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»Gemeinwesen mit souveränen Staatsbürgern« im Gegensatz zur Arbeitsgesellschaft

Sascha Liebermann schreibt in einem Beitrag [1], dass wir unterscheiden müssen, zwischen der »Arbeitsgesellschaft« und dem Gemeinwesen mit seinen Staatsbürgern als »Souverän«.

In der Arbeitsgesellschaft ist der Einzelne ersetzbar. Im Räderwerk der Auftragserfüllung, sollen die die effizientesten Kräfte zum Einsatz kommen. Wenn der konkrete einzelne Mensch das nicht ist, dann ein anderer oder gar eine Maschine. – Allein daran ist zu erkennen, dass der Einzelmensch nicht im »Arbeitsleben« seine Erfüllung findet, wenn er dort nach Optimierungsgesichtspunkten angeschaut wird und notfalls ausgetauscht gehört.

Die Sicherheit seiner Person, die Unverletzbarkeit seiner Würde erfährt der Mensch nur in seiner Position als Souverän. Da ist er »unantastbar«. Als geachteter Teil eines Gemeinwesens ist er mit seinen Eigenarten »beständig anwesend«. So nehmen wir uns gegenseitig wahr und versuchen nicht, uns gegenseitig in subjektiven Vorstellungen »anzupassen«.

Diese Betrachtung der großen Gesellschaft, gilt es herunterzubrechen auf die kleinen Lebensumstände und Zusammenkünfte.

Wenn wir als souveräne Staatsbürger zusammenarbeiten, dann tun wir das nicht als »Organisation«, als »Arbeitsteam«, sondern als selbstbestimmte Einzelwesen, die jede Facette ihrer Subjektivität einbringt, in eine Vernetzung und Kooperation. – Wenn wir als Staatsbürger zusammenarbeiten, bilden wir deshalb keine »Arbeitsgesellschaft«, sind wir nicht im Kleinen, was wir im Großen auch nicht sein wollen.

Als Staatsbürger wirken wir zusammen, um ein Grundeinkommen zu erreichen, indem wir nicht zusammen »arbeiten«, sondern uns gegenseitig anerkennen. Als Erstes. Dann bringen wir die Dinge auf den Weg, in dem sich jeder so einbringt, wie wir das möchten und von uns aus beabsichtigen. Und es wird sich ergeben, dass diejenigen, die besondere Fähigkeiten in einer bestimmten Richtung haben, in diese strömen werden und sich dort die Fähigsten einfinden.

Und dies geschieht so, dass alle, die in eine Richtung wirken wollen, dies einfach tun. Und wir alle sehen die unterschiedlichen Ergebnisse und wir werden diejenigen unterstützen, die wir vor anderen vorziehen.

Wohingegen das schlechtere Verfahren wäre, in einer Organisation, Arbeitsorganisation festzulegen, wer für bestimmte Aufgaben zuständig ist, und gar Leute in diese Bereiche »gewählt« werden und wir womöglich Ergebnisse haben, mit denen niemand wirklich zufrieden ist, weil es die »Souveränität des Einzelnen« verletzt.

Deshalb ist das Zusammenwirken der Staatsbürger nicht in Form der Arbeitsorganisationen, Unternehmen, Initiativen möglich. – Weil es die Kompetenz des »eigenwilligen« Subjektes in Frage stellt, welches aber der »Souverän« ist.

[1]
Sascha Liebermann – Demokratische Konsequenz; in Philip Kovce: Soziale Zukunft – Das Bedingungslose Grundeinkommen – Die Debatte

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Gegenwart als Fortsetzung der Vergangenheit – oder »Wo ist das Neue.«

Der Autor schreibt über die DDR-Jahre in den 60ern. – Die beginnende Bespitzelung, die Feststellung, dass manche Bürger nicht zu dem Staat passen, der da existiert. Die Frage nach einer angemessenen und richtigen Beteiligung in der Gesellschaft steht da zur Debatte.

Das ganze Szenario wirkt bedrückend. Die Unterwerfung gemäß einer Staatsideologie, einer Vorstellung von Gesellschaft, die von interessierten (mächtigen?) Kreisen den anderen Menschen nahe gelegt wird. Bestimmte Organe im Staatsapparat haben die Aufgabe für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Menschen, die die Gesellschaft in ihren Grundfesten bedrohen, werden ihrerseits bedroht und zur Not »kaltgestellt«. – Menschen, die mit ihren Äußerungen, Verlautbarungen, Handlungen die Mitbürger in Unruhe versetzen, werden in ihrem Fortkommen behindert, auspioniert, ausgebootet.

Und in welcher Gesellschaft leben wir heute. – Ist es denn jetzt anders?

Wenn wir öffentliche Diskussionen veranstalten, geraten die Menschen aneinander. Wir können die Meinung der jeweils anderen nicht ertragen und werden unruhig, laut, zuweilen auch aggressiv. – Und sind es Überlegungen und Ansichten, die wir überhaupt nicht hören, aushalten und akzeptieren können, dann kann es sein, wir greifen zur Gewalt.

Haben wir häufiger solche öffentlichen Diskussionen, in denen Aufruhr entsteht, wird die Staatsgewalt einschreiten und diese Diskussionen verbieten. – Meinungsfreiheit hin oder her.

Oder nehmen wir Beispiele aus dem Ausland, aber keine aus dem Osten, weil da die Zustände von damals, die hier als Ausgangspunkt der Betrachtung dienten, fortbestehen. – Länder, die sich selbst mit Demokratie und Freiheit identifizieren, können mit der düsteren DDR-Zeit verglichen werden. USA. – Wer nicht die Ideologie des Staates vertritt, sollte wenigstens schweigen. – Wer sich aktiv für eine Gesellschaft einsetzt, die nicht von den Offiziellen gutgeheißen wird, der wird bedroht und verfolgt, zum Schweigen gebracht oder abgedrängt. – Und selbst wer in der einzigen Demokratie des Nahen Ostens lebt, wird von Spitzeln umgeben sein, wenn sein Verhalten für Unruhe in der Bevölkerung sorgt und die Person vom Staatsapparat als »gefährlich« eingestuft wird.

Mit anderen Worten, die DDR hat damals etwas getan, was in allen Staaten auf irgendeine Weise bis heute überall auf der Welt geschieht.

Aber natürlich gibt es Unterschiede zwischen all diesen Staaten. – Und trotz dieser von mir herausgearbeiteten Gemeinsamkeiten bis in die heutige Zeit, sind diese Staaten für die Menschen unterschiedlich attraktiv oder bedrohlich. – Es fängt schon damit an, dass die Bürger der DDR eingesperrt waren. Wer fliehen wollte, wurde erschossen. Das macht dieses Land bis zum Gehtnichtmehr unattraktiv. – Und vielleicht bietet ein Land wie die USA so viele Möglichkeiten sich selbst zu verwirklichen, dass die Idee, den Staat zu bedrohen und zu bekämpfen, nur für die Wenigsten in Frage kommt.

