Schlagwort-Archive: Gemeinschaft

… und du fliegst raus.

Sicher gibt es diejenigen, die jeden Tag ausschlafen können. Sie haben es sich so arrangieren können, haben einen ständigen Geldfluss organisiert. Ihr Einkommen ist gesichert. Wie sie das geschafft haben, ist erst mal egal. – Und dann diejenigen, die jeden Tag aufspringen müssen, um dafür zu sorgen, dass Geld auf ihr Konto kommt. Wer keinen »Arbeitgeber« hat, der bezahlt, der die eigene Arbeit bezahlt, muss sonstwie Geld organisieren. Beim Staat betteln, damit sie Geld herausrücken, über deren Stöckchen springen, sinnlose Lehrgänge besuchen und Jobs annehmen, die niemand haben will. – Wehe, du rührst dich nicht, bleibst einfach im Bett liegen. Dann versiegen die Zahlungen auf dein Konto, der Vermieter hat keine Geldeingänge mehr, der Stromversorger meckert, die Heizung bleibt kalt, der Kühlschrank ist leer und du trägst die Kleidung, die du einmal vor über 10 Jahren gekauft hattest.

In den 90er Jahren kamen die »Tauschringe« in Mode. Vereinigungen, deren Teilnehmer mit einer selbstgeschaffenen Währung, nennen wir sie »Holo«, in Tauschgeschäfte treten. Wie bei einem Flohmarkt, können Produkten gegen diese Währung »gekauft«, und gegenseitige Dienstleistungen mit dieser Währung bezahlt werden. Die Idee schien genial, in Zeiten zunehmender Single-Haushalte, um sich so gegenseitig zu helfen und sich auch kennenzulernen. Denn die Tauschringe sollten nicht bloß den Wirtschaftskreislauf abbilden, sie funktionieren eigentlich nur, wenn persönliche Beziehungen unter den Tauschring-Teilnehmern zustande kommen. – Der anonyme Tauschhandel der »Realwirtschaft« sollte eben nicht kopiert werden. – Auch wenn heute viele Personen von den Tauschringen profitieren, denn wer die Regeln verstanden hatte, kann sich gut in diesen Netzwerken einrichten, so ist doch eine gewisse Stagnation bei den Mitgliederzahlen festzustellen. – Woran liegt es?

Einmal sind es die strikten Regeln, die eher die Stimmung bei den Teilnehmern eintrüben. Tauschen gegen Euros ist verboten, beziehungsweise »nicht erwünscht«. – Dann werden säumige Teilnehmer, also solche, die ihre Jahresbeiträge nicht bezahlen, gemäß eines Regelautomatismus aus der Vereinigung »entfernt«. – Sicher ist dagegen ein Einspruch möglich. Aber das ist nicht der Punkt.

Wir leben in Gesellschaften, in Gemeinschaften, aus denen wir »automatisch« rausfliegen, wenn wir uns nicht entsprechend verhalten. Das ist es. – Wir sollen vorgegebene Regeln, von Menschen ausgedachte Regeln befolgen, sonst ist »Schluss mit Lustig«.

Was ist, wenn wir die Kraft dazu nicht haben, wenn uns das zu viel ist? Egal. Der Nächste bitte.

Die Idee des Tauschrings ist es, selbst »Angebote« zu machen, in einer eigenen Angebotszeitschrift und gleichzeitig auch bekannt geben, was nachgefragt wird. So würden »Angebot und Nachfrage« den Markt im Tauschring bestimmen, und mit den vorhandenen oder bereits verdienten »Holos« lassen sich die Tauschhandlungen abwickeln.

In der Praxis lässt sich aber kein Gleichgewicht herstellen, zwischen Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, und Angeboten. Zumindest geht es vielen Personen so. – Im Ergebnis führt das dazu, dass jemand zwar viele Nachfragen nach seinen Dienstleistungen hat, aber die Person kann mit seinem in der Folge vorhandenen »Geldreichtum« nicht viel anfangen, weil keine passenden Angebote vorhanden sind, für die das Geld wieder eingetauscht werden könnte. – Das Tauschen ist dann eine einseitige Angelegenheit.

Hauptproblem des Tauschrings ist, dass keine »regelmäßig« nachgefragten Produkte und Dienstleistungen vorhanden sind, die zu einem Geldkreislauf führen. Alles, was wir den ganzen Monat über brauchen, und dann wieder im Folgemonat, wären die Produkte und Dienstleistungen, die im Tauschring »im Angebot« sein müssen. Aber dies ist nur zum Teil der Fall.

Da diejenigen, deren Leistungen zwar stark nachgefragt werden, selbst nichts, oder nicht viel finden, an Angeboten, die sie nachfragen wollen, kann dies bei diesen Personen zu einer »Einschränkung ihres Angebotes« führen, da für sie die Motivation fehlt, ihre Angebote im vollen Umfang aufrecht zu erhalten.

In der Realwirtschaft gibt es genau diese Situation bei den Fachärzten und Hausärzten. – Früher konnten sie beliebig viel dazuverdienen. Was dazu führte, dass sie gerne jeden Patienten behandelten, der sich meldete. Heute führt die »Budgetierung« dazu, dass sie ihre Behandlungsangebote einschränken und zurückhalten. Das ist für den Patienten daran zu erkennen, dass er keinen Behandlungstermin »jetzt« bekommt, obwohl dringend eine Behandlung von Nöten wäre, sondern erst in ein, zwei Monaten, wenn womöglich die Erkrankung schon wieder vorbei ist, oder sich die Sache noch verschlimmert hat.

Und die an sich wichtige Grundlage für die Tauschgeschäfte im Tauschring, nämlich das »persönliche Kennenlernen« wird von immer weniger Menschen noch aktiv genutzt. Dazu ist es notwendig, sich zu den »Stammtischen«, Café-Treffen, etc. regelmäßig einzufinden, damit sich die Tauschring-Teilnehmer kennenlernen können, um ein gewisses Vertrauen aufzubauen, für das Tauschen. – Es kommt durchaus vor, dass Personen in den Tauschring eintreten und dann meinen, »geschäftsmäßig« sich irgendwelche Angebote des Tauschrings einfach nehmen zu können. So geht es dann auch nicht.

Obwohl also in dem »reichen Deutschland« die Bedingungen günstig sind, für die Tauschringe, nämlich viel Armut, viele prekäre Lebensverhältnisse, die es sinnvoll erscheinen lassen, dass sich die Menschen direkt gegenseitig helfen, so scheint doch die Konzeption der Tauschringe an einen gewissen Endpunkt gekommen zu sein.

