Schlagwort-Archive: Individuum

Arbeitswille und bGE

Immer wieder gibt es den Fall, dass Personen behaupten, Rudolf Steiners Philosophie würde nicht hinweisen auf eine Grundeinkommens-Gesellschaft. Und eigentlich immer sind es Leute aus anthroposophischen Institutionen, die dies behaupten. – Aber ist das so?

Nehmen wir den Text »ARBEITSFÄHIGKEIT, ARBEITSWILLE UND DREIGLIEDRIGER SOZIALER ORGANISMUS«.

http://anthroposophie.byu.edu/aufsaetze/s106.pdf

Gleich zu Anfang stellt Steiner die Frage nach dem Arbeitsantrieb. Und er konstatiert, dass es nicht genügt, einfach den »Egoismus« der Gewinnstrebenden in Frage zu stellen und wie es der »Sozialist« tut, das Gemeinschaftsleben und gemeinsame Wirtschaften als »Muss« für alle darzustellen. – Dadurch wird der Mensch »in seinem Wesen« nicht erreicht und angesprochen.

Der Appell an die »Leistungspflicht« für die Gemeinschaft, stößt auf taube Ohren.

Warum?

Dieses Prozedere übergeht den »individuellen Menschen«. Der Mensch will in seiner »Würde« angesprochen werden und nicht an seinen »niederen Instinkten«. Und er will auch nicht bessererwisserisch belehrt werden, wie und warum er seine Arbeit zu verrichten hat.

Die Dreigliederung besagt, dass das Wirtschaftsleben sich um seinen Bereich kümmert, die Produktion und Dienstleistung. Während das Rechtsleben den Rahmen schafft, in dem das Individuum seine Rechte gegenüber den Mitmenschen und den Wirtschaftsvertretern zur Geltung bringt. Im Geistesleben wiederum ist die Quelle zu sehen, für die Arbeitsmotivation. Ein »freies, auf sich selbst gestelltes Geistesleben« ermöglicht es den Individuen ihre persönliche Beziehung zum Gemeinwesen und den Mitmenschen zu entwicklen, indem das Subjektive, das Eigene geachtet und anerkannt wird. Was Grundlage ist dafür, dass der in seinen Indivualrechten »würdig« behandelte und anerkannte Mensch erkennt, welchen Wert diese Gemeinschaft für ihn hat, und er sie erhalten will, auch um seiner selbst willen. – Damit aber, erkennt er die Individualrechte der anderen genauso an, wie diese seine anerkennen. Dieses Bewusstsein stiftet Gemeinschaft.

Und wie das freie Geistesleben die Antriebe zur Ausbildung der individuellen Fähigkeiten erzeugen wird, so wird das demokratisch orientierte Rechtsstaatsleben dem Arbeitswillen die notwendigen Impulse geben. In den wirklichen Beziehungen, die sich herstellen werden zwischen den in einem sozialen Organismus vereinigten Menschen, wenn jeder Mündige gegenüber jedem Mündigen seine Rechte regeln wird, kann es liegen, dass der Wille sich entzündet, «für die Gemeinschaft» zu arbeiten. Man sollte daran denken, dass durch solche Beziehungen ein wahres Gemeinsamkeitsgefühl erst entstehen und aus diesem Gefühl der Arbeitswille erwachsen kann. Denn in der Wirklichkeit wird ein solcher Rechtsstaat die Folge haben, dass ein jeder Mensch lebendig, mit vollem Bewusstsein, in dem gemeinsamen Arbeitsfelde darinnen steht. Er wird wissen, wofür er arbeitet; und er wird arbeiten wollen innerhalb der Arbeitsgemeinschaft, in die er sich durch seinen Willen eingegliedert weiß.

S.52

Aber nichts anderes ist eine Grundeinkommens-Gesellschaft.

In ihr sind sich die Menschen bewußt, dass der wirtschaftliche Erfolg die Grundlage für die Existenzsicherung ist, die das »Bedingungslose Grundeinkommen« ausmacht. Weder werden die Menschen arbeiten, weil die Jobcenter-Mitarbeiter das so wollen, in Arbeitslagern, in »Beschäftigungsgesellschaften«, noch wird es die »Gewinngier« sein, die angeblich heute und in früheren Jahren, die Leute in den kapitalistischen Gesellschaften angetrieben hat, »stundenlang« täglich zu arbeiten. – Vielmehr ist es das Bewusstsein, dass das Wirtschaften ein gemeinschaftlicher Prozess ist, ein »Für-einander-Leisten«, welches die Produkte und Dienstleistungen erbringt, die wir alle für unsere Existenzsicherung brauchen. Wir arbeiten das, was nötig, ist und mehr nicht. Oder wir arbeiten mehr, weil wir individuell das so wollen.

Die heutige Hartz4-Zwangsarbeit ist eigentlich »sozialistisch«. Und damit »diktatorisch«. Sie gibt einer kleinen Clique von Leuten, »Politikern«, Politkadern, das Recht, andere Personen im Land zu einer Arbeit zu zwingen. Willkürlich gegen die »Würde des Menschen« zu agieren.

Noch sind wir Bürgerinnen und Bürger wie betäubt, und können es kaum fassen, dass uns dies passiert. – Unsere Aufgabe ist es nun, einen »Bürgerwillen« zustande zu bringen, der die gesellschaftliche Ordnung wieder in »menschengemäße« Bahnen lenkt. – Angetrieben dazu, werden wir durch die empörenden Aktionen der »Sklaventreiber« in den Regierungen.

Probleme politischer Arbeit (2)

Ein Schiff ist unterwegs. – Einige Techniker sagen, dass eine bestimmte Maschine im Schiff veraltet ist und erneuert gehört. Diese neue Maschine könnte viel mehr Leistung erbringen und sie wäre dann auf dem neuesten Stand der Wissenschaft. Sie werben dafür, dass diese Maschine durch jene ersetzt wird, die sie sich überlegt haben. Überall erzählen sie von ihrer »Erfindung«, ihrem neuen Konzept. – Sie sind halt »Maschinisten« und wollen ihren Job »noch besser« machen. – Tagein, tagaus erzählen diese Menschen von ihrer Maschine und kein Monat vergeht, dass nicht eine »Veranstaltung« zu diesem Thema stattfindet, organisiert von den Maschinisten, damit endlich die neue Maschine gebaut werden kann.

