtlinge insgesamt in Frage zu stellen. – Die Flüchtlinge haben, wie alle Menschen, ein Recht zu existieren.

Deshalb müssen wir überlegen, wie wir für alle Menschen menschenwürdige Verhältnisse schaffen können. – Das ist der »zarathustrische« Anteil an unserer Weltgestaltung. Wir haben »von innen heraus« uns nach Gesetzmäßigkeiten umzuschauen, was angemessen und menschenwürdig ist, zum Beispiel in Form von »Emphatie«, und wir haben »im Außen« nach diesen Ordnungsstrukturen zu schauen und diese herzustellen, dass die Welt eine wohlgestaltete ist. – Das haben wir als Menschen zu leisten.

Der deutsche Staat war mit seinem bismarckschen Sozialsystem vor über hundert Jahren, ein Vorbild in der Welt. Heute haben wir durch die Politik der GRÜNEN und der Schröder/SPD einen unfassbaren Scherbenhaufen und politisch-gestalterischen Stillstand, der für die Bewohner zur großen Gefahr wird.

Die deutsche Hartz4-Zwangsarbeit ist in direkter Nachfolge zur Nazi-Zwangsarbeit zu sehen. Sie ist in keinster Weise irgendwie »besser« oder sonstwie hinnehmbar. – Das penetrante Unwissen deutscher Politiker über unser Geldsystem, die Geldschöpfung, das Vollgeld, ist gesellschaftsschädigend. Sodass die Politiker persönlich schadensersatzpflichtig sein sollten, für ihre Unwissenheit und den desaströsen Folgen, die daraus für uns alle sich ableiten lassen. – Die Ablehnung des Bedingungslosen Grundeinkommens durch die Politik schadet auch den Flüchtlingen, und nicht nur der vorhandenen Bevölkerung.

Das Bedingungslose Grundeinkommen (bGE) ist ein viel besseres, den Menschenrechten und der Menschenwürde dienliches Konzept, um mit der Einkommenslosigkeit der Leute umzugehen, als sie alle zur Arbeit zu zwingen.

»Destruktiv« wäre somit nicht nur die Furcht vor den Flüchtlingen, dass sie uns die wenigen noch verblieben (schlecht bezahlten mit schlechten Rahmenbedingungen ausgestatteten) Arbeitsplätze wegnehmen, es wäre auch destruktiv, die Regierungen mit ihrer katastrophalen Politik weitermachen zu lassen.

Wir Bürgerinnen und Bürger müssen zusätzlich zur »Emphatie« auch zu einem »Handeln«, zu einem »Aktiv-sein« gelangen. – Es ist die Aufgabe der Menschen, ihre Gesellschaften zu gestalten. Und wenn wir sehen, dass die vom Bürger-Souverän beauftragten politischen Verwalter die Gesellschaften in den existentiellen Abgrund wirtschaften, dann müssen wir aufstehen und uns gegen diese Verhältnisse wenden und bessere schaffen. – Das ist der Zarathustra in uns.

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National

Klingt wie »banal«, ist es aber nicht ganz. – Manche Menschen können das fühlen, was »national« bedeutet. Wer es wagt, dies öffentlich zu machen, wird von Drohzecken angegriffen, die sofort »Nazi« schreien.

Dabei ist der Begriff »national« in anderen Ländern durchaus akzeptiert, etwa bei den »Siegermächten« USA, Russland, England und so weiter. Hier wird er oft gleichgesetzt mit »patriotisch«. Also verteidigen, das Recht (im eigenen Land) gegen das Unrecht (im anderen Land). – Es kann aber passieren, dass das damals einmal gültige Recht schon längst verwirkt ist, in der Gegenwart, weil das Unrecht mittlerweile auch im eigenen Land überhand genommen hat.

Das führt dazu, dass der eigentliche Hebel ins Blickfeld gerät, der die jeweiligen Argumente in die Ausführung bringt: Macht und Kraft, gegen das Andere siegreich zu sein.