Kann der Tauschring-Gedanke noch weiterentwickelt werden?

Tauschringe sind ein bisschen wie »Vereine« organisiert. – Aber die Tauschringe sollten sich einen modernen Touch geben:

• Mitgliederversammlungen sollten »online« abgewickelt werden. Das heißt, Abstimmungen per Email möglich machen, Kommunikation mehr über das Internet und Soziale Netzwerke abwickeln.

• Kosten reduzieren, statt neue aufzubauen! Alle Gebühren, Beiträge »freiwillig« machen und nicht die Teilnehmerschaft im Tauschring an Beitragszahlungen koppeln. Wer nichts freiwillig zahlt, demjenigen eventuell den Service des Tauschrings einschränken.

• Tauschen auch gegen Euros ermöglichen, und nicht nur gegen die hauseigene Währung.

• Mitarbeit in der Tauschring-Verwaltung und Tauschring-Organisation nicht gegen Bezahlung durchführen, sondern ausschließlich »ehrenamtlich« beziehungsweise ohne Bezahlung. Weder in der Hauswährung, noch in Euros. Denn über genau diese »Geldforderungen« der Mitarbeiter, wird der »Zwang« für Beiträge und Abgaben erst geschaffen.

Ein interessanter Aspekt in den Tauschringen, ist die »Geldmengen-Steuerung«. Sie ist ähnlich zu denken, wie in der Realwirtschaft und bei der Zentralbank. Aber zuerst wären die anderen Punkte dran.

Wir, du und ich

Das Kind wächst in ein »Wir« hinein, bevor es ein »Ich« entwickelt.

Das »Wir« wird von den Bezugspersonen und weiteren Mitgliedern in der Lebensgemeinschaft gebildet. Zum Beispiel »Vater und Mutter« und Geschwister. Idealerweise haben Vater und Mutter bereits ein »Ich« entwickelt. An diesen »Ichen« kann sich das aufwachsende Kind orientieren.

In Kindheit, Jugend und jungem Erwachsenenalter entwickelt der Mensch sein »Ich«. – Dieser Prozess ist zeitlich nicht begrenzt.

Wer sein »Ich« nicht entwickelt, bleibt bei dem »Wir« stecken.

Typisch für diktatorisch-orientierte Gesellschaften ist es, dass Eigensinn, Subjektivität und Individualität bekämpft werden, weil sie angeblich das »Wir« in der Gesellschaft gefährden. Jede Form von Individualisierung wird als unerwünscht dargestellt, als ungeeignet für das dem Nationalbewusstsein typische »Wir«. – Die Ich-Entwicklung ist in einer Diktatur unerwünscht.

Da aber der Mensch sein »Ich« entwickeln will, verbirgt er dieses, wenn es bedroht wird. – Denn auch in einer Diktatur sind es wieder »Iche«, die sich mitteilen wollen und die die Geschicke der ganzen Nation lenken. Nur äußern sich die subjektiven Sichtweisen dann fortwährend eingekleidet in einem »Wir wollen das, wir sollten das, wir müssen das und jenes tun«. Und »Du solltest das, du müsstest das und jenes machen«. – Solche Sätze werden von denjenigen eingesetzt, die ihr »Ich« nicht offen zeigen wollen und können. Statt von sich zu reden, von dem, was sie selbst wollen, denken und machen würden, reden sie unentwegt auf andere ein, dass diese »dies und jenes« machen und tun sollten und das »wir« besser uns so und so verhalten sollten und so weiter. – Solche Leute reden nicht von sich, sondern immerzu von anderen, was diese wieder falsch gemacht haben und besser machen könnten, was diese nicht leisten können und wie »wir« voran kämen, wenn wir uns bloß richtig verhalten würden und wer alles bekämpft gehört, weil er sich nicht richtig verhält.

Personen, die ihr »Ich« hingegen weitestgehend entwickelt haben, können sich irgendwann wieder für ein »Wir« entscheiden. Nur entscheiden sie aus einem relativ reifen »Ich« heraus, wieder ein »Wir« zu schaffen, zum Beispiel mittels einer Partnerschaft.

Zwei Umstände begünstigen diesen Prozess der Neu-Schaffung eines »Wir«:

• Das »Ich« muss sich zeigen. – Es muss für andere sichtbar sein. Es muss seine Fähigkeiten, Fertigkeiten, Möglichkeiten, Interessen, es muss seine »Schönheit« zeigen, es muss sich für andere attraktiv machen. Es muss für andere attraktiv sein.

• Das »Ich« muss aus der großen Zahl anderer Iche ein Ich »auswählen«. – Es muss aus freien Stücken, freiwillig sich mit einem anderen Ich zusammentun. – Aus dem dann folgenden gemeinsamen »Tun« kann dann auf ein »Wir« geschlossen werden und die beteiligten Personen äußern sich dann auch entsprechend.

Dieses »Wir« ist freiwillig zustande gekommen.

Ganz anders das »Wir« aus der Kindheit. Dieses »Wir« kam nicht freiwillig zustande. Das erklärt auch, warum in dem Wir der Kindheit etwas »Zwanghaftes« drinsteckt. Und sind die Eltern unreif geblieben, dann ist es dem Kind auch nicht möglich, an ihnen ein reifes, selbständiges, eigenwilliges »Ich« zu erkennen, und es wächst ohne »Ich-Unterstützung« auf.

Wann ist etwas »reif«?

Ist jemand reif für einen öffentlichen Auftritt, wenn er nur 5 Akkorde auf der Gitarre spielen kann? Darüber kann kein »Wir« eine Auskunft geben, sondern nur derjenige selbst erstmal, der mit diesem Vermögen auftreten will, und natürlich wir alle, als Einzelpersonen, indem wir zu den Auftritten dieser Person eilen, weil wir das so toll finden, wie dieser Mensch Gitarre spielt. Oder indem wir als Einzelpersonen den Kopf schütteln, über so viel Unerfahrenheit, und diese Darbietungen meiden.

Ob eine Person, ein »Ich«, zu irgendetwas »reif« ist, bestimmt also in erster Linie diese Person selbst. Wer sich selbst reif dafür hält, zu heiraten in einem bestimmten Alter, kann das tun, und er wird sehen, was dabei herauskommt. – Andere Menschen haben sich nicht einzumischen in die Frage, ob jemand zu irgendetwas »reif« ist. »Wir« können nicht entscheiden, ob jemand zu etwas »reif« ist.

Die Reife drückt sich aus! – Und wir nehmen es dann wahr.