Was dabei auffällt, ist eine gewisse »Betriebsblindheit« dieser Techniker. – Sie beschäftigen sich nicht damit, wohin das Schiff überhaupt fährt. Oder brauchen wir überhaupt ein Schiff. Könnten wir uns auch anders fortbewegen? Ist diese Maschine im Schiff überhaupt notwendig, oder kann auf sie ganz verzichtet werden.

Die Techniker mit ihrer Maschine haben keinen Blick für »das große Ganze«. Sie sind ganz erfüllt mit ihrer Detailarbeit. – Aber geht das überhaupt, sich nur auf Teilaspekte des menschlichen Lebens zu konzentrieren. Ja klar, nur muss »vorher« entschieden sein, dass diese Maschine gebaut und installiert wird. – Wer aber entscheidet das.


Wer »politisch« arbeitet, arbeitet für die Allgemeinheit. – Ausgangspunkt für eine solche Betrachtung müsste sein, »in welcher Welt will ich leben?«, wie soll sie aussehen. – »Ich« ist dabei ein Teil der Allgemeinheit. Ein untergeordneter Teil der Allgemeinheit. Wenn es der Allgemeinheit gut geht, geht es mir auch gut. Natürlich gibt es Sonderansprüche. Diese müssen aber einzeln geltend gemacht werden und bedürfen der Zustimmung durch die anderen. – Dennoch ist es richtig zu sagen, »in welcher Welt will ICH leben«. Nur ist es meine individuelle Entscheidung, was ich für mich als angemessen ansehe. Sehe ich mich so, dass ich als Teil der Gemeinschaft ebenfalls einen gewissen Anspruch habe, auf die Dinge dieser Welt, oder sehe ich mich als Lobbyist, der »mehr« bekommen muss, als viele andere oder verleugne ich die »Allgemeinheit« gänzlich und lehne jegliche »Egalität« ab und bin »Raubtier« unter Menschen.

Es geht also erstmal nicht darum, ob diese Maschine eingebaut wird, sondern darum, wie soll »das große Ganze« aussehen. Die Maschine im Schiff kommt relativ zum Schluss.


Wenn ich mir jetzt wieder die Geldreformer anschaue, dann müssen die sich fragen, »in welcher Gesellschaft will ich leben«. – Dass wir bei dieser Betrachtung »automatisch« dazu kommen, dass wir das Geldsystem brauchen, ist nicht sicher. Oder das Geldsystem würde vielleicht nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Oder die Möglichkeiten der »Blockchain« eröffnen ganz andere Chancen, und das bisherige Geldsystem zu verbessern ist uninteressant.

Können die Geldreformer weiterhin nur auf ihr Spezialgebiet schauen?

Wer politisch arbeitet, braucht im Grunde zwei Perspektiven. – Einmal den Blick auf ein Spezialgebiet, das einen vielleicht besonders interessiert. – Aber ohne den zweiten Blick auf »das große Ganze« geht gar nichts. – Denn das Spezialgebiet ist diesem immer untergeordnet. – Wer nur detailversessen politisch arbeitet, ist nicht sachlich.

Dann ist aber die aktuelle politische Arbeit vieler Menschen unzureichend und wird den tatsächlichen Umständen nicht gerecht.

Informationen – und dann ….

Die Bevölkerung ist immer informierter. – Sich zu bestimmten Themen die Daten zu beschaffen, wird immer leichter oder Menschen, wie Herr Snowden helfen uns dabei.

Wenn sich nun aufgrund einer Erkenntnislage die Notwendigkeit ergibt, die »Lebenswelt« anzupassen, wie kann dies geschehen. – An dieser Stelle stehen die Menschen. – Sie sehen, dass sich eine Menge in ihrer Lebenswelt zum Besseren ändern müsste, aber es passiert nichts.

Die Menschen müssen ihre Interessen organisieren. – Die »alten Wege« sind verknüpft mit dem »alten System«, Parteien gründen, in solche eintreten, die Organisationsregeln beachten (oder wissen und lernen, sie zu umgehen) und in diesen Strukturen erfolgreich sein.

Diese Form der Interessensorganisation ist nicht mehr zeitgemäß. – Ich sehe aber, dass sich noch keine voll funktionsfähigen neuen Konzepte entwickelt haben. Stattdessen fallen die Menschen zurück in das, was sie bereits erreicht haben: sie informieren die Informierten.

Was folgt auf das Ende des Informationszeitalters

Wenn die Interessensorganisation nicht mehr über die alten Konzepte erfolgt, die da sind: als Individuum sich etablierten Organisationen und Institutionen anschließen (die Teil des überfälligen und obsoleten Machtapparates sind), in diesen »aufgehen« und diesen Moloch dann entscheiden zu lassen, wie er mit meinen Anliegen umgeht (das heißt, diese Anliegen notfalls auch verwirft und sie als »nicht realisierbar« darstellt), dann stehen die Menschen vor einer noch nicht bewältigten Aufgabe. Der Versuch diese Situation dadurch zu meistern, dass »neue Organisationen« gegründet werden, scheitert immer wieder kläglich (siehe Piratenpartei), weil die Individuen »in die Organisation« reingesteckt sein sollen, und wir haben abermals das alte Spiel.

Für einen neuen Lösungsweg gibt es sicherlich schon eine ganze Menge Ansätze. Aber sie harren noch ihrer vollumfänglichen Umsetzung.