Die Diskussion über die Argumente, Weltsicht und Kultur einer bestimmten Gruppe, wird davon abhängig, ob sie »Macht und Kraft« hat, oder nicht. Die Gruppe, die die Oberhand behält, deren Kultur wird anders diskutiert, deren Lebensweise bekommt in der Welt einen anderen Stellenwert, als es bei den anderen der Fall ist.

Wird also das »Nationale« argumentativ behandelt, und wird der Aspekt der Macht als ein separates Feld angesehen, dann muss die Frage lauten, welche Optionen bietet das »Nationale«, um die Aufgaben der Gegenwart zu bewältigen und die Gesellschaften der Zukunft zu gestalten.

Sofort auffällig ist der Aspekt der Abgrenzung. Denn das Nationale kann nur benannt werden, wenn es Nicht-Nationales gibt. Es müssen also Menschen ausgegrenzt werden, um dem Begriff des Nationalen einen Sinn zu geben. – Sicher fällt den meisten spontan ein, dass ein nationaler Staat einer ist, der sich eher minderheitenfeindlich, eher Flüchtlingen gegenüber ablehnend verhält. – Dabei ist der »Flüchtling« nur ein Synonym für den modernen Menschen, der sich die Orte einfach aussucht, an denen er leben möchte, ohne belästigt zu werden, von örtlichen »Nationalen«, die meinen, ihnen würde das Land gehören. Sofern die Wanderbewegungen für unsere Erde verkraftbar sind, gibt es keinen Grund, dass sich selbsternannte »Bodenwächter« den umherziehenden Menschen in den Weg stellen. – Der Mensch muss frei sein, seinen Aufenthaltsort wählen zu können. – Natürlich muss dieses Recht dann auch für alle gelten. Wer in Afrika leben möchte, sollte dies tun können, ohne von Ortsansässigen bedroht zu werden.

Allerdings hat sich die westliche Welt, als »moderne« Staatengemeinschaft, als »Zivilisation«, selbst in Misskredit gebracht. Wir sollten schleunigst dazu beitragen, dass wir eine funktionierende Weltgemeinschaft haben, in der die Menschenrechte oberste Maxime sind. Dann werden wir auch wieder in der Welt Verständnis vorfinden, für unsere persönlichen Anliegen.

Dass »das Nationale« irgendetwas an sich hat, welches sich heute wieder ausbreiten sollte, damit wir voran kommen, das kann ich nicht erkennen, auch wenn es als »Gefühl« immer mal in den Menschen aufflammen mag. Übrigens waren die beiden Kriegs-Vorkommnisse im 20. Jahrhundert Beispiel dafür, wie der Nationalismus (hier bei uns) irrtümlich für einen Ausweg gehalten wurde. Beides mal führte dieses »Gefühl« ins Unglück.

Menschenwege – Demonstrationsrecht trotz Störungen

taz–Essay-Nationalismus-in-Europa

Micha Brumlik schreibt über Nationalismus, die Ukraine und das »Weltbürgerrecht«.

Tatsächlich ist der »Nationalismus« heute ein Thema, insbesondere wenn es darum geht, die Wanderbewegungen der Menschen einschränken zu wollen. Und Herr Brumlik erwähnt Immanuel Kants Idee vom »Weltbürgerrecht« , dass den umherziehenden Menschen aber keinen Freibrief ausstellte:

Dabei ging es gewiss nicht um ein kategorisches Recht auf Einwanderung, wohl aber um das Recht, aus Not gerettet zu werden.

»Notlagen« werden aber von Macht-Organisationen definiert (siehe die Hartz4-Gesetzgebung) und der Willkür ist Tür und Tor geöffnet.- Ja, warum nicht ein unumwundenes Recht auf »Wanderung«? – Das würde einem »Weltbürgerrecht« sehr gut zu Gesicht stehen. Und da könnte die Idee drinstecken, dass die freie Wahl des Aufenthaltsortes für uns Menschen denkbar ist.