Der Staat, das sind die Verwalter. – Schnell mischen sich unter die Verwalter Besserwisser und Kontrolleure. – Und ursprünglich waren die Verwalter vom Souverän, dem Bürger beauftragt und dann verkehrt sich die Situation und die Bürger sind von den Verwaltern unterjocht, indem diese »Staatsbediensteten« ihren Auftrag missbrauchen, um die Auftraggeber zu unterwerfen.

Was bringt die Zukunft. – Im Zuge der technischen Entwicklung (Rationalisieren, Automatisieren, Computerisieren und Algorithmisieren) werden Gestaltungsaufgaben immer häufiger den Verwaltern entzogen, sodass die Bürger entsprechende Tätigkeiten selbst übernehmen. – Wenn wir bedenken, dass heute ein Großteil der Arbeit von Verwaltern in der Kontrolle der Bürger besteht und diese Kontrolle überflüssig wird, ist absehbar, wohin die Reise geht.

Das Verschwinden der Apparatschiks ist die Folge einer natürlichen Entwicklung.

In der Kirche ist ein Bild zu sehen, auf dem »oben im Himmel« jemand ist und »unten auf der Erde« sind die Menschen. Aber der im Himmel sieht aus wie ein Mensch. – Materiell auf der Erde sein, ist ein Zustand. In ihn sind wir hineingeraten, es ist eine Aufgabe. Aus ihm heraus kommen wir wieder. – Nicht-materiell sein, ist unsere Ewigkeit. – Aus Fleisch und Blut sind wir eine Zeitlang.

Die Kirche hat bis auf die Touristen keine Besucher. – Wie auch das »Haus der Begegnung« menschenleer ist. – Bei den Arbeiter-Samaritern hingegen, ist die Bude propenvoll. Die Parteikultur macht den Mangel in der Gesellschaft wett.

Gegenwarts-Literatur. Welche Autoren kommen da spontan in den Sinn. – In der Bücherei gibt es keine solche Kategorie. Es gibt »Persönliche Erfahrungen«, Romane der Zeitgeschichte. Ich finde »Houellebecq«, Gauck-Biographie. – Ich suche Pirinçci, Akif. Den gibt es aber nicht in der Bücherei. – Sein Buch »Deutschland von Sinnen« kostet bei Amazon 15 Euro als eBook. – Das ist mir zu teuer. Für 10 Euro hätte ich es gekauft. – Unter dem Buch steht, dass dieser Preis vom Verlag festgelegt wurde. Der Autor war nicht selbst in der Lage zu sagen, welchen Preis sein Buch haben soll? – Warum 15 Euro, wenn alles an Kosten rund um das Drucken eines Buches wegfällt.

Wenn das Buch in der Bücherei gewesen wäre, hätte ich es mir ausgeliehen. Aber so fehlt mir ein Beispiel für Gegenwarts-Literatur in Deutschland. – Sicher, es werden jedes Jahr Dutzende von Büchern veröffentlicht. Es dürfte doch nicht so schwer sein, ein Buch aus dieser Kategorie zu besorgen. Dennoch. Es soll nicht irgendeinen Roman sein, in dem die Welt ganz, ganz persönlich dargestellt wird, sondern ein Werk, in dem Bezug genommen wird, auf die heutigen Verhältnisse. – Und ja, es stimmt. Ganz entscheidend ist für mich, wie ein solcher Autor zu Hartz4 steht, zum Bedingungslosen Grundeinkommen und zu den Menschenrechten. – Pirincci beschreibt ja mehr das, was schlecht ist, an unseren Gesellschaften. Aber ich hätte einmal hineingeschaut, in welcher Weise dies Gegenwarts-Literatur ist.

Himmel

Zusammenarbeit

Wie ist eine gemeinsame Gestaltung der Gesellschaft möglich, wenn wir in fast allen Einzelfragen unterschiedlicher Meinung sind? – Es geht nur, entweder über einen Machtapparat, der die Menschen zu ihrem »Glück« zwingt, oder durch Abstimmungen, deren Ergebnisse die Unterlegenen akzeptieren.

Wie können wir Menschen aber überhaupt zusammenleben, wenn wir so unterschiedlich sind, in unserem Denken, Fühlen, Wollen, Empfinden? Anpassung meint wohl auch, auf die Durchsetzung jeder eigenen Meinung zu verzichten und das Wirken der Anderen (Mächtigeren) zu ertragen und zu dulden.

Wie können zukünftig gemeinsam Entscheidungen auf den Weg gebracht werden, wenn wir das bisherige System der Parlamentarischen Demokratie nicht mehr wollen und Direkte Demokratie für sinnvoller erachten?

Wenn wir uns nur zu Einzelfragen miteinander verbünden, so erscheint dies erstmal sinnvoll und praktikabel. Schauen wir jetzt aber genauer hin: Wir machen eine Gruppe, die sich für kostenlosen ÖPNV einsetzt. Da sich das Thema ÖPNV aber nicht ablösen lässt von einer allgemeinen Diskussion über die gesellschaftlichen Verhältnisse, wird ebenfalls über andere Themen des täglichen Lebens gesprochen. Nun haben wir Menschen, die sich für eine Neugestaltung des ÖPNV einsetzen, die aber in Fragen der Zuwanderung völlig anderer Meinung sind, die in einem Fall eher nationalistische Tendenzen unterstützen, die andererseits mehr libertäre Ansichten und universelles Recht sich vorstellen können. – Wie geht das in der Zusammenarbeit zusammen?

Grundsätzlich ist einmal festzustellen, dass alle Menschen Teil der Bevölkerung sind. Wer nicht im Gefängnis sitzt, hat wie jeder andere Mensch auch, uneingeschränkte Bürgerrechte und die Mitwirkungschance. Ob wir im Einzelfall mit diesen Personen zusammenarbeiten, sollten wir individuell klären. Für den einen ist die Grenze überschritten, für den anderen nicht, wenn der »Nationale« sich konkret zu Themen äußert. Es gibt keinen Königsweg. Wer unterstellt, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen im eigenen Interesse und zum Schaden der Mitmenschen sich bereichern, vertritt eine Tendenz. Wer behauptet, dass im Land sich Geheimarmeen befinden, von denen die Öffentlichkeit nichts weiß, skizziert eine weitere. – Mit welchen Menschen wollen wir uns gemein tun, um zu einer konkreten Sache Erfolg zu haben?

Hier ist zu sehen, dass alles gar nicht so einfach ist. Wir Menschen sind babylonische Wesen, die sich nur mit Mühe in gemeinsame Bahnen bringen lassen. Aber wenn es gelingt, können wir in unserem Wirken sehr erfolgreich sein. 😕

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Nicht funktionierende Kommunikation in Sozialen Netzwerken und Blogs.