Die Generation der Aktivisten

Aber hier noch einmal Beispiele, wie schwierig die Situation ist. – Wenn neue Initiativen sich nur »ein Thema« vornehmen, an dem sie arbeiten, dann ist das schon ein guter Ansatz. Das Problem der Parteien ist ja, dass sie zu allen erdenklichen Lebensbereichen eine Meinung haben müssen, das verlangt der Wähler von ihnen. – Was aber, wenn der Wähler die Positionen der Partei zu Thema A unterstützt, aber bei Thema B entgegengesetzter Meinung ist? Das sind echte Zerreißproben für die Menschen.

Geschickter ist es auf alle Fälle, sich als Initiative einem Thema zuzuwenden (zum Beispiel Hartz4). – Dieser an sich richtige Ansatz wird aber postwendend ins Absurde verkehrt, wenn diese Organisation auf einmal anfängt, sich in Zusammenarbeit mit der abc-Partei darzustellen. – War vorher noch die Idee vorhanden, wir schauen, wie wir das Problem Hartz4 bewältigen, und alle Optionen wurden vorurteilsfrei untersucht und betrachtet, so ist nach der »Bindung« an eine Partei, plötzlich eine ideologische Ausrichtung der ganzen Initiative festzustellen und viele, die bisher die Initiative unterstützten, werden sich von dieser abwenden, weil sie zum Beispiel die Ideologie der abc-Partei nicht gutheißen.

Anderes Beispiel sind die Rundfunkgebühren. – Dieses Thema lässt eine Menge Interpretationsspielraum. Wer der Meinung ist, dass sich hier Bürger in Kungelei mit der Politik an den Finanzen der Bevölkerung bereichern, der sollte unbedingt aktiv werden. – Aber auch da ist wieder die Frage, mit welchen Mitstreitern will sich die Gruppierung »schmücken«. – Am einfachsten wäre es natürlich, sie würden ihre Unterstützer und die eigenen Aktiven als »legitime Informationsquellen« zitieren, aber die Verlockung scheint groß, andere Player im öffentlichen Raum zu benennen.

Und prompt passiert das gleiche Missgeschick, das ich eben schon erwähnte: Aus Propaganda, Ideologien und fragwürdigen Parteien wird zitiert, was der Initiative mehr schadet als nützt, weil sie sich selbst mit diesen schrägen Quellen in Verbindung bringt, und dies sofort als »ein Sumpf« gedeutet wird.

Wer also in solchen Initiativen mitwirkt, muss ständig darauf achten, dass nicht irgendwer in der Gruppierung einen »Link« zwischen der Gruppe und seinen »weiteren Interessen« herstellt.

Hier wird aber schon deutlich, wie der bessere Weg aussieht: ausschließlich Einzelpersonen kommen zu Wort, ausschließlich »ein-Thema« bezogen wird argumentiert.

Sicherlich sind Gründe benennbar, größere Zusammenhänge darstellen zu wollen. Und tatsächlich gibt es diese Verknüpfungen ja auch. – Aber wir müssen uns bewusst sein, dass wir dann schon wieder auf dem Weg »auseinander« sind, wenn wir uns nicht vorher ganz sicher waren, dass wir die großen Zusammenhänge tatsächlich so alle gleich (oder ähnlich) denken.

Ich selbst stelle fest, dass es heute immer noch viel zu wenige Menschen sind, die sich »als Individuum« zu Einzelfragen ihrer Lebenswelt äußern und in dieser Weise in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten und einen (festen) Standpunkt haben. – Müssen wir warten, bis es mehr Menschen werden.

organisat-io-4

Schaubild als PDF

Quergelesen

Teil 1

Das Anliegen der Zeitschrift »Humane Wirtschaft« wird eigentlich von vielen dort schreibenden Autoren ganz unverblümt genannt.

Die freiwirtschaftliche Systemkritik zielt im Kern auf Machtverhältnisse, die zu leistungslosen Einkommen auf Kosten der produktiv tätigen Menschen (also zu Ausbeutung) führen, vor allem auf die private Aneignung von Allmende und die Etablierung nicht umlaufgesicherter und daher zinstragender Geldsysteme.

So schreibt es zum Beispiel der Psychologe Peter Berner in seinem Artikel »Der spaltende Geist und das Geldsystem« in der Ausgabe 02/2014.

Und wer sich dieser »Wahrheit« noch nicht genügend geöffnet hat, wird zum Naivling erklärt, wie Raphael Fellmer von der Autorin »Pat Christ« in derselben Ausgabe.

Die Visionen der Geldlosen sind sympathisch und gleichzeitig oberflächlich. Sie sind bestrickend in ihrer Einfachheit und gleichzeitig naiv. Es genügt nun einmal nicht, Tatbestände zu konstatieren. Nehmen wir den Hunger in der Welt. Der lässt sich keinesfalls ausschließlich als Verteilungsproblem fassen.

Und weiter:

Immerhin gehört Fellmer nicht zu jenen, für welche die da oben an allem schuld sind. Jeder einzelne ist verantwortlich für alles, sagt er gegenüber unserer Zeitschrift. Für quälerische Tiertransporte und Legehennenbatterien, für Klimawandel und Umweltverschmutzung, für den Hunger in der Welt und alle anderen Übel. Uff. Ganz schön viel Verantwortung – sagen wir für eine alleinerziehende Frau, die nicht weiß, wie sie ihre zwei Kinder mit Hartz IV über die Runden bringen soll. Zwar ist es auch für Humanwirtschaftlerlnnen zu billig, einfach mit dem Finger auf „die da oben“ zu zeigen. Aber Fakt ist: Reiche können die Spielregeln diktieren. Und sie tun es.

Und die Ikone der Freiwirtschaft, Helmut Creutz stößt natürlich in dasselbe Horn, wenn er konstatiert:

Die wesentlich größeren Veränderungen resultieren jedoch aus den mit allen unseren Geldausgaben zu zahlenden Zinsanteilen, die in allen Preisen (und damit den Haushaltsausgaben) ohne spezielle Angaben als Kapitalkosten genau so enthalten sind, wie die Personal und Materialkosten, während sich die diesen Kosten gegenüberstehenden Zinseinnahmen immer mehr bei den bereits reichen Minderheiten konzentrieren. Die Folgen dieser verdeckten Umschichtungen schlagen sich in jenen ständig zunehmenden ArmutReichtums-Diskrepanzen nieder, die schon seit Jahrzehnten nicht mehr durch Leistungssteigerungen und Wirtschaftswachstum ausgeglichen werden können.