Und Brumlik diskutiert den »Nationalismus« anhand der Ukraine, dabei wäre es doch viel lohnender gewesen, diesen am Beispiel von Russland zu behandeln. Doch wer will sich schon mit dem »großen Bären« anlegen. – Die in den letzten Jahren arg gezausten Menschen in der Gegend »Ukraine«, sind da ein einfacheres Klientel. Jedoch, was geben sie her, um den Nationalismus zu beweisen. – Wahrscheinlich gibt es so viele Gründe, warum die Menschen dort sich für Veränderungen einsetzen, dass sie selbst nicht genau wissen, welche Faktoren sie alle antreibt.

Und dann dieser Punkt:

In der hiesigen Publizistik erschien der „Maidan“ als Freiheitsfeier im Geiste der Französischen Revolution. ………. Transparente mit Namen und Bild des ukrainischen Nazikollaborateurs Stepan Bandera jedenfalls wurden von den Demokraten auf dem Maidan weder untersagt noch entfernt.

Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und Demonstrationsrecht sind hohe Güter. Sie zu beschädigen wäre eine Schande. Deshalb sollten wir uns bemühen, diese Rechte zu hegen und zu pflegen.

Schon bei Inge Hannemann fiel mir auf, wie schnell auf das Demonstrationsrecht verzichtet wurde, nur weil die Möglichkeit bestand beziehungsweise das Gerücht im Umlauf war, es könnten »Nazis« an der Demonstration gegen Hartz4 teilnehmen. – Allein der Verdacht einer Störung der Versammlung reichte aus, um die Organisatoren dazu zu bringen auf diese wichtige Demonstration gegen ein deutsches Unrecht zu verzichten. – Unfassbar.

Bei Demonstrationen wird entweder eine Strecke gelaufen, oder die Leute stehen die ganze Zeit auf einem Platz. An einer Demonstration können zum Beispiel 5, 50, 500 oder 5000 Leute teilnehmen. Um Demonstranten herum wird kein Absperrband gewickelt, so dass scharf zwischen »öffentlichem Raum« und Gruppe der Demonstranten unterschieden werden kann. Während einer Demo können Teilnehmer schnell mal beim Bäcker verschwinden, sich etwas kaufen, und sich dann wieder der Demonstration anschließen. Manche Demonstranten stehen dicht beisammen, andere stehen alleine oder in kleinen Gruppen ein paar Meter neben der Hauptgruppe. Manche Demonstrationen sind so groß, dass der Anmelder der Demonstration nicht überblicken kann, wo die Demo anfängt und wo sie aufhört. Manche Leute laufen 20 Minuten mit und verabschieden sich schon wieder. Die Grenzen zwischen Passanten und Demonstranten verschwimmen teilweise. Das hängt auch von den räumlichen Gegebenheiten ab.

Wenn nun an irgendeiner Stelle einer unübersichtlichen Demonstration plötzlich Transparente mit Naziinhalt auch nur für einen kurzen Moment hochgehalten werden, und in einer abgesprochenen Aktion ein bestellter »Journalist« das ablichtet, im Hintergrund der Demonstrationszug, wer soll das verhindern? – Aber selbst wenn die Organisatoren und »Demokraten« direkt neben einer solchen Provokation stünden, sollen sie eine gewalttätige Auseinandersetzung riskieren? Natürlich müssen solche Vorkommnisse der Polizei gemeldet werden. – Und wenn überhaupt jemand aktiv vorgehen könnte, gegen solche Provokationen, dann die Polizei.