Der User A schreibt immer wieder auf dem Blog von D seine Meinung zu den Beiträgen von D. In eigentlich allen Fällen ist er anderer Meinung als D.

Ein genauerer Blick auf diese Situation wirft einige Fragen auf. – Wenn der User A völlig anderer Meinung ist als D, warum erscheint er immer wieder auf der Homepage oder dem Blog von D? Wäre es nicht viel sinnvoller und schlüssiger, wenn sich A auf den Blogs und Internetseiten äußert, deren Meinung er teilt?

Im Grunde belästigt er den Blogger D. – Sicher gibt es immer wieder Leute, die die fixe Idee entwickeln, den Anderen »überzeugen« zu wollen. Aber dieses Überzeugen wollen hat etwas, oder bekommt etwas Aggressives und Penetrantes. Dieses Verhalten geht in Richtung Nötigung und Bedrohung.

Solche Situationen mögen sich harmlos aufbauen. Ein angeblicher »Rat unter Freunden«, der sich dann auf die Dauer immer mehr zu einer Feindseligkeit verdichtet.

Anfangs war es so, dass sich der Blogger D auf ein Gespräch einließ, denn er dachte, es ist doch alles halb so wild. Es wird doch nur geredet und unterschiedliche Meinungen werden selbstverständlich respektiert. – Das war eine großzügige Sichtweise.

Dies mochte dann der User A missverstehen (wollen), nämlich so, dass der Blogger bereit ist, sich »belehren« zu lassen. Und diese Chance will A dann gar nicht mehr aus der Hand geben. – Er überhört die deutlichen Hinweise des Bloggers, dass jetzt Schluss sei mit der Unterhaltung.

Der Blogger kann dann noch von Glück sagen, dass es nur bei der unangenehmen Auseinandersetzung über die Kommentare auf der Homepage ablief. – Gar nicht auszudenken ist das, wenn sich solche Feindseligkeiten auf die physische Welt verlagern.

Was heißt das für die Kommentarfunktion auf einem Blog. – Sie muss von dem Blogger restriktiv gehandhabt werden. Differenzen mit den anderen Usern im Internet müssen frühzeitig zu einem Abbruch der Kommunikation führen, weil sonst der Eindruck entsteht, das gegenseitige Angemaule sei erwünscht, geduldet oder »normale« Unterhaltung und könne fortgesetzt werden.

Kommunikation in Sozialen Netzwerken oder Blogs mit anderen Usern geht nur, wenn Übereinstimmung in den Sichtweisen besteht. Mit einer Person, die anderer Meinung ist, ist eine längerfristige Gesprächssituation und dauerhafter Kontakt nicht möglich.

Jetzt werden sie mit Recht sagen, dass das zu streng formuliert ist. – Nun, es ist so: wenn »unterschiedliche Meinungen« aufeinandertreffen, um einen Sachverhalt zu klären oder unterschiedliche Perspektiven zu sammeln, um ein vollständiges Bild einer Sache zu bekommen, dann sind selbstverständlich verschiedene Meinungen erwünscht. – In dem Beispiel mit dem Blogger und der Kommentarfunktion ging es aber um etwas anderes: da will ein Mensch die Meinung des anderen bekämpfen. Das nimmt fanatische Züge an. Da geht es darum, die andere Meinung nicht dulden zu wollen. – Statt das die Personen mit unterschiedlichen Meinungen getrennte Wege gehen, will einer von beiden dem anderen »an den Karren fahren« und ihm nahelegen, von seiner Meinung Abstand zu nehmen. – In dem Beispiel geht es um Meinungsfreiheit und den Versuch, diese einschränken zu wollen.

Derjenige, der sie einschränken will, möchte demjenigen, der eine andere Meinung hat, »erklären«, warum dieser seine Haltung und Ansichten aufgeben sollte. – In totalitären Staaten und Diktaturen erfahren solche Situationen ihre Steigerung darin, dass der Bedrohte mehrfach gewarnt wird, jetzt endlich von seiner Einstellung abzulassen, sonst …. Und so weiter.

Im Grunde zeigt auch das Internet alle Formen gesellschaftlichen Umgangs der Menschen untereinander: Hass, Feindseligkeit bis zur freundlichen Zustimmung und »Liebesbekundungen«. 🙂

Die Differenz unter uns Menschen ist die Regel. Die Verständigung, die Ausnahme. – Erkennen wir das an, dann ist der Umgang miteinander sogar erleichtert.

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National

Klingt wie »banal«, ist es aber nicht ganz. – Manche Menschen können das fühlen, was »national« bedeutet. Wer es wagt, dies öffentlich zu machen, wird von Drohzecken angegriffen, die sofort »Nazi« schreien.

Dabei ist der Begriff »national« in anderen Ländern durchaus akzeptiert, etwa bei den »Siegermächten« USA, Russland, England und so weiter. Hier wird er oft gleichgesetzt mit »patriotisch«. Also verteidigen, das Recht (im eigenen Land) gegen das Unrecht (im anderen Land). – Es kann aber passieren, dass das damals einmal gültige Recht schon längst verwirkt ist, in der Gegenwart, weil das Unrecht mittlerweile auch im eigenen Land überhand genommen hat.

Das führt dazu, dass der eigentliche Hebel ins Blickfeld gerät, der die jeweiligen Argumente in die Ausführung bringt: Macht und Kraft, gegen das Andere siegreich zu sein.

Die Diskussion über die Argumente, Weltsicht und Kultur einer bestimmten Gruppe, wird davon abhängig, ob sie »Macht und Kraft« hat, oder nicht. Die Gruppe, die die Oberhand behält, deren Kultur wird anders diskutiert, deren Lebensweise bekommt in der Welt einen anderen Stellenwert, als es bei den anderen der Fall ist.

Wird also das »Nationale« argumentativ behandelt, und wird der Aspekt der Macht als ein separates Feld angesehen, dann muss die Frage lauten, welche Optionen bietet das »Nationale«, um die Aufgaben der Gegenwart zu bewältigen und die Gesellschaften der Zukunft zu gestalten.

Sofort auffällig ist der Aspekt der Abgrenzung. Denn das Nationale kann nur benannt werden, wenn es Nicht-Nationales gibt. Es müssen also Menschen ausgegrenzt werden, um dem Begriff des Nationalen einen Sinn zu geben. – Sicher fällt den meisten spontan ein, dass ein nationaler Staat einer ist, der sich eher minderheitenfeindlich, eher Flüchtlingen gegenüber ablehnend verhält. – Dabei ist der »Flüchtling« nur ein Synonym für den modernen Menschen, der sich die Orte einfach aussucht, an denen er leben möchte, ohne belästigt zu werden, von örtlichen »Nationalen«, die meinen, ihnen würde das Land gehören. Sofern die Wanderbewegungen für unsere Erde verkraftbar sind, gibt es keinen Grund, dass sich selbsternannte »Bodenwächter« den umherziehenden Menschen in den Weg stellen. – Der Mensch muss frei sein, seinen Aufenthaltsort wählen zu können. – Natürlich muss dieses Recht dann auch für alle gelten. Wer in Afrika leben möchte, sollte dies tun können, ohne von Ortsansässigen bedroht zu werden.

