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»Gemeinwesen mit souveränen Staatsbürgern« im Gegensatz zur Arbeitsgesellschaft

Sascha Liebermann schreibt in einem Beitrag [1], dass wir unterscheiden müssen, zwischen der »Arbeitsgesellschaft« und dem Gemeinwesen mit seinen Staatsbürgern als »Souverän«.

In der Arbeitsgesellschaft ist der Einzelne ersetzbar. Im Räderwerk der Auftragserfüllung, sollen die die effizientesten Kräfte zum Einsatz kommen. Wenn der konkrete einzelne Mensch das nicht ist, dann ein anderer oder gar eine Maschine. – Allein daran ist zu erkennen, dass der Einzelmensch nicht im »Arbeitsleben« seine Erfüllung findet, wenn er dort nach Optimierungsgesichtspunkten angeschaut wird und notfalls ausgetauscht gehört.

Die Sicherheit seiner Person, die Unverletzbarkeit seiner Würde erfährt der Mensch nur in seiner Position als Souverän. Da ist er »unantastbar«. Als geachteter Teil eines Gemeinwesens ist er mit seinen Eigenarten »beständig anwesend«. So nehmen wir uns gegenseitig wahr und versuchen nicht, uns gegenseitig in subjektiven Vorstellungen »anzupassen«.

Diese Betrachtung der großen Gesellschaft, gilt es herunterzubrechen auf die kleinen Lebensumstände und Zusammenkünfte.

Wenn wir als souveräne Staatsbürger zusammenarbeiten, dann tun wir das nicht als »Organisation«, als »Arbeitsteam«, sondern als selbstbestimmte Einzelwesen, die jede Facette ihrer Subjektivität einbringt, in eine Vernetzung und Kooperation. – Wenn wir als Staatsbürger zusammenarbeiten, bilden wir deshalb keine »Arbeitsgesellschaft«, sind wir nicht im Kleinen, was wir im Großen auch nicht sein wollen.

Als Staatsbürger wirken wir zusammen, um ein Grundeinkommen zu erreichen, indem wir nicht zusammen »arbeiten«, sondern uns gegenseitig anerkennen. Als Erstes. Dann bringen wir die Dinge auf den Weg, in dem sich jeder so einbringt, wie wir das möchten und von uns aus beabsichtigen. Und es wird sich ergeben, dass diejenigen, die besondere Fähigkeiten in einer bestimmten Richtung haben, in diese strömen werden und sich dort die Fähigsten einfinden.

Und dies geschieht so, dass alle, die in eine Richtung wirken wollen, dies einfach tun. Und wir alle sehen die unterschiedlichen Ergebnisse und wir werden diejenigen unterstützen, die wir vor anderen vorziehen.

Wohingegen das schlechtere Verfahren wäre, in einer Organisation, Arbeitsorganisation festzulegen, wer für bestimmte Aufgaben zuständig ist, und gar Leute in diese Bereiche »gewählt« werden und wir womöglich Ergebnisse haben, mit denen niemand wirklich zufrieden ist, weil es die »Souveränität des Einzelnen« verletzt.

Deshalb ist das Zusammenwirken der Staatsbürger nicht in Form der Arbeitsorganisationen, Unternehmen, Initiativen möglich. – Weil es die Kompetenz des »eigenwilligen« Subjektes in Frage stellt, welches aber der »Souverän« ist.

[1]
Sascha Liebermann – Demokratische Konsequenz; in Philip Kovce: Soziale Zukunft – Das Bedingungslose Grundeinkommen – Die Debatte

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Wir, du und ich

Das Kind wächst in ein »Wir« hinein, bevor es ein »Ich« entwickelt.

Das »Wir« wird von den Bezugspersonen und weiteren Mitgliedern in der Lebensgemeinschaft gebildet. Zum Beispiel »Vater und Mutter« und Geschwister. Idealerweise haben Vater und Mutter bereits ein »Ich« entwickelt. An diesen »Ichen« kann sich das aufwachsende Kind orientieren.

In Kindheit, Jugend und jungem Erwachsenenalter entwickelt der Mensch sein »Ich«. – Dieser Prozess ist zeitlich nicht begrenzt.

Wer sein »Ich« nicht entwickelt, bleibt bei dem »Wir« stecken.

Typisch für diktatorisch-orientierte Gesellschaften ist es, dass Eigensinn, Subjektivität und Individualität bekämpft werden, weil sie angeblich das »Wir« in der Gesellschaft gefährden. Jede Form von Individualisierung wird als unerwünscht dargestellt, als ungeeignet für das dem Nationalbewusstsein typische »Wir«. – Die Ich-Entwicklung ist in einer Diktatur unerwünscht.

Da aber der Mensch sein »Ich« entwickeln will, verbirgt er dieses, wenn es bedroht wird. – Denn auch in einer Diktatur sind es wieder »Iche«, die sich mitteilen wollen und die die Geschicke der ganzen Nation lenken. Nur äußern sich die subjektiven Sichtweisen dann fortwährend eingekleidet in einem »Wir wollen das, wir sollten das, wir müssen das und jenes tun«. Und »Du solltest das, du müsstest das und jenes machen«. – Solche Sätze werden von denjenigen eingesetzt, die ihr »Ich« nicht offen zeigen wollen und können. Statt von sich zu reden, von dem, was sie selbst wollen, denken und machen würden, reden sie unentwegt auf andere ein, dass diese »dies und jenes« machen und tun sollten und das »wir« besser uns so und so verhalten sollten und so weiter. – Solche Leute reden nicht von sich, sondern immerzu von anderen, was diese wieder falsch gemacht haben und besser machen könnten, was diese nicht leisten können und wie »wir« voran kämen, wenn wir uns bloß richtig verhalten würden und wer alles bekämpft gehört, weil er sich nicht richtig verhält.

Personen, die ihr »Ich« hingegen weitestgehend entwickelt haben, können sich irgendwann wieder für ein »Wir« entscheiden. Nur entscheiden sie aus einem relativ reifen »Ich« heraus, wieder ein »Wir« zu schaffen, zum Beispiel mittels einer Partnerschaft.

Zwei Umstände begünstigen diesen Prozess der Neu-Schaffung eines »Wir«:

• Das »Ich« muss sich zeigen. – Es muss für andere sichtbar sein. Es muss seine Fähigkeiten, Fertigkeiten, Möglichkeiten, Interessen, es muss seine »Schönheit« zeigen, es muss sich für andere attraktiv machen. Es muss für andere attraktiv sein.

• Das »Ich« muss aus der großen Zahl anderer Iche ein Ich »auswählen«. – Es muss aus freien Stücken, freiwillig sich mit einem anderen Ich zusammentun. – Aus dem dann folgenden gemeinsamen »Tun« kann dann auf ein »Wir« geschlossen werden und die beteiligten Personen äußern sich dann auch entsprechend.

Dieses »Wir« ist freiwillig zustande gekommen.

Ganz anders das »Wir« aus der Kindheit. Dieses »Wir« kam nicht freiwillig zustande. Das erklärt auch, warum in dem Wir der Kindheit etwas »Zwanghaftes« drinsteckt. Und sind die Eltern unreif geblieben, dann ist es dem Kind auch nicht möglich, an ihnen ein reifes, selbständiges, eigenwilliges »Ich« zu erkennen, und es wächst ohne »Ich-Unterstützung« auf.

Wann ist etwas »reif«?