Humane Wirtschaft 01/2014

Es ist diese eine »Wahrheit«, auf die sich die Human-Wirtschaftler scheinbar gegenseitig eingeschworen haben. Die »ArmutReichtums-Diskrepanzen« sind das gesellschaftliche Problem überhaupt und es geht darum, die Leserschaft immer wieder mit dieser Wahrheit zu konfrontieren.

Aber eigentlich ist dieses Denken gar nicht so weit weg von der SPD-Propaganda. Denn auch in der Ideologie dieser Partei und nicht unähnlich bei den LINKEN, ist das Problem der Armut bei den Reichen verortet. – Schuld sind die Reichen.

Aus dieser »Erkenntnis« heraus lassen sich dann bestens Feindbilder pflegen oder neu auflegen, wie es Peter Berner in seinem schon anfangs erwähnten hoch interessanten Artikel tut, in dem er von einem Disput in einer Mailingliste erzählt, weil einer einen Artikel aus dem Kopp-Verlag gepostet hatte und andere Leser der Liste dies für unangemessen hielten, weil in diesem Verlag auch »rechtes Zeug« veröffentlicht wird.

Berner vermittelt, dass in dem Verlag eine Vielzahl von Artikeln erscheinen, und eben auch interessante. Und die weniger erfreulichen Artikel müssten hingenommen werden, um an die besseren Beiträge gelangen zu können.

Aber was sind das nun für Beiträge, die »interessant« sind, beziehungsweise über was hatten sich die Kritiker empört. Berner selbst zitiert einen Abschnitt im dem steht:

„Doch den genauen Zeitpunkt kennt keiner von uns. Den bestimmen die heimlichen Herrscher über die westliche Welt – jene Familien, denen alle großen Banken und Investmentfirmen gehören und die dennoch in keiner Forbes-Top-Ten-Liste auftauchen.“

Im Grunde geht es auch hier wieder um die »wahren Schuldigen« an unser aller Elend, so zumindest in der Lesart der »Wahrheitsfinder« bei der Humanen Wirtschaft.

So passiert es, dass durchaus lesenswerte und vom Ansatz inspirierende Artikel teilweise abrupt, so wirkt es manchmal, in die Bahnen der Denkschienen der Freiwirtschaftler gelenkt werden (müssen?).

Der Autor Siegfried Wendt etwa, verfasst einen Text, der die Frage nach dem Sinn von Wirtschaft aufwirft, »Wisst Ihr denn, wohin Ihr wollt?«, 01/2014, findet sich aber dann doch wieder in der »Einkommensspreizung«, die, wen wundert es, auf die Arm-und-Reich Diskussion zurückführt, ohne die es scheinbar gar nicht geht, in dieser Zeitschrift.

Fazit:

Trotz dieser Einschränkungen lohnt es sich immer wieder in diese Zeitschrift zu schauen, auch wenn der Schluss, die Quintessenz der meisten Artikel vorhersehbar ist. – So gab es einen wichtigen Artikel eines Arztes zum Gesundheitssystem, das in Wirklichkeit ein Gesundheitsmarkt ist. – Humane Wirtschaft 05/2013

———————————————–

Teil 2

Zu Peter Berners Artikel »Der spaltende Geist und das Geldsystem.« möchte ich noch einmal gesondert eingehen, da sich Berner doch sehr ehrlich mit den unterschiedlichen Denkrichtungen beschäftigt, und die Frage stellt, wie wir überhaupt »gemeinsam« irgendeinen Weg gehen können, wenn wir so unterschiedlich in unserem Denken sind.

Er sagt, dass wir Menschen ein »Teilwissen« von der Wirklichkeit haben und nur in dem wir diese Teile verbinden, ermöglichen wir es uns allen, das Ganze zu begreifen und zu erkennen.

Allerdings macht er dabei das Individuum kleiner als es eigentlich sein müsste.

In einem solchen Fall kann jede(r) der Beteiligten in der Regel nur einen Teil der Wirklichkeit, die gerade zu untersuchen oder zu gestalten ist, erkennen und verstehen – was ebenfalls so lange unproblematisch ist, wie ich als Betroffene(r) mir dessen bewusst bin, wo die Grenzen meines Wissens liegen. …………………

Daraus entsteht ein Habitus, den ich als „Hochmut der Halbwahrheit“ bezeichnen möchte. Dieser kann auf unterschiedliche Weise gelebt werden, sei es ganz offen als missionarische Haltung, welche die anderen überzeugen und „bekehren“ will ………….

Unterhalb der »ganzen Wahrheit« scheint es nichts Akzeptables zu geben. Aber ist das so? Auch die Summe der individuellen Wahrheiten ergibt die menschheitsgeschichtliche »ganze Wahrheit«. Es geht daher nicht um »Grenzen des Wissens« die uns Einzelne auszeichnen, sondern um die »Fülle der Erfahrungen, Erkenntnisse und Eindrücke« die die Einzelmenschen im Laufe ihres Daseins erwerben. Die macht die individuelle Welt so bedeutsam. – Berner betont die Beschränktheit der individuellen Wahrheiten. Aber genau das Gegenteil ist richtig. Es gilt, die individuelle Wahrheit vollumfänglich anzuerkennen. Nicht das Kleinmachen des Einzelnen sollten wir einüben, sondern erkennen, wie wichtig die Beiträge aller Einzelmenschen sind.

Da sich bei Berner aber alles darum dreht, die »Wahrheit« zu finden, kommen wir wieder unweigerlich auf den »falsch-und-richtig« Weg. Die persönliche Wirklichkeit ist für ihn nur eine »Halbwahrheit«.