Allerdings hat sich die westliche Welt, als »moderne« Staatengemeinschaft, als »Zivilisation«, selbst in Misskredit gebracht. Wir sollten schleunigst dazu beitragen, dass wir eine funktionierende Weltgemeinschaft haben, in der die Menschenrechte oberste Maxime sind. Dann werden wir auch wieder in der Welt Verständnis vorfinden, für unsere persönlichen Anliegen.

Dass »das Nationale« irgendetwas an sich hat, welches sich heute wieder ausbreiten sollte, damit wir voran kommen, das kann ich nicht erkennen, auch wenn es als »Gefühl« immer mal in den Menschen aufflammen mag. Übrigens waren die beiden Kriegs-Vorkommnisse im 20. Jahrhundert Beispiel dafür, wie der Nationalismus (hier bei uns) irrtümlich für einen Ausweg gehalten wurde. Beides mal führte dieses »Gefühl« ins Unglück.

Akzeptiert und unbedrängt leben, in Raum und Zeit.

Immer mehr Single-Haushalte, war lange Zeit eine immer wiederkehrende Nachrichten-Überschrift in den Medien. – Als Single leben zu können, ist ein großes Stück Freiheit. – In unseren Gesellschaften muss niemand mehr heiraten, Kinder zeugen oder einer bestimmten Sexualität verpflichtet sein.

Ganz anders ist es, wenn der Mensch einer archaischen Lebensgemeinschaft angehört, in der dem Einzelnen Schritt auf Tritt alles vorgeschrieben wird. Wer spätestens mit siebzehn, achtzehn Jahren nahegelegt bekommt, doch endlich zu heiraten, doch endlich den »ersehnten« Nachwuchs zu liefern, der hat nicht viel Auswahl. Weigert er oder sie sich, werden sie geschnitten, bedrängt oder aus der Gemeinschaft verstoßen oder gar getötet. Weitere Regeln und Vorschriften, wie sich Männer, Frauen und Kinder zu verhalten haben, »komplettieren« die Welt, in der die Menschen leben müssen.

Andererseits bietet die archaische Gruppe dem angepassten und sich unterwerfenden Einzelnen viel Sicherheit. Menschen, die gemeinsam durch die Gegend laufen, werden eher nicht von anderen, Fremden angegriffen, bedroht. Umgekehrt können diejenigen, die in Gruppen auftreten, leichter jemanden angreifen, der nur alleine durch die Straßen zieht.

So zeigt das Singleleben einerseits den Fortschritt, der möglich ist, für das Individuum, sein eigenes Leben zu leben, aber es werden auch die Unterschiede deutlich zu den anderen, früheren Formen des Lebens. – Ob das Singleleben gefahrlos möglich ist, ob es von hoher Qualität ist, für die Menschen, ob es als gleichberechtigte, stark vertretene Lebensform in den Gesellschaften vorhanden bleibt, das wird sich über die Jahre und Jahrzehnte erst erweisen.

Was ist Machtausübung: Die Durchsetzung privater Interessen. – Geht das überhaupt. – Jemand will Gesetze brechen, um dadurch einen privaten Vorteil zu erreichen. Das geht nicht so ohne weiteres. Aber der Bruder arbeitet bei der Polizei. Mhmm. Und der Onkel ist Anwalt. Aha. – Auch das wird vielleicht nicht reichen. – Wenn eine größere Anzahl von Menschen und deren Interessen vertreten werden sollen, und es handelt sich dabei darum, sich zu bereichern, Grundbesitz an sich zu reißen, teuer bezahlte Einkommensstellen zu ergattern, etwa im Öffentlichen Dienst, dann lohnt es sich in allen relevanten Parteien vertreten zu sein, in denen dann dafür gesorgt wird, das dort die Interessen zum Beispiel dieser Leute sich durchsetzen. Aber auch in allen anderen gesellschaftlich relevanten Institutionen und Organisationen werden sich diese Menschen einfinden, um immer klarzumachen, dass sie etwas wollen. Da wird Druck angewandt. – Das ist Machtausübung. Sie meinen, so etwas gibt es nicht. Mhmmm.

Im Waldgebiet, am See im Naturschutzgebiet sind immer eine Reihe von Menschen unterwegs. Sie wandern, machen einen Spaziergang, radeln oder joggen. Von den Spaziergängern haben etwa 80% Hunde dabei. Mehr als die Hälfte dieser Hunde läuft unangeleint im Wald. Mehr als die Hälfte der Hundebesitzer, die hier mit ihren Hunden unterwegs sind, haben mehr als einen Hund dabei. Sie führen 2, 3 oder vier Hunde mit sich. Diese Leute sind überwiegend Hausbesitzer aus der näheren Umgebung, die ihre Schutz- und Wachhunde mitnehmen, wenn sie selber einen Spaziergang in öffentlichem Gelände unternehmen. Zuhause, am Haus, hat der Hund sein Revier. Da passt er auf, dass niemand Fremdes das Haus und das Gelände seines Herrchens betritt, der nicht dazu berechtigt ist.

Aber was macht der Hund, wenn er in öffentlichem Gelände läuft. – Nun, er behandelt das Gebiet ebenfalls wie sein Revier. Geht das. – Die übrigen 20% Spaziergänger (…. so wenige, wegen der Hundebesitzer?), die am See spazieren gehen wollen, werden je nach Verfasstheit der Hunde als Eindringlinge, Fremde von diesen behandelt, eingeschränkt durch die Hinweise des Herrchens. Dadurch sind diese Spaziergänger immer einer potentiellen Bedrohung ausgeliefert, während sich das »Herrchen« dieser Tiere ganz klar in der besseren Position befindet. – Dieses Machtgefälle im Öffentlichen Raum könnte dazu führen, dass kaum noch andere Personen am See spazieren gehen, es sei denn, sie ignorieren diese Umstände, sind selbst »Hundefreunde«, sind in Gruppen unterwegs oder auf dem Fahrrad.

Der freilaufende Hund ist in seinen Bewegungen sehr schnell. Er läuft drei bis zehn Meter vorne weg und hat zuerst »Kontakt« zu Fremden. Wenn das Herrchen nicht aufpasst (der Hund dreht sich noch einmal kurz um, bevor er selber entscheidet, wie er mit dem Fremden »verfahren« will), dann ist der Hund schon zum »Angriff« übergegangen, bevor Herrchen ihn zurückpfeifen kann. Die »fremden« Spaziergänger tragen bei solchen Situationen das Risiko, was passiert. – Die Hunde sind oftmals »Brocken«, die selbst an der Leine kaum von den Frauchen oder Herrchen gehalten werden können. Solche »Viecher« haben vielleicht als Wachhunde am eigenen Haus ihren Sinn, aber in öffentlichem Gelände, dass auch von anderen Menschen genutzt wird, ist das Mitführen dieser Tiere nur noch eine Provokation und Machtdemonstration.