Ist jemand reif für einen öffentlichen Auftritt, wenn er nur 5 Akkorde auf der Gitarre spielen kann? Darüber kann kein »Wir« eine Auskunft geben, sondern nur derjenige selbst erstmal, der mit diesem Vermögen auftreten will, und natürlich wir alle, als Einzelpersonen, indem wir zu den Auftritten dieser Person eilen, weil wir das so toll finden, wie dieser Mensch Gitarre spielt. Oder indem wir als Einzelpersonen den Kopf schütteln, über so viel Unerfahrenheit, und diese Darbietungen meiden.

Ob eine Person, ein »Ich«, zu irgendetwas »reif« ist, bestimmt also in erster Linie diese Person selbst. Wer sich selbst reif dafür hält, zu heiraten in einem bestimmten Alter, kann das tun, und er wird sehen, was dabei herauskommt. – Andere Menschen haben sich nicht einzumischen in die Frage, ob jemand zu irgendetwas »reif« ist. »Wir« können nicht entscheiden, ob jemand zu etwas »reif« ist.

Die Reife drückt sich aus! – Und wir nehmen es dann wahr.

Sondersituationen sind dann gegeben, wenn wir »ausdrücklich« jemanden prüfen wollen, ob er »reif« ist. Zum Beispiel in Prüfungen. Aber hier in diesem Beitrag will ich ausschließlich die »Reife« ansprechen, die wir in freier Entscheidung zur Kenntnis nehmen, und nicht solche, die sich aus Spezialfällen ergibt.

Das »Du« wiederum kann »unreif« gehandhabt werden, indem es in das »Du« (in die andere Person) das eigene »Ich« projiziert, das sich nicht zeigen darf und deshalb im anderen auftauchen soll. – Wer selbst ein reifes Ich hat, wird das »Du« vorsichtig handhaben und den Respekt für die andere Person ausdrücken und die Würde der anderen Person anerkennen.

So haben wir das kindliche »Wir« und das erwachsene »Wir«.

Das kindliche »Wir« wird wahrgenommen aus einem schwachen, kaum entwickelten »Ich«. Bleibt das »Ich« wenig entwickelt auch in zunehmenden Alter der Person, ersetzt das »Wir« das »Ich« weitestgehend. Solche Zustände sind typisch für totalitäre und diktatorische Gemeinschaftsbildungen. – Dort herrscht das kindliche »Wir«.

Das erwachsene »Wir« hingegen, ergibt sich aus selbständigen »Ichen«. Die »Iche« produzieren sich (Inhalte) nach außen, in die Welt, damit die Inhalte, aber auch sie als Person sichtbar werden. – Sie zeigen sich. – Dies entspricht dem Bedürfnis des »Ich«. Die anderen »Iche« wiederum, wählen aus den vorhandene »Ichen« diejenigen aus, mit denen sie sich verbinden wollen. Daraus kann ein neues »Wir« entstehen. Die Formen des »Wir« aus erwachsenen »Ichen« sind vielfältig. Das können Partnerschaften sein, aber auch Freundschaften, Arbeitsgruppen, Interessengemeinschaften etc.

Rundfunkbeitrag

Stefan Padberg schreibt in einem Artikel in den »Sozialimpulse«, Juni 2016, dass die Zeiten für »Radio und Fernsehen« heute vorbei sind. Das bestimmende Medium ist stattdessen das »Internet«. – Wenn überhaupt, dann sind die Rundfunkanstalten nur noch bedingt wichtig:

Die Öffentlich-Rechtlichen haben in dieser neuen Medienlandschaft nur noch eine Berechtigung: Informationen aus dem staatlichen und politischen Bereich liefern und aufbereiten.

Der Sektor »Unterhaltung« in Radio und Fernsehen ist heute »zwangsfinanziert«. Das ist eine Farce für einen Rechtsstaat. Dass die Gerichte keinen Grund sehen, diese Praxis zu verbieten oder einzuschränken, zeigt, wie »heruntergekommen« diese Gesellschaft bereits ist.

Es müsste eigentlich für jeden Menschen ersichtlich sein, dass der Wetterbericht, die Staumeldungen, die Gute-Nacht-Geschichte für die Kinder und erst recht nicht der »Krimi am Abend« mittels Zwangsabgaben produziert sein kann.

Es ist eine Frage der Zeit, bis endlich die Politiker, Richter, »Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens« und natürlich die gesamte Bürgerschaft, sich gegen diese Praxis aussprechen. – Auch bietet dieses Thema eine gute Gelegenheit für »den Souverän«, sein politisches Engagement wiederzugewinnen und gestalterisch die Gesellschaft mitzubestimmen.

Batman regelt alles

In Gotham City gibt es Armut. – Was ist daran schuld?

Nach Meinung der Hollywood-Leute ist das »Verbrechen« daran schuld. – Gottseidank hat dieses Land die Waffenindustrie und es ist für jeden Waffenliebhaber und kampforientierten Menschen ein Leckerbissen zu sehen, wie Batman aus der Vielfalt der Waffen und sonstiger Technik das Beste heraussucht, um in seinem Kampf gegen die Übeltäter voranzukommen.

Was ist das für eine Welt, in der die Amerikaner leben? Die Menschen dort sind genauso technikbesessen, wie es einmal die Deutschen waren. Alle Probleme werden mit dieser Art Wissenschaft gelöst. Sie sind allerdings nicht in der Lage, die Perspektive zu wechseln und der »Pool an Ideen« aus dem sie ein Weltbild schöpfen, ist arg begrenzt.

Schauen wir uns doch einmal die Armut in den USA an. Ist es wirklich so, dass es die viele Armut dort gibt, weil das Verbrechen daran schuld ist? Oder ist es nicht eher so, dass in den Vorstellungen der Menschen dort, in den Vorstellungen der Menschen, die das Geld haben, Hollywoodfilme zu produzieren, nichts anderes vorkommt, als Erklärungen, die die Verwendung von Waffen sinnvoll erscheinen lassen.

Warum gibt es keinen »Gutman«, der auf die Verwendung von Waffen ganz verzichtet, der die Waffengesetze in den USA für fragwürdig hält? Warum gibt es nicht Filme für »kleine Jungs«, in denen ein Mann (eine Frau) Vorbild ist, der sich in Bürgerinitiativen für die Veränderung bestehender Gesetze einsetzt, die von korrupten, manipulativen, der Bevölkerung gegenüber feindseligen Lobbyisten-Politiker erlassen wurden? – Warum schreibt niemand Comics über so eine Vorbild-Person?

Hollywood ist spannend, solange »im Film« eine in sich schlüssige Dynamik aufgebaut wird, Hollywood ist aber immer mehr langweilig, weil diese »Industrie« schon lange nicht mehr einen Bezug zur Realität hat, sondern nur einen kleinen Rest an Erinnerung in ermüdender Weise repetiert. – Eine Erinnerung an »alte Werte«, die sicherlich in irgendeiner Weise immer noch ihre Berechtigung haben, aber schon längst abgelöst sein müssten, von den zeitgemäßen Tools, und es ist zu spüren, dass die Amerikaner nur marginal dabei helfen können, diese zu entwickeln. – Sie können sich eben keinen »Gutman« vorstellen und damit sind sie raus aus dem Rennen. Die Geschicke der Menschheit werden von anderen entschieden werden, weil in »Gotham City« die Leute einfach nicht fähig sind, die Problemstellungen zu erkennen und sie genauso tatkräftig mit neuen Werkzeugen anzupacken, wie es Batman in seiner kleinen Welt immer wieder tut.

Elinor Ostrom war eine US-amerikanische Wissenschaftlerin, die sich mit Commons, Gemeingütern und ihren Variationen beschäftigte. Ihre Erkenntnisse wurden in erster Linie aus Feldforschungen abgeleitet. – Vor Ort wurden in vielen Ländern die Bedingungen überprüft, wie mit Gemeingütern umgegangen wird, und welche Verbesserungen für eine optimale Nutzung von Gemeingütern sinnvoll erscheinen könnten.