Sondersituationen sind dann gegeben, wenn wir »ausdrücklich« jemanden prüfen wollen, ob er »reif« ist. Zum Beispiel in Prüfungen. Aber hier in diesem Beitrag will ich ausschließlich die »Reife« ansprechen, die wir in freier Entscheidung zur Kenntnis nehmen, und nicht solche, die sich aus Spezialfällen ergibt.

Das »Du« wiederum kann »unreif« gehandhabt werden, indem es in das »Du« (in die andere Person) das eigene »Ich« projiziert, das sich nicht zeigen darf und deshalb im anderen auftauchen soll. – Wer selbst ein reifes Ich hat, wird das »Du« vorsichtig handhaben und den Respekt für die andere Person ausdrücken und die Würde der anderen Person anerkennen.

So haben wir das kindliche »Wir« und das erwachsene »Wir«.

Das kindliche »Wir« wird wahrgenommen aus einem schwachen, kaum entwickelten »Ich«. Bleibt das »Ich« wenig entwickelt auch in zunehmenden Alter der Person, ersetzt das »Wir« das »Ich« weitestgehend. Solche Zustände sind typisch für totalitäre und diktatorische Gemeinschaftsbildungen. – Dort herrscht das kindliche »Wir«.

Das erwachsene »Wir« hingegen, ergibt sich aus selbständigen »Ichen«. Die »Iche« produzieren sich (Inhalte) nach außen, in die Welt, damit die Inhalte, aber auch sie als Person sichtbar werden. – Sie zeigen sich. – Dies entspricht dem Bedürfnis des »Ich«. Die anderen »Iche« wiederum, wählen aus den vorhandene »Ichen« diejenigen aus, mit denen sie sich verbinden wollen. Daraus kann ein neues »Wir« entstehen. Die Formen des »Wir« aus erwachsenen »Ichen« sind vielfältig. Das können Partnerschaften sein, aber auch Freundschaften, Arbeitsgruppen, Interessengemeinschaften etc.

Weggehen

tagesspiegel–nach-dem-tod-dreier-frauen-behoerden-ueberpruefen-suizidforen-im-internet

Mit Atemschutzmasken seien Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr schließlich in das Badezimmer vorgedrungen – dort fanden sie die Leichen. Neben der Potsdamerin und der Frau aus Frankfurt (Oder) wurde eine 44-Jährige identifiziert, die in Schauenburg im Landkreis Kassel lebte. Kommissar König sagte, die Ermittler gingen derzeit davon aus, dass sich die Frauen mit Kohlenmonoxid töteten, einem geruch- und geschmacklosen Gas. Entsprechende Abschiedsbriefe seien gefunden worden. Es gebe keine Anzeichen auf ein Verbrechen oder einen technischen Defekt.

Erst jetzt die Tage hatte ich von einer Frau gelesen, die sich im Alter von Anfang 50 »aus dem Staub gemacht« hatte. Es gibt von ihr Fotos im Internet und ich sah sie mir an, ihr Gesicht und die schönen, gesunden Zähne, die sie hatte. Warum das alles? In Deutschland ist es nicht üblich, darüber zu sprechen, warum sich Menschen das antun (die Freunde, nahen Bekannten und Angehörigen lasse ich da mal außen vor). Wir erfahren nicht, wie viele Personen sich täglich selbst töten, weil die Polizei aus Gründen, die ich nicht ausreichend finde, diese Informationen nicht öffentlich macht. Besser wäre es allemal, wenn wir Menschen darüber informiert würden, wenn so etwas passiert. Es ist wie ein Barometer, dass darüber Auskunft gibt, in welcher Verfassung unser Gemeinwesen ist. Ich glaube, wüssten wir, wie viele Menschen sich jeden Tag das antun, wir wären alarmiert.

Wir sind aus einem Zustand ungeheurer Freiheit und Möglichkeiten in den 70er bis Ende der 90er Jahre in eine Verfassung der großen Repression und des Verfalls geraten. Alles scheint instabil, bricht zusammen, ist bedroht. Die Beziehungen waren es schon lange, jetzt sind es seit vielen Jahren die Arbeitsverhältnisse, aber auch die staatlichen Gefüge bieten immer weniger halt. Verschärft wird das Ganze, weil wir Menschen in den vielen Jahren des Singlelebens verlernt haben, solidarisch und verantwortlich füreinander zu sein. Viele sind heute Einzelkämpfer. Aber sie merken, je älter sie werden, um so unbequemer wird diese Freiheit. Alles verändert sich oder müsste sich verändern. – Und manche ziehen die »Notbremse« und steigen vorzeitig aus. – Es ist ja auch einfacher geworden. Die entsprechenden Mittel gibt es für ernsthaft Kranke in der Schweiz zum Herunterschlucken oder die Lebensmüden sprechen sich in den einschlägigen Foren ab, welche Methoden einen relativ unbeschwerlichen Gang ins Jenseits ermöglichen.

Zu weiteren Umständen der Tat und näheren Informationen zu den Getöteten wollte Kommissar König nichts sagen – auch um Nachahmungstaten zu verhindern. Es ist nicht der erste Fall dieser Art. Laut Medienberichten hatten sich im Sommer 2011 drei junge Frauen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren im niedersächsischen Damme das Leben genommen. Sie hatten sich den Angaben nach auch über das Internet verabredet und starben in einem Zelt – ebenfalls an einer Kohlenmonoxidvergiftung.

Es stellt sich auch die Frage, was man eigentlich heute noch mit dem Leben anfangen will. Heiraten muss niemand mehr, Gott sei Dank, aber für viele gibt es stattdessen die »Sinnkrise«. Wozu eine Beziehung eingehen, wenn der Mann seine sexuellen Wünsche »virtuell« erledigen kann und sich die Frauen »die Nervensäge« oder noch Schlimmeres ersparen können. Um Kinder zu haben, steht »Zeugung« unter ferner liefen, als gleichgeschlechtliches Ehepaar geht auch Adoption. Aber vielleicht weiß kaum noch jemand, zu welchem Geschlecht er/sie sich zurechnen will. In der Summe: Keine Arbeit, kein Geschlecht, keinen Partner, keine Beziehung, keine Community (außer der, in der man seinen Abschied vorbereitet). In den Dating-Foren werden die User scheinbar nur abgezockt und außerdem geht kaum noch jemand aus, bei der Kriminalitätsrate heutzutage. – Da wäre noch der Konsum. Der macht aber keinen Spaß, von allem gibt es viel zu viel, und gegenüber wem soll man mit seinem Geld protzen, als Einsamer.