Die Regelungen im Naturschutzgebiet, im Wald, sind ganz klar: Hunde dürfen nur an der Leine spazieren geführt werden. – Aber niemand überwacht diese Regel. Es ist einfach niemand da, der die Hundebesitzer zurechtweist, sie ermahnt und nach mehrmaligem Fehlverhalten bestraft. – Die Einhaltung des Leinenzwanges müsste überwacht werden. – Da dies niemand macht, entscheiden sich immer mehr Hundebesitzer dafür, ihre Hunde trotz der gesetzlichen Vorgaben unangeleint spazieren zu führen. – Und welcher Spaziergänger, der alleine unterwegs ist, wird es wagen, einen von diesen Leuten zurechtzuweisen, wenn dieser seinen »Waldi« auf ihn hetzen kann.

»Raum« brauchen alle Menschen. Um zu atmen, um sich entfalten zu können. – Raum muss fair unter den Menschen aufgeteilt sein. Es darf nicht sein, dass sich Gruppen von Leuten sich »Raum« unter den Nagel reißen und andere Menschen von dessen Nutzung ausschließen können.

Raum ist Lebensraum. – Wenn er so wichtig ist, müssen wir schauen, wer ihn kontrolliert, welche Gesetze gelten und wen sie bevorteilen. Raum, das sind Grundstücke, das sind öffentliche Flächen, wie Parks, Freizeitanlagen, Spiel- und Sportplätze, das ist aber auch Luft, die verpestet oder durch Lärm »vergiftet« wird. – Raum ist aber mittlerweile auch »Platz« im Internet, Speicherkapazität, Geschwindigkeit, Mitteilungsmöglichkeiten, etc.

»Macht« will sich im Raum zugunsten der Machthaber entfalten und andere Menschen im Raum zurückdrängen und ganz ausschließen, ihnen die Luft abdrehen, sie aus dem Raum werfen. – Deshalb muss es unser aller Interesse sein, erkennbares Unrecht zu reklamieren, »soziale Kontrolle« zu installieren und eine faire Verteilung der Ressourcen einzufordern.

Die Frau trug »alternative Kleidung«. Buntes Tuch, bunte, weite Hose. Erinnerungen wurden wach. Wohngemeinschaften. Alternative Szene. Freies Leben. – War es nicht so, dass in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer die Hoffnung bestand, dass die »Alternativen« es schaffen, eine bessere Welt zu kreieren, gerechter, menschlicher, besser als die »Kohl-Regierung« uns sie bereits eingerichtet hatte? – Und dann das Unfassbare, was Schröder und die Schmiere stehenden GRÜNEN uns allen angetan haben. – Damit war alles »Alternative« mit einem Schlag entwertet und in seiner Bedeutung zerstört. – Was in diesem Moment deutlich wurde, war, dass alle Gruppierungen, Organisationen und Institutionen, die vorgaben für eine »bessere Welt« sich einzusetzen, in erster Linie ihren Mitgliedern Vorteile verschafften. – Diese Leute waren doch schon zufrieden, wenn sie mittels ihrer Organisationskraft »für sich selbst« wirkten und innerhalb ihrer Peergroup sich einrichten, einen persönlichen Vorteil generieren und für sich ein Auskommen bewirken konnten. – Das, was als Parole für die Allgemeinheit auf dem Werbeplakat vor sich hergetragen wurde, entpuppte sich als nicht haltbares Versprechen, das sie sofort in die Ecke stellten, wenn das eigene Leben »gerettet« war. – Die »soziale Ader« reichte gerade mal so weit, dass das eigene Leben »in trockene Tücher« gebracht werden konnte. – Die Leute ließen einfach die Bevölkerung im Stich, um sich selbst zu retten.

Deshalb ist die Aura weg, wenn diese Menschen in ihren botschaftsvollen Aufmachungen und ausstaffiert mit diversen anderen Symbolen für eine bessere Welt, auftauchen. – Sie lösen ihre Versprechen nicht für ihre Mitwelt ein. Sie wollen nicht die Rettung aller. Sie begnügen sich mit dem eigenen Davonkommen.

Schöner Liberalismus

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Und eine gute Abgrenzung zum Konservativismus.

Vor allem basiert der Liberalismus auf der Einsicht, dass ästhetische oder ethische Normen und Werte keine objektiven oder rational erkennbaren Größen sind, sondern in letzter Konsequenz Ausdruck persönlicher Präferenzen. Dieser subjektive und relative Charakter von Normen und Werten ist aus liberaler Sicht aber kein Mangel. Im Gegenteil, er eröffnet dem Individuum erst die Möglichkeit, sich frei und unabhängig von Traditionen, Bräuchen oder gar objektivistischen Moralansprüchen zu entfalten.

Besser kann man es nicht formulieren. Das Individuum bestimmt, verortet sich selbst, setzt seine eigenen Maßstäbe und diese sind Grundlage der eigenen Entscheidungen, zum Beispiel bei Bürgerentscheiden und Bevölkerungsabstimmungen. Aber findet das irgendwo seine Grenzen?

Mit seinem nüchternen Rationalismus ist das liberale Denken Erbe und auch Speerspitze der radikalen Aufklärung. Wissenschaftliche und technische Rationalität gelten dem Liberalen – anders als dem Konservativen – nicht als Zeugnisse einer degenerierten, entfremdeten und zerstörerischen Vernunft, sondern als Ausdruck menschlicher Kreativität, Gestaltungskraft und Fantasie. Zugleich ist der wissenschaftliche Rationalismus ein Bollwerk gegen Ideologien, Aberglaube und Mystizismus – weshalb Ideologen von links und rechts immer wieder versuchen, ihn seinerseits als Ideologie zu entlarven.

Nach Alexander Grau findet es seine Grenzen in der wissenschaftlichen und technischen Rationalität. Das ist natürlich clever gemacht. Erst wird gesagt, der Mensch sei frei und unabhängig von objektiven oder rational erkennbaren Größen, frei zu entscheiden, wie er denkt und will, um dann wieder dieses »Zuckerl« zurückzunehmen, in dem ein Katalog eingeführt wird, der die »Werte und Normen« vorgibt, die doch zuerst (scheinbar) jedem selbst überlassen waren.