Die USA haben in allen Ländern dieser Erde immer ihr Lebensmodel als das Beste verkaufen (und durchsetzen) wollen. Verknüpft mit der Vorstellung, dass die anderen Lebenskonzepte und Gesellschaftsmodelle nicht bloß die schlechteren sind, der eigenen Einschätzung gemäß, sondern, verbunden mit dem Urteil, dass es nicht zu erlauben sei, dass in anderen Ländern die Menschen in freier Entscheidung sich Konzepten zuwenden, die von den Amerikanern (und der übrigen westlichen Welt?) als »gefährlich« eingeschätzt wurden, dass sie bekämpft gehören.

Wenn Ostrom also in andere Länder reiste und Bedingungen »vorfand«, denen gemäß Gemeingüter behandelt werden, dann muss natürlich die Frage gestellt werden, ob nicht bereits »vorher« ihr Heimatplanet dort die großen Rahmenbedingungen abgesteckt hat und damit ihr, als Abkömmling aus genau dieser Welt und Vertreterin derselben dann in einer bestimmten Weise begegnet wird. – In vielen Fällen sind die »Bedingungen« von Anbeginn an verfälscht, weil politische Verhältnisse nicht geduldet wurden, die nicht den scheinbar richtigen (demokratisch genannten) entsprachen.

In allen Ländern, in denen »demokratische Verhältnisse« erzwungen wurden, sind die Gesellschaften vergiftet, durch die zerstörerisch wirkenden Kräfte, die aus den Parametern der Demokratie sich ableiten:

  • »Wettbewerb« um Stimmen, um die Mehrheit zu erreichen. – Allein dieser Gedanke ist verwerflich, weil er die Idee befördert, der »Sieger« im Wettbewerb hätte das recht, über andere zu herrschen. Warum also nicht in betrügerischer Absicht den eigenen Sieg herbeiführen, um dann über die Unterlegenen zu gebieten? – Die Unterlegen müssen ja gehorchen, es gelten doch die Spielregeln der »Demokratie« und das muss gut sein. Wehren gegen dieses Unrecht könnten sie sich nur, in dem sie nicht mehr mitspielen, die Wahlen und das Spiel »Demokratie« boykottieren und eine andere gesellschaftliche Organisation durchsetzen, die nicht »demokratisch«, sondern fair, gerecht, menschenwürdig gegenüber allen Menschen sich zeigt.
  • Herrschaft »des Siegers« (in Form von Parteien) über die Besiegten. – In dieser Sicht ist schon der Gedanke eingebaut, dass die »Verlierer« gar kein Recht haben können, gleichberechtigt neben den Siegern zu leben. – Sie haben sich gefälligst zu unterwerfen. – Die Sieger können (wie es teilweise heute der Fall ist) allein die Politiker sein, und die Verlierer sind die ganze übrige Bevölkerung (Parteiendiktatur).
  • Zerstörung und Verhinderung anderer gesellschaftlicher Organisationsformen, mit dem Argument, dass die Demokratie die beste Lösung sei. – Indem bestehende Formen gesellschaftlichen Desasters (Kommunismus) vorgeführt werden, wird der Schluss gezogen, dass überhaupt keine andere Organisationsform zu dulden sei, die nicht der »demokratischen« entspricht, denn diese sei die beste.
  • »Demokratie« ist Exportprodukt des Westens, wie damals vor langer Zeit, das Christentum »Exportprodukt« war.
  • Die Verbreiter des Exportschlagers »Demokratie« sind blind gegenüber den dramatischen Fehlern und Schwächen des Demokratiekonzepts. Sie können diese nicht sehen, weil sie selbst Profiteure dieses Modells sind. – Demokratie ist unrecht, weil es keine Gestaltung der Gesellschaft »im Interesse aller« vorsieht, sondern »das Recht des Stärkeren« nur in neue Kleider packt. Der Stärkere ist der »Wahlsieger«.

In einer gerechten Gesellschaft aber, sind alle Menschen gleichberechtigt, bezogen auf einen Katalog von Menschenrechten. Allen muss ein würdevolles Leben ermöglicht sein. – Schauen wir aber die Länder heute an, so sehen wir die unwürdigen Verhältnisse (die Armut, die Zwangsarbeit, der Waffenwahn in der Bevölkerung) und Mitschuld daran ist die vorherrschende Gesellschaftsorganisation »Demokratie«.

Ostroms ganze Forschungen sind dann nur Laborversuche »ohne Weltkontakt«, wenn die umgebende, insbesondere politische Welt, die aufoktroyierte ihres Heimatsterns (USA) ist. In diesem Labor kommen die Menschen zu nichts, weil es keine Freiheit gibt, weil die angeblichen Entscheider in den aufgesuchten Ländern in Wirklichkeit Unfreie sind.

So haben wir schon längst überall »Gotham City«, zumindest diese Wahrnehmung von Wirklichkeit, oder, das ist einzuräumen, noch schlechtere Verhältnisse.

Ach ja. – Es ist wahr, neben dieser Welt haben wir noch keine bessere. Wenn es nur Gotham City oder »schlechtere Verhältnisse« gibt, und keine Länder, in denen vorbildhaft die neuen Menschheitskulturen sich entwickeln, und es kommt wieder mal zu einem Krieg, dann ist Gotham City die attraktivere Stadt, mit deren Bewohnern (zu einem Teil) es sich lohnt sich zu verbünden. :-/

Batman Begins

Was mehr wird, wenn wir teilen: Vom gesellschaftlichen Wert der Gemeingüter;
Elinor Ostrom

National

Klingt wie »banal«, ist es aber nicht ganz. – Manche Menschen können das fühlen, was »national« bedeutet. Wer es wagt, dies öffentlich zu machen, wird von Drohzecken angegriffen, die sofort »Nazi« schreien.

Dabei ist der Begriff »national« in anderen Ländern durchaus akzeptiert, etwa bei den »Siegermächten« USA, Russland, England und so weiter. Hier wird er oft gleichgesetzt mit »patriotisch«. Also verteidigen, das Recht (im eigenen Land) gegen das Unrecht (im anderen Land). – Es kann aber passieren, dass das damals einmal gültige Recht schon längst verwirkt ist, in der Gegenwart, weil das Unrecht mittlerweile auch im eigenen Land überhand genommen hat.

Das führt dazu, dass der eigentliche Hebel ins Blickfeld gerät, der die jeweiligen Argumente in die Ausführung bringt: Macht und Kraft, gegen das Andere siegreich zu sein.

Die Diskussion über die Argumente, Weltsicht und Kultur einer bestimmten Gruppe, wird davon abhängig, ob sie »Macht und Kraft« hat, oder nicht. Die Gruppe, die die Oberhand behält, deren Kultur wird anders diskutiert, deren Lebensweise bekommt in der Welt einen anderen Stellenwert, als es bei den anderen der Fall ist.

Wird also das »Nationale« argumentativ behandelt, und wird der Aspekt der Macht als ein separates Feld angesehen, dann muss die Frage lauten, welche Optionen bietet das »Nationale«, um die Aufgaben der Gegenwart zu bewältigen und die Gesellschaften der Zukunft zu gestalten.