Was nun genau in der Ukraine bei den Demonstrationen vorgefallen ist, darüber spekulieren wohl auch diejenigen, die über diese Ereignisse schreiben. – Aber es möge sich doch nur jemand einmal vorstellen, wenn solche Provokationen gezielt veranstaltet werden, um Demonstrationen zu verhindern, zukünftig, was das für eine negative Folge wäre, für die in den Menschenrechten verbriefte Versammlungs- und Meinungsfreiheit. – Mit solchen Provokation ließe sich doch das Demonstrationsrecht komplett lahmlegen. Und um das zu verhindern, sollten diese Vorgänge gar nicht so aufgebauscht und hochgehängt werden. – Es genügt festzustellen, dass die Versammlungsleiter die Pflicht haben, solche Vorgänge der Polizei zu melden, damit diese die nicht erlaubten Transparente entfernt. – Das war es.

Aber durch solche Andeutungen, wie sie Brumlik macht, wird doch der Eindruck erweckt, als wollten die Veranstalter solche nationalistischen Transparente. – Beweise hat er für diesen Verdacht scheinbar nicht.

Flüchtlingsdrama vor Lampedusa

Diese Situation kann man eigentlich nur bewerten, wenn man sie gefühlsmäßig und sachlich angeht. In den Nachrichten heißt es, dass die Flüchtlingspolitik Europas schuld an den Dramen sei, weil Europa eine restriktive Flüchtlingspolitik betreibt.

Ich selbst hatte einen besseren Zugang zu dem Flüchtlingsthema, als ich das Buch von Alfred Kantorowicz »Exil in Frankreich« gelesen hatte, in dem er seine eigenen Erlebnisse verarbeitete. Die Flucht ist aus der Sicht der Betroffenen unumgänglich, da ihr Leben an ihrem Ausgangspunkt bedroht ist und sie eine physisch sichere Situation anstreben. Kantorowicz berichtete, dass sie zwar als Flüchtlinge aufgenommen, aber teilweise in Lagern interniert und physisch schlecht behandelt wurden. Außerdem hatten die Verfolger zum Schluss dann doch wieder Zugriff auf die Flüchtlinge.

Wenn man sich ein Bedingungsloses Grundeinkommen vorstellt, das allen Menschen auf der Erde zusteht, weil es ein Menschenrecht ist, dann fällt es eigentlich noch leichter, die Flüchtlingsaufnahme zu begründen. Denn es wird letztlich, so die Zukunft, die ich mir vorstelle, bedeutungslos sein, wo man sich auf der Erde aufhält: der Mensch wird immer einen Zugriff auf die existenzsichernden Güter haben (müssen), zum Beispiel über eine »Karte«, etc., die den Bezug von Lebensmitteln, Kleidung und Energie, sowie die Anmietung von Wohnraum problemlos ermöglicht. – Deshalb muss das Bedingungslose Grundeinkommen als Menschenrecht in allen Ländern dieser Erde verankert werden.

Natürlich können durch den Zuzug von Menschen, die einer anderen kulturellen Orientierung angehören, auch Probleme im Miteinander entstehen. Für diese Probleme müssen wir Lösungen finden. Zum Beispiel können in Ländern mit einer stark fortgeschrittenen Individualisierung, die »vereinzelten« Personen auf einmal im Nachteil sein, gegenüber stark gruppenorientierten Lebensformen. Da müssen dann Lösungen gefunden werden, die allen Beteiligten gerecht werden. Insbesondere Menschenrechte und Grundrechte müssen dann besonders hervorgehoben werden, gegenüber Gruppen- und Partialinteressen.

Ein anderer Punkt, der nicht zwingend mit der Hilfe für die Flüchtlinge zu tun hat, aber auch nicht einfach ignoriert werden kann, ist die Frage, warum die Menschen von wo genau, geflohen sind? Es ist unsere Aufgabe (als Weltgemeinschaft), dafür zu sorgen, dass es keine Fluchtgründe in keinem Land der Erde geben sollte. – In den Nachrichten hieß es, die Flüchtlinge vor Lampedusa kamen aus Eritrea und Somalia.