Aber Liberale können so viel »rational« sein, wie sie wollen. Eine Pflicht zur Rationalität gibt es jedoch nicht. Hier muss das Recht des Individuums auf Festsetzung eigener Maßstäbe sich durchsetzen. Wer »fühlt«, dass das liberale Denken eine Gefahr für das Zusammenleben der Menschen ist (um ein Beispiel zu verwenden), kann diesen »Sachverhalt« genauso heranziehen für seine Entscheidungen, wie einer, der diese Haltung rational ableitet.

Wie verhält es sich nun, wenn die Menschen auf Gerechtigkeit und Gleichheit insistieren? Ist ein solches Ansinnen unter Liberalen denkbar? Ich unterstelle, dass der Liberale aus seinem Fundus an wissenschaftlichen Rationalitäten heraus dies verneinen würde. Er würde wahrscheinlich »beweisen«, dass Gleichheit nicht berechtigt ist und Gerechtigkeit ein relativer Begriff sei und somit beide Anliegen verworfen werden müssten. Umgekehrt würde er aus der individuellen Perspektive Gleichheit und Gerechtigkeit als Zumutung und Bedrohung individueller Freiheit wahrnehmen, was nicht gutgeheißen werden kann. – In wessen Interesse ist es unter diesen Bedingungen, »liberal« zu sein?

Im Elfenbeinturm

novo-argumente–Liberalismus: Freiheit als Lebenselixier

Wir haben es über die Jahrhunderte so weit gebracht, weil unsere Entwicklung angetrieben war, von einem ständigen Wettbewerb des Wissens, der Ideen und der Erfindungen, die die Individuen hervorgebracht haben. Der Markt hat dabei als Entdeckungs- und Entmachtungsinstrument den Lebensstandard weltweit verbessert, den Menschen ein längeres und gesünderes Leben beschert. Es entstand ein immer differenzierteres soziales und rechtliches Regelwerk, das den Zusammenhalt und das Fortkommen der Gesellschaft ermöglichte. Doch ein Bewusstsein von dieser Erfolgsgeschichte, gar ein Stolz auf diese lange Entwicklung, scheint uns abhandengekommen zu sein.

Wenn die Herrschaften doch bloß nicht immer so »mit angehobener Nase« daherkämen. Warum schafft es Frau Ackermann nicht, über die konkreten gesellschaftlichen Probleme zu sprechen, und darüber, wie wir sie lösen können.

Weder der Staat noch die Gesellschaft haben demzufolge das Recht, sich in die privaten Angelegenheiten und Handlungen der Individuen, die nur sie selbst etwas angehen, einzumischen oder sie gar zu sanktionieren. Von staatlicher oder gesellschaftlicher Seite sind demnach Sanktionen nur zulässig, wenn diese Handlungen andere schädigen. Keiner darf zu seinem Glück gezwungen werden. …

Voraussetzung für die Herausbildung von Individualität und die Praxis eines eigenen Lebensplans ist deshalb die Freiheit eines jeden, zwischen verschiedenen Optionen unterscheiden und wählen zu können.

Indem die Menschen entsprechend der Vielfalt der Charaktere und Meinungen ihren eigenen Lebensplan entwerfen und ihm folgen, schaffen sie überhaupt erst die Pluralität der Lebensstile, ein Kaleidoskop von Lebensmöglichkeiten, die alternativ zur Wahl stehen.

Diese Aussagen ließen sich doch prächtig auf den Hartz4-Empfänger beziehen und sich dementsprechend auch gegen das Unrecht der Hartz4-Sanktionen verwenden lassen.

Liebe Frau Ackermann, meine Frage wäre, was für ein Gemeinwesen wollen sie heute? Stört es sie, dass es Hartz4 gibt? Dass 60000 Behördenmitarbeiter (überwiegend Frauen?) damit beschäftigt sind, andere Menschen zu drangsalieren und zu schikanieren. Haben sie etwas dagegen, dass wir immer mehr in einen totalitären Staat abgleiten, weil wir die Tür aufgemacht haben, zu einer Gesellschaft, in der Staatsbedienstete wieder Mitbürger bedrohen können?

Habe sie etwas dagegen, dass Menschen zu »Tafeln« gehen müssen, weil sie nicht genug Geld zum Leben haben, und wir wieder so viele Zwangsarbeiter haben? (Wie damals, bei Hitler.)

Spüren sie die Parteiendiktatur? Und was wollen sie dagegen tun? Was halten sie von Direkter Demokratie und wie stehen sie zum Bedingungslosen Grundeinkommen.

Erst wenn man das (und mehr) von Ihnen weiß, kann man einschätzen, in welche Richtung sie Ihre Abhandlung über die Geschichte der Freiheit und Individualitätsentwicklung des Menschen hingedeutet sehen wollen.

Und ja, es kann passieren, dass mir dann dieselbe Geschichte von jemandem anderen erzählt, besser gefällt, weil eine menschenwürdigere Zukunft von diesem anvisiert wird.

Wir brauchen deshalb einen starken, aber schlanken Staat, der seinen ordnungspolitischen Aufgaben nachkommt und der Versuchung widersteht, der bessere Unternehmer sein zu wollen. Ein Staat, der sich in seiner Interventionslust zurückhält und dafür sorgt, dass verfasste Regeln eingehalten werden.

Besser wäre es, wenn wir einen Staat hätten, der sinnvolle Regeln erst einmal verfasst und in Gesetzesform bringt. Daran hapert es am meisten. Die bestehenden »verfassten Regeln« sind voller Unrecht und Menschenrechtsverletzungen. – Da gibt es viel zu tun.

Ein Staat also, der die Grundversorgung und das Existenzminimum seiner Bürger garantiert, …

Ja, das will er aber nicht. – Sonst könnte er ja Arbeitslosengeld II bedingungslos zahlen.

Um unsere Wirtschafts- und Freiheitskrise zu meistern, sind ein neuer bürgerlicher Eigensinn, Phantasie, Selbsttätigkeit und kreative Dissidenz gegenüber der „sozialen Tyrannei“ der Mehrheit gefragt.

Das lässt aufhorchen. Aber in keinem guten Sinne. So, so. Die Mehrheit (Mehrheitsentscheidung?) ist verantwortlich für Tyrannei. Gibt es Beispiele?

Marktwirtschaft, Gerechtigkeit …….. Wettbewerb

Ursula Weidenfeld meint, dass der Bundespräsident Joachim Gauck ein »totes Pferd reitet«, wenn er den »Neo-Liberalismus« diskutiert. [1]

Herr Gauck [2] äußert sich geradezu euphorisch gegenüber den Errungenschaften im Nachkriegswestdeutschland. Und sicher ist für ihn erstmal alles besser, als der erfolglose Sozialismus, der zu allem Überfluss auch noch seine Menschen in Geiselhaft nahm.

Nicht weniger, wohl aber besser gestalteter Wettbewerb macht unsere Marktwirtschaft gerechter.

Wirklich? Oder können wir den Begriff des »Wettbewerbs« einfach weglassen und es gelingt dennoch, sich über Unrecht und Recht im Wirtschafts-Deutschland eine Meinung zu bilden.