Sofort auffällig ist der Aspekt der Abgrenzung. Denn das Nationale kann nur benannt werden, wenn es Nicht-Nationales gibt. Es müssen also Menschen ausgegrenzt werden, um dem Begriff des Nationalen einen Sinn zu geben. – Sicher fällt den meisten spontan ein, dass ein nationaler Staat einer ist, der sich eher minderheitenfeindlich, eher Flüchtlingen gegenüber ablehnend verhält. – Dabei ist der »Flüchtling« nur ein Synonym für den modernen Menschen, der sich die Orte einfach aussucht, an denen er leben möchte, ohne belästigt zu werden, von örtlichen »Nationalen«, die meinen, ihnen würde das Land gehören. Sofern die Wanderbewegungen für unsere Erde verkraftbar sind, gibt es keinen Grund, dass sich selbsternannte »Bodenwächter« den umherziehenden Menschen in den Weg stellen. – Der Mensch muss frei sein, seinen Aufenthaltsort wählen zu können. – Natürlich muss dieses Recht dann auch für alle gelten. Wer in Afrika leben möchte, sollte dies tun können, ohne von Ortsansässigen bedroht zu werden.

Allerdings hat sich die westliche Welt, als »moderne« Staatengemeinschaft, als »Zivilisation«, selbst in Misskredit gebracht. Wir sollten schleunigst dazu beitragen, dass wir eine funktionierende Weltgemeinschaft haben, in der die Menschenrechte oberste Maxime sind. Dann werden wir auch wieder in der Welt Verständnis vorfinden, für unsere persönlichen Anliegen.

Dass »das Nationale« irgendetwas an sich hat, welches sich heute wieder ausbreiten sollte, damit wir voran kommen, das kann ich nicht erkennen, auch wenn es als »Gefühl« immer mal in den Menschen aufflammen mag. Übrigens waren die beiden Kriegs-Vorkommnisse im 20. Jahrhundert Beispiel dafür, wie der Nationalismus (hier bei uns) irrtümlich für einen Ausweg gehalten wurde. Beides mal führte dieses »Gefühl« ins Unglück.

Selbstbestimmung und Zusammenleben

deutschlandfunk–prostitution-jeden-kauf-von-sex-verbieten

In der Bundesregierung wird zur Zeit eine Bestrafung der Freier von Zwangsprostituierten diskutiert. Schwester Lea Ackermann von der Hilfsorganisation »Solwodi« begrüßt die Idee im Deutschlandfunk: »Es wäre ein kleiner Anfang, ein Signal.« Aber sie formulierte auch noch drastischere Forderungen.

Ackermann, die für Solwodi (»Solidarity with Women in Distress«, zu deutsch: »Solidarität mit Frauen in Not«) arbeitet, nannte die Bestrafung »das Mindeste, was man tun kann«. Sie will noch schärfere Gesetze. »Wir gehen weiter, wie in Schweden soll jeder Kauf von Sex verboten werden.«

Das ist eine interessante Überlegung.

Wie ist es denn heute mit der Sexualität. Da sie im eigenen Körper entsteht, ist derjenige Mensch vor die Aufgabe gestellt, eine Lösung dafür zu finden. – Natürlich haben die jeweiligen Kulturen über die Jahre und Jahrhunderte eigene Regeln entwickelt, wie die Personen in der Gruppe, die Männer und die Frauen, entlang dieses sexuellen Impulses sich verhalten sollen.

Heute sind diese Regeln mehr denn je in Frage gestellt. Einmal, weil diese klare Abgrenzung zu anderen Gruppen, Ethnien immer schwieriger wird, zum Anderen, weil die einzelnen Menschen sich nicht mehr diesen Kategorisierungs- und Einordnungsversuchen der Gemeinschaft sich fügen wollen. Die Genderdiskussion ist hier zu nennen, der Unisex. – Heute haben wir eine nie gekannte Freiheit mit diesem Thema umzugehen, mit der eigenen Sexualität zu hantieren.

Dies ist auch deshalb bemerkenswert, wenn wir hautnah erleben, wie in Kulturen, die noch festgefügt zu sein scheinen, in archaischen Lebensweisen, die jungen Menschen festgelegt sind in Rollen und in ganz jungen Jahren bereits Mutter und Vater werden und eine Familie gründen, wie es eben die Religion, der Familienclan, die eigene Kultur, die Politik des »Vaterstaates« verlangt.

Wenn also nicht der Staat, die eigene Kultur, die Religion festlegt, wie wir mit unserer eigenen Sexualität umgehen sollen, dann sind wir vor uns selbst gestellt, darüber zu entscheiden. – Sicher sind wir auch dann noch beeinflusst worden, bevor wir mit unserer eigenen Sexualität konfrontiert sind, durch unsere Bezugspersonen, die wir bis dahin hatten, durch unsere konkreten Lebensumstände, die wir bis dahin durchlebten. Dass heißt, wir Menschen kommen sehr wohl »präpariert« in die Pubertät.

Neben den subjektiven Erfahrungen, die uns in dieser Hinsicht beeinflussen, sind es die gesellschaftlichen Prozesse. – In den 70er Jahren gab es die Pornographiefreigabe, in den 80er Jahren waren es die Spielarten des Sex und in den 90er Jahren trat die große Ernüchterung ein, beim Anblick des vielen Leides, das durch einen grenzenlosen Sexwahn eintrat.

Ackermann: Es gibt doch auch Mord, den man gesetzlich verbietet, und man schafft damit nicht alle Morde aus der Welt. Ich meine, man muss Gesetze machen, um den Menschen zu sagen, das geht nicht. Es muss natürlich auch begleitend was geschehen. Es muss natürlich die Polizei aufgestockt werden. Man muss sich auch überlegen, wie sollen diese Bordelle kontrolliert werden. Deshalb wäre es wesentlich einfacher, den Kauf von Sex unter Strafe zu stellen, und dann wären so große Bordelle und all das gar nicht mehr möglich. Heute kann sich nicht mal eine Stadt dagegen wehren, wenn ein Großbordell in ihr errichtet wird. Die Stadträte haben nicht das Sagen. Das ist doch unglaublich. Die Bürger können auf die Barrikaden gehen, das Großbordell wird gebaut. In Saarbrücken haben sie es erlebt und jetzt sind andere Städte dran.

Heuer: Sie sind und haben das jetzt auch zweimal in unserem Gespräch gesagt dafür, die Prostitution ganz zu verbieten. Als Beispiel gilt da immer Norwegen. Dort ist die Prostitution grundsätzlich verboten. Aber ist sie verschwunden?

Ackermann: Es ist der Kauf von Sex verboten. Es ist ein ganz neues Bild der Frau und des Mädchens. Die sind nicht käufliche Ware. Das ist schon mal sehr, sehr gut. Wir können alle Probleme, die die Menschheit hat, ja doch nicht auslöschen. Wir können doch die Krankheiten nicht abschaffen. Und trotzdem haben wir doch nie aufgehört, dagegen zu kämpfen!

Schwester Lea Ackermann (sie scheint also einer Religion stark verbunden zu sein) will dasjenige, das nicht gut ist, »bekämpfen« und verbieten. Neue Gesetze, Polizei aufstocken, mehr Kontrollen. Jetzt frage ich mich, wie eigentlich ein Polizeistaat aussieht. – Vielleicht so? – Und welche Menschen sind es, die letzten Endes einen totalitären Staat installieren, mit ihren Vorstellungen von »Ordnung«. Ist es möglich, sie sich vorzustellen?

Ackermann: »Es ist der Kauf von Sex verboten. Es ist ein ganz neues Bild der Frau und des Mädchens. Die sind nicht käufliche Ware.«

Ich bin mir nicht sicher, ob durch ein Verbot von etwas ein »ganz neues Bild« entsteht. – Was Frau Ackermann hier »lösen« will, sollte in einen anderen Kontext gestellt und dort weiter behandelt und diskutiert werden. Und wenn sich doch auf die Umstände bezogen wird, die die Dame hier anspricht, dann ist eine seriöse Auseinandersetzung nur möglich, wenn bis in die Einzelheiten Informationen zur Verfügung stehen würden, sonst verläuft sich alles in Spekulationen und Vermutungen, da wir nichts Genaues wissen.