In Kantorowicz Fall war der Fluchtgrund die Nazidiktatur in Deutschland. Und wie wir alle wissen, wurden die Nazis bekämpft und ihre Herrschaft beendet, so dass dieser Fluchtgrund danach nicht mehr gegeben war.

Flucht und Wanderbewegungen

tagesspiegel–asyl-und-fluechtlinge-ein-bleiberecht-fuer-alle-ist-falsch

Wer fordert, Bleiberecht für alle, keine Abschiebung mehr, der nimmt in Kauf, dass Schlepper und Menschhändler künftig über unsere Einwanderungspolitik bestimmen.

Ja, es läuft auf die Frage hinaus, wer bestimmt. Die Flüchtlinge, die wohin wollen, die bestimmen wollen, wo sie sich aufhalten können, oder die Ortsansässigen, die Einheimischen.

Der erste Fehler ist, dass alle (berechtigten) Zweifel an den bedingungslos offenen Türen, sofort als rechtsradikal von interessierter Seite denunziert werden. Die Bürger dürfen nicht sagen, wie sie sich fühlen oder was sie aus dem Gefühl heraus für am Besten halten. Es besteht das Risiko, das es nicht ins Konzept der herrschenden Politik passt. Die »Bollwerk« Empfindungen kommen bestimmt bei vielen Menschen instinktiv hoch. Wir sollten aber dann ruhig weiterdenken, von mir aus auch zu den Abwehrgefühlen stehen. Für mich war das Buch eines Flüchtlings der Anlass, stärker in Perspektiven der permanenten Bewegung zu denken, statt im abgeschotteten Stillstand (auch wenn ich räumliche Sicherheit für Einheimische nicht geringschätze).

Wäre es nicht wünschenswert, wenn Flüchtlinge »mit Sicherheit« woanders aufgenommen würden? Wäre das nicht ein weltpolitisch wertvolles Ziel, dies garantieren zu können. Ohne die Menschen für ihr Verhalten schikanieren zu wollen. Vielleicht sollten wir, statt unsicher mit den Vorgängen umzugehen, offensiv uns mit »räumlicher Freiheit« als Menschenrecht befassen, und Wanderbewegungen grundsätzlich für alle Menschen für möglich erachten. Verknüpft man diesen Gedanken mit der Idee des Bedingungslosen Grundeinkommen, erscheint es erst recht umsetzbar. Denn jede Person hätte, egal wo sie sich aufhält, das Recht auf eine bescheidene, aber menschenwürdige Existenzsicherung. Das, als Weltgemeinschaft gewährleistet, würde den Zusammenhalt der Menschen verdeutlichen. Und wir sollten auch umgekehrt den Weg uns vorstellen: Warum können wir im Westen nicht losziehen, um in Afrika, in den Weiten Russlands, oder wo auch immer leben zu können? Auch das sollte in Zukunft möglich sein.

Aber es bleibt auch die Frage, ob lokale Mehrheiten einen Zuzug von Menschen verhindern dürfen. Ich denke ja, wenn es für die »Wandernden« Alternativen gibt. Umgekehrt müssen die Einwohner in den Ländern, in die Personen fliehen, auch für menschenwürdige Umstände an den Orten sorgen, von denen die Menschen geflohen sind.

Kontrolle und Zwang als Teil politischer Raumorganisation

Es sind längst nicht mehr nur die Flüchtlinge, Asylbewerber, die massiv kontrolliert und zu einem bestimmten Verhalten gezwungen werden sollen. Auch die übrige Zivilbevölkerung gerät mehr und mehr in den Fokus einer staatlichen Gewaltanwendung, die nicht durch die Zustimmung der Bevölkerungen gedeckt ist (unterschieden werden soll zwischen auch bei geringster Wahlbeteiligung zustande gekommener politischer Führung und dem Volkeswillen).