Aber irgendwie schaue ich doch ganz entgeistert, ungläubig in das Gesicht der Frau, die sich »mitten in der Arbeit« einfach so davon gemacht hatte. Hätten nicht »wir« gemeinsam irgendwelche wichtigen Dinge anpacken können? Du mit deinen guten Kenntnissen in der Theaterarbeit, die wir nutzen für ein Stück über die Zerbrechlichkeit unserer Lebenswelten, oder für ein aufrüttelndes Werk über die Notwendigkeit eines Bedingungslosen Grundeinkommens. Wie auch immer. Jetzt geht gar nichts mehr. Und wenn man auch einen Moment innehält, im Andenken an eine Person, die anderes vor hatte, so geht doch das Leben einfach weiter und die Welt der Menschen ist voller Eindrücke und nicht alles können wir festhalten.

Im Elfenbeinturm

novo-argumente–Liberalismus: Freiheit als Lebenselixier

Wir haben es über die Jahrhunderte so weit gebracht, weil unsere Entwicklung angetrieben war, von einem ständigen Wettbewerb des Wissens, der Ideen und der Erfindungen, die die Individuen hervorgebracht haben. Der Markt hat dabei als Entdeckungs- und Entmachtungsinstrument den Lebensstandard weltweit verbessert, den Menschen ein längeres und gesünderes Leben beschert. Es entstand ein immer differenzierteres soziales und rechtliches Regelwerk, das den Zusammenhalt und das Fortkommen der Gesellschaft ermöglichte. Doch ein Bewusstsein von dieser Erfolgsgeschichte, gar ein Stolz auf diese lange Entwicklung, scheint uns abhandengekommen zu sein.

Wenn die Herrschaften doch bloß nicht immer so »mit angehobener Nase« daherkämen. Warum schafft es Frau Ackermann nicht, über die konkreten gesellschaftlichen Probleme zu sprechen, und darüber, wie wir sie lösen können.

Weder der Staat noch die Gesellschaft haben demzufolge das Recht, sich in die privaten Angelegenheiten und Handlungen der Individuen, die nur sie selbst etwas angehen, einzumischen oder sie gar zu sanktionieren. Von staatlicher oder gesellschaftlicher Seite sind demnach Sanktionen nur zulässig, wenn diese Handlungen andere schädigen. Keiner darf zu seinem Glück gezwungen werden. …

Voraussetzung für die Herausbildung von Individualität und die Praxis eines eigenen Lebensplans ist deshalb die Freiheit eines jeden, zwischen verschiedenen Optionen unterscheiden und wählen zu können.

Indem die Menschen entsprechend der Vielfalt der Charaktere und Meinungen ihren eigenen Lebensplan entwerfen und ihm folgen, schaffen sie überhaupt erst die Pluralität der Lebensstile, ein Kaleidoskop von Lebensmöglichkeiten, die alternativ zur Wahl stehen.

Diese Aussagen ließen sich doch prächtig auf den Hartz4-Empfänger beziehen und sich dementsprechend auch gegen das Unrecht der Hartz4-Sanktionen verwenden lassen.

Liebe Frau Ackermann, meine Frage wäre, was für ein Gemeinwesen wollen sie heute? Stört es sie, dass es Hartz4 gibt? Dass 60000 Behördenmitarbeiter (überwiegend Frauen?) damit beschäftigt sind, andere Menschen zu drangsalieren und zu schikanieren. Haben sie etwas dagegen, dass wir immer mehr in einen totalitären Staat abgleiten, weil wir die Tür aufgemacht haben, zu einer Gesellschaft, in der Staatsbedienstete wieder Mitbürger bedrohen können?

Habe sie etwas dagegen, dass Menschen zu »Tafeln« gehen müssen, weil sie nicht genug Geld zum Leben haben, und wir wieder so viele Zwangsarbeiter haben? (Wie damals, bei Hitler.)

Spüren sie die Parteiendiktatur? Und was wollen sie dagegen tun? Was halten sie von Direkter Demokratie und wie stehen sie zum Bedingungslosen Grundeinkommen.

Erst wenn man das (und mehr) von Ihnen weiß, kann man einschätzen, in welche Richtung sie Ihre Abhandlung über die Geschichte der Freiheit und Individualitätsentwicklung des Menschen hingedeutet sehen wollen.

Und ja, es kann passieren, dass mir dann dieselbe Geschichte von jemandem anderen erzählt, besser gefällt, weil eine menschenwürdigere Zukunft von diesem anvisiert wird.

Wir brauchen deshalb einen starken, aber schlanken Staat, der seinen ordnungspolitischen Aufgaben nachkommt und der Versuchung widersteht, der bessere Unternehmer sein zu wollen. Ein Staat, der sich in seiner Interventionslust zurückhält und dafür sorgt, dass verfasste Regeln eingehalten werden.

Besser wäre es, wenn wir einen Staat hätten, der sinnvolle Regeln erst einmal verfasst und in Gesetzesform bringt. Daran hapert es am meisten. Die bestehenden »verfassten Regeln« sind voller Unrecht und Menschenrechtsverletzungen. – Da gibt es viel zu tun.

Ein Staat also, der die Grundversorgung und das Existenzminimum seiner Bürger garantiert, …

Ja, das will er aber nicht. – Sonst könnte er ja Arbeitslosengeld II bedingungslos zahlen.

Um unsere Wirtschafts- und Freiheitskrise zu meistern, sind ein neuer bürgerlicher Eigensinn, Phantasie, Selbsttätigkeit und kreative Dissidenz gegenüber der „sozialen Tyrannei“ der Mehrheit gefragt.

Das lässt aufhorchen. Aber in keinem guten Sinne. So, so. Die Mehrheit (Mehrheitsentscheidung?) ist verantwortlich für Tyrannei. Gibt es Beispiele?

Bedarf und Bedürftigkeit – Was brauchen wir?

Im Blog des »Konzeptwerk Neue Ökonomie« findet sich ein Artikel zum »Crowdfunding«.

konzeptwerk-neue-oekonomie–mehr-wirtschaftsdemokratie-durch-crowdfunding

Gleich zu Beginn werden Parameter benannt, die in einer Wirtschaft eine Rolle spielen können, und es werden Fragen aufgeworfen.

Marktwirtschaft
Produktion von Gütern
Verteilung von Gütern
Demokratie
Solidarität
Entscheidungen
Bedürftigkeit
Geld
Nachfrage

Welche Einflussnahme hat der Bürger auf die Produktion?
Warum wird nicht (nur) das produziert, was die Menschen brauchen?