Kein Mensch sollte zu etwas gezwungen werden können. Weder Kinder noch Erwachsene. Wer zu Sex gezwungen wird, sollte aus dieser Situation befreit werden, wenn die Person sich nicht selbst befreien kann. [1]

Wie ist das aber vorzustellen, das zum Beispiel in einem Bordell »Zwangsprostitution« stattfindet. – Sind dort die Frauen in Ketten gelegt und gefesselt vorzufinden, weil sie sonst weglaufen würden? – Oder ist es nicht eher so, dass der »Zwang« zur Prostitution darin besteht, dass die Frauen über kein sonstiges Einkommen verfügen und wenn sie aus dem Bordell »fliehen« würden, dann mittellos wären. – Warum unterstützt Schwester Lea Ackermann nicht das Bedingungslose Grundeinkommen? Dann hätten auch die Prostituierten ein existenzsicherndes Einkommen unabhängig von dem Gewerbe, dem sie (unfreiwillig) nachgehen. – Auch Alice Schwarzer scheint sich nicht für das Bedingungslose Grundeinkommen einzusetzen. Warum nicht?

Alles Unrecht, das Menschen zugefügt wird, gehört beendet. – Wenn wir von solchem Unrecht wissen, müssen wir uns dafür einsetzen, dass wieder die Würde zum Vorschein kommt, und das die Menschenrechte überall geachtet werden.

Die Prostitution ist dabei eine durchaus seltsame Angelegenheit. – Zurecht wird dabei auf den Umstand hingewiesen, dass da etwas »mit Geld« geschieht: Es wird »bezahlt«. – Dafür soll eine Person der anderen »helfen« mit der Sexualität fertig zu werden. Das kann zum Beispiel mit »Spielen« verknüpft sein. – Dass diese Art des Umgangs mit Sexualität den Vorstellungen mancher Menschen nicht entspricht, ist verständlich. Aber haben sie das Recht den anderen zu verbieten, wie sie es handhaben? – Womöglich finden es manche Frauen unerträglich, sich vorzustellen, Frauen könnten diese Art von Sexualität »freiwillig« machen. Da passt die Idee, alles ist »Zwangsprostitution« schon besser ins Bild. Außerdem könnte, wenn jegliche Form käuflichen Sex verboten wird, auch der dort stattfindende freiwillige Sex »zum Verschwinden« gebracht werden. So wahrscheinlich die Hoffnung der Befürworter. [2]

Wird das Thema »Sexualität« aber aus dem Zusammenhang von »Verbot und Strafe« einmal herausgenommen, dann wäre ein Gespräch möglich aus anderer Sicht. – Sexualität ist etwas, das »in uns« auftaucht. Warum helfen wir einander nicht, mit dieser »großen Energie« fertig zu werden, statt uns gegenseitig mit Strafen zu bedrohen? – Diese Diskussion müsste viel stärker geführt werden. – Mit Zuversicht und Wohlwollen sollten die Menschen einander begegnen und bei der Lösung von Problemen den positiven Kräften den Vorrang lassen.



[1]


Allerdings ist gerade in Deutschland der »zwangsweise« Umgang mit Menschen weit verbreitet.

So werden hier Menschen durch staatliche Organisationen zur Arbeit gezwungen. Obwohl es rechtliche Regelungen gibt, die dies eindeutig untersagen, wird es dennoch praktiziert, weil das Bundesverfassungsgericht diese Vorgänge nicht verbietet. – Die »Anleitung« zur Zwangsarbeit geschieht über die Hartz4-Sanktionen. – Außerdem haben wir »Zwangsrundfunkgebühren«, was bedeutet, dass wir gegen unseren Willen die Arbeitsplätze der Medienmitarbeiter in den öffentlichen Anstalten finanzieren müssen. – Und jüngst hat sich ein Politiker über die Wahlbeteiligung geäußert und vorgeschlagen, dass die Bürgerinnen und Bürger zur Wahlbeteiligung gezwungen werden sollten.

Damit ist eine gewisse Atmosphäre in diesem Land beschrieben, die womöglich in alle Lebensbereiche hineinwirkt.

[2]


Das Verhältnis von Männern und Frauen in Gesellschaften kann von Umbrüchen begleitet sein. – Es gibt eine gesellschaftliche »Stimmung«, die den öffentlichen Umgang miteinander beeinflusst.

In der Zwangsprostitutionsdebatte kann zuweilen ein Unterton von Ressentiment gegenüber den Männern wahrgenommen werden, wenn sich manche Frauen zu dieser Sache äußern.

Haben nicht »wir« Männer über die Frauen viel Unglück gebracht, in den letzten Jahren und Jahrzehnten? – Sind es nicht die Männer gewesen, die mit zwei Weltkriegen ungeheures Leid über die Menschen, die Frauen gebracht haben. Sind es nicht die Männer, die mit ihrer Gewalttätigkeit, Brutalität, Gefühlskälte sich selbst ein negatives Image verpasst haben? Welche positiven Aussagen über eine schöne Welt, ein gut gestaltetes Zusammenleben hören die Frauen von den Männern? Wie haben die Männer in den letzten Jahrzehnten die Gesellschaft gestaltet, dass sie für alle, für Frauen und Kinder, für Alte und Kranke eine lebenswerte eine gute Gesellschaft ist? Haben sie nicht mit ihrem Tun alles verschlimmert und verschlechtert?

Und ist andererseits nicht gerade unsere heutige, schrecklich elende, arme, am Dahinsiechen befindliche Gesellschaft maßgeblich von Frauen mitgestaltet? – Nehmen wir die ganzen Politikerinnen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten den Verfall der Gesellschaft aktiv mitgestaltet haben, in den Parteien, in der heutigen Regierung. Aber auch in den Firmen, als Führungskräfte, in der Medienlandschaft, in der Kulturwelt, überall sind heute Frauen deutlich stärker vertreten und somit mitverantwortlich für den Zustand unserer Gemeinschaft. – Ein Großteil der Beschäftigten, die die Zwangsarbeit verwalten, in der Agentur für Arbeit und Jobcenter sind Frauen. – Interessant ist dabei die irrige Annahme, durch die Frauenbewegung würde eine »bessere Gesellschaft« entstehen. Was tatsächlich passiert, ist die »Übernahme« der männlichen Verhaltensweisen, sofern sie von Frauen bisher nicht gelebt war. – Mehr nicht.

»Die Lösung« ist auf der Ebene der Verständigung und Versöhnung zu suchen und nicht durch ein Gegeneinander die Differenzen zu vergrößern.

Aus dem Versteck heraus auf die Gesellschaft einwirken.

wolkenstich–austrittsbegrundungen

Es wäre vollkommen unverantwortlich auf die freie, gleiche und geheime Wahl als Sicherungsmechanismus der Demokratie zu verzichten. Wir sehen Bestrebungen, Liquid Democracy als Ersatz der repräsentativen Demokratie zu preisen, mit Sorge.

Diese Aussagen werden mit nichts erklärt. – Wieso ist eine »geheime Wahl« ein »Sicherungsmechanismus der Demokratie«? Kein Wort dazu.