Andererseits sagt er auch:

Wer eine profilierte Position bezieht, die mir befremdlich erscheint, löst nicht mehr – wie bisher üblich – den Reflex aus, ihn in die richtige Schublade einzuordnen und mir damit gegebenenfalls vom Leib zu halten, sondern wird innerlich willkommen geheißen als eine Person, die – über die Stimme ihres Gewissens, welche jede(n) Einzelne(n) an das universelle Bewusstsein zurückbindet – die Wahrheitsfindung der Gemeinschaft vervollständigt.

Dem ist vorbehaltlos zuzustimmen. – Und wo ist der Haken? Wer bestimmt darüber, was die »ganze Wahrheit« ist, und was »nur« Wirklichkeit, wenn doch alle Einzelnen nur einen Teil des Ganzen überschauen können.

Die thematische Auseinandersetzung, die Berner hier führt, ist sehr wichtig und zu befürworten. Er ordnet aber das Individuum wieder der »ganzen Wahrheit« unter, der es angeblich nicht gewachsen ist. Wenn aber kein Individuum die ganze Wahrheit überschauen kann, wie entstehen dann solche Leitlinien, wie sie zum Beispiel in der Zeitschrift »Humane Wirtschaft« in jeder neuen Ausgabe wiederzufinden sind? – In Wirklichkeit sind es wieder Einzelpersonen und Machtsituationen, die zu solchen Entwicklungen beitragen.

Statt also allen eine »ganze Wahrheit« nahelegen zu wollen, könnten wir die individuellen Wahrheiten und Urteile akzeptieren, und schauen, wie wir über das gemeinsame Gespräch die Wirklichkeit so gestalten, dass möglichst viel von dem sich realisiert, was wir uns vorstellen. – Und natürlich wäre es naiv zu denken, dass wir alles tolerieren, was gedacht und gewollt wird. – Gedacht und gewollt wird ja auch das Böse in der Welt.

Ausgestaltung der Direkten Demokratie

Wichtig ist die Einzelperson, das Individuum. – Alle Meinungen, Urteile und Entscheidungen des Individuums gilt es zu achten. Andererseits ist zu bedenken, dass ein Mensch eben auch nur eine Stimme hat, wenn es darum geht, etwas für die Allgemeinheit zu entscheiden. – Das heißt, die Meinung des Einzelnen ist bedeutend und sollte zur Kenntnis genommen werden, sie ist aber nicht »das letzte Wort«. Auch andere haben eine Meinung. – Werden verschiedene Vorschläge zu einer Sache eingebracht, wird eine Vorauswahl durch Abstimmung getroffen, die dann in die »Endrunde« kommen. Der Vorschlag, der die meisten Stimmen bekommt, wird umgesetzt. Das heißt, auch wenn es nur eine Stimme mehr wäre. – Dabei wird davon ausgegangen, dass die Vorschläge eher ähnlich, vergleichbar und nicht in krassem Gegensatz sind. – Und die Menschenrechte begleiten immer alle direkt-demokratischen Entscheidungen.

Damit der Einzelne genügend umfänglich gewürdigt werden kann, mit seinen Überlegungen, ist eine Präsentation seiner Gedanken und Ideen unumgänglich. Und natürlich können auch Personen vollständig im Verborgenen leben, ohne Handy, Telefon, Internet und sie können behaupten, dennoch bei der Gestaltung der Allgemeinheit und des Gemeinwohls mitzuwirken, aber wenn die Direkte Demokratie eine »große Sache« werden soll und werden wird, dann präsentieren wir uns genauso, wie heute die Politiker es tun, über eigene Internetseiten, über Blogs, über soziale Netzwerke.

Um ein Beispiel zu nennen. Immer wieder werden neue Initiativen, Gruppen gegründet, die sich bestimmten Zielen, Aufgaben widmen wollen. Hier ist es sehr wichtig, sich schnell einen Überblick zu verschaffen, wer denn da sich gemeldet hat, aufgetaucht ist, um bei diesen Unternehmungen dabei zu sein. – Wer wenig von sich erzählt, hat womöglich nicht die Zeit dazu. Aber die realen Begegnungen können dies sowieso nicht leisten, da hier die Zeit immer zu knapp ist. Zeit im Überfluss gibt es dagegen im Internet. [1] Die schriftliche Darstellung einer Person ist schneller zu überschauen, als sich durch die vielen kurzen mündlichen Mitteilungen hindurchzuarbeiten, die »live« von einer Person zu erleben sind. – Frühzeitig und über Jahre einen Eindruck über die eigene Denkweise zu vermitteln (die sich durchaus über die Zeit auch ändern kann), bietet eine gute Gelegenheit für andere, die Gedankenwelt desjenigen zu erkunden. – Klar können solche Seiten manipuliert sein. So, wie es auch bei den Wikipediaseiten versucht wird, die über Personen informieren. Aber wenn etwas gesagt wurde, geschrieben ist, dann gilt das erstmal. Und es hat eine andere Wirkung, als wenn jemand als völliger »Nobody«, ohne Hintergrund in Erscheinung tritt.

Würde dies nun als Aufgabe verstanden werden, so bedeutet es, dass Personen, die in der Öffentlichkeit für die Allgemeinheit und das Gemeinwohl aktiv werden wollen (wer Lobbyist sein will, hat sowieso ein ganz anderes Wertesystem), sich darauf einrichten, in der Öffentlichkeit in gewisser Weise »zu leben«. Den eigenen Vorteil haben sie dadurch, dass sie selbst Teil der Allgemeinheit sind, für die sich eingesetzt wird. – Wer in einer Initiative sich einbringen will, sollte parallel dazu einen Blog betreiben, auf dem die eigenen Positionen in gewissem Umfang sich in der Entwicklung zeigen und verfestigt und verfeinert werden. – Es geht nicht darum, »mitzuschwimmen«, sondern wie alle anderen auch, »zentraler Baustein« der Unternehmung zu werden. – Alle sind unabdingbar und in vollem Umfang präsent. – Das geht aber nur, wenn der Einzelne eine eigene Meinung hat. Und die muss er konkretisieren.