Zur »Marktwirtschaft« kann man einwenden, ob wir einen »Markt« brauchen. Dies lässt sich aber nur beantworten, wenn weitere Parameter in die Diskussion eingebracht werden, was ich hiermit tue.

Lebensnotwendige Produktion
lebensbereichernde Produktion
überflüssige Produktion
Gemeinwohl
Allgemeinheit
Direkte Demokratie
Bedingungsloses Grundeinkommen

Bei der »lebensnotwendigen Produktion« kann man sich langfristig eine überwiegend »marktfreie« Produktion dann vorstellen, wenn man von der Physis des Menschen so viel weiß, dass ein sinnvoller Ernährungskatalog erstellbar ist. Und »Markt« gibt es womöglich immer noch für allen Schnickschnack, den sich die Individuen wünschen.

Alles, was über die »notwendige Produktion« hinaus wichtig für die Menschen ist (also alles, was nicht Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie betrifft), müsste im Einzelfall angeschaut werden. Richtschnur hierbei wird der »Bedarf« sein. – Der von dem Autor »Kai Kuhnhenn« verwendete Begriff »Bedürftigkeit« sollte keine Rolle spielen, weil er etwas »passiv« formuliert, was aber nur vom Individuum aktiv angemeldeter »Bedarf« gegenüber der Wirtschaft sein kann.

Die »Produktion der Güter« ist Aufgabe der Wirtschaft, die »Verteilung der Güter« meint wohl in erster Linie, dass auf die lebensnotwendige Produktion ein gerecht verteilter Zugriff möglich ist. Denn es geht um eine »aktive« Handhabung der Produktion (Ergebnisse) und mit Verteilung der Güter klingt eher durch, Almosen des Staates.

Der Begriff »Demokratie« ist ungeeignet, einen Ort zu formulieren, an dem die Wirtschaft angesiedelt ist. In den Containerbegriff Demokratie wird so viel hineininterpretiert, dass er einer Konkretisierung der Sachverhalte nicht dienlich ist. Der Ort, an dem Wirtschaft stattfindet, ist die »Gemeinschaft« der anwesenden Menschen.

Die Produzenten müssen darauf achten, dass die Produktionsergebnisse und der »Gewinn« aus der Produktion »brüderlich« geteilt wird (was wir »passiv« erleben), die gemeinschaftliche Verwaltung (oft als »Staat« bezeichnet) muss mittels »Gesetze« dafür sorgen, dass alle Bürgerinnen und Bürger »aktiv« ein Recht auf Zugriff auf die Produktion erwerben.

»Solidarisch« müssen die Produzenten sich verhalten, gegenüber allen Mitarbeitern und gegenüber der Gemeinschaft insgesamt. Solidarisch verhalten sich die Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltungen, wenn sie bei ihrer Arbeit das »Gemeinwohl« im Sinn haben und in erster Linie für die Allgemeinheit tätig sind.

Wenn die Allgemeinheit über die Produktion entscheiden würde (mittels Crowdfunding oder direkt-demokratisch), hätte sie zuerst einmal das Gemeinwohl im Sinn zu haben, was nur bedeuten kann, dass sie sich dafür entscheidet (die Entscheidung fällt), dass die notwendige Produktion allen Menschen der Gemeinschaft (Weltgemeinschaft oder lokale Gemeinschaft) ohne Einschränkung zugänglich ist. – Begründet wäre dies damit, dass wir produktionstechnisch und als Ergebnis unserer erfinderischen, wissenschaftlichen und erkenntnismäßigen Leistungen in der Lage sind, diesen »Dienst« uns allen als »Grundlage« mit auf den Lebensweg geben zu können. – Sozusagen als kostenlosen Liebesdienst.

»Geld« ist nur eine Metapher für »Zugriffsrecht«. Wer sich an dem Thema Geld festbeißt, übersieht, dass es des Geldes überhaupt nicht braucht, um »einkaufen« zu gehen. Es muss einfach nur erlaubt sein, sich die lebensnotwendigen Produkte zu nehmen! Die Gelddiskussion ist nicht selten ein Ablenkungsmanöver, die den ungeübten Betrachter in die Sackgasse führen soll, in der dann am Ende des Weges ein Schild steht »Kein Geld vorhanden« (Pech gehabt). – Geld »begleitet« die Produktion und soll den Tauschverkehr erleichtern. Geld ist weder in der Wirtschaftsdiskussion noch im realen Leben zwingend notwendig.

Unterscheidet man in der Produktion zwischen lebensnotwendiger Produktion, lebensbereichernder Produktion und überflüssiger Produktion, dann ist erst einmal nur für die notwendige Produktion »Nachfrage« sicher. Diese umfasst Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie. Wenn für diese Produktion eine sichere Nachfrage besteht, könnte sie in weiten Teilen »geplant« werden. – Vielleicht könnte die Leipziger Denkfabrik einmal in alten Unterlagen nachschauen, wie man Wirtschaft plant und dementsprechend Vorschläge machen. 🙂

Auf Grundlage dieser Überlegungen lassen sich die vom Autor benannten Fragen wie folgt beantworten:

Wenn die Produkte einfach auf Basis der Bedürftigkeit verteilt werden, wer sichert dann den Gewinn der Unternehmer_innen bzw. sorgt für einen ausreichenden Produktionsanreiz?

Es wird nichts »verteilt«, sondern der Zugriff wird ermöglicht. Grundlage für eine Gesellschaft überhaupt kann nur ein Bedingungsloses Grundeinkommen sein. Dann aber stellt sich die Frage nach »Gewinn« neu. Wer aktiv wird, muss sich selbst die Frage beantworten, warum. Auch muss berücksichtigt werden, um welche Art von Produktion es sich handelt: notwendig, bereichernd oder überflüssig.

Was ist ein ausreichender Produktionsanreiz? Reicht es schon, den Unternehmer_innen ein Grundeinkommen zu sichern, und das Wissen, das ganz viele Leute sich über das Produkt freuen würden?

Ja, das kann der Unternehmer dann für sich selbst klären, ob ihm/ihr das ausreicht, als Begründung, aktiv zu werden.

Wer von all denen, die sich das Produkt wünschen, soll es bekommen bzw. wer bestimmt die Bedürftigkeit?

Auch hier gilt, es muss unterschieden werden zwischen lebensnotwendiger Produktion, lebensbereichernder Produktion und überflüssiger Produktion. Der Zugriff auf die lebensnotwendige Produktion muss in den Menschenrechten garantiert werden, als allen Menschen zustehendes Recht auf ein menschenwürdiges Dasein.