Alles was wir als Bürgerinnen und Bürger in einer Gesellschaft entscheiden und Mitbestimmen wollen, muss transparent erfolgen. – Wenn die Autoren mit ihrer Warnung meinen, die Befürworter der einen Sache könnten von den Gegnern dieser Sache angegriffen und bedroht werden, wenn namentlich bekannt wäre, wer wie denkt und abstimmt, dann ist dies wohl war. Aber wir sollten kein Versteckspiel unterstützen. Denn wir würden in einen Staat der Feindseligkeiten und Aggressionen geraten. Würden dramatische Entscheidungen gegen einen Teil der Bevölkerung zustande kommen, bewirkt durch anonyme Abstimmungen, dann wird dies die Entwicklung von Verschwörungstheorien nur noch mehr befeuern und das kungeln und schummeln weiter befördern. – Nein, das ist der falsche Weg. Gesellschaft muss offen und transparent gestaltet werden. – Wer einen anderen Weg geht, der sucht sich die Sackgasse heraus. – Sollte es konkrete Szenarien geben, die eine Bedrohungssituation für Einzelne hervorruft, dann müssen sie benannt sein und es gibt Lösungen für den Einzelfall.

Die Idee von Liquid Feedback geht in die Richtung des Ausstiegs (oder ein peu à peu Umstieg) aus der Parlamentarischen Demokratie in Richtung Direkte Demokratie. – Dies muss natürlich gewollt sein. – Wer keine Direkte Demokratie anstrebt, will eine andere Gesellschaft. – Aber auch diese bedarf einer Erklärung, die in dem Blogbeitrag fehlt.

Das ist dann eine Perspektive, die nicht mehr zeitgemäß ist. – Öffentlichen Raum anonym gestalten zu wollen, ist absurd!

Jede Art von gesellschaftlicher Gestaltung, Verträge, Handlungen, Absprachen, die die Allgemeinheit direkt tangieren, aber auch Entscheidungen die im Namen der Allgemeinheit in Bezug auf Gruppen getroffen werden, müssen transparent geschehen. – Parteien haben keine andere Funktion, als in genau diesem Feld zu wirken. – Das Parteientscheidungen nicht transparent geschehen sollen, ist inakzeptabel. – Und dies gilt selbstverständlich ebenso für »Regierungen«, die aus ebensolchen Parteien hervorgehen.

Was soll denn diese »Mechanik der Demokratie« sein, die da etwas sichert? – Anonym die gesellschaftlichen Belange zu gestalten, von deren Auswirkung eine Vielzahl anderer Menschen betroffen sind, ist verwerflich und kann nicht gutgeheißen werden. – Dass es »demokratisch« wäre, müsste dazu führen, den hier verwendeten Demokratiebegriff einmal stärker unter die Lupe zu nehmen.

Eine Partei ist nämlich so etwas wie ein kleiner Staat, d.h. es gibt eine Mitglieder-Basis, die nicht Teil des Schutzraum ist, innerhalb dessen öffentlich politisch gearbeitet werden kann, die aber die Beschlüsse der Partei legitimieren soll.

Wer wird hier vor wem oder was geschützt? Da sind doch Überlegungen im Hintergrund, die nicht offen ausformuliert sind.

Infrastruktur für uns alle

Stellen sie sich vor, es ist ein Sommertag und sie wollen sich draußen aufhalten. Aber jetzt fängt es an zu regnen. – So ein Pech aber auch. Macht doch nichts. Irgendwo wird es doch einen Flecken geben, wo sich unterstellen möglich ist, Schutz vor Wind und Nässe geboten wird. – Doch sie werden es nicht glauben, so eine Stelle ist nicht zu finden. Ja, es ist wahr. Sie befinden sich in Öffentlichem Gelände und es ist dort keine einzige Stelle zu finden, die ihnen als Schutzraum dienen könnte. Wie kommt das?

Wir haben die Ideologie, dass Grund-und-Boden in Privatbesitz sein soll. Was natürlich nicht konsequent durchgehalten wird. Und überall, wo es doch Öffentlichen Raum gibt, besteht die Frage und ist das Anliegen virulent, warum nicht diesen Bereich optimalst für die Interessen der Menschen zu gestalten. – Wir erleben aber immer wieder, dass genau dies verhindert, unterbunden, verunmöglicht wird.

Wer steckt dahinter, wer verhindert das? Zum einen natürlich die Verwalter des Öffentlichen Raums, die städtischen Mitarbeiter. Und diese tun das im Namen der Politiker. Derjenigen, die sich veranlasst sehen, »im Namen aller« zu entscheiden, wie der öffentliche Raum auszusehen hat. Diese Politiker wiederum haben nicht selten Privateigentum an Grund-und-Boden, den sie womöglich von »großen Hunden« bewachen lassen, damit niemand Unberechtigtes dieses Gelände betritt. – Aber dieselbe Geisteshaltung haben diese Menschen auch, wenn sie »ihre« Parks, öffentlichen Anlagen, Gemeingüter, im Namen der Allgemeinheit verwalten. Sie behandeln die Bereiche so, als ob sie ihnen privat gehören würden.

Nehmen wir als Beispiel einen Park. Dieser befindet sich auf öffentlichem Grund-und-Boden und wird von der Stadtverwaltung betreut. Der Park ist recht groß, aber an keiner Stelle dieser Anlage befindet sich eine Überdachung. Warum?

Wir bräuchten doch nur einmal einen Versuch starten, quasi eine soziologische Untersuchung machen. Wir nehmen im besagtem Park eine Stelle, die eh mit Bänken schon gut ausgestattet ist und fügen diesem Bereich eine großzügige Überdachung hinzu. Sowie einen Schutz gegen seitlichen Wind. – Was wird passieren?

Wenn der Bereich ausreichend groß ist, werden sich in den Sommermonaten Menschen einfinden, die vielleicht dort sogar übernachten. Junge Leute auf Fahrrädern, mit Rucksäcken und Zelt, die entdecken, dass es sich dort einrichten lässt. Sie sparen sich die Übernachtungskosten und richten dort ihren Wohnplatz ein. Vielleicht bleiben sie an der Stelle, solange es die Witterung zulässt. Oder Obdachlose, die im Park ihren Alkohol trinken und abends müde sich dort, im überdachten Bereich schlafen legen. Auch sie könnten feststellen, dass es sich dort aushalten lässt, und sie richten sich vielleicht ein, ebenfalls mit Schlafsack, aber es kann auch Pappkarton sein, mehrere Decken und so weiter.

Geschieht dies nun, so wie beschrieben, dann ist der Bereich natürlich »besetzt« und andere Menschen, die nur durch den Park laufen, bei einem Regenschauer sich dort unterstellen wollen, werden dann keinen Platz finden, weil alles schon belegt ist und der Bereich mangels fehlender Sanitäreinrichtungen unhygienisch sein kann. – Hier prallen mehrere berechtigte Anliegen aufeinander:

• Öffentlicher Raum kann von allen genutzt werden.
• Wer ihn zuerst belegt, nimmt allen anderen Interessenten den Platz weg.
• Wer darf Öffentlichen Raum nutzen?
• Darf eine bestimmte Nutzung vorgegeben und eine andere ausgeschlossen werden?

Auf dem Lande gibt es oder gab es Bushaltestellen-Wartehäuschen, die wirklich als »kleines Häuschen« angelegt waren. Wenn also ein Unwetter sich einstellte, waren die Wartenden in diesen Holzhütten wirklich geschützt. Das aber entdeckten auch »Reisende«. Und diese quartierten sich dort ein. So war es möglich, in solchen Hütten Menschen vorzufinden, die sich einigermaßen häuslich eingerichtet hatten.

Öffentlicher Raum muss uns allen gehören, aber dennoch muss dieser Bereich »betreut« sein und geordnet zur Verfügung gestellt werden, sonst passiert es nämlich, dass ein Chaos der Nutzung letztlich doch zu einer »privaten Nutzung« führt, die sich durchsetzt. Oder das eine Nutzung, da sie nicht geordnet möglich ist, gänzlich verhindert wird.