[1]
Empfundene Wirklichkeit. – Das ist ein interessanter Aspekt. – Im Internet haben wir »Zeit im Überfluss«. In der realen Welt ist die Zeit extrem knapp. – Es sei denn, es wird die »reale Welt« ins Internet verfrachtet. Alberner geht es nicht. – Als Beispiel sind die »Sprachkonferenzen« bei den PIRATEN zu nennen. Mumble. Da werden alle Vorteile des Internets ausgehebelt. – Das ist so, als ob vor die Lokomotive ein Pferdegespann gesetzt wird, um die Lok samt Waggons zu ziehen.

Gruppe und Individuum

Basic Income UK – Towards an emancipatory welfare

We have different political and social backgrounds and do not represent any one political party. Except when explicitly mentioned, the views expressed on this website do not represent any official position as a group. The articles and opinions are rather intended as a discussion amongst a plurality of viewpoints and a way of raising awareness and debate around this issue.

Beyond our differences, we are working together to actively promote the idea of an unconditional and universal basic income as an unimpeachable right of every citizen of the world.

Warum soll auch eine Gruppe nur deshalb existieren, weil sich die beteiligten Individuen zu einer Meinung zu einem Thema bekennen. Ein Unfug ohnegleichen. Denn es ist doch wahr, dass wir Menschen in der Regel nicht einer Meinung sind und trotzdem in »eine bestimmte Richtung« gemeinsam gehen können. Diese Richtung ist eine »in etwa« Linie, die wir teilen, aber ausgestalten tun wir sie mit unseren individuellen Perspektiven und Schwerpunktsetzungen und die kommen zu Wort und sind unsere individuelle Anwesenheit bei der ganzen Unternehmung.

Das ist ein sehr wichtiger Aspekt, denn in vielen Vereinen, Organisationen und Institutionen gibt es das ungeschriebene Gesetz, dass die individuelle Sicht der Dinge sich unterzuordnen hat, der »offiziellen Marschrichtung« der jeweiligen Einrichtung. Diese Einschränkung und Unterwerfung, ja Brechung der Individualität zugunsten einer ominösen Gruppenmeinung, ist das Grundübel der heutigen Gesellschaftsgestaltung. – Es sind nicht zuletzt die Parteien, die nach dieser desaströsen Konzeption ihr übles Werk vollbringen.

Schlimm daran ist in erster Linie, dass es natürlich Einzelpersonen und Lobbyinteressen sind, die ganz bestimmte Gesetze und Entscheidungen »im Namen der Allgemeinheit« und aller in der Partei Aktiven auf den Weg bringen, dieser Umstand ab vertuscht wird, in dem man so tut, als ob »alle« das genau so wollen, wie es dann in die Umsetzung kommt. – Selbst wenn es so ist, dass alle letztlich zu bestimmten Gesetzen »ja« sagen, dann ist das im Laufe der Mitgliedschaft in diesen Organisation den Politikern und Mitgliedern antrainiert und beigebracht worden. – Es kann auch von »Zurichtung« des Menschen gesprochen werden, um ihm seine individuelle Sicht auszutreiben, um ihn auf »Parteilinie« zu bringen. Und wer nicht spurt, wird bekämpft.

Die Grundeinkommens-Idee braucht aber ganz andere Menschen. Es ist der aufmerksame Bürger gefragt, der eben nicht seine Einsichten an der Organisationstheke abgibt, bevor er die Mitgliedsbescheinigung in Händen hält. Im Gegenteil. Der Kulturimpuls, der durch die Grundeinkommens-Idee ausgeht, regt das Subjekt an, die eigene Perspektive als das eigentlich Wichtige zu erkennen und beizubehalten, statt sich einer Gruppenmeinung unterzuordnen. Gerade die eigene Wahrnehmung wird als das besondere Element erlebt, dass durch den Impuls angeregt wurde. Es geht darum, die subjektive Sicht zu stärken und die Gruppe ergibt sich dadurch, dass die Engagierten gemeinsam dieser Ansicht sind.

Die Sorge, dass eine solche Gruppe nicht durchsetzungsfähig sein könnte, weil eine zu starke Ausrichtung auf die individuellen Sichtweisen eine klare Ausformulierung von Schritten, die zu gehen sind, verunmöglicht, ist nicht berechtigt. Nach den Methoden der Direkten Demokratie kommen Ergebnisse zustande, die alle Menschen akzeptieren können.

gruup-x1

Meinungsfreiheit

Im Grundgesetz steht:

Artikel 5
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Und in den Abmachungen der UNO finden wir.

Artikel 19 Menschenrechtserklärung
Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

Damit ist eigentlich alles gesagt. Wie kommt es aber, dass dennoch die Meinungsfreiheit »faktisch« eingeschränkt ist?

Um die Meinung äußern zu können, brauchen die Menschen Medien. Das einfachste Medium ist die Stimme. Jeder kann sich hinstellen und seine Meinung sagen. Aber da beginnen bereits die Schwierigkeiten. Stellt sich der Mensch in seiner Wohnung hin, und sagt seine Meinung, dann geht das nur, wenn er nicht dadurch Nachbarn belästigt (Lautstärke, Uhrzeit, ..). Und auf öffentlichen Plätzen kann man nicht einfach Menschen um sich versammeln und eine Rede halten. – Öffentliche Versammlungen müssen angemeldet werden. Wer Flugblätter verteilt, muss diese namentlich kennzeichnen, damit die Behörden wissen, wer für den Text verantwortlich ist.