Bei Hartz4 gibt der Staat die Parole aus, er habe das Recht zu fordern (Forderungen an die Bevölkerung stellen). Aber ist das so? Wenn die Forderungen längst die Schwelle der Menschenrechtsverletzungen überschritten haben, wird von den Politikern ganz selbstverständlich weiter »gefordert«, und werden übelsterweise von den eigentlich getrennt denkenden Juristen (Gewaltenteilung) gedeckt. Der Justiz gelingt es nicht, Menschenrechtsverletzungen bei den Zwangsmaßnahmen festzustellen. Sei es nun bei Hartz4 (Zwangsarbeit) oder bei den GEZ-Gebühren (Zwangsabgaben).

Was die räumliche Nutzung des Gemeinwesens angeht, werden die Menschenrechte ignoriert und die Bedürfnisse der Personen übergangen und gegen sie interpretiert (selbst schuld an der Lage). So wird zwar Asyl gewährt, aber zähneknirschend und der Asylant als feindliches Wesen angesehen, das möglichst bald wieder verschwinden sollte. Fühlen sich die Personen eingeengt und sehen keine Chance zu leben, werden sie kriminell und als Folge ausgeschafft oder in Gefängnisse gesteckt. Ihre Situation verschlechtert sich immer weiter.
Denn die Lebensmöglichkeiten werden ganz wesentlich von den anderen bestimmt, von denen die nicht selbst in diesen Situationen sich befinden. Es liegt in deren Macht, die Lebenssituation von Flüchtlingen zu erleichtern oder zu erschweren. Warum aber erschweren die Einheimischen die Lebenssituation der Flüchtlinge? Nun, sie fürchten einen weiteren Zuzug, wenn die Lebenssituation der Aufgenommenen gut ist.

Es fehlt also ein Gesamtkonzept. Dies muss so aussehen, dass die Grenzen (Landesgrenzen) an Bedeutung verlieren. Die Lebensverhältnisse für alle Menschen müssen sich im Guten angleichen. Ein sinnvoller Einstieg dazu wäre das Bedingungslose Grundeinkommen (bGE). Wenn der Lebensraum der Menschen als ein für sie notwendiger angesehen wird, könnte dieser im Sinne aller Menschen gestaltet werden. Also z.B. nicht Asylunterkünfte, die überwacht werden müssen, wer da wohnt und so weiter, sondern »freie« Wohnräume, bei denen man vom Verwalter einen Schlüssel erhält und solange dort wohnen bleibt, wie man möchte.

„These families are sleeping in their cars, in tents, on city buses and hospital emergency rooms. Of course they need permanent homes. But equally important, they need a place to be safe, warm and together tonight,“ Hartman said.

Ein Bedingungsloses Grundeinkommen macht die Menschen finanziell unabhängig, aber zum gestalteten Lebensraum hinzurechnen und hinzufügen können wir Essensstellen, die zu bestimmten Zeiten kostenlose Essen ausgeben (als Teil kommunaler Infrastruktur). In den Wohnungen wiederum stehen pro Tag ein Quantum Energie zur Verfügung (abzapfbar aus den Steckdosen) und »Kleiderpaläste« geben in allen Größen und zu jeder Jahreszeit passende Kleidungsstücke kostenlos an die Menschen ab. – Dies ist ein Gesamtkonzept. Es hat zum Ziel, nicht den Menschen unter Kontrolle zu halten und ihn zu diesem oder jenem zu zwingen, sondern ihn in Freiheit leben zu lassen, gemäß den Absichten, die sich in jedem von uns abzeichnen und realisiert sein wollen. Und die volle Freiheit, durch den Raum zu schreiten, ergibt sich erst, wenn die lebensnotwendigen Güter und Dienstleistungen »in greifbarer Nähe« des Menschen sind und er sich darüber hinaus auf das Wesentliche in ihm selbst konzentrieren kann.
Das Paradies, wo sich der Mensch das Benötigte in unmittelbarer Nähe einfach nimmt, ist so dann von Menschen für Menschen gemacht und umgesetzt.