Die Aufgabe der lebensnotwendigen Produktion ist der Allgemeinheit übertragen (in dem die gemeinschaftliche Verwaltung Wirtschaft ermöglicht, durch einen gesetzlichen Rahmen), sie dient dem Gemeinwohl und der Zugriff auf diese muss weltweit als Universalrecht und gemeinschafts- und gesellschaftskonstituierend anerkannt sein. Es spielt keine Rolle, ob dies in einer Marktwirtschaft oder in einer Planwirtschaft geschieht. Aber als Leitschnur gilt, eine effektive, rationelle Produktion und Zugriffsmöglichkeit für alle, muss gewährleistet sein.

»Bedürftigkeit« ergibt sich aus dem menschlichen Dasein. Der Mensch sagt selbst, was er braucht! Und es ist ein Unterschied, ob jemand sagt, er braucht Essen, um nicht zu verhungern, oder ob jemand sagt, er braucht ein iPhone, weil es ihm gefällt. In einer Gesellschaft, in der das Bedingungslose Grundeinkommen eingeführt ist, brauchen Menschen ein zusätzliches Einkommen, um »Luxusgüter« zu erwerben oder an Dinge zu gelangen, die den individuellen Vorlieben entsprechen.

Wer »Bedarf« hat, muss ihn gegenüber den Mitmenschen, der Gemeinschaft anmelden. Ist Verständnis (in der Gemeinschaft) für die Anliegen vorhanden, wird es Wege geben, um diese Bedarfe zu decken.

Schnell ist man wieder bei den großen Fragen, wie man eine Gesellschaft gerecht organisiert und ob das dann noch zur »Natur« des Menschen passt.

Der Mensch ist nicht nur »Natur«, sondern auch Geist und Seele. Das Wesen des Menschen müssen wir ergründen, um ihn zu verstehen, um zu wissen, wonach er strebt, welchen »Bedarf« er hat. Natur ist ein wichtiger, aber nicht der ganze Aspekt des Menschen.

Fortsetzung hier

Kultur

Das mag alles stimmen, aber was ist das eigentlich für eine autoritäre Vorstellung von Kultur? Was Kultur ist, die die Identität eines Landes widerspiegelt, haben demnach irgendwelche Beamten zu entscheiden, die darüber beraten, welcher Antrag auf Kulturförderung abgelehnt und welcher bewilligt wird. Was qualifiziert sie dazu? Ein Staat hat so etwas nicht vorzuschreiben und kann daran nur scheitern. Darum ist die Kulturlandschaft in Deutschland ja auch so ausgetrocknet, so eindimensional und so frei von Innovationen

achgut–oh-boy-diese-kulturfoerderung

Was ist Kultur? Wer darf da mitüberlegen. Diejenigen, die über öffentliche Gelder verfügen …. und wer noch. Kultur kann heute als »Einzeltat« im Internet bewundert werden, oder ist Produkt einer Gemeinschaftsarbeit. Dabei spielt die Finanzierung gar keine Rolle. Mit der Handykamera kann man einen anderthalbstündigen Spielfilm erstellen, wenn man denn will.

Die Kulturlandschaft ist ausgetrocknet, weil es keine Menschen gibt, die interessante Sachen machen. Die für andere von Interesse sind. Das macht die Landschaft so »trocken«.

Denn der traditionelle Mensch, der offenbar bereits ein Auslaufmodell geworden ist, ein Mensch mit Gewissen, zu Schuld- und Schamgefühlen, zur Kontrolle seiner Affekte fähig, mit einer sexuellen Identifikation als Mann oder Frau, ein Mensch mit Kultur, wird dann nur noch Geschichte sein. Denn Kultur ist eben nicht die Natur, und Argumente für etwas, weil es „natürlich“ sei, sind für die Tierhaltung überzeugend, den Menschen macht nicht das Natürliche aus, denn natürlich ist auch, unter sich zu kacken; den Menschen macht seine Kultur aus, die ihm nicht gegeben ist, sondern die er hervorbringt. Und seine Anpassung an die Kultur erzeugt das, was in der Psychoanalyse Neurose genannt wird.

achgut–menschen-ohne-grenzen-oder-affen-mit-smartphones

Kultur ist eine Leistung? Sie ist jedenfalls verknüpft mit einem Bekenntnis »zu«. »Das« ist unsere Kultur. Oder sagt man heute: »Das ist meine Kultur.«? Ist Kultur eine Gruppenleistung oder eine Einzelleistung?

Jetzt sah ich großformatige Werbung, über die ich mich sehr ärgerte. Es ging um ein neues Computer- beziehungsweise Konsolenspiel »Grand Theft Auto«. In Wikipedia fand ich heraus, dass das Spiel in mehreren Serien in Schottland produziert wird. Auf dem Plakat an einer Bushaltestelle hängend, ist ein Mann zu sehen, der böswillig aussieht und eine Handbewegung macht, die allgemein als Drohung gilt, jemanden töten zu wollen. Ich fühlte mich von dieser Visage belästigt, und überlegte mir, dass mit diesen vorgeblichen Autorennspielen in erster Linie junge Männer, männliche Jugendliche angesprochen werden sollen.

Diese Computerspielserie ist bereits in mehreren Folgen erschienen und steht in der Kritik. Wikipedia dazu:

wikipedia.org/wiki/Grand_Theft_Auto

Die GTA-Reihe ist wegen der exzessiven Gewaltdarstellung nicht unumstritten. Bei Wissenschaftlern und amerikanischen Politikern[19] ruft jeder neue Teil der Serie, insbesondere da seit GTA III eine 3D-Engine verwendet wird, teils scharfe Kritik hervor. In allen Teilen der Serie sind gewalttätige Handlungen gegen Personen (einschließlich Polizisten) möglich. Das Töten von Personen wird mit Fahndungssternen zwar bestraft, hat aber keine ernsten Folgen für den Spieler oder den Spielverlauf. Die schwerwiegendste Konsequenz ist lediglich eine symbolische Verhaftung, die den Verlust der mitgeführten Waffen und eine Geldstrafe mit sich bringt.
Um eine USK-18-Einstufung bzw. Indizierung zu verhindern, wurden in den deutschen Versionen einiger GTA-Spiele Inhalte entfernt. Dies betrifft einige Missionen (GTA Vice City) sowie das Nachtreten und Berauben der am Boden liegenden Opfer. Die Amokläufe sind in den deutschen Versionen entweder gar nicht möglich oder es fehlen bestimmte Varianten, wie die Amokläufe gegen Passanten.