Am Arbeitsplatz kann ein Mitarbeiter nur bedingt seine Meinung sagen. Geht er in Konfrontation mit seinen Chefs, so werden diese versuchen, den Mitarbeiter loszuwerden. Zum Beispiel wegen »geschäftsschädigenden Verhaltens«. – So ist festzustellen, dass es gar keinen öffentlichen Raum mehr gibt. Jeder »Raum« gehört irgendjemandem anderes. Dem Hauseigentümer gehört die Wohnung. In der Schule können die Schüler nicht sagen, was sie wollen. Hier hat die Schulleitung Hausrecht. Auf der Straße hat der Staat »Hausrecht«.

Und wie ist es im Internet? Hier könnte man meinen, sei die Meinungsfreiheit eher möglich. Auf einer Homepage kann jeder Bürger seine Meinung sagen. Oder? Natürlich nur im Rahmen der Gesetze. Und wer eine eigene Domain verwendet, kann Besuch bekommen von Menschen, die mit dem Autor »direkt« kommunizieren wollen. 🙂

So lässt der Mensch, der seine Meinung sagen will, seine Homepage hosten und meldet keine eigene Domain an. Aber auch da ist niemand davor geschützt, seine Meinungsplattform gekündigt zu bekommen, weil Regierungen den Provider und Hoster unter Druck setzen und so die Sperrung der Seite erwirken. – Mit anderen Worten, die Meinungsfreiheit ist theoretisch gegeben, in der Praxis bestehen allerdings viele Hürden.

Wie ist es auf Kommunikationsplattformen? Foren, Soziale Netzwerke. Hier spielt wieder die Eigentumsfrage eine große Rolle. »Foren« sind in der Regel von Privatpersonen erstellt worden, von Vereinen, aber auch von Firmen. Diese haben neben den gesetzlichen Regeln, die sie beachten müssen, eigene Regeln, nach denen sie die Beiträge anderer Personen beurteilen. Gefallen dem Foreneigentümer bestimmte Meinungen nicht, in »seinem« Forum, wird er sie zu verhindern wissen und die Verursacher aus »seinem« Forum verbannen.

In den Sozialen Netzwerken sind es auch wieder die »Eigentümer« der Netzwerke, die Regeln aufstellen und damit festlegen, was möglich ist und was nicht. – Im Usenet gibt es (selbsternannte) Meinungspolizisten, die ein bisschen für »Ordnung« sorgen.

Wie ist nun die Tendenz bei der Meinungsfreiheit?

Meinungsfreiheit ist am ehesten dann möglich, wenn das Medium, das die Meinung trägt, und der »Raum«, in dem Meinungsfreiheit stattfindet, nicht »fremder« Kontrolle unterliegt und der Mensch »Medium und Raum« unbeschränkt nutzen kann, um sich mitzuteilen.

Im Grunde bedeutet es, das Meinungsfreiheit überhaupt nicht existiert, sondern nur eine gegenseitige Duldung und Akzeptanz. – Wenn wir einander nicht dulden und akzeptieren, werden wir uns bekämpfen und verhindern.

Meinungsfreiheit ist mehr ein Anspruch, als das sie Wirklichkeit ist.

meinungsfrr-a

Schöner Liberalismus

cicero–afd-konservative-sind-zutiefst-antiliberal

Und eine gute Abgrenzung zum Konservativismus.

Vor allem basiert der Liberalismus auf der Einsicht, dass ästhetische oder ethische Normen und Werte keine objektiven oder rational erkennbaren Größen sind, sondern in letzter Konsequenz Ausdruck persönlicher Präferenzen. Dieser subjektive und relative Charakter von Normen und Werten ist aus liberaler Sicht aber kein Mangel. Im Gegenteil, er eröffnet dem Individuum erst die Möglichkeit, sich frei und unabhängig von Traditionen, Bräuchen oder gar objektivistischen Moralansprüchen zu entfalten.

Besser kann man es nicht formulieren. Das Individuum bestimmt, verortet sich selbst, setzt seine eigenen Maßstäbe und diese sind Grundlage der eigenen Entscheidungen, zum Beispiel bei Bürgerentscheiden und Bevölkerungsabstimmungen. Aber findet das irgendwo seine Grenzen?

Mit seinem nüchternen Rationalismus ist das liberale Denken Erbe und auch Speerspitze der radikalen Aufklärung. Wissenschaftliche und technische Rationalität gelten dem Liberalen – anders als dem Konservativen – nicht als Zeugnisse einer degenerierten, entfremdeten und zerstörerischen Vernunft, sondern als Ausdruck menschlicher Kreativität, Gestaltungskraft und Fantasie. Zugleich ist der wissenschaftliche Rationalismus ein Bollwerk gegen Ideologien, Aberglaube und Mystizismus – weshalb Ideologen von links und rechts immer wieder versuchen, ihn seinerseits als Ideologie zu entlarven.

Nach Alexander Grau findet es seine Grenzen in der wissenschaftlichen und technischen Rationalität. Das ist natürlich clever gemacht. Erst wird gesagt, der Mensch sei frei und unabhängig von objektiven oder rational erkennbaren Größen, frei zu entscheiden, wie er denkt und will, um dann wieder dieses »Zuckerl« zurückzunehmen, in dem ein Katalog eingeführt wird, der die »Werte und Normen« vorgibt, die doch zuerst (scheinbar) jedem selbst überlassen waren.

Aber Liberale können so viel »rational« sein, wie sie wollen. Eine Pflicht zur Rationalität gibt es jedoch nicht. Hier muss das Recht des Individuums auf Festsetzung eigener Maßstäbe sich durchsetzen. Wer »fühlt«, dass das liberale Denken eine Gefahr für das Zusammenleben der Menschen ist (um ein Beispiel zu verwenden), kann diesen »Sachverhalt« genauso heranziehen für seine Entscheidungen, wie einer, der diese Haltung rational ableitet.