Wie freiheitlich eine Wirtschaftsverfassung ist, bemisst sich am Ende nicht allein daran, was in den Geschäften zu kaufen ist, sondern daran, ob sie allen Bürgerinnen und Bürgern die Chance auf ein selbstverantwortliches Leben eröffnet, ob sie möglichst vielen möglichst viele Optionen bietet.

»Freiheitlich« ist eine Wirtschaftsverfassung dann, wenn sie ohne Zwangsarbeit auskommt. Und ein »selbstverantwortliches Leben« gelingt um so besser, je mehr sich die Wirtschaft auf ihre eigentliche Aufgabe konzentriert: die sichere, beständige und langfristige Versorgung aller Menschen in ihrem Einzugsgebiet mit der lebensnotwendigen Produktion. Davon aber erfahren wir von Herrn Gauck kein Wort.

Stattdessen Schönfärberei einer heute völlig inakzeptablen Situation in Deutschland.

Dies könnte nun das Happy End sein: Soziale Marktwirtschaft durchgesetzt, alles gut! Und es ist ja auch so: Deutsche Unternehmen verkaufen weltweit erfolgreich ihre Produkte, wir genießen – dank dieses wirtschaftlichen Erfolges – nicht nur einen materiellen Wohlstand, sondern auch einen sozialen Standard, den es so nur in wenigen Ländern der Welt gibt.

Dieser sogenannte »Wohlstand« ist aber keiner. Er wird einmal mit der schon erwähnten »Zwangsarbeit« zuwege gebracht. An diesem Wohlstand prangen die Insignien des totalitären Staates und klebt das Blut seiner Opfer, und zum anderen ist dieser Wohlstand ja nicht gleichmäßig auf die Menschen im Lande verteilt. Die Millionen Armen im Lande sieht Herr Gauck scheinbar nicht.

Die Hartz4-Sanktionen sind kein »sozialer Standard«, sondern eine Zumutung und Unverschämtheit im internationalen Vergleich. Dadurch sind wir fast auf dem Niveau von Diktaturen angelangt. Der »materielle Wohlstand« ist nicht sicher. Aber genau erst dann kann überhaupt erst von »Wohlstand« gesprochen werden. – Von einem »Happy End« also keine Spur.

Ein weiteres Beispiel für das Denken unseres Führungspersonals ist der Sozialrichter Jürgen Borcherts. Wie er sich zum Bedingungslosen Grundeinkommen äußert, kommentiert Sascha Liebermann in seinem Beitrag. [3]

[1]
tagesspiegel–aeusserung-von-joachim-gauck-neoliberalismus-ist-nicht-bloss-ein-begriff

[2]
bundespraesident–Walter-Eucken_Institut

[3]
blogfsv.blogspot–wie-etwas-loswerden-das-man-nicht-haben

Transformation

Ganz zentral ist der »öffentliche Raum«, wenn wir eine Gesellschaft wollen, die menschenwürdig und den Menschenrechten gemäß ist. Der Öffentliche Raum muss so gestaltet sein, dass er das »freie Bewegen« den Menschen ermöglicht. Alles was dies verhindert, sind interessensgeleitete Sonderregeln. Seien es die der Regierungen oder der Lobbygruppen, zu denen auch die Kriminellen zu zählen sind. Sonderinteressen durchtrennen den Raum, sperren Flächen, zwingen zu Abgaben. Durch Macht, Gewalt, »natürliche« Rechte, wird die Entfaltung der Mitmenschen eingeschränkt. Aber der öffentliche Raum muss derart gestaltet werden, dass sich alle Menschen frei entfalten können, Bewegungsfreiheit besitzen, und dennoch an jedem Ort Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie für die individuelle Existenzsicherung zur Verfügung haben. Dieses Umfeld zu schaffen, ist Aufgabe der Gemeinschaft, mit Hilfe der Wertschöpfung, die in ihrem Einflussbereich geschaffen wird. – Die Verwaltung aller (Staat genannt) ist der verlängerte Arm der Interessen der Allgemeinheit.

Sonderinteressen, Partialinteressen, Lobbygruppen hingegen, haben keine Neigung das »Wohl aller« ins Auge zu fassen. Sie sind mit ihren eigenen Anliegen beschäftigt, und das es auf ewig ihnen selbst gut geht. Die Erkenntnis wird sich aber durchsetzen, dass wir alle, als Individuen, den größten Vorteil haben, wenn wir darauf achten, dass es allen gut geht.

Wenn wir den öffentlichen Raum betrachten, dann ist damit jenes gemeint, was in der Fachsprache oft als Infrastruktur (mittels Infrastruktur-Maßnahmen geschaffen) bezeichnet wird. Beispiele dafür sind der Straßenbau, etwa in Neubaugebieten; die Schaffung von Kindergärten, Schulen, Wasserversorgung, Energieversorgung, Bürgerbüro, Spielplätze, Sporthallen, Freizeiteinrichtungen, Büchereien, Medienverleih, Internetcafés und so weiter.

Im Grunde geht es darum den Begriff des Öffentlichen Raums weiter zu fassen, die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommen quasi miteinzubeziehen und, wie es Raphael Fellmer in seinem Buch »Glücklich ohne Geld« schreibt:

Zunächst hing ich noch sehr an der Idee des Grundeinkommens, doch dann war es wie ein Sprungbrett, um noch viel mehr an die Menschen und ihre Fähigkeiten zu glauben. Der Traum von einer Welt ohne Geld wurde …. größer und schon nach kurzer Zeit sah ich in dem Grundeinkommen, wenn überhaupt, nur eine Übergangslösung und glaubte mehr daran, dass wir Menschen irgendwann überhaupt kein Geld mehr brauchen würden. – Zunächst war das aber nicht mehr als eine Zukunftsvision.

Was muss es im Öffentlichen Raum geben, damit die Menschen mit dem existentiell Notwendigen ausgestattet sind? Ja, vielleicht so gar, damit sie eine »gut ausgestattete Umwelt« haben, in der es sich menschengemäß leben lässt.

Wenn der Öffentliche Raum nicht durch Sonderinteressen blockiert ist, können wir schauen, was alles dazugehört, um »in Freiheit« leben zu können.

In einem vorherigen Artikel hatte ich von den elenden Bedingungen gesprochen, in denen viele Menschen in Brasilien leben. Die Personen schlafen nachts auf der Straße, sie sind arm, haben Suchtverhalten, sie sind womöglich aggressiv, kriminell, gewalttätig. Dann hatte ich erwähnt, die Wirtschaft, und welche Aufgabe die Wirtschaft gegenüber seiner Bevölkerung hat. Die Aufgabe der Wirtschaft ist es, die Bevölkerung zu versorgen. Kein Mensch ist dabei auszunehmen, allen gebührt das Notwendige.