Gerade der hier als letztes angesprochene Punkt kam für mich in den Blick, als ich das Computerspiel Carmageddon kurz anspielte. Ein Autorennspiel für die Android-Plattform. Man bekam Punkte dafür, mit dem Auto Menschen totzufahren.

joystiq–humble-mobile-bundle-2-spotlights-star-command-carmageddon-for

Ein Spielfilm soll Kunst sein. Was ist ein Computerspiel? Es sind Kulturerrungenschaften. Aber was ist das?

Bielicki schreibt:

Aber ein Mensch wird zum Menschen erst durch Teilnahme an der Kultur, die eben nicht Natur ist. Alles was natürlich ist ist nicht Kultur. Kultur ist nicht Natur. Das, was Natur genannt wird, ist bereits vom Menschen kultiviert worden, die Wälder, die Felder, die Flüsse und Seen, auch die Berge und das Meer.
Natur ist ficken, fressen, saufen, Drogen, sich berauschen, Raserei, Krieg, Blutrausch, usw. Denn Natur ist Triebbefriedigung (Sex und Aggression), Kultur ist jedoch triebfern und daher für die triebhaften Prolls nicht attraktiv. Aber nur in der Kultur findet der Mensch zu sich selbst und bleibt nicht ein unglücklicher Menschenaffe.

Was sind dann diese Figuren in dem Autorennspiel. Welche heruntergekommene, dekadente Gesellschaft verkörpern sie. Sind sie »nur« Phantasieprodukte der Computerspiel-Produzenten? Es sind keine Menschen in einem kulturellen Zusammenhang, sondern »unzivilisierte« Wesen auf niedrigster Entwicklungsstufe. Und diese Wesen treffen wir auch real, in unserem Alltag auf der Straße.

Wenn nun diese Computerspiele kein Ausdruck von Kultur darstellen und das Niveau des Dargestellten es verbietet, überhaupt daran zu denken, dass das etwas mit Kunst zu tun haben könnte, in welchem Kontext tritt »so etwas« in die Öffentlichkeit. Und auch noch scheinbar unwidersprochen. Denn trotz Kritik wird ja immer wieder an einer neue Version des Spiels gearbeitet.

Warum ist es in einem Kulturland, in Ländern mit Kultur nicht möglich, diese Produkte als »Schmutz« zu kennzeichnen, öffentlich anzuprangern und ein Bewerben im öffentlichen Raum zu verbieten. Gibt es nur noch individuelle Wertesysteme, statt gemeinsame? Warum finden sich keine Gruppen von Kulturschaffenden, geisteswissenschaftlich Tätigen, Jugendlichen, die aktiv die in diesen »Spielen« dargestellten Szenarien brandmarken und verurteilen, weil es keine Welt ist, in der man leben will, weil Spielen ein Einüben von Lebenswirklichkeit ist und welches Leben wollen wir »wirklich« sein lassen. Weil Spieleproduzieren eine Tat von Erwachsenen ist, an Kinder und Jugendliche gerichtet, und sich die Frage stellt, was tun da diese Erwachsenen. Sollen wir als Gesellschaft die Rahmenbedingungen dafür bieten?

Alles scheint privatisiert zu sein. Der Konsum oder die Ablehnung von menschenverachtenden Schriften, Filmen, Spielen. Ja selbst der Missbrauch und Gewalt ist privatisiert, denn die Sadomaso-Szene lebt mit dem Slogan »Was freiwillig passiert, ist o.k.«. Und dann übertragen auf solche Computerspiele: Wer so etwas spielen will, soll es halt machen. Auf eigenes Risiko.

Es stellt sich die Frage, ob das wirklich so gut ist, wenn man den Einzelnen so alleine lässt. Denn darauf läuft es hinaus. Zwar können allgemeine Regeln auch als Einmischung interpretiert werden. Aber nur dann, wenn die Einmischung nicht sachlich fundiert ist.

Fange ich mal mit dieser Werbung an, dann ist sie eine nicht zulässige Belästigung. Sie gehört verboten. Ich fühle mich durch sie belästigt. Ich empfinde aber auch, dass sie eine Belästigung für junge Menschen ist. Und Werbung ist von Erwachsenen »geschaltet«. Dass heißt, Erwachsene muten das Jugendlichen zu und es stellt sich die Frage, ob das in Ordnung ist. Ich denke, in diesem Fall, nein.

Was also ist Kultur? Kultur wäre in diesem Fall, dass sich Menschen aufraffen und sagen, was sie als Kulturmissachtung empfinden und deshalb ablehnen. Ich frage mich auch, wer hat Interesse an solchem geistigen Müll. Warum werden die vielen bösartigen Computerspiele, die vielen Horrorfilme gedreht. Wieso behauptet man, Filme, in denen das Töten von Menschen zelebriert wird, seien Kunstwerke? Wer kommt auf die Idee. Was hat das alles mit Kultur zu tun. Nichts.

Bielicki schreibt, das Unzivilisierte, das Primitive, Ordinäre, Rohe, sei »Natur«. Da bin ich geneigt, die Natur in Schutz nehmen zu wollen. Das Böse und Schlechte ist eine Form von Kultur, aber diese müssen wir aktiv ablehnen und eine bessere dagegenstellen.

Nachlese

Lügen wie gedruckt.

Wenn ein »Wir« in Deutschland vorhanden wäre, gäbe es kein Hartz4. Man kann nicht einen Teil der Bevölkerung doppelt bestrafen. Einmal fehlt den Arbeitslosen das Einkommen durch Arbeit und dann haben sich die rot-grünen Politiker noch als »zusätzliche Schikane eine »staatlich gewollte Verarmung« dieser Menschen ausgedacht. Hinzukommt die menschenrechtswidrige Zwangsarbeit durch die Sanktionspraxis. – Für wie dumm halten die Parteifunktionäre das Volk.

Fachlich und sachlich qualifizierte Bedienstete braucht jede öffentliche Verwaltung. Wer sich bewährt hat, kann weiter wirken für die Gemeinschaft. Aber warum diese Partei im Hintergrund? – Herr Seehofer findet den Herrn Kretschmann von den GRÜNEN toll, weil diesem seine Taufe so wichtig sei. Rückschrittlicher geht es kaum noch. Warum verhindern wir dann das Kopftuch im öffentlichen Dienst, wenn durch solche Politiker wieder die Kreuzträger ins Spiel gebracht werden.

mitteldeutsche-kirchenzeitungen–ex-kommunist-im-kirchenchor

Gemeinschaft organisieren

Die Politik muss zuallererst der Allgemeinheit dienen.