Wie verhält es sich nun, wenn die Menschen auf Gerechtigkeit und Gleichheit insistieren? Ist ein solches Ansinnen unter Liberalen denkbar? Ich unterstelle, dass der Liberale aus seinem Fundus an wissenschaftlichen Rationalitäten heraus dies verneinen würde. Er würde wahrscheinlich »beweisen«, dass Gleichheit nicht berechtigt ist und Gerechtigkeit ein relativer Begriff sei und somit beide Anliegen verworfen werden müssten. Umgekehrt würde er aus der individuellen Perspektive Gleichheit und Gerechtigkeit als Zumutung und Bedrohung individueller Freiheit wahrnehmen, was nicht gutgeheißen werden kann. – In wessen Interesse ist es unter diesen Bedingungen, »liberal« zu sein?

Sicherheit nach innen und im Außen

tagesspiegel–spionageskandal-prism-der-britische-geheimdienst-speichert-noch-mehr-als-die-usa

Die Snowden-Geschichte ist interessant, weil man anhand ihrer einige Themen ansprechen kann.

Loyalität

Wem gegenüber verhalte ich mich loyal? Fühle ich mich in einer Gesellschaft sicher, frei; bin ich existenziell gut versorgt, halte ich die »Lebensphilosophie« in den Ländern des eigenen Verbunds für angemessen; gefällt mir mein eigenes Leben, das ich lebe; ist mir ein Leben möglich, dass ich gerne leben würde. – Werden die Menschenrechte geachtet. Wie ist der Schutz der Individuen organisiert. Haben sie selbst Einfluss darauf. Hat Individualrecht Vorrang vor »Volksgruppenrechten« und Lobbyinteressen. – Ich frage mich auch, wie ist das in den anderen Ländern, China, Russland. Gibt es da auch Whistleblower? Man hört nichts davon. – Die Individualrechte für die Menschen sind so weit gediehen, dass jeder alles für sich auswählen kann. Wie ist es aber mit dem »Verteidigungszustand«? Den kann man ja nicht für sich selbst bestimmen. Der wird von Regierungen ausgerufen, für alle anderen im »Wohngebiet«. Ist das korrekt? Oder müsste da eine Volks-, sprich: Bevölkerungsbefragung stattfinden.

Spionage-Organisation

Wenn Snowden Material sammeln konnte, das die Zusammenhänge aufdeckt, dann stimmt etwas nicht, mit der Spionage selbst. Denn es müsste möglich sein, dass Mitarbeiter immer nur Teilbereiche einsehen und zu erledigen haben, ohne das Ganze zu checken.

Berechtigung

Politiker sind gewählt und werden bei Bedarf (in der Bevölkerung) wieder aus ihrem Amt entlassen. Wie sind die Begründungen für Spionage, -Abwehr, Geheimdienst? Wenn man in den 70er Jahren mit Geheimdienst-Methoden eine Ausbreitung der sozialistischen Idee in Lateinamerika verhindert hat, dann war dies wahrscheinlich aus der Sicht der Täter notwendig, um die Gefahr einer flächendeckenden Ausbreitung des Kommunismus in der Welt zu verhindern. Aber es war natürlich auch Einmischung. Denn wenn es in Lateinamerika, in den einzelnen Staaten genügend Zustimmung für die sozialistischen Experimente gab, dann hätte man es halt zulassen müssen. Kurzum, wer entscheidet, welche Motive für bestimmte Aktionen berechtigt sind, und welche nicht. – Heute höre ich von Menschen aus Afrika und Lateinamerika, dass in der Idee des Sozialismus der Gemeinsinn enthalten ist, der von vielen Menschen als unbedingt nötig angesehen wird, weil nur über den Gemeinsinn auch die Hilfe für die Armen und Schwachen entsteht. Deshalb ist der Sozialismus für die Menschen interessant, weil er diesen Aspekt hat. Während in der westlichen Welt der Egoismus und die Idee vom persönlichen Vorteil die größere Rolle spielt. Die Konkurrenz- und Wettbewerbsidee. –
Es stellt sich also die Frage, konkret: welche Personen entscheiden über Krieg und Frieden? Inwiefern sind eben diese Personen berechtigt, alle anderen mit hineinzuziehen, in ihre Projekte. Und sollten sie überhaupt solche Macht haben, entsprechende Gewaltaktionen zu beschließen?

Erweiterte Konsequenzen

Wenn Geheimdienste, Regierungen, Zugriff auf Daten der Bürger haben, warum nicht auch gleich nachschauen, wer von diesen Bürgern sich gegen die Regierung wendet und gegen sie arbeitet? Warum nicht gleich die Opposition kontrollieren, und die abgeschöpften Daten verwenden, um diese auszuschalten.Die Möglichkeiten sind schier endlos. – Sind zumindest in der westlichen Welt die Geheimdienste so gestaltet, dass diese Ansinnen abgeblockt werden? In welcher Form hat die Bevölkerung eine Kontrolle über die geheimen Aktionen der eigenen Regierung? – Außenpolitik, Innere Sicherheit, Bündnispolitik, sind enorm spannende und wichtige Themen. Menschen wie Edward Snowden bringen uns dazu, sie wieder mal anzuschauen.

Grundrechte für das Individuum

Es sind im Wesentlichen zwei Veränderungen des Sozialsystems und seiner normativen Ausstattung, die dem Phänomen der totalen Mitgliedschaft in Religionsvolksgruppen die Grundlage entziehen – zum einen ………………, zum anderen die progressive Erhebung der Individuen zu Trägern unveräußerlicher Grundrechte. Unter denen ragen das Recht auf Freizügigkeit und das Recht auf freie Religionswahl hervor.[31] Wenn es auch übertrieben ist, von einer Sakralisierung der Person in der Moderne zu sprechen, die Souveränisierung der Person ist nicht zu leugnen.[32] Indem die Souveränität der Person ein grundrechtlich verankertes Gegengewicht zur potentiell dämonisch übersteigerbaren Idee der Volkssouveränität bildet, lockert sie eo ipso den Zugriff des Kollektivs auf die Einzelnen und emanzipiert diese von der Zumutung totaler Volksangehörigkeit.

perlentaucher–im-schatten-des-sinai

religion-I