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Wenn die Menschen sich in Recife, in Brasilien im Öffentlichen Raum aufhalten, dann brauchen sie abends Übernachtungsmöglichkeiten. Wer sich abends zur Ruhe legen will, braucht ein Dach über dem Kopf und vielleicht auch ein Gefühl der Sicherheit. Die Wirtschaft muss für alle Menschen Häuser und Wohnungen bauen, in denen sie leben können.

Wer jetzt sagt, »Wer soll das bezahlen, wer bezahlt denn die Miete«, würde noch »im alten Denken« feststecken. Das heutige Leben ist blockiert, durch Geldbesitz, Geldarmut, Bezahlhürden, Immobilienbesitz, privaten Bodeneigentum. Aber alles was wir tun, kann nur dazu dienen, unser aller Leben zu ermöglichen. Und nicht dazu, uns gegenseitig daran zu hindern, uns frei zu entwickeln.

Wenn wir durch die Gemeinschaft ermöglicht und finanziert, Häuser bauen, auf Grund und Boden, der der Gemeinschaft gehört, die kostenlos den Menschen zur Verfügung gestellt werden, dann tragen wir zum Wohl aller Menschen bei, und erhöhen den Wohlstand der Allgemeinheit innerhalb eines Lebensraums. Durch kostenlos zur Verfügung gestellten Wohnraum vergrößern wir den Umfang an Freiheit, den der Mensch hat, um sein Leben leben zu können.

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Heute haben wir für die Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes Kantinen und Essensausgaben in den Behörden. Das wird über Gemeinschaftsgeld (verunklart ausgedrückt, »Steuern«) finanziert. In Recife in Brasilien könnten ein oder mehrere Gebäude gebaut, und ein ständiges, kostenloses Essensangebot geschaffen werden. Über die Zeit würde man sehen, wie stark dieses genutzt wird, und das Angebot könnte reduziert oder ausgebaut werden.

In der Vergangenheit hatte ich schon diese Idee vertreten, etwa im Zusammenhang mit den »Tafeln«, die kurz nach der unsäglichen Hartz4-Einführung in Deutschland aus dem Boden schossen. Das Gegenargument war dann, es sei erniedrigend, wenn man Menschen vorab ausgewählte Nahrung anbietet, statt ihnen Geld zu geben, damit sie sich selbst etwas kaufen können. Ähnlich kann man das ja auch sehen, bei den Essensgutscheinen, die an Flüchtlinge in Deutschland ausgegeben wurden.

Essensangebote haben sicher Vor- und Nachteile. Zu den Vorteilen gehört, ich muss nicht selber kochen, für die Energie sorgen, eine Kochstelle parat haben. Bei den Essensausgaben kann Nahrung aus ökologischem Anbau angeboten werden, es sind verschiedene Formen von Essensausgaben denkbar. Aber in einer Grundeinkommens-Gesellschaft wären auch private Essensausgabestellen denkbar (heute Lokale, Restaurants genannt), die die Versorgung der Menschen mit Nahrung bei der Gemeinschaft abrechnen. Statt also dogmatisch die Idee einfach abzulehnen, könnte man damit experimentieren und ein Angebot starten und sehen wie es angenommen wird. Bestens geeignet wären dazu übrigens Universitätsmensen. Dann könnte die nachwachsende Generation gleich mitbekommen, was in Gesellschaften wichtig ist und was nicht.

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Bei der Kleidung wären Produzenten denkbar, die »gemeinwohl-orientiert« produzieren, mit Öko-Baumwolle. Die Produkte würden über die Gemeinschaftskasse finanziert und in »Kleiderhäusern« zu Abholung bereitgelegt.

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Energiegewinnung müsste unter dem Aspekt der Notwendigkeit geschehen. Wie viel brauchen wir an Energie? Wir brauchen so viel Energie, dass die Grundversorgung aller Menschen damit, gewährleistet wird.

Dass diese Aufgabe von Privatfirmen (finanziert durch Investoren mit Profitinteressen) am besten gelöst und bewältigt werden kann, ist zumindest anzuzweifeln. Auszuprobieren wäre es, wenn die Allgemeinheit die Aufgabenstellung Schritt-für-Schritt vorgibt, vielleicht mehreren »Fachleuten« den gleichen Auftrag erteilen und man dann schaut, wie diese vorankommen. Transparenz in der Energiewirtschaft ist für die Bevölkerung ganz wichtig. Die Energieversorger erfüllen nicht ihre Arbeit im Sinne der Gesamtbevölkerung, wenn die Menschen unangemessen hohe Energieausgaben haben. Langfristiges Ziel muss sein, dass jeder Bürger eine »Energiekarte« (ähnlich einer Scheckkarte) besitzt, mit der er eine (festgelegte) Menge an Energie kostenlos aus »Terminal-Steckdosen« abzapfen kann.

Damit wäre der Bereich der physischen Existenzsicherung in den Öffentlichen Raum verlagert, und maximale Freiheit wäre für das Individuum vorhanden (die Physis betreffend).

Darüber hinaus gibt es sicherlich eine große Menge an weiteren Aufgaben der Infrastruktur-Komplettierung. Zu weiteren Infrastrukturmaßnahmen könnte gehören:

Nur die wenigsten Menschen kommen in die Welt, und wachsen »wie Prinz und Prinzessin« auf, womit ich sagen will, dass es viele Menschen gibt, die alptraumartige Kindheiten hatten, und ihre Seelen ein Leben lang davon gezeichnet sind. Für viele besteht gar nicht die Möglichkeit, all das Geschehene aufzuarbeiten, Dinge wieder gut zu machen, bei einer »normalen Entwicklung« wieder anzusetzen, weil der tagtägliche Existenzkampf in Form von Selbstausbeutung am Arbeitsplatz, die ganze Energie und Daseinskräfte aufsaugt.

Erst eine »kostenlose Infrastruktur« (die die physische Existenz sichert) würde die Grundlage dafür bieten, sich diesen Aufgaben zuzuwenden. Das heißt, die sogenannte »soziale Arbeit«, Seelenarbeit, Herzensarbeit, würde einen regelrechten Boom erleben, weil die Menschen auf einmal Zeit hätten, sich diesen Dingen zuzuwenden, um ihre Seele zu »heilen«. Dazu gehören Beziehungsstörungen, Ich-, Identitätsprobleme, etc. Aber auch Vieles, was zum Bereich der »Gesundheit« gehört, könnte erst nach diesem großen Schritt in der Daseinsvorsorge, durch die In-Dienststellung der Wirtschaft für die Bedürfnisse der Menschen, angepackt werden.

Und sicherlich werden wir als Menschheitsaufgabe dabei den Planeten im Auge behalten müssen, dass er uns auch noch in den nächsten Millionen Jahren gute Dienste leistet und wir nicht »die gute Erde« überbeanspruchen.

Raphael Fellmer Buch