Der Allgemeinheit muss es immer gut gehen. Das muss erstes Interesse einer Gemeinschaftsvertretung und -verwaltung sein. Welche Gemeinschaft? Nun, diejenige, die früher in einer nationalstaatlichen Verfasstheit benannt wurde. (Heute spielt das ja kaum noch eine Rolle.) »Die Gemeinschaft aller«, aller Erdenmenschen.

Hingegen Lobbyismus ist die Interessensvertretung von kleineren Gruppen, als es die »Allgemeinheit« ist. Existiert die Allgemeinheit überhaupt?

In der Politik ist es mittlerweile so, dass die Lobbyisten sich die vereinzelten Abgeordneten in den Parlamenten vorknöpfen und sie wahlweise beschenken oder bedrohen, so dass diese sich den Lobbyforderungen beugen. Die Allgemeinheit ist wiederum die Einrichtung, die ausgebeutet wird. Ihre Ressourcen, Humankapital, wird verwurstet, indem die Ideologien der Minderheiten zu »alternativlosen« und sich aus den »Sachzwängen« heraus ergebenden Forderungen verklärt werden. Wird die Allgemeinheit aber zerstört und es bleiben nur noch Lobbygruppen übrig, sieht das zumindest wie ein menschheitsgeschichtlicher Rückschritt aus. (Es kann sein, dass dieser notwendig ist, weil der vermeintliche Fortschritt noch gar nicht stattgefunden hat. Wir sind nur in Teilbereichen fortgeschritten, ohne das ganze Wesen des Menschen weiterentwickelt zu haben. Deshalb müssen wir zurückschreiten und diesen Schritt, diese Aufgabe nachholen, um als »vollständige« Menschen dann wieder weiterzuschreiten. – »Technische Entwicklung« ist nur ein Teilbereich der menschlichen Aspekte.)

Der Schaden, der mittlerweile der Allgemeinheit zugefügt wird, ist kaum noch zu überbieten. Deshalb die Frage, ob man sie nicht wieder aufgeben sollte. Wir werden uns dann (Religions-) Gemeinschaften anschließen und gegeneinander kämpfen (bei Bedarf uns verbünden) und nur die Personen in unserer eigenen Gruppe akzeptieren und ihnen trauen. Die anderen bedrohen und benachteiligen. Ressourcen nur für uns in Anspruch nehmen. Eine Dezimierung der »Feinde« ins Auge fassen. – Anknüpfungspunkte in der Vergangenheit der menschlichen Entwicklung gibt es genug. Wir werden die »Allgemeinheit« (vorerst) für erledigt erklären. Ist es das, was jetzt kommt?

Hintergründe erschließen und Vorfälle analysieren

tagesspiegel–suizid-als-papa-nicht-mehr-leben-wollte

Zehntausend Suicide im Jahr in Deutschland. Man hört und liest kaum etwas davon. Das kommt auch daher, dass über Suicide in Deutschland selten berichtet wird. Angeblich sollen dadurch die Angehörigen und der Verstorbene selbst, geschützt werden. Wer hat so etwas entschieden. Die Mehrheit?

Interessant und wichtig sind Selbstmorde deshalb, weil über sie ein Stück weit auch die Gemeinschaft an sich, ihr Zustand und ihre Verfasstheit, erklärt werden könnte. Statt also den Vorgang und die Hintergründe zu verschweigen, sollte im Gegenteil alles rund um die Tat offenbart und erforscht werden!

Warum bringt sich jemand mit Ende dreißig um? Wenn er Anfang der 40er Jahre geboren wurde, waren seine Eltern, der Vater hundertprozentige Nazis? Hat er als kleines Kind gegen Ende des Krieges Gräueltaten mitbekommen. Waren die Eltern sadistisch veranlagt, oder ebenfalls schwerst-depressiv? – In welchem Kontext steht die ganze Familie. Gehören sie zum Bildungsbürgertum, oder sind es Adelige. Oder Aufsteiger, aus ärmlichen Verhältnissen. All das lässt sich in den Kontext zur Tat stellen und ermöglicht Rückschlüsse.

Selbstmorde sind ja, von der Formulierung her, Morde. Insofern wären Kontextanalysen bei Morden ebenso angebracht, um zu verstehen, warum Menschen solche Taten begehen. Das heißt, es müssten die Eltern, oder allgemein, die Bezugspersonen der Täter psychologisch analysiert werden. Und genauso das ganz Umfeld. Dies wäre auch wichtig, wenn denn mal wieder mutige und wissende Menschen an die Frage herangehen würden, wie können wir Tätern helfen. – Denn die Sicherungsverwahrung bedeutet ja, dass wir Absichten und Hoffnungen in dieser Hinsicht aufgegeben haben.

Gesellschaftlicher Diskurs – am Ziel vorbei

cicero–berliner-republik-autoritaer-etatistisch-regelungsverliebt

Der naheliegende Gedanke, dass für das Bürgertum der klassische Liberalismus angelsächsischer Prägung eine kulturelle Option sein könnte, kommt erst gar nicht vor.

Der Grund dafür ist einfach. Das Kleinbürgertum, sowohl in seiner traditionellen als auch in seiner neuen grünen Ausprägung, eint eine Überzeugung: dass die eigenen Werte universell gültig sind. Wer sie nicht teilt, ist nicht einfach nur anderer Meinung, sondern verfolgt bösartige Motive. Dementsprechend legitim ist es, die eigenen Werte mit Nachdruck durchzusetzen, mit Regelungen, Verordnungen und Gesetzen. Wer sich dann immer noch als renitent erweist, den kann man zur Not auch diffamieren.

Ein hitziges Gebräse, aber eben doch kein Deut‘ besser, als die Gescholtenen.

Alexander Graus Gejammere ist ermüdend und langweilend. Statt sich an »den Anderen« abzuarbeiten, hätte der Gute mal selber die Katze aus dem Sack holen sollen. Was lebt er für ein Leben, und was soll daran so toll sein. Das hätten die geneigten Leser gerne im Vergleich zur kritisierten grünen Klientel mal begutachtet. Aber da ziert er sich. 😕

Klar kann man was zu den GRÜNEN sagen, das betrifft jedoch ganz andere Sachen. »Das Drama des begabten Kindes« hätte ein Thema sein können. Denn eigentlich müssten sie es gewusst haben, dass das mit Hartz4 eine gemeinschaftsfeindliche Entscheidung war, die Unfrieden schafft und den Konsens zerstört. Aber sie haben es mit Schröder zusammen eingeführt und die Frage ist, wie sie damit heute überhaupt noch existieren können.