Bleiben wir einmal bei dem Park, der einen überdachten Bereich haben soll, wind- und regengeschützt, in dem sich die Stadtbewohner des Sommers aufhalten können, ohne bei schlechtem Wetter gleich wieder in die Wohnungen oder in teure und laute Cafés flüchten zu müssen.

Heute jammern wir darüber, es seien nicht genügend Arbeitsplätze vorhanden, aber sinnvolle selbst schaffen, das wäre es doch. Warum können wir nicht »betreute« Parkanlagen bewerkstelligen? Menschen, die im Namen von uns allen schauen, dass die Abläufe im Öffentlicher Raum gemäß unseren Vorstellungen stattfinden. Denn in einem gewissen Sinne passiert das doch heute schon. Nur wäre es die Aufgabe, dies noch auszubauen. Heute haben wir zu unserer Freude gepflegte Parks, mit schönen Blumen, Pflanzen, hübsch gestaltet von den Landschaftsgärtnern, die auch des Sommers immer zugange sind, die Beete pflegen und den Park zu unser aller Freude ein schönes Aussehen verleihen. – Warum nicht für einen weiteren Ausbau der städtischen Infrastruktur sorgen.

Wäre es denn Unrecht, Bereiche im Park zu schaffen, die einer klaren Widmung zugeordnet sind, während eine andere Nutzung ausgeschlossen ist, statt wie heute, das Problem komplett zu umgehen, in dem überhaupt kein Angebot gemacht wird?

Wenn ein überdachter Bereich geschaffen wird, der den Bewohnern des Ortes zur freien Nutzung bereitsteht, könnte eine längere Nutzung, etwa als zwischenzeitliche Übernachtungstelle ausgeschlossen werden. Wäre das unangemessen, unrecht oder herzlos. Gewiss nicht.

Das eigentliche Problem ist aber, wenn Menschen von dort »verjagt« werden, weil sie den Bereich als »Lebensraum » in Beschlag nehmen, dann wird doch ein grundsätzliches Problem sichtbar. Und dieses Sichtbarwerden von grundsätzlichen Problemen soll womöglich verhindert werden. Deshalb wird überhaupt kein Angebot gemacht. Weder den Bewohnern noch den »Durchreisenden«.

Denn wenn »häusliche« Bereiche als Öffentliche Infrastruktur möglich sind, dann stellt sich natürlich die Frage, warum nicht weitere Angebote gemacht werden, die auch den Ansprüchen und dem Bedarf von Durchreisenden genügen. – Denn diese Frage ist doch berechtigt: Warum ist Wohnraum oder Obdach, Unterkunft, Schutzraum oder Schutzhütte nicht als »Dienstleistung« der Gemeinschaft vorhanden, als Teil der Öffentlichen Infrastruktur?

Da es offensichtlich einen so großen Bedarf an Öffentlichem Wohnraum oder Ähnlichem gibt, muss dieser Bedarf verleugnet werden, in dem jedes Trachten in diese Richtung unterbunden wird. – Deshalb haben wir heute keine überdachten Unterstände überall dort, wo es eigentlich Sinn machen würde und für uns Menschen angenehm wäre, deshalb haben wir keine bequemen Sitzgelegenheiten an den ÖPNV-Haltestellen, weil sich da jemand schlafen legen könnte.

Wir müssen anfangen, mit solchen Angeboten zu experimentieren. Schauen, wie sie genutzt werden, wie wir sie »betreuen« können, wie wir sie gestalten. – Ein riesiger Bedarf dafür ist vorhanden.

Wege

welt–Venezuelas-Demokratie-stirbt-einen-langsamen-Tod

Trotz eines offiziellen Dialogs mit Teilen der Opposition hat sich die Maduro-Regierung offenbar für den kubanischen Weg entschieden: Die Zukunft für Venezuelas Opposition ist düster. Es sieht danach aus, dass, wenn in ein paar Tagen in Brasilien die Fußball-WM beginnt, in Caracas die Handschellen klicken und die Gefängnistüren zugeschlossen werden. Venezuelas Opposition droht eine Zukunft im Kerker.

Weil wir ein weltweit gültiges Wertesystem brauchen. – Es nützt nichts, die anderen Regierungen zu kritisieren, wenn wir in der westlichen Welt keine vorbildhaften Gesellschaftsordnungen haben.

Mit was will die USA in der Welt Anerkennung finden. Mit ihrem Waffenrecht, das jedem Durchgeknallten erlaubt die Mitwelt zu zerschießen? Ihrer fragwürdigen Medienkultur, in der in den Genres Horror, Komödie, Action, Drama, Sex alles abgesteckt zu sein scheint, was das Leben ausmacht. Oder sind es die überfüllten Gefängnisse und die gnadenlose Todestrafen-Ordnung? – Armut darf es in keinem Land geben, in dem alle zum Leben notwendigen Güter im Überfluss vorhanden sind. Und dennoch gibt es sie in den USA.

Nicht viel besser sieht es in Deutschland aus. Das Zwangsarbeitersystem der hiesigen Arbeits-Ideologen desavouiert jeglichen Ansatz einer menschenwürdigen Gesellschaft. Die Unterschiede zu den links-doktrinären Regierungen im Osten werden immer marginaler. Das Diktatorische in den Staatsführungen ist heute mehr denn je zu spüren. – Und wo soll das Beispielhafte sein, dass heute die Menschen ermutigt, ausgerechnet diese Welt verteidigen zu wollen?

In Venezuela ist es dieselbe Ratlosigkeit und Unzufriedenheit, die auch die Bürger in den westlichen Ländern umtreibt, die dazu führt, dass sich niemand für eine gesellschaftliche Gestaltung, für eine Wirtschaft, für eine Lebensgestaltung einsetzt, die die Menschen aus ihrer Lethargie reißen könnte und Hoffnung versprüht.

Ob in Europa, in den USA, ob in Latein-Amerika, in Nord-Afrika, Asien, oder im Osten, wir alle brauchen ähnliche Veränderungen in den gesellschaftlichen Verfassungen. Wir brauchen eine neue Definition von Gemeinschaft, die sowohl die individuellen Rechte der Bürger respektiert, wie auch den Gruppeninteressen, sofern dafür Verständnis aufgebracht werden kann, eine Chance bietet. – Ein Ausgleich muss her, der sich orientiert an den Notwendigkeiten des menschlichen Daseins, denen in einem neuen rechtlichen Rahmen Geltung verschafft werden muss.

Die Versorgung aller Menschen, in allen Lebensräumen, als gemeinsame Aufgabe, als ein oberes Ziel für uns alle, muss erstrebt werden. Der Auftrag an die Wirtschaft-Treibenden muss von uns allen erteilt sein, sich diesem Feld zu widmen und eine sichere, dauerhafte Versorgung der Menschen mit den notwendigen Dingen des Lebens zu garantieren. Die Herausnahme dieser »Basics« aus dem Marktgeschehen wäre die logische Konsequenz, was in allen Bereichen des menschlichen Lebens »die Armut« ein für alle Mal beendet. Den Grundbedarf decken die Menschen, in dem sie sich die deklarierten Produkte in den Supermärkten nehmen und dafür nicht bezahlen müssen. Basis-Wohnraum, ein Energie-Quantum und ausreichend Wärme pro Person stehen allen Menschen ohne »Bezahlvorgang« zur Verfügung.

Damit wäre Vieles, was heute Grundlage für Missmut über gesellschaftliche Zustände ausmacht, sinnvoll erledigt. – Die Respektierung der Menschenrechte wäre selbstverständlich. – Eine Grundversorgung in Gesundheitsbelangen wäre ebenso die Regel, wie freier Zugang zu den Medien ohne Zwangsalimentierung von Medienschaffenden.

Der Rest an Bedarf kann weiterhin über »den Markt« zugänglich gemacht werden, ohne das darauf verzichtet wird, auch zukünftig zu überlegen, welcher Bedarf noch als »Basic« aus dem Markt als »Grundbedarf« kostengünstig oder kostenlos allen Menschen zugänglich gemacht werden könnte. – Zum Beispiel Internet und Datenvolumen.

Welche Informationen sind wichtig

Im Radio ist ein Bericht über Ägypten zu hören. Was hat sich in dem Land getan, wie ist die Entwicklung? Es werden die Umstrukturierungen im Regierungskabinett dargelegt und das die alten Seilschaften rund um Mubarak sich wieder in der politischen Führung festsetzen. Interessant.

Interessant? Sender, wie etwa der Deutschlandfunk wollen über die wichtigen Ereignisse in der Welt informieren und mit Hintergrundberichten dem Hörer ein fundiertes Wissen zu den Sachverhalten vermitteln. Dennoch kann diese Sammlung an Worten als »Datenmüll« empfunden werden, nämlich dann, wenn gesellschaftliche Prozesse in ihrem zeitlichen Ablauf nicht als beliebige Vorgänge wahrgenommen werden, sondern eine gewisse Stringenz aufweisen und einen Sinn haben müssen.

Um was geht es also in Ägypten, was ist wichtig. Es ist wichtig wie es den Bürgerinnen und Bürgern im Land geht, wurde die Armut beendet, wie geht es den Minderheiten, werden sie toleriert oder gar geachtet? Ist ein allgemeiner Wohlstand zu verzeichnen. Versorgt die Wirtschaft alle Menschen im Land in ausreichendem Maße. Haben alle Menschen Zugang zu den existenzsichernden Gütern? Ist Bildung und Ausbildung für alle garantiert.

Würden sich die Medien diesen Fragen immerzu widmen, jeden Tag, dann könnte deutlich werden, dass nicht die Politiker, die Parteien, die Staatsoberhäupter wichtig sind, sondern ausschließlich die Umsetzung der notwendigen Maßnahmen, um faire, angemessene, menschenwürdige und gerechte Lebensumstände für alle Menschen in den betreffenden Gebieten zu erreichen.

Wie die aktuellen Verwalter namentlich heißen, welche politische Gruppierung gerade den gemeinschaftlichen Verwaltungsapparat dominiert, wäre völlig unwichtig, es ginge nur darum, dass sie ihre Arbeit ordentlich machen, von der wir alle wüssten, welche das ist und was da konkret als Aufgabe ansteht.

Somit ergibt sich eine unbedingte Notwendigkeit, dass die Bürgerinnen und Bürger ihr Gemeinwesen zu »ihrer Sache« machen, dass sie erkennen, welche Aufgaben, das Gemeinwesen zu erledigen hat und von denjenigen, egal wer sich gemeldet hat [1], die Ausführung der Arbeiten einfordert.

Wenn wir den Fernseher einschalten oder das Radio, werden wir also nicht über die für uns Bürger wichtigen Dinge informiert. Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass wir selber wissen, was ist eigentlich wichtig in einer Gesellschaft, was müssen wir im Auge behalten.

Wenn Ludwig Erhard in den 50er Jahren »Wohlstand für alle» verkündete, dann müssen die Bürger selbst wissen, was ist für sie überhaupt Wohlstand.

amazon–Ludwig Erhard-Wohlstand für alle

Es ist heute garantiert kein »Wohlstand«, wenn die Bürger in die Zwangsarbeit getrieben werden, wie es durch die Hartz4-Gesetze geschieht. Aber es wäre Wohlstand, wenn wir dafür sorgen, dass alle Menschen im Land, mindestens in »bescheidenen, aber menschenwürdigen Verhältnissen« leben und dies dadurch garantiert ist, dass die Wirtschaft uns alle mit den notwendigen Gütern ausstattet (Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie). Diese »Grundausstattung« der menschlichen Erdenexistenz darf an keine Bedingungen geknüpft sein, die die Menschen erst erfüllen müssten. Unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hat sich in den letzten Jahrhunderten dermaßen entwickelt, dass eine Versorgung der Weltbevölkerung mit diesen notwendigen Gütern problemlos möglich ist.

Damit wäre der erste Schritt zu »Wohlstand« getan. Das Absurde an der deutschen Industrie der 60er und 70er Jahre bestand ja darin, die ganze Welt mit deutschen Produkten versorgen zu wollen, was überhaupt nichts mit der Versorgung der deutschen Bevölkerung zu tun hatte. Diese war ja Ende der 60er Jahre längst gesichert. Nein, es ging darum einen wahnwitzigen Eroberungsfeldzug durchzuführen, diesmal nicht mit Waffen, sondern mit Gütern. »Made in Germany« sollte in jedem Haushalt dieser Erde vorzufinden sein. Mit »Wohlstand« der bundesdeutschen Bevölkerung hatte das schon lange nichts mehr zu tun. Deshalb mussten auch weitere Arbeitskräfte ins Land geholt werden. Die deutsche Wirtschaft hat sich sozusagen »abgelöst« von der ursprünglichen Aufgabe, nämlich die Bewohner zu versorgen. Gegenüber der Bevölkerung wurde es aber argumentativ anders verkauft. Nämlich statt den Versorgungsgrad der Menschen und die Sicherheit dieser Versorgung in den Vordergrund zu stellen, wurde ihnen suggeriert, es ginge ihnen nur gut, wenn die Firmen alle »wachsen«.

Neben der beständigen, sicheren Versorgung der Menschen mit den notwendigen Gütern, besteht »Wohlstand« in der Achtung der Menschenrechte und Grundrechte. Grundrechte, aber auch Verfassungen, Präambeln, Verträge, Erklärungen sind nichts wert, wenn sie nicht von lebenden Menschen ständig lebendig gehalten werden. Ein in völkerrechtlichen Verträgen anerkannter Passus des »Verbots von Zwangsarbeit« ist nichts wert, wenn niemand in den Ländern, in den Organisationen, wenn niemand in der Bevölkerung darauf drängt und darauf achtet, dass dieses Recht auch eingehalten wird und Alarm schlägt, wenn dies nicht der Fall ist. – »Wohlstand« ist die permanente Anerkenntnis und Durchsetzung der Menschenrechte in einem Land.

Freiheit in den geistigen Dingen. Kunst und Kultur. Bildung, Ausbildung. Wissenschaft. Der Mensch muss sich mit demjenigen, was ihm wichtig ist, in Freiheit auseinandersetzen können. (Einschränkungen ergeben sich womöglich aus den Menschenrechten.)

[1]
»Wahlsieger«, sind Freiwillige, die sich gemeldet haben, um für die Gemeinschaft Arbeiten und somit auch Verantwortung zu übernehmen. Dies ist umso interessanter, da sich mittlerweile die Beispiele häufen, dass Politiker sich weigern, Verantwortung zu übernehmen, obwohl sie doch gerade dafür gewählt wurden. – Jüngste Beispiele sind in Berlin zu verzeichnen. Für das Flüchtlingscamp will niemand zuständig sein und niemand aus der politischen Verwaltung will die Fanmeile zur Fußballweltmeisterschaft genehmigen.

tagesspiegel–fluechtlingscamp-auf-dem-oranienplatz-wenn-politik-ein-fall-fuer-die-justiz-wird

tagesspiegel–fussball-wm-fanmeile-niemand-fuehlt-sich-zustaendig